K NS Tr LI4A09W WALYSAIT N NN 0 2 . ; 4 2) INN U 7273 7 755 E Si — 7 / G; 77 A — N 7 0 4 * , % { RN 9 . 25 . N 5 2 > in RS . .. CISCVS DARWIN + 2 KA 4 . 1 m) 7 O e O ee < 4 j | Er 8 N der = - Stubenvögel 3 b en 9 zur Kenntniß, Wartung, Zaͤhmung, Fortpflanzung und zum Fang derjenigen in- und auslaͤndiſchen Voͤgel, welche man in der Stube halten kann, von Dr. J. M. Bechſtein. Mit 6 forgfältig illuminirten Kupfertafeln, enthaltend 50 naturgetreue Ab— . der beliebteſten Stubenvögel, und 1 ſchwarzen E zur Verſinnlichung des Vogelfanges. Vierte vermehrte und verbeſſerte Auflage. E Halle, 1840. Verlag von Ed. Heynemann. u 4 Vorrede zur erſten Auflage. — on Ich uͤbergebe hier dem Publicum eine Naturge⸗ ſchichte der Stuben vogel, zu deren Ausarbeitung mich viele meiner Freunde und ſelbſt der Herr Verleger ſeit ver⸗ ſchiedenen Jahren aufgefordert haben. Es giebt ſo viele Perſonen, die ſich gern das Vergnuͤ⸗ gen machen wollen, dieſen oder jenen Vogel, der die Zaͤh⸗ mung vertraͤgt, um ſich zu haben, die aber nicht wiſſen, wie ſie ihn bekommen, geſchweige, wie ſie ihn erhalten und pfle⸗ gen ſollen; auch giebt es wieder andere, welche zwar ſchon einige Kenntniß der Stubenvoͤgel beſitzen, aber doch nicht die beſte und leichteſte Behandlungsart derſelben kennen — fuͤr dieſe Leſer iſt eigentlich zunaͤchſt gegenwaͤrtige Anleitung abgefaßt; denn Naturforſcher von Profeſſion wiſſen theils das hierher gehoͤrige ſchon, theils finden ſie das fuͤr ſie Merk⸗ wuͤrdige in andern und ſelbſt in meinen eigenen Schriften. Wenn eigene Beobachtung und Erfahrung einem Buche zur Empfehlung gereichen koͤnnen, fo kann ſich dieſes derſel⸗ ben ſchmeicheln. Von Kindheit an habe ich dieſe befieder- ten Geſellſchafter faſt alle um mich gehabt, und mich ſo an fie gewöhnt, daß ich faſt nicht mit der gehörigen Aufmerk⸗ ſamkeit und Luſt an meinem Pulte ſitzen und arbeiten kann, — VI Vorrede. wenn nicht meine Stube durch die Chöre der Singvoͤgel be— lebt wird. Ja meine Liebhaberei zu dieſen beflügelten Ge: ſchoͤpfen geht fo weit, daß immer dreißig bis ſechzig allein auf meiner Studierſtube anzutreffen ſind. Ganz natuͤrlich habe ich alſo auf Mittel gedacht, wie dieſelben nicht nur auf die leichteſte Art zu bekommen, ſondern auch am wohl⸗ feilſten, geſuͤndeſten und laͤngſten zu erhalten ſind. Beruf haͤtte ich alſo dazu, eine ſolche Naturgeſchichte zu ſchreiben — wäre doch nun die Ausführung auch fo ge⸗ rathen, daß meine Leſer mit mir zufrieden fein koͤnnten! Jetzt will ich noch einige Rechenſchaft von der Behand⸗ lungsart meiner Materie ablegen, was ich um ſo noͤthiger erachte, da mein Buch in ſo verſchiedener Leſer Haͤnde kom⸗ men kann, von welchen vielleicht einer mehr, der FR weniger verlangt, Von den einheimiſchen Vögeln habe ich alle be: ſchrieben, welche einer Zaͤhmung faͤhig und in der Stube zu halten ſind, von den fremden aber nur diejenigen, welche am gewoͤhnlichſten nach Deutſchland gebracht werden, und daher auch ohne große Schwierigkeit zu bekommen ſind. Die Naturgeſchichte der Stubenvoͤgel ſelbſt habe ich zur leichtern Ueberſicht, wie faſt alle meine Schriften, in gewiſſe Rubriken getheilt, deren beſtimmte Wahl auf denjenigen Gruͤnden beruht, die ich hier kuͤrzlich angeben will. 1) Beſchreibung. Dieſe mußte ich um deßhalb et⸗ was genau liefern, damit eines Theils der Liebhaber ſeine Vögel überhaupt kennen, andern Theils ſolche aber vorzüg- lich dem Geſchlechte nach unterſcheiden lerne; denn bei den Stubenvoͤgeln iſt dieſe Kenntniß um ſo noͤthiger, da die Vo⸗ Vorrede. en gelſteller nicht ſelten betruͤgeriſche Leute find, und nicht nur einen Vogel für den andern, ſondern auch noch oͤfter Weib⸗ chen für Männchen verkaufen. Ueberdieß kann auch die et⸗ was genauere Beſchreibung dazu dienen, daß der Liebhaber der Stubenvoͤgel Geſchmack an der Naturgeſchichte ſelbſt fin⸗ det, und ſie alſo auf dieſe, und gewiß auf keine unſchick⸗ liche Art zu berichtigen und zu bereichern verſucht. 2) Aufenthalt. Wenn ich mir einen Stubenvogel wuͤnſche, fo iſt ganz naturlich, daß ich a) wiſſen muß, wann und wo ich ihn bekommen kann, und b) wenn ich ihn erhalte, was fuͤr einen Platz ich ihm bei ſeinem Stubenaufenthalte anweiſen ſoll. 3) Nahrung. Bei der Wartung der Stubenvoͤgel kommt das meiſte darauf an, was fuͤr eine Fütterung fie erhalten. Dieſe muß aber der Nahrung am naͤchſten kom⸗ men, die ſie in der freien Natur genießen. — Daher unter dieſer Rubrik von der Nahrung der Stubenvoͤgel a) in der Freiheit und b) in der Gefangenſchaft gehan⸗ delt wird. | 4) Fortpflanzung. Viele Voͤgel laſſen ſich am beſten jung aufziehen, oder auch blos beim Neſte fangen. — Daher iſt Kenntniß der Fortpflanzungsart der Stuben⸗ voͤgel nothwendig. 5) Krankheiten. Da die Voͤgel, wenn ſie aus dem natürlichen Zuſtande der Freiheit in den unnatuͤrlichen der Gefangenſchaft uͤbergehen, oft nicht mehr die gehörige Bewegung, Nahrung u. ſ. w. haben, ſo iſt zu vermuthen, daß ſie auch verſchiedenen Krankheiten ausgeſetzt ſind. Die⸗ fer Abſchnitt handelt daher von den Krankheiten der Stu: VIII Vorre de. benvögel, und iſt freilich am duͤrftigſten ausgefallen, weil man eigentlich von Aerzten, die Vogelfreunde ſind, noch naͤhere Belehrung uͤber dieſen Gegenſtand erwarten muß. 6) Fang. Wie bekomme ich einen Stubenvogel? iſt eine der wichtigſten Fragen in der Naturgeſchichte der Stu— benvoͤgel. Sie wird hier fo vollſtaͤndig als noͤthig beant⸗ wortet. er | 7) Empfehlende Eigenſchaften. Unter dieſer Rubrik wird eigentlich angegeben, warum man dieſen oder jenen Stubenvogel hält. | | Am Schluſſe des Werkes habe ich noch eine Tabelle beigefuͤgt, die nicht nur eine allgemeine Ueberſicht der Stu⸗ benvögel gewährt, ſondern auch das Auf⸗ und Ausſuchen derſelben erleichtern kann. i Es wird auf den Beifall des Publikums ankommen, ob ich in einem zweiten Bande die Thiere aus den uͤbri⸗ gen Zweigen der Zoologie, die man in der Stube halten kann, beſchreiben, und ihre zweckmaͤßige Behandlung mit⸗ theilen ſoll. | Dieſer Band iſt bereits in einer zweiten Auflage unter folgendem Titel erſchienen: f Anleitung zur Kenntniß und Wartung der Saͤugethiere ıc., welche man in Stuben halten kann. Gotha, 1807 (jetzt Ver: von Ed. Heynemann in Halle.) Moͤchte doch auch dieſe Schrift, die die Bewunderung und das Vergnuͤgen über viele ſchoͤne Geſchoͤpfe unſers Erdballes zum Gegenſtand hat, den beabſichtigten Nutzen ſchaffen! a Waltershauſen, den 20. Oktober 1794. Der Verfaſſer. * Vorrede zur zweiten Auflage. — Die Nothwendigkeit, bei einer anſehnlichen Auflage nach fünf Jahren eine neue veranſtalten zu muͤſſen, iſt mir der ſicherſte Beweiß, daß ich bei Bearbeitung der Natur⸗ geſchichte der Stubenvoͤgel meinen Zweck nicht verfehlt, ſon⸗ dern den Wuͤnſchen meiner Leſer ein Genüge geleiſtet haben muß. In der That kann ich mich bei keiner meiner Schrif⸗ ten ſo ſehr des allgemeinen Beifalls erfreuen, als bei dieſer Anleitung zur Kenntniß und Wartung der Stubenvoͤgel, in⸗ dem mir nicht blos Leſer aus allen Staͤnden, ſondern auch und vorzuͤglich Leſerinnen aus den reichern und vornehmern Claſſen ihren beſondern Dank dafuͤr muͤndlich und ſchriftlich zu erkennen gegeben haben. Mit Vergnuͤgen habe ich auch manchen von ihnen, die um einer weiteren Belehrung uͤber dieſen und jenen Vogel und ſeiner Behandlung bei mir an⸗ frugen, mit meinem Rathe beigeſtanden, und ich freue mich, daß ich durch dieſe neue Auflage in den Stand geſetzt wor⸗ den bin, jene Bemerkungen allgemeiner zu machen, und über: haupt dieſem Buche durch Zuſaͤtze und Verbeſſerungen die⸗ jenige Vollkommenheit geben zu Eönnen, die es nach meiner jetzigen Ueberzeugung noͤthig hat. Ich habe in dieſer Ab⸗ ſicht nicht blos neuere Bemerkungen in der Naturgeſchichte x Vorrede. der einzelnen Voͤgelarten eingeſchaltet, ſondern auch die ganze Anordnung zur leichtern und beſſern Ueberſicht geaͤndert, und die noch fehlenden, aber der Zaͤhmung faͤhigen, in-und aus⸗ laͤndiſchen Voͤgel an ihrem Orte eingeſchaltet. Ueber alles ſchaͤtzbar und angenehm iſt mir bei dieſem Buche die Erfahrung, daß daſſelbe nicht blos dadurch fei- nen Zweck erreicht hat, daß es meinen Leſern Belehrung zur Erhöhung ihres Vergnuͤgens an den befiederten Naturgeſchoͤpfen gegeben, ſondern auch viele, wie ſo mancher ſchoͤne Beleg dazu in meinen Haͤnden iſt, zu Naturfreunden, zu Liebhabern und Bewunderern unſerer ſchoͤnen Erde uͤberhaupt, gebildet hat, die es ſonſt entweder gar nicht, oder doch una fo leicht geworden wären. Mochte doch daſſelbe in der neuen Geſtalt wieder Ver⸗ anlaſſung werden, daß die Zahl der Kenner und Bewunde— rer der vortrefflichen Werke Gottes ſich immer mehr vergrö- ßere, und dadurch eine der Hauptbeſtimmungen erfuͤllt wer⸗ den, warum das zahlloſe Heer von natuͤrlichen Koͤrpern um uns her verſammelt iſt. Waltershauſen, den 1. Novbr. 1799. Der Verfaſſer. Vorrede zur dritten Auflage. Bei dieſer neuen Auflage der Naturgeſchichte der Stu⸗ benvoͤgel habe ich wenig vorauszuſagen. Eine kleine Ver⸗ gleichung wird lehren, daß dieſelbe wiederum mehrere Zu⸗ ſaͤtze und Verbeſſerungen enthält. Wenn mancher geglaubt hat, daß ich den Begriff der Stubenvoͤgel zu weitlaͤufig genommen und mehrere Voͤgel mit aufgefuͤhrt haͤtte, die nur mit Mühe gezaͤhmt werden koͤnnten, wie z. B. das Gold⸗ haͤhnchen und der Zaunkoͤnig, ſo kann ich hierauf weiter nichts antworten, als daß er andern und ſelbſt auch mir im Ge: gentheil zu eng gefaßt ſein wuͤrde, wenn blos diejenigen Voͤgel angegeben waͤren, die ſich ohne Muͤhe an die Stuben⸗ luft und Koſt gewoͤhnen. Ich kenne mehrere Liebhaber, die immer einen oder ein Paar Zaunkoͤnige in der Stube herum⸗ fliegen oder im Käfig ſtecken haben, uud die ſich das größte Vergnuͤgen daraus machen, ein niedliches Goldhaͤhnchen auf- zuziehen. Ich glaube alſo, daß das Zuviel hier nicht ſchaͤdlich fein kann. Mit mehrerm Rechte hätte man die Abbildungen tadeln koͤnnen. Ich habe daher mit Einſtim⸗ mung der Verlagshandlung dafuͤr geſorgt, daß dieſer neuen Ausgabe auch beſſere Kupfer beigefuͤgt worden ſind. Es XII Vorrede. ſind fremde Stubenvoͤgel, die von Vogelhaͤndlern in Deutſch- land zum Verkauf herumgetragen werden. Moͤge abermals durch dieſe Schrift viel Freude und Nutzen verbreitet, und der ſchoͤnen Natur hier und da ein Verehrer mehr verſchafft werden! Dreißigacker, im Novbr. 1812. Der Verfaſſer. Vorrede zu r vierten Auflage. * Mit der Herausgabe dieſer neuen Auflage von der Verlagshandlung beauftragt, glaubt der Unterzeichnete nicht noͤthig zu haben, das wiederholte Erſcheinen eines Werkes zu rechtfertigen, das für die Wiſſenſchaft eben fo wichtig, als fuͤr die Liebhaber von Stubenvoͤgeln unentbehrlich iſt. Die fortwaͤhrenden Nachfragen, die vielfach ergangenen Auf⸗ forderungen zur Veranſtaltung einer neuen Auflage — das Werk war nämlich ſchon feit langer Zeit nicht mehr zu ha⸗ ben — ſprechen fuͤr dieſe Behauptung und liefern wohl den ſicherſten Beweis, daß keines der uͤber gleichen Gegen⸗ Hand erſchienenen neuern Werke das bisher fehlende Bed: fein’fche zu erſetzen und ſonach den Anforderungen und Beduͤrfniſſen der Liebhaber von Stubenvoͤgeln ganz zu ent⸗ ſprechen vermochte. — Was nun die Bearbeitung dieſer neuen Auflage betrifft, jo beſchraͤnkt ſich ſolche auf einige wenige Verbeſſerungen, auf Weglaſſung von Manchen, was ſich im Laufe der Zeit als uͤberfluͤſſig oder unwichtig erwieſen und auf Erweiterung des Abſchnittes uͤber den Fang der Voͤgel. Es war naͤm⸗ lich nicht blos meine Anſicht, ſondern auch die einiger des⸗ halb zu Rathe gezogenen competenten Richter, daß Bechſtein's xIv Vorrede. Werk einer weſentlichen Umgeſtaltung nicht beduͤrfe, und daß man es dem Andenken des um Wiſſenſchaft und Leben ſo hoch verdienten Verfaſſers ſchuldig ſei, fein Lieblingsbuch moͤglichſt unveraͤndert wieder zu geben. Nur auf dieſe Weiſe war es auch zu erreichen, daß dieſe neue Auflage neben ihren vielen Vorzuͤgen vor aͤhnlichen Werken auch den der ſo an⸗ ſprechenden gemuͤthlichen Darſtellungsweiſe und Schreibart des Verfaſſers behielt, auf welchen Vorzug ein um ſo groͤßerer Werth zu legen iſt, als derſelbe weſentlich zu der uͤberaus guͤnſtigen Aufnahme des Buches beigetragen hat. — Ganz beſonders hervorzuheben iſt es noch, daß dieſe neue Ausgabe von der Verlagshandlung mit neuen, ſorgfaͤltig ge⸗ arbeiteten Abbildungen ausgeſtattet wurde, und daß auf dieſe Weiſe Bechſteins Werk auch in der aͤußern Ausſtattung den jetzigen Anforderungen entſpricht. Hamburg, im April 1840. Dr. Lehmann. Stuben vs gel. Einleitung 91. | Begriff der Stubenvögel. Unter Stubenvoͤgeln verſteht man ſolche Voͤgel, die ſich zum Vergnuͤgen des Liebhabers in der Stube halten laſſen. Dieſes Vergnuͤgen gruͤndet ſich gewoͤhnlich blos auf die An⸗ nehmlichkeit ihres Geſanges und die Schoͤnheit ihrer Federn, obgleich nicht zu laͤugnen iſt, daß den Vogelkenner und Lieb⸗ haber auch noch andere Ruͤckſichten beſtimmen koͤnnen, dieſe gefiederten Geſchoͤpfe ſo gern um ſich zu ſehen, z. B. ihre Munterkeit, Kenntniß ihrer beſondern Eigenſchaften u. ſ. w. Jener beiden Ruͤckſichten wegen iſt es vorzuͤglich noͤthig, daß man beide Geſchlechter gut von einander zu unterſcheiden wiſſe, weil ja, wie bekannt, das maͤnnliche Geſchlecht unter ihnen faſt immer einen großen Vorzug vor dem weiblichen hat. Daher ich auch hier, bei Entwerfung der Geſchichte der Stubenvoͤgel, vorzuͤglich darauf Ruͤckſicht nehmen werde, wie ſich beide Geſchlechter nach ihren Farben und andern Merkmalen von einander unterſcheiden. Da aber nicht alle Voͤgel einer Zaͤhmung faͤhig ſind, und andere nicht dem Zwecke einer ſolchen Zaͤhmung entſprechen, ſo muß die An⸗ zahl der Voͤgel, welche in dieſer Anleitung aufgenommen werden koͤnnen, im Verhaͤltniſſe aller unſerer bekannten Ar⸗ ten, immer ſehr gering ſein. | Naturgeſch. d. Stubenvögel. a Einleitung. 5 . Von der Stimme und dem Geſange der Vögel. Jede Voͤgelart hat ihre eigenthuͤmliche Art und Weiſe des Tones, durch deſſen Mannigfaltigkeit ſich die Voͤgel gar ſehr vor allen andern Thieren auszeichnen, indem ſie da⸗ durch im Stande ſind, ſich ihre Leidenſchaften und Bedurf- niffe, wenn auch nicht alle untereinander, doch als Gattungs— oder wenigſtens als Arts-Verwandten einander zu erkennen zu geben. | 10 Wer nur ein wenig in der Natur bewandert iſt, wird « AN er PL wiſſen, daß die Aeußerung der Furcht und der nahen Ge- 1 fahr ein allgemein verſtaͤndlicher Ruf iſt, der, wenn er vom Zaunkoͤnig geſchieht, dem Truthahn, und wenn ihn | ne diefer von ſich giebt, dem Zaunkönige verſtaͤndlich iſt. Jeder Vogel, der zuerſt einen Raubvogel uͤber ſich erblickt, kann durch ſeinen ihm eigenen Warnungston alle Voͤgel in ſeiner Gegend aufmerkſam machen, auf ihrer Hut zu ſein und ſich ſo geſchwind als moͤglich zu verbergen. Sobald die Blau⸗ meiſe im Walde ihr aͤngſtliches Iss! hoͤren laͤßt (und dieſe ſcheint es wirklich zuweilen blos aus Neckerei zu thun, wie man in der Stube an ihr wahrnimmt), ſobald verſtummt der ganze Wald auf einige Augenblicke, und jeder Vogel lauſcht nach einem nahen Feinde, oder eilt, wenn aus die⸗ ſer Stimme der Warnung ein Angſtgeſchrei wird, zu Huͤlfe. Dieſe letztere Beobachtung wiſſen ſich die Vogelſteller gar ſehr zu Nutze zu machen. Sie bauen ſich daher eine Hütte, ſtellen vor dieſelbe einen Uhu oder andern Raubvogel, und beſtecken auf und um dieſelbe alle Aeſte und Zweige mit Leimruthen, ahmen alsdann das aͤngſtliche Geſchrei irgend eines Vogels z. B. eines Holzhehers oder Spechts, weil ſich dieſes am weiteſten verbreitet, nach, und ſind gewiß, daß 2 Von der Stimme und dem Gefange der Vögel. 3 alle Vögel groß und klein zu ihrer Hütte kommen und ſich fangen laſſen. Eben ſo verſtaͤndlich ſcheinen auch, wo nicht allen, doch den meiſten Voͤgeln die Toͤne der Freude und des Wohl⸗ befindens zu fein, wodurch einer den andern zu ähnlichen _ frohen Empfindungen anzureizen vermag. Dieſe Freude aber druͤckt ſich nicht blos in den bekannten Geſaͤngen der Voͤgel aus, wodurch, wenn einer anſtimmt, oft in kurzer Zeit ein ganzer Wald und ein ganzes Zimmer im vollſten Jubel er⸗ ſchallet, fondern auch durch einzelne Töne. Im Herbſt und Fruͤhjahr trifft man in Hecken und Gebuͤſchen eine Menge Voͤgel von den verſchiedenſten Gattungen und Arten an, die ſich durch nichts, als durch ein gemeinſchaftliches Geſchrei unter einander zu vergnuͤgen ſcheinen. Zum Geſang kann man auch im Zimmer durch Geraͤuſch, lautes Sprechen, und beſonders durch Inſtrumentalmuſik ermuntern, in der Natur aber nicht; denn dies werden alsdann Verſcheuchungs⸗ mittel. Weiter haben auch die verſchiedenen Gattungen unter einander eine Sprache, wodurch fie ſich manches verſtaͤnd⸗ lich machen. So verſtehen z. B. Raben, Kraͤhen, Dohlen und dergleichen Voͤgel ihre verſchiedenen Loctöne und naͤhern ſich, wenn es noͤthig iſt, z. B. auf ihren Wanderungen einander. So faͤngt der Vogelſteller durch die Lockſtimme eines Goldammers den Zipammer, Gartenammer, Schneeam⸗ mer, Rohrammer u. ſ. w.; durch das lockende Geſchrei des gemeinen Finken den Bergfinken, durch die Toͤne des Zeißigs den Flachsfinken, den Citronenfinken u. ſ. w. Endlich hat jeder Vogel von der Natur, wo nicht einen Geſang, doch einige deutliche Laute erhalten, wodurch er nicht blos ſeinem eignen, ſondern auch dem andern Geſchlechte ſeine Begierden zu erkennen geben kann. Dies geſchieht entweder durch einzelne Toͤne, oder durch eine oder 1 * 4 Einleitung. mehrere melodiſche Strophen. Jenes nennt man die Lock⸗ toͤne (Lockſtimme, das Locken) des Vogels, und dieſe feinen Geſang. Bei manchen ſind die Locktoͤne nach den verſchie⸗ denen Leidenſchaften und Beduͤrfniſſen auch verſchieden bei andern einerlei. So lockt z. B. der gemeine Fink auf ſei⸗ nen Wanderungen Jack! Jack! in der Freude einzeln Fink! Fink! wenn er zornig iſt haſtig Fink, fink, fink! und aus Zaͤrtlichkeit und Traurigkeit Trief, Trief! Die Ra⸗ benkraͤhe hingegen ſchreit in allen dieſen Verhaͤltniſſen Grab, grab! und druͤckt nur die Verſchiedenheit ihrer Leidenſchaft durch langſames oder ſchnelles Aufeinanderfolgen dieſes Aus⸗ drucks aus. Der ſogenannte Geſang der Voͤgel iſt immer, wo nicht der Ausdruck der Liebe, doch wenigſtens des Wohlbe⸗ 3 findens. Daher ſingt die Nachtigall nur ſo lange die Be⸗ gattungs⸗ und Bruͤtezeit währt, und verſtummt, ſo bald ſie ihre Jungen zu füttern genoͤthigt iſt; da hingegen der Staar Stieglitz und Canarienvogel das ganze Jahr hindurch ſingen und nur aufhoͤren, wenn ſie ihr Mauſern unmuthig macht. Es ſcheint dies auch ein beſonderes Vorrecht des Maͤnnchens zu ſein, wodurch dieſe entweder die Weibchen anzulocken, oder ihre Liebe zu erhalten ſuchen. Denn es giebt nur ſehr wenige Weibchen, die beſonders im Wittwenſtande dem Geſang des Maͤnnchens aͤhnliche Toͤne hervorbringen koͤn⸗ nen, wie z. B. die Hennen, Rothkehlchen, Lerchen, Canarien⸗ voͤgel u. d. gl. und fie hören auch in der That auf die mehr oder wenigere Vollkommenheit und Annehmlichkeit des Geſangs der Maͤnnchen, um demjenigen nur ihre Liebe zu ſchenken, welches fie für den vollkommenſten Saͤnger halten. | So fucht ſich immer das munterſte Canarienvogelweibchen auch den beſten Saͤnger, und die Finkin in der Freiheit unter hundert Finken denjenigen aus, deſſen Schlag ihr am beften gefaͤllt. | | | Von der Stimme und dem Geſange der Vögel. 5 Vorzuͤglich ſchaͤtzbar werden uns, wie geſagt, die Stu: benvögel durch ihren Geſang, welchen man in den natuͤr⸗ lichen und kuͤnſtlichen eintheilt. Jener iſt oft fo ver⸗ ſchieden als die Singvoͤgel ſelbſt ſind, und ich wuͤßte mich keines einzigen inlaͤndiſchen Vogels zu erinnern, der vollkom⸗ men den Geſang des andern haͤtte, man muͤßte denn die drei deutſchen Wuͤrgerarten ausnehmen, die, obgleich ſie wegen ihres ungemein ſtarken Gedaͤchtniſſes den Geſang aller Voͤgel, die um ſie wohnen, taͤuſchend genug nachahmen koͤn⸗ nen, doch denſelben mit ihren eigenen Melodieen ſo vermi⸗ ſchen, daß ein Kenner gar bald hört, ob eine Feldlerche ſelbſt ſingt, oder ein rothkoͤpfiger Wuͤrger ihren Ge ſang nachahmt. Die Kenntniß dieſer verſchiedenen Geſaͤnge iſt nicht nur fuͤr den Vogelliebhaber, ſondern auch fuͤr den Naturforſcher von großer Wichtigkeit, weil ſich oft merkwuͤr⸗ dige Beobachtungen uͤber dieſe befiederten Geſchoͤpfe nur allein durch ihre Geſaͤnge machen und anſtellen laſſen. Der kuͤnſtliche Geſang beſteht theils aus erborgten Geſaͤngen anderer Voͤgel, die vorzuͤglich junge Voͤgel in der Stube hoͤren, oder die ihnen von Menſchen ſelbſt vorgepfif⸗ fen oder auf Floͤten und Orgeln vorgeſpielt werden. Faſt alle Singvoͤgel nehmen, wenn ſie ſehr jung aus dem Neſte in die Stube kommen, einige Strophen von ſolchen Melo- dieen an, die ihnen taͤglich vorgepfiffen oder geſpielt werden; allein nur die vorzuͤglich gelehrigen verlaſſen ganz die ange⸗ bornen elterlichen Lieder und fingen das unverſtuͤmmelt nach, was ihnen gelehrt wird. So lernt z. B. der junge Stieg⸗ litz auch einige Strophen des Liedes, das man dem Gimpel vorpfeift, aber niemals wird er das Lied fo ganz und voll- kommen, wie dieſer, zu pfeifen im Stande ſein. Die Ur⸗ ſache davon liegt nicht, wie manche wohl glauben, in der größern oder geringern Geſchmeidigkeit der Organe, ſondern vielmehr in dem beſſern und ſchlechtern Gedaͤchtniß, womit die Einleitung. verschiedenen Vögel begabt find. Von denjenigen, die keine zerſchliſſene Zunge, wie die Singvoͤgel, haben, ſondern eine breite ganze, und daher im Stande ſind, artikulirte Toͤne nachzuahmen, ſagt man, ſie ſprechen. So ſprechen viele Papageyarten, der Holzheher u. ſ. w. a Außerdem claſſificiren die Vogelſteller und Liebhaber auch noch den Geſang der Voͤgel auf folgende Art. Der Vogel ſchlaͤgt, ſagen ſie, wenn er die lauten Strophen oder ein⸗ zelnen Toͤne ſeines Geſanges immer in derſelben Folge auf einander hoͤren laͤßt; ſo ſchlaͤgt die Nachtigall und der Fink. Die Vögel fingen, wenn fie, ohne auf eine gehörige Zeit⸗ folge zu ſehen, ihren zwitſchernden oder auch mit lauten Toͤ⸗ nen vermengten zirpenden Geſang ertoͤnen laſſen; ſo der Zei— ſig, das Rothkehlchen u. ſ. w. endlich pfeifen ſie, wenn ihr Geſang aus deutlichen, runden (flötenartigen) Tönen beſteht; ſo pfeift der Haͤnfling, und der unterrichtete Gimpel. Einige Voͤgel ſingen den ganzen Tag, andere nur des Morgens und wieder andere nur des Abends, oder wohl gar in der Nacht; einige lieben bei ihren Geſaͤngen Geſell⸗ ſchaft, andere wollen ſich hingegen nur allein hoͤren laſſen. Die Nachtigall z. B. ſchlaͤgt lieber am ſtillen Abende oder des Nachts, und ſchweigt am Tage, und es ſcheint in der That, als wenn ſie als Koͤnigin der Singvoͤgel den Vorzug ihres Talentes kenne und ihre ſchoͤnen Lieder nicht durch das ge- ſchaͤftige Getoͤſe des Tages und das gemiſchte Geſchwirre und Geſchrei der andern Voͤgel uͤbertoͤnen, ſondern auch den Men⸗ ſchen dieſelben deſto beſſer empfinden laſſen wolle. Merkwuͤrdig iſt es, daß alle Voͤgel, die nicht das ganze Jahr ununterbrochen fortſingen, wie es wohl die Rothkehlchen, Zeiſige, Stieglitze u. ſ. w. zu thun pflegen, ihren Geſang nach der Mauſer, oder wenn er nicht blos ein Geſang der Freude und des Wohlbefindens, ſondern nur ein Lied der Liebe iſt, im Fruͤhjahre wieder lernen muͤſſen. Dies iſt Von der Stimme und dem Geſange der Voͤgel. 7 aber, nach meinen Beobachtungen, kein eigentliches Lernen, ſondern nur eine Art der Geſchmeidigmachung des Organs, damit dieſes die gewoͤhnlichen Toͤne wieder leicht von ſich giebt. Denn das ſogenannte Lernen beſteht eigentlich nur aus einer Art von Zwitſchern und Zirpen, welches mit den Haupt⸗ toͤnen des Liedes, das der Vogel pfeift, gewoͤhnlich in gar keiner Verbindung ſteht, und, wer aufmerkſam iſt, wird es gar zu deutlich gewahr, wie durch dieſe Uebungen der Kehle dieſelbe nach und nach wieder die Toͤne von ſich giebt, die des Vogels gewoͤhnlichen Geſang bilden. Das Lernen ſetzt alſo nicht Gedaͤchtnißfehler, ſondern, wenn man ſo ſagen darf, einen Fehler oder eine Verwoͤhnung der Gurgel des Vogels voraus. Der Fink zirpt daher faſt acht Wochen, (einer frei⸗ lich laͤnger, der andere kuͤrzer) ehe er ſeinen Schlag wieder vollkommen hervorbringt, und die Nachtigall modulirt eben ſo lange die Strophen ihres Liedes undeutlich, ehe ſie, ab— geſetzt und laut, ihren vortrefflichen Schlag erſchallen läßt. Die Urſache, warum ein Vogel ſtaͤrker und beſſer ſingt als der andere, liegt in der verhaͤltnißmaͤßigen Groͤße und Stärke des Kehlknopfs (Laryns); aus eben der Urſache fin gen auch die Weibchen gewohnlich gar nicht, weil die La⸗ fer rynx nicht fo ſtark ift als an dem Männchen. Vor allen andern Singvoͤgeln hat daher die laut, lang und ſtark ſin— gende Nachtigall den ſtaͤrkſten Kehlknopf. So wie aber der Organismus des Koͤrpers durch Uebung und Gewoͤhnung vervollkommnet werden kann, ſo iſt es auch bei den Voͤgeln, und man kann Voͤgel von einerlei Art durch gute Nahrung und Pflege, durch Geraͤuſch, in welchem ſie erzogen wer⸗ den, ſo weit bringen, daß ihre Kehle durch Anſtrengung und Uebung ſich ſo erweitert und verſtaͤrkt wird, daß ihr Ge ſang um vieles erhoͤht wird; ſo ſieht man es alle Tage bei den in der Stube erzogenen Feen Haͤnflingen, Gimpeln u. = w. N Einleitung. Noch eine Bemerkung, die ſchon Barrington“) ge macht hat, darf ich hier nicht vergeſſen, die naͤmlich, daß man den ſogenannten wilden oder angebornen Geſang eines Vogels durch einen andern vervollkommnen kann, wenn naͤm⸗ lich Haͤnflinge, Sperlinge und dergl. bei Stubenvögeln z. B. Nachtigallen und Canarienvoͤgeln aufgezogen und dann wies der in die freie Natur gelaſſen werden. So viel iſt richtig, daß ſich die Voͤgelgeſaͤnge in der Stube an ſich ſchon ver— vollkommnen, weil die in der Stube aufgezogenen Voͤgel bei guter Wartung und Pflege nichts weiter zu thun haben, als auf den Geſang zu denken, und ſie ſich auch, um ſich ein Weibchen zu erſingen, weit mehr anſtrengen. Man koͤnnte alſo auch an einem freien Orte, in einem mit Drath uͤber⸗ zogenem Vogelhaus jenen Voͤgeln, beſonders ſolchen, die un⸗ ſer Clima vertragen koͤnnen, beſſere und fremde Geſaͤnge leh⸗ ren laſſen, wenn man ungepaarte Canarienvoͤgel und Nach— tigallen, die immer ſchlagen, neben das Haus hinge; allein daß man dieß auch in der Stube thun koͤnne, wie Hr. Gam— borg“) behauptet, daran zweifle ich, weil es gegen meine Erfahrung ſtreitet. Denn dieß waͤre I) blos nur bei ſolchen Voͤgeln moͤglich, die bei uns und zwar in der Naͤhe der Haͤuſer uͤberwintern, als Sperlingen, welche aber der Regel nach jo ungelehrig ſind, daß fie keinen Geſang recht vollkom⸗ men lernen. 