Philologus

J?arbart) Collrgr itbrarp

KMOM TMK

PRICE GREENLEAF FUND

Kcsiduary legacy of $71 1,563 from E. Pricc Greenleaf. of Boston, nearly one half of the incotnc from . wliich is applied to Üic cxpenses of the ' \ College Library.

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I

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PHJLOLOGUS

ZEITSCHRIFT

FÜR

DAS CLASSISCHE ALTERTHUM

BEGRÜNDET von F. W. SCHNEIDE WIN und E. t. LEUTSCH

HERAUSGEGEBEN

VON

OTTOCBUSIUS

IN MÜNCHEN

Supplementband X.

LEIPZIG

DIKTERICH'SCHE VERLAGSBUCHHANDLUNG.

THEODOR WEICHER

1907.

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Druck ron H. Laupp jr in TiibmKea

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Inhalt des zehnten Supplementbandes.

Seite

Untersuchung zur Geschichte von Kran. Von J. Marguart. II

(Schluß) 1

; Die Ueberlieferungsgeschichte des Horas. Von Fr. Vollmer . . 259 T)e Senecae Hercule Qetaeo. Scripsit Aemiliiis Ackermann . . . 323 Das Aualeben des Clauselgesetzes in der römischen Kunatprosa.

Von 77t. Zklinski . ... 429

r>ie Philoatrate. Von Karl Munscher . . 469

Untersuchungen über die Lucianische Vita Demonaetis. Von

K. Funk , , , , . . , , . . , . . .. , , . . h£l

Zum Sprachenkampf im römischen Reich. Von Ludwig Hahn . 675

>o<zie

PHILOLOGÜS

ZEITSCHRIFT

FÜR

DAS CLASSISCHE ALTERTUM

fRÜNDET

F. W. 8CHNEIDEWIN und E. v. LEUTSCH

HERAUSGEGEBEN

VON

OTTO CRUSIUS

IN MÜNCHEN

Supplementband X, Heft 1.

LEIPZIG, DIETEBICH SCHE VERLAGSBUCHHANDLUNG.

InsehtraKse 10.

1905.

Erstes Heft

Untersuchungen zur Geschichte von Eran. Von J. Marquart. II.

Ausgegeben am 10. Juli 1905.

Von demselben Verfasser erschien früher:

Untersuchungen zur Geschichte von Eran.

(Separatabdruck aus dem 54. und 55. Bande des Philologus.)

Heft 1. 8°. VI u. 72 S. Geh. M. 1.80.

Vergleiche : Berliner philologische Wochenschrift 1897 No. 38. Lusac's Onental List.

Fundamente israelitischer und jüdischer Geschichte.

8°. VIH u. 75 S. Geh. M. 3.—.

Vergleiche: Deutsche Litteraturzeitung 1898 No. 3. Theol. Rundschau I, 2. Göttingsche Gelehrte Anzeigen 1897 No. 8.

Chronologische Untersuchungen.

(Separatabdruck aus dem VII. Suppl.-Bd. des Philologus.)

Vergleiche: Berl. phil. Wochenschrift 1900 No. 35. Orienta- lische Utteraturzeitung 1900 No. 4 u. 5. Book Circular New Serie* No. 7. Neue Phil. Rundschau 1900 No. 7.

Die Chronologie der alttürkischen Inschriften.

*8°. VII u. 112 S. Geh. M. 4.—.

Vergleiche: Göttingische Gelehrte Anzeigen 1899 No. 5. -- Jahresberichte der Geschichtswissenschaften. Byzantinische Zeitschrift Bd. VIII Heft 25. Revue critique 1899 No. 4. Museum 1899 No. 6/7.

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* * I

I. Die Namen der Magier.

In der syrischen Schatzhöble wird erzählt, wie die Magier bei der Erscheinung des wunderbaren Sternes voll Bestürzung in ihren gelehrten Büchern forschten und nun im Orakel des N i m r o d l) fanden , dass ein König in Juda geboren werden würde. Sofort verliessen sie den Osten und zogen mit Geschenken an Gold, Weihrauch und Myrrhen, die sie in den Bergen von Nod geholt hatten, zum neuen Könige, um ihm ihre Huldigung darzubringen. „Die folgenden aber sind diejenigen, welche Opfer darbrachten, Könige und Söhne von Königen: Hormtzkar (Hör- mizdü&)*) von Mä^özde8), der König von Persien, der den Titel .König der Könige' führte und in Adonmgän*) unten5) resi- dierte; Azdeger*) , der König von Sabä, und Pcauoazd1) , der König von Schebä, das im Osten liegt. Und als sie sich an- schickten hinaufzusteigen, geriet in Bestürzung und Schrecken das Reich der Riesen8) es war aber ein sehr starkes Heer so dass auch alle StUdte des Ostens vor ihnen in Furcht gerieten. . . . . Magier aber wurden sie genannt wegen der Magiertracht,

*) Die arabische Übersetzung S. tTo, 5: „in dem Orakel, welches Jüntön, der Sohn des Nüh, dem Nimrod gegeben hatte, als er mit ihm zusammentraf*.

*) BA JJPDWO» , S , V V?pMOO) .

3) BS ««tjQSUD, Ar. ^&*wOj*jP . Thntsächlich ist der Ausdruck -ijOaaDJ unübersetzbar. S. u. S. 6 f.

4) SV ^OK)jJs, A ^JOjJZ), B ^J0}j2>; vgl. Lagarde, Mitteil. III 73.

*) Ar. ^yUI JjU j.

•) A r^W, Ar. ^Is^jt, v. 1. \j>*j, d. i. jlsOjl.

*) B JOVÄ, Ar. 0!3jASf v. Lj£, .

^ D. i. Kana'an, wo einst die Riesen gehaust hatten. S. u. S. 3.

Marqiurt, Untersuchungen. 11. 1 PhUologM 8upi»lementband X, Er«t«« Heft.

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J. Marqaart,

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mit welcher die Heidenkönige bekleidet waren, welche, wenn sie ein Opfer veranstalteten oder ihren Göttern Spenden darbrachten, zwei Trachten anlegten, die des Königtums innen und die des Magiertums aussen*1).

Diese Erzählung geht natürlich aus von der messianischen Psalmstelle 72, 10:

w«h ttmw d^«t sj^n "ob»

•t t i ••: ~ : - ••»-

Hier ist also das den Spätem unverständliche Tariiä auf Persien (Pars) bezw. das Partherreich bezogen worden.

Vom dritten Könige erzählt die erweiterte Recension A noch folgendes: «Als der Sohn des Königs von Schebä noch ein kleiner Knabe war, brachte ihn sein Vater zu einem Rabbi, und er lernte die Schriften der Hebräer besser als alle seine Gefährten und Volksgenossen ; und er sagte zu seinen Dienern, dass auch in allen Geschlechtsregistern geschrieben stehe, dass der König in Bethlehem geboren werden solle"2). Und als die Magier dem Messias Opfer darbrachten und den Lobgesang der Engel hörten, die bei ihm auf- und niederstiegen , sagt Parwazdätf zu seinen Gefährten : „Jetzt weiss ich, dass die Prophezeiung des Jesaias wahr ist Denn als ich in der Schule der Hebräer war, las ich im Jesaias und fand darin folgendes: .denn ein Kind ist uns geboren* etc. (Jes. 9, 6)8).

Drei Magier mit ganz ähnlichen Namen kennt die Schatz- höhle schon zur Zeit des Nimrod. Es heisst nämlich von Salomo : „Er baute Tadmor in der Wüste4), und führte dort grosse Wunderwerke aus. Und als Salomo an den Fuss des Gebirges gekommen war, das Sä'lr heisst, fand er dort den Altar, welchen Paiicarzkar5), Bcuwarzani*) und Ja*dwBrx) erbaut hatten. Diese hatte nämlich Nimrod der Riese zu Bal'am, dem Priester des Berges geschickt , weil er von ihm gehört hatte , er verlege sich auf die Sternbilder; als sie nun an den Fuss des Sä'Ir gekommen

') Die Schatzhöhle hrsg. u. Uber», von C. Bezold S. 8 ff . TPa, 10 ff. S. 57. 58 der Übersetzung.

*) s. rn, s—8.

3) s. rff , 10 ff. = S. 59 d. Üb*.

*) 2 Chron. 8, 4. Jos. df*. 8 § 154.

») B •♦DJOÄ, SV W~2>, Ar. v. 1. ^y,

fl) BSV ~J*OÄ, fehlt bei Ar.

") B ?OJJ-, VA fcyp, S iojJJ; Ar. \j>j\, v. 1. c,U,yt,

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Untersuchungen zur Geschichte von Eran. B

waren, bauten sie dort einen Altar der Sonne1); und da ihn Salomo sah, baute er dort eine Stadt, und nannte sie Heliopolis di. i. Sonnenstadt" *). Diese eigentümliche Korabination wird da- durch verständlich, dass der Moabiterkönig Balaq als König der Riesen galt (Ja'qübT, Hist. I fv; Qazwlni I ff1) und mit der Landschaft Belqä' *UM zusammengebracht wurde«). Auch liegt wobl eine Verwechselung des Gebirges Se'Tr mit dem SanTr (Hohel. 4, 8), einer Kette des Antilibanos nördlich von Damaskus, vor.

Diese Stelle steht mit einer früheren im Zusammenhang, wo es heisst: „In den Tagen des Ar'ü (i3n, 'Payav) machten sich die Mecräer d. i. die Ägypter den ersten König, namens Pontos, der Über sie 68 Jahre herrschte. In den Tagen des Ar'ü herrschte (gleichfalls) ein König in Schebä und Ophir und in Hawüä. Es regierten nun in Schebä 60 Töchter von Schebä, und viele Jahre lang herrschten in Schebä Weiber, bis zur Regierung des Salomo, des Sohnes Davids. Über jlie Söhne OphTrs4) herrschte aber der König Lephörön5), der Ophir aus goldenen Steinen erbaute; denn alle Steine in Ophir sind von Gold. Und über die Söhne Hawilä's herrschte der König Hatoil*), der Hawilä erbaute"6).

Unter Re'ü herrschte also noch ein König in Schebä, später aber Frauen bis auf Salomo, zu welchem die Königin von Schebä kam (S. U. , 4). Unter Schebä versteht der Verfasser nicht

Südarabien, das alte Reich von Saba, sondern Indien, wie aus dem Beisatz .welches im Osten liegt" (S. fH, 12) hervor- geht. Man bezeichnete Südarabien und das gegenüberliegende Abessinien als , äusseres Indien* (rj ££aj 'Ivdict, India citerior) im Unterschiede vom .inneren" oder eigentlichen Indien (tj kvdoTegut 7v<f/a, India ulterior). Schon bei Rufinus (h. e. I 9) begegnen wir aber einer Verwechselung dieser beiden Begriffe. Er behauptet, noch India ulterior sei vor den Zeiten Konstantins noch keine apostolische Predigt gekommen und definiert dasselbe als zwischen India citerior (dem glücklichen Arabien) und Parthien in der Mitte gelegen, sed longo interior tractu. Allein gleich nach-

») Vgl. Num. 23, 1 ff. 7. 14. 28 ff; 24, 17. *) Vgl. Iva, 10 ff. S. 43 d. Übs.

*) Vgl. Grünbaum, Neue Beiträge zur semitischen Sagenkunde S. 181, 185.

4) A am Rande: .das ist Ilmd (Indien)".

*) Ar. .j y±j>\ , v. 1- l™ äthiopischen Klemens heisst der

König von Sebä, der auch Ophir erbaut, Famos = aus y')}*?*'

Als ursprüngliche Form vermutet deshalb Bezold S. 77 Anm. 112 der Übersetzung mit Recht ,£9Q&/ statt >oia2l\, also ein Eponymos von V»Äo/.

•) S. IfA, 5-14. Irl, 6-13 = S. 30/31.

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J. Marquart,

her wird Frumentius als der erste Apostel jener Lander genannt, der aber vielmehr in Abessinien das Evangelium gepredigt hat. Dasselbe wird dann von Sokrates, Sozomenos und Theodoret wieder- holt. Kosmas Indikopleustes in seiner Topographia Christiana ver- steht unter dem „inneren Indien* immer Südarabien, wogegen Johannes von Ephesos den König der Homeriten ^JQuj (1. ^ = Jlfivov, acc.) richtig als König der ^«jocod/ = twv $£(o

'Ivdwv bezeichnet1). In den apokryphen Apostelgeschichten aber begegnet uns jene Verwechselung auf Schritt und Tritt2).

Man sieht nun unschwer, dass die Namen «jjia*S und 11JOV2) (so die vollständigere Form) auf dieselbe Grundform zurück-

6*141

gehen. Beide lassen sich ohne Mühe in }«jo;ä bezw. }«j*o;S Farr-ioindäö''7) „vom Glück erlangt* oder „Glück erlangt habend* verbessern, dies ist aber nur eine Art Übersetzung von Gundafarr, in den Thomasakten ^SUJQ^für v2>«JO^), gr. fovvÖd(fogogy auf

den Münzen YvdoyiQQTjg, I'ovöocfdQTjg^ ind. Gomdafarna, Guda- phara, Gadaphara etc.5), ap. Winda(h)-farnä, gr. Ivracfgivtjg für 'Ivxct(piQvr}q (Her. y 70. 78. 118 ff.), Ktes. AracpigvTjg statt *A vra- (pigvrjg, aw. * Windai - hwardnanh „die Majestät erlangend*'). Der Name Gundaphar ist noch nach der Kompositionsweise der alten Sprache gebildet und war deshalb gleich sehr vielen anderen parthischen Namen, besonders der älteren Zeit, den Persem der Sasanidenzeit noch weit weniger verständlich als der grösste Teil der altgermanischen Namen den Deutschen im 18. und 14. Jahr- hundert. Man suchte sich deshalb dieselben mundgerecht zu machen, indem man sie etymologisierte, wobei es natürlich bei der grossen Verschiedenheit der Wortbildung und Kompositionsweise der alten bildungsreichen Sprache von derjenigen der modernen

») Assemani, B. O. I 359. Vgl. Gutschmid bei Nüldcke,

Gesch. der Perser und Araber 186 N. Gemeint ist »*3 .

*) Vgl. R. A. Lipsius, Die apokryphen Apostelgeschichten 1 285. II 2, 59. 64. 132 f.

' ») Der Name ist belegt bei Tab. I Hv., 11. 14. 16 (a. 13 II.) mit

der Var. JLXJ^Lä Farr-ä-tcindäS bei Ibn al A%?ir III TTo, 23, die mit

3li>Jütj9 bei Ist. Jf/\, 4. Ibn Hauq. 1*.1, ann. b identisch ist. Vgl.

G. Hoffmann, Auszüge aus syr. Akteu pers. Märtyrer 297; F. Just i, Iranisches Namenbuch S. 90 a. 91 b. 98 b.

*) Wright, Apocryphal acts of the Apostles I S. y^JO, 3.

6) Die Münzen bieten im griechischen Texte bald TNJO<PEPPOT. bald rüNJO<PAFOT, rONJA<PAPOT. S. Percy Gardner, The coius of the Grcek and Scythic kings of Baetria and India in the British Museum p. 103—106, PI. XXII, 5—13. Die Kharosthilegende zeigt neben GadapJiarata (gen.), Gudapharasa d. i. * Gudapliarrassa auch die genauere Namensform Gomdafarna. Vgl. Otto Franke, ZDMG. 50, 603; G. Bühler Indiau Antiquary, May 1896. p. 141 N. 5.

•) Vgl. G. II off man n, Auszüge aus syr. Akten pers. Märtyrer 287.

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Untersuchungen zur Geschichte von Erau.

Dialekte , die den Flexionsreichtuin jener zum grossen Teil als unnützen Ballast über Bord geworfen hatten, an mannigfachen Mißverständnissen nicht fehlen konnte.

Der in Farr-windäd steckende Gundaphar, der Herrscher des Sakcnreiches im westlichen Indien und in Ariana, stammte ans dem parthischen Adelshause der Suren und war ein Zeitgenosse des Partherkönigs Gotarzes IL , der sich nach seiner Vertreibung im Jahre 42 n. Chr. in sein angestammtes Fürstentum Hyrkanien und Karmanien zurückgezogen hatte1). Wahrend in den Thomas- akten der indische König Gundaphar als Beschützer des Apostels Thomas gopriesen wird, erscheint Gotarzes als hartnäckiger Feind der neuen Lehre und eifriger Verteidiger des alten Glaubens, wes- halb er schlechtweg den Namen Mazdai führt, der ihn als eifrigen Mazdaverehrer bezeichnet2). Gundaphar ist auch in den syrischen Alexanderroman verflochten worden. In einem im griechischen Texte (Pseudo-Callisthenes ed. C. Müller 3, 17) fehlenden Stücke des Briefes Alexanders an Aristoteles wird erzählt, wie Alexander von Prasiake nach 10 Tagen zu einem hohen Berge kommt, wo an einem Flusse ein mächtiger Gott in Gestalt eines Drachen (nät/a) hauste. Alexander vernichtet den Drachen mit Hilfo derselben List, die Daniel gegen den Drachen angewandt hatte, und kommt dann zu einem hohen Gebirge, von welchem der Fluss Birastös (p. 106, 2 rpni\cr>'t ^ 3 p. 198, 13 - Korv^ : lies Jp-^on^-^

BtdaGTtjg, Ptol. VII, 1 p. 447, 18 Biödaniß) entspringt. Der ganze Berg bestand aus Saphir und hatte Überfluss an Quellen und Wasser- sprudeln. Hier gründete Alexander die Stadt „Alexaudria, die Königin der Berge* ohne Zweifel *A\&$ctvdQtict ij ngog Kavxdoq)*) und Hess seine Truppen da zurück, er selbst aber zieht mit zwanzig seiner Freunde aus und gelangt zunächst nach Qätön ^LJjD, wo er

drei Tage rastet. Ich vennute, dass dies derselbe Ort ist wie Cartana oppidum sub Caucaso, quod postea Tetragonis dictum PI in. h. n. 6, 92. Von da marschiert er 10 Tage auf gebirgigem Pfade durch wasserreiche Gegenden und dann weitere 15 Tage durch eine Wüste, bis er zu den Grenzen von (Jin gelangt. Als er den Hof des Königs von (JJin erreicht, gibt er sich für Pithäös, den Gesandten des Königs Alexander aus und wird von Gurulajthar, dem Heerführer des Königs verhört (S. 195, 5). Reich beschenkt kehrt er alsdann wieder zu seinem Heere zurück. Die vorliegende Erzählung versteht unter dem König von yin offenbar den Kaiser

*) Siehe meine Beiträge zur Geschichte und Sage von Eran ZDMG. 49, 641.

*) Siehe vorläufig meine Chronologie der alttürkisehcu Inschriften S. 67 Anm. 3.

z) Wie der Fluss Bidaste» zeipt, hat hier eine Vermischung zwi- schen Alexandreia Bukephalos am Ilydaspes ( Vüauta) und Alexandreia am Kaukaisos stattgefunden.

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ö J. Marquart,

von China. Ursprünglich war aber wahrscheinlich nicht dieser gemeint, sondern der König der Kusan, der, wie Sylvain Levi aus chinesischen Übersetzungen buddhistischer Legenden nachgewiesen hat1), in Nachahmung des chinesischen Kaisertitels , Himmelssohn " (Cien-tzo) sich den Titel devaputra oder voll- ständiger Cenasthäna-devaputra, chinesisch abgekürzt öen-ton, pers. jyjJu baypür, sogdisch jyJd fayfür*), arm. Cen-bakur*)

beilegte. Der Sakenkönig Gundaphar wurde also zunächst zum Heerführer des Grosskönigs der Kusan (Jüe-öi) degradiert, welcher das Reich der Saken vernichtet hatte.

Der Name ^jfOÄ ist augenscheinlich von den Schreibern nach dem bereits verdorbenen MÜjio*2> (aus j^uo^S) gemodelt und

"4*1 t' * * -»-I 1

zunächst aus ^D^fsojiooj verstümmelt worden. Er entspricht offen- bar dem ersten der drei Magierkönige ^oj-^o^oOf oder jjj^iooi . Mit dem diesem Namen beigegebenen Zusatz ^jjoixoj ist nichts an- zufangen; er ist schlechterdings unübersetzbar. Ich vermute, dass

*) Sylvain LcWi, Dcux pcuples meconnus. M&anges de Harlez 182 s. Notes Bur les Iudo-Scythcs. Journ. as. 1896, 2, 452. 457. 469. 472; 1897, 1, 23 Note 2. Zuerst findet sich der Titel iletxtputra auf Münzen des Kusan königs JKuyula Kara Kaphsa (Cunningham. Num. Chron. 1892, 66. PI. IV, 9), der wohl mit Kozulo-Kadphizes identisch ist.

*) Dies ist im Persischen der ständige Titel des Kaisers von China.

Vgl. al ChuwärizmT, MafätTh al 'ulilm ed. van V loten S. Hl, 2. II*., 7

(wo zu lesen ist äJ| xjJciuJb ^1 y j^)- Bei Tab. I Mi, 11

heisst es: „Fre<?ün machte den Tue zum König über die Gegend der Türken, Chazaren und Oin, und man nannte dieselbe Üb ljyo Ctn

bayü*, wofür cod. Spr. 30 richtiger ^jyo = Cin bayapuhr hat.

Der Kaiscrtitcl ist also irrtümlich als Landesname aufgefasst worden. Die Form /ci fay wird von den Wörterbüchern für feryanisch er- klärt; s. iförn, Neupersische Schriftsprache § 35, 2 S. 78 (SA. aus dem Grundriss für iranische Philologie Bd. I, 2, Lieferung 1).

Nach Ernst Kuhn, Barlaam und Joasaph 8. 37 hätten schon die Vorfahren der Arsakiden in ihrer östlichen Heimat den chine- sischen Kaisertitel „Himmelssohn* angenommen und ihn als baypür, fuyfür nach dem Westen übertragen. Erst von letztcrem wäre das

(ievajnUra der Ku&ankönige und weiterhin das "INnT *nn£ = /* yivovs fteov der Sasaniden ausgegangen. Diese Auffassung ist in- dessen völlig unhistorisch.

s) Moses Xor. Geogr. ed. Soukry p. 46, 12 62 der Übersetzung. Baknr ist die armenische Form des parthischen Namens Jluxopog, den

man sich als zurechtlegte und daher , da jj in manchen Dia-

lekten auch König bedeutete (al Chuwärizmi 1H , 1. If., 7; Berünl, Chronologie rT"», 9), mit ^ähjmfir „Königssohn* übersetzte. So heisst

z. B. der persische König Säpür II. bei Prokop Pers. 1, 5 p. 26 Dtutov- Qioe, in der entsprechenden Stelle des Faustos Byz. 4, 20 dagegen Sapuh.

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Untersuchungen zur Geschichte von Eran,

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der ursprÜDgliche Text lautete: ^jj» oofj .(Hormizkar) d.i. Mazda? . Die Lesart ;opo*oO) Hormizkar lasst sich vom iranischen Stand- punkte aus nicht rechtfertigen, wogegen ^OJOVÄ Perözkar = np. ßj^jfg , victor* einen guten Sinn gäbe. Das Ursprüngliche wird aber ^Öj^ioot Hormizdfarr „von Hormizd Glück besitzend* sein, wovon Hormizdäd lediglich erleichternde Korrektur ist. Man hat sich also nicht daran gestört, dass Mazdai in den Thomasakten als Feind des Christentums erscheint, und ihn ganz naiv unter die drei Magier aufgenommen. Ein oder er-

scheint auch in den arabisch - persischen Arsakidenlisten , unter welchem, wie später gezeigt werden soll, gleichfalls Gotarzes II. zu verstehen ist. Die Residenz des Königs in Adorbaigän würde aller- dings besser auf Gotarzes' Vorgänger und Schwager Artabanos II. passen, einen Sprössling des alten Königshauses von Atropatene, der aber in weiblicher Linie von den Arsakiden abstammte. Nachdem er zunächst die Krone seines Erbreiches Medien gewonnen hatte, wurde er später auf den Thron des Königs der Könige berufen, und ward so der Begründer der weiblichen Arsakidenlinie. Freilich war Atropatene gerade dasjenige Land, das abgesehen von Pars unter einer altpersischen Dynastie am längsten von der unmittelbaren Herrschaft der Parther freiblieb. Seitdem aber Artabanos den Thron von Ktesiphon bestiegen, ward es ein gut- parthisches Land und erscheint in der arabisch -persischen Über- lieferung als ein Hauptgebiet der Pahlawlk's. Wie lange es nachher noch ein eigenes Königreich geblieben ist, lässt sich bis jetzt nicht bestimmen; ebensowenig vermögen wir zu sagen, ob in der That jemals Ganzak, die Hauptstadt von Atropatene , den Grosskönigen als zeitweilige Residenz gedient hat, da unsere Quellen sich nur auf die Periode vor dem Aufkommen der weiblichen Arsakiden- linie beziehen1). Der Ausdruck „in Ä^orwlgän unten* [k*J&. &>]

ist vielleicht mit Nöldeke (briefliche Mitteilung) durch die Annahme zu erklären, dass dem Verfasser eine Karte vorlag, in welcher Süden (mit Indien) oben und Norden (mit Adorbaigän) unten war, wie in den arabischen Karten.

Über das oben erwähnte Orakel des Nimrod erhalten wir II tri, 16 in = I 33 Auskunft3): „In den Tagen Nimrods des Riesen wurde ein Feuer gesehen, das aus der Erde aufstieg. Und Nimrod stieg hinab, sah es und betete es an und setzte Priester ein, die dort dienen und Weihrauch hineinwerfen sollten.

*) Strab. tn 13, 1 p. 522 sagt, dass die Partherkönige im Sommer io Ekbatana und im Winter in Scleukeia am Tigris residierten.

*) Die folgende Erzählung ist benutzt von Ja'qübi, Hist. I f., in

der arabischen Catene bei Lagarde, Materialien zur Geschichte und Kritik des Pentateuchs I S. 96, sowie bei Eutychius ed. Pocock I 62. 64. Vgl. Grünbaum, Neue Beiträge zur semit. Sagenkunde 94 f.

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J. Marquart.

Seit dieser Zeit begannen die Perser das Feuer anzubeten (138) bis auf den heutigen Tag. [Es fand aber der König Sisän ') eine Wasserquelle in Ä^orbTgän *) , und machte ein weisses Pferd und stellte es daran auf; und diejenigen, welche sich badeten, beteten dieses Pferd an. Von da an begannen die Perser dieses Pferd anzubeten.]8) Nimrod aber ging nach Nöqdörä4), d. i. Nöd, und als er zum See Ökras5) kam, fand er dort den Jöntönfi), den Sohn des Nöfc.

Er stieg nun hinab und wusch sich in jenem See, und opferte und betete den Jöntön an. Jöntön sprach zu ihm: Du bist König und betest mich an? Nimrod erwiderte ihm: Deinetwegen bin ich hierher herabgekommen. Er verweilte nun bei ihm drei .führe, und Jöntön lehrte den Nimrod Weisheit und das Buch der Offenbarung und sprach zu ihm : Komm nicht wieder zu mir ! Und als er vom Osten heraufgekommen war und begann, dieses Orakel anzuwenden, verwunderten sich viele über ihn. Als aber Jaz&ar7), jener Priester, der jenem Feuer diente, das aus der Erde hervorkam, sah, (140) wie Nimrod in jenen alten Bahnen der Offenbarungen sich bewegte, bat er jenen Dew, der um jenes Feuer erschien, sie möchten ihn die Weisheit Nimrods lehren. Und wie es die Ge- wohnheit der Dewe ist, diejenigen welche sich ihnen nahen, durch die Sünde zu verderben, sprach jener Dew zu jenem Priestor: Kein Mensch vennag Priester und Magier zu sein, ehe er sieh nicht mit seiner Mutter und mit seiner Schwester begattet, Jener Priester aber that, wie ihm der Dew gesagt hatte8). Von da an begannen die Priester und Magier und Perser, ihro Mütter und Schwestern und Töchter zu nehmen. Und dieser Priester Jazsar begann zuerst die Stellung des Horoskops anzuwenden und die Schicksale und Lose und Zufalle und die Zuckungen der Glieder

J) Ar. (j»L*, v. 1. ^y^x v)y„**.; im Clem. Aeth. Säsf im äthiopischen Adambuch (Trumpp, Abh. der bair. Ak. XV, III.) Saittän.

Vgl. Lagarde, Mitteil. III 63. * a) Nur A und Ar.

•) So B; die übrigen Jfo*0CL, JvDO*, Ar. ^.^XsLi, (V),

•) So B; Ar. (P), = ; die übrigen £0^,

Clem. Aeth. Teräwes = (j^jbt.

°) A am Rande: Diesen Jöntön zeugte Nöh nach der Siutflut und ehrte ihn hoch und schickte ihn nach Osten, das» er dort wohne.

') So B; S V V*P/; A V^./, Ar. ^ÄOjl, v. 1.

^ju&IvXjI; Lagarde, Mat. 96 j»L^3 ^jLä-AjI. *) A: ,Und Idääer der Priester that so*.

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Untersuchungen zur Geschichte von Eran.

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und derartige Dinge der Chnldäerkunst. Dieses ist aber eine Trug- lehre der Dämonen, und jene welche ihr dienen, werden mit den Dämonen ihre Strafe empfangen am Tage des Gerichtes. Jenes Orakel des Ninirod aber hat (142) keiner von den rechtgläubigen Lehrern verworfen, denn auch diese haben es benutzt. Die Perser aber nannten es Orakel, und die Römer Astronomia*.

Den Inhalt jenes Orakels selbst erfahren wir aus Salomon, dem Metropoliten von Baera (um 1222), der vielfach aus sehr alten Quellen schöpfte und in seiner „Biene" Kap. 37 folgende „Prophezeiung des ZarädöSt über unsern Herrn* mitteilt1):

Dieser ZaräJöst ist Barü£ der Schreiber. Als er an der Wasserquclle Glösa von Horm sass, wo das königliche Bad errichtet worden war, sagte er zu seinen Schülern, dem König Gusnasp und Säsän'2) und MahimaS: Höret, meine Söhne und Geliebten, denn ich will euch ein Geheimnis offenbaren über den grossen König, der künftig in der Welt aufstehen wird. Am Ende der Zeit und bei der Endzers Wirung wird ein Kind im Schosse einer Jungfrau empfangen und in ihren Gliedern gebildet werden, ohne dass ihr ein Mann genaht ist*. Es wird alsdann seine Kreuzigung, Erhöhung und Wiederkunft verkündet. Darauf fingt Gusnasp: „Dieser, von dem du diese Dinge sagst, woher hat er seine Macht? Ist er grösser als du? oder bist du grösser als er?" ZaräduSt erwidert: „Er ist aus meinem Geschlecht ent- sprossen- Ich bin er, und er ist ich, und er ist in mir und ich in ihm. Wenn sich der Beginn seiner Ankunft zeigt, werden Zeichen am Himmel gesehen werden , und sein Lieht wird das des Himmels übertreffen*. Er ermahnt seine Schüler sodann, auf diese Zeichen zu achten, und wenn der Stern erscheine, Gesandte mit Geschenken an ihn zu schicken. „Dieses sind die Dinge, welche von diesem zweiten Bal'am gesagt wurden , und Gott hat ihn nach seiner Gewohnheit gezwungen, dies zu verdolmetschen; oder er stammte aus einem Volke, das mit den Prophezeiungen über unsern Herrn Jesus Christus bekannt war, und zeigte sie vorher an*.

Die geheimnisvolle Prophezeiung des ZaräduSt bezog sich also, wie man sieht, auf die Geburt des Sausjant vor der Welterncuerung am Ende der Tage :1). Am Ende eines jeden der drei letzten Jahr- tausende der Welt wird eine im See Kusava in Sagistän badende Jungfrau schwanger von dem dort aufbewahrten Samen Zara#ustras. So werden Ux&jat ^ta , Ux&jat-rmnö und Saosjant geboren wer- den, von denen jeder am Ende seines Jahrtausends die in Ver-

J) The Book of the bee, ed. E. A. Wallis Budge S. 81 der Übs. * *) v. 1. vfT>.fT>.

3) S. bereits Ernst Kuhn, Eine zoroastrische Prophezeiung in christlichem Gewände. Festgrusa für Roth S. 217 ff.

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10 J. Marquart,

fall geratene Mazda -Religion wiederherstellen wird. Der letzte, Saosjaüt, wird die Auferstehung und das mit der Welterneuerung und der Ausrottung des Bösen beginnende selige Zeitalter herbei- führen1). Diese Lehre der Magier kannte schon Theopompos (fr. 71 bei Laert Diog. prooem. p. 2), und es spricht nichts dagegen, dass die Sage von der wunderbaren Geburt des Saosjafit ebenso alt ist. Die Christen haben diese Kunde, wie schon E. Kuhn (a. a. 0. 219 f.) vermutet hat, wohl der apokryphen Schrift Hystaspes entnommen, welche, wie wir aus Justin und Lactantius schliessen dürfen, sicher die Prophezeiung vom Ende der Welt enthalten hat1). Wie die Schatzhöhle selbst angibt, war jenes Orakel des Nimrod schon früher auch von orthodoxen Theologen benutzt worden. Seine Aufnahme durch die Christen setzt aber voraus, dass zur Zeit derselben noch chiliastische Hoffhungen und Erwartungen weite Kreise beherrschten.

Unter dem König Gu&nasp ist natürlich Gvätäsp (lies ^CDkAQ^) oder Wi&täspa, der Beschützer ZarafluStras zu ver- stehen. Die Quelle GlöSä de- Horm ist offenbar identisch mit

dem See Okras, an welchem Nimrod den Jöntön traf und dessen Unterweisungen genoss. Wahrscheinlich ist davon aber auch die Quelle, welche Slsän nach dem nur in A sich findenden Zusatz in ÄJorbaigan entdeckt, nicht verschieden. Das an derselben auf- gestellte und göttlich verehrte weisse Ross ist ohne Zweifel ein Symbol des Feuers Aim-guSnasp (Hengstfeuer), d. i. des Blitzes, das in Ganzak (Tacht-iSulaimän) östlich vom Urmiasee, der süd- lichen Hauptstadt von Atforbaigän verehrt wurde. Die genannte Quelle kann also kaum etwas anderes sein, als der innerhalb der

Stadt Ganzak gelegene See Öaecasta (öest), nach welchem die Stadt bei den An,ben> ^ genannt wird %

Wie hier erscheint Wistäspa auch in der romantischen Ge- schichte aus Chares von Mitylene (bei Athen. 13, 35 p. 575) als König von Medien bis zu den kaspischen Thoren. MahimaÖ ist ohne Zweifel Zara#u§tras leiblicher Vetter und erster Schüler Mai8jöi-m&nha, der Spitäma (Jas. 51, 19; jt. 13, 95). Man hat also opQ**2D zu schreiben für t*>.r^v> . Unter onrr» oder on> rp

kann dann nur Gämä&pa (Jasna Dügämä&pd) der Sohn des Hwogwa verstanden werden, der weise Minister des WiStäspa, der erste am Hofe des WiStäspa, der die neue Lehre annahm und welchem

») Vgl. Darmestete r, Le Zcndavesta II 521 n. 1 12, III p. LXXIX ; Bundah. XXXII, 8—9.