2) Muͤßten die Voͤgel, wenn ſie ſich einen an⸗ dern Geſang vollkommen aneignen ſollten, ſo fruͤh' als moͤg⸗ lich aus dem Neſte genommen werden, damit ſie nicht ſchon an ihren angebornen Strophen gezirpt haben, und dann ſind ſie ſo an die Stubenkoſt und Luft gewoͤhnt, daß ſie ſich in der freien Natur gar nicht ſelbſt erhalten, geſchweige im Win⸗ ter mit fortziehen koͤnnen. 3) Wollte man ſolche Voͤgel, z. B. ) In Philesophical Transactions. Vol. 63. 1773. *) Wie kann man den Geſang unſerer Waldvögel verſchönern? Copenha⸗ gen. 1800. N n E Aufenthalt. Ä 9 von Canarienvoͤgeln in großen weitläufigen Hecken ausbruͤ⸗ ten laſſen, ſo wuͤrden ſie zwar ihr Futter ſich angewoͤhnen, allein wenn der Winter kaͤme, wuͤrden ſie ganz des Rufes ihrer Stammeltern entwoͤhnt, und damit unbekannt ſich nicht zur Heerde ſchlagen, alſo auch nicht wegſtreichen oder gar wegziehen, und alſo zu Grunde gehen. Am ſicherſten waͤre die Vervollkommnung des Geſangs noch dadurch zu erreichen, daß man Stubenvoͤgel mit verbeſſertem Geſange von derſel⸗ ben Art in Gaͤrten hinge, wo z. B. Lerchen, Finken und andere ihres Gleichen niſteten; da wuͤrden dann die Jungen, die ein gutes Gedaͤchtniß haben, nicht blos den Geſang ihrer Eltern, ſondern auch dieſen beſſern lernen. Daß aber eine ſolche allgemeine Verſchoͤnerung oder Verwirrung der Geſaͤnge nicht einmal rathſam ſei, iſt leicht zu vermuthen. Man thut daher am beſten, die Voͤgel mit fremden Geſange ſich in der Stube zu halten, und auch darin zu behalten. §. 3. Aufenthalt. Der Raum, den man den Stubenvoͤgeln zu ihrem Wirkungskreiſe anweiſet, iſt ihrem Zwecke und ihrer Natur nach verſchieden. Alle befinden ſich freilich in einem freien Raume, alſo in einem Zimmer, das man in dieſer Abſicht mit kleinen Tannenbaͤumen beſetzt, die man, damit ſie die Nadeln nicht fallen laſſen, vor Eintretung des Saftes, im Winter oder hoͤchſtens im Maͤrz abhauen muß, beſſer als im Kaͤfig; ſie ſingen aber freilich nicht alle ſo gut, als wenn man ihnen zu ihrer Bewegung einen ſo engen Spielraum giebt, daß ſie ſich gleichſam mit nichts anderm unterhalten koͤnnen, als mit ihrem Geſange. Diejenigen Voͤgel alſo, die man nur ihrer Schoͤnheit und ihres luſtigen Betragens wegen haͤlt, werden daher am Einleitung. beften in einem Zimmer gehalten, wo fie frei herumlaufen oder gar fliegen koͤnnen, und des Nachts zur Ruhe entweder einen großen Vogelbauer mit vielen Faͤchern, oder einen oder etliche Tannenbaͤume aufſuchen koͤnnen“). Auch fingen in dieſer Art von Freiheit manche Voͤgel, z. B. die Braunelle, das Blaukehlchen beſſer, als wenn fie im Käfig eingeſperrt ſind “). Bei denen, die eingeſperrt werden muͤſſen, damit wir das Vergnuͤgen ihres Geſanges deſto vollkommener genießen, kommt es bei der Wahl des Kaͤfigs, den man ihnen zur Woh- nung anweiſet, auf ihr mehr oder minder lebhaftes Naturell an. Eine Lerche muß daher einen groͤßern, ein Fink aber einen kleineren Kaͤfig haben, wobei man auch wieder darauf ſehen muß, ob der Vogel blos auf dem Boden lebt, oder ſo— genannte Springhoͤlzer haben will. Daher man in einem Vogelbauer fuͤr eine Feldlerche keine Querhoͤlzer zum Sitzen nöthig hat, die aber in einem Käfig für eine Nachtigall u un⸗ umganglich noͤthig find’). Reinlichkeit ift bei allen Behaͤltniſſen der Vögel aͤu⸗ ßerſt nothwendig, denn dadurch erhält man nicht nur dieſelben viele Jahre am Leben, ſondern auch immer geſund und mun⸗ ter. Es iſt daher nothwendig, daß man, wo nicht alle acht Tage, (denn dieß wollte ich nicht einmal rathen, weil man die Voͤgel zu viel ſtoͤren wuͤrde) doch wenigſtens alle vierzehn Ta⸗ *) Großen Vögeln, wie z. B. den Droffelarten giebt man um deswillen gern eine eigene Stube zu ihrem Aufenthalte, weil ihr Unrath in der Wohn— ſtube unangenehm riecht und ſonſt eine ſtätige Reinigung und Säuberung er= fordert. Kleinere aber kann man neben ſich herum laufen laſſen, und weiſet ihnen zur Ruhe und zum Schlafplage einen Baum oder ein Gitter hinter den Ofen, oder wo es ſonſt ſchicklich iſt, an. *) Nur darf man keine Kohlmeiſen oder Würgerarten unter fie bringen, weil dieſen, auch bei Ueberfluß von Nahrungsmitteln, doch oft die Luft an- wandelt, ihre Kammeraden zu tödten, um ſich an ihrem Gehirn und den edeln Eingeweiden zu laben. ) Bei jedem Vogel werde ich die verſchiedenen Käfigarten, die ich für die beſten gefunden habe, beſonders angeben. Aufenthalt. 11 ge einmal den Kaͤfig reinige, den Voͤgeln, die blos auf dem Boden herumlaufen, wie Wachteln und Feldlerchen, friſchen Waſſerſand gebe, und die Springhoͤlzer derjenigen, die darauf ſitzen, von allem Schmutz befreie. Thut man dieß nicht, ſo werden die Stubenvoͤgel nicht allein durch die ſtarke Ausduͤn⸗ ſtung ihres Unrathes kraͤnklich, ſondern bekommen auch, wenn ſie beftändig in dieſem Koth herumgehen muͤſſen, lahme Fuͤße, Podagra und Krankheiten, die ſich mit Abloͤſung der Zehen endigen, wie diejenigen zu ihrem Nachtheil erfahren haben wer⸗ | den, die Stubenvoͤgel gehalten und die Reinlichkeit derſelben vernachlaͤßigt haben. Bei der Reinigung der Fuͤße iſt aber noch die beſondere Vorſicht zu beobachten, daß man die Voͤgel vorher mit denſelben ins Waſſer tauche, ehe man ihnen den Schmutz abloͤßt; denn geſchieht dieß nicht, fo loͤßt ſich die an dem Unrath feſtangeklebte Haut leicht mit ab, und der Vo⸗ gel wird dadurch nicht bloß ſchon an ſich lahm, ſondern es ziehen ſich auch alle böfe Säfte, die bei der unnatuͤrlichen Lebensart nicht ſelten eintreten, an eine ſolche gereinigte Stelle und laͤhmen ſie. Ueberhaupt leiden die Stubenvoͤgel am mei⸗ ſten an den Fuͤßen, und man muß daher taͤglich nachſehen, ob ſie durch etwas verſtrickt, oder gar mit Menſchenhaaren umwickelt ſind, die ſich oft tief einſchneiden, ſo daß in eini⸗ gen Tagen derjenige Theil des Fußes oder Zehes, der dadurch leidet, vertrocknet und abbricht. Man muß um ſo mehr hier⸗ auf achten, da man nicht leicht einen Stubenvogel von einigen Jahren finden wird, der noch alle ſeine Zehen unverſehrt be— ſitzt, obgleich nicht zu laͤugnen iſt, daß ſich manche Voͤgel außerordentlich reinlich halten, während andere (von der naͤm— lichen Gattung) ſo unreinlich ſind, daß ſie ſich nicht nur be— ſtaͤndig beſchmutzen, ſondern auch weder Füße noch Schna— bel und Fluͤgel putzen. Bemerkenswerth iſt, daß auch beſon⸗ dern Voͤgelarten die Reinlichkeit eigen iſt. So habe ich im⸗ mer den Goldammer, Rohrammer, Gimpel und Flachsfink, Einleitung. und beſonders den letztern, als Muſter der Reinlichkeit gefun⸗ den. Vielen andern Voͤgeln, beſonders den Lerchen- und Gras- muͤckenarten, hängen dagegen die Füße beſtaͤndig voll Schmutz ee. und dergleichen Voͤgel laſſen ſich lieber die Zehen abſchwaͤren, als das ſie ſich bemuͤhten, die Fuͤße rein zu erhalten oder zu reinigen. Manche Vogelfreunde finden auch Vergnuͤgen daran, die Stubenvoͤgel ſo zahm zu machen, daß man ſie auf der Hand mit ins Freie nehmen, oder fliegen laſſen und wie⸗ der zuruͤckrufen kann. Einer meiner Freunde, der nicht nur Vögel, ſondern auch Ottern, Nattern, Fuͤchſe, Wieſeln und Martern ſo zaͤhmt, daß ſie ihm auf dem Wink allenthalben hin⸗ folgen, wohin er geht, bedient ſich zu dieſem Zwecke, wie ich als Augenzeuge weiß, folgender leichten und ſicheren Methode. Wenn er einen Vogel gewoͤhnen will, auszufliegen, oder mit ihm, auf der Hand oder Achſel ſitzend, auszugehen, ſo neckt er ihn erſt in ſeinem Kaͤfig, der offen ſteht, mit einer weichen Fe⸗ der. Bald beißt der Vogel nach der Feder, dann nach ſeinem Finger, und kommt auch bald aus dem Kaͤfig heraus und fliegt ihm auf einen vorgehaltenen Finger; auf der Hand ſtreichelt er ihn dann und legt ihm kleine Leckereien vor. Dieſe nimmt er bald aus der Hand ſelbſt. Er faͤngt alsdann an, den Vo⸗ gel an einen gewiſſen Ruf oder Pfiff zu gewoͤhnen, und traͤgt ihn, wenn er ſich von ihm angreifen laͤßt, auf der Hand oder Achſel bei verſchloſſenen Thuͤren und Fenſtern von einem Zim⸗ mer zum andern, laͤßt ihn alsdann auch fliegen, und ruft ihn wieder zu ſich. Sobald er dieſem Rufe ohne Scheu vor Men⸗ ſchen und Thieren folgt, ſo nimmt er ihn auch behutſam mit ins Freie, und ſo gewoͤhnt ſich der Vogel nach und nach ſo an ihn, daß er ihn mit in Gärten und in große Geſellſchaften nehmen kann, ohne daß er wegfliegt. Nur huͤte man ſich, alte ſo gezaͤhmte Voͤgel zur Fruͤh⸗ lings⸗ und Begattungszeit oft mit ſich ins Freie, wo ſie ihres Aufenthalt. 13 Gleichen hören, zu nehmen. Dieß iſt gewöhnlich die Zeit, wo fie am erſten wieder in ihre angeſtammte Wildheit zuruͤckfallen. Vorzuͤglich laſſen ſich junge Haͤnflinge, Gimpel, Canarien⸗ vögel u. ſ. w. auf dieſe Art gewöhnen. Eine eigene und bewährte Methode, alle Ar: ten von Stubenvoͤgeln in Ibis 2 Stunden fo zahm zu machen, daß ſie auf der Hand ſitzen, von einem Finger zum andern huͤpfen, wegfliegen und wieder kommen, aus dem Munde freſſen u. ſ. w., die ich erſt in neuerer Zeit kennen ge⸗ lernt habe, iſt folgende: 1) Man nimmt einen Zeiſig, Stieglitz, Buchfinken, welche ſich in einer halben Stunde zaͤhmen laſſen, oder einen Gimpel, eine Nachtigall u. ſ. w., bei welchen es etwas ſchwerer halt, und länger dauert, se ſchneidet ihm, nach Verhaͤltniß feiner Wildheit, bald mehr bald weniger von der innern Fahne der Schwungfeder weg, damit der Vogel beim Wegfliegen von der Hand keinen Schaden leidet und doch die Fluͤgel ihre ge⸗ hörige Geſtalt behalten. Hierauf beſtreicht man ihm 2) die Gegend der Nafenlöcher mit Bergamottenoͤl (oder auch mit einem andern ſtark riechenden Oele), wodurch er eine Zeitlang ſo betaͤubt wird, daß er | 3) die Dreſſur, welche hauptſaͤchlich im ruhigen Sitzen auf einem Finger, oder in dem Forthuͤpfen von einem zum andern und im Verhindern des Wegfliegens beſteht, empfan⸗ gen kann. Ehe er ruhig ſitzt, wird er zwar einigemal wegflie⸗ gen, allein dieß waͤhrt nicht lange, beſonders wenn man mit ihm an einen dunkeln Ort, z. B. hinter einen Bett-Vorhang geht, wodurch auch vermieden wird, daß der Vogel durch das Anfliegen an die harten Waͤnde oder Fenſter Schaden nehmen koͤnnte. Sitzt er erſt ruhig, fo hält man ihm, wenn er auf dem Zeigefinger der einen Hand ſitzt, den andern unten vor, daß er darauf ſchreiten muß, und indem man denſelben nach und nach entfernt, wird er bald von einem Finger zum andern Einleitung. huͤpfen. Dieß ift die Hauptſache; denn huͤpft der Vogel erſt ru⸗ hig von einem Finger zum andern, fo wird er fich bald, befon- ders wenn er, aus der Betaͤubung erwacht, merkt, daß ihm ſein Dreſſirer nichts thut, an alle Arten von Kunſtſtuͤcke, z. B. Piſtolen abſchießen, aus⸗ und einfliegen gewöhnen laſſen. Soll er 4) aus dem Munde freſſen, ſo laͤßt man ihn eine Zeitlang im Kaͤfig ohne Nahrung und haͤlt ihm dann, indem er auf dem Finger ſitzt, ſeine Lieblingskoſt mit ausgeſtreckter Zunge vor. Der Hunger lehrt ihn bald anbeißen. Solche gezaͤhmte Voͤgel lernen auch 5) bald auf der Hand pfeifen. Dieß zu bewirken iſt weiter nichts noͤthig, als durch gewiſſe Toͤne, Bewegungen und Schmeicheleien ſie zu reizen. Der Buchfink thut es, wenn man ihm zur Singzeit jack, jack vorpfeift und ihn im Nacken ſtreichelt, und der Dohmpfaffe, wenn man ihm mit freundli⸗ chen Mienen und Hin- und Herbewegen des Oberleibes zu- ſpricht. | Noch iſt es bei dieſer Art von Zaͤhmung nöthig, 6) daß man laͤngere Zeit damit fortfaͤhrt, und darf man nicht verlangen, daß der Vogel in einigen Wochen ſchon frei— willig thun ſoll, was man ihm in einer Stunde gelehrt, oder eigentlich, wozu man ihn in ſo kurzer Zeit gezwungen hat. 8 4. Nahrung. Bei den Nahrungsmitteln der Stubenvoͤgel kommt es vorzuͤglich darauf an, ſie ſo zu waͤhlen, daß ſie der Nah⸗ rung, die die Voͤgel in der freien Natur ſelbſt ſuchen, gleich- kommen, oder wenigſtens aͤhnlich werden. Freilich haͤlt dieß oft ſehr ſchwer, wenn es nicht ganz unmoͤglich iſt. Wer giebt uns z. B. in unſern Gegenden die Saͤmereien, welche die oſt⸗ indiſchen Stubenvoͤgel verlangen? Es gehoͤrt alſo hier eine be: Nahrung. 15 ſondere Vorſicht dazu, die Stubenvögel oder vielmehr ihren Magen nach und nach an unſer Nothfutter zu gewoͤhnen, ob⸗ gleich nicht zu laͤugnen iſt, daß es auch Voͤgel giebt, wie z. B. Finken, Goldammern, Droſſeln, Seidenſchwaͤnze u. ſ. w. die, ſobald man ſie ins Zimmer ſetzt, gleich Alles ohne Anſtoß und Nachtheil wegfreſſen, was man ihnen vorwirft. Andere aber ſind zaͤrtlicher, und nehmen, theils aus Kummer uͤber den Verluſt ihrer Freiheit, theils aus Mangel ihrer bisheri⸗ gen Koſt, nichts zu ſich. Mit dieſen muß man daher ſehr be⸗ hutſam verfahren. Fangen ſolche Vögel, die man gewöhnlich . als zaͤrtlich kennt, z. B. die meiſten Saͤngerarten, ſobald ſie in die Stube kommen, gleich gierig an zu freſſen, ſo iſt dies ein Zeichen, daß fie ſterben werden. Es ſetzt dieſes eine ge- wiſſe widernatürliche Gleichguͤltigkeit gegen die verlorne Frei⸗ heit voraus, die faſt allemal in Kraͤnklichkeit ihren Grund hat. Fuͤr diejenigen, die ſich erſt einige Stunden in eine Ecke ver⸗ ſtecken und trotzen, braucht man der Regel nach am wenigſten bange zu fein. Nur muß man fie ungeftört austrotzen laſſen. Herr Dr. Meyer zu Offenbach ſchreibt mir uͤber die⸗ ſen Gegenſtand: „Ein faſt untruͤgliches Mittel, Voͤgel an das Futter zu gewöhnen — was bekanntlich bei vielen aͤußerſt 5 ſchwer hält — iſt folgendes: Man bringe den Vogel in einen Kaͤfig dahin, wo er ſich aufhalten ſoll, ſetze ihm das ihm zweckmaͤßige Futter und das Saufen in offenen Gefaͤßen frei hin, laſſe ihn ſo mehrere Stunden ungeſtoͤrt, fange ihn dann, und tauche ihn ganz in friſches Waſſer ein, und laſſe ihn nun wieder in ſein voriges Behaͤltniß. Er wird nun einige Augenblicke ganz erſchoͤpft daſitzen, ſich aber bald wieder er⸗ holen, ſich zu putzen beginnen, nach einigen Minuten aͤußerſt lebhaft werden und gewiß von der ihm vorgeſetzten Speiſe freſſen. Zuverlaͤſſig entſteht bei den Voͤgeln der Appetit nach dem Bade aus eben denſelben W wie bei dem Men⸗ ſchen.“ Einleitung. Um im Allgemeinen das Nöthige über die Nahrungsmit⸗ tel der Stubenvoͤgel ſagen zu koͤnnen, ſo ſcheint es am beſten zu ſein, dieſelbe in dieſer Ruͤckſicht unter vier Claſſen zu brin⸗ gen. Die Stubenvoͤgel ſind daher I) ſolche, die ſich blos von Saͤme reien naͤhren, als Canarienvoͤgel, Stieglitze, Zei⸗ ſige, Haͤnflinge, Gimpel ꝛc. 2) Solche, die Saͤmereien und Inſekten freſſen, als Wachteln, Lerchen (von allen Ar⸗ ten), Goldammern, die verſchiedenen Arten von Meiſen (wie⸗ wohl auch einige von dieſen noch Beeren freſſen.) 3) Solche, die ſich von Inſekten und Beeren naͤhren, als Nachtigal⸗ len, Rothkehlchen, Droſſeln, Mönche und andere Graſemuͤcken⸗ arten ꝛc. 4) Solche, deren Nahrungsmittel blos Inſekten ſind, z. B. die weißen und gelben Bachſtelzen, der Stein⸗ ſchmaͤtzer, das Blaukehlchen u. a. m. Die Voͤgel der letztern Claſſe ſind am ſchwerſten zu erhalten, und belohnen gewoͤhn⸗ lich durch ihren eben nicht ausgezeichneten Geſang die Muͤhe und Pflege nicht, die man auf ſie wenden muß. Doch kann man ſie auf folgende Art gewoͤhnen. Man ſammelt im Fruͤh⸗ jahre Fliegen, die man in alten Gebaͤuden an den Fenſtern in Menge findet, doͤrrt dieſe, und hebt ſie in einem Topfe auf. Wenn es dann gerade keine lebendigen Inſekten giebt, ſo thut man ſie unter folgendes Futter, das man auch als ein Uni verſalfutter bei zaͤrtlichen Voͤgeln z. B. Nachti⸗ gallen, wenn man ihnen nur zuweilen Ameiſeneier oder Mehl⸗ wuͤrmer giebt, brauchen kann. Man läßt ſich, nach Verhaͤlt⸗ niß der Anzahl der Voͤgel, auf ein Vierteljahr ungeſalzene Semmeln backen. Dieſe muͤſſen beim Baͤcker altbacken wer⸗ den, und wenn abgebacken iſt, noch einmal in den Ofen ge⸗ ſetzt und mit dem Ofen kalt werden. Dann laſſen ſie ſich im Moͤrſer gar leicht zu Gries ſtoßen, welcher ſich ein Vier— teljahr lang ohne Nachgeſchmack erhält. Von dieſem Gries nimmt man auf jeden Vogel des Tages einen ſtarken Thee⸗ loͤffel voll, und gießt auf denſelben laue oder kalte, nur nicht Nahrung. 17 ſiedende Milch, und zwar dreimal fo viel als der Semmel⸗ gries, wenn die Semmel von guten Mehl iſt. Dies läßt man nun quellen, woraus ein ſteifer Teig wird, den man auf einem Brete klar hackt. Dies Futter haͤlt ſich auch in der heißeſten Witterung lange, ohne ſauer zu werden, und wird nie klebrig, bleibt immer trocken und broͤcklig, und iſt ſehr nahrhaft. Wenn man dann zaͤrtliche Vogel bekommt, ſo legt man trockene Fliegen und zerhackte Mehlwuͤrmer auf das Futter, an das ſich die Vögel dann bald gewoͤhnen und nicht leicht erkranken oder ſterben werden. Bei der Wartung und Nahrung der erſten Claſſe hat die Erfahrung gelehrt, daß die Canarien voͤgel ein Gemiſch von Canarienſaamen, zerdruͤckten Hanf und Som⸗ merruͤbſaamen am liebſten freſſen, die Stie glitze und Zei⸗ ſige Mohn, zuweilen mit etwas zerquetſchten Hanf ver⸗ miſcht, die Haͤnflinge und Gimpel blos Ruͤbſaamen “). Alle verlangen dabei zuweilen etwas Gruͤnes, als Kohl, Sa⸗ lat, oder Brunnenkreſſe und Waſſerſand, den man nur auf den Boden des Kaͤfigs oder ihres ſonſtigen Aufenthalts ſchuͤt⸗ ten darf, und der ihnen zur Verdauung oft aͤußerſt noͤthig iſt. — Aus der zweiten Claſſe verlangen die Wachteln Waizen, Semmel- und Brodkrumen, die Lerchen Gerſten⸗ ſchrot mit gehackten Kohl oder Brunnenkreſſe, und Mohn und Brodkrumen vermiſcht, und im Winter Hafer, die Fin⸗ ken Sommerruͤbſaamen, im Sommer zuweilen mit etwas Hanf vermengt“), die Goldammern das Lerchenfutter, doch ) Jung erzogenen Vögeln, vorzüglich jungen Finken und Gimpeln, giebt man denſelben gern eingequellt. Man thut nämlich ſo viel, als man des Ta⸗ ges Rübſaamen braucht, in ein thönernes Gefäß und ſchüttet fo viel Waſſer darauf, daß es überall damit umgeben iſt. Thut man dies gleich Morgens, wenn die Vögel gefüttert ſind, ſo kann man es den andern Morgen ſchon gebrauchen. Im Winter ſetzt man es auf den Ofen, doch von der großen Hitze entfernt, und im Sommer in die Sonne. ) Zu viel Hanffaamen iſt allen Vögeln ſchädlich, und muß derſelbe daher Naturgeſch. d. Stubenvögel. 18 Einleitung. ohne Vermiſchung mit dem Grünen, die Kohlmeiſen Hanf, Fichtenſaamen, Speck, Hafer, Fleiſch, Brod, Semmeln, Haſel⸗ und Wallnuß⸗Kerne, die Blaumeiſen und Tan⸗ nenmeiſen das naͤmliche. Alle Voͤgel der erſten und zwei⸗ ten Claſſe, die im Freien entweder nur Saͤmereien oder dieſe und Inſekten freſſen, bleiben ohne Muͤhe im Zimmer am Le⸗ ben, ſie muͤßten denn zur Paarungszeit gefangen ſein, und wegen des Verluſtes ihrer Freiheit ſich ſelbſt zu Tode hun⸗ gern. So verdaͤchtig mir immer die Anpreiſung von Univer⸗ ſalarzneimitteln iſt, ſo ſehr muß ich doch hier ſelbſt, durch Erfahrung belehrt, die ich von Kindheit auf gemacht habe, ein oder vielmehr zwei Univerſal-Nahrungs mittel fie die Stubenvoͤgel empfehlen, und zwar Mittel, die im eigentlichſten Verſtande univerſell oder allgemein ſind, da ſich alle meine Stubenvoͤgel, die ich nicht des vorzuͤglichern Ge- ſangs wegen im Kaͤfig halte, dabei ſehr wohl befinden. Sie empfehlen ſich nicht blos durch ihre Wohlfeilheit und Ein⸗ fachheit, ſondern auch vorzuͤglich dadurch, daß fie demjeni⸗ gen, der viele Stubenvoͤgel haͤlt, einen merklichen Zeitverluſt beim Fuͤttern erſparen. Das Eine iſt folgendes: Man nimmt eine alte gut aus gebackene Semmel, weicht ſie ſo lange in friſches Waſſer ein, bis ſie ganz durchdrungen iſt, druͤckt das Waſſer wie⸗ der aus, begießt die Semmel mit Milch und mengt dann noch mehr oder weniger (bis auf ½ ſteigendes) griesartig gemahlnes und von allen Huͤlſen be— freites Gerſtenſchrot, oder noch beſſer klaren Waizengries) bei. i ; gewöhnlich nur eine Delikateſſe für ſie bleiben; denn wenn man ihnen den⸗ ſelben zu häufig giebt, fo werden fie nicht nur heiſer und blind, ſondern ſter⸗ ben auch an der Auszehrung. ) Der Waizengries iſt nicht fo hitzig, als Gerſtengries; iſt aber, da er theuer iſt, nicht eben nothwendig. Nahrung. 