*) Justin, apol. 1, 20. 44; Lactant. Inst VII 16. Vgl. Wind i sch- ul an n, Zoroastrische Studien 293.

*) Vgl. G. Hoffmann, Auszüge aus syr. Akten pers. Märtyrer 248. 250 ff. Bei Tab. I 1H , 12 cod. Tn heisst der See ß =

War4 Im.

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Untersuchungen zur Geschichte Von Eran. H

Zaratfustra seine Tochter Pouru&sta vermählte (Jasna 46, 17. 49, 9. 51, 18.; jt 5, 68. 13, 103. 23, 2. 24, 3). In der Schatz- höhle S. U*a, 2 = 31 erscheint Slsän1) als Minister des Nimrod

und erhalt den Beinamen JtaOJ »der Weber*. Wie Slsän in der

erweiterten Becension der Schatzhöhle in A<Jorbaigän auftritt, so

lässt Mas'üdl (Murug II 127) den Gäniäsp aus Atforbaigän stammen:

•Nach dem Tode des Zarädu&t nahm der weise Gämäsp2) seine Stelle ein , der aus Adorbaigän stammte. Er war der erste Mob ad, der nach Zarädu&t unter ihnen auftrat, indem ihn der König BiStasp für sie bestellt hatte*.

Jetzt ist es auch möglich, den Namen des dritten Magier- königs zu erkennen. Der Priester ;r)f ist natürlich kein anderer

als ZaraOustra, und die Änderung in y->K»*/f ^ und ^£o^

bei A und dem Araber rein willkürlich. Die nächstliegende Ver- besserung ist «jljij , vgl. die armenische Form ZradaSt aus *Zura~

daöt und die Verderbnis von «^pv Abdagases in ,~ *t-sv (V ater

des 'Awitfä) und] %,»^v , .f^pv in der Addailegende ed. Phillips

p. 18, 4. Allein mit diesem Namen hängt der des dritten Magiers aufs engste zusammen:

8. in, 11 ^J)/8), A jv^pA

S. »va, 13 B jojp, S *ojp, VA fcyp.

S. JPa , 13 B ^tp, S ^p, V ^tp/, A

Nun hat bereits Cure ton (Spicil. Syr. 81) bemerkt, dass Thcodoret den Urheber des htcaetwada&a (der Ehe mit den nächsten Bluts- verwandten) Zagadtjg nennt: *j4XXd xaxct rovg ZagäSov ndXat ilkgoai noXtTtvöfitvoi vojiovg, xai fitjrgäßt xai aösXtyalg adiwg xai ftivroi xai &vyaTgdai fAiyvvpiVoi , xai hvoftov rijv nagavofiiav rofit^ovreg4). Die Namensform Zagabi\g für Zara^uStra begegnet aber auch sonst, so z. B. in den Anathcnia- tismen gegen die Manichäer: dva&tfiaTt^w ZagaÖrjv^ öv o Mavr\g ttedv iXtyt ngo avrov fpav&ra nag 'IvSoig xai Ilkgcaiq, xat fjXtov äntxaXw avv ai/ry xai rag Zagadeiovg övof*a£o- uivag tvxagb). Das Ursprüngliche ist also vielleicht «jtorij. Möglicherweise hat aber die ursprüngliche Quelle mit verschiedenen Nitmensformen abgewechselt: v^pjCjtpj?)» OWJ (}10J?) und

*) Ar. .,L»Li«,

*) cod. L4 und D ^1*13-, ed. ^1313-, lies ^L«L>-. *) Die Varr. des Arabers führen auf jl^-jjt

*) 'EU**, na&w. £«ji«w*vtixi7. Ilspi *6no>t> ed. Gaisf ord p. 351. a) S. Windischmann a. a. 0. 264 N. 3.

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12 J Marquart,

de Lagarde, Miiteil. III 72 f. hat also mit Recht gegen die Identifikation der drei Magiernamon mit denen der sasanidischen Könige Jazdegerd IL, Hormizd III. und Pöröz (438— 484) ') protestiert. Freilich sind seine eigenen Winke noch viel bedenk- licher und reine Irrlichter. Er erwartet für „Jazdegerd* einen äthiopischen Namen, und sieht in den Magiern die Vertreter von Sem, Cham und Japhcth.

Jetzt kann es uns nicht mehr schwer fallen, auch die übrigen Magierverzeichnisse zu analysieren und in ihre Elemente zu zer- legen. Man findet sie zusammengestellt bei Albr. Wirth, Aus orientalischen Chroniken S. 202 ff. und E. Nestle, Marginalien und Materialien S. 67 ff.

Nach dem syrischen Lexikographen Bar Bahlül3) stammten die Magier aus Persien , von den Söhnen des 4Elam , Sohnes des §em. Sie waren berühmte Fürsten und vornehme Männer des Landes Persien, hatten aber auch viel Volk und eine Gelcitstruppe von mehr als 1000 Mann bei sich, so dass Jerusalem in Be- stürzung geriet, als sie anlangten a). Bar Bahlül gibt nun zunächst zwei CI nippen von Namen der Magier:

I. ^ÖOA 'Prüfern

^OIOO) Hörnum

rt-

nach andern

1 1 . )o OO) ^JQ^ G äSafarhöm

kjuu^V ArtaMast j;2£SS.O j?Q ^\ Leßüda und Alpcrä.

Hier ist ohne weiteres deutlich, dass ^o;\ auf oir>Q>\ (ursprünglich ^;qS/), den König von Ophir (oben S. 3 u. Anm. 5) zurückgeht. Dasselbe gilt für Jjadk. (aus Ji^QiM und JyQ^

^OtOOf ist einfach Verschrei bung für ^^dioO) Ilormizd, eine Abkürzung von HormizdäJ; --^ ist lediglich Verstümmelung von kftJu^V ArtaMast, und unter diesem Könige ist der Freund des „Gottesvolkes*, der Gönner des Ezra und Nehemja zu ver- stehen. Den Namen jQOOfVSjO^ haben wir wohl in zwei Namen

») Nöldeke, Lit. Cbl. 1888 Sp. 234. Als ich die thöriehte Anmerkung 2 bei Wirth, Aus oricntal. Chroniken 203 schrieb, war mir die Scnatzhöhle nicht zugänglich, und ich kannte die Namen nur aus B u d g e , The book of the bee S. 84 n. 2.

*) Ed. Rubens Duval col. 1002 f.

3) Dieser Passus findet sich wörtlich schon bei Jakob von Edessa. (t 708). S. Eb. Nestle, Marginalien und Materialien 71/72.

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Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 13

VÄJQ^ und )000) zu zerlegen. Der letztere erinnert an das

)oojoO) im vierten Verzeichnis, ist aber vielleicht gleichfalls nur

eine Verstümmelung von Horrtiizd.

HL Auf persisch sollen die Namen der Magier lauten: Heh-ämaS (er kam gut), ZüB-ämaö (er kam schnell)1), und Lhrust ämaö (er kam heil).

IV. Zum Schluss gibt Bar Bahlül eine Liste von zwölf Namen, die sich auch bei Ps. Dionysius von Telmabre, Dionysius BarcalTbl (f um 1171), Michael Syrus und Salomo von Bacra und in einer Weissagung des Propheten Daniel" findet9). Sie wird etwa folgendermassen herzustellen sein:

«)joo-^ifio v2> 5)j!pok>o)J P r*>*&

Zahrwendäö bar Artaßan 1 AkdüjäS . Hormüdäd bar Sanaprüq ) Hadwendäö bar Artaßan ) ~

8)«&fJQ^«3 7)J2lqd&jlO WeMäftj) bar Gundefar

I0)jDO1O^>» ^y^V bar Mihröq

Diese vier brachten Gold.

I!

1) Var. jäJjOJ.

*) Dionvsii Telmahbarensis Chronicon ed. Tullberg, Upsala 1849 p. 74. Nestle, Porta linguao syr.^p. 85. The book of the bee p. 93 (~ 84 der Übs,). Die armenische Ubersetzung des Michael war mir nicht zugänglich. Die Liste in der , Weissagung des Propheten Daniel* teilt Budge, The book of the bee p. 84 n. 2 der Üb», mit. Ich bediene mich folgender Abkürzungen:

D = Dionysius Barcalibi.

Dion. = Ps. Dionysius von Telmalire.

J):in. = Weissagung des Daniel.

RB = Bar Bahlül.

S = Salomo von Bacra.

m

5) S JjJOIJ, Dan. J^OW?, D JjiOJO». *) D ^jV, Dan. ^Joö.

6) Dion. J^OIOOJ , D om.

,;) So S cod. C; v. 1. JOO^CD, y^V^OD, Dan. y^O'^DD . om. D.

*) D BB *SkmJO , Dion. .2>JNjl(V , S ^mn,C^,

Dan.

*) D Dion. VÖJO^, Dan. Jä^JQ^. •) Dan. yt^A

») Dion. JOOIO*» , BB ^pOJOpD f D ^pJOpO .

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14 J. Marquart,

*)jOj10 ')?tJOij ZancandäS bar Wareäd O*tcoo ^OOfuV Arlhü bar Jfesrü 5)&-Q~ 4)Käju^V Arta^ait bar Hawilafr ^^♦JUJL ;2> 6) ylQOXtO^Jt/ Aötön'abödan bar SiSrön Diese vier brachten Myrrhen.

9))0O|00f p 8)jDO§o^» ^iÄro? bar Höhäm n)^*~j ,0)aVJU./ -djiire* bar (**Ä£än ,s)v^2> ")**JJ$. (Wenä§ bar Baladan 15)^^3 ^ ,4)*jjopo Meröda% bar Baladän Diese vier brachten Weihrauch.

Woher Wütäsp (GuStäsp) und Gundafar stammen, haben wir bereits gesehen, ebenso kann über die Herkunft des Hormizdü) kein Zweifel bestehen: es ist der erste der drei Magier in der Schatzhöhle. Dann erkennt man aber unschwer, dass i«joiotJ zu- nächst nach Nr. 5 zurechtgemacht ist aus l«JOJO) (BB) und dieses

») Dan. J^oto)) , Dion. BB poi) , D ^ojj .

*) S v. 1. jjotO» JOJWO, Dan. Jo*0, D J^O, Dion. JOJO, BB

■) S OO^/.

«) S Dan. Dion. fcjuju^V , D

") S J^Ao., D BB j^O., v. 1. fe^JU., Dan.

«) S v. 1. ^QVNa/, Dan. ^jZüJW, Dion. D

BB v|QOJfc^/.

*) BB v. 1. ^^u#, D ^^ä., Dan. £UO;*JL. *) Dion. jOOlOpD, BB )OOJO>», D JOOJOJ». *) Dion. )0»OOi , S )OOtO», Dan. )Q-0)Q~, 10) D Dion. A^u*/.

n) Dan. ^a-y, D äJj, BB v. 1. S ir) S Dan. **^?^» Dion. J oder «*-*»}^. »-) Dan.

**) D BB ^OJpD.

' S ^«V*, v. 1. vjJlO, ^-S, Dion. BB D^O.

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Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 15

dem }jo«& bezw. }+io;& Farr-windtid der Schatzhöhle entspricht. Die Willkür, mit der diese Namen mit einander in ein genealogisches Verhältnis gesetzt werden, darf uns nicht irre machen. Artabän ist wohl der historische König Artabanos II., der Zeitgenosse des Gundaphar; Sanatrüq aber ist der armenische König, unter welchem die Apostel Thaddaeus1) und Bartholomaus das Martyrium er- litten haben sollen. Sein Name wird in den apokryphen Apostel- geschichten meist in greulicher Weise verunstaltet, z. B. Astreges, Astriages und gar Astyages2), bei Salomon von Bacra S. ^Lo,

**£floiooj u. ä. Er regierte nach Mar Abas von 167 196 n. Chr,

und erbaute sich einen Palast in Mcur oder Mcurk* am Euphrat3), in dessen Trümmern späterhin, als man die Pfeiler jenes Palastes für die Pforte des Königs der Perser verlangte, eine Säule ge- funden worden sein soll mit einer griechischen Inschrift, welche ein Verzeichnis der armenischen und parthischen Könige enthielt4). Diese Erzählung knüpft an den grossen Streifzug des Königs §äpür IL nach dem westlichen Armenien im Jahre 359 an, auf welchem derselbe bis nach Mzur , Daranaie und EkeJeac4 ge- kommen sein soll5). Das Grabmal des Königs befand sich in der

») Mos. Xor. 2, 34; Faust. Byz. 3, 1. Vgl. Dashian, Die edesse- nische Abgarsuge. WZKM. 1890, S. 144 ff.

*) Lipsius, Die apokryphen Apostelgeschichten I 147. 210 ff.; II 2, 55. 66 f. 104. Vgl. auch Justi, Iran. Namenbuch 282.

•) Faust. Byz. 4, 14 S. 115

Mar Abas bei Sebeos ed. Patkanean S. 1, wo Z. 9 für '/» IT^/'Ak ^»"iftpfr zu lesen ist 'fr Vi ^rl'0 .f^'L"'^!' «in der Stadt Mcur*. Erst dem Ps. Moses 2, 36 S. 113 ist es vorbehalten geblieben, ihm die Wiederherstellung von Mcbin (Nisibis) zuzuschreiben, das er aus Mar Abas (S. 9, 2. 9, wo zu lesen 'fr 1T*7*««/ für 'fr \J>froAa«,) als Residenz des ersten armenischen Arsakiden Arsak des Jüngeren kannte. »Aber was immer für Thaten des Sanatruk geschehen sein mögen, so haben wir doch keine der Erwähnung wert gehalten ausser den Grün- dungen der Stadt Mcbin (Überarbeitung von Faust. 4, 14 S. 115). Denn nachdem sie von einem Krd beben verschüttet war, Hess er sie zerstören und prächtiger wieder auibauen und von neuem mit einer Mauer und einem Vorwerk umgeben. Sich selbst liess er in der Mitte als Bild- säule aufstellen, e*ine Drachme in der Hand haltend, was etwa andeutet, dass zur Erbauung dieser Stadt alle Schätze aufgebraucht wurden und nur diese einzige übriggeblieben war".

IT^rA* ist also im Auszuge aus Mar Abas nachträgliche Korrektur nach dieser Stelle des Moses. Damit fallt die Schwierigkeit, für Sanatruk den Besitz der Festung Nisibis zu erweisen (ZDMG. 49, 650 f.), weg.

Über Mcw, arab. j^j* J<^>, welches dem östlich vom Euphrat gelegenen Teile des Landes Mucri bei Salmanassar II. entspricht, vgl. H. Geiz er, Georgias Cyprius p. 183 s. Kiepert, Die Landschaft«

frenze des südlichen Anneniens. Monatsber. d. Berl. Akad. 1873, S. 201. bn Serapion ed. Guy le Strange. JKAS. 1895, 13. 64.

6) Faust. 4, 24 S. 141. Vgl. Amm. Marceil. 19, 6, 1, wouach Säpflr auf diesem Zuge unter andern befestigten Plätzen auch Ziata

castellum einnahm, syr. Land, Anccd. Syr. II 61, 12 (Nöldeke,

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16 J. Marquart,

Festung Ani (Kamach) am Euphrat, der Nekropole der armenischen Könige1), und war so fest, dass es allein der Zerstörung durch die Perser entging.

Suidas hat aus einem unbekannten griechischen Historiker-) eine Notiz über unsern König aufbewahrt, die ihn in sehr günstigem Lichte darstellt: ^avaTgovxtjg 'ÄQfUviwv ßaaiXevg^ og to p&v öwfia %vfi(i&xQov et£8, tyiv yvwurjv Sh fiiyag ixvyxavtv etg änavra, oi>x ?"x*o*ra ök elg xd ipya xa noXiftia. köoxu 8k xai rot dixaiov (pvXa% ccxQißi)g ysvka&aiy xal xd elg rrjv diaixav ha xai xoig xgaxtöxoig * EXXqvwv ts xai ' Poffiaitov xexoXaffuivog.

Ps. Moses Chor. 2, 36 lässt den Sanatruk auf der Jagd durch einen Pfeil getötet werden zur Strafe für die Martern , die er seiner Tochter Sanducht bereitet hatte. In der That aber fiel er im Jahre 196 n. Chr. im Kampfe gegen die Alanen oder Mazk'itfk1, die unter ihrem König Wsnasp burhap einen Einfall in Armenien gemacht hatten 8).'^ Es ist übrigens zu beachten, dass hier Sanatruk nicht selbst als einer der Magier erscheint, sondern nur als Vater eines derselben.

Der Vater von Nr. 5, jojJO niit mannigfachen Varianten, verdankt seinen Namen dem Magier jojj- der Schatzhöhle, d. i.

ursprünglich Zarädust, aber auch der scheinbar ganz tadellos persische Name ZarwandäÖ*) ist lediglich aus einer hand-

schriftlichen Variante jenes 10}J*, OWJ zurechtgemacht. HawilaO' ist natürlich der König des goldreichen llawila (oben S. 3), als dessen Produkte Gen. 2, 11 ausserdem nbia und der äoJiam- Stein genannt werden. Von den Späteren (schon Jos. UQX- 147) wird Hawila ebenso wie Ophir nach Indien verlegt. Im zweiten Teil des Namens ^jft^v ioK * f ; ^%f>^ v bezw. yJQ^J erkennen

wir dann leicht den König von Ophir, <moOi\ bezw. ^ho2)f wieder 5).

Sisrön ist dem König tiirsön*) von Bela* ent-

VVZKM. X 169), später ^J} JxCQ~ , arab. ol^ qA3>, arm. Karberti,

das heutige Cliarput.

») Faust. 4. 24 S. 112. Vgl. 3, 12. Agatbang. bei Langlois I 167 b.

2) Petros Patrikios, an den man zunächst denkt, kann es wegen des Jzvpfizxqov uicht sein, ebensowenig Kassios Diou.

^ S. meine Chronologie der alttürkischen Inschriften S. 92. Bei- träge zur Geschichte von Eran. ZDMG. 49, 649 f.

*) Vgl. Justi, Namenbuch 383/84.

ft) Doch wäre es auch möglich, dass der in Verbindung mit dem Satrapen Sisines von Arbiija genannte *,ST"OhinO JSa&QaßovQlvi^ (eig. ^m-inil) Ezra 5, 3 zu Grunde läge und die LA. vJQ^jfe^t/ vor- zuziehen wäre.

w) V ^tJUJi , A ^OD . Ar. ^JLo .

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Untersuchungen cur Geschichte von Erau.

17

Dommen, der nach der Schatzhöhle S. b. ,8 (=36 der Übs.) sich mit dem König Bera1 von Sodom, Bar&a' von Gomorrha, Jebüs, dem König von Damaskus (Darmesuq), Boqtor, dem König der Wüste und andern Königen bei Melchisedek versammelte und demselben die Stadt Jerusalem erbaute (vgl. Gen. 14, 2). Wir werden uns also nicht mehr wundern, wenn wir nicht bloss Artachsast, den Beschützer Ezras und Nebemjas, sondern auch eine Reihe anderer Freunde des Gottesvolkes * unter die Magier ver- setzt sehen, wie AchMreÜ (AchäawarS), den Judenfreund des Estherbuches, Qarden&ch d. L 2axtgSov6g (Asarfoaddon) , unter welchem der Jude Achikar assyrischer Finanzminister wurde und dessen Oheim Tobit nach Ninive kam (Tob. 1, 21. 22 ed. Swete), und vor allen Merodakh bar Baladän, d. i. pfctba ]z pttba *pn& Jes. 39, 1 = 2 K. 20, 12, den chaldäischen König Marduk-abal- iddina, den Zeitgenossen des Messiaspropheten Jesaja, welcher an den judäischen König ChizqTja eine Gesandtschaft mit reichen Geschenken schickte und ihm eine Allianz gegen Assyrien anbot. Die Lesart Mardüx bar Bei denkt dagegen an den Gott Bel- Marduk selbst und passt nicht in den Zusammenhang dieser Liste. In no»r».v> Nr. 9 habe ich schon vor Jahren Mahrawöh

= aw. Mä&rawäka erkannt1). Vielleicht haben wir als ur- sprüngliche Lesart jooio^i» Manharwäk anzunehmen, was der gewöhnlichen Transskription des aw. mäßra im Pahlawi, man&ar, noch näher käme. Die richtige Etymologie von )oojooj hat Justi gefunden9): es ist Hu-wahm = aw. *hu-tcaJnna „sehr fromm*. Das Awesta kennt einen Mät^rawäka, Sohn des Säimuzi, der als aexhrapaiti (herpat) und ha?niÖpaü£ bezeichnet und als Bekam pfer der Ketzer gepriesen wird jt. 13, 105, ausserdem wird ein Wahmag-^äta, Sohn des Mä#rawäka genannt jt. 13, 115. Diese beiden Personen sind in späterer Legende offenbar zusammen- gefallen, der Name Huwahm entspricht dem aw. Wahmae<)äta „in Lobpreis (Gottes von Seiten der Eltern) geschenkt* (Justi). Es steht nichts der Annahme im Wege, dass in apokryphen Evangelien so gut wie Madjamäh (Maidjöimänha) auch der Ae#rapaiti Mä#ra- wäka in Verbindung mit messianischen Prophezeiungen Zoroasters genannt war.

In oc^»V möchte ich den Namen des Ahnherrn der edesse-

nischen Königsfamilie, &Ji{ Arjü „Löwe* erkennen8). Dann

stünde oyQQD Xesrö für 'Oagorjg (sonst gleich Xoöqotjq, Chosrau),

wie nach Prokop. Pers. I 17 p. 85 ein alter König von Edessa in der Partherzeit hiess, nach welchem die Landschaft Osroe*ne

») Bei Albr. Wirth, Aus orientalischen Chroniken 206/7. *) Iran. Namenbuch 140 a.

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benannt wurde1). Freilich lautet der syrische Name von Edessa ~0»*o/ Orhäi, und Ps. Dionysios von TellmafcrS S. 65 nennt deshalb als Eponymos der Stadt den Orhäi bar flewja. Allein dies brauchte den Verfasser unserer Liste nicht zu stören.

Der Name Aräak bot sich natürlich von selbst Dagegen möchte ich im Namen seines Vaters j3okH~tt Mihröq nicht den awestischen Magiernamen Mä&rawäka erkennen. Vielmehr er- blicke ich darin nur eine der vielen Verschreibungen des Namens JOO't^J-QD, vielleicht auf eine Nebenform joofOp^D *Sanahrük

zurückgehend *).

Es hat sich also herausgestellt, dass der historische König Oundafarr in sämtlichen Verzeichnissen den Mittelpunkt bildet, auch in demjenigen, welches im Westen die Oberhand gewonnen hat und nachweisbar zuerst in den Excerpta Latina Barbari er- scheint8), wahrend die übrigen Namen aus verschiedenen Legen-

») Vgl. Gutschmid, Untersuchungen über die Geschichte des Königreichs Osroene S. 10.

*) Etymologie und LautverbiiltuisBe dieses Namens sind noch un- klar. Der erste Partherkönig dieses Namens (76—67 v. Chr.) wird von Ps. Lukian, Makrob. 15 SivctxQoxXfjs , von Pblegon fr. 12 bei Phot. cod. 97 = Müller, FHG. III 606 Zivcctqovxtis , von Appian Mithr. 104 £ivtqUi\$ genannt. Der zweite Partherkönig 8., der beim Partherfeld- zug des Trajan regierte und a. 116 n. Chr. vertrieben wurde, heisst bei Malalai S. 270 EavaxQovxiof (aus Arrian). Der König von Armenien endlich, von welchem oben die Rede ist, 2kcvccrQovxri$ , wird von Kass. Dion 75, 9, 6 als Vater des OboXdyaiaos (Walars) bezeichnet. Die Syrer

schreiben JOO^JlCD oder OV^JLflD, die Armenier Sanatruk und die

persisch-arabischen Quellen * JxL» (mit u) Tab. I aI*., 6, arabisiert

^•>joL~. Vgl Just i, Namenbuch 282. Ps. Mos. Chor. 2,36 8. 114

leitet Sanatruk vom Namen seiner Amme Sanot und dem arm. turk* .Geschenk" ab. Die ursprüngliche Sage sprach aber offenbar von einer von den Göttern gesandten weissen Hündin , welche das Kind in Obhut nahm, woraus erst der Rationalismus des Moses eine Frau ge- macht hat, wie Her. cc 110. Dies setzt eine Nebenform #«an- ,Hund* zu

aw. spart- (gen. süno) voraus, wie np. zu med. cnocxu, späh (Hamza

bei Jäqüt III f\, 17 ff. = I nt\ 21 ff), skythisch cnaya bei Hesych.:

itccycciri xvtov qxv&igtI, wofür zu lesen: (c)ndyu- h xte>v cx.

*) Bei Schöne, Eusebii Chron. I App. p. 228: Magi autem voca- bantur Bithisarea Melichior Gathaspa. In diesem Oatlia»]XM hat be- kanntlich zuerst Gutschmid, Die Königs» amen in den apokryphen Apostelgeschichten. Rh. Mus. 1864 S. 162 = Kl. Sehr. II 334 den Ounda- farr erkannt Der Armenier Wardan folgt derselben Tradition; bei ibm heissen die Magier:

Mefk*on der Perser;

f\,$M»uufMti» Dagpar (v. 1. I»*»/»«»««^!»/» Darcupar) der Inder; Bntdasar Arab.

Es ist zu lesen Gadaspar radacnaQ. Vgl. Baum-

Partner, ZDMG. 40 , 508 N. 1. Da in anderen Verzeichnissen einer er drei Könige Malachath, Malgalat, Magalach heisst, was nuntius

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Untersuchungen zur Geschichte von Eran.

19

den, namentlich aber aus der Schatzhöhle, zusammengetragen und, soweit sie ursprünglich historisch sind, den verschiedensten Zeit- altern angehören. Viele Namen sind aber auch reine Erfindung, und sämtliche dieser angeblichen Magier sind sehr willkürlich geordnet und miteinander verbunden worden.

Sehr merkwürdig ist es, dass die Addailegende auf die Zu- sammenstellung dieser Verzeichnisse gar keinen Einfluss ausgeübt hat : weder von Narse, dem König der A#öräje, d. i. dem jüdischen König Izates von Adiabene und seinen Fürsten, noch dem später an seine Stelle getretenen Abgar Ukkämä von Orhäi findet sich in den Verzeichnissen die geringste Spur. Die Erklärung für diese auffällige Thatsache muss ich einer andern Gelegenheit aufsparen. Soviel aber ist ohne weiteres klar, dass die Thomasakten in Edessa weit früher bekannt gewesen sein müssen als die Edessa ursprüng- lich fremde Addailegende.

Hoffentlich bleiben nun die vielgereisten Magier von den Geisterbeschwörungen der Theologen und Orientalisten etwas ver- schont und dürfen sich der wohlverdienten Ruhe in der rheinischen Kathedrale erfreuen.

2. Alexanders Marsch von Persepolis nach Heräi

Nach der Verbrennung von Persepolis und der Ernennung eines neuen Satrapen von Pars rückte Alexander nach Medien vor, wo Dareios, wie er hörte, sich aufhielt. Dareios hatte be- schlossen in Medien (Ekbatana) zu bleiben, so lange Alexander bei Susa oder Babylon verweilen würde, und dort abzuwarten, ob etwa ein Umschwung des bisherigen Glückes Alexanders ein- treten würde, aber nach Parthyaia und Hyrkanien und weiter nach Baktrien zu ziehen, wenn jener gegen ihn anrücken sollte. Während er nun die Frauen und den Tross zu den Kaspischen Thoren vorausgesandt hatte, war er selbst mit der Truppen - macht, die sich wieder um ihn gesammelt hatte, in Ekbatana geblieben. Auf die Nachricht davon zieht Alexander gegen Medien und unterwirft auf dem Marsche dahin die flauet i- Taxat und setzt über sie einen Satrapen. Als er aber auf dem Marsche die Nachricht erhält, Dareios habe beschlossen ihm zum Kampfe entgegenzuziehen, da er Verstärkungen von Skythen und Kadusiern erhalten habe, lässt er den Tross nachfolgen und das übrige Heer gefechtsbereit vorrücken. Am 12. Tage kommt er nach Medien (d. h. von Persepolis aus zur Grenze von Medien

(^Kbn) bedeuten soll, so wird man den Namen Melichior, Melchior

damit zusammenzubringen und als „Bote des Lichtes" (des

durch den Stern angekündigten Messias) oder „mein Bote ist das Licht11 aufzufassen haben. Bei letzterer Auffassung würde der Name des Magiers eine Art Programm des Lichtkönigs enthalten.

*

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20 J- Mtrquart,

und Paraitakene). Dort erfährt er, Dareios besitze keine schlag - fähige Streitmacht, noch seien Hilfsvölker der Kadusier oder Skythen eingetroffen , sondern Dareios habe sich zur Flucht ent- schlossen.' Darauf rückt Alexander mit noch grösserer Eile vor, und als er noch drei Tagemärscbe von Ekbatana entfernt ist, kommt Bistanes, ein Sohn des Ochos zu ihm und meldet, Dareios sei seit fünf Tagen auf der Flucht.

Dareios hatte also Ekbatana bereits verlassen, als Alexander noch acht Tagemarsche von demselben entfernt war, und als dieser an der modischen Grenze von dem Entschluss des Dareios, zu fliehen, Kunde erhielt, war derselbe bereits seit drei Tagen aus der medischen Hauptstadt entwichen. Die modische Grenze war also fünf Tagemärsche von Ekbatana entfernt und der gesamte Marsch von Persepolis bis Ekbatana betrug 17 Tage- märsche. Wie wir unten sehen werden, befand sich die medische Grenze wahrscheinlich bei der Stadt Rapsa. Von hier bis nach Persepolis rechnet nun die Karte des Castorius 86 Parasangen oder 12 Tagereisen a 7 Parasangen, bis Ekbatana aber nur 30 Par. oder fünf schwache Tagereisen ä 6 Par.1) Alexander kann also bei der Unterwerfung der Paraitaken keinen irgendwie nennens- werten Umweg gemacht haben, vielmehr führte seine Route^ direkt durch ihr Gebiet

In Ekbatana entlässt Alexander die thessalisehen Reiter und di*1 übrigen Bundesgenossen in die Heimat und befiehlt dem Parmenion mit den Söldnern, den Thrakern und der übrigen Reiterei, ausser den Hetairen, am Lande der Kadusier entlang nach Hyrkanien zu ziehen. Für Kleitos, der krank in Susa zurückgelassen worden war, hinterliess er die Ordre, sobald er von Susa nach Ekbatana käme, mit den 6000 Mukedonen, die zur Bewachung der in der Burg von Ekbatana hinterlegten Schätze aus den persischen Königs - Schlössern zurückgelassen wurden, nach Parthien zu ziehen. Er selbst aber zog mit der Reiterei der Hetairen, den Aufklärungs- und Söldnerreitern unter Erigyios, sowie der makedonischen Pha- lanx und den Bogenschützen und Agrianern in Eilmärschen gegen Dareios, und erreichte am 11. Tage Ragai, von wo die Kaspischen Thore in diesem Tempo in einem Tagmarsch zu erreichen waren. Dareios hatte jedoch den Pass bereits hinter sich, doch hatten ihn schon viele verlassen und sich aufgelöst, um ihre Heimat zu er- reichen, nicht wenige ergaben sich auch dem Alexander. Da dieser die Unmöglichkeit einsieht, den Dareios sofort zu ergreifen, so hält er in Ragai fünf Tage Rast, um seinen erschöpften Truppen Ruhe zu gönnen.

Plutarch, der hier einer Quelle folgt, welche die Ergreifung

~ .

') Über die genaueren topographischen Details kann ich für vor- liegenden Zweck auf Toniascheks Abhandlung Zur historischen Tomo- graphie von Persien I., SBWA. Bd. 102, S. 145 ff. (1883) verweise^

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des Dareios durch Bessos schon in Ekbatana erfolgt sein Hess, und sich auch sonst mit der romantischen Gruppe berührte, in Einzelheiten aber noch viel genauer war als diese, erzahlt (Alex. 42), dass Alexander auf die Nachricht von der Ergreifung des Dareios durch Bessos die Thessaler in die Heimat entliess und ihnen noch 2000 Talente über den schuldigen Sold auszahlen Hess, dann aber die Verfolgung fortsetzte, die langwierig und beschwerlich ge- wesen sei, da er in 11 Tagen 3300 Stadien durchritten habe. Die meisten aber wären ermattet, zumal in der wasserlosen Wüste ( vgl. Arr. y 20, 1). Allerdings hat die Quelle Plutarchs die 11 Tage von Ekbatana bis Ragai und den Marsch von da bis zur Auf- findung der Leiche des Dareios zusammengeworfen und rechnet jene 11 Tage bis zur Katastrophe des Dareios. Es kann aber nicht zweifelhaft sein, dass die Angabe sich ursprüngHch nur auf den Marsch von Ekbatana bis Ragai bezogen haben kann. Alexander hätte also damals tägHch 300 Stadien zurückgelegt; der ganze Weg von Ekbatana nach Raj hätte, wenn man den Parasang nach seinem Normalwert zu 80 Stadien rechnet, 110 Parasangen oder 15 ll% Tagereisen ä 7 Par. betragen.

Allein die arabischen Itinerare bemessen die Entfernung von Hamadän nach Raj auf nur 62 (Ibn Rusta Hv, 11 ff.) oder

64—65 Par.1) = 9 Tagereisen a 7 Par. Alexander müsste also einen ganz ungeheuren Umweg, zuerst in nördlicher Richtung etwa bis Zängän, und weiter über Eazwln gemacht haben, was um so un- erklärHcher wäre, da er doch das grösste Interesse daran hatte, den Dareios auf der geradesten und schnellsten Route zu erreichen. Wir müssen also zuerst einen festen Massstab für die Märsche Alexanders gewinnen. Es ist hier auszugehen von der Lage der Stadt Heka- tompylos. Diese lag nach dem Geschichtsschreiber der Parther, Apoüodoros von Artamita, 1260 Stadien östlich von den Kaspischen Thoren (Strab. ut 9, 1 p. 514), und diese Angabe wird gestützt durch die Lage von Tayij (so ist zu lesen für TAPH.\ welches nach demselben Schriftsteller2) 1400 Stadien von den Kaspischen Thoren entfernt war (Strab. ta 7. 2 p. 508), also 140 Stadien nörd- Hch von Hekatompylos lag. Tage war nach Strabon (d. i. Apollodor) eine hyrkanische Königsburg8); Antiochos d. Gr. rückt von Hekatompylos, das mitten in Parthyene lag, nach Hyrkanien vor und kommt zuerst nach Tayai (Polyb. i 28, 7. 29), das demnach bereits zu Hyrkanien gehörte. Hekatompylos muss also in der Nähe von Tayat gelegen haben. Die Burg Tdytj , arab. vJjUaJt f

war noch in der ältern Chalifenzeit berühmt : es war ein ungemein

») IlNkChordadbih H , 3 ff. Qod. f.. , 6 ff.