19 Das andere iſt: Man nimmt eine gelbe Ruͤbe (die man das ganze Jahr hindurch im Keller, in Sand ge⸗ ſcharrt, friſch erhalten kann), reibt ſie auf einem plat⸗ ten Reibeiſen, das ſogleich wieder rein abgebuͤr⸗ ſtet wird, quellt eine Pfennig ſemmel in Waſſer ein, druͤckt das Waſſer wieder aus, mengt beides unter zwei Haͤnde voll vom obigen Gerſten- oder Waizenſchrot und reibt dies Alles in einem Napfe mit einer Keule recht unter einander. Es iſt bei dieſen Futterarten weiter nichts zu bemerken noͤthig, als daß ſie alle Morgen friſch gemacht werden muͤſ⸗ ſen, weil ſie (beſonders das erſte) leicht ſauer, und dadurch den Vögeln ſchaͤdlich werden. Ich habe dazu eine thönerne. laͤngliche Krippe, an welcher jedesmal die Haͤlfte meiner Voͤ⸗ gel Platz hat, weil ſich ein thoͤnernes Gefaͤß beſſer reinigen läßt, als ein hoͤlzernes, durch welches letztere auch noch uͤber⸗ dies das Sauerwerden leichter befördert wird. Bei dem erſten Futter befinden ſich meine Stubenvoͤgel, deren ich doch beſtaͤndig 30 bis 40 frei herum laufen habe, ſo wohl, daß ſie alle nicht nur gut bei Leibe, ſondern auch ſo voll befie⸗ dert ſind, daß man ihnen ihren Stubenaufenthalt gar nicht anſieht. Saamen- und Inſektenfreſſende, alle Voͤgel freſſen dies Futter gern, und man ſieht daher in meiner Stube Finken, Haͤnflinge, Stieglitze, Zeiſige, Canarienvoͤgel, Gras⸗ muͤcken, Rothkehlchen, Lerchen aller Art „Wachteln, Gold⸗ ammern, Ortolane, Zipammern, Blaukehlchen, Rothſchwaͤnz⸗ chen u. ſ. w. alle an einer Krippe ſtehen und freſſen. Zum Ueberfluß und als Leckerei giebt man ihnen zu: weilen etwas Hanf, Mohn, Rübſaamen, Brod- und Sem⸗ melkrumen und Ameiſeneier. f i Nothwendig wird eins von dieſen Futtern auch den Voͤgeln der dritten und vierten Claſſe. Außerdem verlangen alle Stubenvögel jeden Morgen 2 Einleitung. friſches Waſſer, nicht nur zur Loͤſchung des Durſtes, ſondern die meiſten auch, um ſich zu baden. Wenn man eine große Anzahl frei herum laufen hat, ſo ſetzt man ihnen ein thoͤ⸗ nernes laͤngliches Gefaͤß von 8 Zoll Laͤnge und 2 Zoll Breite und Hoͤhe, das oben verſchiedene Unterſchiede hat, hin, da⸗ mit ſie ſich nicht ganz hineinſetzen und baden, und dadurch die Stelle immer unrein und naß machen koͤnnen. (Eben ein ſolches Gefaͤß kann auch zu den Univerſalnahrungsmit⸗ teln gebraucht werden, doch ſo, daß es keine Unterſchiede hat.) Zum Baden beduͤrfen nur blos die Wachteln und Lerchen des Waſſerſandes. i - Diejenigen Voͤgel, die Alles verſchlucken, was man ihnen vorwirft, ſind vor allen Speiſen zu bewahren, woran Pfeffer gethan iſt, und vor allem ſauern Fleiſche u. dgl. Dies iſt eine allgemeine Vorſichtsregel. Auch will ich noch bemerken, daß man den Vögeln in Kaͤfigen nicht mehr ges ben muß, als ſie des Tages freſſen, ſonſt gewoͤhnen ſie ſich daran, das Futter aus der Krippe oder dem Freßgeſchirre. zu ſchleudern, genießen heute das beſte und laſſen bis Mor⸗ gen das ſchlechteſte, befinden ſich daher heute wohl, und ſind des andern Tages verdrießlich. | 8 5. Fortpflanzung. 1 Im Allgemeinen läßt ſich nur ſehr wenig von der Fort— pflanzung der Stubenvögel ſagen, da es bei den meiften, (die man nicht, wie die Canarienvöͤgel, zu eigentlichen Haus⸗ 5 thieren zieht, ſo ungemein ſchwer haͤlt, ſie zu dieſem Ge⸗ (ſchaͤfte zu bringen. Ein Haupterforderniß iſt, den Vögeln, die bruͤten ſollen, einen ſtillen, einſamen und geraͤumigen Aufenthaltsort, wo moͤglich ein ganzes Zimmer einzurichten, in das man im Winter abgehauene Tannen ſtellt, die die Fortpflanzung. | 21 Nadeln nicht verlieren. Ueberhaupt iſt es nöthig, einen fol- chen Raum dem natürlichen Aufenthaltsorte in der Freiheit moͤg⸗ lichſt aͤhnlich zu machen, damit die Voͤgel den größten Reiz zur Paarung haben. Da man aber, bei aller angewandten Sorg⸗ falt, ihren Bruͤteplatz der Natur getreu nachzubilden, doch ihnen theils die nöthigen Unterlagen, theils die gehörigen Verbindungs⸗ materialien nicht verſchaffen kann, ſo thut man am beſten, ihnen auch kuͤnſtliche Neſter aus geflochtenen Baſt, Weiden, Stroh oder gedrechſelten Holz zu verfertigen, in welche ſie nur die noͤthigen weichen Unterlagen, wozu man ihnen Thier⸗ haare und gezupfte Seide und Leinwand hinlegt, zu tragen brauchen. Vorzuͤglich muß man dann auch auf eine zweck⸗ maͤßige Nahrung ſehen, welche theils die alten Voͤgel zur Paarung geſchickt macht, theils dem verſchiedenen Alter der ausfliegenden Jungen angemeſſen iſt. Die Vorſichtsmaßregeln, welche man in dieſer Bezie⸗ hung bei den verſchiedenen Vogelarten zu beobachten hat, werde ich bei der einzelnen Geſchichte derſelben angeben. Noͤthig iſt es noch, daß ich hier im Allgemeinen anfuͤh⸗ re, zu welcher Zeit die jungen wilden Voͤgel, die man auf⸗ ziehen will, aus dem Neſte zu nehmen ſind. Dies iſt die Zeit, wenn die Schwanzkielen aufgeſprungen ſind, auch alle 5 Federn ſich auszubreiten anfangen, und die Voͤgel die Au⸗ gen noch nicht vollkommen oͤffnen koͤnnen. Nimmt man ſie fruͤher aus, fo iſt ihr Magen noch zu ſchwach, die Stuben- koſt zu vertragen, und geſchieht es ſpaͤter, ſo ſind ſie meiſt immer nur mit großer Muͤhe dahin zu bringen, daß ſie den Schnabel aufſperren, um eine ihnen unbekannte Nahrung zu empfangen. Doch giebt es auch Voͤgelarten, die ſich zu allen Zeiten gut auffüttern und zaͤhmen laſſen. Einleitung. §. 6. Krankheiten. So wie alle zahmen Thiere, ſo ſind auch die Stuben⸗ voͤgel mehrern Krankheiten ausgeſetzt, als die Voͤgel welche im Freien leben“), und dies um fo mehr, da fie oft in einem Kaͤfig ſo eng eingeſperrt ſind, daß ſie faſt gar keine Bewegung haben. Man vermehrt aber die Krankheiten oft dadurch, daß man den Stubenvoͤgeln allerhand Leckereien von Backwerk, Zucker u. dergl. reicht, welche ihnen den Magen verderben und gewoͤhnlich ein langſames Auszehren verur⸗ ſachen. Die vorzuͤglichſten Krankheiten und deren Heilung, wie ich fie an meinen Vögeln erprobt gefunden habe, ſind fol⸗ gende. Freilich erfordern auch die verſchiedenen Voͤgel, vor⸗ zuͤglich in Ruͤckſicht ihrer Nahrungsmittel, auch eine verſchie⸗ dene Behandlungsart ihrer Krankheiten, und ich werde da= her bei jedem Vogel noch anzugeben noͤthig haben, wie man ſeine beſondern Krankheiten heilen koͤnne, wenn die allgemei⸗ nen Mittel ſeiner Natur nicht angemeſſen ſind. 1. Der Pips. Es iſt dieß eigentlich ein Katharr, bei welchem das oberſte Zungenhaͤutchen durch die Hitze verhaͤr⸗ tet und die Nafenlöcher verſtopft werden. Groͤßern Voͤgeln loͤſet man daher dieß Haͤutchen von der Zunge ab, und zwar faͤngt man hinten von unten an. Dadurch wird die Aus⸗ duͤnſtung der Zunge wieder geöffnet, der zur Verdauung noͤ⸗ thige Zungenſchleim kann ſich wieder erzeugen, und der Ge⸗ ſchmack und Appetit kommt wieder. Ein Biſſen, der aus Butter, Pfeffer und Knoblauch beſteht, loͤſt gewöhnlich den *) Man hat wohl mehrmals behauptet, daß die Vögel in der freien Natur nie krank würden, allein dieß iſt ungegründet, wie ich in Folge vielfacher Beo⸗ bachtungen weiß. So habe ich z. E. die Braunelle ſchon unzähligemal dicht mit Blattern beſetzt angetroffen, beſonders an den nackten Theilen, an den Füßen und um den Schnabel herum. Krankheiten. 23 Katharr vollends. Auch kann man ſie mit Erfolg Bruſtthee, der von Ehrenpreis gemacht iſt, ſaufen laſſen. Um die Ver⸗ ſtopfung der Nafenlöcher zu hindern, zieht man ihnen ein kleines Federchen durch dieſelben. N Man erkennt dieſe Krankheit an der gelben Schnabel⸗ wurzel, den aufgeſtraͤubten Kopffedern, dem oͤftern Aufſperren des Schnabels und der Trockenheit der Zunge. 2. Fuͤr den Schnupfen, welcher ſich durch oͤfteres Nieſen und Schuͤtteln mit dem Kopfe zu erkennen giebt, habe ich kein beſſeres Mittel gefunden, beſonders, wenn mir der Vogel ſehr werth geweſen iſt, und ich die Natur nicht ſelbſt habe wirken laſſen wollen, als etliche Tropfen Bruſtelexier in Bruſtthee zum Trinken vorgeſetzt, oder, wenn er es nicht ſelbſt trank, eingeſchuͤttet“). 3. Die Duͤrrſucht (Auszehrung). Sie iſt gewöhne lich die Folge unnatürlicher Nahrungsmittel, die das Geſchaͤft der Verdauung ſtoͤren, und man erkennt fie daran, daß die Vögel ſich kroͤpfen, dick machen, d. h. die Federn nicht an⸗ legen und ihnen das Fleiſch ſchwindet. Ich weiß bis jetzt kein beſſeres Mittel, als daß man ſolchen Vögeln eine Kreutz⸗ oder Hausſpinne eingiebt, welche ſie purgirt, und daß man in ihr Trinkgeſchirr einen verroſteten Nagel legt, was ih: nen die Eingeweide ſtaͤrkt. Sie müffen dabei das beſte, ih- rer Natur angemeſſenſte Futter bekommen. Bei Voͤgeln, die Grünes freſſen, fand ich dieſes immer und beſonders Brun— nenkreſſe als das ſicherſte Mittel gegen die Auszehrung. Ge⸗ woͤhnlich haben auch die Voͤgel in dieſer Krankheit einen gro⸗ ßen Appetit danach. Ich fütterte einen Zeiſig, der ſchon ganz abgezehrt war, drei Tage hinter einander mit nichts anderm als Brunnenkreſſe, und den vierten u fang er wieder, Kranken Hühnern habe ich in / Nöſel Thee 20 Tropfen gegeben. Einleitung. 4. Die Verſtopfung. Man erkennt dieſe Krankheit daran, daß die Voͤgel alle Augenblicke den Hinterleib beugen, um die Exkremente von ſich zu geben, es aber nicht vermoͤgen. Wenn eine eingeſtopfte Spinne nicht hilft, ſo nimmt man einen glatten Stecknadelkopf, taucht ihn in Leinoͤl ein, und ſchiebt ihn etlichemal ſanft den Maſtdarm hinein. Ein ſol⸗ ches Klyſtier hilft gewoͤhnlich. Bei Vögeln, die Mehlwuͤr⸗ mer freſſen, hebt man die Verſtopfung durch einen ausge⸗ druͤckten Mehlwurm, der mit Leinoͤl und Safran gefüllt iſt. Der Vogel verſchlingt in demſelben die Laxirung ohne Zwang, und die Wirkung iſt gewiß. 5. Der Durchfall (Kalkſcheiß). Die Voͤgel bekom⸗ men ihn häufig, ehe fie ſich an das Stubenfutter gewöhnen, und ſterben meiſtentheils. Sie geben alle Augenblicke eine weiße kalkartige Materie von ſich, die ſich meiſt in die Fe⸗ dern um den After haͤngt, und ſo ſcharf iſt, daß ſie den Maſtdarm und After entzuͤndet. Auch hier hat zuweilen der innere Gebrauch von Eiſenroſt, den man ins Trinkgeſchirr thut und ein Leinoͤlklyſtier geholfen. Ich kenne aber eigent⸗ lich noch kein Hauptmittel dagegen, und habe nur gefunden, daß man kranke Voͤgel zuweilen noch rettet, wenn man ih⸗ nen nur Futter reicht, was ihrer Natur am meiſten zuſagt. Manche rupfen ihnen die Schwanz- und Afterfedern aus, be⸗ ſtreichen den Hintern mit friſcher Butter und thun unter das Futter etwas hartes gelbes Ei. Dieß Mittel habe ich in⸗ deß nur ſelten mit guͤnſtigem Erfolge angewendet. 6. Die Verſtopfung der Fettdrüfen oder die ſogenannte Darre. Es befindet ſich bei jedem Vogel auf dem Steiße (oberhalb des Schwanzes) eine Drüfe, welche das noͤthige Oel enthält, womit die Vögel ihr Gefieder be- ſtreichen, um daſſelbe geſchmeidig zu erhalten und das Durch⸗ dringen der Naͤſſe zu verhindern. In der Gefangenſchaft un⸗ terlaſſen die Vögel das oͤftere Aufdruͤcken dieſer Drüfe, indem Krankheiten. 25 ſie ſeltner, als im Freien, durchnaͤßt werden und es geſchieht daher oft, daß die Drüfe auſſchwillt, verhärtet oder zuſchwaͤrt. Bemerkt man den Vogel traurig ſitzen, den Schwanz abe waͤrts beugen, ſieht man, daß ſich die Federn am Steiße ſtraͤuben und daß die Voͤgel immer danach beißen, ſo unter⸗ ſuche man, ob nicht die angeſchwollene Druͤſe daran Schuld ſei. Man kann dieſe zuweilen blos durch ungeſalzene But⸗ ter, unter welche man viel Zucker miſcht, erweichen und die Oeffnung durch Streichen mit einer Nadel oder einem Meſ⸗ ſerchen erweitern; am beſten aber öffnet fie ein Bleiſaͤlbchen oder vielmehr ein Saͤlbchen von Silberglaͤtte, Bleiweiß, Wachs, Baumoͤl, das man in einer Apotheke beſtellen muß. Das gewoͤhnliche Mittel, welches man anwendet, iſt das Aufſtechen mit einer Nadel, oder Abſchneiden der verhaͤrteten Druͤſe. Dieß Mittel hebt zwar, wie natürlich, die Verſtop⸗ fung, allein zerftört auch die Druͤſe, und die Voͤgel ſterben gewoͤhnlich in der Mauſer, da ihnen die Fettigkeit zum Ein⸗ ſchmieren der Federn fehlt!). 7. Die fallende Sucht. Eine ſehr gewoͤhnliche Voͤgelkrankheit. Das gute Stubenfutter und der Mangel an Bewegung, wodurch viel und dickes Blut erzeugt wird, ſollen die hauptſaͤchlichſten Urſachen davon ſein. Ich habe kein beſſeres Mittel gefunden, als daß ich die Voͤgel, indem ſie davon befallen wurden, einigemal in eiskaltes Waſſer tauchte, und ihnen die Nägel fo weit befchnitt, daß einige Tropfen Blut heraus floßen. Auch waren einige, dem Vo⸗ gel eingegebene Tropfen Baumoͤl von gutem Erfolg. Gro⸗ ßen Vögeln läßt man an den Seiten der Füße an einer ) In Tſcheiners Vogelfänger und Vogelwärter heißt es über dieſe Krankheit: „Hat dieſes Uebel die Geſundheit des Vogels noch nicht zu ſehr angegriffen, fo ſuche man es dadurch zu heben, daß man die Drüfe auf⸗ ſticht, ausdrückt, den Vogel fleißig mit einer kleinen Spritze badet, und ihm einige Schwanzfedern ausrupft. Das angehäufte Fett wird zur Bildung der edern verwendet und die Drüſe erhält ihre natürliche Beſchaffenheit.“ F Einleitung. Blutader zur Ader. Gewöhnlich ſterben dergleichen kranke Voͤgel uͤber lang oder kurz an dieſer Krankheit. S8. Auch das Mauſern iſt eine Krankheit. Man muß die Voͤgel zu derſelben Zeit beſonders gut warten und pfle- gen, und ihnen abwechſelndes Futter, nur keine Lekereien, geben. 9. An den Fuͤßen leiden die Stubenvoͤgel auch gar ſehr. Man muß ſie immer und zwar ſo behutſam reinigen, daß man ihnen die Haut nicht verletzt. Die großen dicken abgetretenen Schuppen oder Schilder vorn an den Beinen muͤſſen den Voͤgeln auch alle Jahre einmal, doch mit großer Vorſicht, abgeloͤſt werden. 10. Die Windſucht. An einem Theile des Leibes oder oft am ganzen Leibe blaͤßt ſich die Haut auf, oft ſo ſteif wie eine Trommel. Man macht mit einer Stecknadel eine kleine Oeffnung, wodurch die Luft wegfaͤhrt und der Vogel ge— woͤhnlich ſogleich geſund iſt. Ich habe Feldlerchen gehabt, die an dieſer Krankheit litten, und die in der naͤchſten Viertel⸗ ſtunde, wo ſie die Luft los waren, wieder ſangen, obgleich ſie vorher bis zum Sterben krank waren. 11. Das Drehen. Es iſt dieß zwar eigentlich keine Krankheit, aber doch ein faſt allgemeines Uebel, und eine Ge⸗ wohnheit, die ſaamenfreſſende Stubenvoͤgel im Kaͤfig anneh⸗ men, indem ſie den Kopf und Hals zuruͤckdrehen, manchmal ſo ſtark, daß ſie ſich uͤberpurzeln. Man kann ihnen dieß nicht beffer abgewoͤhnen, als wenn man ihnen, ſobald man ſo et⸗ was merkt, einen Deckel uͤber den Kaͤfig macht, damit ſie nicht uͤber ſich ſehen können; denn dieß iſt die Veranlaſſung zum Drehendwerden. 12. Die Laͤuſeſucht. Werden die Voͤgel zuweilen, beſonders des Nachts ſehr unruhig, ſieht man fie öfters plög- lich mit dem Schnabel bald den Unterleib, bald den Ruͤcken, bald die Fluͤgel betaſten, ſo unterſuche man, ob man nicht Krankheiten. 27 kleine gelbliche Inſecten (Laͤu ſe oder vielmehr Milben) auf dem Koͤrper, oder zwiſchen den Federn entdeckt. Iſt dieſes der Fall, ſo beſpritze man den Vogel vermittelſt einer kleinen Spritze mit Waſſer, worein man laufendes Quedfilber geſot⸗ ten, oder mit einem ſchwachen Aufguß von Tabacksblaͤttern mehrere Tage hinter einander, wodurch das Ungeziefer getoͤd— tet oder vertrieben wird. Ein zweites Mittel gegen die Laͤuſe iſt, die Voͤgel öfters zu baden, und ihnen taͤglich friſchen (aber trockenen) Sand zu geben und uͤberhaupt fuͤr die moͤglichſte Reinlichkeit zu ſorgen. 13. Findet man, daß die Voͤgel uͤber maͤßig fett wer⸗ den, was im Herbſt beſonders bei einigen Arten von Gras⸗ muͤcken leicht der Fall wird, ſo entziehe man ihnen das zu ſehr naͤhrende Futter, miſche mehr gelbe Ruͤben darunter und reiche ihnen im Trinkwaſſer duͤrre Ameiſeneier j bie überhaupt das Fettwerden fehr verhindern. Noch einer Krankheit ſind die Stubenvoͤgel unterworfen, die ich 14) das Liebesfieber nennen moͤchte. Sie fällt gewoͤhnlich in den Monat Mai, wo der Begattungstrieb am ſtaͤrkſten it. Die Vögel, die davon befallen werden, hoͤren gewoͤhnlich um dieſe Zeit auf, zu ſingen, werden verdrießlich, ſtraͤuben die Federn, zehren ab und ſterben. Voͤgel, die in Kaͤfige eingeſperrt ſind, trifft dieſe Krankheit am erſten. Die Urſache ſcheint mir in der Einfoͤrmigkeit und langen Weile, eingeſperrt zu ſein, und in der Sehnſucht nach einem Weib- chen zu liegen. Ich curirte daher mehrere Patienten dieſer Art blos damit, daß ich ſie oft vor's Fenſter hing. Da⸗ durch wurden ſie gleichſam wieder aufgeheitert und ſchienen ihren Kummer und ihre Sehnſucht nach Freiheit und Begat⸗ tung in der Hoffnung und in der allgemeinen Freude der Liebe b n Voͤgel zu vergeſſen. Einleitung. §. 7. Alter. Das Alter der Stubenvögel hängt vorzüglich von ihrer guten Wartung ab. Man erzaͤhlt von Papageien, daß ſie uͤber 100 Jahr alt geworden waͤren, und von Nachtigallen, Finken und Stieglitzen weiß man, daß ſie 24 Jahre im Kaͤ⸗ fig gelebt haben. Das Alter der Stuben - und zahmen Voͤ⸗ gel iſt um deſto merkwuͤrdiger, da man dadurch nur allein im Stande iſt, etwas Gewiſſes uͤber das Alter der Voͤgel uͤberhaupt zu beſtimmen; und die Stubenvoͤgel werden daher auch in dieſer, ſo wie in vielen andern Ruͤckſichten, fuͤr den Naturforſcher von großer Wichtigkeit. Ueberhaupt iſt es merk⸗ wuͤrdig, daß die Voͤgel, obgleich ſie geſchwinder wachſen, doch ein weit höheres Alter erreichen, als die Saͤugethiere; denn bei dieſen dauert das Leben ſechs bis ſiebenmal laͤnger als die Zeit ihres Wachsthums, bei jenen aber funfzehn, zwanzig bis dreißigmal laͤnger. Man giebt als Urſache das Gewebe der Knochen an, deren Maſſe lockerer und leichter iſt, und alſo laͤnger poroͤs und unverhaͤrtet bleibt, als bei Saͤugethieren. §. 8. Fang. Zum Beſitze der Stubenvoͤgel gelangt man vorzuͤglich durch Vogelhaͤndler und Vogelſteller; jene verſehen uns mit fremden und abgerichteten, und dieſe mit unſern einheimiſchen wilden Voͤgeln. Letztere muͤſſen nicht allein die gehoͤrige Kenntniß von den verſchiedenen Arten, die Voͤgel zu fan- gen, ſondern auch von den verſchiedenen Loktoͤnen haben, womit ſich dieſelben nicht nur uͤberhaupt, ſondern auch und vorzuͤglich die verſchiedenen Geſchlechter derſelben hintergehen Fang. | 29 und herbeirufen laſſen. Doch wie bekannt, find ja die Lock⸗ toͤne bei den Voͤgeln, vorzuͤglich bei den Stubenvoͤgeln, nach den verſchiedenen Leidenſchaften und Beduͤrfniſſen verſchieden. Dieſe Sprache muß nun der Vogelſteller verſtehen, wenn er ſeines Fanges gewiß ſein will. Da faſt ein jeder Vogel eine eigene Art des Fanges erfordert, wenn man ihn einzeln zum Ziele ſeiner Wuͤnſche macht, ſo werde ich auch nur bei der beſondern Geſchichte jedes Vogels die Hauptkunſtgriffe angeben koͤnnen, wie man ſich deſſelben bemaͤchtigt. Hier kann ich nur im Allgemeinen von dem Fange der Stubenvoͤgel reden. | Vor allen Dingen muß man wiſſen, wann die Bo: gel zu fangen find. Sind es Zugvoͤgel, welche ſowohl der Kaͤlte als Nahrung wegen in waͤrmere Laͤnder reiſen muͤſ⸗ ſen, ſo kann man ſich ihrer am beſten auf ihren Wanderungen im Herbſt oder Fruͤhjahr bemaͤchtigen. Die Strichv oͤgel, welche zwar nicht die Kaͤlte, aber doch der Mangel an Nah⸗ rungsmitteln bald da bald dorthin treibt, kann man theils im Herbſte und Fruͤhjahr, theils aber auch im Winter erlangen, und endlich die Stand voͤgel, welche aus keiner von dieſen Urſachen ihr Vaterland zu verlaſſen brauchen, kann man zu / allen Jahreszeiten fangen, doch aber im Winter, wo ſie ſich auch meiſt in kleine Herden zuſammen ſchlagen, am leich⸗ toſten. Im Herbſt faͤngt man die Stubenvoͤgel gewoͤhnlich in großer Menge im Garn, ) einige, die nach den Lockvöͤgeln und den hingeſtreuten Nahrungsmitteln gehen, in den Gar⸗ nen auf den ſogenannten Vogelheerden, und andere, die ) Wer mehr über den Vogelfang nachleſen will, als es hier mein Zweck erlaubt anzuführen, den kann ich auf meine Naturgeſchichte Deutſchlands B. 2. S. 102 bis 135 verweiſen, wo er die vorzüglichſten und beſten Fang⸗ anſtalten beſchrieben findet; auch auf meine Anweiſung, Vögel zu fangen u. ſ. w. Nürnberg bei Monath und Kußler. Einleitung. ſich alsdann nicht anlocken laſſen, wie die Lerchenarten, treibt man in die aufgeſtellten Vogelnetze. Im Fruͤhjahre iſt die eigentliche Zeit, wo man die Stubenvoͤgel faͤngt, die auf die lockende Stimme der Vogelſteller oder des im Käfig verbor— genen Lockvogels zugehen, um hier einen Gatten zu ſuchen, mit dem ſie ſich paaren koͤnnen. Auch werden alsdann die⸗ jenigen noͤrdlichen Voͤgel gefangen, die nur bei uns durchwan⸗ dern, und die man nicht im Winter, da ſie weit ſuͤdlicher uͤber⸗ wintern, zu fangen Gelegenheit gehabt hat. Jetzt iſt auch die Zeit, wo man die Stubenvoͤgel am beſten nach ihrem Ge⸗ ſchlechte unterſcheiden kann. Denn es iſt eine bewaͤhrte Erfah⸗ rung, daß bei den Zug- und Strichvoͤgeln die Maͤnnchen immer einige Tage, ja zuweilen eine ganze Woche und fruͤher ankom⸗ men, als die Weibchen. Daher fangen die Vogelſteller bei den erſten Zuͤgen lauter Maͤnnchen, bei den letzten aber nur Weibchen. Die geeigenteſte Jahreszeit zu dieſem Vogelfange iſt der Maͤrz und April, und zwar von Tagesanbruch bis früh neun Uhr; denn nach dieſer Zeit gehen die Voͤgel ih⸗ rer Fuͤtterung nach und hoͤren nicht auf die Lockſtimme. Da man auf dieſe Art faſt alle ſaamenfreſſende Stu⸗ benvdgel fängt, fo will ich dieſen einfachen Vogelfang, deſſen man ſich in Thuͤringen bedient, hier etwas naͤher be⸗ ſchreiben. | Man nimmt nämlich etliche ſtarke Aeſte von Eichen: oder Rothbuchen, welche die verwelkten Blaͤtter noch haben, und ſchneidet ſie bis auf 1 oder 1½ Fuß weit oben am Gipfel glatt, ritzt alsdann die oben abgekoͤpften Zweige, da⸗ mit man die Leimruthen in dieſelben ſtecken kann. Dieſe Buͤſche, die man Lockbuͤſche nennt (weil man den Vogel⸗ fang ſelbſt in Thuͤringen die Locke nennt), ſetzt man nun auf eine Anhöhe oder an denjenigen Ort, wo die Voͤgel gern ihren Zug hin nehmen. Denn die Voͤgel haben auf ihren Reiſen ſo beſtimmte Straßen, die ſie allezeit paſſiren, und Fang. 31 wo ſie alsdann haͤufig vorbeiſtreichen, daß ſie z. B. in einer Entfernung von 4 bis 500 Schritten von einer ſolchen Straße gar nicht angetroffen werden. In gebirgigen Gegenden neh⸗ men die Zugvoͤgel ihren Weg meiſtens uͤber die Thaͤler hin und muß man daher die Lockbuͤſche auf den Anhoͤhen auf⸗ ſtellen, die an Thaͤler ſtoßen. Auf dem Gipfel der Buͤſche ſteckt man nun in die gemachten Einſchnitte die Leimruthen (Leimſpindeln) etwas ſchief ein, und unter dieſelben ſtellt man auf den Boden die verſchiedenen Lockvoͤgel in Kaͤfigen, welche man mit Tannenzweigen bedeckt, damit die Lockvoͤgel theils nicht von den voruͤberfliegenden geſehen werden, theils ſie ſſelbſt jene nicht ſehen; denn ſonſt würden ſich jene Voͤgel nicht auf die Lockbuͤſche ſetzen, und dieſe fie nicht herbeilo⸗ cken. Zu Lockvoͤgeln nimmt man lieber ſogenannte Wil d⸗ fänge (in der Freiheit gefangene alte Vögel), als jung auf: gezogene Voͤgel, weil die letztern ſo ſehr verwoͤhnt ſind, daß ſie entweder die Locktöne gar nicht verſtehen, oder doch nicht ſo emſig nach einem Gatten rufen, wie jene, oder wohl gar ſich fremde, verſcheuchende Locktoͤne angewoͤhnt haben. Einer der beſten Vogelfaͤnge iſt noch der Traͤnkheerd. Man faͤngt auf demſelben Voͤgel von allen Arten, und hat dabei immer das Ausſuchen, was man gerade haben will. Es iſt nichts angenehmeres, als in ſchwuͤlen Sommerta⸗ gen in einem dunkeln Grunde, wo ein Baͤchlein rauſcht, dieſen Fang abzuwarten. Man ſtellt ein kleines Schlaggarn, nach der Groͤße des Platzes 3, 4, 5, 6 Fuß lang, 3 bis 4 Fuß breit uͤber eine kleine Grube, in welche man das Waſſer durch ein Rinnchen rauſchen laͤßt. In dieſer Grube liegen ein Zoll dicke Staͤbe mit dem Waſſer gleich; uͤber dieſe ſteckt man Bogen, daß das Garn beim Niederſchlagen trocken bleibt. Alles uͤbrige Waſſer wird mit Reißig belegt. Auf gut gewaͤhlten Plaͤtzen iſt man den ganzen Tag von den verſchiedenſten Voͤgeln in Menge * Fruͤh und Einleitung. Abends, beſonders nach Sonnenuntergang iſt der beſte Fang, der den 24ſten Julius anfaͤngt und bis im October dauert. Wenn die Traͤnke fo angelegt werden kann, daß ſie ſich gleich vor einem großen Holze in einem Wieſenhoͤlzchen befindet, das nicht mit Laubholz bewachſen iſt, und an welches an- dere Umzaͤunungen und Gaͤrten ſtoßen, ſo kann man den Fang mit Wald - und Feldvoͤgeln vereinigen; ſonſt muß man ſich zwei Traͤnkplaͤtze anlegen. Von den uͤbrigen Fangarten iſt die auf der ſogenann⸗ ten Schneuß eine der am leichteſten zu bewerkſtelligenden und intereſſanteſten, weshalb ſolche hier naͤher beſchrieben und durch eine Abbildung verſinnlicht wird. In Waͤldern und im Gebuͤſche faͤngt man im Herbſt, vorzuͤglich vierzehn Tage vor und vierzehn Tage nach Mi⸗ chaelis in Schlingen von leinenen Garn oder Pferdehaaren, welche in gerade oder geſchlaͤngelte Gaͤnge auf mancherlei Weiſe aufgeſtellt werden, verſchiedene Arten großer und klei⸗ ner beerfreſſender Voͤgel, z. B. Droſſeln, Rothkehlchen, und nennt einen ſolchen Fang und Gang eine Schneuß. . Man bedient ſich dazu vorzuͤglich der Dohnen und Sprenkel. 5 Von den Dohnen. Es wird genug ſein, hier nur die vorzuͤglichſten Arten der Dohnen, deren man in den verſchiedenen Gegenden Deutſchlands ſehr viele hat, anzugeben. a) Baſtdohnen, (Taf. VII. Fig. 1.) die aus im Su: lius geſchaͤltem Lindenbaſte geflochten werden. Die ganze Dohne beſteht in einer dreifach geflochtenen Schnur von fuͤnf Zoll Laͤnge, in welche drei, aus vier bis ſechs Pferdehaaren zuſammen geflochtene Schleifen mit eingeflochten werden, ſo daß der Knoten der Schleife in der Baſtſchnur befeſtigt iſt, und das uͤbrige zum Ausſtellen frei heraushaͤngt. An dem einen Fang. 33 Ende der Baſtſchnur wird ein Auge (offne Schlinge) einen Zoll lang angebracht, am andern aber bleiben geflochtene oder ungeflochtene Baſtfaſern zum Anbinden haͤngen. Zum Aufſtellen der Dohne nimmt man ein Stöckchen von der Staͤrke eines kleinen Fingers, an welchem ein kleiner Zweig gerade ausgewachſen iſt, bohrt ein Loch in einen dicken oder duͤnnen Baum, haͤngt an den Zweig die Dohne mit dem 7 Auge, bindet ſodann die Enden um den Baum, und zieht die drei an der aufgeſpannten Schnur über dem Stoekchen hängenden Dohnſchleifen auf. Endlich haͤngt man die Lock— ſpeiſe, welches Vogelbeeren (Ebereſchenbeeren) ſind, in die unten an dem Stockchen eingeſchnittenen Ritzen fo ein, daß ſie abwaͤrts haͤngt. Be b) Bügeldohnen (Taf. VII. Fig. 2.) Hierzu nimmt man zaͤhe Ruthen von Weiden- oder beſſer von Seelenholz, 5 macht Loͤcher oder Ritzen in die Baͤume, und ſteckt ſie als einen Buͤgel oder halbes Oval ſo in dieſelben, daß die obere und untere Seite etwa ſechs Zoll lang und der Zwiſchen⸗ raum vier Zoll hoch wird. In der Oberſeite des Buͤgels werden zwei bis drei herunterhaͤngende pferdehaarne Schlei⸗ fen angebracht, und in die Spalte des Untertheils ſteckt man die Vogelbeeren. len | „ e) Haͤngedohnen (Taf. VII. Fig. 3.) Sie beſte⸗ hen aus einem von weidenen Ruthen gebogenen Triangel, der unten ſechs Zoll breit, aber faſt dreimal ſo hoch iſt, an der Grundlinie die Vogelbeeren, an beiden Seiten aber zwei Schleifen hat. Sie ſind ſehr gut an Baͤumen, in He⸗ cken und Geſtraͤuche anzubringen und werden mit der Spitze oben an einen Zweig angebunden. iir Wer aber einen Dohnenſteig beſitzt, wie man der⸗ gleichen Arten von Schneußen gewoͤhnlich nennt, der wird wiſſen, daß die Vogelbeeren immer abgefreſſen find; dies thun theils die Mäufe, theils aber auch die Voͤgel ſelbſt. Naturgeſch. d. Stubenvögel. 3 Einleitung. Letztere machen nämlich, wenn fie nicht der größte Hunger treibt, alle mögliche Verſuche, den Beeren beizukommen, ohne ſich in den Buͤgel zu ſetzen. Die mehrſten ſchnappen die Beeren im Fluge weg; ſie fliegen dabei allezeit auf dieſelben los, reißen eine oder ein paar ab, und ſetzen ſich auf die Erde, um ſie zu freſſen. Dies koͤnnen beſonders die Sing⸗ droſſeln ſehr geſchickt. Die Rothdroſſel fest ſich gern von der Seite hinein, oder klammert ſich auswendig an die Dohne. Oft fliegt der Vogel aufgerichtet hinein und faͤhrt über den Schlingen durch, bisweilen fliegt er gebuͤckt hinein, und geht unter den Schlingen weg, und auf dieſe Art wer- den alſo die Dohnen von Beeren entblößt (ausgebeert). Die⸗ ſem Uebel abzuhelfen dient folgende Dohnenart. d) Man kann ſie ganze Boͤgeldohnen nennen. (Taf. VII. Fig. 4.) Man nimmt Stoͤcke von zaͤhen Wei- den, die ohngefaͤhr die Staͤrke eines kleinen Fingers haben, knicket ſie acht Zoll vom dicken Ende an ein, biegt ſie vor dem Knie oder aus freier Hand laͤnglich rund, ſchneidet das ſchwache Ende ſcharf wie ein Keil, macht zwei Zoll von dem Ende des dickern eine Spalte und ſteckt es hinein und etwas durch. Auf dieſe Art wird der Buͤgel oval rund. An den Seiten der Rundung ſticht man mit einem ſpitzigen Meſſer ein und ſteckt die Schlingen durch, und unten die Beeren. Unten bei den Beeren klemmt man noch an der Seite in einen Ritzen zwei Schlingen ein, und ſtellt ſie auf, daß die Beeren recht dazwiſchen haͤngen, doch etwas abwaͤrts, und man wird finden, daß ſich oft in den unterſten Schleifen mehr Voͤgel als in den oberſten fangen. Uebrigens iſt die Breite und Hoͤhe dieſer Dohnen, wie bei den vorhergehenden. Beim Aufſtellen aller dieſer Arten von Dohnen, muß vorzuͤglich darauf geſehen werden, daß die Haarſchleifen ge: rade ſtehen, welches man dadurch bewirkt, daß man ſie bei Fang. 35 ihrer Verfertigung etlichemal in kochendes Waſſer legt; fer⸗ ner, daß ſie genau zuſammenpaſſen und keinen Zwiſchenraum laſſen, durch welchen der Vogel mit dem Kopfe durchkrie⸗ chen koͤnnte. nn Man kann diefe Dohnen einige Jahre brauchen, wenn man fie nach dem Schluſſe des Vogelſtrichs wohl aufbewahrt, und die Schlingen in die Runde in einen großen Zirkel auf⸗ wickelt oder lang und ſtraff aufhaͤngt. 2) Von den Sprenkeln. Mit dieſen fängt man die Vögel an den Beinen, und nicht am Halſe wie bei den Dohnen. Man hat vorzüglich zweierlei Arten. ö a) Die eigentlichen Sprenkel. (Taf. VII. Fig. 5.) Man nimmt eine Haſel⸗ oder Weidenruthe, ſchneidet an dem dicken Ende eine Kerbe, wie ein halbes Oval ein, und bohrt ein Loch durch, und befeſtigt an das duͤnnere Ende eine pferdehaarne oder zwirnene Schnur, zieht ſie ſo durch das Loch, daß die Kerbe vorne iſt, und verſieht ſie mit einem halbzolllangen Querhoͤlzchen oder Stuͤckchen Filz, daß ſie nicht durchfahren kann. Beim Aufſtellen zieht man die Schnur faſt anderthalb Fuß zum Loche heraus, ſtellt vor das Loch ein Stellhoͤlzchen (Tippholzchen, Patelle), das ein Knoten in der Schnur feſthaͤlt, breitet uͤber daſſelbe die Schlinge aus, und heftet ſie des Windes wegen in einem Ritzen etwas feſt. Dieſen Sprenkel haͤngt man auf einen ſtarken Zweig in einen kleinen Einſchnitt, daß er nicht wan⸗ ket, und ſteckt vor das Stellholz ein Reiß mit Beeren, das, wenn man große Schneußvoͤgel fangen will, Vogelbeeren, für kleine aber Hollunderbeeren ſein muͤſſen. Wenn der Vo⸗ gel auf das Stellholz tritt, fo fällt es herab, das Bein kommt zwiſchen die Schlinge, der Sprenkel prallt zuruͤck und haͤlt es an dem Loche feſt. | 3* Einleitung. Da die Garnſchlingen oft, beſonders nach dem Regen⸗ wetter, ſchlaff herabhaͤngen, und alſo der Vogel mit den Beinen nicht dazwiſchen, ſondern daneben kommen, und ſich nicht fangen wuͤrde, ſo nimmt man einen Grashalm, ſteckt ihn dazwiſchen, und breitet ſie damit aus. p) Die ſogenannten Aufſchlaͤge. (Taf. VII. Fig. 6). Sie haben alles mit den Sprenkeln gemein, außer daß ſie nicht aus einem Stuͤcke ſind. Man nimmt naͤmlich entweder einen Daumens dicken oder noch ſtaͤrkern Stock von verſchie⸗ dener Laͤnge, und ſteckt ihn in die Erde, oder waͤhlt dazu einen dergleichen angewachſenen Stock, ſchneidet die Kerbe und bohrt das Loch durch, wie vorher, alsdann ſticht man die Schleife durch das Loch und befeſtigt ſie an einen Zweig (Schnipper, Schneller), den man aus der Hecke, einem Bu⸗ ſche oder von einem Baume zieht, und ſtellt die Schlinge auf, wie vorher. Auf dieſe Art wird in einigen Gegenden Deutſchlands, wie z. B. auf dem Thuͤringerwalde die Schneuß gewohnlich beſtellt. 8 5 5 Wenn die Zeit des Vogelfanges vorüber iſt, ſo loͤſt man die Schlingen wieder aus, und die letztere Art oder die Aufſchlaͤge kann man das folgende Jahr wieder brau- chen, wenn man einen neuen Schneller dazunimmt, die Spren⸗ kel aber nicht, weil ſie bald lahm werden. | Um nicht viel Gepaͤcke bei ſich zu haben, und die ge- fangenen Voͤgel deſto beſſer transportiren zu koͤnnen, laͤßt man ſich Vogelkaͤfige machen, die ſo zuſammen gelegt wer⸗ den können, daß fie ſich in die Taſche ſtecken laſſen. Dieß gilt aber nur von ſolchen Voͤgeln, die nicht gar zu wild ſind, als Stieglitze, Zeiſige, Haͤnflinge u. a. m. Andere ge⸗ berden ſich oft gar arg, wenn ſie gefangen ſind, z. B. die gemeinen Finken, Lerchen u. ſ. w. Dieſe ſteckt man entweder in ein leinenes Saͤckchen, oder beſſer in ein wie Filet geſtrick— tes Saͤckchen, in welches unten ein Deckel von einem Filz⸗ Ordnung der Stubenvögel. 37 hut genaͤht iſt. Zu Haufe muß man dann die wildern Ar: ten dunkel haͤngen, auch oft mit Gebuͤſch oder einem Tuch bedecken, wenn ſie ſich nicht blutend ſtoßen, oder die Federn verſtuͤmmeln ſollen. Beides lehrt eine geringe Beobachtung uͤber das Betragen der Voͤgel, das nicht einmal bei allen Individuen von einerlei Art überein iſt. | 9. 9. Ordnung der Stubenvögel. Bei Erzählung der Geſchichte der Stubenvoͤgel konnte ich eine verſchiedene Ordnung wählen. Ich Eönnte fie theils nach ihrer Größe, theils nach ihrem Zwecke nach einander aufzählen, konnte in letzterer Hinſicht erſt blos von denjeni⸗ gen Vögeln reden, die uns durch ihren Geſang erfreuen, und dann von denjenigen, die unſer Auge durch die Schoͤnheit ihrer Federn erquicken, koͤnnte erſt die fremden und dann die einheimiſchen auf einander folgen laſſen, könnte erſt diejenigen, die ſich alt, und dann diejenigen, welche ſich blos jung zaͤh⸗ men laſſen, beſchreiben u. ſ. w. Allein da keine von dieſen Aneinanderreihungen einen weſentlichen Vortheil gewaͤhrt, ſo will ich die Voͤgel lieber in einer leichten und uͤberſichtlichen Claſſification“) auf einander folgen laſſen und beſchreiben. Dieß hat, wie ich glaube, auch noch den Hauptnutzen, daß dieſelben in andern ornithologiſchen Schriften und Syſtemen zur Vergleichung leichter aufgeſucht werden koͤnnen. Ich er⸗ innere hier nur noch, daß mehrere Vogelarten, wenn fie ge- meinſchaftliche Kennzeichen, beſonders an Schenkel und Fuͤ⸗ ßen aufzuweiſen haben, zu einer Gattung und mehrere — — ) Es iſt die des Engländers Latham mit einigen von mir und andern Na⸗ turforſchern gemachten Verbeſſerungen. — Einleitung. Gattungen, die wiederum gemeinſchaftliche Charakter beſitzen, zu einer Ordnung gerechnet werden. So gehören z. B. die verſchiedenen Eulenarten zu einerlei Gattung, und die Eulen und Falken zu einerlei Ordnung, die man Raubvoͤgel nennt. Naturgeſchichte der einzelnen Arten der Stubenvögel. A. Landvoͤg el. J. Naubvögel“). Die Raubvoͤgel, welche vom Raube anderer Thiere, oder von Fleiſch leben, haben einen gekruͤmmten, hakenfoͤrmigen Schna⸗ bel und ſtarke Fuͤße mit ſcharfen Krallen. Dieſe Voͤgel ſind ein Gegenſtand der Falknerei und des Vogelfanges, indem man nämlich mit mehreren Falken arten Voͤgel beizen oder fangen läßt, und mit den Eulenarten die kleinen Vögel auf den Herd und die Krähenhütten lockt. Da die Raubvoͤgel weder ſingen, noch ſprechen lernen, viel Unrath von ſich geben und gewoͤhnlich ſchwer zu zaͤhmen ſind, ſo wird nicht leicht ein Freund der Stubenvoͤgel Gefallen daran finden, dieſel⸗ ben bei ſich in der Stube zu halten; doch machen drei hiervon ) Accipitres. I) Fb | ‚hl Thurmfalke. i 7 . . Sf 4 15 £a. * * a 2 7 1 5 * E a. Inlaͤndiſche. 2 Fi ) Alt zähmbare*). bar hr I. Der Thurmfalke*). * (Kirchenfalke, Rittelgeier, Wannenweher, Windwahl, Wandwe— her, Lachweihe, Steinſchmack, rother Sperber.) Beſchreibung. Er iſt ſo groß wie eine Lachtaube, naͤmlich nach Pariſer Fuß (den man in der Naturgeſchichte zum gewoͤhnlichen Maaß⸗ ſtabe nimmt,) 14 Zoll“) lang, wovon der Schwanz 6 Zoll ein: nimmt; die gefalteten Fluͤgel erreichen zwei Drittheile des Schwan⸗ zes; der Schnabel iſt 10 Linien lang, mit einer großen Ausbeu⸗ gung oder Zahn und blaͤulichſchwarz; der Augenſtern, fo wie die Fuͤße und die nackte Haut oben auf dem Schnabel nach der Stirn zu, welche Wachshaut heißt, gelb; der Fuß d. h. der nackte Theil von den Zehen bis zum erſten Gelenke 2 Zoll hoch. ’ Maͤnnchen und Weibchen find nicht nur, wie faſt alle Raubvoͤgel, in der Groͤße (wo naͤmlich das Weibchen um ein 5 Drittheil größer iſt als das Männchen), ſondern auch in der Farbe merklich verſchieden. Es ſind, wie geſagt, im Ganzen ſchoͤne Vögel. An erſterm iſt Scheitel und Schwanz ſchoͤn Licht: grau, das untere Ende des letztern mit einem breiten ſchwarzen ) Zur leichtern Ueberſicht habe ich noch dieſe Rubrik beigeſetzt. Es liegt l nämlich dem Liebhaber oft viel daran, zu wiſſen, ob der Vogel alt gefangen und gezähmt werden kann, oder ob er jung aufgezogen werden muß. Die ſich erwachſen zähmen laſſen, laſſen ſich auch jung zähmen, allein umgekehrt iſt es nicht der Fall. **) Lateiniſch: Falco Tinnunculus, Lin nE. Franzöſiſch: Cresserelle. Buf- fon Systoma naturae cura Jo. Fried. Gmelin. Editio 13. I. 1. p. 278. n. 16. Histoire naturelle des Oiseaux. I. p. 280. t. 18. Der bekannte fran⸗ zöſiſche Naturforſcher, deſſen Werke über die vierfüßigen Thiere und Vögel im Franzöſiſchen mehrmals aufgelegt worden ſind. Seine Naturgeſchichte der Vögel iſt überſetzt und mit vielen Zuſätzen vermehrt herausgegeben, (Anfangs von Martini) dann von B. Ch. Otto, Profeſſor zu Frankf. an der Oder. Berlin in der Pauliſchen Buchhandlung. Engliſch: Kestril Falcon. Latham. Ein berühmter Ornithologe, deſſen Werk: Synopsis of Birds ich unter dem Titel: Allgemeine Ueberſicht der Vögel, mit Zuſaͤtzen vermehrt, in 6 Bänden herausgegeben habe. Nürnberg bei Schneider und Weigel. Latham Synops. I. 1. p. 94. n. 78. g „Dieß find die drei fremden Hauptwerke, die ein Liebhaber der Vögel, der weiter über die eigentliche Naturgeſchichte der Vögel belehrt ſein will, nach—⸗ ſchlagen kann. i z N Zwölf Zoll gehen auf einen Pariſer Fuß. Thurmfalke. 41 Streifen bezeichnet; der Ruͤcken und die Deckfedern der Flügel ſchoͤn ziegelroth mit einzelnen ſchwarzen Flecken; der Unterleib roſtig⸗roſenroth mit ſchwarzen laͤnglichen Flecken; Bein- und Steißfedern ſind einfarbig; die Schwanzfedern dunkelbraun, in⸗ wendig weiß gefleckt. | Ä Beim Weibchen find Ruͤcken und Flügel ſchoͤn roſtfarbig mit vielen ſchwarzen Querſtreifen durchzogen; der Kopf iſt hell: rothbraun mit ſchwarzen Streifen; der Schwanz eben fo mit vie⸗ len ſchwarzen Streifen durchzogen, am Ende die naͤmliche ſchwarze Querbinde, wie am Maͤnnchen, bei beiden die Spitze ſehr blaß. Aufenthalt. N a. Im Freien. Man trifft ihn in ganz Europa, vorzuͤg⸗ lich in ſolchen gebirgigen waldigen Gegenden an, wo Felſenwaͤnde, oder alte verfallne Schloͤſſer ſind. Als Zugvogel geht er mit allen Lerchen im Oktober weg, wo man ihn dann uͤberall, meiſt paarweiſe in der Luft uͤber einer Lerche oder Maus flatternd, (was die Jäger ritteln nennen,) antrifft. Im März kommt er wieder in ſeiner Heimath an. b. In der Stube. Wenn er alt gefangen iſt, thut man ihn in einen draͤthernen Vogelbauer. Jung aufgezogen aber kann man ihn im ganzen Hauſe herum laufen laſſen, auch vor das Fenſter ſetzen und hinaus fliegen laſſen, denn er verlaͤßt das Haus oder den Holzſtoß nicht, auf den er einmal hingewieſen iſt, beſonders, wenn inan ihn erſt an Hunde und Katzen gewoͤhnt hat. | Nahrung. a. Im Freien. Dieſe machen meiſt kleine Voͤgel und Maͤuſe aus. Sonſt nimmt er auch mit Kaͤfern und Heuſchrecken vorlieb. b. In der Stube. Man giebt ihm Voͤgel und Maͤuſe und etwas friſches Fleiſch. Wenn er immer friſches Vogel- oder Taubenfleiſch, Schoͤpſenlunge oder Leber zu freſſen bekoͤmmt, ſo wird er recht zutraulich, und wuͤnſcht auch, alt gezaͤhmt, ſeine Freiheit nicht leicht wieder. 5 Fortpflanzung. 5 | Sein Neft, oder, wie die Jaͤger fagen, feinen Horft findet man in den Steinritzen hoher Thuͤrme, Bergſchloͤſſer, Felſen und Thurmfalke. auf alten hohen Baumſtaͤmmen. Es liegen 4 bis 6 gelbroͤthliche, mit rothen und braunen Flecken beſetzte Eier in demſelben. Die Jungen ſind Anfangs blos mit weißen Flaumfedern bekleidet, und laſſen ſich mit Stuͤcken friſchen Schoͤpſenfleiſches und Voͤgeln leicht aufziehen. Sie ſitzen gleich auf der Hand, lernen ihren Fuͤtterer bald kennen und fliegen ihm nach, wohin er ſie ruft. Fang. Die Alten faͤngt man uͤber den Neſtern zur Zeit, wenn ſie die Jungen fuͤttern, mit ſtarken Leimruthen. Auch kann man da, wo man ſie immer herum ſpielen ſieht, einen ſogenannten Ha⸗ bichtkorb, in welchem zur Koͤrnung eine Lerche oder Maus ſich befindet, auf fie aufſtellen. Dieſer Fang ſteht auf einer oder 4 Saͤulen, und ſieht oben wie ein Fliegenſchrank aus. Es ſind namlich von der Groͤße und Breite eines mittelmaͤßigen Tiſches vier Saͤulen aufgeſetzt, welche unten auf dem Boden durch ein Bret und an den vier Waͤnden mit einem Garn oder Drath ver⸗ bunden find. Oben werden in 2 Seiten 2 eiſerne Staͤbchen ange⸗ bracht, an welchen ein Garn mit Ringen zur Decke, wie Gar⸗ dinen laufen kann. In der Mitte iſt ein Stellholz, das mit einem Holz verbunden iſt, an welchem ein abzuſtoßendes Gewicht be⸗ feſtigt wird, angebracht. Sobald der Thurmfalke die Körnung gewahr wird, ſtoͤßt er in den Korb hinein, tritt das Stellholz nieder, das Gewicht fällt herab, und zieht das Garn uͤber ihn zu, und ſo iſt er gefangen. K . Empfehlende Eigenſchaften. Seine glockenartig klingende Stimme: Kli, Kli, Kli! die er oft lange hinter einander hoͤren laͤßt, machen ihn, ſo wie ſeine Farbe und artiges Betragen angenehm. Nur dürfen nicht mehrere beiſammen ſein, ſonſt wird das ſtete Geſchrei derſelben laͤſtig. Er laßt ſich auch, wie andere Falkenarten, zur Jagd auf Voͤgel und Thiere abrichten, und iſt, wie geſagt, jung aufgezo⸗ gen ſehr leicht bei dem oben angegebenen guten Futter zum Aus: und Einfliegen, auch in den groͤßten Staͤdten zu gewoͤhnen. Nur muß man ihn im September und Oktober, wo dieſe Voͤgel ſtrei⸗ chen, in Acht nehmen, und nicht ganze Tage lang im Freien herum ſchwaͤrmen laſſen, ſonſt laͤßt er ſich durch ſeine Kameraden verführen und ſtreicht mit weg. Schleiereule. 43 | 2. Die Schleiereule.“) (Schleierkauz, Perl⸗, Gold⸗, Herz-, Thurm⸗, Todten⸗, Ranz⸗ Kauz⸗, Buſch⸗, Kohle und Kircheule, gelbe Schleiereule, weiße geflammte Eule, Waldkauz, Schleiernuffe.) Beſchreibung. Dieſe ſchoͤne Eule hat die Größe einer ſchwarzen Krähe, iſt 14 Zoll lang, wovon der Schwanz 5 Zoll einnimmt. Der Schnabel iſt 1 Zoll lang und weiß; die Fuͤße ſind kurzfedrig be⸗ fiedert, die Fußwurzel 2 Zoll hoch, die Naͤgel ſchwaͤrzlich, der an der mittlern Zehe inwendig gezaͤhnelt. Das Geſicht ſitzt in einem herzfoͤrmig geſtalteten Schleier von weißen und kaſtanien⸗ braunen Federn; der Augenſtern iſt hochgelb; der Oberleib roͤth— lich aſchgrau, wie gewaͤſſert und mit Schnuͤren beſetzt, die kleine ſchwarze und weiße Flecken, wie Perlen haben; der Unterleib blaßrothgelb mit ſchwaͤrzlichen Punkten; die Schwung: und Schwanzfedern find roſtgelb mit ſchwarzgrauen, aſchgrau beſpritz⸗ ten Streifen; die erſte Schwungfeder iſt von außen ſtark gezaͤh⸗ nelt. 8 Aufenthalt. a. Im Freien Dieſe Eule wohnt in Deutſchland in den volkreichſten Städten und Dörfern, in alten Schloͤſſern, in Kir: chen, Scheuern und andern Schlupfwinkeln. b. In der Stube. Da ſie nach den kleinen Voͤgeln fliegt, ſo muß man ſie anfeſſeln und auf eine Stange ſetzen, oder in einen großen Käfig ſtecken. - Nahrung. a. Im Freien naͤhrt ſie ſich von Maͤuſen. b. In der Stube. Auch hier giebt man ihnen Maͤuſe und kleine Voͤgel. Anfangs wollen ſie nicht gern freſſen, und zur Zeit der Fortpflanzung ſind ſie ſehr ſchwer aufzubringen. Zu je⸗ der andern Zeit aber darf man ihnen nur Maͤuſe und Voͤgel in den Kaͤfig legen; ſie werden ſie gewiß des Nachts, wenn ſie nicht geſehen werden, verzehren. „ Strix Flammea. Gmelin Lin. Syst. I. 1. p. 293. n. 8. Effraire ou Fresaie. Buffon des Ois. I. p- 366. t. 26. White Owl. Latham Syn. J. 1. p. 138. n. 26. Friſch Vögel Deutſchlands. Taf. 97. Der kleine Kauz oder die Zwergeule. Fortpflanzung. Man findet das Neſt in alten Mauerkluͤften. Die Jungen laſſen ſich leichter zahm machen als die Alten. | Fang. Man fangt ſie zuweilen in Scheuern, beſonders im Winter, wenn man ein Sackgarn vor die Luftloͤcher ſtellt. Sie ſchlafen naͤmlich in den Scheuern und gehen auch dahin, Maͤuſe zu fan⸗ gen. Empfehlende Eigenſchaften. Sie ſehen ſehr gut aus, machen aber ein klaͤgliches Geſchrei, weshalb fie auch von aberglaͤubiſchen Landleuten Todtenvoͤgel ges nannt werden. Der kleine Kauz oder die Zwergeule“). 0 Sperlingseule, Lerchenkaͤuzchen, Hauseule, Todteneule, Leicheneule, Todtenhuͤhnchen.) Beſchreibung. Er iſt nicht viel groͤßer als eine Steindroſſel, doch machen ihn der dicke Kopf und die dichten Federn ſtaͤrker Die Laͤnge iſt 8 Zoll, wovon der Schwanz 3 Zoll einnimmt; die zuſammen⸗ gelegten Fluͤgel reichen faſt bis an das Ende des Schwanzes; der Schnabel iſt 9 Linien lang, an der Wurzel braun, an der Spitze hellgelb; der Augenſtern blaßgelb, im Winter ſaatgruͤn; die Fuͤße find 1¼ Zoll hoch; die Klauen ſchwaͤrzlich. Der Oberleib iſt lichtbraun mit weißen runden Flecken, die auf den Schultern und dem Ruͤcken am groͤßten ſind; der Unterleib iſt weiß, dun⸗ kelbraun gefleckt, und mit etwas Roſtfarbe gemiſcht; die Schwung⸗ federn ſind dunkelbraun mit runden weißen Flecken; der Schwanz lichtbraun mit großen runden hellroſtfarbenen Flecken, die faſt wie Baͤnder zuſammenlaufen. Das Weibchen iſt etwas heller gefaͤrbt. Aufenthalt. g a. Im en wohnt dieſe Eule in alten Gebäuden, auf 2 Strix passerina. Gmelin Lin. Syst. I. 1. p. 296. n. 12. Cheveche ou petite Chouette. Buffon des Ois. I. p. 377. t. 28. Friſch Vögel Taf. 100. Little Owl. Latham Syn. I. 1. p. 150. n. 40. Der kleine Kauz oder die Zwergeule. 45 Thuͤrmen, in Kirchmauern und in hohlen Feldbaͤumen, wo man auch das Neſt findet. b. In der Stube. Will man ſie daſelbſt frei ſitzen oder frei herum fliegen laſſen, ſo duͤrfen keine andern Voͤgel vorhan— den ſein, weil ſie dieſelben ſonſt faͤngt. Am beſten haͤngt ſie vor einem Fenſter in einer großen Art von Wachtelkaͤfig, daß man ſie von innen ſehen kann. Nahrung. a. Im Freien. Haus- und Feldmaͤuſe, Käfer und Grik len. Ich habe auch in ihrem Gewoͤlle (welches, nach der Jaͤger⸗ ſprache, die Ueberbleibſel von der Nahrung ſind, welche die Raub⸗ voͤgel wieder ausſpeien) die Steine von den Hartriegelbeeren (Cornus sanguinea) in 3 gefunden, die FR ale auch freffen müffen. b. Sn der Stube laſſen ſie ſich, 5 x jung, ſehr leicht durch getrocknetes Schoͤpſenfleiſch, von welchem Haut, Knochen und Fett geloͤſt iſt, und welches zwei Tage vor dem Fuͤttern ein⸗ gewaͤſſert wird, viele Jahre lang am Leben erhalten. Durch dieſe Fütterung wird auch der üble Geruch der Exkremente verhuͤtet. Ein Vogel erhaͤlt taͤglich 1½ Loth gedoͤrrtes Fleiſch und zuwei⸗ len Maͤuſe oder Voͤgel, welche letztere er mit ſammt den Schwung⸗ federn verſchluckt. Fuͤnf Maͤuſe kann er auf eine Mahlzeit zu ſich nehmen. Von zwei Uhr Nachmittags an (auch im Sommer) wird er ganz munter und frißt auch ſchon nach dieſer Zeit. Fortpflanzung. Das Neſt findet man in den Ritzen der Mauern und auch in hohlen Feldbaͤumen. Das Weibchen legt auch in der Stube ohne Maͤnnchen 2 runde weiße Eier. Die Jungen laſſen ſich mit friſchem Fleiſch, beſonders von Tauben, leicht! aufziehen. Sie find vor dem erſten Mauſern, ſtatt der lichtbraunen Haupt- farbe, rothgrau, am Kopf wollig und ſchwach weiß gewoͤlkt; die großen weißen runden Flecken auf dem Ruͤcken erſcheinen deutli⸗ cher, und der roͤthlich weiße Unterleib hat auf der Bruſt und an den Seiten ſchmaͤlere graue Laͤngsſtreifen. Krankheiten. Wenn ſie nicht zuweilen Maͤuſe oder kleine Voͤgel bekom⸗ 46 Der gemeine Wuͤrger, oder große Krickelſter. men, deren Haare und Federn ihnen den Kropf reinigen, ſo ſter⸗ ben fie an der Aus zehrung. Fang. Kennt man den Ort, wo ſie ſich aufhalten, ſo darf man nur einen Garnſack vorhalten oder vorhaͤngen, ſo faͤngt man ſie bei der Daͤmmerung, wo ſie ausfliegen, gewiß. Empfehlende Eigenſchaften. Es ſind ſehr reinliche Voͤgel. Sie bringen ihren Unrath alle auf einen Platz. Man vergnügt ſich an den ſonderbaren Geberden, die ſie machen. Schade, daß ihr heiſeres Geſchrei und ihre Unruhe zur Paarungszeit laͤſtig wird. II. Krähenartige Vögel“). So nennt man diejenigen Voͤgel, welche einen etwas zuſam⸗ mengedruͤckten, mehr oder weniger gekruͤmmten, oben erhabenen, meiſt meſſerfoͤrmigen Schnabel von mittelmaͤßiger Groͤße, und kurze, meiſt ſtarke, geſpaltene, theils beſonders zum Klettern, theils zum Gehen eingerichtete Fuͤße haben. Ihre Nahrung be⸗ ſteht aus Inſekten, Wuͤrmern, dem Fleiſch und Unrath anderer Thiere, auch aus Saͤmereien und Fruͤchten. Die wenigſten er⸗ goͤtzen durch Singen, die meiſten durch Sprechen oder durch ihre ſchoͤne Farbe. 