*) Dass diese Notiz aus Apollodor, nicht, wie Behr, De Apollo- dori Artamiteni reliquiis p. 11 s. meint, aus Eratosthenes stammt, be- weist schon das Vernältms zu der Entfernung von Hekatompylos.

■) Über den Beisatz iuxqöv hnl? tty öaXccvtris Id^o^hov s. unten,

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J. Marquart,

festet Schloss in Tabaristan, in welchem sich der Spahpet im Jahre 141 H. (758/59) vor den Arabern verschanzte1), und da* den persischen Königen als }>a£o(fvXaxtov gedient haben sollte: Manös&hr soll es zuerst dazu gemacht haben2).

Die Lage des Schlosses Tdyri ist uns nun bekannt: es ist unzweifelhaft das heutige Täk (bei Melgunoff, Das südliche Ufer des Kaspischen Meeres 148 f. 2b&), 5 miles nördlich von Däm/än auf dem Wege in das 'AlTcäsmä-Thal, 51/, Farsang sw. von Deh-i Mollä8). Daraus muss sich auch die Lage von Heka- tompylos ungefähr feststellen lassen: 140 Stadien oder 43/s Par. südlich von Täk führen uns genau zu den Ruinen zwischen Frät und Damian (16 -f- 5 miles s. von T&k), wo General Houtum- Schindler (Zeitschr. der Gesellschaft für Erdkunde 1877, 217) das alte Hekatompylos ansetzt

Völlig abweichend von Apollodor gibt aber Eratosthenes die Entfernung der Stadt Hekatompylos von den Kaspischen Thoren, d. h. offenbar vom Beginn derselben, auf 1960 Stadien an (Strab. ta 8, 9 p. 514). Diese Zahl lässt sich kontrollieren durch eine andere Angabe, wonach man von den Kaspischen Thoren bis Alexandreia im Areierlande d. i. Herät (in runder Summe) 6400 Stadien zahlte. Da Eratosthenes von Hekatompylos bis Herät 4530 Stadien rechnet, so ergäbe sich als Gesamtsumme 6490 Stadien, d. i. gerade um 100 zu viel. Plin. h. n. 6, 44 (vgl. 61) gibt die Entfernung zwischen Hekatompylos und den Kaspischen Thoren nach Diognetos und

Baiton, den Bematisten Alexanders auf CXXX1II p. an. Da sich nun aus dem Verhältnis der weiteren Angaben des Plinius zu denen des Eratosthenes ergibt, dass derselbe bei der Reduktion in normaler Weise 8 Stadien auf die römische Meile rechnete4), so folgt notwendig, dass die Zahl 133 falsch sein muss. Schreibt man

dagegen CCXXXIII p. , so erhält man genau 1864 Stadien5): 1860 -|- 4530 = 6390. Bei Eratosthenes ist also 1860 herzustellen, und es ist klar, dass er hier einfach den Bematisten gefolgt ist.

') Tab. m Ifv , 8. Ihn al Faq. H. , 8.

«) Ibn al Faq. H. , 8. 3. Berüni rf 1 , 3 ff. ManöScihr ent- spricht in dieser Sage dem Partherkönig Mithradates I. der Geschichte, welcher in Hyrkanien residierte und dort an seinem Hofe den ge- fangenen Demetrios 1. Nikator in freier Haft hielt.

*) S. Tomaschek, Zur hist. Topographie von Persien I 82.

*) Genau acht Stadien auf die römische Meile ergeben die Strecken Alexandreia Areion Prophthasia (1600 Stadien, 199 mp.) und Ara- chotoi Ortospana (2000 Stadien, 250 mp.). Für die Strecke Heka- tompylos — Alexandreia Areion (4530 Stadien, 575 mp.) dagegen würde man 565 mp. erwarten, und die 565 mp. von Prophthasia nach Ara- chotoi seteen 4520 statt 4120 Stadien voraus.

ft) Dagegen sagt Ammian 28, 6, 43: et Hecatompylos? a cuius finibus per Caspia litora adusque portarum angustias stadia quadra- ginta numerantur et mille. Diese würden 180 mp. entsprechen.

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Ffir dieselbe Strecke, cL h. vom Beginn der Kaspischen Thore bis Dämayän, rechnen nun die arabischen Geographen 46 Para- sangen (s. u.) oder 6 Vi Tagereisen zu 7 Par. Stellt man also beide Angaben einander gegenüber, so ergibt sich, dass hier der arabisch -persische Parasang = 40,435 Stadien der Bematisten ist. Das hier zu Grunde gelegte Stadion kommt also dem des Eratosthenes (= 157,5 m.), welcher 40 Stadien auf den ägyptischen Schoinos von 6300 m. rechnete1), äusserst nahe.

Die 1260 Stadien des Apollodoros von Artamita dagegen er- geben genau 42 Parasangen zu 80 Normalstadien. Wendet man nun diese Erkenntnis auf den lltägigen Marsch von Ekbatana nach Ragai mit einer Länge von 3300 Stadien an, so ergibt sich als dessen wirkliche Länge 81 */j Par. d. i. 11 Vi gewöhnliche Tagereisen ä 7 Par. gegenüber den 62 oder 64 65 Par. der arabischen Geographen. Die heutige Route von Hamadän nach Teheran betragt sogar nur 188 Miles = 47 Par. (Houtum- Schindler, Zeitschr. d. Ges. für Erdkunde 1879, S. 114). Die damalige Route müsste also thatsächlich einen beträchtlichen Um- weg von 16 19 Par. gemacht haben, da man sogar von Hamadän über Qazwln nach Raj nur 40 + 27 = 67 Par. rechnete.8)

Die Karte des Castorius rechnet von Hecantopolis d. i. 'Ex- (ßar)czva i} nohg nach Europos (Raj), wenn die Zahlen richtig überliefert sind, 92 Masseinheiten. Tomaschek sieht darin Parasangen, allein schon Konrad Miller, Die Weltkarte des Castorius 109 hat Zweifel hieran geäussert und vermutet, dass wir vielleicht den Schoinos des Isidor von Charax = 25 Stadien = 3 röm. Meilen zu Grunde zu legen haben. Gehen wir nun mit Tomaschek davon aus, dass die 80 Schoinen des Isidoros für die Strecke von XaXa (Holwän) bis Hamadän den 61 Para- sangen der arabischen Itinerare 8) für dieselbe Strecke entsprechen, welch letztere Zahl auch die Quelle der Karte des Castorius ge- boten hatte, so ergeben 92 Schoinen gerade 70 Parasangen = 2835 Stadien, oder 10 gewöhnliche arabische Tagereisen ä 7 Par., 11 >/i kleine Tagereisen a 6 Par. Damit ist Millers Vermutung aufs glänzendste bestätigt. Die Route führte wohl zuerst nord- östlich durch die Landschaft 2iyQUtvit% im Mittelalter Charrakän

5 Vgl Pr. Hultsch, Griechische und römische Metrologie2 60 f. und N. 6.

«) Ibn Chord. M, 12. TP, 9. Ibn Rusta Hv, 11. W, 2.

•) So Ihn Chord. 11, 8 ff. fl, 8 ff. Bei Ibn Rusta Ho, 7 ff. sind

mehrere Zahlen in Unordnung.

4) Vgl. Strabon uc 13, 8 p. 525: fioxtt dk fUyustov tlvai päxoc x^g Mr\diag tb &nb zijg toi Zccyoov vntQ&iaeatg, rptto nateltai Mr\dixi) xilri. (lg Ka&nLovg niXag 9ut xi^g StvQuevfjg oxaöuov xsxoosxatpllmv txatöv. Die ganze Entfernung vom Passe von Holwän bis zu den Kaspischen Thoren wird also hier auf 4100 Stadien = 136 Parasangen attischen Stadien geschätzt, wovon nach Apollodoros von

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J. Marquart,

(jetzt Karayän), nach Kazwin, und von da 80. nach Ragai. Die auf der Tabula 50 ((txoivot) d. i. 88 Par. von Hamadän ver-

Artamita 500 Stadien 16 Par. a SO Stadien auf die Strecke von Ragai bis zu den Kaspischen Thoren entfallen (s. o.). Die arabischen Geographen rechnen für diese Strecke 18 Parasangen oder zwei Tage- reisen (s. u.). Da nun an der zweiten Stelle Apollodoros von Artamita ausdrücklich citiert wird, so ist es mehr als wahrscheinlich, dass auch die entere Angabe Uber Poseidonios auf ihn zurückgeht, was schon aus dem angewandten Massstabe zu schliessen wäre. Die nach Abzug jener 500 Stadien übrigbleibenden 3600 Stadien ergeben 120 Parasangen, die sich aufs genaueste mit den Angaben der arabischen Geographen

decken: von Mäh - Druwäspän ^LyJ^jM* (nach einem Perser Mäh- Druwäsp wwJj jil* , Dihqän von Bäbil Mahrüd a. 76/77 H. benannt, Tab. II 111, 10. 1fr, 4), dem ersten Orte jenseits des Passes von Holwän, bis Raj rechnet Ibn Chordädbih 57 + 64 -= 121 Par. (Ibn Chord. 11, 8 ff.

vgl. Qod. 11a , 4 ff. Ibn Rusta tlö , 7 ff. Moq. Wo , 6 ff.). Apollodor

kannte also bereits dieselbe Strasse, welche später die arabischen Geo- graphen beschrieben, haben.

Die Landschaft Eiy^itcvri wird bei Ptol. 6, 2 p. 391 f. SiyQucvixrj genannt. Es heisst hier in der Beschreibung Mediens: (xarivovöi) tu fÜv ('. vuTniixioTt-Qu roß ZdfQOv öQOvg Saydortoi , ind-' or; ixxixaxcti li(%Qi rfjs IlaQ^iag ij X<oQop,i&Qr\vr} &Qxuxa>TtQav t%ov6a rf]v 'EXv\uttdu. (L deXvpatdcc) , tu fUv rtQÖg avaxolccg xaxixovai TdnovQOi- anb lum^tpaiKg tlol rgg X(OQ0iu&Q7ivf)s ot re Sidixeg xal i)£iyQiavixi] xal r\ 'Payucvrj. Die JZuyaQTim stammen aus veralteter Quelle und sind richtig bei Arbela und weiter östlich anzusetzen (s. meine Untersuchungen z. Gesch. von Eran I 60 N.). Unter XG*QO\u&Qr\vt kann im Sinne des Ptolemaios nur die Elburzkette verstanden werden, die sonst den Namen naQccrocc&Qag (bei Ptol. nctQxod&Qag) führt. JeXvfiatg d. i. Delum bildet eigentlich nur einen Teil aerselben. XiyQucvixrj entspricht wohl un- gefähr der heutigen Provinz Kazwin, dem Dastabh (pers. Dait-i paj „Ebene am Gebirgsfuss») der Sasaniden- und älteren Cbalifenzeit. Die Eidtxsg sind dann wohl weiter westlich zu suchen.

Die Landschaft EiyQictvr) bezw. ZiyQiavixrj verdankt ihren Namen wohl ebenfalls einem Volksstamme. Plinius h. n. 6, 118 erwähnt nämlich in anderer Gegend zwei Volksstämme Silices und SUrae nebeneinander, deren Namen unmittelbar an die Eitiixtg und die Landschaft ZiyQtaprj erinnern. Der Text lautet: „Gurdiaeis vero iuncti Azoni, per quos Zerbis fluvius in Tigrim cadit, Azonis Silices montani et Orontes, quorum ad occidentem oppidum Gaugamela, item Suae in rupibus. Supra Silicas Sürae, per quos Lycus ex Armenia fertur. ab Sitris ad hibernum exortum Azochis oppidum, mox in campestribus oppida Diospege, Polytelia, Stratonicea, Anthemus".

Die Sitze dieser beiden Stämme lassen sich nun mit einiger Sicherheit bestimmen. Der Zerbis ist der kleine Zäb, kurdisch Zerb (Kiepert, AG. § 128 N. 3. Nouvelle carte g4ne*rale des provinces asiatiques de l'Empire ottoman , 1883) , dessen Deide UauptquellflUsse weit von einander entspringen. Der eine, Kelur genannt, kommt aus der Landschaft Lähigän, messt südöstlich und vereinigt sich unweit Alot mit dem Fluss von Bänä (BeröH), und strömt nun nach Westen. Der südlichste Hauptarm entspringt auf der Ostseite des Awroman-dagh

und vereinigt sich mit dem nördlicheren Cämi-Qyzylgik, der einen nörd- lichen Nebenfluss, den Sirwänfluss, aufnimmt, in der Nähe von Machüd j

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Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 25

zeichnete Station Spane fallt wohl in die Nähe von Kazwin. Was nun die für den Marsch Alexanders angenommene Summe von 3300 Stadien anlangt, so ist zunächst zu betonen, dass Plutarch

der vereinigte Südarm, auch Siwäbfluss genannt, vereinigt sich alsdann

mit dem Kelur oder Altun-su bei §inek (G. Hoffmann, Auszüge aus syr. Akten pers. Märtyrer 257 f.). Über den Azoni sitzen die Silices und Orontes, und westlich von diesen ist Gaugamela am Gömalfluss, dem westlichen Hauptarm des Chäzir, bei den Alexanderhistorikern Bovfuoöog (Arr. y 8, 7) oder Bumelus (Curt. 4, 9, 10). Der Gömalfluss ist benannt nach einem grossen Dorfe Gaumal der Provinz Margä im NO.

des Elfefgebirges , bei Jäqüt J^«y>t bei Thomas von Marga, The Book

of Governors ed. E. A. Wallis Budge p. 164, 1 (mir nicht zugänglich) Gögmal (vgl. G. Hoffmann, Auszüge 194. Th. Nöldeke, Lit. Cbl.

1893. Sp. 1752). Es ist ohne Zweifel identisch mit Tel &>mel, nördlich

vom Öebel Maqlüb, auf Kieperts Karte. Die Orontes und Silices sind also östlich vom Chäzir anzusetzen, und zwar letztere wohl noch Uber den grossen Zab hinaus. Suae ist. wie der Satzbau an die Hand gibt, ebenfalls eine Stadt, und wohl identisch mit Zovqu bei Ptol. 6, 1 p. 889, 14 unter 88° L. 46° 40' Br.

Der Lycus ist der grosse Zab (Arr. y 15, 4). Derselbe fliesst zuerst sudlich durch die Landschaft Albäg, nimmt dann den Nebib-cai auf

and fliegst nun sw. an Gülamerk vorbei. In der Landschaft Tijäri wendet er sich östlich, nimmt den von Amädlja kommenden Ghäranuss

und bei Rizän den durch die Vereinigung der Flüsse von &emd!nän

und Nauca gebildeten Fluss von Sirwän, endlich im Gebiete der Zibärl- Kurden den Rawändiz-cai auf, dann schlägt er wieder eine südwestliche Richtung ein. Die Sitrae sind also nach Plinius in dem thatsächlich hemals zu Armenien gehörigen Ursprungsgebiet des Grossen Zäb, der

Landschaft Albäg (armen. Gross-Albak, dem heutigen türkischen (»,LJi

entsprechend, und Klein-Albak mit dem Hauptorte Gülamerk) zu suchen.

Die Namen Uidixeg und Ziyoucvixj südlich von XmQOfu&QT]vrj sind offenbar von den Silices und Sitrae des Plinius (d. i. 2IAIKEZ und ZITPAI, verlesen für 2IJIKES und ZirPAI) nicht verschieden. Wir haben aber nicht den geringsten Anhalt zu der Annahme, dass die Sitze dieser beiden Völkerschaften sich ununterbrochen vom Strom- gebiete des Grossen Zäb bis an den Elburz erstreckt hätten. Vielmehr werden wir uns daran erinnern müssen, dass nach Strabons Aussage Abteilungen der Amarder, Tapuren, Kvqtiol und anderer Nomaden - Stämme sowohl im nördlichen Atropatene als im Zagros und Niphates (armen. Npat) sowie in Pars zersprengt wohnten (ta 13, 3 p. 523). Marder kennt auch Ptolemaios in Armenien (5, 12 p. 860, 12) und naen ihnen ist die Landschaft Mardastan in der Provinz Waspurakan be- nannt (Ps. Moses Geogr. ed. Soukry p. 32). Ebenso gab es Asagarta in der Gegend von Arbela und im Osten. Und in weicher Weise die ehemals weit verbreitete Nation der Matiener, nach denen der See von Urmia im Altertum den Namen ,der raantianische" erhielt, in histori- scher Zeit zersprengt war, hat jüngst Th. Beinach lichtvoll aus- einandergesetzt (Revue des (Hudes grecques 1894, 313 318). Wir werden also in den Silices und Sitrae (r. Zlyoai) des Plinius am Grossen Zäb und den £idixtg und den Einwohnern von Ziygucvix^ südlich von Xb)Qoiii&Q7}vi) (Elburz) je zwei von einander räumlich getrennte Ab- teilungen aerselben Völkerschaften zu erkennen haben.

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26 J. Marquart,

hier einer Quelle der romantischen Klasse folgt, die jene Zahl wohl kaum aus den ßrjfiavtarai geschöpft haben wird. Sie wird vielmehr einfach auf die Weise entstanden sein, dass der Verfasser den Tagemarsch durchschnittlich zu 300 Stadien annahm. Viel- leicht sind aber in jenen 11 Tagen auch noch mehrere Rasttage enthalten. Noch einfacher wäre die Differenz zwischen Plutarch und der Tabula zu erklaren, wenn wir annehmen dürften, dass Alexander unterwegs noch Kämpfe zu bestehen gehabt hätte, wo- durch Abweichungen von der Heerstrasse unvermeidlich gewesen wären. Freilich ist davon nichts berichtet. Ich trlaube aber trotz- dem, dass wir an der Identität der Route Alexanders mit der der Tabula nicht zu zweifeln brauchen.

Fassen wir nun das Resultat unserer bisherigen Untersuchung zusammen, so ergibt sich uns, dass Alexanders Marschleistungen wohl den Hellenen, die an Marsche von nur 150 Stadien und Tagereisen von 200 Stadien gewöhnt waren (Her. « 58. 8 101)1), als Wunder der Schnelligkeit erscheinen mussten, und auch uns noch in Anbetracht des zu durchziehenden schwierigen Terrains der Weg führte teilweise durch wasserlose Wüste und der Jahreszeit hohe Achtung abnötigen. Allein vom Standpunkt des heutigen preussischen Infanteristen oder gar der arabischen Reiter- geschwader müssen sie beträchtlich von ihrem bisherigen Nimbus verlieren.

Kehren wir nunmehr zu Alexander zurück, den wir in Ragai verlassen hatten. Hier, in der letzten Stadt Mediens, ernennt er

den Perser Oxodates (ap. WcwhtSöta »von Wachsu geschaffen)* *)

») Vgl. Fr. Hultsch a. a. O. 51 N. 1.

■) Bei Curt. 6, 2, 11 und 8, 3, 17 Oxydates. Justi, Iran. Namenbuch 233 Ubersetzt „zum Wachstum geschaffen*. Das Wort waaSu enthalten auch die Namen 'OfcvdQtrif = *Wax#u-warta .von Wachsu beschützt* (von W.tDar , wehren*), sowie der auf einer Goldmünze vorkommende

Name eines Satrapen "HTHöm WaxSu-warja (Num. Chron. 1879 , 8. PI. I, 2, von P. Gardner ganz falsch gelesen), der unter Antiochos H.

Theos (um 250 v. Chr.) wahrscheinlich in Hyrkanien (Tl, Abkürzung

von 13*11 Wjrkän) den Königstitel angenommen haben muss. Der Name Waxäu-warja bedeutet .erwünschtes Wachstum besitzend*. Wachsu war der Name des Genius des Wassers (Apäm napät oder ArdwTsüra?) und

besonders des Oxusstromes bei den Chwärizmiern (BSrünl PPv) und er- scheint als OAXj)0 Oaxio auf einer Ku&änmünze bei Cunningham, Coins of the Kushans. Num. Chron. 1892, p. 121. PL XXIIL 12. Vgl. die Beschreibung p. 156: ,This figure differs entirely rrom OX{>0 [OaJo]

als well as from OK{>0 [okSo «= skt uktan, der Nandistier des &va], so that there is no possibility of the legend being blundered. The figure is that of an old man nolding a long seeptre in his right hand, and carrying what looks like a dolphin or fish in his left hand. If I could be sure as to the fish or dolphin, I should be inclined to aeeept the figure as the god of the ,Occan* [von mir gesperrt]. Den Namen des Oxus tragen auch die von Ptol. 6, 12 p. 422, 28 an die sogdischen Berge versetzten t>£vdpaavoi

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Untersuchungen zur Geschichte von Eran.

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zum Satrapen von Medien, das ja nun im Grossen und Ganzen för unterworfen gelten konnte, worauf er selbst d>e kni JlaQ- xtvaiovg zieht. Am ersten Tage soll er bis zu den Kaspischen Thoren gekommen sein, welche von jeher die Grenze zwischen den Provinzen Medien und Parthien gebildet hatten, am zweiten passiert er das Defile und durchzieht das Kulturgebiet von Chwär jenseits desselben, das bereits zur Provinz Parthien gehörte *).

Ihn Chord. rt, 12 ff. rechnet von Raj nach Mufaflijaläbäd

4 Par., dann ^JS Käsp 6 Pars., dann Afritfin 8 Par., dann

Chwär 6 Par. Istachn Ho, 3 ff. nennt folgende Stationen: Raj

1 Tag Afriain 1 Tag Kuhandih (das alte Dorf) 1 Tag Chwär.

Auch Ihn Rusta nennt AiVT^ün unmittelbar hinter Raj. Bs ist nach ihm 9 Par. von Raj entfernt. Daraus folgt zunächst,

dass bei Ihn Chord. herzustellen ist: *UiU3 ^yXiJÄ J! ^J>\

Die Summe von 24 Par. bei Ibn Chord. stimmt zu

Istachrl's 8 Tagereisen, nur dass bei Ibn Chord. grosse Tagereisen a 8 Par. angenommen werden.

Ibn Rusta h1, 6 ff. beschreibt den Weg folgendermassen : „Von Raj nach Afriäün ^.Osj/i 9 Par. Der Weg führt durch das Kulturland von Raj, bis man zum Dorfe Karmäna (Garmäba wLe^?) kommt; rechts und links vom Wege sind Berge, und

man kommt an laufenden Kanälen, gegen 80 an der Zahl, vorbei (daher) der Name Hadtäö-röösn (die 80 Flüsse) die man sämtlich überschreitet, bis man zum Dorfe Afrl^ün kommt. Von Afriäün nach Chwär sind zweimal 8 Par. (d. h. 2 Tagereisen ä 8 Par.)*). Der Weg fuhrt eine Zeit lang durch Kulturland, dann durch Wüste, bis man zu einem Dorfe am Eingange eines Passes kommt, das Klsp (1- s-**«*^) heisst und wo früher die Station war. Heutzutage wird aber dort nicht mehr Halt gemacht, sondern die Karawanen gehen daran vorbei nach Chwär und marschieren durch einen Engpass von 5 Par. Länge*.

Die Entfernung von zweimal 8 Par. zwischen Afrldün und Chwär stimmt mit dem wiederhergestellten Texte des Ibn Chordä#bih äberein. Das Dorf (ebenso Jäq. IV rrT, 2) oder Käsp

am Eingange der 5 Par. langen Kaspischen Thore3) entspricht

(so 1. mit codd. B E Pal. 1) d. i. *Wax$u-drajana v Anwohner des Oiuaaee«*, sowie die Oxyttagae Plin. h. n. 6, 48, bei Solin c. 49, .1 Oxistacae am See Oaxus.

l) Plin. 6, 44.; Mox eiusdem Parthiae amoenissimus situs qui Tocatur Choara. Uber Strab. ta 9, 1 p. 514 s. u.

«) Cod. iUiU iLoLS J,Ji J\ ^jJsjj« Der

Ausdruck ist schlecht, kann aber nicht anders aufgefaßt werden.

*) Nach Isidor von Charax. <sxu&\l<>1 IIccq&ixoL § 7, hatten die Thore ihren Namen von dem Gebirgszug, durch den sie führten. Das

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J. Marquart,

völlig dem Kuhan-dih 8jJ!^/ des Istachrl, sowie dem heutigen

Aiwän-i Keif, das von Qy&läq, dem alten Chwär 22 miles oder ö'/j Par. entfernt ist. Zur Zeit des Ibn Rusta hielten aber die

hier genannte Dorf Käap oder Kern hatte noch in der älteren Chalifeu- zeit den alten Namen bewahrt. Plin. 5, 99 leitet den Namen des Kaspi- schen Gebirges von einem Volke der Kaspier her. Dies sind gewiss die Käanioi Her. y 92 und Plin. 6, 114: habet ergo ipsa (Media) ab ortu Caspios et Parthos. Bei Herodot stehen die Kaoniot neben den Jagtlxai, die nach Ptol. 6, 2 p. 392, 4, wo ^ Jaostttg %Aqcc unter dem 'Icc<s6vtov ÖQog ö. von 'Pavucvrj verzeichnet wird, ebenda anzusetzen sind, und den Ilavaixca d. i. den 'Aitaaiaxat , die wir schon um 230 v. Chr. in den Steppen westlich vom Oxos finden Polyb. i 48, Strab. «r 8, 8 p. 513 (wo auch für ATTA2IOI zu lesen ist APAZI\AK}AI), Steph. Byz. s. v. 'Anaoucxcci, bei Ptol. 6, 12 p. 422, 25 (wo sie aber ganz falsch an die oxischen Berge versetzt sind, wie die 'laxioi und Taxogoi d. i. die Jüe-ci an den nördlichen Abschnitt des Jaxartes) Iluaixai, bei Plin. 6, 50 und Mela 3, 39 Pestici, Mela 3, 42 Paesicae. Spuren jenes ehemals weitverbreiteten Urvolkes finden wir ferner an der Süd Westküste des nach ihnen benannten Meeres, am Unterlauf des Araxes, von wo sie sich später mehr nach dem Binnenland in die Gegend der Stadt

P'aitakaran (arab. ^ JüLxaJ*) zurückzogen (s. K. J. Neu mann, Patrokles

und der Oxos. Hermes Bd. 19, 173): ebenso weist der Name des Käsp- rött des Flusses von Tos-Mäahäd, Bundahifin p. 53, 3 (West, PT. I

81 f.), jetzt KäSäf-rttd, im Epos Käsak-röt (arab.-pers. t5*jJS Tab. I

1.1 , 9. 1a. , 7) auf jenes Volk. Wir finden sie aber insbesondere östlich

von Baktrien: Her. y 93 steuern sie mit den Saken, i\ 67 werden sie hinter Gandärern und Jadixut (d. i. *Dadika, Darden) aufgeführt. Sie trugen Pelzröcke und führten einheimische Rohrbogen und kurze Schwerter als Waffen. Nach r\ 86 dienten sie auch als Reiter und folgen auf die Baktrier. Sie müssen also damals noch im Besitz von Ebenen gewesen sein, und wir werden sie nicht allzuweit von Baktrien suchen dürfen. Aus Ktesias erfahren wir, dass sie eine besondere Ra*se von Kamelen züchteten, deren Haare der milesischen Wolle an Zartheit gleich geachtet wurden, so dass die daraus hergestellten Stoffe den Priestern und Vornehmen als Kleidung dienten (Apollon. hist. mirab. 20 aus Ktesias' 10. Buche. Aelian bist. an. 17, 34). To m a - schek, Kritik der ältesteu Nachrichten Uber den skythischen Norden I 35 (SBWA. Bd. 116, 15, 1888, S. 749) will auch bei Plin. 6, 55 (ab Attacoris gentis Thuni et Focari, et iam Indorum Casiri introrsus ad Scythas versi humanis corporibus vescuntur) CASPII für CASIRI lesen, obwohl letzteres auch 6, 64 in der Schreibung Cotriri wiederkehrt, und sieht in den heutigen Buri§ in 4en Hochthälern Hunza und Napar nördlich von Gilgit den einzigen Überrest dieser Urbevölkerung. Viel- leicht dürfen wir auch in den bei Her. i] 86 neben den Pankaniern genannten Kuoniot, falls die LA. richtig ist, einen nach SO. ver- schlagenen Rest derselben Bevölkerung erblicken.

Ein ebenso versprengtes vorarisches Volk sind die Tapuren. Der Alexanderzug zeigt sie uns im Elburz etwa nördlich von Semn n. Später nehmen sie auch die Sitae der Marder beim heutigen Ämul ein (s. u.). Eine andere Abteilung dieses Volkes sass zwischen den Hyrkaniern und Areiern (Strab. uc 8, 8 ja. 514), und an diese erinnerte wohl noch der Rustak Tabarän bei Sarachs, sowie labarän oder

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r

»

Untersuchungen zur Geschichte yon Eran. 29

Karawanen nicht mehr in Käsp , sondern in einem Karwänseräi 2 Par. weiter westlich, 8 Par. von Afrldün, so dass die ganze Strecke folgendermassen lautet:

Ibn Chord.: Ibn Rusta:

Raj Raj

Afrldün 8 Par. Afritfün 9 Par.

Mufadcjal äbäd 4 w Neue Station 8 w

Käsp (Kuhan-dih) 6 Kesp (2) 1 fi

Chwär 6 Chwär (6) /

~24 Par. 25 Par"

MuqaddasT f.., 11 nennt folgende Stationen: Raj 1 Tag Killn ijdsS 1 Tag Kes (= Kesp) 1 Tag Chwär. Hier ent-

spricht also Kilm dem Afrl<5ön der älteren Geographen. Jener Ort ist aber heute noch bekannt und liegt gegen Warämin zu, ' woraus sich auch für Afrt<5un eine benachbarte Lage ergibt. Bis zum Orte Käsp am Eingange der Kaspischen Thore rechnete man also 18 bezw. 19 Par. oder zwei (starke) Tagereisen. Damit stimmt die Angabe <Jes Apollodoros von Artamita fast völlig dberein, wo- nach Ragai von den Kaspischen Thoren 500 Stadien = 16*/s Par. entfernt war (Strab. ta 13, 6 p. 524 hn.). Heute rechnet man allerdings von den Ruinen von Raj bei §äh 'Abdul 'Azlm bis zum Beginn des Sär-darra- Passes nur 52 miles = 14 Par. oder zwei Tagereisen1). Die Differenz erklärt sich daraus, dass die von

TabaräUf die Hauptstadt der Provinz Tos (beim heutigen Mäshäd). Vgl. meine Assyriaka des Ktesias 614 N. 383. Unters, zur Gesch. von Eran S. 70 N. 76 (Pbilolorus Bd. 55, 238). Sie waren aber ohne Zweifel in historischer Zeit überall von den Ariern aus den Ebenen in die ent- legeneren Gebirgsthäler zurückgedrängt worden. Auch östlich von der Wüste von Margiana waren sie verbreitet (Ptol. 6, 10 p. 418. Dionys. itiotr\y. 782 ff.) , wohl im heutigen BädchTz. Nach Strabon ta 13, 3 p. 523 gab es sogar im nördlichen Atropatene Horden dieser räuberischen Nomaden, wie auch der Amarder und Kyrtier (Kurden), und es scheint, dass auch der Zagros und Niphates versprengte Abteilungen dieser Nationen beherbergten, wenn Strabons Ausdruck nicht auf die speziell genannten Kvgrtoi und Maqlloi zu beschränken ist: % dk nooaaQxxiog doavi) xal xoa%sla xal i/w;roa, Kaöovclcav xaxoixia x&v 6qhv&v xal 'A{iÜQÖmv xal Tanvocav xccl KvqxIodv xal &llcov xotovxav, ol (itxavdaxai tlol xal Irjoxoixoi. xal yäo 6 Zdyoog xal b Nupdxr\g xaxfonag^iva fyovoi ibvr\ xavxa, xal ol iv rg Tleooldi Kvgxioi xal Mdgdoi (xal yuQ ovxto Xiyovxai ol "Aiucodoi) xal ol iv xfj 'Aojuvia pi%Qi vvv öfuo- v4(uog HQoeayoQfv6pLtvoi xi)g avxijg tlaiv idiag. Darnach wird man es wägen dürfen, auch die von Ptolemaios 6, 14 p. 427, 19 östlich von den Tdnovoa öoji und den Zvrißoi Extöai angesetzten Tanovoatoi als einen weit nach Osten verschlagenen Bruchteil derselben Nation aufzufassen. Tomaschek, Kritik der ältesten Nachrichten Uber den akythischen Norden II 51 (SBWA. 1888 Bd. 117, 1) versetzt die Tdnovoa öoij nörd- lich vom Sir-darjä, vom Kurama-tau bis zum Catqal-tau.

^ Tomaschek a. a. O. 12. S. 79 dagegen gibt derselbe nur

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30 J- Marquart,

den arabischen Geographen beschriebene Route eine mehr südliche Richtung hatte. Allein schon a priori werden wir anzunehmen haben, dass die Route Alexandere eher mit der des Apollodoros und der arabischen Geographen als mit der heutigen überein- stimmte. Behalten wir nun im Auge, dass des Apollodoros 1260 Stadien a Vso Pftr- von den Kaspischen Thoren bis Heka- tompylos nur 42 Par. gegenüber den 46 der arabischen Geographen und der Bematisten ergeben, so muss auch zwischen den 500 Stadien = 168/8 Par. gegenüber den 18 (19) Par. der Araber ein be- stimmtes Verhältnis obwalten. Wir dürfen also für die Bematisten 18 Par. zu Grunde legen und erhalten so für die Entfernung Ragai Kaspische Thore eine Länge von 720 Stadien. Dass Alexander diese an einem Tage durcheilt haben sollte, ist ganz undenkbar, und wir müssen anerkennen, dass hier die Angabe Arrians falsch ist. Aus den vorangehenden wie aus den folgen- den Untersuchungen ergibt sich, dass wir uns von den Märschen Alexanders keine gar zu übertriebenen Vorstellungen machen dürfen. Auch wenn Alexander diese Strecke in zwei Tagen zurücklegte, war dies für eine Armee eine ganz anerkennenswerte Leistung. Der zweite (richtig dritte) Marschtag führte nach Tomaschek über Chwar bis Aradan und hatte eine Länge von 34 Miles = 9 Parasangen.

An der Grenze des Kulturgebiets von Chwär kommen zu Alexander Bagisfcmes, ein vornehmer Babylonier und Artibelos1), einer der Söhne des Satrapen von Babylon Mazdai, und melden, dass Dareios von dem Hazarapet Nabarzanes, dem Satrapen von Baktrien, Bessos und von Brzavanta, dem Satrapen von Arachosien und Drangiana festgenommen worden sei (Arr. y 19 21, 1).

Eine völlig abweichende Darstellung finden wir bei Curtius, der hier für uns der einzige vollständige Vertreter der romantischen Gruppe ist. Nach ihm hatte Dareios in Ekbatana zuerst be- schlossen, nach Baktrien zu gehen, änderte aber dann seinen Plan, da er fürchtete, der Schnelligkeit Alexanders doch nicht entfliehen zu können, obwohl dieser noch 1500 Stadien entfernt war, itaque proelio magis quam fugae se praeparabat (5, 8, 1. 2 ; vgl. 9, 18). Er fordert also in einer Rede seine Leute auf, nochmals das Glück der Waffen zu versuchen. Curtius ver- legt nun gleich hierher den Beginn der Meuterei des Bessos und Nabarzanes. Diese widersetzen sich dem Plane des Dareios, eine neue Schlacht zu liefern, und fordern den Rückzug nach Baktrien

») Arr. v 21. 1 'AinLfaloq, £ 6, 4 'Agtißoljie. Das Richtige ist 'AQtlßriXoe, Der Name ist babylonisch = Ar du Bei , Diener des BeK Curtius 5, 13, 11 gibt dem Manne den Namen Brochubelus, was nicht wohl etwas anderes sein kann als ein Schreibfehler für Orodubelw i vgl. Terioltes IX, 8, 9 für Terid(a)tes, TTjOMJarrj? Diod. 17, 81, 2. Unter- suchungen I 70). Wie rasch übrige us die in Babylon begüterten vor- nehmen Perser babyionisiert wurden, dafür liefert eine vom 1. Dum

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Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 31

und die einstweilige Übergabe der königlichen Gewalt an den Satrapen Bessos. Da Dareios sich ausser Stande sieht, seinen Plan, dem Feinde entgegenzuziehen, auszuführen, so bleibt er zu- nächst völlig fassungslos und unthatig in Ekbatana (9, 13). Am folgenden Morgen jedoch machen ihm Bessos und Nabarzanes ihre Aufwartung und der König lässt sich zur Flucht bewegen (10, 15: Alexandri manus, quas solas timebat, eflfugere properabat).

Auf dem Marsch gewinnt die Gefahr für den König greif- bare Gestalt, vergeblich bittet ihn aber Patron, der Führer der hellenischen Söldner, sich seinem Schutze anzuvertrauen. In der folgenden Nacht wird er von Bessos und Nabarzanes gefangen genommen, mit goldenen Ketten gefesselt1) und auf der Flucht mit- geschleppt. Dies geschah nach Justin 11, 15, 1 in vico Parthorura Thara. Artabazos mit den treugebliebenen Persern und den Hellenen zieht nach Parthiene, die Perser aber, nunmehr fuhrerlos und durch die Versprechungen des Bessos geködert, folgen den Baktriern und holen sie am dritten Tage wieder ein8). Sobald Alexander erfuhr, dass Dareios von Ekbatana aufgebrochen sei, gab er den Marsch dahin auf und setzte die Verfolgung energisch fort In Tabai, einer Stadt an der Grenze von Paraitakene, er- führt er durch Überläufer, dass Dareios in wilder Flucht 'Baktra zueile. Certiora deinde cognoscit ex Bagistane Babylonio : <non> equidem vinetum regem, sed in periculo esse aut mortis aut vineulorum adfirmabat (18, 1 3).

Diese Darstellung des Curtius wird man zunächst so ver- stehen, dass die Gefangennahme des Dareios auf dem Marsche von Ekbatana nach Ragai erfolgt sei Alexander aber, der nach ihm nicht nach Ekbatana gekommen ist, sondern gleich auf die Nach- richt von der Flucht des Dareios den Marsch dahin aufgab, hätte wohl die direkte Route von Paraitakene nach Ragai über Kasan und Qomm eingeschlagen.

des Jahres IV des Xerxes (AkkaSiaräi) datierte Vertragstafel einen merkwürdigen Beleg. Es wird auf derselben ein gewisser Kibi-Bel ge-. nannt, der Sohn eines Persers Mardinija, der bereits selbst auch einen babylonischen Namen angenommen hatte (J. Oppert, Revue des «Hudes juives 1894, p. 34). Nichts hindert, in diesem Mardinija den bekannten Mardunija, den Sohn des Gaubruwa zu sehen, der uns als in Babylonien ansässig, bei dem Aufstand der Babylonier unter Xerxes entgegentritt (Ktes. ecl. 21. Vgl. meine Assyriaka des Ktesias 624 f.) und in der Schlacht bei Plataiai a. 479 fiel.

') Der Satz Ne tarnen honos . . . sequebantur (5, 12, 20) ist an falsche Stelle geraten und gehört hinter § 16: rex curru . . . inponitur.

*) Damit kann nicht der dritte Tag seit der Ergreifung des Dareios gemeint sein, sondern nur seit dem Aufbruch von Ekbatana. Denn nachdem Alexander von Bajristanes erfahren hat, dass Dareios zwar noch nicht gefesselt sei, aber in grösster Gefahr schwebe, legt er in zwei Tagen 1000 Stadien zurück und holt die Verschworenen ein (13, 6 ff.). An dem verhängnisvollen Tage, der der Flucht vorausging, war Alexander noch 1500 Stadien entfernt (8. 2), am Morgen der Flucht aber hatte sich die Entfernung ohne Zweite! bedeutend verringert.

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32

J. Marquart,

Die Stadt Tabae ist nach Curtius offenbar nicht identisch mit dem Orte, wo Alexander zuerst die Flucht des Dareios erfuhr, sondern nördlich von diesem zu denken. Nun ist aber TABAE eine Verlesung für rABAI, und dieses war die Hauptstadt der Landschaft Gabiene, die im weiteren Sinne zur Provinz Paraitakene gehörte (vgl. Diod. i& 26, 1. 5. 34, 7) und seit der seleukidischen Satrapieneinteilung eine Provinz von Elyraaia bildete (Strab. ig

1,18 p. 745). Gabai entspricht dem arabisch -persischen ^> öa/*,

der Altstadt von Ispahän, wie C. F. Andreas zuerst gesehen hat Es befand sich daselbst ein achaimenidischer Palast (Strab. u 8, 3 p. 728). Das eigentliche flaQmxaxijvr]^ dessen Name sich in dem des Distriktes Faraidän (volkstümliche Form Päria),

arab. ^ju^J FariSin, einmal auch ^jjc^t*) am Oberlauf des

Zajända-rüd nw. von Ispahän erhalten hat, erstreckte sich offenbar nördlich und nw. von Ispahän. Die Grenze gegen Medien bildete, wie es scheint, die Stadt 'Pat//a, welche nach C. F. Andreas dem heutigen Gulpäig&n (arab. ^üüby?- OarpäSakän) oder besser

dem heutigen Sähwärdi im nördlichen Teile des Distriktes Faraidän entspriöht *). Gabai lag nur gegen Osten in Paraetacene ultima, indem schon in der altern Partherzeit die Städte Issatis (Jezd, arab.-per. »2f Ka&a d. i. Haus) und Kalliope den Parthern ge- hörten4). Wenn also Gabai in der guten Überlieferung des Ptolemaios und Aristobulos genannt war, so kann dies nur in dem Bericht über die Unterwerfung der Paraitaken und die Einsetzung des Satrapen Oxathres (Arr. y 19, 2) gewesen sein. Nach der- selben erfahrt aber Alexander zunächst den Entschluss des Dareios, eine neue Schlacht zu wagen , und erst an der medischen Grenze hört er, dass Dareios sich zur Flucht entschlossen habe.

Man sieht also, wie sehr die richtige Aufeinanderfolge der Ereignisse bei Curtius verschoben ist Die beiden Überläufer

*) Bei G. Hoff mann, Auszüge aus syr. Akten per. Märtyrer S. 132 N. 1130.

*) Tab. I IfP. , 9 antworten die Araber den Persern auf deren

Friedensanerbietuneen : ,Nie wird zwischen uns und euch Friede sein, bis wir den Honig von Afridln essen mit Citronen von Kulrä4. Dass hier von dem Gau der Provinz Ispahän und nicht von dem unten behandelten Dorfe die Bede ist, ergibt sich daraus, dass als

Heimat des vorzüglichen Honigs, des sogenannten »medischen* (^£«5Ut),

Ispahän galt (Ibn Rusta lov, 4. Ibn al Faq. Hl, 8).

s) Pauly Wisso waa s. v. Andriaka. Vgl. Tomaschek, Zur histor. Topographie von Persien I 24 ff.

*) Plin. h. n. 6, 44: duae urbes ibi Parthorum oppositae quondam Medis, CaUiope et alia in rupe Issatis. Vgl. 6, 113. Polyb. 10 fr. Vor der Eroberung Mediens durch Mithridatcs I. hatten sie als parthische Vorposten gegen das seleukidische Medien gedient.

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Untersuchungen zur Geschichte von Eran.

33

Busxdvrjg, der dem Alexander drei Tagereisen südlich von Ekba- tana meldet, dass Dareios bereits fünf Tage auf der Flucht sei (Arr. y 19, 4. 5), und Bayiöxavrjg, der ihm zwei Tagemärsche östlich von Ragai die Gefangennahme des Dareios meldet (Arr. y 21, 1), sind bei Curtius zusammengeworfen, und die Ereignisse von der Flucht bis zur Gefangennahme des Dareios, die bei Arrian einen Zeitraum von nahezu 30 Tagen in Anspruch nehmen1), sind bei ihm ganz dramatisch auf einige Tage zusammengedrängt. Der Grund der Verschiebung lasst sich aber hieraus nicht erkennen. Dieselbe erklärt sich nur daraus, dass der Verfasser durch geographische Vorstellungen beeinflusst war. Die beiden Haupt- städte Mediens, Ragai und Ekbatana, sind nämlich bei ihm völlig zusammengeworfen. Bei Strabon ig 1 , 17 p. 744 finden wir sodann folgende Grenzbestimmungen : xccvxrj 6h (rr) IJsq6£Si) owuitxti ^ IIccQaixccxrjvi) vtal f\ Koääala K cconl&v nvXöbv, 6qhvcc xccl XyöxQixa z&vri. tij 6h £ovölöi fi EXvftcctg xai avxr\ xqaitia t\ noXXi} ycccl XytiTQiMj' xjj 6h ,EXvftat6i xa mqi xbv ZdyQOv xai ^ Mrj6la. Den Landschaften Paraitakene und Kossaia wird also eine Ausdehnung bis zu den Kaspischen Thoren gegeben und nach ta 13, 6 p. 524 bilden Parthyaia, die Berge der Kossaier und die Paraitakener die Ostgrenze von Gross-Medien2). Diese Angaben gehen wohl ohne Zweifel in letzter Linie auf Eratosthenes zurück. Dann folgt aber unmittelbar, dass die Quelle der Erzählung des Curtius jünger als Eratosthenes sein muss, was auf Agatharchides vortrefflich passt. Zur Erklärung der hier der Landschaft Paraitakene gegebenen östlichen Ausdehnung darf vielleicht an das oben erwähnte AfrT^Ün zwischen Raj und den Kaspischen Thoren erinnert werden 8). Der

Name ^^Juyl oder ^jjoj^ geht wohl auf *para-ita „umflossen*

zurück, dessen Ableitung üaQaixdTiai = para-ita-ka (als Vor- name) oder na$aixccx,r\vri (mit hellenischer Endung) uns in den ver- schiedensten Gegenden Irans als Landschaftsname begegnet. Die betreffenden Landschaften4) sind sämtlich von zahlreichen Flüssen oder Kanälen bewässert. Der Name Afridvm oder richtiger PareSün bezeichnete also wohl ursprünglich das von 80 Kanälen

') Flucht 8 Tagereisen von Ekbatana -|- Rast in Ekbatana 11 Tage bis Ragai -f 5 Tage Rast -f 2 Tage bis zur Ankunft des Ragistanes.

*) xovtoig ti 9r\ ictpOQi&rca itQÖg fto (i) iLsydXr\ Mrftioc) xai ixt tofff naQ€cixaxT\vols , ol övvarcxovct HiftGaig 6qhvo\ xal ccbxol xccl IjjaxQixoi.

*) Es ist zu beachten, dass die Alexandergeschichte auch einen Stamm der Tapuren neben Kossaiern in der Nachbarschaft der Persis, also im Zagros kennt (Arr. 7, 23, 1), wodurch Strabons Angabe ta 13, 3 p. 523 (oben S. 29 Anm.) bestätigt wird. Es lag natürlich nahe genug, diese Tapuren mit denen nordöstlich von Ragai zu verbinden.

*) 1) nordlich von Pars, 2) in Drangiana, das spätere Sakcnland Zccxaoxdvri, 3) am obern Oxos, das mittelalterliche Chottal.

Marqaart, Untersuchungen. II. 3

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J. Marquart,

des Gagarüd (pers. HastäJ-rödän) befiruchtete Kulturland südöst- lich von Raj Die Schreibung ^ findet sich bei Tab. I

ffr. , 9 auch* für den gewöhnlich ^jJuj» genannten Rustäk von

Ispuhän, welcher den Namen der Provinz nccQaitccxrivfj bewahrt hat.

Wenn sich aber Paraitakene bis zu den Kaspischen Thoren erstreckte und Gabai in Paraetacene ultima lag, so hatte Alexander freilich von da nicht mehr weit bis zu dem Orte, wo Dareios gefangen genommen worden war. Dieser heisst bei Justin Thara und wird als vicus Parthorum bezeichnet. Da Curtius die Ergreifung des Dareios bereits in der ersten Nacht nach dem Aufbruch von Ekbatana (praktisch = Bagai) geschehen sein lässt, so kann unter Thara kaum ein anderer Ort gemeint sein als Choara9), die erste Stadt in Parthien (Plin. 6, 44). Freilich brauchte Alexander nach Arrian von Ragai bis dahin bezw. zu dem 3 Fars. weiteren Aradän zwei Tage. Von diesem Gesichtspunkte aus erklärt sich die völlige Umarbeitung der ursprünglichen Be- richte. Der romantische Bericht hat also den Ort der Ergreifung des Dareios mit der Stadt, in deren Nähe Alexander von derselben benachrichtigt wurde, verwechselt. Trogus schrieb wohl CHARA, und eine ganz ähnliche Form findet sich bei Orosius 1,2,16: der Kaukasus heisst a fönte Tigridis usque ad Charras civitatem inter Massagetas et Parthos mons Ariobarzanes; a Chams civitate usque ad oppidum Catippi inter Hyrcanos et Bactrianos mons Memarmali etc. Ariobarzanes ist aw. Hara bdrdzaitü, der heutige Alburz, es kann also mit Charrae hier nur die Stadt Choara am Ende der Kaspischen Thore gemeint sein3). Vielleicht ist mit Rücksicht auf obige Stelle des Justin auch bei Plin. 6, 44 (oben S. 27 Anm. 1) für amoenissimus situs qui vocatur Choara zu lesen a. vicus q. v. Ch.

Nachdem Alexander die Gefangennahme des Dareios erfahren, beeilte er sich noch mehr und nahm nur die Hetairen, die Auf- klärungsreiterei und die kräftigsten und leichtesten Fusssoldaten mit ; nicht einmal die unter Koinos zum Fouragieren ausgesandten

') Ein anderer Ort namens lag auf dem Wege von

Tabasain durch die Wüste nach Tureiz, 20 Fars. östlich vou Tabasain

Ibn Chord. öf, 3, wahrscheinlich in einer Oase.

*) Ganz mechanisch, ohne Rücksicht auf die Eigeuart der Quelle, sucht diesen Ort Tqmaschek, Zur hist. Topographie von Persieo I 80 zu bestimmen. Uberaus naiv ist dagegen der Versuch von Adolf Sonny, Jahrbb. f. Phil. u. Pädagogik 1891, Bd. 143, 278 ff, der in den drei Namen 'Pdyai (Arrian^, Tabae (Curtius) und Thara (Justin) eine und dieselbe Ortlichkeit sieht Er steht würdig neben Krauths, dieselbe Zeitschrift zierender Entdeckung der .verscholleneu Länder des Altertums*.

») Vgl. über diese Stelle meine Schrift: Eriinsahr nach Ps. Moses Chorenac'i.

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Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 35

Reiter wartete er ab. Über die Zurückbleibenden setzte er den Krateros mit dem Befehle, in massigen Tagem&rschen zu folgen. Alexander marschierte die ganze Nacht und den folgenden Morgen bis gegen Mittag, und dann nach kurzer Rast wiederum die ganze Nacht hindurch bis Tagesanbruch, und erreicht nun das Lager, von welchem Bagistanes nach Ergreifung des Dareios aufgebrochen war. Hier erfahrt er, dass Bessos die Gewalt ergriffen habe, dass aber Artabazos und die hellenischen Söldner, nicht im stände, das Geschehene zu hindern, von der Heerstrasse abgebogen seien und für sich nach den Bergen zu marschieren. Trotz der Erschöpfung der Pferde und Mannschaften setzt Alexander den Gewaltmarsch die Nacht und den folgenden Tag bis zum Mittag fort, bis er zu einem Dorfe kam, wo die Verschworenen am vorhergehenden Tage gelagert hatten. Hier erfuhr er, dass die Barbaren beschlossen hätten, des Nachts zu marschieren.

Seit der Ergreifung des Dareios waren' mindestens 5 6 Tage verflossen1), die genügt hätten, den Verschwornen einen tüchtigen Vorsprung zu sichern. Allein die mit der Ergreifung des Dareios ausgebrochene Revolution und die dadurch hervorgerufene Un- schlüssigkeit hatte offenbar noch ein längeres Verweilen im Lager nach dem Weggang des Bagistanes zur Folge. Auf diese Weise war viel kostbare Zeit verloren worden.

Alexander erkundet nun von den Eingebornen einen kürzern Weg, der aber durch wasserloses Land führe, und da er einsieht, dass das Pussvolk seinem Gewaltritt nicht würde folgen können, so lässt er gegen 500 Reiter absitzen und macht dafür die Offiziere und die tüchtigsten Leute des Fussvolks in ihrer Infanteriebewaflnung beritten. Dem Nikanor und Attalos, den Führern der Hypaspisten und Agrianen befahl er, die Zurückgebliebenen ebenfalls in möglichst leichter Rüstung auf der Heerstrasse heranzuführen, das übrige Fuss- volk sollte in Schlachtordnung nachfolgen. Er selbst brach mit den 500 Doppelkämpfern* und der Reiterei*) gegen Abend auf und legte die ganze Nacht hindurch gegen 400 Stadien zurück, bis er gegen Morgen auf die ungeordnet und unbewaffnet mar- schierenden Barbaren stiess. Die meisten wandten sich alsbald

') 2 3 Tage Marsch des Bagistanes vom Ort der Festnahme des Dareios bis zum Lager Alexanders -f- 2 Tage Marsch Alexanders bis zum Ort der Festnahme des Dareios -f 1 Tag bis zum letzten Lager der Verschwornen.

*) Arrian y 21 , 7 ff. erwähnt die Reiterei nicht besonders. Dass aber Alexander auf seinem Gewaltritt die Reiterei bei sich hatte, würde, wenn es sich nicht von selbst verstünde, sowohl aus der Pointe jener Massregel (er will auf die Mitwirkung der Infanterie uicht verzichten, da diese aber zu Fuss nicht mehr zu folgen vermag , so lässt er sie in ihrer eignen Bewaffnung aufsitzen) als auch aus dem Fehlen der Reiterei unter den .Zurückgebliebenen folgen. Die Romantiker sind hier also genauer. Uberhaupt ist Arrian's Auszug hier ganz besonders liederlich.

8*

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36

J. Marquart,

zur Flucht, sobald sie Alexander in Sicht bekamen, nur wenige ermannten sich zur Abwehr, nahmen aber gleichfalls Reissaus, nachdem einige gefallen waren. Als Alexander bereits nahe war, stiessen Nabarzanes und Barsaentes den Dareios nieder, der bald darauf verschied, und flohen mit 600 Reitern. Da die Feinde nach allen Richtungen auseinanderstoben und seine Leute völlig erschöpft waren, sah Alexander die Unmöglichkeit ein, die Verfolgung fortzusetzen. Er wartete also die Ankunft der zurückgelassenen Truppen ab und sandte den Leichnam des Dareios zur Beisetzung in den Königsgräbern nach der Persis.

Darauf ernannte er den Parther Amminapes1) zum Satrapen der Parther und Hyrkanier und erwartete die Ankunft der bei der Verfolgung zurückgelassenen Abteilungen des Heeres. Nachdem er diese an sich gezogen, rückte er gegen Hyrkanien vor.

So der lakonische Bericht des Arrian. Nach Curtius dagegen legt Alexander, nachdem er von Bagistanes erfahren hat, dass Dareios zwar noch nicht gefesselt sei, aber in höchster Gefahr schwebe, in einem Gewaltmarsch bei Tai? und Nacht 500 Stadien zurück und erreicht das Dorf, wo Dareios gefangen worden war. Bald darauf treffen zwei Überläufer Orsilos und Mithracenes ein mit der Meldung, die Perser seien nur mehr 500 Stadien entfernt. Gegen Abend bricht nun der König mit 6000 auserlesenen Reitern und 300 Doppelkämpfern auf, indem er die Phalanx mit dem Befehle, so schnell wie möglich zu folgen, zurückliess. Unterwegs soll er nach Justin 11, 15, 4 multa et periculosa proelia bestanden haben. Nachdem er 300 Stadien zurückgelegt, kommt ihm Brochubelus, der Sohn des Mazaios, der ehemalige Satrap von Syrien, entgegen mit der Nachricht, Bessos sei nicht mehr als 200 Stadien entfernt Sein Heer , das ungeordnet und unvorbereitet marschiere, scheine nach Hyrkanien marschieren zu wollen. Nun gieng es im gestreckten Galopp auf die Feinde. Beim Herannahen Alexanders suchten Bessos und seine Mit- verschwornen den Dareios zu bewegen, zu Pferde zu steigen und sich mit ihnen durch die Flucht zu retten. Da er sich aber dessen weigerte, stiessen sie ihn nieder und flohen nach verschiedenen Richtungen, Bessos nach Baktrien, Nabarzanes nach Hyrkanien. Artabazos mit den treugebliebenen Persern und den hellenischen

*) Bei Arrian y 22, 1 liest man 'AfLuivdonris, allein die Form des Curtius 6,4,25 Minapis weist darauf hin, dass dessen Gewährsmann im zweiten Teil nicht ap. aspa gefunden hat. Im ersten Teil erkennt man aw. xoahma .Lobpreis*; vgl. aw. Wakmac-däta oben S. 17, Me- dates Curt. 5, 3, 4. 12. 15, Madhrig Diod. 17, 67, 4 «= OiftnraJTjs Ps. Call. H 11 cod. A? (Ausfeld, Zur Kritik des griech. Alexanderromans, Karlsruhe 1894, S. 24), Amedincs Curt. 7,5,4. Der zweite Teil ist wohl ap. napä „Enkel, Sprössling" ; v^l. 'Ag-vuitrig Xen. Hell, cc 3, 12 und dazu yAQ-t6%\ir\g Her. rj 73, *AQ-7tccxT\s Plut. Artox. 30, JTapa-jrtTcf Xen. Hell. 4 , 1 , 39. 40. Vgl. auch den Namen der Stadt Mtvaizuc in Baktrien Ptol. 6, 12 p. 421, 4 Wilberg.

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Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 37

Söldnern hatte sich schon nach der Ergreifung des Dareios nach Parthiene gewandt (5, 12, 18). Die ihrer Führer beraubten Barbaren lösten sich planlos auf, nur 500 Reiter hatten sich versammelt, noch unsicher, ob Widerstand oder Flucht vor- zuziehen sei. Sobald Alexander die Demoralisation des Feindes sah, sandte er den Nikanor mit einem Teil der Reiterei aus, um die Flucht zu verhindern, und folgte selbst mit den Übrigen. Ungefähr 3000 , die Widerstand versuchten , wurden getötet , der Rest aber wie eine Viehherde herbeigetrieben, da der König dem Blutvergiessen Einhalt zu thun befahl Dem Alexander selbst hatten kaum 3000 Reiter zu folgen vermocht, die Gesamtmasse des Trosses aber fiel den langsamer Nachrückenden in die Hände. Die Pferde, die den Wagen des Dareios zogen, waren jedoch von der Heerstrasse abgewichen und nach vier Stadien in einem Thale vor Erschöpfung stehen geblieben, wo der Wagen von einem Makedonen aufgefunden wurde.

Unter den Gefangenen befanden sich gegen 1000 adlige Perser, worunter des Dareios Bruder Oxathres1). Alexander ernannte hier den Perser Oxydates, der von Dareios zum Tode verurteilt worden war und noch in Fesseln lag, zum Satrapen von Medien und marschierte dann nach Parthiene.

Von jetzt ab stehen uns ausser dem Bericht des Curtius auch ausführlichere Erzählungen des Trogus-Justin und Diodor zur Verfügung. Da letzterer, wie wir sehen werden, die ur- sprüngliche Reihenfolge der gemeinsamen Quelle am treuesten bewahrt hat, so werden wir ihm fortab folgen.

Auf der Verfolgung des Dareios waren Alexander grosse Schätze in die Hände gefallen, vor allem der Königsschatz von Ekbatana im Betrage von 8000 Talenten2). Nach dem Tode des Dareios entlässt Alexander nun die Thessaler und übrigen hellenischen Bundesgenossen8), indem er ihnen den vollen Sold bis zu ihrer Rückkehr in die Heimat auszahlen Hess, ausserdem aber jedem Reiter ein Talent, jedem Fussgänger 10 Minen schenkte4). Von

«) Vgl. Plut. Alex. 43. Diod. 77, 4.

*) Diod. 74, 5; ebenso Strab. t* 8, 9 p. 731. Dagegen 7000 Talente nach Aman y 19, 5.

*) Plut. Alex. 42 folgt einer ältern Gestalt der romantischen Version : die Thessaler werden entlassen, nachdem Alexander die Kunde von der Ergreifung des Dareios durch Bessos erhalten hat. Darauf haben aber Alexanders Truppen erst noch die Strapazen einer 1 1 tägigen Ver- folgung durchzumachen, auf welchersie 3300 Stadien zu Pferde zurücklegen, bis sie die Leiche des Dareios erreichen. Nach Arrian aber wurden die hellenischen Bundesgenossen bereits in Ekbatana entlassen. Die 11 Tagesritte des Plutarch gehen offenbar auf die 11 Tagemärsche Alexanders von Ekbatana bis Ragai (Arr. y 20, 2) zurück.

*) Nach Arrian y 19, 5 und Plut. Alex. 42 gab er ihnen ausser dem Sold noch 2000 Talente.

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38 J. Marqüart,

denen aber die weiter dienen wollten , gab" er jedem 3 Talente. Im ganzen wurden so, mit Einrechnung der Schmucksachen und Trinkgefasse, 13 000 Talente an die Soldaten verteilt, noch mehr aber war, wie man vermutete, unterschlagen und geraubt worden

Nach dem Tode des Dareios ergriff die Makedonen eine ganz ähnliche Stimmung wie die Deutschen nach der Gefangen- nahme Napoleons bei Sedan; sie glaubten den Feldzug beendet und die Rückkehr in die Heimat nahe, zumal sie Alexander bei der Nachricht, dass Dareios selbst in Gefahr schwebe, zur äussersten Anstrengung angefeuert hatte durch die Aussicht: Maximum opus , sed labor brevissimus superest. Darens haud procul, destitutus a suis aut oppressus: in illo corpore posita est nostra victoria et tanta res celeritatis est praemium (Curt. 5,13,4). In dieser Hoffnung wurden sie noch bestärkt durch die Kunde, dass die hellenischen Bundesgenossen in die Heimat entlassen würden. Der hinreissenden Beredsamkeit Alexanders gelang es indessen, seine Makedonen von der Not- wendigkeit der Fortsetzung des Kampfes und der Vernichtung der Mörder des Dareios zu tiberzeugen und so brach er mit seinem Heere gegen Hyrkanien auf. Am dritten Tage lagerte er in der Nähe der Stadt Hekatompylos *) , und gönnte seinen Truppen mehrere Tage Rast, da diese Stadt mit allen Lebens- bedürfnissen reichlich versehen war.

Es ist ohne weiteres klar, wie dramatisch hier alle effekt- vollen Motive zusammengedrängt sind. Schon in Ekbatana fassen Bessos und Genossen den Plan, den Dareios zu beseitigen, und bereits in der ersten Nacht nach dem Aufbruch von der niedischen Hauptstadt wird er von ihnen festgenommen und fortgeschleppt. Nachdem Alexander erfahren hat, dass Dareios in Gefahr schwebt, erreicht er in einem Tage den 500 Stadien entfernten Ort, wo Dareios gefesselt worden war, und in einem weiteren Marsche von 500 Stadien gelangt er zur Leiche des Dareios. Diese Ereignisse, die bei Arrian 4 Tagemärsche ausfüllen, sind also hier auf zwei Tage zusammengedrängt Da Alexander nach dem Tode des Dareios einen Satrapen von Medien ernennt, so wird wohl vorausgesetzt, dass er sich noch auf medischem Boden befand. Nach Arrian y 20, 3 erfolgt die Ernennung des Oxydates aller- dings in Ragai. Auch der dreitägige Marsch bis nach Hekatompylos, das nach Diodors Darstellung offenbar in Parthien und in der Nähe der Grenze Hyrkaniens gedacht ist, sowie der Ausdruck des Curtius 6, 2, 12 hinc in Parthienen perventum est weisen darauf hin, dass nach der Vorstellung der Quelle Alexander

l) Vgl. Justin 12, 1, 1. Curt. 6, 2, 10 schätzt die Beute auf 26000 Talente, wovon 12000 (r. 13000) unter die Soldaten verteilt wurden, par huic pecuniae summa custodum fraude eubtracta est.

*) Über Hekatompylos s. S. 39 ff. 44.

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Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 39

sich bei der Auffindung der Leiche des Dareios noch nicht auf parthischem Boden befand. Dabei ist aber merkwürdig, dass die Anzahl der Märsche Alexanders von Gabai, wo er zuerst die Flucht des Dareios erfahrt, bis nach Hekatompylos wahrscheinlich mit den 6 Gewaltmärschen von Ragai bis zur Auffindung der Leiche des Dareios nach Arrian übereinstimmt. Die Entlassung der Bundesgenossen, die bereits vor einem Monat in Ekbatana stattgefunden hatte, wird hier zu einem Momente höchster Spannung verwertet, in welchem der siegreiche König nach beispiellosem Glücke fast an der Vollendung seiner Sieges- laufbahn gehindert worden wäre.

Curtius lässt den Alexander nach der Auffindung der Leiche des Dareios nach Hekatompylos in Parthiene gelangen und verlegt hieher die Entlassung der hellenischen Söldner und die Hoffnung der Makedonen auf sofortige Heimkehr. Von da gelangt er am dritten Tage durch Parthiene an die Grenzen von Hyrkanien. Allein dass jene Szene ihre richtige Stelle im Sinne der Urquelle nur unmittelbar nach dem Tode des Dareios haben kann, wo sie bei Diodor richtig steht , folgt aus ihrer Begründung. Curtius oder sein Gewährsmann hat also die Urquelle eigenmächtig ver- schlimmbessert. Dass natürlich letztere auch nicht den Beisatz zu Hekatompylos enthalten konnte : condita a Graecis, ist selbstverständlich. Dadurch wäre ja bereits die ganze Erzählung jedem denkenden Leser als widersinnig hingestellt worden. Diese Notiz ist wohl einer Chorographie entnommen. Die Bemerkung über den skythischen Ursprung der Parther (vgl. 4, 12, 11), näherhin ihre Abkunft von den europäischen Skythen stammt aus Agatharchides *).

Die Vorlage des Trogus 11, 15, 1 lässt den Dareios bereits auf parthischem Gebiet gefangen genommen werden und verlegt folgerichtig auch jene Erregung unter den Makedonen infolge ihrer Erwartung der Beendigung des Krieges nach Parthien (12, 3, 1), nennt aber den Namen der Stadt Hekatompylos nicht Sie hat also die Hauptquelle Agatharchides wie so häufig aus einer Nebenquelle verbessert.

Da es den Romantikern darauf ankam, die Ereignisse nach rhetorischen Gesichtspunkten zu gruppieren, wobei sachliche und geographische Bücksichten, wie wir bereits gesehen, völlig in den Hintergrund traten, so können wir von der Behauptung, dass Alexander von der Auffindung der Leiche des Dareios noch 3 Tage bis Hekatompylos gebraucht habe, völlig absehen. Soviel ist klar, dass die Urquelle dieser Darstellungen von der Geographie von Parthien eine ebenso mangelhafte Vorstellung hatte wie von der von Paraitakene. Denn Hekatompylos lag ja im Herzen von

») Vgl. meine Untersuchungen zur Gesch. von Eran I 35.

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40

J. Marquart,

Parthien (iv fiiay ty IlaQ&vriVTj Polyb. * 28, 7 a. 209), und war die Hauptstadt der Landschaft KömiS, arab. ^ytj^i^ gr. ÄwjMtfijvij,

welche den Mittelpunkt der alten Provinz Parthien und in der seleu- kidischen Satrapieneinteilung eine der sechs Provinzen bildete, in welche das alte Parthien zerlegt worden war. Die Landschaft KömiS gilt noch bei dem Armenier Sebeös (7. Jh.) als Stammsitz der Parther oder Palhav1). Medien aber reichte vom Passe von IJolwän bis zu den Kaspischen Thoren2).

*) Seb. 57. 58/59. Vgl. mein Eränsahr nach der Geographie des Ps. Moses Chorenac'i 8. 71.

*) Strab. ta 3, 8 p. 525. Aman, Ta pexa 'AXifavdgov § 35 in C. Müller's Arrian p. 245.