8 f a. Inlaͤndiſche. a) Alt zaͤhmbare. A. Der gemeine Würger oder große Krickelſter ). (Großer grauer Wuͤrger, gemeiner Neuntoͤdter, Wartengel, Wuͤrgengel, Sperelſter, Buſchelſter, Waͤchter, Wildwald). Beſchreibung. Er iſt fo groß als eine Rothdroſſel, doch etwas geſtreckter, 9 Zoll lang, wovon der Schwanz 3⅜ Zoll und der Schnabel ) Coraces. **) Lanius Excubitor. Gmelin Lin. Syst. I. 1. p. 300. n. 11. Pie- griesche grise. Buffon des Ois. I. P. 296. t. 20. Meine Naturgeſchichte r II. Taf. 13. Great cinereous Shrike. Latham Syn. I. 1. p. 160. n. g Der gemeine Wuͤrger, oder große Krickelſter. 47 3 Linien ausmacht; die Flügel reichen zuſammengelegt bis auf ein Drittheil des Schwanzes Der Schnabel iſt, wie bei allen Wuͤrgerarten, an der Wurzel gerade, an der Spitze etwas uͤber⸗ gekruͤmmt und mit einem kleinen Zacken oder Zahn verſehen, von Farbe ſchwarz, an der Wurzel unten gelblich weiß; der Augen⸗ ſtern ſchwarzbraun; die Füße eiſenſchwarz und 1 Zoll hoch. Der ganze Oberleib iſt ſchoͤn hellaſchgrau, an den Steißfedern, uͤber den Augen, an der Stirn, und an den Schultern ins Weißliche nuͤbergehend; von den Nafenlöchern an läuft durch die Augen ein breiter ſchwarzer Streif bis Über die weißen Schlafe; der Unterleib iſt weiß mit verloſchenen dunkelbraunen Wellenlinien, die am Weibchen deutlicher als am Maͤnnchen ſind; die großen Deckfedern der Fluͤgel ſind ſchwarz, die kleinern aſchgrau; die Schwungfedern ſchwarz, an der Wurzel und an den Spitzen weiß, daher auf den Fluͤgeln zwei weiße Flecken; der keilfoͤrmige Schwanz iſt an den Endfedern faſt ganz weiß, an den Mittelfedern ſchwarz. Aufenthalt. ; a. Im Freien. Er bleibt Sommer und Winter bei uns, und haͤlt ſich in kleinen Feldhoͤlzern, in Vorhoͤlzern großer Wal— dungen, auch im Felde, wo Buſchwerk und einzelne Baͤume ſte⸗ hen, auf. Er ſitzt immer oben auf dem Gipfel eines Baumes. b. In der Stube. Er iſt ein ſehr muthiger, raͤuberiſcher Vogel, den man nicht mit andern Voͤgeln in der Stube frei herum laufen laſſen darf. Man thut ihn daher lieber in einen großen, wo möglich, drathernen Käfig. Nahrung. | a. Im Freien. Im Sommer naͤhren fich dieſe Wuͤrger meiſt von Kaͤfern, Feld- und Maulwurfsgrillen, Blindſchleichen, Eideren, und nur dann von Maͤuſen und kleinen Voͤgeln, wenn ſie jene Thiere nicht haben koͤnnen. Im Winter aber fangen ſie Goldammern, Zeiſige, Mäufe, Maulwuͤrfe c. Im Herabfliegen nach ihrem Raube machen ſie immer noch eine beſondere Schwen⸗ kung, um ihre Beute von der Seite faſſen zu koͤnnen, doch muͤſ⸗ ſen fie öfter8 mit einem Schnabel voll Federn vorlieb nehmen, weil ſie ſich nicht, wie die andern Raubvoͤgel, der Faͤnge bedie⸗ nen koͤnnen. b. In der Stube. Man wirft ihnen, wenn ſie alt ins 48 Der gemeine Wuͤrger, oder große Krickelſter. Zimmer kommen, lebende kleine Voͤgel, Maͤuſe, Käfer und Gril⸗ len vor. Man muß ſie aber allein laſſen, denn ſo lange man bei ihnen ſteht, ruͤhren ſie nichts an. Wenn ſie erſt einmal ge⸗ freſſen haben, ſo nehmen ſie dann auch friſches Fleiſch an, ge— woͤhnen ſich ſogar an die Univerſalfutter, beſonders an das von Semmelgries. Sie freſſen fuͤr ihre Groͤße viel, wenigſtens 2 Loth Fleiſch auf einmal. Gern haben ſie es, wenn man ihnen einen Aſt mit etlichen Gabeln in den Kaͤfig bindet, oder die Spring⸗ hoͤlzer kreuzweiſe befeſtigt. Auch baden ſie ſich gern. Fortpflanzung. Ihr Neſt, das aus Haidekraut, Grashalmen, Wolle und Haaren zuſammengeflochten iſt, befindet ſich auf Baumaͤſten, und es liegen 5 bis 7 gruͤnliche, am dicken Ende oft mit olivengruͤ⸗ nen und ein wenig violetgrauen Flecken beſetzte Eier in demſel⸗ ben. Die Jungen, welche man ausnimmt, fuͤttert man mit ro⸗ hem Fleiſch auf, was uͤberhaupt die beſte Art iſt, alle Wuͤrger zu zaͤhmen. Sie lernen bald das Futter aus der Hand nehmen. Fang. Man faͤngt dieſen Vogel auf Vogelheerden, wo er nach den Laͤufern geht, in Schneußen, wo man Voͤgel vorſteckt, mit Leimruthen, unter welche man ein Neſt voll junger Voͤgel ſetzt; wenn dieſe hungrig werden und ſchreien, ſo iſt er gleich bei der Hand. Im Herbſt und Winter ſtoͤßt er auch nach den Voͤgeln, die unter den Fenſtern haͤngen. Man kann ihn alsdann gar ar⸗ tig betruͤgen, wenn man das Vogelhaus in eine Steige ſetzt, und vermittelſt eines Stellholzes macht, daß er, wenn er auf das Vogelhaus ſtoͤßt, die Thuͤr der Steige uͤber ſich zuſchlaͤgt. Solche Anſtalten ſind denjenigen beſonders noͤthig, die aus- und einfliegende Voͤgel haben wollen. Empfehlende Eigenſchaften. Seine Locktoͤne ſind wie das Gihr, gihr! einer Lerche. Er ahmt, wie der Tannenheher, gar viele Stimmen nach, doch will es ihm mit dem Geſange anderer Voͤgel nicht recht gluͤcken. Deſto ſchoͤner iſt ſein eigner flötenartiger Ton, der viel Aehnlichkeit mit dem Pfeifen des aſchgrauen Papageies hat, wobei er die Gurgel wie ein Laubfroſch aufblaͤßt. Schade, daß er nicht laͤnger als in der Begattungszeit, vom Maͤrz bis Mai ſingt, und ſein ſchoͤnes Der graue Würger, oder kleine Krickelſter. 49 Lied oft mit einzelnen ſchnarrenden und kreiſchenden Strophen a vermiſcht. Maͤnnchen und Weibchen ſingen. Vielleicht koͤnnte man ihn zum Sprechen bringen, denn er hat Toͤne, die der menſchlichen Stimme ſehr nahe kommen. Wer Falken fangen will, muß auch einen ſolchen Stuben: vogel auf ſeiner Stallung oder dem Falkenfang haben. Er zeigt naͤmlich durch ſeine Aufmerkſamkeit und Geberden den ſich annaͤ⸗ hernden Falken von weiten an, und ſchluͤpft, wenn er ſo nahe iſt, daß er ſich fangen will, mit einem Schrei in ſeinen Kaͤfig oder Behaͤlter, der ihm zum Verſtecken neben dem Fang ange⸗ bracht iſt. Daher ſein Name Waͤchter. Da er jenen Schrei auch im Freien thut, wenn er einen Raubvogel gewahr wird, fo ſagt man, er warne die kleinen Vögel aus Nahrungsneid, damit ſie ihm allein blieben. a 5. Der graue Würger oder kleine Krickelſter. (Der kleine graue Neuntoͤdter, der kleine Bergelſter “). Beſchreibung. Er hat ohngefaͤhr die Groͤße einer Feldlerche und iſt 8 Zoll lang, wovon der Schwanz 3 ¼ Zoll einnimmt; die Flügel reichen zuſammengelegt bis auf ein Drittheil des Schwanzes; der ſchwarze Schnabel mißt 7 Linien, iſt, wie bei allen Wuͤrgern, an der Wurzel grade, an der Spitze etwas uͤbergekruͤmmt und mit einem kleinen Zahn verſehen, und von Farbe glaͤnzend ſchwarz; der Augenſtern kaffeebraun; die Fuße ſind ſchwarz, bleifarbig uͤber⸗ laufen und 1¼½ Zoll hoch; die Stirn ſchwarz; ein breiter ſchwar⸗ zer Streifen geht durch die Augen; Kopf, Nacken, Hintertheil und Seiten des Halſes, Ruͤcken und obere Deckfedern des Schwanzes ſind aſchgrau, letztere am hellſten; der ganze Unterleib weiß, die Bruſt und der Bauch roſenfarben angeflogen; die Deckfedern der Fluͤgel ſchwarz, die kleinſten aſchgrau geraͤndert; die Schwung⸗ federn ſchwarz, die vordern von ihrer Wurzel an bis zur Haͤlfte weiß, wovon ein weißer Fleck auf den zuſammengelegten Fluͤgeln entſteht; der Schwanz keilfoͤrmig, die zwei aͤußerſten Federn weiß mit einem ſchwarzen Schafte, die dritte und vierte ſchwarz mit ) Lanius minor. Gmelin Lin. Syst. I. 1. p. 308. n. 49. Pie-griesche d' Italie. Buffon des Ois. I. p- 298. Lesser grey Shrike. Latham Syn. Meine N. G. Deutſchlands. II. Taf. 14. Naturgeſch. d. Stubenvögel. 4 50 Der graue Wuͤrger oder kleine Krickelſter. weißer Wurzel und Spitze, und die fuͤnfte und ſechſte ganz ſchwarz. 5 a Das Weibchen iſt faſt gar nicht vom Maͤnnchen verſchieden, außer daß es ein wenig kleiner, mit einem kuͤrzern und etwas ſchmaͤlern Backenſtreifen verſehen iſt, und meiſtens nur eine weiße aͤußere Schwanzfeder hat. Aufenthalt. a. Im Freien. Er iſt ein Zugvogel, der Anfangs Sep⸗ tember fortzieht und Anfangs Mai wieder erſcheint. Er haͤlt ſich gern in der Naͤhe großer Feldhoͤlzer oder großer Waldungen in den Gärten auf, die an die Aecker und Triften ſtoßen, und. ſitzt immer auf den Gipfeln der Baͤume, ſeltener auf einzelnen Feld⸗ ſtraͤuchen und lauert den Inſekten auf. b. In der Stube verlangt er einen großen draͤthernen Vo— gelbauer, wie ihn ohngefaͤhr die Lerchen haben, mit drei Spring⸗ hoͤlzern; denn ihn in einem Zimmer mit andern Voͤgeln frei her⸗ um fliegen oder laufen zu laſſen, duͤrfte um deßwillen nicht an⸗ gehen, weil ihm (und wenn es auch nicht aus Hunger geſchaͤhe) leicht die Luſt anwandeln moͤchte, einen von ſeinen Kameraden Raus Neid, Bosheit oder nur, um feine Stärke zu zeigen, zu toͤdten. . Nahrung. a. Im Freien. Er naͤhrt ſich meiſtens von Mai-, Miſt⸗, Erd: und andern Kaͤfern, von Viehbremen, und von Feld- und Maulwurfsgrillen. Nur bei anhaltenden Regenwetter faͤngt er auch wohl einen jungen Vogel. | ö b. In der Stube. Man wirft ihm, wenn er alt gefangen iſt, ſobald er in den Kaͤfig kommt, geſchoſſene kleine Voͤgel, Mais, Miſt⸗ und andere Kaͤfer vor. Nachher nimmt er auch mit rohem und gekochtem Fleiſch vorlieb. Es hält freilich ſchwer, ihn auf: zubringen, und es koſtet viel Zeit und Muͤhe, indem man ihm wohl acht Tage lang blos Kaͤfer und andere Inſekten, beſonders Mehlwuͤrmer geben muß; wenn er aber erſt an Fleiſch gewoͤhnt iſt, ſo wird er auch bald fo zahm, daß er daſſelbe von den Fin— gern nimmt, ja wenn man den Vogelbauer oͤffnet, herausfliegt, ſich auf die Hand ſetzt und es frißt. Ich habe auch einen gehabt, der das oben angegebene erſte Univerſalfutter fraß. Laͤnger Der graue Würger oder kleine Krickelſter 51 als zwei Jahre ſind aber gewoͤhnlich die Wildfaͤnge nicht zu er⸗ halten, denn ſie ſterben gewoͤhnlich an der Duͤrrſucht. Weniger Wartung bedürfen die jung aufgezogenen, die bald mit jeder Koft vorlieb nehmen. a Fortpflanzung. Das Neſt dieſer Wuͤrger ſteht gewoͤhnlich in Gaͤrten oder am Rande der Holzungen auf einem Baume, iſt groß, unregel⸗ maͤßig aus Wurzeln, gruͤnen Kraͤutern und Wolle zuſammenge⸗ wirkt, und inwendig mit Wolle, großen und kleinen Federn aus⸗ gefüttert. Das Weibchen legt fünf bis ſechs rundliche, graulich⸗ weiße, in der Mitte violetgrau und hellbraun gefleckte Eier, und bruͤtet ſie mit dem Männchen gemeinſchaftlich in funfzehn bis ſechszehn Tagen aus. Die Jungen wachſen ſehr ſchnell heran, und werden ſo bald fluͤgge, daß, ohngeachtet der ſpaͤten Ankunft und des baldigen Abgangs dieſes Vogels, er doch bei guter Wit⸗ terung des Sommers zweimal bruͤtet. Die Jungen werden mit lauter Kaͤfern und Heuſchrecken ernaͤhrt. Bis zum erſten Mau⸗ ſern fehlt ihnen die ſchwarze Stirnbinde gaͤnzlich, der Oberleib iſt dunkelaſchgrau, kaum merklich roͤthlich gewellt, der Unterleib weiß, an der Bruſt gelblich uͤberlaufen und an den Seiten roͤth⸗ lich gewellt. 83 Wenn man ſie aufziehen will, ſo nimmt man ſie aus dem Neſte, ſobald der Schwanz zu ſchieben anfaͤngt, füttert fie Anfangs mit Ameiſeneiern, und alsdann mit Semmel in Milch geweicht. z Fang. Man kann ſie nicht anders lebendig in ſeine Gewalt bekom⸗ men, als daß man auf den Feldbuſch oder das Reiß, auf wel⸗ ches ſie ſich oft ſetzen, um auf die Inſekten zu lauern, Leimruthen (Leimſpindeln) ſteckt. So gelehrig fie find, fo unklug find fie; denn fie fliegen ohne Scheu auf die aufgeſteckten Leimruthen. Merkwuͤrdige und empfehlende Eigenſchaften. Das Maͤnnchen iſt ein Vogel von bewundernswuͤrdiger Ge⸗ lehrigkeit, das Weibchen ſingt, wie bei den meiſten Voͤgeln, nicht. Dieſer Wuͤrger ahmt nicht blos, wie die andern ſingenden Wuͤr⸗ ger, einzelne Strophen aus den Liedern anderer Singvoͤgel nach, ſondern die ganzen Geſaͤnge ohne Zuſatz bis zur groͤßten Taͤu⸗ ſchung; ja er ſcheint wenig oder gar keinen ** Geſang von Der rothkoͤpfige Wuͤrger. der Natur erhalten zu haben. So ſingt er z. B. vollkommen das Lied der Nachtigall, nur viel ſchwaͤcher (da er die runde ſtarke Stimme nicht hat), den Geſang der Feldlerche und anderer Voͤ⸗ gel nach. Im Kaͤfig macht er daher dem Liebhaber durch dieſe Nachahmungsſtuͤcke ſehr viel Vergnuͤgen. Beſonders habe ich bemerkt, daß es ihm ſelbſt Vergnuͤgen macht, den Wachtelſchlag nachzurufen. Ich beſaß einen, der, ſo eifrig er auch in ſeinen übrigen Gefangen war, ſobald er die Wachtel hoͤrte, mit jenen aufhoͤrte, und den Wachtelſchlag nachahmte, ſo daß dieſe, ehe ſie dieß gewohnt wurde, aus Eiferſucht oft emſig im Zimmer herum lief, um ihren Nebenbuhler aufzuſuchen.“) 6. Der rothköpfige Würger. (Der mittlere Neuntoͤdter, Rothkopf, großer rother Neun: toͤdter, Finkenbeißer, Finkenwuͤrgvogel.“) 8 Beſchreibung. i Er iſt etwas kleiner, wenigſtens ſchmaͤler als der vorherges hende, 7 Zoll lang. Der Schwanz mißt 3½ Zoll, und die Fluͤ⸗ gel bedecken den dritten Theil deſſelben; der Schnabel iſt 8 Linien lang, hat einen merklichen Zahn und iſt ſchwarzblauz der Augen: ſtern gelblichblau; die Fuͤße ſind einen Zoll hoch, und mit den Zehen ſchwarzblau; die Stirn iſt ſchwarz, und mit derſelben ver⸗ bindet ſich ein dergleichen Streifen durch die Augen weg, der hinter die Ohren laͤuft; Hinterkopf und Nacken ſind ſchoͤn roth⸗ braun; der Oberrüden ſchwarzbraun; der Mittelruͤcken roͤthlich aſchgrau, die obern Deckfedern des Schwanzes gelblich weiß, einige große weiße Schulterfedern bilden, wie bei der Elſter, einen großen weißen Fleck an beiden Seiten des Ruͤckens; uͤber den Naſenloͤchern hebt die gelblichweiße Farbe, die den ganzen Unterleib bedeckt, mit zwei Punkten an; die Seiten ſind etwas — \ ) Daß dieſer, ſo wie alle inländiſche Würger, deßwegen den Geſang an⸗ derer Vögel nachahme, um ſie hintergehen und ſie deſto leichter fangen zu können, gehört unter die alten Mährchen, deren man in der Naturgeſchichte ſo viel zu erzählen weiß. Es widerlegt ſich die Sache von ſelbſt; denn wenn er ſingt, ſo verlangt er keinen Vogel, und wenn er Vögel verlangt, ſo ſingt er nicht. ) Lanius erythrocephalus. Lanius Collurio rufus, et pommeranus, Gmelin Lin. Syst. I. I. p. 301. n. 12. y.-et P. 302. n. 33. Pie-griesche rousse. Buffon des Ois I. p. 103. Wood Chat Shrike. Latham Syn. I. 1. p. 169. n. 17. Meine N. G. Deutſchlands. II. Taf. 15. Der rothköͤpfige Wuͤrger. * roͤthlicher und unmerklich grau gewaͤſſert; die kleinern Deckfedern der Flügel find ſchwarzblau, gelblichweiß geraͤndert, die groͤßern und die Schwungfedern ſchwarz ins Braͤunliche ſpielend, die vor: dern Schwungfedern mit weißen Wurzeln, die bei zufammenge: legten Fluͤgeln einen weißen Fleck bilden; der Schwanz ſchwarz ins Braͤunliche übergehend, die aͤußerſten Federn weiß mit einem ſchwarzen Fleck in der Mitte, die uͤbrigen an der Spitze weiß, und mit abnehmend weißen Wurzeln, die zwei mittleren ganz ſchwarz. Das Weibchen iſt ben Maͤnnchen ganz gleich, n e men, daß die Farben, beſonders das ne etwas hääſſer ſind. Aufenthalt. a. Im Freien. Als Zugvogel kommt er in den letzten Tagen des Aprils bei uns an, und geht in der Mitte des Sep⸗ tembers wieder weg. Er wohnt in Gebirgen, Waͤldern, und buſch⸗ und baumreichen Ebenen, vorzuͤglich da in Menge, wo die Pferde Tag und Nacht auf peer er beben ſich auf⸗ halten. b. In der Stube haͤlt man ihn in einem Kaͤfig von Wrath. Nahrung. a. Im Freien. Er naͤhrt ſich vorzuͤglich von Roß⸗ und Miſtkaͤfern, auch von Heuſchrecken, Viehbremen und andern In⸗ ſekten. 3 fallt er in der Noth junge Vögel und Eidechſen an. b. In der Stube muß man ihn ebenſo verpflegen wie den grauen Wuͤrger; doch iſt er noch zaͤrtlicher, daher man ihn lieber jung aufzieht, als alt zaͤhmt. m giebt ihm jung gleich rohes Fleiſch zu freſſen, | Fortpflanzung. Er niſtet auf hohen Bäumen in dichten Zweigen; fein Neft beſteht aus Pflanzenſtengeln, Moos, Gras, Schweinsborſten, Wolle und Haaren, und das Weibchen legt zweimal des Jah⸗ res ſechs roͤthlich weiße Eier, die uͤber und uͤber, beſonders oben am ſtumpfen Ende, mit deutlichen hellblutrothen und undeutli⸗ chen blaͤulich⸗grauen Flecken beſetzt ſind, und in funfzehn Tagen ausgebruͤtet werden. Selten findet man das Neſt im Felde auf hohen Schlehen-, Maßholder-und andern Buͤſchen. Die Sun: 54 Der rothruͤckige Wuͤrger oder der Dorndreher. gen ſehen bis zum erſten Mauſern oben ſchmutzigweiß und dun⸗ kelaſchgrau geſchuppt, unten ſchmutzigweiß und graugewoͤlkt und an den Fluͤgelfedern ſtark roſtfarben geraͤndert aus; Schwanz: und Schwungfedern ſind ſchwarzgrau. Fang. Iſt man grauſam genug, ihn auf dem Neſte mit Leimrüthen zu fangen, ſo geht dies um deſto leichter von ſtatten, da er un⸗ ter allen Wuͤrgerarten am wenigſten ſcheu iſt. Er badet ſich, ſo wie der folgende, gern, weshalb man ſie dann auf Traͤnkheerden gegen Mittag fangen kann, wenn dieſe in der Naͤhe von Hecken angelegt ſind. Man findet oft dieſen Wuͤrger in großen Pfuͤtzen ertrunken. Empfehlende Eigenſchaften. Obgleich er faſt eben ſo gelehrig, wie der vorige Wuͤrger, zu ſein ſcheint, ſo hoͤrt ſich doch ſein Geſang nicht ſo angenehm zu, da er eines Theils nicht die angenehme Stimme hat, andern Theils auch unter alle Vogelſaͤnge verſchiedene von ſeinen eigenen kreiſchenden und kraͤchzenden Strophen mit einmiſcht. Er ſingt gern den Geſang der Nachtigall, der verſchiedenen Grasmuͤcken, des Stieglitzes und des Rothſchwanzes nach. Nur in Erwaͤgung ſeiner ſchoͤnen Farbe wird er ein eben ſo angenehmer Stubenvo— gel, als der vorhergehende Wuͤrger. I. Der rothrückige Würger oder der Dorndreher. (Blaukoͤpfiger Wuͤrger, kleiner Neuntoͤdter, ſchaͤckiger Wuͤrger, ı großer Dornreich.“) Beſchreibung. Durch dieſen Vogel graͤnzen die rabenartigen Voͤgel an die Singvoͤgel; ſo viele Eigenſchaften hat er mit letztern gemein. Er iſt etwas über 6 Zoll lang; der Schwanz iſt 3 Zoll, und die gefaltenen Fluͤgel reichen bis ein Drittheil auf den Schwanz hinein; der ſtarke, faſt gerade, nur an der Spitze gekruͤmmte Schnabel iſt 6 Linien lang und ſchwarz; der Augenſtern nuß⸗ 9 Lände Collurio. Gmelin Lin. Syst. I. p. 300. n. 12. Lanius spi- nitorquus mihi. L' Ecorcheur. Buffon des 055 I. p. 304. t. 21. Red- backed Shrike. La tl. a m Syn. I. i. p. 167. n. 15. Meine Naturgeſchichte Deutſchlands II. Taf. 16. Männchen und Weibchen. Der rothrückige Wuͤrger oder der Dorndreher. 55 braun; die Fuͤße ſind 10 Linien hoch und mit den Zehen ſchwarz ins Blaue fallend. Maͤnnchen. Der Kopf und Nacken ſind ahbe, ſo wie die obern Deckfedern des Schwanzes und die Kniee; uͤber den Augen und an der Stirn wird dieſe Farbe etwas heller; von den Naſenloͤchern laͤuft durch die Augen bis zu den Ohren ein breiter ſchwarzer Streifen; der Ruͤcken und die Deckfedern der Flügel find ſchoͤn rothbraun; die Kehle und die Steißfedern ſchoͤn weiß, ſo wie der Unterleib, der an der Bruſt, dem Bauch und den Seiten ſchwach roſenroth angelaufen iſt; die Schwungfedern ſchwaͤrzlich, die hintern ſtark rothbraun geraͤndert; der etwas keil⸗ foͤrmige Schwanz an den mittlern Federn ſchwarz, an den uͤbri— gen aber bis uͤber die Haͤlfte von der ie an er weiß und mit weißen Spitzen. Weibchen. Dies hat faſt gar nichts mit der Farbe des Maͤnnchens gemein. Der ganze Oberleib iſt ſchmutzig roſtbraun, am Nacken und auf den Deckfedern des Schwanzes ein wenig ins Aſchgraue ſpielend, und auf den Ruͤcken und den Deckfedern der Fluͤgel kaum merklich weiß gewaͤſſert; uͤber den Augen und der Stirn herum bis zu den Augen gelblichweiß; an den Wan⸗ gen braun; Kehle, Bauch und Afterfedern ſchmutzigweiß; Hals, Bruſt fd Seiten gelblichweiß, mit dunkelbraunen, wellenfoͤr⸗ migen Querlinien; die Schwung- und Schwanzfedern dunkel⸗ braun, letztere etwas ins Roͤthliche ſpielend; die aͤußerſte Schwung: feder weiß eingefaßt, die uͤbrigen aber nur bis auf die vier mitt⸗ lern mit weißen Spitzen verſehen. Aufenthalt. a. Im Freien. Er iſt faſt der letzte Zugvogel, der bei uns ankommt, was Anfangs Mai geſchieht. Obgleich man ihn auch in den Thaͤlern der Wälder, wo Viehweiden find, antrifft, fo wohnt er doch mehr im Felde an Hecken und Buͤſchen, aber auch da am liebſten, wo das Vieh weidet und die Pferde eingeſchraͤnkt ſind. Er zieht ſchon im Auguſt familienweiſe weg und war ehe ſich die Jungen gemauſert haben. b. In der Stube. Auch er muß, wie ge Gattungs⸗ verwandten, in einen großen Kaͤfig allein geſetzt werden; denn wenn man ihn frei unter den andern Vögeln: herum laufen laßt, ſo faͤngt er bald an zu wuͤrgen. Vor etlichen Jahren fing ich 56 Der rothruͤckige Wuͤrger oder der Dorndreher. einen, der drei Tage hungerte, ehe er nur das Geringſte ver⸗ langte, ich mochte ihm geſchoſſene Voͤgel, oder Käfer und andere Inſekten vorlegen. Am vierten Tag, als ich ſchon glaubte, er wuͤrde zu ſchwach ſein, um andern Voͤgeln Schaden zu thun und vielleicht ſich eher an anderes Futter gewoͤhnen, wenn ich ihn auf dem Boden frei laufen ließe, fing er, ſo wie ich ihn hingeſetzt hatte, ſogleich eine Braunelle, und toͤdtete ſie, ehe ich noch im Stande war, ſie ihm aus den Klauen zu bringen. Ich ließ ſie ihm alſo freſſen und ſetzte ihn dann wieder in den Käfig, und von der Zeit an, wo er gleichſam ſeine Rache ausgeuͤbt hatte, fraß er, was ich ihm vorlegte. f Nahrung. a. Im Freien. Hier richtet er große Niederlagen unter den Mai⸗ und Miſtkaͤfern, Feldgrillen, Heuſchrecken und vorzuͤg⸗ lich unter den Viehbremen, die das Lieblingsfutter der Wuͤrger⸗ arten zu ſein pflegen, an, und ſpießt dieſer Inſekten ſo viel an die Dornen des Schwarz- und Weißdornſtrauchs, bis er eine volle Mahlzeit hat. Wenn regneriſche Witterung eintritt, wo ſich. die andern Inſekten verkriechen, ſo faͤngt er auch Feldmaͤuſe, Ei⸗ dechſen, und junge Voͤgel, und ſteckt ſie an die Dornen. Man behauptet mit Unrecht, daß er dies deßhalb thue, um andere kleine Voͤgel, die danach gingen, dabei zu fangen. b. Im Zimmer erfordert er eben die Behandlung, wie die vorhergehenden. Man wirft ihm Inſekten unter Nachtigallen-Fut⸗ ter, das er bald gern frißt, und gibt ihm dann und wann ein bischen rohes oder gekochtes Fleiſch. Fortpflanzung. Er niſtet bei guͤnſtiger Witterung des Jahres zweimal in einen dichten Buſch, wozu er gern den Weißdornſtrauch waͤhlt. Das Neſt iſt groß, auswendig mit Wurzeln und groben Gras: ſtaͤngeln angelegt, darauf mit einer Lage Moos und Wolle durch— wirkt, und inwendig mit lauter kleinen Wurzelfaſern ausgefüttert. Die fuͤnf bis ſechs ſtumpfen Eier, die das Weibchen in vierzehn Tagen mit dem Maͤnnchen ausbruͤtet, ſind gruͤnlich weiß, und uͤberall, beſonders am ſtumpfen Ende, mit e und aſch⸗ grauen Puͤnktchen und Flecken beſtreut. Die Jungen ſehen der Mutter ähnlich, find am Oberleibe und der Bruſt gruͤnlichgrau Der rothruckige Wuͤrger oder der Dorndreher. 