Ein Muster von Unklarheit und Unkritik ist SpiegePs Exkurs „Parthien" (Eranische Altertumskunde II 630—632). Er hat nicht einmal gesehen, dass des Ptol. TlaQxavxixriv^ und Xogoav^ einfach VerbaDhornungen von Isidoros' yAnavaqxxixy\vx\ und Xoa%r\vr\ sind. Die Stelle des Strab. ut 9 , 1 p. 514 beruht ja allerdings z. T. auf Irrtum und lässt an Klarheit des Ausdruckes zu wünschen übrig. Es ist deshalb sehr zu bedauern, dass sich durch Spiegel's Bemerkung: „auch sagt er (Strabon), dass Choarene und Komisene erst später zu Parthien hinzugefügt worden sei" auch Gutschmid, Gesch. Irans S. 43 f. zu der Annahme verleiten liesB, Komisene und Choarene hätten früher zu Medien gehört. Sie gl in in der neuen Ausgabe von Spruner - Menke's historischem Atlas ist ihm darin Hindlings gefolgt. Strabon behauptet zunächst: *H dh IlaQfrvaia vcoXXr^ uir oirx toxi- ovvsxilei yovv ftfra x&v 'Tqxccv&v [xara] Tltgaixa xal luxct xavxa x&v Maxsd6v(ov xqaxovvxmv inl %q6vov itoXvv. iCQÖg dk t# a(uxQ6xr]xi daesta xal 6quv^ toxi xal änoQog, maxk $Ut xovxo dpou«» dit^t&ct xbv iavx&v oi ßctatXeig 6%%0Vy oii dvvafiivrig X(>£q>Eiv xfig %caqag oitf iitl hixq6v älXä vvv xfi^rixai. Allein die Meinung, dass Parthien in persischer Zeit kleiner gewesen sei als später, ist falsch. Die An- fänge des parthischen Reiches der dänischen Parner waren allerdings klein, und dieses beschränkte sich ursprünglich auf die Landschaft TlttQ&vri'irii mit der Stadt Niactx, wo die Gräber der parthischen Könige lagen (Isidor von Charax, Iha&nol U<xp<fhxol § 12. Vgl. Tomaschek, Zur histor. Topographie von Persien I 74). Strabon fährt dann fort: fi^orf <P ioxl xfjg ilaQ&vr\vfig rj xs Ka>iiißr\pr) xal i} A'wp^yrj, övtdbv <f£ xi xal xa itvX&v Kaöituov xal 'Pay&v xal

Taitvgtov ovxa xf]g Mr\diag tcqoxsqov, toxi d* 'Ana^tia xal 'HpaxlfMK, it6Xeig izsqI xag 'Pdyag. Zunächst sind die Worte a%edbv ii xi xal xa \ii%QL Ttvläv Kaaiciav neben ij Xchq^vti sachlich eine Tautologie, da ja die Landschaft Xwptjvtj (Chwär) westlich bis zu den Kaspischen Thoren reichte. Wenn also Strabon gut berichtet war, so muss der Text, wie er vorliegt, notwendig verdorben sein. Es wird zu lesen sein xal 17 Xa>QT}vii pi%Qi iivXmv Kaonlcov , 6%tdbv dl xi xal <C\i>i%Qi> 'Payav xal TaitvQav 6vxa xqg Mr\diag itodttQOV, ixt, d' 'Aitdptuc xal 'JfyaxJUta xxX. Die Worte Bvxa xf^g Mr\diag ic^xsqov würde vom rein grammatischen Standpunkte aus gewiss niemand auf ij Kaiuaqvi] xal 1] Xaaorivj, sondern nur auf das letzte Glied 6x*dbv di xi xal o. P. xal T. beziehen, und von den Gebieten westlich von den Kaspischen Thoren bis Raj und nördlich bis zu den Tapuren ist die ehemalige Zugehörigkeit zu Medien auch sachlich korrekt. Denn die Tapuren wohnten im 2. Jh. v. Chr. nicht mehr in den Bergen nördlich von Semnän, sondern hatten seit der Verpflanzung der Marder nach

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Untersuchungen zur Geschichte von Eran.

41

Für uns handelt es sich nur um die Frage, ob Alexander in der That in der Nähe von Hekatompylos die Leiche des Dareios aufgefunden und darauf mehrere Tage daselbst gerastet hat. Aman berichtet allerdings nichts von einer mehrtägigen Bast nach dem Tode des Dareios. Allein da Alexander vor dem Weitermarsch die Ankunft der bei der Verfolgung zurückgelassenen Truppen abwartete, so musste er notwendig mehrere Tage Halt machen, da Erateros mit dem Fussvolk schon am zweiten Tage nach dem Aufbruch aus Ragai mit dem Befehle, in massigen Marschen zu folgen , zurückgelassen worden war (Arr. y 21,4). Der Auszug des Arrian ist also hier sehr unvollständig. Die Hauptfrage ist demnach die: wie weit ist Alexander auf seinen 6 Marschen von Ragai bis zur Auffindung des toten Königs gekommen ?

Mordtmann hat nun von numismatischen Erwägungen aus, die aber in keiner Weise überzeugend sind, Hekatompylos beim heutigen Sährüd, 1 Fars. sw. von Bistäm, gesucht1), und lässt den Dareios in der Nähe dieser Stadt ermordet werden. In letzterer Annahme folgt ihm auch Tomaschek, obwohl dieser an der Lage von Hekatompylos bei Dämayän festhält. Seine Berechnungen sind indessen verfehlt. Als die grösste Leistung auf der ganzen Verfolgung galt offenbar der letzte Ritt von 400 Stadien (Arrian 3, 21, 9), wobei aber nicht, wie Tomaschek will, Normalstadien (er rechnet 33 Stadien auf den Parasang), sondern Itinerarstadien zu Grunde zu legen sind, von denen 40, 435 auf den Farsang gehen (s. o. S. 23). Derselbe betrug also rund 10 Fars. Der Weg von den Kaspischen Thoren (d. h. von deren Beginn) bis nach Hekatompylos betrug nun nach den Bematisten 1860 Stadien = 46 Farsangen. Über diese Route sind wir, abgesehen von modernen Reisenden, durch Ibn Rusta gut unterrichtet Derselbe gibt von der Strecke von Chwär am

Charax in der Nähe der Kaspischen Thore durch den Arsakiden Phradates I. deren Sitze um Ämul eingenommen. Der Elburz (Oq- &oxoQvßctmoi) aber gehörte nach Her. 3 , 92 zur medischen Satrapie.

Spätestens unter Konig Phradates I. gehörten aber jene beiden Gebiete zu Parthien, also lange vor der Eroberung des Übrigen Mediens durch Mithridates I. (um 145 v. Chr.), wie eben aus der Nachricht über jene Verpflanzung der Marder hervorgeht. Ja die Städte KaXXi6itr] und Issatis (Jezd), citra deserta ab occasu (Plin. h. n. 6, 113), oppositae quondam Medis (Plin. h. n. 6,44) gehörten schon im Jahre 209 den Parthern (Polyb. 10, 31, 15 aus Steph. Byz. s. v. Kalli6nr\).

Im einzelnen können wir die successive Eroberung der einzelnen Provinzen des alten Parthien durch die Parner nicht verfolgen. Doch spricht nichts gegen die Annahme, dass die Arsakiden nach der Be- wältigung der Könige Andragoras von Parthien (Justin 41,4,7) und W axfiu war ja von Hyrkanien (Justin 41, 4, 8j vgl. oben S. 26 Anm. 2) ihre Residenz in Hekatompylos aufschlugen.

') Hekatompylos. Sitzungsber. d. bair. Akad. 1869, 1,511 ff.

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42

J. Marquart,

Ausgange der Kaspischen Pforten bis zur Ostgrenze von KomiS folgende Beschreibung (p. m , 12flf.):

„Von Chwär nach Qacr al milb {Diz-i namah) sind 7 Fars. Der Weg fuhrt durch Kulturland, bis man zu einer Brücke über ein trockenes Flussbett kommt und sie überschreitet, dann von da nach Qacr al m\\\. Von Qacr al müh nach Ra's as kalb (Hundskopf) 7 Fars. Der Weg führt durch Salzboden , welchen eine Heerstrasse durchzieht, bis man zu einer Brücke kommt, welche man überschreitet und weiterzieht, bis man zu einem Dorfe kommt namens Mardkustän. Dort ist ein Schloss gleich einem Leuchtturme, auf welchem ein Wächter ist, der diesen Weg bewacht. Dann steigt man bald auf- bald abwärts, wobei man rechts und links Berge hat, bis man zu einem Dorfe kommt namens Ra's al kalb. Und von Ra's al kalb bis Simnän sind 8 Fars. durch ebenes Land, wobei man rechts Wüste und Berge und links Wüste hat, bis man nach Suhr darra1) kommt, und von da dann nach der Stadt Semnän. Von Semnän nach Ächurin sind 9 Fars. Der Weg fuhrt durch eine gleichmässige Ebene , dann kommt man zu einem Defile , das man betritt und 4 Fars. weit passiert, wobei man zu einem Ribät kommt namens Äbi-Ähuwän, dann zieht man vorbei zu einem Dorfe namens AchurTn. Von Ächurin zum Dorfe Doja 5 Fars. Der Weg fuhrt durch ebenes Land bis Dih-i däja, wo die Station ist. Von Dih-i däja nach Dämayän, der Hauptstadt von Qümis, 4 Fars. Der Weg führt durch ebenes Land, bis man nach Qümis kommt. Das meiste was (hier) verkauft wird, sind die weissen Stoffe zum Kopfbund. Von Qümis nach al Haddäda 7 Fars. Der Weg führt durch dessen Kulturland, bis man zu einem Ribät- und Ruinen kommt. Man sagt, dass es Häuser seien, die durch ein Erdbeben verschüttet worden seien. Dann zieht man rechts und links zwischen Dörfern hin, bis man nach al Haddäda kommt. Von

al Haddäda nach Ba<?a§ (Bioas J*\j) 7 Fars. Der Weg führt

durch ebenes Land rechts und links und zusammenhängende Dörfer, bis man nach BadaS kommt, um welches rings Saatfelder und Gärten sind."

Bioa§ lag 2 Fars. östlich von Bistäm 2). Es ist dem Namen, vielleicht auch der Sache nach identisch mit Bixd^u in Areia, das Ptol. 6, 17 p. 433, 12 unter 103° 40' L. und 88° Br. setzt3).

Ibn Rusta's Beschreibung verhält sich zu den übrigen

x) cod. sy lies ^ , Qod. P.l, 3 heute Surchalr.

*) Tomaschek, Zur histor. Topographie von Pereien II 77.

3) Ptol. rechnet auch die Nioatot und 'AaraBjivol, die Bewohner der parteiischen Provinzen Nr\auiu und 'A&tavrivtf (6,9 zu Hyrkauien gerechnet, 6, 5 p. 400, 2 in Taßi.Tivrj verstümmelt) zu Areia.

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Untersuchungen zur Geschichte von Eran.

43

arabischen Itineraren (Ibn Chord. PP? 14 ff. Qod. P.|? 1 Moq. Tvl, 13 ff.) folgendermassen :

Ibn Chord. und Qodäma:

Chwär

Istach ri : Chwär

Ibn Kusta:

Chwär Brücke

Qacralmilh7Fare. Qacralmilh7Fars. Qarjat aJ milh 1 T. Brücke

Diz-i Mardkustän Ra's al kalb 7Fars. Ra's al kalb 7 Fars. Ra's al kalb 1 Tag

(Surch 4 F.) Simnan 8 Fars. (4) Simnan 1 Tag

Suhx darra Simnän 8 Fars.

En^pass 4 Fars. _ Äbi-Ähuwän Ächurfn 9 Fars. Dih-i däja 5 Fars

'Ali äbäd 1 Tag Ächurin 9 Fars. Garmgüi 1 Tag (Qarjat däja 4 F.) Damayän 4 Fars. Qümis 8 Fars. (4) Dämayän 1 Th# Ribät u. Ruinen

al Haddäda 7 Fars. al Haddäda 1 Tag

(^U^y Gözi-

stän 4 Fars.) Bitfaä (Gutfaä Bitfas 1 Tag

al Haddäda7Fars.

ff. Ist. Po», 4 ff.

Moqaddasl: Chwär

Qarjat al milh IT.

Ra's al kalb 1 Tag

Simnän 1 Tag

Ribät 1 Tag Garmgüi 1 Tag

Dämayän 1 Tag

al Haddäda 1 Tag

Bifei 7 Farsang

1 Tag1)

L^)Ä)7(3)F.

Aus diesen Itineraren ersieht man, dass in arabischer Zeit der Weg vom Ausgang der Kaspischen Thore bis nach Dämayän, der Hauptstadt von Qümis auf 39 bezw. 40 Fars. oder 6 Tage- reisen ä 6*/2 Fars. geschätzt wurde. Dazu kommt die 6 Fars. oder 1 Tagereise betragende Strecke vom Eingang der Kaspischen Thore bis nach Chwär, woraus sich für die ganze Strecke vom Beginn der Kaspischen Thore bis nach Dämayän 39 (40) -f- 6 = 45 (46) Fars. oder 7 Tagereisen ergeben, welche den 1860 Stadien der Bematisten von den Kaspischen Thoren bis Hekatompylos genau entsprechen und welche Alexander, wenn er die Leiche des Dareios bei Hekatompylos fand, in 5 Tagemärschen durch- messen hätte. Daraus ergäbe sich eine durchschnittliche Marsch- leistung von 372 Stadien oder 71/, Fars. pro Tag, also immerhin betrachtlich mehr als für die Strecke von Ekbatana nach Ragai, für welche durchschnittliche Märsche von 300 Stadien voraus- gesetzt werden. Auch Arr. y 25, 6 wird ein Marsch von 300 Stadien schon als eine grosse Leistung betrachtet. Jenen 7 Tagereisen sind aber noch die 2 Tagereisen oder 18 (19) Fars. von Raj nach Käsp zuzurechnen, welche Alexander angeblich an einem Tage,

*) Ebensoviel betrug die Entfernung von al Haddäda nach Bistum, p. l"vP, 3.

«) So ist zu lesen für bezw. der Hs.

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44

J. Marquart,

nach unserer Meinung dagegen in zwei Tagen zurückgelegt hat. Nach Mordtraann's und Tomaschek's Ansicht dagegen soll Alexander die ganze 77 (Ibn Chord.) bezw. 79 (Ibn Rusta) Fars. oder 11 Tagereisen betragende Strecke von Raj bis BidaS in der Nähe von Sährud in 6 Tagen durchmessen haben1)!

Soviel ich sehe, spricht also nichts dagegen, dass Alexander in der That in der Gegend von Hekatompylos den toten König der Könige einholte. Seine beiden letzten Märsche führten ihn von Semnän rechts durch Sandsteppe über das Dorf rAlah und die Quelle Garmäb, weiter über Doseir und Frät nach Dämayän. Wahrscheinlich war das in der Nähe gelegene Hekatompylos schon in achaiinenidischer Zeit die Residenz des Satrapen von Parthien gewesen, und es ist daher ganz natürlich, dass Alexander den Aufenthalt, den er machen musste, dazu benützte, um den neuen Satrapen gleich in seine Hauptstadt einzuführen und ihm Achtung zu verschaffen. Man darf hiergegen nicht einwenden, dass Hekatompylos nach Appian Syr. 51 eine Gründung des Seleukos Nikator sei, womit Curtius* Bezeichnung condita a Graecis übereintrifft Denn dass die Stadt schon zu Alexanders Zeit bestanden haben und von ihm berührt worden sein muss, ergibt sich daraus , dass sie von Baiton und Diognetos , den Bematisten Alexanders in ihren Berechnungen der Märsche des- selben genannt war (Plin. n. h. 6, 61. 44). Es kann sich demnach unter Seleukos nur um eine Neugründung gehandelt haben, wie bei Ragai - EvQcmog , Merw - *Avxt6%tut , etc. Freilich haben die Romantiker augenscheinlich den Aufenthalt Alexanders in dieser Stadt nach dem spätem Besuche Antiochos* d. Gr. (Polyb. t 28, 7. 29, 1) und unter dem Gesichtspunkt der nachmaligen Hauptstadt des Partherreiches, das bestimmt war, die Herrlichkeit des iranischen Reiches wieder aufzurichten und der Monarchie der Nachfolger Alexanders in Syrien den ersten Stoss zu versetzen, weiter aus- geschmückt (Curt. 6, 2, 12 ff. , vgl. Justin. 11, 15, 1). Für die Bedeutung der Stadt in seleukidischer und der altern parthischen Zeit spricht die Thatsache, dass dort von allen Seiten die Wege zusammenliefen, wovon die Stadt ihren Namen hatte (x&v de diodav <töv> tptqovömv inl ndvtag xovg tÜqi% xonovg ivxaxföu av^nntxovaS)v caib xoü av(ißalvovxog 8 xonog eüt]<pe x^v ngoaij- yoQlav Polyb. t 28, 7). Später, offenbar zur Zeit der über Hyrkanien und Karmanien gebietenden Dynastie des Gotarzes, die sich unter Volagases I. unabhängig machte, bildete die 140 Stadien weiter nördlich gelegene hyrkanische Königsburg Tage den Mittelpunkt des Strassennetzes 2). Bei den Persern gilt Dämayän

») Ibn al Faq. 18 gibt fälschlich die Entfernung von Raj

nach Dflmayüu auf 80 Fars. an.

*) Karte des Castorius Segm. XII, 2 ed. Miller (Nagae). Geogr. Rav. p. 47,2 (Age). 48,5 (Thage). Vgl. Tomaschck a.a.O. 79.

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Untereuchungen zur Geschichte von Eran.

45

stets als die Hauptstadt von KömiS, also als Nachfolgerin von Hekatompylos. Die Städteliste von Iran § 19 spielt auf eine liegende an, nach welcher Az-i dahäk der Usurpator (jkU) die funftürmige Hauptstadt von Kömi§ zu seinem Harem (sapstän) machte. Da Az-i dahäk im iranischen Epos der Vertreter der Seleukidenherrschaft ist, so sieht man, dass der seleukidische Ursprung (richtiger Neugründung) der Stadt nicht völlig vergessen war. Wir verdanken dem arabischen Dichter und Belletristen Abu Dulaf Mis'ar b. al Muhalhil (um 941 n. Chr.) folgende Be- schreibung der Stadt (bei Jäq. H öH): „Dämayän ist eine

obstreiche Stadt, deren Früchte prima sind und deren Wohlgerüche bei Tag und Nacht nicht aufhören. Es gibt daselbst ein von den Kisras herrührendes wundervolles Wasserschloss , dessen Wasser aus einer Höhle im Berge kommt und, sobald es von dort herabgeflossen ist, in 120 Kanäle geteilt wird für 120 Rus- täqe, wobei kein Anteil1) den andern übertrifft, und es ist nicht möglich, es auf etwas anderes als diese Wasserversorgung anzu- passen. Es ist in hohem Grade merkwürdig; ich habe in den übrigen Ländern seinesgleichen nicht gesehen noch ein schöneres in Augenschein genommen. Und es gibt daselbst ein Dorf, das Dorf der Kameltreiber genannt, wo sich eine Quelle befindet, aus welcher Blut hervorsprudelt. Hieran ist nicht zu zweifeln, weil es alle Eigen- schaften des Blutes vereinigt. Wenn Quecksilber darein geworfen wird, so wird es sofort zu trockenem hartem mannigfach ver- wertbarem Stein. Dieses Dorf ist auch unter dem Namen rangän bekannt. In Dämayan gibt es eine vorzügliche Apfelsorte, die von KömiS (al qwrnisi) genannt, schön rot, die nach dem fIräq exportiert wird; und es gibt dort Alaun- und Salzbergwerke, aber keinen Schwefel, dagegen Gruben von reinem Gold".

Für den nun folgenden Marsch über das Gebirge nach der Ebene von Hyrkanien sind unsere Berichte so summarisch, dass es fast unmöglich scheint, von dem Verlauf desselben eine Vor- stellung zu gewinnen. Ich stelle zur rascheren Übersicht die beiden Berichte Arrians und der Romantiker einander gegenüber.

Aman y 23—24. Curt. 6, 4-5, 23. Diod. 17, 75. 76.

Nachdem die auf der Ver- folgung zurückgelassenen Truppen sich eingefunden hatten, verliess Alexander die Strasse nach Cho- räsän und rückte gegen Hyrkanien,

Es scheint, dass dabei Hekatompylos gar nicht mehr berührt wurde. Nur so erklärt sich die auffällige Thatsache, dass Isidor von Charax, «Tufriiol Tlap&ixoi § 9 in Komisone keine einzige Stadt kennt, o

») L. (HHÄ .

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46

J. Marquart,

Aman y 23—24.

da er erfahren hatte , dass die hellenischen Söldner des Dareios sich in die Berge der Tapuren geflüchtet hatten, und er diese sowie die Tapuren erst nieder- werfen wollte. Er teilte jetzt sein Heer in drei Corps : er selbst wählte mit dem leichtesten und zahlreichsten Teil den kürzesten, aber auch beschwerlichsten Weg, den Krateros sandte er mit seiner und des Amyntas Phalanx und einer Anzahl von Bogenschützen und wenigen Reitern gegen die Tapuren , Erigyios aber sollte mit den Söldnern und der übrigen Reiterei auf der längeren Heer- strasse den Tross und die Bagage hinüberführen. Nachdem man die ersten Berge passiert hatte, wurde gerastet.

Darauf zog der König mit den Hypaspisten und den leich- testen der makedonischen Phalanx sowie einigen Bogenschützen auf schwierigem und gefährlichem Pfade voraus, <pvkaxag xwv S6a>v KUTakiTicov Tva öcpa- ktgov xi avT<o iyalvero , a>£ n^i xolg in o n iv o i g xct'

ix i IVO Itti&OlVTO Ol XCC OQTI

i%ovxzg röv ßccQßdgav . Als er mit den Bogenschützen die Engpässe überwunden hatte, la- gerte er in der Ebene an einem nicht bedeutenden Flusse. Hier erschien vor ihm Nabarzanes, der Hazarapet des Dareios, sowie Phrataphernes, der Satrap von Hyrkanien und Parthien mit andern vornehmen Persern, um sich zu ergeben. Wie die spatem Verhältnisse lehren, wurde Phrataphernes, viel- leicht während der 15 tagigen

Curt. 6, 4—5, 23. Diod. 17, 75. 76.

Nach der Rast in Hekatom- pylos Hess Alexander den Krateros mit seinen eigenen und des Amyn- tas Truppen, 600 Reitern und 600 Bogenschützen zum Schutze der Provinz Parthien gegen einen Einfall der Barbaren [d. h. wohl der Tapuren] zurück und befahl dem Erigyios, das Gepäck auf ebenem Wege hinüberzufuhren. Er selbst rückte mit der Phalanx und der Reiterei 150 Stadien vor und lagerte alsdann in vatte, qua Eyrcaniam adeunl, in der Nähe eines grossen Felsens, an dessen Fuss ein beträchtlicher Fluss namens HxißoCxrjg aus einer Höhle hervorbrach. Wir werden die Beschreibung desselben unten näher mitteilen.

Am vierten Rasttage traf ein Brief des Nabar- zanes ein, worin dieser sich wegen seiner Teilnahme an der Ermordung des Dareios ent- schuldigte und im Falle der Amnestie die Sache des Bessos zu verlassen versprach. Hierauf brach man auf und quadrato tum agmine ibat, specula- tores subinde praemittens, qui explorarent loca. So

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UnterBuchungen zur Geschichte von Eran.

47

Arrian y 23—24.

Curt. 6, 4—5, 23. Diod. 17, 75. 76.

Rast in Zadrakarta (vgl. Justin zog man auf fast unwegsamem

12, 4, 12), in seiner Satrapie Pfade, auf dem die Urwalder

bestätigt und die Ernennung des von Mäzandarän und Sturzbäche

Amminapes wieder rückgängig und tiefe Schluchten den Marsch

gemacht. Alexander hielt hier vielfach hemmten, 20 Stadien

4 Tage Hast und erwartete weit, bis man, ohne einem Feinde

die auf dem Marsche Zurück* zu begegnen , endlich in eine

gebliebenen. kultiviertere Gegend gelangte.

Von da rückte er auf Zadra- Darauf kam man zur Stadt

karta, die Hauptstadt Hyrkaniens Arvae, wo Krateros und Erigyios

zu, und auf dem Marsche dahin -) eintrafen, die Phradates, den

vereinigte sich das Korps des Satrapen der Tapuren, mit-

Krateros wieder mit ihm, das brachten. Derselbe wurde zu

zwar die hellenischen Söldner Gnaden aufgenommen und erhielt

des Dareios nicht getroffen, aber die Statthalterschaft über die

die ganze Gegend, soweit es Tapuren zurück, wahrend über

dieselbe durchzogen hatte, teils Hyrkanicn Minapis, der unter

mit Gewalt, teils durch freiwillige Ochos als Verbannter an den

Ergebung der Bewohner unter- Hof Philipps gekommen war,

worfen hatte. Dann traf auch gesetzt wurde.

Erigyios mit dem Tross und der Alexander unterwarf non Hyr-

a#a£c em" kanien und die umwohnenden

Wenig später erschien aber Ar- Völkerschaften , und schon hatte

tabazos nebst dreien seiner Söhne, man das äusserstc Ende Hyrkaniens

sowie eine Abordnung der hei- betreten, als Artabazos mit

seinen 9 Söhnen und den Ver-

') So richtig B. Niese, Gesch. wandten des Dareios, sowie einer

Alexander unterwarf nun sämt- liche Städte Hyrkaniens bis zum Kaspischen Meere und durchzog das Land bis zu den sog. glück- lichen Dörfern" (Diod. 17, 75, 4), die an Lebensmitteln ÜberÜuss hatten und sich besonders durch die Menge an Obstbäumen und köstlichen Trauben auszeichneten. 30 Stadien weiter kam Phrata- phernes zum Heere und ergab sich und die, welche nach dem Tode des Dareios geflohen waren, dem Sieger.

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J. Marquart,

Aman y 23—24.

lenischen Söldner und W ä t a - f r a 6 ä t a (AvxoyQadavrig) , der Satrap der Tapuren. Letzterer erhielt seine Satrapie zurück, Artabazos und seine Söhne wurden ehrenvoll aufgenommen, den Ge- sandten der hellenischen Städte aber wurde bedeutet, mit ihnen sei keine Kapitulation möglich, sondern sie müssten sich auf Gnade und Ungnade ergeben, was sie dann zusagten.

Alexander errichtete hier ein Stand lager1) und zog an der Spitze der Hypaspisten, der Bogen- schützen und Agrianer, der Pha- langen des Koinos und Amyntas, der Hälfte der Hetairen und der neuformierten Akontisten zu Pferd gegen die Marder. Er durchzog den errössern Teil ihres Gebietes und tötete viele auf der Flucht, manche auch die Widerstand versuchten, und nahm viele gefangen. Seit Menschen- gedenken war kein Feind in ihr Land eingedrungen wegen der Un- wegsamkeit desselben und wegen der Armut und Wehrhaftigkeit der Marder, und deshalb hatten sie sich auch keines Einfalles Alexanders versehen, zumal er ja schon weiter vorgerückt war. So wurden sie denn gewisser-

') Dies ergibt sich aus c. 24, 4.

Curt. 6, 4—5, 23. Diod. 17, 75. 76.

men. Als man darauf lagerte, wurden die mit Artabazos ge- kommenen Griechen vorgelassen. Sie erklarten, sich nur ergeben zu wollen, wenn auch den Ge- sandten der Lakedaimonier und Sinopeer, die an Dareios geschickt worden waren, Sicherheit gewährt würde. Allein es wurde ihnen bedeutet, sich auf Gnade und Ungnade zu ergeben, was sie nach langem Zaudern endlich annahmen. So erschienen denn die 1500 Söldner, wozu noch 90 früher an Dareios geschickte Gesandte kamen, im Lager. Sie wurden begnadigt und mussten unter Alexander weiterdienen, die übrigen wurden entlassen mit Ausnahme der Lakedaimonier, welche in Gewahrsam gehalten wurden.

Hierauf durchzog Alexander die Küste Hyrkaniens und fiel ins Land der Marder ein, die allein keine Gesandten geschickt hatten. Der König Hess den Tross mit einer Bedeckung zurück und marschierte die Nacht hin- durch, bis man bei Tagesanbruch den Feind in Sicht bekam. Dieser hatte die Zugänge des Landes mit 8000 Mann besetzt, allein der König griff sie an und hieb die meisten nieder, die übrigen aber verliessen die besetzten Hügel und flohen. Alexander verheerte nun ihr Gebiet, allein das Innere des Landes bot dem Marsche eines Heeres die grössten Schwie- rigkeiten. Hohe Gebirge und unwegsame Wälder und Felsen umsäumten es, in der Ebene aber hatten die Einwohner die dicht verwachsenen Wälder künstlich noch unzugänglicher gemacht. Es

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Untersuchungen zar Geschichte von Eran. 49

Arrian y 23—24. Curt 6, 4—5, 23. Diod. 17, 75. 76

massen unversehens überfallen gab nur ein Mittel, sich mit und gefangen. Viele von ihnen dem Schwert einen Weg durch aber flohen in die hohen und das Dickicht zu hauen, was frei- steil abfallenden Berge ihres Ge- lieh sehr umständlich war. Dabei bietes, in der Annahme, dass lauerten ihnen die Eingebornen Alexander hieher nicht vordringen wie richtige Jäger Völker überall werde. Als er aber auch dahin im Dickicht auf und belästigten

von da aus, einer regulären Truppe unerreichbar, durch ihre Geschosse die Makedonen. Zuletzt Hess Alexander den Wald von seinen Soldaten umzingeln, um, wo es möglich wäre, einzudringen. Al- lein sehr viele verirrten sich und einige, darunter auch das Leibross des Königs, derBukephalas wurden abgeschnitten. Der Verlust seines Streitrosses versetzte den König in die äusserste Wut, und es scheint, dass die Romantiker hierin die ersten Anzeichen seines gleich darauf ausbrechenden Cä- sarenwahnes erblickten. Er drohte dos Land völlig zu Grunde zu richten und den ganzen Stamm der Marder auszurotten, wenn sie das Pferd nicht zurückgäben, und machte sich auch alsbald daran, die Drohungen auszuführen. Er liess die Wälder niederhauen und die durch verschlungenes Geäst unwegsame Ebene mit Erde, die von den Bergen herbeigeschafft wurde, aufschütten. Schon war das Werk bis zu einiger Höhe gediehen , als die Barbaren an der Möglichkeit, ihr Land zu vorrückte, schickten sie Gesandte behaupten, verzweifelnd, das Pferd und übergaben sich und ihr mit kostbaren Geschenken her- Land, worauf sie Alexander Auto- beiführten und sich ergaben, indem phradates, dem Satrapen der sie Geiseln stellten. Der König Tapuren unterstellte. unterstellte sie darauf dem Phra-

Alexander kehrte darauf ins dates und kehrte am 5. Tage Standlager zurück und fand hier ins Standlager zurück. Den Ar- die hellenischen Söldner vor, 1500 tabazos entliess er sodann nach an der Zahl, sowie die Gesandten Hause. Nun kam man zur Haupt-

Marquart, UnteTauchungen. II. 4

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J. Marquart,

Aman y 23—24. Cort. 6, 4—6, 28. Diod. 17, 75. 76.

von Sparta, Athen, Sinope, Kai- stadt von Hyrkanien, wo der chedon, die an Dareios gesandt Palast des Dareios1) gewesen worden waren nnd sich nach war. Hier erschien Nabar- dessen Tode den Griechen an- zanes, nachdem er Verzeihung geschlossen hatten. Die Gesandten erhalten, mit ungeheuren Ge- von Sparta und Athen wurden schenken, worunter der Eunuch festgenommen und in Gewahrsam Bagoas, der Geliebte des Dareios gehalten, die von Sinope und und später des Alexander. Kalchedon entliess er, weil ihre Städte persische Unterthanen ge- wesen waren und nicht zum hellenischen Bunde gehört hatten. Ebenso wurden von den Söldnern die, welche vor dem hellenischen Bündnis in persische Dienste ge- treten waren, freigegeben, die andern nrussten in seine Dienste Übertreten. Hierauf zog er nach

Zadrakarta, der grössten Stadt ~ ') D; L ™hl des Dareios IL . . ' ,P ., , Ochoe, der vor seiner Throubestei- Hyrkaniena, wo die Residenz der gung Satrap von Hyrkanien gewesen Hyrkanier war. war Ktes. Fers. 44.

Von Damayän aus war der natürliche Weg Alexanders nord- wärts über Tak durch das f All- £ä&mä- Thal. Die Streitmacht des Krateros muss wieder eine Strecke westwärts gezogen sein , da die Griechen, welche sie aufsuchen sollte, schon von dem Orte aus, welchen Alexander am vierten Tage nach dem Aufbruch aus Ragai erreichte, d. h. etwa von Semnän (Hjfuva) aus sich nordwärts in die Berge der Tapuren gewandt hatten. Diese sind also nördlich von Semnän im Sawäd-küh und weiter östlich zu suchen. Die längere Heerstrasse, auf welcher Erigyios die Bagage hinüberführt», kann nur über Sährüd geführt haben.

Weit schwieriger ist es aber, den Sammelpunkt der drei Heersäulen auf der Nordseite der Elburzkette zu bestimmen. Für die Charakteristik der Urquelle des Diodor und Curtius ist es von Wichtigkeit, dass sie, wie man sofort sieht, die beiden Rasten Alexanders zu Beginn und nach Beendigung des Gebirgsüberganges zusammengeworfen hat, so dass die Beschreibung des Verlaufs desselben ganz unbrauchbar geworden ist. Die Rehabilitierung des Nabarzanes ist, entsprechend der Schwere seines Verbrechens, sehr psychologisch und ganz in der Weise eines modernen Romans in zwei successive Akte zerlegt. Nach Curtius wäre es dem Krateros und Erigyios auch geglückt, den Satrapen der Tapuren, Phradates in ihre Gewalt zu bekommen. Auch hier sehen wir wieder das Bestreben obwalten, die Ereignisse mehr nach rheto- rischen als nach rein sachlichen Gesichtspunkten zu gruppieren

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Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 51

und zu gestalten. Vor allem ist hier 4er Irrtum jener Quelle zu beseitigen, dass Alexander schon vor dem Zuge gegen die Marder ganz Hyrkanien durchzogen und dessen sämtliche Städte bis zur Küste des Kaspischen Meeres sowie die benachbarten Völkerschaften unterworfen (DiocL 17, 75, 8. 76, 1) und beim Eintreffen des Artabazos unmittelbar vor der Errichtung des Standlagers bereits ultima Hyrcaniae d. i. nach dem Zusammenhange die jenseitige Grenze von Hyrkanien erreicht hatte (Curt. 6, 5, 1). Diese Auffassung beruht lediglich auf einem Miss Verständnis des Ausdrucks ultima Hyrcaniae =■ xa iö'fuxa xfis rTQxavlas, der im Sinne der zeitgenössischen Quellen den Beginn des hyrkanischen Gebietes bezeichnete, wo Alexander nach Überwindung des Gebirges rastete (Arrian y 23 , 4) , nicht aber dessen Ende. Allgemein nimmt man nun an, dass Alexander und vor allem Erigyios direkt nach Zadrakarta, das man ein- stimmig beim heutigen Astaräbäd sucht, gezogen sei. Alexander wäre über T&k, Kalätä und Cär-deh durch den Engpass §am§Ir- bur nach dem Thale Öaman säwar und von da über den Berg

Gihän-Bumä auf steil sich hinabwindendem Pfade nach Astarabäd gelangt5). Den Erigyios lässt man meist den grossen Umweg

über Bistäm, Gägerm und KälpüS im Gebiet der Göklän-Turk- menen (etwa 15 Fars. von Astarabäd) einschlagen*), wo freilich der leichteste Übergang über das Elhurzgebirge ist8). Allein

Gägerm an uer Strasse nach Ohorasan ist von Dämayän aus bereits ein so vorgeschobener Posten, uass es als höchst unwahr- scheinlich erscheinen muss, dass Alexander gerade seinen Tross selbst einem fliehenden Feinde so stark exponiert hätte. Für weit wahrscheinlicher müsste es gelten, dass Erigyios von Sähröd

vielmehr über das Gebirge GalälT nach Kalätä, von da über TäS und den Berg Öalöalijän nach Bälä-Sähküh und weiterhin über den Kamm des Elburz nach Zijärät und Astaräbäd marschiert wäre. Alexander hielt nach Überwindung der Passe an einem nicht bedeutenden Flusse in der Ebene, also nach dieser Auf- fassung in der nächsten Nahe von Astaräbäd 4 Tage Hast. Nach dem Aufbruch aus dem Lager marschiert er auf Zadrakarta, und auf dem Wege dahin vereinigen sich mit ihm zunächst das Korps des Krateros, welches die Berge der Tapuren durchzogen hatte, und bald auch die Abteilung des Erigyios. Nach dieser Annahme müsste also die Division des Krateros, die von Däma^ün wieder 2 Tagemärsche bis Semnän hatte zurückmarschieren müssen und von da über Gör-i särld und Peröz-köh den Weg durch das

') Vgl. G. Melgunoff, Die südlichen Ufer des Kaspischen Meeres 144f. 138.

*) Spiegel, Eran. Altertumskunde II 536 N. 2. Droysen, Geach. des Hellenismus P, 1, 382 N. 2.

») Melgunoff a.a.O. 148.

4*

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J. Marquart,

Thal des Talär nach 'Ali äbäd eingeschlagen und hier die Strasse über Sari und Gäz nach Astaräbäd erreicht1), also den weitesten Weg zurückgelegt hätte, vor der Vereinigung mit Alexander be- reits Zadrakarta passiert haben.

Diese Auffassung ist indessen mit der Darstellung Arrians unvereinbar. Sowohl aus Arrians wie aus Curtius' Bericht geht klar hervor, dass keine der drei Abteilungen Zadrakarta vor dem Zuge gegen die Marder erreicht hatte. Die Vereinigung der drei Heersäulen muss also westlich von Astaräbäd stattgefunden haben, und da die Abteilung des Erigyios zuletzt eintraf, so muss das hernach errichtete Standlager dem Endpunkt ihres Weges am nächsten liegen. Daraus ergibt sich, dass Erigyios nur beim heutigen Gäz die Küste erreicht haben kann, und dass sein Weg von Sährüd über Tä§ (6 Fars.), von da über den Berg Öalcalijän nach Bälä §ähkü, weiterhin über das Thal Öaman säwär nach Rädkän (6 Fars.) und von da über Barkuläh (1 Fars.) nach Gäz (4 Fars.) führte. Von Gäz bis Sahrüd rechnet man heute im ganzen 19 Fars. *). Dazukommt noch die Strecke von &ährGd bis zu den Ruinen von Hekatompylos bei Frät , welche 26 -f 16 + 16 = 58 miles oder 141/, Fars. = 2 Tagereisen beträgt, im ganzen also 5 Tagereisen. Melgunoff brauchte in schlechter Jahreszeit von Gäz bis Sährüd 5 Tage.

Alexander muss demnach noch weiter westlich die Küste erreicht haben , etwa bei Pul-i Nlkäh. Er zog also von Heka- tompylos zunächst nördlich nach Tak, von wo der Weg durch eine Schlucht links von diesem Dorfe und dann durch eine ge- birgige Gegend weiterführt Nach Überschreitung^ der ersten Berge lagerte man, vermutlich beim Engpass Cäsmä-i 'AIl Melgunoff gibt von diesem Wege folgeude Beschreibung (S. 144): «Drei Farsakh von Tok ist ein Schwefelquell mit klarem und frischem Wasser, von wo aus man die damganischen Salzseen sehen kann. Der Weg fuhrt denn immer weiter durch Schluchten, in denen man bei jedem Tritte ein hohles metallenes Dröhnen hört, bald stärker, bald schwächer, welches von früheren unterirdischen Kanälen herrühren soll, durch welche einmal das Kaspische Meer mit dem persischen Meerbusen in Verbindung gestanden haben soll ; andere meinen , es rühre von den in den Bergen lagernden Metallen her. Nachdem man einen Hügel und ein altes Karawanserai am Fusse desselben hinter sich hat, kommt man durch ein Thal nach Tschaarde oder Tschahoideh jO^U^.51),

welches vier Farsakh von dem Schwefelquell entfernt ist. Das

») Vgl. J. G. Droysen, Gesch. des Hellenismus I«, 1 , 382 N. 2.

*) Melgunoff, Die südlichen Ufer des Kaspischen Meeres S. 127 ff.

3) Auf dem vom kriegstopographischen Bureau in Taschkent

bearbeiteten Blatt XVIII der Karte deß asiatisehcu Kussland ÖahacUn - deh ^araiap-jexi.

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Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 53

Dorf Tschahorde liegt in einer von drei Seiten mit hohen Bergen um gebenen Aue, mitten zwischen Gärten, und besteht eigentlich aus vier Dörfern. ... In den nahen Bergen hausen Tiger, Panther und der- gleichen Von Tok bis Tschahorde rechnet man 7 Farsakh" u. s. w.

Diodor und Curtius lassen Alexander allerdings bereits 150 Stadien von Hekatompylos Rast machen, in valle, qua Hyrcaniam adeunt, wie Curtius (6, 4, 3) sagt. „Nemus praealtis densisque arboribus umbrosum est pingue vallis solum rigantibus aquis, quae ex petris imminentibus manant*. In der Nähe war ein grosser Felsen, an dessen Fuss ein beträchtlicher Fluss namens £t o Irr^g (Curtius Ziobetis für Ziboetis, * SdbawaHS) aus einer Höhle hervorbrach. Derselbe floss zuerst 8 Stadien in ungestümem Gefälle dahin, und teilte sich dann bei einem zitzenförmigen Felsen, an dem er sich brach. Unter diesem befand sich ein gewaltiger Schlund , in welchen der Fluss mit mächtigem Getöse hinabstürzte und 300 Stadien weit unterirdisch floss, bis er wieder zu Tage trat und sofort in einem nunmehr 13 Stadien breiten Bette dahinfloss , das aber bald wieder eingeengt wurde. Endlich fiel er in einen andern Fluss namens Ridagnus. Die Eiugebornen behaupteten , dass solche die beim Eingang dieser Höhle hinabgelassen würden, beim Wiederaustritt des Flusses wieder zum Vorschein kämen. Alexander habe dann zwei Leute in den Schlund hinabwerfen und konstatieren lassen, dass sie am bezeichneten Orte wieder herausgeworfen worden seien.

Die angegebene Entfernung führt uns unzweifelhaft nach Tak. Es ist deshalb gewiss nicht zufällig, dass Ibn al Faqlh1)

dasselbe Phänomen von Täq öUaJt berichtet. Seine Beschreibung

lautet : „Täq ist ein schwer zu begehender Tunnel an einer Stelle des Berges, den selbst ein Fussgänger nur mit Anstrengung passieren kann. Dieser Tunnel gleicht einem kleinen Thore. Wenn man ihn betreten hat, schreitet man darin etwa eine Meile in tiefer Finsternis voran, dann kommt man heraus zu einem weiten Ort ähnlich einer Stadt, den die Berge von allen Seiten umringen, und zwar Berge, die niemand zu besteigen ver- mag wegen ihrer Höhe, und wenn ihm das auch glücken würde, so vermöchte er nicht abzusteigen. Auf dieser Flur sind Höhlen und geräumige Kammern, deren Ende man teilweise nicht erreichen kann. In der Mitte derselben befindet sich eine wasserreiche Quelle, die aus einem grossen Felsen hervorsprudelt und deren Wasser wieder in einen andern Felsen hinabsinkt, der etwa 10 Ellen vom andern entfernt ist, und niemand kennt nachher den Verbleib ihres Wassers. In den Zeiten der Könige der Perser pflegten diesen Tunnel zwei Mann zu bewachen, die eine

») Bei Jäq. III fi., 10 ff. Vgl. die abgekürzte Bearbeitung Bibl. Geogr. V PI., 9-12.

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J. Marquart,

Strickleiter bei sich hatten, die sie hinabliessen* vom Orte, wenn einer von ihnen hinabsteigen wollte, lange Zeit hindurch1). Ünd beide hatten alles was sie brauchten, bei sich auf viele Jahre. Die Lage bezüglich dieses Tunnels und dieses ya{o<pvX6xtov blieb ununterbrochen in dem beschriebenen Zustund, bis die Araber die Herrschaft antraten. Da begehrten sie hinaufzusteigen , es war aber zu schwierig, bis al Mäzijär die Herrschaft von Tabaristan antrat. Der fasste diesen Ort ins Auge und lag eine Zeit lang vor ihm, bis die Hoffnung, ihn zu besteigen, sich ihm geebnet hatte. Da stieg ein Mann Von seinen Leuten hinauf. Als er nun angelangt war, Hess er Stricke herunter und lies« Leute hinaufklettern, darunter den al Mazijar selbst Schliesslich richtete er seine Aufmerksamkeit auf die Gelder, Waffen und Schütze, die in jenen Höhlen und Kammern waren. Da betraute er mit der Bewachung von all dem Leute von seinen Vertrauten und gieng weg. Der Ort blieb nun in seiner Gewalt, bis er gefangen wurde, und die mit dessen Bewachung Betrauten entweder kapitulierten oder starben. Der Weg ist abgeschnitten bis zu diesem Zeitpunkte.*

Dass Curtius-Diodor und Ibn al Paqih dieselbe örtlichkeit im Auge haben, ist unverkennbar. Wenn die Entfernung zwischen den beiden Felsen bei erstem auf 3 Stadien anstatt auf 10 Ellen, wie bei Ibn al Faqih angegeben wird, so kann dies um so weniger gegen die Identität entscheiden , als Curtius die Breite des Bettes des wieder zu Tage getretenen Flusses auf 13 Stadien© angibt, wahrend doch der Euphrat nach Xenopbon nur 4 Stadien, der Maiandros nur 2 Plethren breit war (Anab. 1, 2, 5. 4, 11). Däss man zu Alexanders Zeiten zu Wissen glaubte, wo der in den Felsschlund versunkene Fluss wieder zum Vorschein komme, im 9. Jh. n. Chr. aber diese Kunde verschollen war , hat gleich- falls nichts zu bedeuten. Natürlich kann aber Alezanders Heer nicht an der Stelle jenes Phänomens selbst gelagert haben, sondern nur unten im Tbale; höchstens eine kleine Sicberungsabteilung kann dasselbe erkundet haben. Ich glaube aber, dass die ganze Beschreibung dieses Ortes gar nicht ursprünglich der Alexander - geschiente angehört, sondern einem Bericht über Antiochos des Grossen Feldzug im J. 209 entlehnt ist, welcher thatsächlieh von Hekatompylos aus nach Tayal gelangte und hier seine Dispositionen für den Marsoh über das Gebirge traf (Polyb. 10 , 29 , 3). Dafür sprechen besonders die 150 Stadien von Hekatompylos bis zu jenem Lagerort, welche genau der aus Apollodoros von Artamita zu erschiiessenden Entfernung zwischen Hekatompylos und Tup] = 140 Stadien = rund 5 Fars. entsprechen, aber hinter der nach dem sonstigen Wegmass der Bematisten zu erwartenden Anzahl (ca. 200 Stadien) erheblich zurückbleiben. Im Unterschiede von

l) Der Auszug: „vom Gipfel de» Berge« zu denen, welche zu ihnen hinaufsteigen wollten; sonst gab es absolut keinen Weg dahin«.

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Untersuchungen zar Geschichte von Eran.

den Bematisten und Alexanderhistorikern rechnete aber Polybios uach attischen Stadien zu 185 m.

Ihn al Faqih weiss noch eine andere merkwürdige Natur- erscheinung aus der Umgebung von Täq zu berichten : „Sulaimän b. 'Abdallah erzählt, dass neben diesem Täq etwas wie ein Laden sei, und dass, wenn jemand zu ihm komme und ihn mit Menschenkot besudle , oder mit sonstigem Schmutze , sich alsbald mächtige Wolken erheben und auf ihn herabregnen, so dass sie ihn waschen und reinigen und jener Schmutz davon abgeht. Das ist in der Stadt bekannt, indem es deren Einwohner wissen und keine zwei von den Einwohnern dieser Gegend an dessen Richtigkeit zweifeln, und es bleibt kein Schmutz daran weder Sommers noch Winters1)."

Berüni, der dieselbe Sage erwähnt2), nennt den Ort „Laden Salomos des Sohnes Davids" und sagt, dass er in der Höhle

Tspahbeoan ^Ü^aopI im Berge Täq in Tabaristän liege8).

Nun erzählt Melgunoff S. 144: „ln der Nähe von Tscbahorde [7 Fars. von Tok] ist ein Brunnen, Tscheschmebad oLx^-i^s-,

Windbrunnen genannt. Die Perser glauben, dass, wenn man irgend etwas Unreines hineinwirft oder ein Ungläubiger ihn berührt, sich plötzlich ein Sturm oder Gewitter erhebe. Aga Mohammed Khan, erzählt man, wollte die Wahrheit dieser Tradition erproben, aber in einem Augenblicke wurde sein ganzes Heer durch einen starken Sturm niedergeworfen. Wenn die örtlich- keiten auch nicht genau stimmen, so ist es doch dieselbe Sage, die also auf eine weiter abliegende Lokalität übertragen ist.

Hinter Kaläta verliess Alexander die Strasse, welche rechts über öahär-deh und weiter dnrch den Pass §amsirbur nach Öaman-eäwar und von da einerseits über Rädekän nach Gäz, andererseits nach Asta- räbäd führte, und zog links auf der Strasse, die auf der oben S. 52 Anm. 3 erwähnten russischen Karte des asiatischen Busslands verzeichnet ist, über Namäkä, Badali, Nabend i nach Pul-i-Nlkäh, wo er in der Ebene am Ufer des Nlkäh Rast hielt4). Der Weg Alexanders war also in der That nicht viel kürzer, dagegen allerdings weit beschwer- licher als der des Erigyios. Leider fehlt uns jede Angabe darüber, wie lange Alexander zu dem Gebirgsübergang gebraucht hat.

>) Jiq. III fil, 4ff. Bibl. Geogr. Arab. V H.. 13—16.

*) Chronologie S. tfl, 3 (=235 der Übersetzung Sachau'«).

. - ° -

J) Dies»1 Höhle ..JlXaajwoJ ist natürlich nicht zu verwechseln

mit der gleichnamigen Stadt, die nur 2 Meilen vom Meere entfernt

war, Ihn al Faq. IM*1, 10. 7.

*) Es ist anzuerkennen, dass Niese, Gesch. der griech. und raakedon. Staaten I 10b N. 1 , sich der Schwierigkeiten des herkömm- lichen Ansatzes des Lagerortes bei Zadrakarta voll bewusst geworden ist. Freilich liegt San, an das er denkt, wieder zu weit westlich.

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J. Marquart,

Von da schlug er den Weg östlich der Küste entlang über A&räf und Gäz nach Zadrakarta ein. In der Nähe von Asräf haben wir die svöalfwvsg xöficu zu suchen , deren üppige Vegetation so hoch gepriesen wird (Diod. 17, 75, 4—7 vgl. Curt 6, 4, 21. 22). „Durch ihre malerische Lage und den Reichtum der Vegetation zeichnet sich die Stadt vor allen andern Städten an der südlichen Küste des Kaspischen Meeres aus, dennoch aber ist der Distrikt Aschref einer der ärmsten in der ganzen Provinz Mazanderan* J). Zunächst traf nun von Westen her das Korps des Krateros ein, und bei Gäz langte auch Erigyios mit der Bagage an. Als dann auch Artabazos und die Abgesandten der hellenischen Söldner eintrafen, wurde gehalten. Artabazos und die hellenischen Söldner, die ja einen beträchtlichen Vorsprung hatten, da sie schon von Seninän aus sich in die Berge gewandt hatten und deshalb von dem Korps des Krateros nicht mehr erreicht worden waren, hatten den Satrapen der Tapuren , Wätafradata veranlasst, mit ihnen nach Hyrkanien zu ziehen und standen offenbar bereits östlich von Zadrakarta. Der Ort des Standlagers, das heutige Gäz, besitzt eine strategisch sehr wichtige Lage , da er die Verbindung zwischen Tabaristän und Gurgän beherrscht. Von Gäz rechnet man 6 Fars. nach Astaräbäd (Melgunoff, Die südlichen Ufer des Kaspischen Meeres 112). Hier muss die alte Stadt Tarne* ^Ji^tSj oder Tameäa »>&A*!nt gelegen haben, welche in

der Sasaniden- und ältern Chalifenzeit eine wichtige militärische Rolle spielte. Sie war 7 Fars. von Astaräbäd entfernt (Ibn al Faq. H**., 6) und lag an der Grenze zwischen Tabaristän und

Gurgän8). Genau war die Grenze bei Ribät-i Ächor zwischen Tameä und Astaräbäd (Ibn Rusta Ifi, 11). Bei Tamesa befand

sich eine vom Gebirge bis zum Meere reichende Backsteinmauer, welche Chosrau Anösarwän zum Schutze des Landes gegen die Einfalle der Türken erbaut hatte8). Köhijär, der Bruder des Spähpets Mähjazdjär*) zerstörte im Auftrage des letztem Stadt und Mauer von TameS, um den dort angesiedelten Arabern ihren Stützpunkt zu entziehen. Darauf Hess Sarchästän 6) , der Wezir des Mähjazdjär, die Mauer des Chosrau wiederherstellen und noch ins Meer hinein erweitern und mit Türmen verstärken und errichtete ein festes Lager, um den Truppen des Emirs f Abdallah b. Tähir den Zugang zum Lande zu verwehren. Die einstige Bedeutung

») Melgunoff S. 149. *) Ibn al Faq. f.P, 19. Ibn Ruuta \o., 2. ») Ibn Rusta Id., 4 ff. = Ibn al Faq. P.f. 7 ff. Tab. III Ifvo. *) So Bai. irf, 14. m, 7 ff. .den Ized Mäh zum Helfer habend"; gewöhnlich abgekürzt JjjLo .

B) Tabaristanisch für ^ÜUJjJ^i- (Cahir eddin).

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Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 57

von Tamesa tritt noch in der Überlieferung des iranischen Epos bei Firdausl zu Tage, bei welchem es als Residenz des Fredün erscheint1), welcher hier dem Partherkönig Mithridates I. entspricht.

Der Feldzug gegen die Marder führte Alexander bis in die Gegend von Amul, das von denselben seinen Namen hat. Amul ist die regelrechte neupers. Form des alten Volksnamens Mdqdoi oder "AjjueQÖoi , ap. *Mrda oder *Ämrda. Unter dem Namen "AfUiQdoi lernte Patrokles dieses Volk am östlichen Ufer des unteren Spetf-röd (Qyzyl-Özän) kennen. Ihr Gebiet wird ganz so geschildert wie noch in der Chalifenzeit Tabaristän, dicht bewaldet und un- wegsam , mit vielen Schluchten und hohen Bergen. Manches arabische Heer wurde hier mit blutigen Köpfen heimgeschickt, und auf Macqala b. Hubaira, der unter Mu'äwija bei einem Ver- suche, in Tabaristän einzudringen, in dessen Engpässen den Unter- gang gefunden hatte, ward das Sprichwort gemünzt: „bis Macqala aus Tabaristän zurückkehrt'' *). Der Partherkönig Phradates I. unterwarf die Marder wiederum und verpflanzte sie nach der Stadt XaQai in der Nähe der kaspischen Thore8). Ihre Sitze nahmen alsdann die Tapuren ein, von denen das Land später den

Namen Tabaristän (Münzen pf^SlSJp Tapurstän) erhielt. Ein

anderer Stamm des weitverzweigten Volkes der Marder wohnte in der Nähe des Oxus, und zwar nicht bloss an dessen Mündung4), sondern auch viel weiter Östlich5), wo noch im Mittelalter die Stadt Amul oder Amiu, chin. Mu*) (heute öärgüi) ihren Namen bewahrt hatte.

Dass wir die Sitze der Marder bei Amul und das Standlager Alexanders bei Tames richtig bestimmt haben , wird durch die

') In Rücke rt 's Übersetzung Bd. I 72. 115 130. Freilich findet sich in den arabisch-persischen Renexen des Chotfäi-nämak keine Spur davon. Vgl noch über Tamesa Spiegel, Eran. Altertumskunde I 69 N. 1. Cahir eddin \Xi. Dorn, Auszüge aus muhamraedanischen Schrift- stellern S. 37. 73.

•) Bai. tTo, 4—10.

*) Justin 41, 5, 9. Isidor v. Charax, cra&itol IIccQ&ixot § 7 bei C. Müller, Geogr. Gr. min. I 251. Vgl. oben S. 25 Anm. und

mein „Eransahr" S. 135 f. und Anm. 7.

*) Mela 3, 39: intus sunt ad Caspium sinum Caspii et Amazones sed quas Sauromatidas adpellant, ad Hyrcanium Albani et Mochi (Mükän) et Hyrcani, in Scythico Amardi et Pestici et iam ad fretum Derbices.

3, 42: Jaxartes et Oxos per deserta Scythiae ex Sugdianorum regionibus in Scythicum (sinum) exeunt , ille suo fönte grandis , hic incursu aliorum grandior, et aliquamdiu ad occasum ab Oriente ad septentrionem converso inter Araardos et Paesicas os aperit. Die Paesicae oder Pestici (Plin. 6, 50) sind die 'Anctataxat des Polybios 1 48 und Strab. tot 8, 8 p. 513, die JlavffiW Her. y 92. S. oben S. 28 Anm.

*) Plin. h. n. 6, 47 : Ab huius (Margianae) excelsis per iuga Caucasi protenditur ad Bactros usque gens Mardorum fera, sui iuris.

*) S. meine Chronologie der alttürkischen Inschriften S. 64 f.

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58 J. Marquart,

Angabe des Curlaus auft schönste bestätigt, dass Alexander am 5. Tage nach der Unterwerfung der Marder da» Standlager wieder erreichte (6,5,22 inde quinto die in stativa revertitur).

Die beiden Rezensionen des Istachrt PH geben folgende Itinerare

von Ämul nach der Hauptstadt von Gurgan:

u ß (C, E> 0 und L)

Amol

Mela 2 Fars. V

5 1 mar*.

Särija 1 marh. Bärist 1 marfe. Nämija >) 1 mark Abädän 1 , «5wt-W2) 1 *

Tamesa 1 Tamisa 1

Astaräbätf 1 mar^.

Eibät rjafe 1 ,

Gurgän 1 ,

Das erstere Itinerar ist von Särija ab von Muqaddasi ("vf, 14 ff.

aufgenommen worden, das zweite findet sich teilweise bei Ibn al Faq. n% 5 wieder, wo es folgendermassen lautet:

Nämija 8 Fars.4)

Tames 6 ,

Astaräbäd 7 ,

Sahristän 14

(35 Fars.)

Dass hier Ibn al Faqlh das richtige bat und Nämija naher bei TameS lag, scheint sich schon daraus zu ergeben, dass Mihrawän, welches in cod. C des Istachri dessen Stelle einnimmt, 10 Fars. von Särija entfernt war (Ibn al Faq. r\P, 13). Eben darauf

führt Ibn al Faqlh's Bemerkung r.r, 12: »Zwischen Särija, Nämija und TameS sind 20 Fars.*. Diese Angabe ist freilich sehr ungenau ausgedrückt, kann aber doch nur den Sinn haben, dass man von Särija über Nämija nach Tarnet 20 Fars. rechnete, während er 8. r.P, 13 (daraus Jäq. III ofv, 16) die

Entfernung zwischen Särija und TamöS (also wohl auf direktem

1) C ^j^. Diese Stadt hatte eine Kanzel und lag nach Ibn al Faq. IM", 13 10 Fars. von Sarija.

2) Cod. F *X~Ü, *£-Jjoci. s) B J Jui^l *) J ,10«.

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Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 59

Wege) nur auf 16 Fars. angibt Nämija war nur ein Dorf1), das seinen Namen (wli, arabisiert aas np. ^li, phl. namik .nam- haft*, oder, falls jUj zu lesen, np. ^b, pnL bämtk «glänzend",

aw. bärnja) in historischer Zeit nicht rechtfertigte. Es wird mit Tames zusammen in der Eroberungsgeschichte (a. 30 H.) ge- nannt4).

Sollte dagegen ^»JjL derselbe Ort sein wie das heutige D01"^ u^j+tJ Lhnräs östlich von Asrftf an der Grenze der Kreise Kulbäd und Aßraf8), so hätte Istachrl die richtige Reihen- folge bewahrt. Wenn aber damit auch Jäqüt's xjf tjt;.**) identisch

sein soll, so mnss seine Angabe, dass es nur Fars. von Astaräbäd entfernt sei, notwendig falsch sein.

Neuere Reisende geben folgende Route von SärX nach Asta- räbäd 6):

Sari

ASräf 8 Fars.

Kulbär 5

Sär mahallä 7 ,

Astaräbäd 8

Von Ämul gab es auch einen direkten Weg nach Särija, der Turunga nicht berührte, sondern in einer Tagereise nach Mämatlr

jflvLe. und von da in einer weiteren Tagereise nach Sari führte

Muqaddasl r\r, 18 hat hier wieder Verwirrung gestiftet. Sein Itinerar lautet:

Ämul

Mämatlr 1 mark-

Särija 1 p

Beginn der Grenze 8 , Allein Turunga lag ja vor Sarija. Es muss also richtig

*) Bai. rTf , ult Nach Tab. I l^v, 14 war es keine Stadt, sondern eine wüste Ebene.

*) Die Vermutung Wüstenfelds (Jäqüt V 298), dass iU-«U

mit ij^Jo identisch und nur eine falsche Schreibung statt iU**rfU

| vielmehr &*»*U] sei, ist also abzulehnen. *) Melgunoff, S. 161. «) Jäq. IV IM, 7.

() Mordtmann, Hekatompylos. SB. derbair. Akad. 1869, 1, 535. •) Ist. Nv, 2 = Ibn Hauqal fvo, 12.

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60

J. Marquart,

beissen: ^\ 3\ | id*y J\ jJl ^ j^Lfc

gJt äOsy iü,U ^Jt ^ | Kl>y

Ebenso unrichtig ist die Angabe des Ibn al Faqlh f-P. 15:

„Die Hauptstadt und zugleich die grösste Stadt von Tabaristän ist Amul, wo die Stadthalter residieren, dann Mämatlr, die 6 Fars.

von einander entfernt sind, dann Turunga Ä-jSy, eine kleine Stadt.

die 6 Fars. von Mämatlr entfernt ist, dann Särija." Turunga muss in der Nähe von Mämatlr gelegen haben und kann nur von Amul 6 Fars. entfernt gewesen sein. Heute rechnet man von Amul nach BärfurüS, dem alten Mämatlr, 7 Farsach subuk = 1 Tagereise, und von da nach SärS 7 Fars.1), BalätfurT bei Ibn al Faqih H*\ 14 (= Jäq. III 0.f , 12) gibt die Entfernung zwischen Ämul und Särija auf 13 Fars. an2).

Wir erhalten demnach folgende zwei Itinerare:

Amul Amul

aJU/> 2 Fars.

Mämatir 6 Fars. (1 marh.) g^fji 8(?)

Särija 1 marl?. Särija 1 mar^.

1 » 1 1 oder

^Ubt 1 Nämija 8) 8 Fars. (1 marWj umgekehrt

Taraesa 1 Tames 6 (1 . )

Astaräbä£ 7 Fars. (1 marfo.) Ribät Hafc 1 marli. 1 ^ parg Gurgän 1 /

Die Entfernung von Ämul bis Tamesa beträgt also genau 5 Tagereisen, und von da hatte man noch eine Tagereise bis Astaräbäd (Zadrakarta).

Tomaschek identifiziert die von Curtius genannte Stadt Arvae, bei welcher die Wiedervereinigung mit den Corps des Krateros und Erigyios stattfand, mit dem von Ptol. 6, 9 unter 98° L. 40° 30' Br. aufgeführten ZoQßa. Ist diese Gleichsetzung richtig, so wäre Zdqßa der antike Name von Tamesa.

Antiochos d. Gr. scheint im Jahre 209 im wesentlichen den-

irs. )

\ 1 mar^.

») Melguuoff a. a. O. S. 176.

*) Wenn Jäq. III I., 9 dafür 18 Fars. gibt, so hat er die bei Ibn al Faq. T.P, 16 nicht angegebene Entfernung Turunga-Särija (1 Tage- reise) fälschlich dazugerechnet.

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Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 61

selben Weg gemacht zu haben wie Alexander. In Tagai ward er von den Eingeborenen über die Schwierigkeit der zu passierenden Gegend unterrichtet, bis man zu den Übergängen des Labos- oder Labutasgebirges gelange, die nach Hyrkanien fuhren. Er teilte nun sein Heer in 3 Abteilungen und gab jeder eine Anzahl leichtbewaffneter Truppen und Pioniere bei, welche im Notfall die von den Feinden besetzten Höhen erklimmen und die Wege in Stand setzen konnten. Die Schwierigkeiten des Weges stellten sich aber als viel bedeutender heraus, als der König sie sich vor- gestellt hatte. Die Länge des Aufstieges betrug gegen 300 Stadien (= 10 Fars.), währenddessen der Weg grösstenteils durch die tiefe Schlucht eines Gebirgsbaches führte, welche häufig durch herabgestürzte Felsblöcke und Baumstämme versperrt war; wo dies nicht der Fall war, hatten die Eingeborenen künstliche Ver- haue hergestellt und den ganzen Hohlweg entlang die geeignetsten Vorsprünge besetzt, von denen aus sie das makedonische Heer belästigen konnten. Allein die Massregeln des Königs bewährten sich, und als es beim ersten Wachtposten zum Zusammenstoss mit der ersten Division unter Diogenes kam, erkletterten die Leicht- bewaffneten des Diogenes ohne weiteres die Seitenwände der Schlucht und gewannen so einen höheren Standpunkt als die Feinde, denen sie mit ihren Geschossen, besonders mit den Schleudern, sehr zusetzten. Hatten sie dann dieselben von ihren Posten ver- trieben, so erhielten die Pioniere Gelegenheit den Weg ungestört in Stand zu setzen. Auf diese Weise gelang es der Armee des Antiochos, die Engpässe sicher, wenn auch langsam und mit grossen Schwierigkeiten zu überwinden, bis man endlich am achten Tage die Höhen des Labos erreichte. Darunter ist wohl die letzte Gebirgskette zu verstehen, welche man auf dem Wege nach Hyrkanien zu übersteigen hat. Hier hatten sich die Feinde ge- sammelt, entschlossen, den Makedonen den Übergang zu wehren, und es entspann sich ein heisses Gefecht, in welchem Antiochos jedoch dank der Tüchtigkeit seiner Leichtbewaffneten, welche eine grosse Umgehung ausgeführt und die überragenden Punkte im Rücken der Feinde besetzt hatten, Sieger blieb. Der Feind wandte sich zur Flucht, der König Hess aber die Seinigen von der hitzigen Verfolgung durch Trompetensignale zurückrufen, da er in ge- schlossener Ordnung nach Hyrkanien hinabziehen wollte. Darauf zog er nach Tapßga}-, einer unbefestigten Stadt, die aber einen ziemlichen Umfang hatte und einen Palast besass, und hielt dort Rast. Da aber die meisten der aus der Schlacht geflohenen Feinde sowie die Einwohner der Umgegend sich nach der nicht weit von Tambrax gelegenen Stadt Sigvy^ zurückgezogen hatten , welche wegen ihrer Festigkeit und ihrer sonstigen günstigen Lage ge- wissennassen die Residenz von Hyrkanien war, so beschloss er diese gewaltsam zu nehmen. Die Stadt war von einem dreifachen Graben umgeben, jeder wenigstens 30 Ellen breit und 15 Ellen

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62 J. Marquart,

tief. An den Rändern einee jeden lagen doppelte Wälle, und zuletzt ein mächtiges Vorwerk. Die Parther wehrten sich tapfer, allein der Übermacht des Königs gelang es schliesslich, die Graben aufzufüllen und die Mauern durch Minen zum Einsturz zu bringen. Nun töteten die Parther die in der Stadt ansässigen Hellenen, plünderten die wertvollsten Geräte und versuchten sich während der Nacht durchzuschlagen. Allein als der König dies gewahr wurde, schickte er ihnen den Hyperbasis mit den Söldnern nach, welcher die Feinde wieder in die Stadt zurücktrieb. Als nun die Infanterie durch die Bresche eindrang, verzweifelten sie am weiteren Widerstand und ergaben sich.

Leider lassen sich die beiden Städte TapßQce}; und EiQvyt, bis jetzt nicht mit irgend welcher Sicherheit identifizieren. Es

gab wohl eine sehr feste Burg Tabarak auf dem Gipfel

eines kleinen Berges in der Nähe von Raj, rechts von der Strasse nach Chorasan, die vom Selgukensultan Tognil b. Arslan im Jahre 588 H. zerstört wurde (Jaq. III e.Vj 19 ff.), dagegen ist in

Hyrkanien und Tabaristän weder heute noch im Mittelalter ein ähnlicher Name zu finden. Cahlr-eddln p. 10, 14 gibt allerdings

an, dass im Dialekt von Tabaristän »Berg* bedeute. Man

kann vermuten, dass Tambrax beim heutigen Sari lag, dann hätten wir £i't>vyj; etwa in dem westlich von Sarija ge-

Ugenen Ort oder ^ der arabischen Geo-

graphen zu suchen, der eine Kanzel besass. Dorn, Caspia 49 stellt rar Sirynx auch den x^j «5o .jj Türeng-täpä (Fasanenhügel)

im Gebiete von Astaräbäd zur Verfügung, wo man viele Alter- tümer gefunden hat. Jedenfalls hat der Name £lqvyl mit San

<^L*, arabisiert K^U, nichts zu thun. Denn wie der dazu er- fundene Eponymos aj^L* bei CahTr-eddln p., 8 etc. beweist, ist ÜSH dialektische Umbildung von Särüi Der Name Särüi oder älter OsjjU Sürük aus Sarbük ist aber ursprünglich ein Appella- tivum mit der Bedeutung „Burg* oder „Palast*1). Die appella-

J) Zum Übergang von ü in f vgl. Horn, Neupers. Schriftsprache S. 27 § 5, 6. vjjj;l~Jl hieaa ein uralter auf Tahmörup ssurück ge- führter Palast in Ispahän Ihn Rusta lir, 1 , bei JJainza f., 8. Kv, 8. 11a. 5 v. u. M1? 4 v. u. Fihxwt rf>, 16. 27. Ifl, 14 *j*jU. sowie die Burg von Uamadän, in welcher man das von öam gegründete Wara erblickte, Jäq. IY 1Ar, 3. Ibn al Faq. H1, Ifl, rff, wo- für! Jäq. m lf 18 Fgl. IV lAr, 9. 14 die neupers. Form j^U

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Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 63

tive Bedeutung des Namens T«pßoa£ würde es erklären, wes- halb derselbe später durch ein anderes Appellativum ersetzt worden

wäre. Haben wir dagegen «5^^ mit dem heutigen LlmrSs

gleichzusetzen, so könnte Tambrax mit dem mittelalterlichen Nämija zusammenfallen.