57 mit vielen dunkelbraunen Wellenlinien und am Bauche ſchmutzig weiß. Sie laſſen ſich, aus dem Neſt genommen, leicht aufziehen, und man giebt ihnen Anfangs Ameiſeneier, dann gekochtes Fleiſch, und zuletzt Semmel in Milch geweicht. Dies letztere Futter freſ⸗ ſen ſie dann, ſo lange ſie leben „gern, wenn fie in der Jugend daran gewöhnt ſind. Fang. | Er iſt licht zu fangen. Wenn er im Mai ankommt, ſo darf man ſich nur die Buͤſche merken, deren es gewoͤhnlich nicht viel find, auf welche er ſich oben in die Spitze ſetzt, auf dieſelben Leim ruthen ſtecken, und ihn dann behutſam hinjagen. Gewoͤhn⸗ lich bekoͤmmt man ihn in der erſten Viertelſtunde. Noch beſſer geht es, wenn man auf ſolchen Sträuchen einen Käfer, eine Heu⸗ ſchrecke oder Viehbreme mit den Beinen an ein Roßhaar bindet, ſie flattern laͤßt und daneben Leimruthen ſtellt. Man muß ſich aber beim Abnehmen huͤten, weil 5 4 wie alle Wuͤrgerarten, ſehr beißt. Empfehlende Eigenſchaften. Dieſer Vogel nimmt unter den Singvoͤgeln keine geringe Stelle ein, denn er ſingt nicht nur angenehm, ſondern auch an⸗ haltend fleißig, und ſitzt dabei frei auf einem Feldbuſch, oder auf den untern lichten Aeſten der Baͤume, immer in der Naͤhe ſei⸗ nes Neſtes. Sein Geſang iſt aus den Liedern der Schwalbe, des Stieglitzes, der Grasmuͤcken, Nachtigall, Baſtardnachtigall, des Rothkehlchens, Zaunkoͤnigs, der Feldlerche, Pieplerche u. dergl. und nur aus einigen rauhen eigenthuͤmlichen Strophen zuſam⸗ mengeſetzt. Diejenigen Voͤgel, die nahe um ihn wohnen, bilden allezeit ſeinen eigentlichen und bleibenden Geſang, und es iſt Muthwille, wenn er den Geſang oder die Locktoͤne eines voruͤ— berfliegenden Vogels nachahmt. Die ſprechenden Geſaͤnge der Finken und Goldammern kann er nicht nachſingen. Vielleicht, daß es der Bau ſeiner Gurgel hindert. Im Kaͤfig nimmt er alle Geſaͤnge der Stubenvoͤgel an, die um ihn haͤngen, und iſt dabei ein luſtiger und ſchoͤner Vogel. Wenn man ihn in ein Zimmer, das mit Fliegen angefuͤllt iſt, fest, fo hat er in kurzer Zeit aufgeräumt. Er fängt fie am leichteften, wenn fie im Fluge find; wenn man ihm dann durch : 58 Der gemeine Rabe oder Kolkrabe. einen Zweig etliche Nadeln ſticht, ſo ſpießt er dieſelben mit einer gar eigenen ſonderbaren Geberde an. Zum Liederpfeifen ſind ſie nicht gut abzurichten. Sie lernen ſehr ſchnell und richtig, vergeſſen es aber auch ſo leicht, um etwas neugehoͤrtes zu ſingen. 3 7. Der gemeine Rabe oder Kolkrabe. „Gohlkrabe, Rappe, ſchwarzer Rabe, Aasrabe, Steinrabe, Kiel— Abe Goldrabe, gemeine und große Kraͤhe, Raab, Raue, Kolk: raue, großer Galgenvogel.“) Beſchreibung und Merkwuͤrdigkeiten. Dieſer, ſo wie die drei folgenden Voͤgel, ſind zwar eigent⸗ lich keine Stubenvoͤgel; allein da ſie Woͤrter nachſprechen lernen, und nicht ſelten deßhalb jung aufgezogen werden, ſo muͤſſen ſie doch der Vollſtaͤndigkeit wegen hier mit aufgefuͤhrt werden. Der gemeine Rabe iſt bekannt genug. Er iſt 2 Fuß lang, wo⸗ von der etwas kegelfoͤrmig abgeſtumpfte Schwanz 8 / Zoll mißt. Der ganze Vogel iſt ſchwarz, oben mit violetten, unten und an den Schwungfedern, auf dem Schwanze und an den großen Ruͤk— kenfedern mit einem gruͤnen Glanze, und an der Kehle etwas heller ſchwarz. Er laͤßt ſich wegen ſeiner breiten Zunge von allen Voͤgeln, die einen erhabenen, runden, meſſerfoͤrmigen, an der Wurzel mit vorwärts liegenden Barthaaren verſehenen Schnabel haben, oder mit andern Worten, die zur Kraͤhengattung gehoͤren, am beſten zum Sprechen gewoͤhnen. Es iſt daher nichts ſeltenes in Thüringen, daß man in den Wirthshaͤuſern mit den Scheltwor— ten Dieb, Spitzbube ꝛc, empfangen wird, womit dieſer Vogel, dem man einen ſchoͤnen Kaͤfig in Geſtalt eines Thurms an die Thuͤrwand ꝛc. baut, die Eintretenden begruͤßt. Man kann ihn aber auch frei herumlaufen, und wenn er jung aufgezogen iſt, (wie es geſchehen muß, wenn man ihn ſprechen lehren will) ihn auch frei herumfliegen laſſen und er kommt auf den Ruf Hans, welchen Namen er gewoͤhnlich fuͤhrt, wieder dahin, wo er gefüt⸗ tert wird. Alles glaͤnzende Metall, beſonders Geld muß man ) Corvus Corax. Gmelin Lin. Syst. I. I. p. 364. n. 2. Le Corbeau. Buffon des Ois. 3. P. 13. t. 2. The Raven. Latham Syn. I. 1. p. 367 n. 1. Friſch Vögel. Taf. 63. Der gemeine Rabe oder Kolkrabe. 59 vor ihm bewahren, ſonſt tragt er es, wie, alle Kraͤhenarten, fort. Als der Kaiſer Auguſtus von einem Siege zuruͤck kam, ſo ſoll ihm ſogar einer entgegen gerufen haben: Ave Caesar, Victor, Imperator! d. h. Willkommen Kaiſer, Sieger, Herrſcher! Man loͤſt ihm zur Erleichterung des Sprechens, oder zu mehrerer Ber weglichkeit der Zunge, die bei artikulirten Toͤnen noͤthig iſt, das Zungenband, was allerdings etwas, obgleich wenig beitraͤgt, ſeine Redegabe zu erhoͤhen und zu vermehren; denn ich habe auch Ra— ben mit ungeloͤßter Zunge ſprechen hoͤren. Von einem Kohlkra⸗ ben, der auf einem Edelhof in der Grafſchaft Mannsfeld gehal- ten wurde, wird folgende artige Anekdote erzaͤhlt. Unter andern ſprach derſelbe die Worte: Sag, wer biſt du? ſehr ſtark und deutlich aus. Als er einſtmals im Garten im Gras herum ſchlich, ſo wurde ihn ein Huͤhnerhund gewahr, der bei ihm ſtehen blieb, und ihm nachſchlich, wenn er weiter ging. Aus Furcht vor die⸗ ſem Nachſpuͤren kehrte der Rabe ſich ſchnell um und ſprach: Sag, wer biſt du? Daruͤber erſchrack der Hund, ließ den Schwanz haͤngen und lief eiligſt davon. Erſt in einer großen Entfernung kehrte er ſich um und bellte. N 5 Zu den Zeiten, wo die Wahrſagerkunſt noch einen Theil der Religion ausmachte, ſtand dieſer Vogel in großem Anſehen. Man gab ſich ſogar Mühe, alle feine Handlungen, alle Um— ſtaͤnde bei feinem Fluge und alle die verſchiedenen Modulationen ſeiner Stimme zu ſtudiren. Von dieſer hat man bis vier und ſechzig verſchiedene Veraͤnderungen gezaͤhlt, ohne andere feinere, ſchwer zu beſtimmende Unterſchiede zu rechnen, wozu doch wahr: lich ein außerordentlich feines Ohr gehoͤrt, da ihr Ruf Krack und Kruck! fo einfach iſt. Eine jede Veränderung derſelben hatte ihre beſtimmte Bedeutung, und es fehlte weder an Leuten, welche ſich Kenntniß derſelben erwarben, nach an ſolchen, die dieſe Hirn⸗ geſpinſte glaubten. Einige trieben die Narrheit gar ſo weit, daß ſie das Herz und die Eingeweide deſſelben aßen, in der Hoffnung, ſeine prophetiſche Gabe zu erhalten. . Er hat ſeinen Aufenthalt in waldigen Gegenden, wo er ſein Neſt auf die hoͤchſten Baͤume baut, und drei bis fuͤnf ſchmutzig⸗ gruͤne, olivenbraun gefleckte Eier ausbruͤtet. Die Jungen, die man unterrichten oder zum Ein- und Ausfliegen gewoͤhnen will, nimmt man aus, wenn ſie halb fluͤgge, alſo ohngefaͤhr zwoͤlf Tage Die Rabenkraͤhe. ausgebruͤtet find, und füttert fie mit Fleiſch, Schnecken und Re- genwuͤrmern auf. Auch freſſen ſie Brod und Semmel in Milch geweicht. In der Folge laſſen ſie ſich mit Brod, Fleiſch und allerhand Ueberbleibſeln von Speiſen leicht erhalten. Durch ihre Nahrung im Freien, welche in jungen Haſen, Vogeleiern, Maͤu— ſen, jungen Gaͤnſen, Huͤhnern, Schnecken, Birnen, Kirſchen u. ſ. w. beſteht, werden fie theils ſchaͤdlich, theils nuͤtzlich. 9. Die Rabenkräh e. (gemeine Kraͤhe, ſchwarze-Haus- und Feld⸗Kraͤhe, Kratte, kleiner Feld⸗ und Mittel: Rabe“). Beſchreibung. Sie iſt dem vorhergehenden Vogel faſt in allen Stüden gleich, nur kleiner, 1½ Fuß lang, und hat keinen keilfoͤrmigen, ſondern einen zugerundeten Schwanz. Das ganze Gefieder iſt ſchwarz, am Oberleibe mit einem violetten Glanze. Merkwuͤrdigkeiten. Sie gehört in vielen Gegenden Deutſchlands unter die ges meinſten Voͤgel, die ſich in Feldhoͤlzern (fo wie die Saatkraͤhe!“) zuweilen in ſolcher Menge aufhalten, daß auf einem Baume mehr als ein Neſt ſteht. Das Weibchen legt 4 bis 6 grüne, mit aſch— grauen und olivenbraunen Flecken beſetzte Eier. Da, wo ſie im Winter nicht wegziehen, ſondern das ganze Jahr bleiben, kann man im März ſchon Junge ausnehmen und aufziehen“). Sie werden eben fo, wie die vorhergehenden, behandelt; ja fie laſſen ſich leichter zaͤhmen; denn ich weiß alte Voͤgel, die ſich noch zum Aus» und Einfliegen gewoͤhnten, und ſogar ſolche wilde, die den ganzen Winter ſich haben im Hofe füttern laſſen, zu Anfang des ) Corvus Corone Gmelin Lin. Syst. I. 1. p. 365. n. 3. Corneille. Buffon des Ois. 3. p. 45. t. 3. Carrion Crow. Latham Syn. I. 1. p. 370. n. 3. Naum anns Land- und Waſſervögel I. Taf. 498. **), Die ich hier nicht aufführe, weil mir kein Beiſpiel bekannt iſt, daß man ſie in Deutſchland zum Sprechen gewöhnt und deßhalb gezähmt hätte, obgleich man fie auch zum Aus⸗ und Einfliegen gewöhnen kann. Sie hat die Größe der Rabenkrähe, iſt ſchwarz, glänzend, ſchön purpurfarbig, und unterſcheidet ſich vorzüglich durch den Schnabel, der weit gerader, dünner, an der Wurzel räudig und nackt iſt. 1 **) In dem gelinden Winter 1794 gab es ſchon zu Ende des Februar junge Rabenkrähen im Thüringer = Walde. Die Nebelkraͤhe. — Die Dohle. 61 Fruͤhlings wieder in den Wald geflogen ſind, dort gebruͤtet, zu einer beſtimmten Zeit, zu Anfange des Winters, ſich wieder ein⸗ geſtellt haben, und ſo zahm, wie die Hofhuͤhner, geworden ſind. Ihre Nahrung im Freien beſteht aus Inſekten und Wuͤr⸗ mern, Getreide und Fruͤchten, Maͤuſen ꝛc. 6 Am leichteſten faͤngt man ſie im Winter, ſo wie die Ne⸗ belkraͤhen und Dohlen, in Städten und Dörfern mit Papier duten, in welche man unten ein Stuͤckchen Fleiſch ſteckt, und den Rand mit Vogelleim beſtreicht. Auch mit ſtarken Leimruthen laſſen ſie ſich im Hofe und vor den Thuͤren bei ausgeſtreutem Getreide oder Pferdemiſt fangen. 10. Die Nebelkrähe. (Schildkraͤhe, Sattelkraͤhe, Winterkraͤhe, Kraͤge, graue Kraͤhe, grauer Rabe, Mehlrabe, Graurabe, Graumantel, Krauveitel !“). Beſchreibung und Merkwuͤrdigkeiten. Im Winter trifft man dieſen Vogel faſt in allen Gegenden Deutſchlands an, im Sommer aber nur vorzüglich in den noͤrd— lichen, wo er im Gehoͤlze und in Gaͤrten, die an das freie Feld ſtoßen, bruͤtet. Die 4 bis 6 Eier, welche das Weibchen legt, ſind hellgruͤn, fein braun geſtrichelt und gefleckt. Der Vogel iſt etwas groͤßer als der vorhergehende, grau, aber Kopf, Kehle, Fluͤgel und Schwanz ſind ſchwarz. 8 Jung ſpricht er leichter als der vorhergehende, und laͤßt ſich auch alt noch leichter zahmen. Man behandelt ihn eben fo, wie jenen. 5 II. Die Dohle. (Thale, Tahe, Aelke, Kaike, Gacke, Klaas, Schneegaͤcke, Thurm⸗ ! 3 kraͤhe, Schneedohle “). in Beſchreibung und Merkwürdigkeiten, Dieſer Vogel iſt ohnehin, da er fein Neſt mit 4 bis 7 gruͤnen, dunkelbraun und ſchwarz gefleckten Eiern in alten Gebaͤuden, Haͤu⸗ *) Corvus Cornix. Gmelin Lin. Syst. I. 1. p. 366. n. 5. Corneille mantelée. Buffon des Ois. 3. p. 61. t. 4. Hooded Crow. Latham Syn. I. 1. p. 374. n. 5. Friſch Vögel Taf. 65. 5 *) Corvus Monedula. Gmelin Lin. Syst. I. 1. p. 367. n. 6. Choucas. Buffon des Ois. 3. p. 69. Iackdaw. Latham Syn. I. 1. p. 378. n. 9. Friſch Vögel. Taf. 67. : Der Holzheher. ſern, Schloͤſſern, Thuͤrmen und Kirchen anlegt, ein halber Haus⸗ vogel, und wird es ganz, wenn man ihn ausnimmt und erzieht, wo er alsdann mit dem Hausfedervieh auf dem Hof herum geht. Nicht ſowohl ihn reden zu lehren (denn er lernt mit vieler Muͤhe einige Worte nachſprechen), als ſich an ſeiner Zahmheit und an ſei⸗ nem Aus⸗ und Einfliegen zu vergnügen, halt ihn der Liebhaber. Er wird oft ſo zahm, daß er mit ſpazieren geht oder fliegt, und iſt ſo aufmerkſam, daß er alles, was im Hauſe vorgeht, beſonders was das Eſſen betrifft, bemerkt. Er ſtellt ſich z. B. beim zu Zifcheläuten beſtimmt im Eßzimmer ein. Auch alte, die man im Herbſt faͤngt, denen man die Fluͤgel beſchneidet, und im Fruͤh⸗ jahr ausrupft, daß ſie nach und nach wieder fliegen lernen, kann man gewoͤhnen, daß ſie auf einen gewiſſen Ruf wieder kommen. Im Winter ſind ſie alsdann gewiß wieder auf dem Hofe. Die Groͤße der Dohle iſt, wie eine Taube, 13½ Zoll lang. Der Hinterkopf iſt lichtgrau, der uͤbrige Koͤrper ſchwarz, unten etwas heller. N Wenn ſie im Winter wilden Knoblauch auf dem Felde frißt, ſo ſtinkt ſie ganz außerordentlich und behaͤlt den Geruch eine ganze Woche lang noch in der Stube. \ 12. Der Holzheher. (Nußheher, Nußbeißer, Heher, Heier, Eichelheher, Eichelkehr, Markwart, Markelfuß, Haͤzler, Fack, Holzſchreier, Eichelkraͤhe“. Beſchreibung. Dieß iſt ein ſchoͤner Vogel, der in meiner Jugend in den Thuͤringiſchen Walddoͤrfern nicht ſelten als Stubenvogel im Kaͤfig gehalten wurde, und dem man Sprechen lehrte. Er hat die Groͤße einer Taube und iſt 13½ Zoll lang. Sein Schnabel ſieht aus wie ein Kraͤhenſchnabel und iſt ſchwarz, die Fuͤße aber ſind braͤun⸗ lich ins Fleiſchfarbene fallend. Alle kleine Federn ſind dunenar⸗ tig geſchliſſen und wie Seide anzufuͤhlen. Beinahe der ganze Körper faͤllt ins Purpurroͤthlichaſchgraue; die Kehle iſt weislich; die Augen ſind roͤthlich weiß und After und Steiß ganz weiß; die langen lockern Federn des Vorderkopfes, die ſchwarz, aſch—⸗ *) Corvus glandarius. Gmelin Lin. Syst. I. 1. p. 368. n. 7. Le Geay. Buffon des Ois. 3. p. 107. t. 8. The lay. Latham Syn. I. I. p. 37. n. 19. Friſch Vögel. Taf. 55. Der Holzheher. 63 grau und purpurroth ausſehen, koͤnnen in einen Federbuſch auf gerichtet werden; von der unterſten Kinnlade laͤuft an jeder Seite ein ſchwarzer Streifen bis faſt zur Haͤlfte des Halſes herab; die Schwungfedern ſind ſchwaͤrzlich, die mittleren weiß geraͤndert, was einen weißen Fleck auf den Fluͤgeln bildet; die Deckfedern der vordern Schwungfedern haben auf ihrer Außenſeite (und dieß macht den Vogel außerordentlich ſchoͤn) ſchmale, ſchoͤne, glaͤnzende, weißblaue, hellblaue und blauſchwarze Querſtreifen, deren Far⸗ ben, wie beim Regenbogen, ſanft in einander fließen; die Schwanz⸗ federn ſind ſchwarz, an der Wurzel grau, weiter nach der Spitze mit verloſchenen Streifen der eben beſchriebenen ſchoͤnen Fluͤgel⸗ deckfedern bezeichnet. Das Weibchen iſt nicht ſehr vom Männchen zu unterſchei⸗ den. Doch iſt es im Nacken graulich, dahingegen das Männchen an dieſer Stelle bis zum Ruͤcken viel roͤther iſt. Aufenthalt. a. Im Freien. Man trifft ihn in Schwarz- und Laub⸗ waͤldern an, ſowohl in bergigen als ebenen Gegenden, und am haͤufigſten, wo beide Holzgattungen vermiſcht nd b. In der Stube hält man ihn in einem großen draͤther⸗ nen Vogelbauer, dem man die Geſtalt eines Hauſes, Thurmes ꝛc. giebt. — Nahrung. a. Im Freien frißt er vorzüglich Eicheln und Eckern, und wenn es dieſe nicht giebt, allerhand Inſekten, Würmer und Bee: ren. Zu der Zeit, wenn es Kirſchen giebt, iſt er der ſchaͤdlichſte Vogel fuͤr die Gaͤrten. b. Wenn man ihn im Vogelhaus halt (oder in der Stube herum laufen laͤßt), ſo gewoͤhnt man ihn gern an Kleie in Milch geweicht. Er frißt aber auch Brod, Kaͤſequark, gekochtes Fleiſch, und faſt alles, was auf den Tiſch kommt. Eicheln und Nüffe find alsdann Leckerbiſſen für ihn. Bei feiner Wartung muß man ſehr auf große Reinlichkeit halten, denn ſonſt beſchmutzt er ſich die Federn und wird unanſehnlich. Am beſten iſt es, man gewoͤhnt ihn an bloßen Weizen, dann verunrelnigt | er ſich nicht To leicht, und fein Unrath iſt nicht To Der Holzheher. flüffig und uͤbelriechend, Er läßt ſich mehrere Jahre lang damit unterhalten. Nicht blos zum Trinken, ſondern auch zum Baden will er immer friſches Waſſer haben. Fortpflanzung. Er niſtet auf Buchen, Eichen und Nadelholzbaͤumen, hoch 5 und niedrig, und legt fuͤnf bis ſieben aſchgraue, ins Graue ſpie⸗ lende und mit kleinen dunkelbraunen Punkten beſetzte Eier. Die Jungen, denen man das Sprechen lehren will, nimmt man aus, wenn fie vierzehn Tage alt ſind, und fuͤttert fie mit Kaͤſequark, Semmel, Brod, Fleiſch ꝛc. auf. Sie ſind leicht aufzuziehen und zu zaͤhmen. Die Alten wollen nicht recht zahm werden. Sie verkriechen ſich immer, wenn ſie einen Menſchen gewahr werden, und faſten deshalb oft lieber den ganzen Tag. ee Fang. Wer Vergnügen an alten Vögeln dieſer Art hat, der kann ſie am beſten auf folgende Art fangen. Im Herbſt, von Mi⸗ chaelis bis Martini, wählt man ſich in einem Tannen⸗oder Fich⸗ tenwalde an einem ſolchen Ort, wo man dieſen Vogel haͤufig vor— beikommen ſieht, einen Platz, wo eine einzelne Fichte oder Tanne ſteht, die drei bis ſechs Schritte rings herum von den naͤchſten Baͤumen entfernt ſein muß. Von dieſer haut man die uͤberfluͤ⸗ ſſigen Aeſte weg, läßt nur einzelne in Geſtalt einer Wendeltreppe ſtehen, und ſchneidet auch dieſe ſo weit ab, daß ſie nur 5 bis 6 Spannen lang ſind. Ohngefaͤhr 10 bis 13 Fuß von der Erde fangen dieſe Aeſte an und reichen bis 6 Fuß unter den Gipfel. Sie werden mit Leimruthen beſteckt. Unter dem Baume wird eine mit gruͤnen Reißig bedeckte Hütte gebaut, die nach Verhaͤlt⸗ niß der Perſonen, die ſie faſſen ſoll, groß gemacht wird. Auf dieſe ſetzt man eine lebende oder todte, oder von Thon gebrannte Eule, oder in deren Ermangelung einen Haſenbalg, welcher eben die Dienſte thut, nur muß er an etwas angebunden ſein, damit er bewegt werden kann. Um die Heher herbeizulocken, hat man die ſogenannte Vichtelpfeife noͤthig, welche man von einem Stuͤckchen Holz macht, in deſſen Kerbe man ein Stuͤckchen Kirſch⸗ baumrinde legt, und dieſe wieder mit dem Deckel der Kerbe be⸗ Der Holzheher. 65 deckt. Man ahmt alsdann das Geſchrei einer Eule nach; die Holzheher, als Erbfeinde derſelben, kommen herbei, ſchreien, man ſchreit mit, wie ein Holzheher, dadurch verſammeln ſich ihrer noch mehrere, fliegen auf die Leimruthen, bleiben daran kleben, fallen herab und koͤnnen weggenommen werden. Wenn man die obere Decke der Huͤtte nur leicht mit Fichtenreißig belegt, fallen fie als ſchwere Vögel in dieſelbe. Auch eine Menge anderer Bo: gel kommen auf dieſen betruͤgeriſchen Ruf herbei, wollen ihre Bruͤder von einem Feinde retten, fangen ſich, und man bekommt oft in einigen Stunden eine Menge Holzheher, Elſtern, Spechte, Droſſeln, Rothkehlchen, Meiſen u. ſ. w. Dieſer Fang beginnt mit Anbruch des Tages; man kann ihn aber auch in der Daͤm⸗ merung des Abends anſtellen. Sie gehen auch ſehr gern auf den Tränkherd, wo man im Julius ganz Junge mit halbgewachſenem Schwanze bekom⸗ men kann. Auch dieſe eignen ſich noch zum Sprechen und Zaͤhmen. Empfehlende Eigenſchaften. Wie geſagt, ſo empfiehlt dieſe Voͤgel ihre Gelehrigkeit, in⸗ dem ſie leicht ſprechen lernen, beſonders wenn man ihnen die Zunge geloͤſt hat. Doch ſprechen ſie nichts als einzelne Worte. Sie lernen auch das Trompeterſtuͤckchen und andere kleinſtrophige Melodien, und grackeln die Toͤne von vielen Voͤgeln nach. Auch ihre Farben haben Reiz genug, ſie zu Stubenvoͤgeln zu machen. Außerdem kann man ſie auch zum Ein- und Ausfliegen gewoͤh⸗ nen, doch geht dies nicht, wie bei den Raben und Kraͤharten, in der Stadt an, fondern nur auf dem Lande nahe am Walde und 3 13. Der Schnenbehre *), Nußheher, Nußpicker, Nußknacker, Nußbeißer, ſchwarzer Mark: ward, Nußkraͤhe.) Beſchreibung. An Groͤße gleicht er faſt dem vorhergehenden, if 12 Zoll lang, wovon der Schwanz 4% Zoll; die * reichen zuſam⸗ ) Corvus Caryocatactes. Gmelin Lin. Syst. 1. 1. p. 370. n. 10. Casse- noix. Buffon des Ois. 3. p. 112, t, 9. Nuteracker. Latham Syn. L 1. p. Friſch Vögel Taf. 56. Naturgeſch. d. Stubenvögel. 5 Der Tannenheher. mengelegt bis auf die Mitte deſſelben; der Schnabel iſt 1½ Zoll lang, gerade, an den Seiten zuſammengedruͤckt, vorn gekruͤmmt jur ſchwarz; der Augenftern nußbraun; die Fuͤße ſind ſchwarz, 1⅜ Zoll hoch. Er iſt fo bunt wie ein Staar. Der Leib iſt ehren, oben heller, unten dunkler; Kopf, Nacken und Steiß einfarbig; vor den beiden Augen ein weißer Fleck; an den Wangen und Seiten des Halſes eine Menge weißer, kleiner, eirun⸗ der Flecken, auf dem Ruͤcken einzelne groͤßere oder nur einzelne Strichelchen; an der Bruſt haͤufige, große, eirunde, am Bauche etwas ſparſamere, aber groͤßere und faſt dreieckige weiße Flecken; die obern Deckfedern des Schwanzes ſchwarz, die untern weiß; die Deckfedern der Fluͤgel ſchwaͤrzlich, die kleinen mit einzelnen dreieckigen weißen Spitzen; die Schwungfedern ſchwarz, die Schwanzfedern ebenfalls, doch haben dieſe weiße Spitzen. Das Weibchen iſt mehr roſt- als ſchwarzbraun. Aufenthalt. a. Im Freien. Er wohnt in den tiefſten Waͤldern, beſon⸗ ders wenn fie mit Nadeln- und Laubholz vermiſcht, und Wieſen - und Quellen in der Naͤhe ſind. Obgleich er ein Standvogel zu ſein ſcheint, ſo ſtreicht er doch geſellſchaftlich im Oktober in diejenigen Gegenden, wo es Eicheln, Bucheckern und Haſelnuͤſſe giebt. Ja man trifft ihn im Winter wohl gar auf den Stra— ßen an, wo er den Pferdemiſt durchſucht. b. In der Stube haͤlt man ihn wie den Holzheher. Nahrung. a. Im Freien. Mit dem ſtarken Schnabel beißt der Tan⸗ nenheher die Tannen- und Fichtenzapfen ab, zerknackt Eicheln, Bucheckern und Haſelnuͤſſe mit Leichtigkeit. Er frißt auch aller⸗ f hand Beeren, am liebſten aber animaliſche Nahrung, Inſekten und was er ſonſt habhaft werden kann. b. In der Stube naͤhrt man ihn wie den vorhergehenden. Er laͤßt ſich aber nicht nur leichter zaͤhmen, ſondern auch leichter an alle Nahrung gewoͤhnen. Er frißt Weizen, am liebſten aber Fleiſch. Wenn man einen lebendigen Holzheher zu ihm in Kaͤ— fig wirft, fo iſt dieſer in einer Viertelſtunde verzehrt; auch ge: ſchoſſene ganze Eichhoͤrnchen, die andere kleine Raubvoͤgel ſcheuen, frißt er ohne Bedenken. Die Elſte. 67 Fortpflanzung. i Sein Neſt ſteht in hohlen Baͤumen. Es enthaͤlt 5 bis 6 Eier, die auf dunkel- olivengrauen Grunde ſehr einzelne dunkel⸗ braune 8 haben. Man zieht die Jungen mit Fleiſch auf. Fang. | Man fängt ihn im Herbſt in der Schneuße, wo Vogel⸗ beeren vorhaͤngen; man kann aber dieſen Fang dadurch verbeſſern, daß man Haſelnuͤſſe vorſteckt. Er geht auch auf den Traͤnkherd. Empfehlende Eigenſchaften. In ſeinem Betragen iſt er ſo kurzweilig wie ein Wuͤrger. Er ahmt die Töne verſchiedener Thiere nach, und tft jo gefchwä- tzig wie ein Holzheher. Seinen Toͤnen und ſeiner Geſtalt nach muͤßte man ihn jung gefangen wohl reden lehren koͤnnen. 14, Die Elſter. (Alſter, Azel, Hutſche, Schalaſter, Heiſter, Heſte, 8 Adel⸗ ſter, Gartenkraͤhe, Egeſter.“) Beſchreibung. Dieſer Vogel, der ohngefaͤhr die Dicke einer Taube, aber wegen ſeines langen Schwanzes die Länge von 18 Zoll hat, iſt allenthalben in Deutſchland als ein Vogel, der ſich ſo nahe um die Wohnungen der Menſchen herum aufhaͤlt, bekannt genug. Er iſt in der That ein ſchoͤner Vogel, ſo einfach auch ſeine Farbe zu ſein ſcheint. Er iſt nämlich ſchwarz und weiß bunt, aber beide Farben ſind ausgezeichnet ſchoͤn, und er wird noch mehr durch den keilfoͤrmigen Schwanz geziert, welcher an der Spitze pur⸗ e glaͤnzt, und ſodann ins Stahlblaue uͤbergeht. Nahrung. In der Freiheit naͤhrt ſich dieſer Vogel von Inſekten, Ge⸗ wuͤrmen, allerhand Arten von Wurzeln, auch andern Fruͤchten; im Vogelhaus oder im Zimmer und Haus frei gehend nimmt er mit Brod und gekochtem Fleiſch vorlieb, ja faſt mit Allem, was auf den Tiſch kommt, und iſt er gut gewoͤhnt, ſo kommt er zur *) Corvus Pica. Gmelin Lin Syst. I. 1. p. 373. n. 13. Pie. Bufkäü des Ois. 3. p. 85. t. 7. Magpie. Latham Syn. Friſch Vögel Taf. 58. 5 * Die Elfter. = Eſſenszeit zum Fenſter hereingeflogen und hält feine Mahlzeit vom Tiſch. Wenn man ihm mehr giebt, als er freſſen kann, ſo verſteckt er das Ueberfluͤſſige bis zu einer andern Mahlzeit. Dieſen Trieb bemerkt man ſchon an den Jungen, die man aufzieht, ſobald ſie nur ſelbſt freſſen koͤnnen. Empfehlende Eigenſchaften. Dies iſt derjenige Vogel, der ſich unter den deutſchen Voͤ⸗ geln faſt am leichteſten und beſten zaͤhmen laͤßt. Die Elſter ahmt alle auffallenden Toͤne nach und lernt ſpre⸗ chen, und zwar leichter als die Kraͤhenarten. Sie muß aber dann jung aus dem Neſte genommen und unterrichtet werden. Doch erzaͤhlt Plutarch von einer Elſter, die ein Barbier zu Rom hatte, die die Stimmen der Menſchen und Thiere und den Klang aller Inſtrumente, die fie hörte, ohne daß fie weiter dazu aufges muntert wurde, nachahmte, kurz ſo gut ſang und ſprach, daß man ſich in dem ganzen Stadtviertheil, wo der Barbier wohnte, gewöhns lich in Geſellſchaften von dieſer Elſter unterhielt. Sie zum Aus⸗ und Einfliegen zu gewoͤhnen, iſt leicht, wenn man ſie etwa ſo zahm, wie die Haustauben, oder noch zahmer haben will, denn rohes Fleiſch, Brod und Alles, was vom Tiſch kommt, ſchmeckt der aufgezogenen Elſter ſo gut, daß ſie ſich gar nicht von dieſer Koſt wegſehnt, daher immer wieder zuruͤckkehrt, und nur aus Leckerei manchmal ein Inſekt oder einen Wurm frißt. Um ſie hierzu zu gewoͤhnen, nimmt man ſie (und das iſt die Hauptſache, welche man bei den meiſten Voͤgeln, die man zum Ein- und Aus⸗ fliegen gewoͤhnen will, zu beobachten hat), wenn ſie vierzehn Tage alt find, aus dem Neſte, das auf Baͤumen nahe bei Doͤr— fern und Staͤdten, mit 4 bis 6 weißgruͤnen, mit aſchgrau und olivenbraunen Puͤnktchen und Strichelchen beſetzten Eiern, ſteht, und fuͤttert ſie mit Brod, das in Milch oder auch in Waſſer ein⸗ geweicht iſt, giebt ihnen nach und nach auch gehacktes Fleiſch, und endlich von Allem, was in die Kuͤche kommt, auch gekochte oder faule Aepfel und Birnen, die man ſonſt nicht brauchen kann. Wenn ſie ſo fluͤgge ſind, daß ſie auf einen nahen Baum fliegen koͤnnen, ſo laͤßt man ſie wohlgeſaͤttigt ausfliegen, und lockt ſie dann wieder zu ſich, oder an den Ort, wo fie immer bleiben fol: len; dies wiederholt man ſo lange, bis ſie ganz fluͤgge ſind, als⸗ Die Mandelkraͤhe. 69 dann beſchneidet man ihnen die Fluͤgelfedern ein wenig bis zum Winter, wo man ſie ihnen wieder ausrupft, damit ſie wachſen. Unterdeſſen werden ſie ſich ſo an ihren Waͤrter und das Haus, wo er wohnt, gewohnt haben, daß man ſie ohne Beſorgniß halbe Ta⸗ ge lang im Freien laſſen kann, und ſie doch wieder kommen ſieht. Können fie dabei ſprechen, fo vergnügen fie deſto mehr. Auch die Alten, welche man im Winter leicht in Leimruthen, an die man Fleiſch thut, fangen kann, wird man dadurch auf den Hof gewoͤhnen, daß man ihnen im Sommer die Fluͤgel verſchneidet und ſie ihnen im Herbſt wieder wachſen laͤßt. Sie kommen dann ohne Scheu wieder, und finden ſich wenigſtens unter dem Feder⸗ vieh des Hofes ein, bruͤten auch im Sommer nicht weit vom Hauſe ihre Jungen aus, fuͤr welche ſie immer Nahrung aus der Kuͤche verlangen. Etwas glaͤnzendes darf man aber vor dieſen Gaͤſten nicht liegen laſſen; denn ſie ſchleppen alles Metall und andere glaͤnzende Dinge weg und verſcharren ſie, ſo wie ihren Ueberfluß an Nahrungsmitteln. i i Einer meiner Freunde ſchreibt mir: Ich hatte eine Elſter auf⸗ gezogen, die wie eine Katze ſo lange an mir herumſtrich, bis ich ſie ſtreichelte. Sie lernte das Ausfliegen von ſelbſt und folgte mir oft ſtundenlang, ſo daß ich die groͤßte Noth hatte, ſie von mir zu entfernen, und ſie einſperren mußte, wenn ich ſie nicht mit⸗ nehmen konnte. Gegen andere Perſonen war ſie wild, mir aber konnte ſie die geringſte Gemuͤthsbewegung an den Augen abſehen. Mit ihren wilden Kammeraden flog ſie ſehr weit, verſtrich aber nie mit denſelben. bi. Jung zaͤhmbare. 15. Die Mandelkrähe. (Taf. II. Fig. 1) (Blaue Kraͤhe, Garbenkraͤhe, wilde Goldkraͤhe, Gruͤnkraͤhe, blaue Holzkraͤhe, Straßburger Kraͤhe, blauer Rabe, blaue Racke, Hei⸗ | denelſter, Kugelelſter, Galgenvogel, Halbvogel, Gelsvogel, Hald- vogel, Racker, Racher, Rabe, Raake, europaͤiſcher Racker, Racker⸗ vogel, Plauderrackervogel, deutſcher Papagei, Birkheher, Meer⸗ heher, Roller, Blaurock, Blabrock und lebfarbiger Birkheher“). ) Coracias Garrula. Gmelin Lin. Syst. I. 1. P. 378. n. I. Rollier d Eu- —ä̃ ...... —— n Die Mandelkrähe. Beſchreibung. Ich habe bisher geglaubt, daß dieſer Vogel nicht zu zaͤhmen ſei, bin aber durch Herrn Dr. Meyer in Offenbach, und Herrn von Clairville zu Winterthur, die ihrer viele jung aufgezogen und in der Stube erhalten haben, vom Gegentheil uͤberzeugt worden. An Groͤße und Geſtalt gleicht er dem Holzheher, iſt faſt 1 Fuß lang, wovon der Schwanz 4½ Zoll wegnimmt, und 2 Fuß breit. Der Schnabel iſt an 1¼ Zoll lang, faſt wie ein Elſter⸗ ſchnabel geſtaltet, ſchwaͤrzlich und mit nackten Naſenritzen; hinter den Augen ein nackter warziger Fleck; der Augenſtern grau; die Füße etwas über 1 Zoll hoch und mit den Zehen ſchmutzig grau⸗ gelb. Kopf, Nacken, Kehle, Hals, Bruſt, After, größere Deck— federn der Flügel und alle untern Deckfedern derſelben find blaͤu— lichgruͤn; Ruͤcken, Schultern und die drei letztern Schwungfedern leberfarben; die Deckfedern des Schwanzes, die kleinern Deckfedern der Fluͤgel, und die verborgene Seite der Schwungfedern am in⸗ nern Rande indigoblau; die aͤußere Fahne der Schwungfedern ſchwarz, von der Wurzel an bis zur Haͤlfte blaͤulich gruͤn; der gerade Schwanz an der Wurzel ſchmutzig blaugruͤn, nach der Spitze reiner und heller, die beiden mittelſten Federn ganz braun⸗ grün, die erſte an der Spitze ſchwarz, die zweite bis fünfte an der innern Fahne mit einem großen blauen Fleck und mit braͤun⸗ lichen Spitzen, und alle dieſe Farben ſchimmern auch unten vor. Das Weibchen iſt am Kopf, Hals, Bruſt und Bauch röthlichgrau, gruͤnblau uͤberlaufen; der Ruͤcken und die hinterſten Schwungfedern ſind hell graubraun; der Steiß gruͤn, indigoblau uͤberlaufen; der Schwanz ſchwaͤrzlich, gruͤn und blau überlaufen; das Uebrige wie beim Maͤnnchen. ö Aufenthalt. a. Im Freien. Dieſer Vogel wohnt in Europa und dem noͤrdlichen Afrika, aber nicht uͤberall in den ganzen Brei⸗ ten. In Deutſſchland findet man ihn auch nicht uͤberall, ſon⸗ dern vorzuͤglich nur in den mehr ebenen als gebirgigen Eichen⸗ und Kieferwaldungen, die ſandigen Boden haben; doch kommt er auf ſeinen Zuͤgen auch oft in andere Gegenden. rope. Buffon des Ois. 3. p. 135. t. 70. Garrolous. Latham Syn. Friſch Vögel Taf. 57. Die Mandelkraͤhe. 71 b. In der Stube. Hier laͤßt man ihn mit einem beſchnit⸗ tenen Fluͤgel herum laufen. ; | Nahrung. a. Im Freien. Dieſe machen Inſekten und Froͤſche, und wie man ſagt, auch knotige Pflanzenwurzeln, Eicheln, Getreide⸗ koͤrner und dergleichen aus. Ich habe ſie aber in der Stube nie etwas Vegetabiliſches aufnehmen und freſſen ſehen, daher ich daran zweifle, daß ſie Pflanzenkoſt genießen ſollten . b. In der Stube. S. unten. N Fortpflanzung. Das Neſt ſteht in hohlen Baͤumen und iſt mit Reiſern, Halmen, Federn und Haaren ausgefüllt. Es enthält 4 — 7 oben ſehr abgeſtumpfte und unten ſehr zugeſpitzte weiße Eier, die in 18— 20 Tagen von den Eltern gemeinſchaftlich ausgebruͤtet wer⸗ den. Die Jungen erlangen vor dem zweiten Jahre ihre ſchoͤne blaulichgruͤne Farbe nicht, ſondern ſehen am Kopf, Hals und Bruſt noch mit Grauweiß uͤberzogen aus. | Die Methode, Mandelkraͤhen zu Stubenvoͤgeln zu machen, iſt nach Hrn. Dr. Meyers Erfahrung folgende: „Man nimmt fie halbfluͤgge aus dem Neſte, und füttert fie mit gehacktem Och⸗ ſenherz, Rindfleiſch, oder Kaldaunen ıc. bis fie allein freſſen koͤn⸗ nen; dann giebt man ihnen obiges Futter ebenfalls oder auch halbwuͤchſige lebendige Fröͤſche. Es iſt luſtig anzuſehen, wie ſie dieſe toͤdten und freſſen. Sie werfen ſie oft in die Hoͤhe, und fangen ſie immer mit offenem Rachen wieder auf, dann nehmen ſie ſie mit dem Schnabel bei den Hinterfuͤßen und ſchlagen fie heftig mit dem Kopfe gegen den Boden. So wechſelt dieß in die Hoͤhewerfen, Wiederfangen und Bodenſchlagen ab, bis der Froſch nur wenig Bewegung mehr macht, wo ſie ihn dann ver⸗ ſchlingen. Meiner Meinung nach geſchieht dieß deßhalb, damit die Froͤſche, deren ſie drei und vier hinter einander verſchlingen, ihnen in dem Kropfe nicht viel Bewegungen machen koͤnnen. Hat man nun auf obige Art eine Zeitlang die Mandelkraͤhen gefüttert, ſo vermiſcht man das Fleiſch mit Gerſtenſchrot. Ja ich habe ſie dahin gebracht, daß ſie Brod, Semmel, Gemuͤße und Gerſtenſchrot (etwas angefeuchtet) fraßen; allein Ochſenherz bleibt doch immer noch ihre Lieblingsſpeiſe. Saufen habe ich ſie nie⸗ mals geſehen. Die Mandelkraͤhe. Sie lernen ihren Waͤrter genau kennen, kommen auf einen gewiſſen Ruf oder Pfiff zu ihm, und nehmen ihr Freſſen aus ſeiner Hand, jedoch ohne ſich ergreifen zu laſſen. Ganz zahm werden ſie nie, ſondern beißen immer um ſich. Sie ſitzen, außer der Freßzeit, faſt beſtaͤndig ſtill auf einem Fleck, und huͤpfen ſie ja einmal in der Stube auf und ab, ſo geſchieht dieß, ihrer kur⸗ zen Fuͤße wegen, doch nur unbehuͤlflich. Man darf ſie weder in einer Stube frei herum fliegen laſſen, noch in einen Käfig ſtecken, weil ſie als aͤußerſt ſcheue Voͤgel ſich die Koͤpfe zerſtoßen und da⸗ durch leicht toͤdten koͤnnen. Am beſten thut man, ſie mit einem abgeſchnittenen Fluͤgel in der Stube herum laufen zu laſſen. Sie ſind unter ſich wohl zaͤnkiſch, und beißen ſich heftig, betragen ſich aber gegen andere Voͤgel friedlich. Ich habe ſie einige Zeit in einer großen Heckſtube unter kleinen und großen Voͤgeln herum⸗ fliegen laſſen, auch einige Zeit unter meinen Tauben, die nicht ausfliegen, gehalten. Gewoͤhnlich aber laſſe ich ſie unter großen und kleinen Voͤgeln bei mir in der Stube herumlaufen. Sie be⸗ finden ſich allein eben ſo geſund und munter als in Geſell⸗ ſchaft.“ Ich habe ſeitdem bei dem Hrn. von Clairville zwei ſolcher Voͤgel geſehen, und einen ſelbſt beſeſſen. Sie waren mit Ochſenherz aufgezogen. Da ſie allein freſſen konnten, ſo erhielten ſie Ochſen⸗ herz in kleine Riemchen geſchnitten in einem Trog mit Waſſer. Aas⸗ und andere Erdkaͤfer waren ihnen Leckerbiſſen. Empfehlende Eigenſchaften. Außer ihrem ſchoͤnen Gefieder haben ſie nicht viel empfehlen⸗ des an ſich. Doch hatte die Frau von Clairville einen fo ges woͤhnt, daß er ihr auf den Schooß flog, und ſich von ihr fuͤt⸗ tern und ſtreicheln ließ. Es durfte aber Niemand zuſehen. Sie ſitzen faſt immer auf einem Fleck, ſind aber beſonders des Nachts ſehr unruhig, und ſtoßen ſich, in einem Kaͤfig eingeſperrt, die Federn ab. Diejenigen, die ich geſehen habe, zankten ſich nicht, ſondern ſaßen immer traulich bei einander, und warteten die Ver⸗ dauung ab. Ihre Stimme läßt ſich in einem unangenehmen Ges ſchrei hoͤren, das wie vom Froſch oder von der Elſter klingt. Der Pirol. | 73 16. Der Pirol. isdn (Kirſchvogel, Wittewal, Gelbvogel, Vogel Puͤhloh, Schulz von Milo, Golddroſſel, Goldamſel, Goldmerle, Regenkatze, Weyrauch und Pfingſtvogel, Gugelſihaus, Byrolf, gelber Racke ). | Beſchreibung. ! np | Di.ieſer ſchoͤne Vogel (wenigſtens ift das maͤnnliche Geſchlecht ſchöͤn), hat die Größe einer Schwarzdroſſel und iſt 9 Zoll lang, wos von der Schwanz 3 ½ Zoll mißt. Der fleiſchrothbraune Schnabel iſt ein Zoll lang, ſtark, rundlich erhaben, und an der obern ſcharfen, etwas ausgeſchnittenen Spitze uͤbergekruͤmmt; die Naſenloͤcher ſind offen; der Augenſtern graubraun; die 1 Zoll hohen Fuͤße, ſo wie die Zehen, ſchmutzig bleifarben; Kopf, Hals, Ruͤcken, Kehle, Un⸗ terhals, Bruſt, Bauch, Seiten und untere Deckfedern der Fluͤgel ſchoͤn goldgelb, an der Kehle und am Bauch etwas heller, und am Steiß etwas ins Gruͤne fallend; zwiſchen dem Schnabelwinkel und den Augen iſt ein ſchwarzer Fleck; die Augenlieder ſind gelb ge⸗ ſaͤumt; die Fluͤgel ſchwarz; die Deckfedern der großen Schwungfe⸗ dern bleichgelb geſaͤumt, wodurch ein gelber Fleck auf den Fluͤgeln entſteht; von dem graden Schwanze die beiden mittelſten Federn | ganz ſchwarz, die übrigen von der Wurzel an bis zur Haͤlfte, dann 9 goldgelb, doch fo, daß die aͤußerſten mehr gelbes haben, als die 0 weiter nach innen ſtehenden, und die aͤußerſten auf der ſchma len Seite ganz ſchwarz. 9 | Das Weibchen iſt nicht fo ſchoͤn; nur an den Enden der olivengruͤnen Schwanzfedern und an den untern Deckfedern des ö Schwanzes und der Flügel zeigt ſich die goldgelbe Farbe; der Ober» N leib iſt übrigens zeiſiggruͤn und der Unterleib ſchmutzig weißgruͤn⸗ N lich mit dunkeln Streifen gemiſcht; die Fluͤgel ſchwaͤrzlichgrau. ! Aufenthalt. a. Im Freien wohnt er in einzelnen Feldhoͤlzern und in | den Vorhoͤlzern großer Waldungen, wo dichtes, hohes, lebendiges | Holz ſteht, und er hat es ſehr gern, wenn es mit einzelnen Schwarz⸗ N holzbaͤumen untermiſcht iſt. Er ſucht die dichten Baͤume ſo gern auf, das man ihn ſelten frei ſitzen ſieht. Wenn die Kirſchen reif ) Oriolus Galbula. Gmelin Lin. Syst. I. 1. p. 382. n. 1. Loriot. Buffon des Ois. 3. p. 254. t. 17. Golden Oriole. La tha m Syn. I. 2. N p. ache n. 43. Die deutſche Ornithologie. Heft 1. Taf. 2. Männchen und Weibchen. b Der Pirol. find, begiebt er ſich auch in die Garten. Er kommt im Mai, wenn die Baͤume ausgeſchlagen ſind, bei uns in Deutſchland an, und verlaͤßt uns ſchon im Auguſt familienweiſe wieder. b. In der Stube ſteckt man ihn, wenn er nicht frei her⸗ umfliegen oder laufen darf, in einen großen draͤthernen Kaͤfig, den man wie einen gewoͤhnlichen Nachtigallen-Bauer, oder wie ein Vogelhaus machen laſſen kann. Des Nachts iſt er immer ſehr unruhig, wenn man ihn gleich dicht mit einer Decke verhaͤngt, und ſtoͤßt ſich deshalb gern die Fluͤgel- und Schwanzfedern ab. Auch in der Stube herum laufend iſt es ein unbehuͤlflicher Wo: gel, der wegen ſeiner kurzen Fuͤße, wie ſeine Verwandtin, die Mandelkraͤhe, ſchief huͤpft, nicht ſtill net, und ſich mit allen Voͤgeln zankt und beißt. Nahrung. Im Freien naͤhrt er ſich von Kirſchen, Beeren und In⸗ ſekten. Wenn man ein altes Maͤnnchen mit dem Kauz, wie den Holzheher, faͤngt, es in einem weiten Kaͤfig in eine einſame Stube oder Kammer ſtellt, ihm anfangs lauter friſche Kirſchen giebt, und nach und nach dieſelben mit in Milch eingeweichten Semmeln und duͤrren Ameiſeneiern, oder mit gewoͤhnlichem Nach⸗ tigallenfutter vermiſcht, fo gluͤckt es wohl zuweilen, daſſelbe einige Zeit am Leben zu erhalten. Herr Dr. Meyer hatte ein altes Maͤnnchen, das er in einem Meiſenkaſten bei den Jungen fing, drittehalb Jahre. Anfangs erhielt es das gewoͤhnliche Nachtigallen⸗ futter, nachher Semmel und Milch, und zuletzt fraß es Alles, was auf den Tiſch kam. Fortpflanzung. Die Pirole niſten nur einmal des Jahres. Sie beſitzen viel Kunſttrieb und haͤngen ſehr geſchickt ihr beutelfoͤrmiges Neſt in die Gabel eines Aſtes auf einem belaubten hohen Baum oder Strauch. Es gleicht einem Korbe mit zwei Handhaben. Das Weibchen legt vier bis fuͤnf weiße mit einzelnen ſchwaͤrzlichen Puͤnktchen und dergleichen Flecken beſetzte Eier, und die Jungen ſehen bis zum kommenden Jahre wie die Mutter aus und mau⸗ en wie die Katzen. Wenn man ſie aufziehen will, wozu aber außerordentlich viel Fleiß und Aufmerkſamkeit gehoͤrt, ſo muß man ſie aus dem Neſte nehmen, wenn ſie halb fluͤgge ſind, ſie Der gemeine Wiedehopf. 75 Anfangs mit friſchen Ameiſeneiern und Ochſenherz fuͤttern, und ſie nach und nach an das gewoͤhnliche Nachtigallenfutter, oder an Semmeln mit Milch gewoͤhnen. Sie dauern dann vier Jahre if und länger. Schade, daß fie nie die ſchoͤne gelbe und ſchwarze | Farbe der in der Freiheit wohnenden Männchen erhalten, ſondern ve den Weibchen gleich fehen und bleiben. Empfehlende Eigenſchaften. Ich habe zwei jung aufgezogene Maͤnnchen geſehen, wovon das eine neben ſeinem natuͤrlichen Geſang, welcher in der Pirol⸗ ſprache Hidahaja, Gvigaia ꝛc. klingt, oder, wie die Kinder in Preußen ſagen, wenn du geſoffen haſt, ſo zahle auch“), noch das Trompeterſtuͤckchen, und das andere eine Menuet pfiff. Ich muß geſtehen, der runde volle Floͤtenton machte dieſen Vo⸗ gelgeſang außerordentlich angenehm. Schade, daß die goldgelbe Farbe verſchoſſen war, was in der Gefangenſchaft immer geſchieht, beſonders wenn man den Pirol in einer Stube hat, wo Taback * geraucht wird oder der Ofen raucht. Seine Lockſtimme, wodurch er ſich im Junius vor allen andern Voͤgeln ſo ſehr auszeichnet, m iſt Yo oder Puͤhloh. 17. Der gemeine Wiedehopf. (Kothhahn, Dreckhahn, Stinkhahn, Baumſchnepfe, Heervogel i und Gaͤnſehirt“). 190 | | Beſchreibung. | | An Größe gleicht er einer Miſteldroſſel und ift 1 Fuß lang, wovon der Schwanz 4 Zoll wegnimmt. Der Schnabel iſt ſchwarz, 2½ Zoll lang, duͤnn und gekruͤmmt; die Fuͤße ſind kurz und ſchwarz; der Augenſtern ſchwarzbraun. Sein Federbuſch beſteht in einer doppelten Reihe Federn, von welchen die laͤngſte ohnge⸗ fähr 2 Zoll lang iſt, die Spitzen find ſchwarz und der untere „Theil orangenfarben; Kopf, Nacken, Hals, Bruſt und die Deds federn der Unterfluͤgel ſind roͤthlichbraun; der Bauch weiß, bei jungen Voͤgeln aber mit dunkelbraunen, ſchmalen, oberwaͤrts lau⸗ — „„. — — — ee „) Daher vielleicht fein Name Biereſel. je % Upupa Epops. Gmelin Lin. Syst. I. 1. p. 466. n. 1. Hupe ou Pu- 0 put. Buffon des Ois. 6. p. 439. Common Hoopoe. Latham Syn. L. | 2. p. 688. n. 1. Friſch Vögel. Taf. 43. \ N Der gemeine Wiedehopf. fenden Linien bezeichnet; der Oberruͤcken und die kleinſten Deck⸗ federn der Fluͤgel rothgrau; der Unterruͤcken, die Schultern und Fluͤgel ſchwarz und gelblichweiß bandirt; der Steiß weiß; der zehnfedrige Schwanz ſchwarz, um die Mitte mit einer weißen, aufwaͤrts ſtumpfwinklich gebogenen, breiten Querbinde. b Aufenthalt. a. Im Freien Er lebt des Sommers in Waͤldern, die an Viehtriften und Wieſen graͤnzen. Im Auguſt, wenn die Wie⸗ ſen gemaͤht ſind, zieht er ſich familienweiſe nach den Ebenen. Er geht im September weg und kommt gegen Ende April wie der. Er iſt immer mehr auf der Erde als auf den Baͤumen. b. Im Zimmer ſetzt man ihn nicht in den Kaͤfig, ſondern laͤßt ihn frei herum laufen. Er iſt iſt außerordentlich froſtig, und liebt daher die Waͤrme, ſitzt immer hinter und unter dem Ofen, ja er laͤßt ſich aus Liebe zur Waͤrme lieber den Schnabel aus⸗ trocknen und ausdorren, als daß er von dem warmen Ofen laſ— ſen ſollte. 5 | | Nahrung. a. Im Freien freſſen fie alle Arten von Käfern und Sn: ſekten, die ſich unter den Exkrementen der Thiere aufhalten, da— her ſie auf den Triften alle Kuhfladen umwenden. Man hat ſie auch auf die Kornboͤden geſetzt, damit fie Käfer, Spinnen und andere Inſekten wegfingen. Dieß thun ſie auch; daß ſie aber auch Maͤuſe fangen ſollten, iſt ungegruͤndet. b. In der Stube. Sie laſſen ſich leicht mit Fleiſch und mit Semmeln in Milch geweicht erhalten. Man muß ihnen aber auch zuweilen einige Mehlwuͤrmer hinwerfen. Fortpflanzung. Sie niſten in hohle Baͤume, und legen zwei bis vier laͤng⸗ liche Eier. Ihr Neſt iſt eine aus Kuhmiſt mit zarten Wurzeln durchknetete Halbkugel. Obgleich man auch die Alten zuweilen mit Muͤhe aufbringen kann, ſo gluͤckt es doch ſehr ſelten; man nimmt daher die Jungen aus dem Nefte und füttert fie mit Fleiſch von jungen Tauben groß. Es dauert ſechs Wochen, ehe ſie voͤl— lig freſſen wollen. Sie ſind beſchwerlich zu fuͤttern, da ſie eine herzfoͤrmige Zunge von der Groͤße einer halben Linſe haben, und nur ſchwer ſchlucken koͤnnen. Sie muͤſſen alles Futter in die Hoͤhe Der gemeine Wiedehopf. 77 werfen, den Schnabel oͤffnen, und mit den Schlund auffangen, weil ſie mit der Zunge gar nichts aufnehmen koͤnnen. Fang. Um ſie zu fangen, merkt man den Ort, wo ſie im Auguſt auf den Wieſen oft herumlaufen, beſtreicht ein 8 Zoll langes Hoͤlz⸗ chen mit Vogelleim, bindet an daſſelbe einen fingerlangen Faden, an deſſen Ende einige lebendige Mehlwuͤrmer befeſtigt ſind, und ſteckt es ganz locker auf einen Maulwurfshaufen. Wenn ſie die Wuͤrmer gewahr werden, ſo zupfen ſie an den Faden, dadurch faͤllt die Leimruthe uͤber ſie her und ſie bleiben daran kleben. Empfehlende Eigenſchaften. Der Wiedehopf vergnuͤgt nicht nur durch ſeine Schoͤnheit, ſondern auch durch ſeine komiſchen Geberden. Vorzuͤglich zeichnet er ſich durch ein beſtaͤndiges Nicken mit dem Kopfe aus, wobei er allezeit den Boden mit dem Schnabel beruͤhrt, ſo daß, wenn er ſo fortſchreitet, es ausſieht, als ginge er an einem Stocke. Da⸗ bei ſchnellt er auch ſeinen Federbuſch vorwaͤrts und zuckt mit Schwanz und Fluͤgeln. Ich habe verſchiedene im Zimmer gehal⸗ ten, und mich an ihren wunderbaren Grimaſſen vergnuͤgt. Wenn man ſie ſcharf anſieht, ſo fangen ſie an, ihre Pantomimen zu machen. Herr v. Schauroth ſchreibt mir uͤber dieſen Vogel Folgendes: „Ich fuͤtterte mit Muͤhe zwei Junge, die ich aus dem Gipfel einer hohen Eiche ausnahm, auf. Sie folgten mir uͤber⸗ all, und wenn ſie mich nur von Ferne hoͤrten, ſo machten ſie ein zwitſcherndes Freudengeſchrei und ſprangen an mir in die Hoͤhe (viel flogen ſie nicht, aber mit ziemlicher Leichtigkeit, wenn ſie es thaten); ſetzte ich mich, ſo kletterten ſie an meinen Klei⸗ dern in die Höhe, beſonders wenn ich fie fütterte, und den Milch: topf, wovon ſie die Fetthaut ſehr gern fraßen, angriff. Sonſt fliegen fie auch fo lange an mir in die Höhe, bis fie auf den Schultern oder dem Kopf ſaßen und ſich an mich ſchmiegen kon⸗ ten. Ich brauchte aber auch nur ein Wort zu ſagen, um mich von ihrer Zudringlichkeit zu befreien; ſie gingen dann gewoͤhnlich unter den Ofen. Ueberhaupt ſahen ſie immer nach meinen Au⸗ gen, um zu bemerken, ob ich aufgeraͤumt war, wonach auch ſie ihre Laune richteten. Sie bekamen das bei der Nachtigall ange⸗ gebene Univerfalfutter und zu Zeiten Käfer, (Mai⸗ und Roßkaͤ. 78 Der gemeine Kukuck. fer ſind ihre Leckerbiſſen, Regenwuͤrmer mochten ſie gar nicht), welche ſie mit ihrem ſpitzigen Schnabel ſo lange zerſtechen, bis Fuͤße und Fluͤgeldecken abfpringen und alles weich wird; dann werfen ſie dieſelben in die Hoͤhe, und muͤſſen ſie ſo fangen, daß fie der Laͤnge nach in den Schlund fallen; kommen ſie der Quere, ſo muͤſſen ſie wieder von vorn anfangen. Sie baden ſich nicht im Waſſer, und waͤlzen ſich nur auf dem Sande herum. Ich nahm ſie mit auf nahe Wieſen, um ſie Inſekten fangen zu laſ⸗ ſen, bei welcher Gelegenheit ich ihre angeborne Furcht vor Raub⸗ voͤgeln bemerkte. Sobald ſich eine Taube oder ein Rabe im Fluge ſehen ließ, ſo machten ſie in weniger als einer Secunde eine artige Stellung; ſie legten ſich naͤmlich auf den Bauch nie⸗ der, breiteten die Fluͤgel ſo weit aus, daß die aͤußerſten Schwung⸗ federn einander beruͤhrten, und der Vogel mit einem Kranz von Schwung: und Schwanzfedern umgeben war, legten den Kopf zuruͤck auf den Ruͤcken, und ſtreckten den Schnabel in die Hoͤhe. In dieſer Poſitur ſahen ſie einem alten Lumpen ganz gleich; war der Vogel außer dem Horizonte, ſo ſprangen ſie mit Freuden⸗ geſchrei auf. Sie liegen ſehr gern in der Sonne und ſtrecken ſich in derſelben aus. Aus Wohlbehagen ſchreien fie Wek wek wek in einem ſchwebenden Ton; im Zorne haben ſie eine kreiſchende Stimme, und das Männchen (welches roͤthlicher iſt) ſchrie ein paarmal Hup, Hup. Das Weibchen hatte ſein Futter oͤfters in der Stube herumgetragen, und kleine Federn, Faͤden, Staub ꝛc. darum gewickelt. Dies machte einen Ballen im Magen, wie eine Haſelnuß groß; es ſtarb alſo an einer Unverdaulichkeit. Das Maͤnnchen erlebte den Winter und ſaß immer auf dem warmen Ofen, wovon ſein Schnabel vertrocknete, daß er wohl einen Zoll auseinander ſtand, und ſo mußte es elend umkommen 18. Der gemeine Kukuck. (Europäifcher, aſchgrauer, ſingender Kukuck, Guckaug, Gucker.) | Beſchreibung. Er hat die Groͤße einer Turteltaube, iſt 1 Fuß 2 Zoll lang, wovon der Schwanz 7 Zoll mißt; die zuſammengelegten Fluͤgel ) Cuculus canorus. Gmelin Lin. Syst. I. 1. p. 409 n. 1. Coucou. Buffon des Ois. 6. p. 305. Common Cuckow. Latham Syn. I. 2. p 509. n. 1. Friſch Vögel. Taf. 40. Männchen. 5 Der gemeine Kukuck. 