Strabon ut 7 , 2 p. 508 schreibt TaAAfatoq für TaMß(uxHa (acc.)1). Wenn er aber zum ßcca&Eiov Tayn (s. o. S. 21) bemerkt: Z <ptasi fiLXQbv ütcIq r^g OaXattrig [d^v^ivov, so beruht dies auf einer Verwechslung mit r«pj?fa{, wie die Entfernung Tage's von den Kaspischen Thoren unwiderleglich beweist. Neben diesen beiden nennt er noch zwei andere hyrkanische Städte Zauaounnj und Kccqtcc. Letzteres durfte dem Za$Qaxa(na Arrians entsprechen, Zapaotavij aber ist dieselbe Stadt, die von Ptol. 6, 9 p. 416, 11 £a(Kt(iccvvr} geschrieben und an die hyrkanische Küste unter 94° 15' L. 40° 30' Br. gesetzt wird. Bei Plin. 6, 118 ist der Name in Maria verstümmelt. Dorn, Caspia 54 N. 1. 120

denkt für Zu^iccvri an jU^-ä8), eine Stadt in den Qären-bergen,

1 Tagereise von Särrja Ist ?.o, 11. f.v, 2, was aber mit den

Daten des Ptol. nicht stimmt.

Nachdem Alexander in Zadrakarta 15 Tage Rast gehalten hatte , welche mit Opfern und gymnisehen Spielen zu Ehren der Götter ausgefüllt wurden, brach er wiederum nach dem Land der Partbyaier auf. Nachdem er diese unterworfen hatte, setzte er

angibt. U^U scheint auch der Name der Stadt ijäjt in Sagi-

stan gewesen zu sein (Mas. VIII 42 cod. A). Eine ältere Form ist erhalten im Namen der Burg von Karcha de Böth Selöch in

Garamaea, aQD^D Sarbüi (G. Hoffmann, Auszüge S. 45. 269), die identisch ist mit dem im gnostisohen Hymnus bei Wright, The apocryphal acts of the apostles I p. 0^9, 6. *Q^9, 15. 14 ge- nannten y^OVOD Sarbüg. Die älteste Form ist also offenbar * Sarbuk

oder *Särbü!c. Nun heisst es im Bund. 29. 14 (West, PT.1 120): ,The enclosure formed by Jam is fin) the middle of Pars, in Sruvä (T D pahl. Srübäk); thus, they say, that what Jim formed (Jam-kart) is below

Mount Jamakän (TD Öamakän)'. Ich vermute deshalb, dass ^Jl^O ein

Fehler ist für *^ar^c- Der Übergang von b in die Spirans (J

nach r ist regelmässig, wie. der entsprechende des g in y (Mary). Vor ü fällt das p leicht aus, z. B. Merhuzan, Mehruzan, Meruzan Mt&QoßovtdvTig-, vgl. Mehkndak, Mehundak = Mihrevandak , *Mi&ra-

ßandaka. S. jetat auch mein „EränSahr nach der Geographie des Ps. Moses Chorenac'i 134f.

») Vgl. Dorn, Caspia 129.

*) Jäq. III HT* schreibt unrichtig Jl%+& .

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J. Marquart,

ihnen, wie Justin 12,4,12 berichtet, einen vornehmen Perser zum Satrapen, von welchem die nachmaligen Könige der Parther abstammten. Wir machen auch hier wieder die Beobachtung, dass der Gewährsmann des Trogus seine Hauptquelle selbstständig verbessert. Es war ihm bekannt, dass in parthischer Zeit die Städte Arsace (Aoödx Aäak) in der östlich an Hyrkanien stossenden parthischen Landschaft Acxav7\vri und Nloauc in der Landschaft Parthyene (s. u.) die wichtigsten Orte von Parthien waren, und er hielt sich zu der Annahme berechtigt, dass es schon in achaimenidischer Zeit so gewesen sei. Demnach war die Unter- werfung der Provinz Parthien erst mit der Sicherung dieser Landschaften beendigt. Der Auszug des Justin ist freilich offenbar lückenhaft und verwirrt. Der Text lautet: Parthis deinde domitis praefectus his statuitur ex nobilibus Per- sarum Andragoras; inde postea originem Parthorum reges habuere. Allein Andragoras war der seleukidische Satrap von Parthien , welcher im Jahre 250 v. Chr. (L. Manlio Vulsone M. Atilio Regulo coss. , lies C. Atilio Regulo) l) sich in seiner Provinz selbstständig machte und Goldstatere zum Zeichen der Suveranetät mit dem Typus des Viergespanns schlagen Hess2), aber nach der Niederlage des Seleukos Kallinikos gegen die Galater um 235 den dänischen Parnern des Arsakes erlag (Justin 41 , 4, 4 7). Hier bezeichnet Justin den Arsakes als vir incertae originis, allein es ist nicht zu zweifeln, dass sein Gewährsmann an der ersten Stelle thatsächlich den Arsakiden einen altadeligen persischen Stammbaum geben wollte. Statt Andragoras muss also ursprünglich ein anderer Name dagestanden haben, und zwar höchst wahscheinlich Phradates. Dieser fuhrt nach Curt. 4, 12, 9 in der Schlacht bei Gaugamela die Kaspier, 6, 4, 24 wird er als praefectus Tapurorum bezeichnet und 6, 5, 21 werden auch die besiegten Marder seiner Verwaltung unterstellt 8, 3, 17 wird Phrataphernes, welcher mit der Verwaltung von Hyrkanien. der Marder und Tapuren betraut wird, und 9, 10, 17 als Satrap der Parthyaier auftritt, als Nachfolger des Phradates bezeichnet, den er gefangen zu Alexander schicken soll (vgl. Arrian 4,18,2). Später wird Phradates hingerichtet, weil er im Verdachte stand, nach dem Königtum zu streben 10,1,39. Es ist demnach klar, dass Curtius den Phradates auch als Satrapen von Hyrkanien und Parthien betrachtet haben muss. Der Name Phradates, eine Abkürzung von Avxo(p^ctödvi\q = ap. Wätafraöäta

l) Vgl. Droysen, Gesch. des Hellenismus III4, 1, 364 N. 1. 365 N. 23.

*) Siehe P. Gardner, Numismatic Chronicle 1379 p. 8ff. The coins of the Greek and Scythic Kings of Bactria and India in the British Museum. London 1^86 p. 1. PI. 1 1.2. Henry H. Howorth, The initial coinage of Parthia. Num. Chron. 1890 p. 33-41 (töricht).

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Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 65

.von Wäta (dem Windgott) geschaffen , der im arsakidischen Königshaus vom vierten Partherkönige an öfter vorkommt, gab aber dem Gewährsmann des Trogus Veranlassung, der von Agatharchides erfundenen Genealogie der Arsakiden, welche auf einen Sohn des Artaxerxes Mnemon zurückführte1), eine andere gegenüberzustellen, welche den unbestreitbaren Vorzug hat, dass sie sowohl in der Chronologie als in den geschichtlichen Ver- hältnissen sich innerhalb der Grenzen des Wahrscheinlichen halt.

Von Parthien gelangt Alexander zu den Grenzen von Areia {Haranoa) und nach Hovala, der ersten Stadt von Areia, wo Satibarzanes , der Satrap der Provinz sich zur Huldigung einfand und in seiner Satrapie bestätigt wurde. Der König gab ihm gegen 40 Lanzenreiter unter Anaxippos mit, um beim Durchzug des Heeres durch das Land der Areier dieses zu schützen. Daraus geht hervor, dass Alexander zunächst beabsichtigte, die süd- östlichen Satrapien Areia, Drangiana und Arachosien zu durch- ziehen und zu sichern, um sich erst dann gegen Bessos zu wenden. Da erschienen aber einige Perser bei ihm mit der Nachricht, «lass Bessos die königlichen Abzeichen und den Thronnamen Artaxerxes angenommen habe und über die nach Baktra geflohenen Perser sowie zahlreiche Baktrianer verfüge; auch erwartete er skythische Bundesgenossen. Diese Botschaft bewog Alexander, der nunmehr seine gesamte Streitmacht wieder beisammen hatte, nachdem Philippos auch die in Medien zurückgebliebenen thessa- lischen Freiwilligen, sowie die berittenen Söldner herangeführt hatte, seinen Plan zu ändern und unverzüglich auf Baktra zu marschieren.

Man identifiziert ZovoCcc jetzt gewöhnlich mit dem mittel- alterlichen Tos ^jb, arm. Tos in der Nähe von Ma&häd.

Freilich stehen dieser Gleichung lautliche Bedenken entgegen, die ich nicht zu beheben weiss. Man müsste annehmen, dass eine griechische Umformung in Anlehnung an den Namen des be- rühmten £o$(Sa stattgefunden hätte. Umgekehrt haben die Araber

den Namen von Söätar, Sostrate d. i. £&at^d xs in jJ~J Tustar

arabisiert2). Ist die Gleichung richtig, so lässt sich wenigstens soviel erkennen, dass Alexander von Zadrakarta aus auf direktem Wege am Gurgän-rüd entlang nach Gurgän und von da über Samalgän und Bugnürd ins Atrekthal gelangte, wo die zur achaimenidischen Satrapie Parthien gehörige seleuMdisch-arsakidische

Provinz Iftfravi/vi/, arab. Ustuwä lag. Ihr Hauptort war

im Mittelalter Chabücttn, heute Chücän. Von da gelangte er über den Köh-i Allähu akbar ins Thal des Käschäf-rüd, im

') S. diese Unten. I 29 ff.

*) Vgl. mein „Erän&ahr" S. 144 Anm. 8.

Marquart, Untersuch ungea. II. 5

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J. Marquart,

Bundahisn XX 30 Käsp, im Epos Käsak-röt, arab.-pers. Jkyjf (Tab. I Hf 9. 7) genannt1).

Die eigentliche Landschaft IlaQ&vrivy mit dem avlmv IlaQ&ccv, dem heutigen Därrä Gäz und der Ebene Nr\<sctla (ap. Nisäja) beim heutigen Asxäbäd, sowie die Landschaften 'AnavccQxuwivy mit Abeward und Margiana mit dem uralten Marw hat Alexander aber auf seinem Zuge nicht berührt. Die Gründung der Stadt Alexandropolis bezw. die Umnennung des alten Nisaia in Parthyene *), sowie die Neugründung von Marw unter dem Namen Alexandreia •) muss also zu einer spätem Zeit stattgefunden haben, wahrschein- lich wahrend des Winterlagers in Zariaspa 329/28 v. Chr., wo sich auch der Satrap Phrataphernes von Parthien einfand, der den von Bessos ernannten Satrapen von Parthien Barzanes ge- fangen herbeiführte (Arr. 4, 7, l)4). Mit der nicht lange vor Alexanders Tode erfolgten Sendung des Herakleides nach Hyrkanien, um Schiffe für eine Entdeckungsfahrt auf dem Kaspischen Meere zu bauen (Arr. 7, 16, 1 4), wird man diese Gründungen keinesfalls in Verbindung bringen dürfen. Dass aber die Makedonen thatsächlich auch nach Nisaia gekommen sind, ergibt sich aus der Bemerkung des Strabon ux 7 , 3 , dass der Ochos durch jene Landschaft fliesse, die ebenso wie die Behauptung, dass der Ochos und Oxos gleich dem Jaxartes ins Kaspische Meer münden (m 7, 4 p. 510), auf Polykleitos von Lansa zurückgeht').

Die Karte des Castorius nennt nach NAGAE d. i. Thagae, Täk folgende Stationen: XX Catippa. XX fociana. X Stai. XXXV Saphani. Tomaschek setzt Catippa, wofür Orosius 1, 2, 16 Catippi liest, nach Astaräbäd, fociana (Geogr. Rav. 2, 3 p. 48, 6 Gugitana), das er mit Ptolemaios' Tavtudva (6, 17 p. 433, 25) identifiziert, nach dem Karwanserai Öandä-äbäz an der Vereinigung der Quellen des Gurgän-rüd. Allein Tatnudva liegt bereits in Areia, unter 106 0 30' L. und 36° Br. Catippa ist wohl identisch mit Ptolemaios' KACAIIH (für KAQAI1H?) unter 95° 30' L. 40° 20' Br. Die Form Catippa erinnert an Xenippa Curt. 8, 2, 14 (aus aw. achSaena braun", phl. chaä&n, np. cAoim, und äp- , Wasser"?) und beruht wohl gleich diesem auf Hellenisierung. Orosius liest von seiner Karte ab, dass der Kaukasus von den Tigrisquellen bis zur Stadt

l) S. o. S 28 Anm.

*) Plin. 6, 113 regio Nisiaea Parthyenes nobilis, ubi Alexandro- polis a conditore. Vgl. Isidor von Charax, ffrafyxol JIap#. § 12: iv- ttü&tv iTapö'vTjvij , c%otvoi ns , ccbXav Jlap^aC. Niaa ^ it6Xig &nb c%oiv<ov gy Ivfra ßaGiXixal tutpal. "EXXtivtg ik Niaaiccv Ifyovaiv. Wie die verwandten Stellen lehren, ist zu schreiben Niaäx n6Ug. Bei Plinius vermute ich deshalb regia Nisaea Parthyene« nobilis.

*) Plin. h. n. 6, 46.

*) Vgl. Droysen, Gesch. des Hellenismus III 2, 215.

a) Vgl. Arnold Behr, De Apollodori Artamiteni reliquüs atque aetate. Argentorati 1888 p. 15. 17. vgl 11 f.

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Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 67

(Jkarrae d. i. Chwär inter Massagetas et Parthos Arwbarzanes heisse ; a Charris civitate usque ad oppidum Catippi inter Hyrcanos et Bactriano« mons Memarmali, ubi amomum nascitur; a quo proximum iugum mons Parthau dicitur; ab oppido Catippi usque ad vicum Safrim inter Dahas, Sacaraucas et Parthyenas mons Oscobares, ubi Ganges fluvius oritur et laser nascitur. Wie die uns erhaltene Karte des Castorius zeigt, stehen die auf derselben verzeichneten Flüsse, Gebirge und Völkernamen unter sich und mit den Stationen meist in gar keiner Beziehung. Wir sehen aber soviel, dass auf das Gebirge nördlich von Chwär bereits der Käme des Götterberges , *Harabrzatis , aw. Netra cter*zaiti, np. Alburz übertragen war. Für die genauere Lokalisierung dieses Gebirges kommen jedoch die in der Nähe desselben verzeichneten Massageten und Parther nicht in Betracht; erstere werden von PtoL 6, 10 p. 418 nach Margiana, unter die Derbikker gesetzt. Weiterhin werden wir etwa festhalten dürfen , dass das Gebirgs- system , welches sich von Hyrkanien gegen Baktrien und Areia hin erstreckt, den Namen Memarmali oder, wie die Kosmographie des sog. Aethicus (bei Alex. Biese, Geographi latini minores p. 94 , 22) richtiger hat , Menalius führte *). Dieser Name wird von arkadischen Kolonisten in Erinnerung an ihren heimatlichen Berg Mainahn aufgebracht worden sein. Vielleicht haben wir diesen Gebirgszug mit dem Maenacha des Awestä (ZamjSd jt. 4) zu identifizieren. Ein Abschnitt dieses Gebirgssystems war als mens Parthau bezeichnet, d. i. ohne Zweifel die Gebirgsketten, welche das Thal des obern Atrek und des Käschäf-rüd ein- schliessen. Noch weniger hat der Oscobares mit der über ihm verzeichneten Route Catippi- Safri und den darüber verzeichneten Völkern Dahae und Parthyenae zu thun diese gehören viel- mehr in die Nähe des mons Partium dagegen gehören allerdings die Sacaraucae in sein Bereich, wie ich anderswo zeige.

Der Ort Safri, bei Isidor Zctyql, in der Tabula Saphani (Geogr. Rav. p. 47 , 22 Sapbar) ist wohl identisch mit Zicpd^ das Ptol. unter 107° 15' L. 38° 15' Br. in Areia verzeichnet. Man hat zu beachten, dass er die 'Aazaßrjvol und Nusaioi ebenso wie die MccaScoQavol (in Mazdörän) in den Norden von Areia versetzt.

Alexander hatte, wie wir gesehen, zunächst den Plan, von Tos über MäShäd nach Herät zu ziehen, als er sich durch die Nachrichten über Bessos bestimmen Hess, unverzüglich auf Baktra zu marschieren. Er zog also das Thal des Käschäf-rüd entlang nach Pul-i chärün, um von da aus zunächst das obere Marw (Marw-i röt, j. Muryäb-i bälä) zu erreichen. Auf dem Marsche

l) Memarmali ist aus falscher Auffassung einer Korrektur menanius>j entstanden.

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J. Marquart,

dahin erhielt er aber die Nachricht, dass Satibarzanes die make- donischen Posten getötet habe, die Areier bewaffne und in

von Haraiwa zusammenziehe. Sobald Alexander ans dem Bereich der von Norden nach Herät fahrenden Strassen sei, wolle er von da mit seiner Streitmacht zu Bessos stossen. Nun gab der König alsbald den Marsch nach Baktra auf und zog an der Spitze zweier Phalangen, der Bitterschaft und der Lanzenreiter sowie der Bogenschützen und Agrianer in Eilmärschen gegen die Areier, während er die übrigen Truppen unter dem Befehle des Krateros zurückliess. In zwei Tagen legte er gegen 600 Stadien zurück und gelangte in die Nähe von Artakoana, allein auf die Nachricht, dass Alexander schon in der Nähe sei, entfloh Satibarzanes mit wenigen Reitern1), da die Mehrzahl seiner Soldaten ihn auf der FJucht verliess, sobald auch sie erfahren hatten, dass Alexander anrücke. Dieser verfolgte nun die, welche ihre Dörfer verlassen und sich dem Abfall an- geschlossen hatten, in ihre Schlupfwinkel und begann hier die Reihe jener fürchterlichen Strafgerichte, durch welche er sich

unstreitig einen Platz neben einem Sulla und Gingiz-chan erworben hat. Was nicht dem Schwerte zum Opfer fiel, ward zu Sklaven gemacht.

Diodor und Curtius lassen ihn dabei ein unnahbares Felsen - nest erobern. Die Beschreibung dieser Heldenthat bei Curt. 6, 6, 26—82 stimmt überraschend mit der Erzählung der Einnahme einer festen Stadt durch Alexander im syrischen Alexanderroman (ed. Budge S. 203, lOff. = 114 der englischen Übs.), nur dass die- selbe hier nach Söd d. i. Sogdiana verlegt ist. Die Stelle fehlt in den uns erhaltenen griechischen, lateinischen und armenischen Texten, muss aber aus dem Griechischen übersetzt sein. Ich stelle die charakteristischen Züge der beiden Berichte (den syrischen nach Budge's Übersetzung) neben einander:

Cnrt. 6, 6, 26 ff. Bndge p. 203, 10 ff.

Alexander bemüht sich zuerst, Alexander sieht im Lande

einen Weg gangbar zu machen: Söd einen grossen Fluss, der

deinde , ut occurrebant inviae nach Südwesten fliesst und schwer

cotes praeruptaeque rupes, inritus zu überschreiten ist. Von Ge-

labor videbatur obstante natura, sandten erfahrt er nun, dass alle

In seiner Verlegenheit kommt Vornehmen des Landes an einem

ihm aber das Glück zu Hilfe. Orte sich aufhielten. „Und mit

Vehemens favonius erat, et mul- 50 Reitern gieng ich voraus in

tarn materiam ceciderat miles, der Nacht, um zu gehen und

aditum per saxa molitus. Haec den Weg auszuforschen und die

vapore torrida iam inarserat. Stadt zu sehen. Denn es war

Ergo adgeri alias arbores iubet Nacht und wir kannten die Ge-

*) Nach Diod. c. 78, 2 und Curt. 6, 6, 22 mit 2000 Reitern.

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Untersuchungen wir Geschichte von Eran.

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Curt. 6, 6, 26 ff. Budge p. 203, 10 ff.

et igni dari alimenta: celeriter- wohnheit der Gegend nicht, und que stipitibus cumulatis fastigium deshalb war ich auch furchtsam, montis aequatum est. Tunc un- Da gieng ein qundaqör weg dique ignis iniectus cuncta con- und erforschte den Weg, kehrte prehendit. Flammam in ora hos- zurück und kam zu mir und sagte tium ventus ferebat, fumus ingens zu mir: Der Weg ist leicht und velut quadam nube absconderat die Stadt ist nicht gross. Da- caelum. Sonabant incendio silvae rauf zogen ich und meine Truppen atque ea quoque, quae non incen- gegen jene Stadt Und ich Hess derat miles, concepto igne proxima die Hörner blasen und die Truppen quaeque adurebant. Barbari sup- die Stadt umringen. Und ich pliciorum ultimum, si qua inter- Hess viel Holz herbeibringen und moreretur ignis, effugere temp- rings um die ganze Stadt ein tabant , sed qua flarama dederat Feuer anzünden, und die Truppen locum, hostis obstabat. Varia ausserhalb des Feuers stehen, igitur caede consumpti sunt : alii Und ich befahl , jeden , der aus in medios ignes, alii petris prae- der Stadt fliehen würde, zu töten, cipitavere se, quidam hostium Als die Leute in dieser Stadt manibus obtulerant, pauci semi- den Schall der Hörner hörten, ustulati venere in potestatem. kamen sie aus den Häusern heraus

und sahen das Feuer rings um die Stadt, und einige von ihnen wollten fliehen. Als sie aber aus der Stadt flohen, und von der Hand meiner Truppen starben, da kam ihr Haupt und die Vor- nehmen (204) in jener Stadt heraus aus der Stadt und riefen mit lauter Stimme: König Ale- xandras, wende deinen Grimm in Versöhnung und gebiete deine Diener nicht zu töten". Darauf Hess ich sie vor mich kommen, und als sie gekommen waren, befahl ich sie in Gewahrsam zu nehmen.

Nach Curtius hätte Alexander inzwischen den Krateros zur Belagerung von Artakoana zurückgelassen, wohin sich 13 000 Be- waffnete geflüchtet hatten. Nach der Bückkehr Alexanders von seiner Blutarbeit hätte sich die Festung alsbald ergeben, als er Miene machte, die Belagerungstürme heranzuführen. Allein diese Darstellung ist mit der Erzählung Arrians unvereinbar, der von einer Belagerung der Hauptstadt überhaupt nichts weiss. Die Situation ist sehr ähnlich wie bei der Züchtigung der sieben Städte von Sogdiana, Arr. 4, 2, 1. Curt 7, 6, 10, wo Alexander in der

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J. Marquart,

That den Krateros zur Belagerung von Kyropolis, der be- deutendsten derselben, aussendet, während er selbst sich gegen die fünf zunächstliegenden Platze wendet und dieselben ausmordet Wir werden später sehen, dass die im syrischen Alexanderroman erzählte Episode in der That dem Strafgericht gegen die sieben sogdischen Städte entspricht, und ich glaube daher, dass die von Curtius und Diodor berichtete Geschichte ursprünglich nur eine Variante der sogdischen Blutthat ist, die dann von einem Romantiker bei der Eroberung von Areia verwandt worden ist.

Wie weit Alexander bereits nach dem Osten vorgerückt war, als er seinen Vormarsch gegen Baktra einstellte und sich gegen Herät wandte , lässt sich aus unsern Berichten nicht entnehmen. Jedenfalls kann er aber Marw-i röS noch nicht erreicht gehabt haben. Denn wäre er von Bälä-Muryäb her gegen Herät an- gezogen, so hätten ihm die Begleiter des Satibarzanes auf ihrer Flucht nicht entgehen können. Er muss also von Westen her gegen die Stadt gerückt sein. Der König wird demnach, um die Wüste zwischen Tegend und Muryäb zu vermeiden, von Pul-i chätün südöstlich zum Egri-gök, einem linken Nebenfluss des Kusk-rüd an der heutigen afghanisch-russischen Grenze gezogen sein. In der Gegend von Ak-robät oder Öokan Sor erfuhr er den Abfall des Satibarzanes und zog sofort südwärts durch das Quellgebiet des Egri-gök über die Berge von Herät, wohl über Cälmä-säbz nach Nauchän gegenüber von Birnäbäd. Wie die 600 Stadien unterzubringen sind, welche Alexander in 2 Tagen zurücklegte, ist schwer zu bestimmen. Offenbar sind sie nur bis zu dem Punkte gerechnet, wo Alexander die Thalebene des Hare-rüd erreichte. Jedenfalls war aber Alexander von der Langsamkeit und Bedächtigkeit weit entfernt, die seine modernen Erben in Moskau, freilich keineswegs immer zum Nutzen der von ihnen vertretenen Kulturaufgabe, auszeichnet, und er hätte in diesem Schneckentempo wohl auch sein Ziel nie erreicht. Satibarzanes ist wohl nicht auf der Strasse von Herät über Marw-i röd nach Balch geflohen , sondern auf dem , schwierigen Weg, der von Herät ostwärts dem Thal des Har6-rüd entlang ins Gebirge und vom Quellgebiet des Flusses über die Bisse des Hindukus in die Thäler des Dehäs (Balchäb) und Sari-pul (des Flusses von Schibergän), sowie über Bämijän in die Thäler der Flüsse von Chulm und Qunduz führt.

Eratosthenes berechnet den ganzen Weg von Hekatompylos bis 'MtiMqtut ^ iv 'A9ttoiq auf 4530 Stadien (Strab. ««8,9 p. 514), womit Plinius* 575 mp. bis auf 10 röm. Meilen über- einstimmen. Es wird also zu schreiben sein DLXV. Die Entfernung der Provinz Areia von Hyrkanien wird auf etwa 6000 Stadien geschätzt (ta 10, 1 p. 516), eine Angabe, die auf einer Ver- wechslung mit der Distanz von den Kaspischen Thoren bis nach Alexandreia Ar. (6400 Stadien ut 8,9 p. 514) beruhen muss.

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Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 71

Die Länge von Areia wird auf 2000 Stadien angegeben, die Breite in der Ebene auf 300 Stadien. 4580 Stadien würden etwa 113 Fars. und 16 arabischen Tagereisen a 7 Pars, entsprechen.

3. ÜaQaxod&Qag, IlaQonaviaadai, Paraöäta.

IlaQaxoa&QaQ ist der Name des Alburzgebirges bei ßtrab. ta 8, 1 p. 511 : xaXnxat 6h (ii%(ft öevqo (bis zum Flusse Ochos- Tegend und £*$viog) iatb tfjg 'A^uviag dunnvov % fuxqbv ano- Utnov Jla^oa^cj. Vgl. 8, 8 p. 514. 12, 4 p. 522. 14, 1 p. 527.

Dazu verhält sich der Pahlawiname Pataichwdri-gar)1) wie P&düä zu aw. Bora- öäta, d. h. PataSchwär ist die Übersetzung von nuQazod&QCcg .

de Lagarde, Beitrage zur baktrischen Lexikographie 51. Mitteilungen I 148 erklärt PeSxwar [so!] oder Padaschwar(-gar)

[so!] als .das vor Xwar [lies Chwär ^ i. i.

gelegene Land*. Die Pahlawlform von Chwär ist aber Chwärth (Bundah. XII 2 West), das auf ap. *Hu-aftra zurückgeht8). Letztere Form setzt in der That ffaiago noch voraus, während bereits Strabon ta 9, 1 p. 514 (aus jüngerer Quelle) die Landschaft Xw^vri, Isidor von Charax Xoa^v^1) nennen, und die Stadt bei Plin. 6, 44 Choara, bei Oros. I 2, 16 Charrae heisst. Der persische Stamm (richtiger Sippe) Pätühuwariä

*) Derselbe findet sich auch bei Ihn al FaqTh P.P, ult., wo für

das £^£li>Jj oder ^yA\JJ^ der Hss. j^JjjZkXi} herzustellen ist; vgl Ihn Chord. K1, 1. Ebenso ist als Titel des Mäzijär Tab. III

TU, 11 »U^^t^i^j oder »U^^jI^ÄvXj Irttwär- oder Paöaxwär-

garSäh für v>Läji> berzustellen. Die Form PatäaAar bei

Ps. Mos. Chor. 2, 53 ist wohl sicher in Butizahor zu ändern ; vgl. z. B.

arm. Nüiorakan, arab.-pers. e>L^lÄlJ, ^l^dtfdl, pers. »jjJai.

Vgl. weiter Uber den Namen de Lagarde, Beiträge zur baktrischen Lexikographie 51 ff. Spiegel, Eran. Altertumskunde 1, 61. 197. JubM, Beiträge zur Geogr. des alten Persiens 2, 3. Nöldeke, Bezzen- bergers Beitrage IV 47 N. 2. de Lagarde, Mitteilungen I 148. HI 260 N. 1. 288 N. 1 und jetzt Hubschmann, Armen. Gramm. I 1, 66.

*) Heute Qyiläq Chwär oder ejj »i^y östlich von den Kaspischen

Thoren. Vgl. W. Tomaschek, Zur hist. Topographie von Persien I 80 WSB. Bd. 102, 222.

«) Darmesteter, Etudes iran. II 85. 191.

*) Bei Ptol. 6, 5 p. 400, 1 zu XöQoavy verdorben und an falsche Stelle geraten.

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72 Marquart,

(eine patronymische Vrddhibildung , vgL ap. Märgawa1) und die Patttä'arra der Sargoninschriften (in Medien) haben also, wie ich bereits Assyriaka S. 647 N. 559 betont habe, mit Pataschwärgar nichts zu thun*).

Von der jüngern Form geht der Name Xcooofuxf^tfvij aus, welchen jenes Gebirge bei Ptol. g 2 p. 391 , 28 führt. Ich weiss für den zweiten Teil keine sichere Erklärung. Sollte am Ende gar der Name des in Baj ansässigen Geschlechtes Mihrän darin stecken, also Ckwär~i Mi&ren 8) (mit m edischer Imäla für Mifrrän) ?

Der Name Allntrz, aw. Hara bzrdzaM, erscheint zuerst bei Orosius 1. L in der Form Ariobarzanes 4) , einer Angleichung an den bekannten Personennamen, statt 'AQoßaQ^axig .

Der Name des Gebirges IlaQvdd^fjg = arm. Parchar in der Nähe des Pontos braucht mit IlaQcexoa^Qag keineswegs formell identisch zu sein, sondern kann ganz wohl auf ap. *paru Jwu>aftra zurückgehen, wie La gar de behauptet hatte6). Die Wiedergabo des ap. dr durch dp hat ihr Analo^on in Msya<stö(p\q Her. rj 72, falls dies = bagaci&ra , sowie in 'Ot-ivdfxtg (lies 'OjzitiQccg) Ktes. ecl. 496)y mit falschem Nasalstrich für Deinons 'OjjaOptfs Plut. Artox. 1. 5, wie in CExwdutvog für COxvöutvog, Diod. 71,1

*) In Nriaalot tnnoi Her. y 106. tj 40. t 20 d. i. ap. *Naisäjä(h) a*pä(h) Rosse von Nisaja liegt eine ähnliche Vrddhibildung vor. Von hier aus wurde das e = ai der Vrddhi bei den Hellenen auch auf den Namen der Landschaft Ubertragen : N^aaiov itsdLov Her. 7j 40

ap. Nisäja (von W. «, xeto&ai -f n»), arab.-pers. Lo Ibn al Faq.

5. t*A. , 13. Jäq. IV vva, 7. Ahnlich KüruS, hebr. gr. Küqos

zu Kuru-f der Monatsname BägajädLs nach dem darin gefeierten Fest des Baga (*bagajäda , sogdisch ^jLXää) •= Mitfra , später M&Qtxxaya Mihragän.

*) Gegen de Lagarde, MitteU. I 148. IU 260 N. 1. 288 N. 1.

•) Im gössen Bundahiin 31, 36 ff. (West, Pahlavi Texts I 139 f.) ist von drei Paaren die Rede, die von Säm abstammen. Eines der- selben, namens Chusrau, erhält hier merkwürdigerweise die Regierung von Raj. Ein anderes Paar wird Märgandak genannt, welchem das Königreich, Wald- und Bergdistrikte von Padaickwärgar gegeben werden. Sollte für Märgandak vielleicht Mihri(w)andak zu lesen sein? Dies ist der Beiname eines Mihrän (s. Just i, Iranisches Namen- buch unter Mi^räna Nr. 13, S. 214*>), sowie des Bahrain (Üöbfn (s. eb. S. 868 b unter Werebraghna Nr. 23, sowie Hübschmann, Arm. Gramm. I 1, 52}. T)ie richtige Pahlawischreibung wäre freilich Mi&re-bandak; vgl. auch die Schreibung Mäh-LuruUik Bund. 33,7 bei West a. a. O. p. 147.

*) Vgl. Tomaschek a. a. O. S. 82 = 224.

5) Vgl. jetzt H. Hübschmann, Armen. Gramm. I 1, 66f.

«) 'Adqaicavav (acc.) bei Isidor von Charax = ap. Ätrpäwna (gen.) ist dagegen anders zu beurteilen.

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Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 73

Zoyiucvog, Pausan. 6, 5, 7 Soydiog d. L ap. *SugucUjal). Es bleibt aber unsicher, ob man JJa^vaS^r\g als *paru-hädr = *paru-chädr aufzufassen hat, so dass wir bereits die in armen. Parchar vor- liegende Vertretung von ap. huw durch armen, ch (bezw. h) zu erkennen hätten, oder aber als *pcar-huwädr mit Abfall des Stammvokals des ersten Kompositionsgliedes, wie in IlaQfilatig (Ktes. ecl. 3. 52) = ap. *Paru-misa (vgl. Wahu-misa, Beh. 2, 49 ft.,

'Q.filarig Plut. Artox. 4), QaqZiQig = np. -f^-jS.

Dagegen liegt die Präposition para- auch vor in Pa-ar-ti- pa-ra-e-sa-cm-na, welches in der babylonischen Version der Inschrift von Behistün 1. 6 das ap. Gandära wiedergibt. Es ist abzuteilen Par-uparaesana d. i. ap. *Para-upari8cuna „das yor (d. h. südlich von) dem üparisaina-gebirg gelegne Land*. Das Silbenzeichen ra- hat hier offenbar den Lautwert r oder wozu e das phone- tische Komplement bildet. Das Gebirge Uparisaina erscheint als &ata upatrisaena im Jasna 10, 11. Es heisst hier, die Vögel hätten den Hauma zu dem Gebirge Sata-upairi-saena gebracht, was Barth olomae, K. Z. 29, 487 mit „die Überadlerscharten * übersetzt Es folgen noch mehrere Gebirgsnamen , die jedoch bis jetzt nicht lokalisierbar sind3). Auch jt. 19, 3 erscheint das Gebirge §ata npairi-saena in der Umgebung von lauter bis jetzt nicht identifizierbaren Namen. Im Mihr jaSt 13. 14 dagegen heisst es von Mithra: „Und von dort (der Hara borazaiti) wirft der Heilbringendste seine Blicke auf den Wohnsitz der Arier; da wo die mächtigen Fürsten die zahlreichen Truppen ordnen; da wo die hohen weidereichen, wasserreichen und nahrungspendenden Berge das Vieh mehren; da wo die tiefen Seen mit Salzwasser liegen ; da wo die grossen Ströme ihre Wogen herabwälzen, gegen oata3) und Pouruta f gegen Mouru und Haröfu, gegen Qavoa in Suyda und OhwGxris&m* .

Ein Blick auf die Karte zeigt, dass unter der Hara barazaiti hier die Paropamisoskette zu verstehen ist Soll mit dem Satz „gegen Öata und Pouruta* etc. die Richtung der Ströme be- zeichnet werden, so ist die Hara barazaiti zugleich als deren Ausgangspunkt zu betrachten, mit Ausnahme des Stromes von Soyd. Das hier genannte §.ta entspricht dem §ata upairi-saena der beiden andern Stellen. Wennschon das daneben stehende Fvwruta sich lautlich nicht völlig mit den von Ptolemaios 6, 18

*) Ein pleonas tucher Nasal findet sich auch im kappadokischen Monatsnamen Sov^qcoqv aus &tt&Q7\0QT\ Ch#a&r$ warft. Dagegen fehlt der NasaLstrich in Araq>i^vris Ktes. ecL 14 (lies 'Avta<piQvr\g\ Her. 'IrcacpQtvris ap. Windafarnä.

*) taerö -J- barösraiano Ubersetzt Bartholomae „die Spitzen, welche die Sterne auf dem Haupte tragen*.

*) So ist zu lesen für Aisata. ,

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J. Marquart,

p. 435, 8. 20 p. 437, 27 im nördlichen Arachosien, am Südabhang des Paropamisos , angesetzten JIaQovriwC deckt, nach denen die TJaQo-vrjtä oft} 6, 18 p. 434, 29 benannt sind1), so ist doch un- verkennbar, dass es etwa im heutigen Ghör zu suchen ist. Für Sata ergäbe sich etwa die Lage des Köh-i Bäbä, der Bergketten bei Bämijän. Freilich liegen die Quellen des Oxus, der nach Chw&rizm fliesst, noch viel weiter östlich in Badachsän und im Pamir, aber jenem Gebirgssystem entströmen die Flüsse von Herät und Marw wie die von Balch, Käbul und Kandahar. Der arabische Geograph al Ja'qöbl sagt: „Aus dem Gebirge von Bämijän kommen zahlreiche Quellen. Von diesen fliesst ein Strom nach Qandahär in einer Weglänge von einem Monat; ein Fluss geht aus einem andern Engpass nach Sagistan in einer Weglänge von einem Monat, ein anderer Fluss wendet sich nach Marw in einer Wegstrecke von 30 Tagen, ein anderer Fluss strömt nach Balch in einer Wegstrecke von 12 Tagen, noch ein anderer Fluss endlich nach Ghwärizm in einer Entfernung von 40 Tagen. All diese Flüsse kommen aus dem Gebirge von Bämijän wegen seiner grossen Erhebung2)." Unter dem Flusse, der nach Chwärizm fliesst, ist hier wohl der Fluss von Qunduz (Aq Sarai) zu ver- stehen, der gleichfalls in den Bergen von Bämijän entspringt und nachdem er unterhalb von Qunduz den durch mehrere Nebenflüsse verstärkten Fluss von Tälakän aufgenommen hat, unweit der Vereinigung des Pang und Wachsäb in den Oxus mündet. Er wird hier oflFenbar als der eigentliche Quellfluss des Oxus be- trachtet. Bei den Arabern heisst dieser Fluss KiLiJi und in seinem Unterlauf pUyail ^gj »Löwenfluss*. Auch das Bundahisn

(XX, 16. 17. 21. 22 bei West, P. T. I 79. 80) lfisst die Flüsse von Harew, Marw, Balch und den HStumand von Sagistän auf dem Apärsen-Gebirge entspringen.

Der Name Üpavri'Saena , ap. *Upari-saina hat sich noch bis mindestens ins 7. Jh. n. Chr. lebendig erhalten. Als der chinesische Pilger Hüan-cuang im Jahre 644 vom Nordosten des Königreiches Fo-U-Hsa-fang-na aufbrach, das Henry Yule mit dem Gebiete der ParäcYs in der Umgegend von Parwän gleichsetzt (JRAS. 1878, 104 N. 1 278), „il franchit des montagnes,

*) An der ersten Stelle lesen die meisten Hss. nach Wilberg und Grashoff JIap<rt»)Tcu, die Übrigen nagauiraiy Jlaooiqrat, JTapa^rrca, 6, 20 ist TlaQyvf{xai and TlaqyvlxKi die Lesart der Hss., wofür Grae- hoff IlaQovfjtat in den Text gesetzt hat. Auch in Areia nctQu tovg JJaQonaviaddas wird 6, 17 p. 433, 4 eine Völkerschaft TLaQOVxat genannt, wofiir Grashoff gleichfalls TIuQovf[Xcu vermutet Allein Uagotnat würde besser zu dem vourtUa des Awentä passen. Der Name pärwata von ind. parwata , Gebirge* bedeutet .Gebirgsbewohner'.

*) Ja'qübl, Geogr. ed. de Goeje S. tVI, 9 13.

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passa des ri vieres, et, apres avoir traverse plusieurs dizaines de petites villes situees sur les frontieres da royaume de Kia-pi-che (Kapica), ü arriva a un grand passage de montagne, appelä P*o- lo-si-na (VarasSna), qni fait partie des grandes raontagnes neigeoses. . . . Lee faucons eux-memes ne sauraient les franchir au vol; ils marchent pas ä pas, et reprennent leur essor" etc. Nach drei Tagen erst kam man auf die Passhöhe, und ebenso lange dauerte der Abstieg zum Königreiche 'An-ta-lo-po (Andaräb) am Fusse des Gebirges1).

Das Gebirge Po-h-si na ist also speziell diejenige Kette des Hindukus, welche die Thäler des Pangsir- und Ghörbandflusses von dem von Andarab trennt Po-h-si-na gibt so genau wie möglich die sanskritisierte mitteliranische Form von Uparisaina wieder, welche *Parasena oder * Varasena = pahl. Apars&n, Avarain bezw. * Parsal lauten musste *). Die Anekdote, dass sogar den Falken der Pass zu schwierig sei, soll offenbar den Namen desselben (»über den Adlern* bezw. nach der Bedeutung des ent- sprechenden indischen Wortes sjena „über den Falken") erklären. An den Namen Uparisaina knüpft auch die von Diodor 17, 83, 1 berichtete Sage an: xcrtct 9t fiioov xov Kccvxacov iföxi nkxQtt dexa axtx&Uw fypvact t^v ntqliUTQOv, xixxdqmv dh axaöUav xb Ctyoc, h y xai xt> Tl^o^dicag öitrjkcuov ideUvv^ vnb x&v iyxmqUav %al y xoü pv&oloyri&ivxog atxoü xotxrj xal xa x&v ösafi&v (typtta8). Dass die Hellenen hier an ihre Prometheussage erinnert wurden, ist begreiflich. Wahrscheinlich war aber der Adler, dessen Sitz hier gesucht wurde, der mythische Vogel Svmury (Saena maroyd) , der auf dem Alburz in der Nähe von Hindustan horstete und den kleinen Zäl aufzog4). Dem ap. * Uparisaina , mitteliranisch *Paraen entspräche genau ein griechisches *J7aoo*ifv6e, wofür wir aber bei Dionys. ntotrjy. 787, der hier wie gewöhnlich aus veralteter Quelle schöpft, die mit Bücksicht auf den heimischen Musensitz hellenisierte Form Ilaqvtiaög und bei Aristoteles Metereolog. 1, 13 die entsprechende

*) Hiouen-thsang, Memoire« trad. par Stan. Julien II p. 190s. Sam. Beal, Chinese Buddhist travellere to the West II 286.

*) Belegt ist in den Parsenschriften nur die entere form (ge- schrieben Apärsen), die aber im 7. Jahrh. ohne Zweifel bereits Vamen oder Parten mit Abfall des anlautenden a gesprochen wurde. Wahr- scheinlich war aber der Name im persischen Dialekte nicht mehr im lebendigen Gebrauch, sondern ist lediglich Transskription des Awesta- wortes. Vgl. schon Alex. Cunningham, The ancient geography of India 19. Da ich aber auf diese Gleichung Wert lege, so will ich ausdrücklich betonen, dass ich erst nachträglich die Übereinstimmung mit Cunningham bemerkte, nachdem meine obige Ansicht längst fest stand.

*) Vgl. Curt. 7, 3, 22. Strab. uc 5, 5 p. 505/6. ts 1, 8 p. 688.

«) Schahname VII 83. 100. 130, Ubs. von Rückert 1 138. 139. Hl.

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J. Marquart,

attische IlaQvaaaog treffen. Der geläufige griechische Name Ila^o- ndpuaog ist zunächst mit Anlehnung an den griechischen Flussnamen IIa ata 6g aus IIctQOTCccviGog *) und dieses aus *TIuQOTC(x{Q)viOog ent- standen, das selbst wieder eine unter dem Einflüsse der altern Form üaQvijöog vollzogene Umbildung von Para^partsatna, mp. *Par-apar-sSn ist. Das Ethnikon ücc^onafucddai ist also eine selbständige griechische Bildung.

Während aber IlaQaxod&Qag das Gebirgsland nördlich von Chwär bezeichnet, ist Para-uparisaina der Name der Thal- landschaft Gandhära südlich vom.Uparisainagebirge.

Mit der oben besprochenen Präposition para- = np. pU „vor" ist auch der Beiname Haofcjanha's, des ersten Herrschers von Iran, Para-iäta gebildet. Derselbe ist stehendes Epitheton des Haosjanha jt 5, 21. 9, 3. 15, 7, Wend. 20, 1. 2 dagegen wird er auf die Heroen der Vorzeit im allgemeinen angewandt. Allein die spezielle Beziehung auf Haosjanha ist offenbar das Ursprüngliche und da kann er nichts anderes bedeuten als »der Erstgeschaffene', der erste Mensch. Haosjanha ist der Begründer der Souveränetät, der dahjupaüi- Würde , während sein Bruder Wehkart {Wikart) „der gutgeschaffene* (aw. wahrscheinlich * Wohu-daia) als Ur- heber des Dihq an Standes (aw. wahrscheinlich vispaiti) und des geregelten Ackerbaues gilt: „the original establishment of law and custom; that of vülage, superintendence (dtfiänkänih), for the cultivation and nourishment of the world, dependent upon Vaegergö* the Pesdädian ; and that of monarchy, for the protection and government of the creatures, upon Hö&äng the Pesdädian' *). Auf Webkart führten die Dihqäne des Sawäd ihren Stammbaum

zurück, welche unter den von Eri6 im Sawäd eingesetzten Sahrigän (i^UJiJl) = äöi&rapaüi standen und in fünf Klassen zerfielen»).

Wenn im Dlnkart auch Wehkart das Epitheton Peidäi erhält, so ist das ungenau, und die Erklärung dieses Beinamens im Kommentar des Wendidäö* 20, 1 : „parce qu'ils ont les premiers mis en vigueur la loi de la royaute* (dät-i chwatäih), ist sprach- lich falsch, wie alle Erklärungen, welche darin das Wort data »Gesetz11 sehen. So heisst es bei Tab. I Ivl: „Man berichtet,

l) Diese Form findet sich bei Ptol., sowie bei den röm. Geographen (Plin. 6, 48), während Diodor, Arrian, Strabon IlaQoitduujoSy TlaQOTtcciH- aädai vorziehen, Curtius Parapamisus , Parapamisadao. Bei Justin 12, 5, 9. 13, 4, 21 hat Gutschmid Parapamesos Parapamesadae her- gestellt. Vgl. Kiepert, Lehrbuch d. alten Geographie § 62 S. 59.

*) Dlnkart VUI 13, 5 Waegeret PeädäSe. West, Pahlavi Texts IT 26.501 nach Darmesteter, Le Zendavesta IT 371 n. 26. Dlnkart

VII 1, 16—18. V 4, 2 bei West, P. T. V 8. 128. Ilamza M, 14.

Bemni PW, ffo,

*) Mas'üdi, Murüg II 240.

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Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 77

dass er (O&hang) der erste war, welcher die Rechtsordnungen und Strafen festsetzte und davon den Beinamen PSi däö führte, der auf persisch bedeutet: „der erste, welcher nach Gerechtigkeit Urteil sprach*. Denn peä bedeutet „der erste* und däS bedeutet Gerechtigkeit und Rechtsprechung

Aus diesem Missverständnis in Verbindung mit der Stelle Wend. 20, 1. 2, wo das Wort im Plural steht1), ist die Dynastie der PZädädür entstanden, die sich meines Wissens zuerst bei al ChuwärizmT, Mafätlfo aMüm 1A, 10 ff. und BerünT, Chronologie

«, ».r, U*1, t.1, U findet. Nach der gewöhnlichen Ansicht rech- nete man, wie BSrünT angibt, zu den Pesdädiern die Könige

Hösang, Tahmöralr , Garn, Aldahäk und Fredfin. Ein anderes System aber, dem auch al ChuwärizmT folgt, fasste unter jenem Namen alle mythischen Herrscher von Gajömarö bis auf Karsäsp zusammen.

4. Ober einige skythisch-iranische Völkernamen.

Die Versuchung liegt nahe, auch den Namen des Königs- stammes der iranischen Skythen oder Skoloten, Tla^aXarai (Her. <J 6) als paraÖäta „die Erstgeschaffenen" aufzufassen. Hier wurde das Wort aber keinen zeitlichen, sondern einen politischen und sozialen Vorrang bezeichnen. Allein der Lautwandel von aw. d in skyth. I ist sehr bedenklich und müsste erst durch andere Beispiele belegt sein. Zudem wird es durch eine Reihe anderer Namen nahegelegt, -tat als Endung abzutrennen.

Nach Herodot trieben die Massageten, welche jenseits des Araxes wohnten (a 201), keinen Ackerbau, sondern lebten von Fischen, von welchen der Araxes wimmelte, und der Milch ihrer Herden*). Der Araxes bildete nach ihm ein Mündungsdelta von 40 Armen, von welchen nur ein einziger sich ins Kaspische Meer ergiesse nämlich der von Herodots Gewährsmann mit dem ostiranischen verbunden gedachte armenische Araxes die übrigen aber ig Skia %t xal xsvayta ixSidoi' iv xotdi av&Qomovg Tuczoutfjo&cei Uyovöi i%&tig cbftovg ftrtopivovc, icdijti öh vop,i%ovxug XoüG&ai tpamitov dig^iadi (a 202). Damit sind die Wohnsitze der Massageten oder eines Teiles derselben deutlich in die Nähe des Aralsees verlegt. Noch klarer geht dies aus der Beschreibung Strabons hervor, welcher, wenn auch durch mehrere Mittelglieder, auf dieselbe Quelle zurückgeht wie Herodot, nämlich Hekataios.

') Möglieherweise sind aber die dort im Plural stehenden Epitheta der Helden der Vorzeit nach Art der lat. Plurale Catones, Scipiones .Leute wie CatoB aufzufassen, zumal der Kommentar jedes derselben auf einen speziellen Helden bezieht.

*) &1X &itb xirpritov £<feovai xal l%ftv<ov 61 <J1 ucp&ovot atpi ix toO '4pcc£*<» noraftoü nctQayLvovxcti yukaxxonfaai J* slal.

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J. Marquart,

Nach ihm münden die übrigen Arme des Araxes eig rr)v alXr\v x^v itqbg ixQxxotg ftakattctv, die Bobben, in deren Felle sich die Bewohner kleiden, werden ausdrücklich als vom Meere stammend bezeichnet1).

Die Fischnahrung galt demnach als eine bemerkenswerte Eigentümlichkeit der Massageten, und nach dieser sind sie that- sächlich benannt. Maaaaylxat gehört zu aw. mcutjö (skt. matsja) „Fisch* , das in Wirklichkeit massjö gesprochen wurde , woraus sich die neueren Formen (np. mäht, kurd. mäst) erklaren. Die Verdopplung wird in der Awestäschrift nicht geschrieben. Vgl. Bartholomae, Grundriss der iran. Phil. I § 5 N. 5. Von massja ist zunächst mittelst des Suffixes -ka1 osset. äa das Sub- stantiv *ma88ja-ka, *massja-ga gebildet, wozu MaGöaykcu der mit der ossetischen Pluralendung -tlä versehene Plural ist2).

Ebenso zu erklären sind die Namen Bvoaayi-xai Her. d 22. 122, Plin. 6, 19; Zavgoyuu-xcti Hvgpa-xcci ZaQpa-xai d. L *8auru-ma (mit u- Epenthese) , *lSar-ma , vgL aw. oahrtma ; Tvotyi-xai Strab. £ 3, 17 p. 806, ein Überrest der Skythen am Tyras8); 'lo^upa-xui (Ptol.) oder 'la^a^-xai Skymn. 879 ff., %ißa-xai Hekat. fr. 166, Mela 1, 114 Ixamatae etc., Plin. 6, 21 Mazamacae vgl. Ps. Mos. Chor. Geogr. p. 86 Soukry Nachca-mcUeankf = *Ia£a(uxxai*)\ StOafuc-rai , 2avöccQa-xcci Latyscheff I 16 B, 9; Mvqyi-xai Hekat fr. 155 (falls nicht TvQccyi-xai zu lesen ist); Maxvxi-xai ib. fr. 156; Ncnta-xcu Apollon. Rhod. Argon. 758, vgl Steph. Byz. Ncattg- xoSfu; E%v&tttg. 6 oüxt/Ttöp Najuxxrjg Ncmlxi\g neben Nwtai Diod. 2 , 43 , 4 , Napaei Plin. 6 , 50 , Inapaei § 22, Naprae § 20 6), Napaei Ammian. Marcell. 22, 8, 33, im Alexander- roman I 2 cod. A und L Aanaxsg (neben BovOtioqoi) ; Sarge -tae Ammian 22, 8, 38, 2a<yycawi Ptol. 8, 5, 23, Sardetae für Sarge tae Karte des Gastorius Segm. IX 3 ed. Miller. Vor allen aber gehört hieher der einheimische Name der Skythen, 2x6koxot Her. S 6. Der reine Stamm desselben liegt vor im Namen des £co/o-pitus Justin 2,4,1, der mit seinem Bruder Plinos aus der Heimat vertrieben nach Themiskyra am Thermodon auswanderte. Plinos für *IIctX-lvog ist hier der Vertreter der ndkot; vgl. Ptacia Plin. 4, 86 = üccXaxiov Strab. f 4, 7 p. 312, wahrscheinlich benannt nach Ilak-coiog, dem Sohne des taurischen Königs Skiluros Strab. £ 3, 17 p. 306. 4,3 p. 809 8).

») Strab. ia 8, 6. 7 p. 513.

*) Diese Etymologie, die ich selbstfindig gefunden habe, vertritt bereit« Tomaschek, Kritik der ältesten Nachrichten über den sky- thischen Norden II 47 vgl. 34.

3) Vgl. MUllen hoff, Deutsche Altertumskunde III 86.

*) Vgl. Mulle n hoff a. a. O. 32*

») Vgl. Müllenhoff, D. A. 1H 28*. 89.

•) Vgl. Müllenhoff a. a. O. IH 58.

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Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 79

Scolo-pitus ist gebildet wie 'Aqui-itsl&rig Her. d 76. 78, £ita{fycc- ntixhjg König der Agathyrsen Her. d 78, ein Skythe d 76, und wäre also richtig Scolo-pithes zu schreiben. Ebenso erkennt man den Volksnamen im Namen des skythischen Königs £y.vkr\g Her. 6 76. 78, sowie in Kola-£aig, dem Namen des jüngsten der drei Söhne des skythischen Urkönigs Ta^y ixaog, von welchem die königliche Horde der IIuquXccxui abstammte Her. d 5. 7 1). kqIcc- steht neben scolo- wie IUkoi Diod. 2 , 48 , 4 , Palaei Plin. h. n. 6, 50 neben Spali Jordan. Get. c. 4, Satharchei Spalaei Plin. 6, 22, und wie aw. sta&ra Spitze jt 12, 25 neben tacra , aL spdsas neben pdvjati, gr. cxiyog neben riyoc u. 8. w. Vgl. Bartholom aeT KZ. 29, 487.

Dass obige Auffassung der skythischen Namen auf -rat richtig ist2), beweist die Glosse: xag 6¥Apa£6vag lucXiowsi Hxv&tu OioQrcaxa, Övvocx&i dl ovopa xoüxo xccxcc EkkccÖcc yXcbooav ccvöqoxtovoi' oioq yao y.akiovüi &v6q€c , t6 dh nccxa xxelvuv Her. d 110. Hier ist also der Name Olöqjtccxcc offenbar eine Pluralform, als deren Singular wir zunächst oloona- anzusetzen haben oioo d i *icoir ist durch aw. urfra „Mann, Held", skt. u>ird, pahl. urfr hinlänglich gedeckt. Vielleicht haben wir für das Skythische eine Nebenform »womi-, *wair- anzusetzen. Der Begriff des Tötens muss also in PA liegen. Damit ist allerdings vom iranischen Standpunkte aus nichts zu machen, es wäre aber der Glosse genügt, ^wenn wir OIOPr< N>A TA = *waira-(jna-ta (vgL twr*dra-yna . Warth ra- töter*) lesen dürften. Die Annahme einer Verderbnis aus Olo(>Zaxcc (r aus Z), das dann direkt = aw. wira-ljan jt 13, 87 wäre, scheint mir dagegen zu kühn.

Wie ZxoXo-xot etc. ist nun auch na^U-xai zu beurteilen: -xai ist Pluralendung, parala- der Stamm. Wir können nun wenigstens 6in sicheres Beispiel nachweisen, in welchem l im Alanischen durch Dissimilation aus n entstanden ist: die alanischen I^ü&Xavol werden in dem Ehrendekret der Chersonesiten für Diophantos (ca. 107 v. Chr.) Z. 22 *Ptv^tvaXoi, genannt8), bei Ptol. 8,5 p. 201, 24 'PsvxavciXot (statt *Ptv!-avaXoi) neben fito£o Xarol p. 200, 27. Gleich andern skythischen Völkernamen4)

l) Vgl. auch Stein zu Her. 4, 6.

*) Wie ich nachträglich aus dem Referate von J. Hanusz, WZKM. I 156/57 sehe, hat schon Wsewolod Miller, Die epi- pniphischen Spuren des Iraniertums im Süden Busslands (Journal des Ministeriums für Volksaufklärung, St. Petersburg 1886, Oktober, B. 232—283 [nus.]) die skythisch-sarmatischen Stammnamen auf -rat vermittelst des ossetischen rluralsuffixes auf -tä erklärt, in welchem er ein ural-altaisches Element vermutet. Er vergleicht dazu die finnisch- ugrischen Plurale auf -t-.

*) Dittenberger, Sylloge inscriptionum ßraec. no. 252. L&ty- s che ff, Inscriptiones graec&e orae septentrionahs Ponti Euxini n. 185.

4) Z. B. Kovcnf)6g Latyscheff H 100 zu Kovaibipol ; vgl. meine Osteuropäischen und ostasiatischen Streifzüge S. 55 Anm. 2. Ndßafrg

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J. Marquart,

wird auch dieser als Personenname verwandt und erscheint in der Form fRva/vaJU>s auf den Inschriften (Latyscheff II 296 N. 88). Beide Formen gehen offenbar auf ein iranisches rauchsnäna zurück. Auf den skythischen Namen PriGnivÜiaXoq aus Olbia Latyscheff 1104 N. 68, alanisch Bespendial (a. 406) Gregor. Turon. 2, 9 will ich mich nicht berufen, da noch keine plausible Etymologie desselben gefunden ist1). Dagegen steht ebenso neben dem persischen Stamm üccv^ucXatoi Her. a 125 die Station Pantyene Tab. Peut. Segm. XII 2, Geogr. Rav. p. 52, 7 Patienas*). Auch den Namen ^AXoywvtj Ktes. ecl. 44 möchte ich jetzt durch Dissimilation aus *wana(h)-gauna = aw. *wanat- gawna „Gestalt ersiegend* (vgl. 'Ova-yiqvijg = *icana(h)-farna „die Majestät ersiegend*) erklären.

In diesen Zusammenhang gerückt erscheint es selbst möglich, dass der parthische Königsname Volagases, "»»ab*) WalagaS, zu betonen Waldyaä, woraus phl. Wcdachö, arm. Walari, eine ähnliche Bildung und Bedeutung aufweist: vxUa-gaä = aw. *wanat-gaäa. Vgl. den etwas altern gleichfalls parthischen tTiAoq>iifws » rovöayuQrjg. Gomdafarna etc. = WindcUjiYfarr, Gundafayfarr, ap. Winda(hy farnä (oben S. 4 und Anra. 5). Das zweite Element ist np. gai 1) pulcer, bonus, 2) modus incedendi cum venustate et fastu et hilaritate (Vullers), das auch in dem parthischen Namen Abda- gases% sowie in den skythischen Namen raöCyaoog Latyscheff

Lat. II 447 = aw. Nawäita eb. S. 55 Anm. 3. .Sccppara? Lat. II 402; SavQOiukrK-, 2x6£og Lat. II 404 d. i. *ShOa, die einheimische Form des den Griechen in Rleinasien bekannt gewordenen Stammnamens Exv&ai, assyr. Aiküqäja (unten S. 111).

*) Vgl. dazu Müllenhoff, DA. III 113. 206. Justi, Iran. Namenbuch 260 b.

*) Vgl. auchTomaschek, Zur histor. Topographie von Persien 1 34.

*) Es sind zwei Personen dieses Namens bekannt, a) Der Bruders» söhn des Gundafarr: Genitiv ABAATAEDT , kharosthi Atoadagasasa, Hawadagcufasa auf den sakiscu-parthischen Münzen Gardne r, The coins of the Greek and Scythic Kings of Bactria and India p. 107/8, PI. XXIII 1 3. Alex. Cunningham, Numism. Chronicle 1890, p. 117 121. Hör nie, Copper-coins of Abdagases, Proc. JRAS. Beng. 1895,82 84. Im Evangelium loannis de transitu Mariae bei Tischendorf, Apo- calypses apocryphae p. 101 entspricht ihm Accßddviie, der Schwester- sohn des Königs von Indien (für Aß9dvr\<s oder syr. yt^X ■= pers.

Abdän, ein Hypokoristikon auf -än); vgl. Sylvain L<Wi, Notes sur les Indo Scythes. Journ. as. 1897, 1, 35. b) Der Vater des Sinnakes: Tac. ann. 6 , 36. 37. 43. 44 Abdagaeses, Jos. dcgX- "1 333 f. 'Aßiayci<tTjgy

syr. Q\ (arm. W^^Jr/ulf Abdecke) und , ~«Jt

Addailegende ed. Phillips p. 4. 1 (oben S. 11) für

Abdachi oder -*it"NN. AbdarS aus *AbddyaS (wie WatarU,

WalachS aus WaldyaH), gewöhnlich j+«QX (Hypokoristikon, fälschlich

von jenem unterschieden) p. 4. V&^> 12. )0, 23, von aw. abdat phl. avd „wunderbar".

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Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 81

II 447, 'Oo<Si[yao]og ib. 446 (beide aus Tanais), Ovatyaaog ib. I 55 (Olbia) und vielleicht in Ova-y[a]aig ib. H 389, parthisch Vagasis Justin 41 , 6 , 7 vorkommt. Vgl. meine Beiträge zur Geschichte und Sage von Eran; ZDMG. 49, 636 Anm. 4 und J u s t i , Iranisches Namenbuch 495. Dahin gehört , wie ich glaube , auch der skythische Name des Kaukasus , Orou-casim (lies -gasiiu) id est nive candidum Plin. 6 , 50. Ist die vorgeschlagene Etymologie von Volagases richtig, so bildet dieser Name einen weiteren Beweis für die enge Verwandtschaft der dänischen Parner, des Kriegsadels der Parther, mit den Skythen und Sarmaten.

Der parthische Satrap Eika%r\gy ZiXXccw^g von Mesopotamien, der beim Feldzug des Crassus neben dem Surenas genannt wird, ist- tbatsächlich , wie eine eingehende Quellenkritik zeigt, mit diesem identisch. Der Sieg über Crassus findet bei Zivvicv.cc statt (Strab. iq 1, 23 p. 747. Plut. Crass. 29), das wohl erst nach dem Sieger benannt ist , vielleicht allerdings schon nach dem frühern Statthalter von Mesopotamien Mi&QidaTrjg Ztvaxrjg a. 88 v. Chr. Jos. aq%. 13 § 384. Ich sehe daher in 2iku*r\g bezw. EdXaKr\g nur eine Nebenform von Zivuxr\g, Zivvaxrig, dem eigentlichen Namen des Surenas. Der von Tacitus (ann. 6,31. 32. 36) erwähnte täinnaces, der Sohn des Surena Abdagaeses 1),

wird in der Addailegende ^ rt tnr> (p. y^J, l)2) oder

)t.r> > ^ JO-U3D (p. )0, 23) genannt, sein clort neben ihm auf- tretender Verwandter Abdus*) heisst hier p. ^, 10 (neben ^j/ d. i. Izal). 2 16 in r>^>\ verstümmelt.

Nach diesen mehr oder weniger sicheren Beispielen dürfte es nicht als zu gewagt erscheinen , Ilacyakd-tai auf ap. parana früher* zurückzuführen. In der Karte des Castorius Segm. XI 4 V erscheint der Name in der Form PARALOCAE SCYTHAE, von einer Form *parala-k, wie der Personenname ISauronya-ces

(Ammian. 27, 12, 4. 16. 30, 2, 4), georg. JSaurrna-g, arm. X\ncj$tfiuff

x) S. meine Beiträge zur Geschichte und Sage von Eran. ZDMG. 49, 636.

*) An dieser Stelle wird in Wirklichkeit sein Sohn JjlSQ^ <t^v ° 1 ^ genannt. T^eböbenä (durch Dissimilation für *Nebö-bmn) „Nebo hat geschaffen* ist hier aramäische Übersetzung des parthischen Tiridate». p. V^i, ^ der Name in **2QZb/ ver- dorben. Ttr = Merkur (Nabu), der Stern der Schreiber Berün! l*Hy:2.

*) Hypokoristikon auf für gemeiniranisch -üi, nach skythischer Weise von Abdagases. Vgl. TovQiovas* Strab. tct 11, 2 p. 517 und meine Bemerkungen Unters, zur Gesch. von Eran I 70. 55u der Bildung überhaupt W. Sc hulze, KZ. 33,376. Justi, Iran. Namenbuch 525.

Marqu»rt, Untenaohtragen. U. 6

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J. Marquart,

Surmak Ps. Mos. Chor. 3, 68. 64. 66 neben dem Volksnaraen ZccvQO(jut-xai.

[Anders als in den obigen Beispielen ist wohl das / im Namen der Alanen zu erklären, das durch die einmütige Be- zeugung der griechisch - lateinischen , chinesischen, armenischen und arabisch-persischen Litteratur völlig sicher steht. Die Formen

lauten 'Mavol, Alani, A-lan-na, Wjufitp* alLän aus

pers. Alan. Wir können ein solches Wort aber noch als Appellativ im Armenischen nachweisen, welches dasselbe aus dem Parthischen

entlehnt haben muss. Ugfär Alan allein findet sich als Eigen- name eines Arcruniers bei fcazar P'arpec'i (Venedig 1892) S. 17. 139. 206. 644, und als zweiter Teil des zusammengesetzten Namens S>ufüqauqufü Zand- al an „aus dem ostanischen Hause* taz. 196. Besonders wichtig ist aber \\j[ufiiuynqtuü Alana-jozan,

ein Heerführer des Königs Säpür Tl., welcher ein Bahlav war aus dem Hause der Arschakunier* Faust. Byz. 4, 38 S. 156. Ps. Moses Chor. 3, 34 S. 221 nennt ihn Jj^uättunqu/u Alanaozan (v. 1. W^fusiänqusL Alanozan), ein Pahlavik, welcher ein Ver- wandter des (armenischen Königs) ArSak war. Alana-jozan ist

gebildet wie Razmiozan d. i. pers. *razm'Jözän „Kampf suchend*. Vgl. Hübschmann, Arm. Gr. I 17. 69. Hübschmann hat aber übersehen , dass das Wort sich auch in zwei armenischen Appellativa findet. Bei Faustos Byz. 4, 2 S. 68 erhält das armenische Adelshaus der Mamikonier unter einer Menge anderer auch

die Epitheta tuqufütuqijßß UMqufütuq-ftiuu^p u»ph-mJ£uytulMf>

i[iupi^iäustfuJijft^p , von denen nur das dritte rein armenisch ist:

„Adlerstandarten führend*. Die drei übrigen Ausdrücke sind sämtlich ana| Xsyofuva, Die beiden ersten haben als zweites

Kompositionsglied die Wörter »Volk , Geschlecht* und

t (Lehnwort aus iranisch drafäa, drafl) „Banner" ; warbnaka-

nüÜ setzt als erstes Glied ein Adjektiv *toarznak voraus, das aus pahl. *warzänak oder *warzenak, arm. *warzinak verkürzt ist1), von np. warg „Grösse, Würde*, phl. warz (Horn, Grundriss der Neupers. Etymologie Nr. 1077). Die drei letzten Ausdrücke sind also Synonyma, und daraus ergibt sich, dass alän ein Appellativum (vermutlich Adjektiv) mit der Bedeutung „siegreich, ruhmvoll, würdig* oder ähnlich gewesen sein muss8). Der Volksname Alanen wird demnach ein Ebren-

*) Zum Ausfall des a vgl. die Geschlechtenamen Wahn-unüc' zu Wahan «= Wahagn, aw. Wmdrayna, Bagrai-uni zu Baga-rat. S. diese Untere. I 45 Anm. 3.

*) Das grosse Venediger Wörterbuch denkt an die Alanen oder

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Untersuchungen zur Geschichte von Eran.

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name sein, den sich das Volk selbst beilegte und der eine Gruppe verschiedennamiger iranischer Nomadenstämme der kaspisch- pontischen Steppen zu einer politischen Einheit zusammenfasste. Der Name ist augenscheinlich jüngerer Bildung als die zahlreichen älteren Stammnamen, die meist mit den Suffixen -ma (Plur. -fjuc-Tai) und -ka, -ga (Plur. -xcn, -cae, -yi-xai) gebildet sind. Dies wird nun vollständig durch die historischen Zeugnisse bestätigt. Aus dem Hou-Han-su erfahren wir, dass die A-lan-na früher An-te'ai (gewöhnlich Jen-ts'ai gelesen) hiessen und später ihren Namen geändert hatten1). Die Alanen werden zuerst im Jahre 35 n. Chr. von Josephos erwähnt2); allein die alte lateinische Übersetzung liest Scythas, was Naber ohne weiteres in den Text aufgenommen hat, ohne den Leser auch nur mit einer Silbe über die Lesart der freilich weit jüngeren griechischen Handschriften zu unterrichten. Da aber auch Tacitus ann. 6, 33 im gleichen Zusammenhang nur von Sarmaten redet, so ist es aller- dings möglich, dass das JAkavol der griechischen Hss. auf eine im Hinblick auf itok. 'Iovö. 7 § 244, wo auf die frühere Stelle verwiesen wird, vorgenommene Emendation eines Lesers zurück- geht8). Die nächste sichere Erwähnung der Alanen findet sich bei Lukan Pharsal. VIH 223 (zwischen 60—65). In den An ts'ai, was nach dem H6u-Han-su der frühere Name der Alanen war, haben Fr. Hirth und A. v. Gutschmid unabhängig von einander die Aorsen erkannt4), die zuletzt im Jahre 49 n. Chr. in der Geschichte auftreten, und zwar ganz in denselben Sitzen, die später die Alanen inne haben5).

Strabon unterscheidet von den Aorsen am Tanais die obern