79 bedecken drei Viertheile deſſelben; der Schnabel iſt 1 Zoll lang, kruͤmmt ſich allmaͤhlig, iſt oben ſchwarz, unten blaͤulich, an den Winkeln ſafrangelb und im Rachen orangenroth; der Stern und der Rand der Augenlieder gelb; die Naſenloͤcher geraͤndert; die Füße gelb und 1 Zoll hoch, 2 Zehen vor- und zwei ruͤckwaͤrts, alſo Kletterfuͤße. Kopf, Hinterhals, Ruͤcken, Steiß und Deckfe⸗ dern der Fluͤgel ſind dunkelaſchgrau, der Ruͤcken und die Deckfe⸗ dern der Fluͤgel taubenhaͤlſig glaͤnzend; der Unterleib bis zur Bruſt hellaſchgrau, von da weiß mit ſchwarzgrauen Wellenlinien; die Schwungfedern dunkelbraun, auf der innern Fahne mit wei⸗ ßen Flecken; die Schwanzfedern keilfoͤrmig und ſchwarz, auf der Mitte mit eirunden weißen Flecken, die auf den mittelſten kaum ſichtbar ſind. Das Weibchen iſt kleiner, oben dunkelgrau mit 7 f braunen, verwaſchenen Flecken; am Unterhals aſchfarben und gelb⸗ lich gemiſcht mit ſchwarzbraunen Querſtreifen; der Bauch ſchmu⸗ zig weiß, dunkelbraun in die Quere geſtreift. Aufenthalt. a. Im Freien. Als Zugvogel kommt er Ende April an, und geht im September wieder weg. b. In der Stube. Man laͤßt ihn frei herum fliegen, oder thut ihn in einen großen hölzernen Käfig. ö Nahrung. a. Im Freien, Mehrere Arten von Inſekten. Sie leſen viele ee von den Bäumen ab. b. In der Stube. Fleiſch und das Univerſalfutter von Semmelgries. Fortpflanzung und andere Merkwürdigkeiten. Er iſt der einzige Vogel, der nicht ſelbſt bruͤtet, ſondern ein, hoͤchſtens zwei Eier in das Neſt irgend eines Inſekten freſ⸗ ſenden Vogels legt. Man muß ihn aus dem Neſte aufziehen. Ich habe es ſelbſt nie gethan „allein mehrere meiner Bekannten. Da es in jeder Hinſicht ein merkwuͤrdiger Vogel iſt, und wohl mehrere Liebhaber gern einen in der Stube haben moͤchten, ſo will ich hier mittheilen, was mir Herr v. Schauroth von ihm als Stubenvogel geſchrieben hat: „Der Kukuck hat faſt keine em⸗ pfehlende Eigenſchaften zu einem Stubenvogel. Alt iſt er 80 Der Mino oder Plauberer. zu trotzig und zu fraͤßig; überhaupt iſt fein Charakter ſtoͤrriger Trotz und Wuth, ſonſt ſitzt er immer melancholiſch fill. Ich habe einige aufgezogen; den letzten fand ich in dem Neſte eines Goldammers, der daruͤber ſehr verlegen war; er war noch blind, und fiel demohngeachtet mit großem Ungeſtuͤm uͤber mich her, als ich ihn ausnahm. Ich weiß daher nicht, wie die Dumm⸗ heit ihrer Pflegeeltern entſchuldigt werden kann. Ich hatte ihn kaum ſechs Tage, ſo fraß er im Grimme alle vorgehaltenen Spei⸗ ſen, und ich naͤhrte ihn mit Vogelfleiſch. Es waͤhrte aber ſehr lange, ehe er aus ſeinem Freßtrog freſſen lernte, und er war ſo ſtürmiſch in feinem Betragen und Springen, daß er alle kleinen Gefäße umſtieß. Der Schwanz wuchs ſehr langſam. Ganz zahm wurde er nie; er fuhr mir immer nach Geſicht und Haͤnden, ja er fuhr nach allem, was ihm zu nahe kam, auch nach andern Voͤgeln. Er fraß von dem erſten Univerſalfutter und zwar ſehr viel, wovon er aber viel miſtete, und ſich damit ſehr be⸗ ſchmuzte; auch fraß er ſeinen eigenen Unrath. Mit ſeinen kurzen Kletterfuͤßen iſt er aͤußerſt ungeſchickt; gehen kann er gar nicht, hoͤchſtens große Spruͤnge thun, deſto geſchickter aber fliegt er. = b, Auslaͤndiſche 19. Der Mino oder Plauderer.“) i Beſchreibung. Er hat die Groͤße einer Schwarzdroſſel und iſt 10 ½ Zoll lang. Sein etwas erhabener, meſſerfoͤrmiger, an der Wurzel nackter, 1 ¼ Zoll langer Schnabel iſt orangenfarben mit einer hellgelben Spitze; die Füße find orangengelb; die Nafenlöcher laͤnglich und ſitzen in der Mitte des Schnabels; der Augenſtern iſt nußbraun; die Federn an der Seite des Kopfes ſind kurz, wie geſchorner Sammet, außer in der Mitte nach dem Hinter⸗ kopf zu, wo ſie wie bei andern Voͤgeln ausſehen; zu beiden Sei⸗ ten des Kopfes eine kahle Haut, die unter jedem Auge anfaͤngt, und ſich bis nach den Hinterkopf hin erſtreckt, wo ſie ſich aber nicht vereinigt; ſie iſt von ungleicher Breite, an den Augenraͤn⸗ dern breit und gelb von Farbe; zu gewiſſen Jahreszeiten aber, ) Gracula religiosa. Gmelin Lin. Syst. 1. 1. P. 395. n. 1. Mainate. Buffon des Ois. 3. p. 416. t. 25. Planches euluminees No. 268. Minor Grakle. Latham Syn. 1. 2. p. 455. n. 1. Der rothe Aras. 81 wenn der Vogel zornig oder vergnuͤgt iſt, pflegt fie ihre Farbe in etwas zu veraͤndern; die Hauptfarbe des Gefieders iſt ſchwarz, mit purpurfarbenen, violeten und gruͤnen Schimmer nach den verſchiedenen Lichtſeiten; an den Schwungfedern iſt ein weißer Streifen; der gerade Schwanz iſt 3 Zoll lang. Merkwuͤrdigkeiten. Man trifft dieſe Voͤgel in verſchiedenen Gegenden Oſtindiens an, auf der Inſel Jamaika, faſt auf jeder Inſel jenſeits des Ganges, auch auf Java. Sie nehmen ihr Futter aus dem Pflanzenreiche. Diejenigen, die man nach Europa bringt, lieben die Kirſchen und Weinbeeren vorzuͤglich. Wenn man ihnen Kir⸗ ſchen vorhaͤlt, und ſie ihnen nicht gleich giebt, ſo ſchreien und weinen ſie wie die kleinen Kinder. Sie werden außerordentlich zahm und zutraulich, pfeifen und ſingen vortrefflich, und plau⸗ dern mehr und beſſer als irgend ein Papagei. In China haͤlt man ſie haͤufig in Kaͤfigen, being fie dahin von Ja va, verkauft das Stuͤck fuͤr fuͤnf Schillinge. Im mittlern Deutſchland, wo man zu weit von den Kuͤſten wohnt, e ſie unter die ſelte⸗ nen Stubenvögel. III. Großſchnäbliche Vögel.“) Die Schnäbel find ſehr groß, aber mehrentheils hohl, da⸗ her ſehr leicht, oben erhaben und nach vorn gekruͤmmt. Die Füße find kurz und ſtark, und bei denen, die wir hier beſchrei⸗ ben, Kletterfuͤße. Die Zunge iſt groß und fleiſchig zugerundet, daher der menſchlichen aͤhnlich, weshalb ſie gut ſprechen lernen. Es ſind auslaͤndiſche Voͤgel, und wenn ſie ſprechen lernen ſol⸗ len, ſo muͤſſen ſie jung gezaͤhmt ſein. 20. Der rothe Aras. (Der Weſtindiſche oder Indianiſche Rabe.“) (Taf. I. Fig. I.) Beſchreibung. Dieſer, ſo wie alle Papageien, werden l der Pracht 4 ) Levirostres. **) Psittacus Macao. Gmelin Lin. Syst. I. 1. p. 312. n. 1. Ararouge, Naturgeſch. der Stubenvögel. 6 Der rothe Aras. ihrer Federn und der vorzuͤglichen Sprachgabe gehalten, obgleich man auch welche darunter findet, wie z. B. den aſchgrauen Papagei, die auch die Geſaͤnge der Voͤgel nachahmen und fuͤr ſich angenehm pfeifen koͤnnen. Alle Voͤgel, die ſprechen, wenig⸗ ſtens ſo deutlich als moͤglich ſprechen ſollen, muͤſſen, wie ſchon geſagt, eine dicke, zugerundete Zunge haben, deren Band man auch noch, um fie beweglicher zu machen, etwas weiter loͤſt. Da⸗ her lernen die Papageien, beſonders die kurzſchwaͤnzigen, am deut⸗ lichſten und nach ihnen Raben, Kraͤhen, Dohlen und Heher am beſten, am deutlichſten aber vermittelſt ihres eigenthuͤmlichen Keh⸗ lenbaues Staare, Amſeln ꝛc. ſprechen. Der rothe Aras iſt einer der größten Papageien, denn er hat die Groͤße eines mittelmaͤßigen Huhns und iſt 2 Fuß 8 Zoll lang; der Schnabel iſt ſo ſtark, daß er mit Leichtigkeit einen Pfir⸗ ſichkern entzwei knacken kann; an der obern weit uͤberkruͤmmten Kinnlade iſt er weiß, an der Spitze und an den Seiten der Wur⸗ zel ſchwarz, die untere aber ganz ſchwarzz die Füße, die man, wie ſchon erwaͤhnt, Kletterfuͤße nennt, ſind grau und die Wan⸗ gen find unbefiedert und mit einer weißlichen, ungleichen Haut bedeckt; der Augenſtern hellgelb; Kopf, Hals, Bruſt, Bauch, Schenkel, der obere Theil des Ruͤckens und die obern Deckfedern der Fluͤgel ſind ſchoͤn ſcharlachroth; der Unterruͤcken und Steiß hellblau; die Schulterfedern und groͤßten Deckfedern der Fluͤgel ſind blau, gelb und gruͤn melirt; die Schwungfedern ſind auf der aͤußern Fahne ſchoͤn ultramarin- und koͤnigsblau, auf der in⸗ nern bedeckten grauſchwarz; der Schwanz iſt keilfoͤrmig, die zwei mittlern Schwungfedern ſind ſcharlachroth mit hellbraunen Spi⸗ tzen, die naͤchſte auf jeder Seite halb blau, halb roth, doch in einander vermiſcht, die vier aͤußerſten oben violetblau, unten mattroth. . Das Weibchen iſt faſt gar nicht vom Maͤnnchen verſchie⸗ den. Auch iſt die Farbe nicht bei allen ohne Abweichung, ſo wie Buffon des Ois. 6. p. 129. Planch. enl. No. 12. Red and blue Maccaw. Latham Syn. I. I. p. 199. n. 1. Von Nr. 20 bis 31 oder bis zu dem weißen Kakatu haben die beſchriebenen Papageien lange keilförmige Schwänze, von dort fangen die kur zſchwänzigen Papageien an. — Ich werde nur die gewöhnlichen Papageien hier anführen, die wir aus Oſt⸗ und Weſtindien durch die Seefahrer und von dieſen in ganz Europa durch die Vogelhändler erhalten. Bekommt man auch einmal einen andern, hier nicht beſchriebenen, ſo wird er ſich eben ſo behandeln laſſen wie jene. Der rothe Aras. 83 ich ſie oben beſchrieben habe, ſondern an Fluͤgeln und Schwanz kommen Abwechſelungen vor; doch wird dadurch der Vogel nicht unkenntlich. Aufenthalt. a. Im Freien. Er iſt in Braſilien, Guiana und an⸗ dern Laͤndern Suͤdamerikas zu Hauſe, und haͤlt ſich mehrentheils paazipele in feuchten Wäldern auf. b. In der Stube. Bei uns läßt man ihn enteedeß frei herum gehen und ſetzt ihn zum Ausruhen eine glatt abgehobelte Stange mit kreuzweiſe geſtellten Querhoͤlzern hin; oder da er, wie alle Papageien, ein ſehr ſchmutziger Vogel iſt, ſo thut man am beſten, man ſetzt dieſe Stange in einen draͤthernen Vogelbauer, der aber wenigſtens 2½ bis 3 Fuß im Durchmeſſer und 8 Fuß Hoͤhe haben muß, wenn er feine ſchoͤnen Schwanzfedern nicht abſtoßen und überhaupt die gehörige Bewegung, die ihm zu ſei⸗ ner Geſundheit ſo unentbehrlich iſt, haben ſoll. Nahrung. N In feiner Heimath frißt er vorzüglich die Früchte der Faͤ⸗ cherpalme. Bei uns genießt er auch allerhand Obſt, wird aber am beſten mit Semmel, die in Milch geweicht iſt, gefuͤttert. Zwie⸗ back iſt ihm auch nicht ſchaͤdlich, allein Fleiſch macht ihn, ſo wie alles Zuckerwerk und andere Naͤſchereien, ungeſund, und wenn er auch einige Jahre dabei ausdauert, ſo wird er doch ſuͤchtig, bekommt ſtruppige Federn und beißt ſich, beſonders an den Fluͤ⸗ geln, die Federn aus, ja oft gar Loͤcher in verſchiedene Theile des Koͤrpers. Er trinkt ſehr ; da er immer = Nahrungs: mittel erhält. Fortpflanzung. 75 Ile Be, heran Diefe Papageien machen ihr Neft in die Löcher alter abge- ſtumpfter oder verfaulter Bäume, erweitern das Loch, wenn es nicht groß genug iſt, mit dem Schnabel, und legen es inwendig mit Federn aus. Das Weibchen legt, wie alle Amerikaniſche Papageien, des Jahres zweimal zwei Eier, die wie Rebhuͤhner⸗ eier groß und gefaͤrbt ſind. Bei uns legen die Weibchen auch Eier, meiſt aber ſind ſie unbefruchtet, oder wenn ſie auch nicht unfruchtbar ſind, ſo verſtehen ſich doch dieſe Voͤgel, ſo wie faſt alle Papageien, ſehr ſchwer zum Bruͤten. Doch hat man Bei⸗ 6 * 84 Ä Der blaue Aras. ſpiele, daß die Weibchen von dem rothen Aras fo hitzig gewor⸗ den ſind, daß ſie Tauben⸗ und Huͤhnereier ausgebruͤtet haben. Diejenigen Voͤgel dieſer Art, welche man bei uns ſieht, ſind meh⸗ rentheils aufgezogene Junge, beſonders wenn ſie ſprechen koͤnnen; denn die Alten ſind nicht nur ſchwer zu zaͤhmen, ſondern auch gänzlich ungelehrig, jo daß fie nichts als ihr unerträglich ſtarkes Geſchrei, wodurch ſie ihre Leidenſchaften zu erkennen geben, hoͤren laſſen. f Krankheiten. Sie find mancherlei Krankheiten, beſonders der Duͤrrſucht unterworfen, die man, wie Seite 23 angegeben iſt, heilt. In der Mauſerzeit muß man fie, wie alle Papageien, ſorgfaͤltig warten, um ſie nicht blos geſund, ſondern auch mit vollkommen ſchoͤnem Gefieder zu erhalten, (ſ. auch Nahrung.) Empfehlende Eigenſchaften. Dieſe Papageien werden beſonders ihrer ſchoͤnen Farben we: gen ſehr geſchaͤtzt; auch lernen ſie viele Woͤrter deutlich nachſpre⸗ chen, Ein- und Ausfliegen, und den Wink ihres Herrn befolgen. Allein ihre kriechende Bewegung, das Forthelfen mit dem Schna⸗ bel und uͤberhaupt ihre Unreinlichkeit machen ſie zu keinem ange⸗ nehmen Stubenvogel. Sie ſind auch oft ſehr boshaft, koͤnnen nicht alle Perſonen leiden, und man darf Kinder nicht bei ihnen allein im Zimmer laſſen, da ſie ihnen leicht nach dem Geſichte fliegen oder die Augen beſchaͤdigen koͤnnen. Ihren fluͤſſigen und uͤbelriechenden Unrath muß man taglich beſeitigen. al: Der blaue Aras. (Der Regenbogenpapagei, blaue und gelbe Papagei“). Beſchreibung. Dieſer Papagei, welcher die Groͤße eines Kapauns und die Laͤnge von 2 Fuß 8 Zoll hat, iſt in meinen Augen ein ſchoͤnerer Vogel als der vorhergehende, obgleich ſeine Farben nicht ſo blen⸗ dend ſind; der Schnabel iſt ſchwarz; die Fuͤße ſind dunkelaſchgrau, die Wangen fleiſchfarbig und nackt mit etlichen ſchoͤnen ſchwarzen ) Psittacus Ararauna. Gmelin Lin. Syst. I. 1. p. 313. n. 3. Ara bleu. Buffon des Ois. 6. p. 191. Planch. enl, No. 36. Blew and yellow - Maccaw. La th am Syn. I. 1. p. 204. n. 4. Der grüne Aras. 85 kurzfedrigen, wie ein 8 gekruͤmmten Linien geſtreift; der Augen⸗ ſtern iſt hellgelb; die Kehle mit einem ſchwarzen Halsband um! geben; die Stirn bis an den Wirbel, die Seiten des Kopfes und die kleinen Deckfedern der Flügel find mattgruͤn; der übrige Ober⸗ leib ſchoͤn blau; der Steiß himmelblau; der Unterleib ſafrangelbz die Schenkel pomeranzenfarben; die Deckfedern der Fluͤgel bei dem Maͤnnchen auch pomeranzengelb gemiſcht; die Fluͤgel und der ſehr keilfoͤrmige Schwanz find ſchoͤn blau; von letzterm find die beiden mittlern Federn einfarbig, die uͤbrigen ſpielen am innern Rande ins Violette und nahe an der Wurzel ſind ſie ſchwaͤrzlich ges raͤndet. | Er variirt wenig in der Farbe. | Aufenthalt und Merkwürdigkeiten Er kommt aus Jamaika, Guiana, Braſilien und Su— rinam. i Er ſtimmt in ſeiner Lebensart und in den uͤbrigen fuͤr uns als ſchoͤner Stubenvogel intereſſanten Eigenſchaften mit dem rothen Aras überein; lernt aber nicht fo leicht ſprechen, ruft auch das Wort Aras nicht ſo deutlich, obgleich er das Wort: Jacob, das Bloͤcken der Schaafe, das Miauen der Katzen und das Bellen der Hunde leicht und taͤuſchend nachahmen kann. Er hat die ſon⸗ derbare Gewohnheit, nur gegen Abend zu trinken. | 20. Der grüne Aras. (Großer grüner Aras, grüner Huſar“). . Beſchreibung. z Er iſt etwas kleiner als der vorhergehende, 2 Fuß 4 Zoll lang. Edwards hat ihn ſehr gut beſchrieben und abgebildet. Der Schnabel iſt groß und ſchwarz; die Füße find fleiſchbraunz Wangen und Augenkreis find blaß fleiſchroth mit ſehr feinen ſchwarz⸗ haarigen gekruͤmmten Federſtreifen durchzogen; Kopf, Hals, Ruͤcken, Deckfedern der Fluͤgel und Unterleib ſind grasgruͤn, an einigen Theilen ins helle, an andern ins dunkle oder olivengruͤne über: gehend; an der Stirn liegt ein dichter Leiſten von hochrothen Fe⸗ ) Psittacus militaris. Gmelin Lin. Syst. I. I. p. 313. u. 2. Great green Maccaw. Edwards Gl. t. 313. Seeligmanns Vögel. IX. t. 2. . Military Maecaw. Latham Syn. I. 1. p. 202. n. 3. ll 86 Der Illineſiſche Sittich. dern, die ſich wie grober Sammet anfuͤhlen; die gruͤnen After⸗ federn ſind etwas mit roth vermiſcht; die Schwungfedern ſind vorn ſchwaͤrzlich und nach dem Hintern zu immer mehr blau, nur die letzten ziehen ſich mit den Schulterfedern weiter ins Gruͤne; der Steiß iſt blau; die mittlern Schwanzfedern ſind, wie bei den beiden vorhergehenden Voͤgeln, ſehr lang, und wie alle Schwanz⸗ federn, blau mit gruͤnlichen Spitzen und hochrothen Wurzeln. Merk wuͤrdigkeiten. Dieſer Aras kommt aus Suͤdamerika. Er muß aber nicht haͤufig ſein; denn er wird fuͤr eine große Seltenheit und theurer als der vorhergehende bezahlt. Er iſt außerordentlich gelehrig und geſpraͤchig. Der, welchen ich ſah, ſprach gleich alles nach, nannte alle Kinder im Haus beim Namen, war ſehr geduldig, folgſam und zuthaͤtig, und zeichnete ſich dadurch vor den beiden vorher: gehenden zu ſeinem Vortheil aus. | 22. Der Illineſiſche Sittich“). Beſchreibung. Dieß iſt einer der gemeinſten Papageien, den man bei den Vogelhaͤndlern zu ſehen und zu kaufen bekommt. Er iſt 9 ½ Zoll lang; der Schnabel hellaſchfarben; die Augen liegen in einer kah⸗ len graulichen Haut; der Augenſtern iſt dunkel orangenfarben; die Füße dunkelgrau; die Hauptfarbe iſt gruͤn, unten gelblichgrau; Stirn, Wangen und Kehle ſind ſchoͤn orangenfarben; der Schei⸗ tel dunkelgruͤn, am Hinterkopf heller und mit gelb untermiſcht; der vordere Theil des Halſes aſchfarbig gruͤn; am Bauche etliche orangenfarbige Flecken; die Schwungfedern blaulichgruͤn, an der innern Fahne ſchwaͤrzlich, die fuͤnf letzten grasgruͤn; der Schwanz keilfoͤrmig, gruͤn, die mittlern Federn einfarbig, die andern theils aſchgrau, theils hellgelb geraͤndet. Am Weibchen iſt die Stirn dunkelgelb, und am Hinter: kopf und Bauch fehlt die gelbe Miſchung. Aufenthalt. Braſilien, Guiana, und Cayenne iſt ihr Vaterland, *) Psittacus pertinax. Gmelin Lin. Syst. I. 1. p. 322. n. 15. Per- ruche IIlinoise. Buffon des Ois. 6. p. 269. t. 13. Planch. enl. No. 525. Illinois Parrot. Latham Syn. I. 1. p. 228. n. 30. Friſch Vögel. Taf. 54. Der blaukoͤpfige Sittich. = u wo fie auf Haiden und andern offenen Plaͤtzen ſich aufhalten, und in die Höhlen der Termiten (Termes fatalis L) bauen. Sie ſind ſo geſellſchaftlich, daß man ſie in Schaaren von 500 beiſam⸗ men ſieht. Im Zimmer ſetzt man gewoͤhnlich ein Paar in einen großen meſſingdraͤthernen Vogelbauer. Sie liebkoſen ſich beſtaͤn⸗ dig, und der eine betruͤbt ſich oft bis zum Tode, wenn der Kam⸗ merad ſtirbt. Sie ſtellen, wenn ſie er ö Nahrung, die in Kaſtanien, Eicheln, Erbſen und anderm Futter beſteht, nachgehen, Schildwachen aus, die ſie bei Annaͤherung ihres Fein⸗ des warnen muͤſſen, worauf ſie mit großem Geſchrei davon flie⸗ gen. Bei uns naͤhrt man ſie mit in Milch eingeweichten Sem⸗ meln und mit Nuͤſſen. e Empfehlen de Eigenſchaften. | Ihre ſchoͤne Farbe, Freundlichkeit, Zutraulichkeit und zaͤrtli⸗ ches Betragen, das beſonders beide Gatten gegen einander zei⸗ gen, macht ſie dem Liebhaber angenehm. Sie lernen wenig oder gar nichts ſprechen; laſſen aber beſtaͤndig ein unangenehmes Laͤr⸗ men hoͤren. 23. Der blauköpfige Sittich“). | Beſchreibung. 5 Ein gewoͤhnlicher ſchoͤner Papagei von der Groͤße einer Lach⸗ taube. Er iſt 11 ½¼ Zoll lang; der Schwanz 6 Zoll und die Fluͤgel legen ſich auf der Mitte deſſelben zuſammen. Die obere Kinnlade des Schnabels ift hellgelb mit einer hellaſchgrauen Spi⸗ tze, die untere einfoͤrmig aſchgrau; der Augenkreis kahl und gelb; der Oberleib grün; der Unterleib gelblichgruͤn; die Stirn ſpielt ins Rothe; der Kopf iſt blau; die Kehle violet, ins Aſchgraue ſpielend; die Seiten des Halſes dunkelgelb; die Schwungfedern gruͤn, an der innern Fahne und an der Spitze aſchgrau; die zwei mittelſten Schwanzfedern gruͤnlich, am Ende ins Blaue uͤber⸗ gehend, die naͤchſten eben fo, aber inwendig hellgelb, die vier äußern an der aͤußern Fahne grün, an der innern dunkelgelb, ) Psittacus cyanocephalus. Gmelin Lin. Syst. I. I. p. 316. n. 10. Perruche à tete bleue. Buffon des Ois. 6. P. 145. Planch. enl. No. 192. Blue-headed Parrot. Latham Syn. I. 1. pi n. 13. c * N 88 Der gelbe Sittich. — Der rothſchnaͤblige Sittich. aber an den Spitzen hellgelb, die zwei mittlern Federn faſt 4 Zoll laͤnger als die aͤußern; die Fuͤße blaͤulich; die Klauen grau. Merkwuͤrdigkeiten. Er kommt aus Oſtindien. Er vergnuͤgt durch ſeine ſchoͤne Geſtalt. Schade, daß er nicht ſprechen lernt. Man behandelt ihn, wie die obigen Arten. 24. Der gelbe Sittich). (Langſchwaͤnziger gelber Papagei, gelber Papagei aus Angola). Beſchreibung. Er hat die Größe einer Turteltaube, und iſt 11 ½ Zoll lang; die zuſammengelegten Fluͤgel bedecken ein Drittheil des keilfoͤrmi⸗ gen Schwanzes; Schnabel und Fuͤße ſind grau; die Kehle, der Augenkreis und die Wachshaut hellaſchfarben; der Augenſtern hell— gelb; die Hauptfarbe orangengelb; der Ruͤcken und die Deckfedern der Fluͤgel olivengruͤn, gefleckt; der Steiß gelblichgruͤn; die Au⸗ gengegend, Seiten und Schenkel roth; die zunaͤchſt am Koͤrper ſtehenden Deckfedern der Fluͤgel olivengruͤn mit orangengelbem Rande; der Afterfluͤgel blau; die großen Schwungfedern außen blau, innen gelblichgruͤn, die kuͤrzern von letzterer Farbe; die ſechs mittlern Schwanzfedern gelblichgruͤn, die drei äußern eben fo, aber am äußern Rande blau, Merkwürdigkeiten. Diefer Papagei kommt aus Angola, lernt leicht und gut ſprechen und wird uͤbrigens wie die andern unterhalten. 25, Der rothſchnäblige Sittich“). (Grüner langgeſchwaͤnzter Parkit'). Beſchreibung. An Größe gleicht er einer Schwarzdroſſel, und iſt 12 ¼ Zoll lang, wovon der Schwanz 7½ Zoll einnimmt, deſſen mittlere ) Psittacus solstitialis. Gmelin Lin. Syst. I. 1. p. 320. n. 12. Per- ruche jaune. Buffon des Ois, 6. p. 147. Angola yellow Parrot. La- tham Syn. I. 1. p. 224. n. 27. Friſch Vögel Taf. 53. f **) Psittaeus rufirostris. Gmelin Lin. Syst. I. 1. p. 323. n. 18. Le Sincialo. Buffon (fo heißt er auf St. Dominik). Hist. nat, des Ois. 6. p. 265. Planch. enl. No. 550, Long tailed green Parrakset, Latham Syn, I. 1. p. 230. n. 33. Der Pavuan oder Guianiſche Sittich. 89 Federn faſt 5 Zoll länger als die aͤußern find; die Flügel legen ſich auf ein Viertel deſſelben zuſammen. Die obere Kinnlade des Schnabels iſt blutroth, an der Spitze ſchwarz, die untere ganz ſchwarz; der kahle Augenkreis und die Wachshaut, ſo wie die Füße, find fleiſchfarben; der Augenſtern orangenfarben; die Hauptfarbe gelblichgruͤn; der Fluͤgelrand hellgelblich. | Manche find grün mit verſchiedenen Schattirungen, haben auch wohl blaue Spitzen an den Schwanzfedern. Merkwuͤrdigkeiten. Er wohnt in verſchiedenen Gegenden von Amerika, auf Do⸗ minik, in Guiana, Braſilien ꝛc. Er laͤrmt und ſchreit bes ſtaͤndig, lernt ſehr leicht ſprechen, pfeifen und die meiſten Thier⸗ und Vogelſtimmen nachahmen. In einen Käfig eingeſperrt, wo er ſich wenig bewegen kann, ſpricht und ſchreit er beſtaͤndig, ſo daß er oft unertraͤglich wird. Er erfordert die naͤmliche Behand⸗ lung wie die andern Papageien, ſcheint aber nicht ſo zartlich zu ſein. I | 26. Der Pavuan oder Guianiſche Sittich“). Beſchreibung. Dieſer Vogel iſt ſo groß als eine Miſtdroſſel, 12 Zoll lang; der Schwanz 6 ¼ Zoll, und die zwei mittlern Federn find um 3 Zoll länger als die aͤußern; der Schnabel iſt weißlich, an der Spitze aſchgrau, die Wachshaut weißlich; die Fuͤße grau; die Klauen ſchwaͤrzlich; die obern Theile ſind dunkelgruͤn, die untern heller; die Wangen roth gefleckt, (bei den Jungen erſt im vierten Jahre) die kleinen untern Deckfedern der Fluͤgel ſcharlachroth, (bei jungen Voͤgeln heller); die groͤßern ſchoͤn hellgelb; die Schwung⸗ federn, wie der Rüden, inwendig gelblichgruͤn geraͤndet, an den Spitzen ſchwaͤrzlich, auf der inwendigen Seite matt hellgelb; die Schaͤfte ſchwarz. re Merkwürdigkeiten, Er ift in Guiana, auf Cayenne und den Karibaͤen zu Hauſe. Unter allen kleinen langgeſchwaͤnzten Papageien lernt er *) Psittacus Guianensis. Gmelin Lin. Syst. I. I. p. 324. n. 70. La Perruche Pavouane ou de la Guiane. Buffon des Ois. 6. p. 255. Planch. enl. No. 167. 407. Pavouane Parrot. Latham Syn. I. 1. P. 232. m. 34. 90 Der rothſtirnige Sittich. — Der Cardinal-Sittich. am leichteſten und deutlichſten ſprechen. Man trifft ihn oft in Deutſchland bei den Vogelhaͤndlern an, da er ſich gut transpor⸗ tiren laͤßt, und eben nicht ſehr zaͤrtlich it. Die Behandlung iſt wie bei den großen Papageien. 27. Der rothſtirnige Sittich“). (Roth- und blaukoͤpfiger Parkit). Beſchreibung. Dieſer nach Deutſchland oft kommende Papagei mißt 10 Zoll in der Laͤnge, wovon der Schwanz faſt die Haͤlfte einnimmt. Die Fluͤgel legen ſich auf ein Drittel des Schwanzes zuſammen. Die obere Kinnlade des Schnabels iſt hellaſchgrau, die untere dunkler, oft ſchwaͤrzlich; die Wachshaut hellaſchgrau; der Augen: kreis dunkelgelb, orangenfarben, auch weißlich; der Augenſtern orangengelb; die Fuͤße hellaſchgrau, fleiſchfarbig uͤberlaufen. Die Stirn iſt ſcharlachroth; der Scheitel ſchoͤn hellblau, nach hinten am hellſten; der Oberleib grasgruͤn, der Unterleib heller; die gro: ßen Schwungfedern auf dem aͤußern Rande blau, an der Wur⸗ zel zuweilen ſcharlachroth; der Schwanz oben dunkelgruͤn, unten braͤunlichgruͤn, und feine. zwei mittlern we find über 3 ½ Zoll laͤnger als die uͤbrigen. Vielleicht iſt das Weibchen an der Stirn rothgelb, und an den Augenkreiſen hellgelb. Merkwürdigkeiten. Er kommt aus den ſuͤdlichen Theilen von Amerika. Er ſieht ſchoͤn aus, ſpricht aber nicht gut. Man erhaͤlt ihn leicht wie die oberen Arten. Eine Abbildung davon ſteht in meinen getreuen Abbildungen naturhiſtoriſcher Gegenſtaͤnde. Iſtes Heft. Taf. 45. 28. Der Cardinal⸗Sittich“). Beſchreibung. | Er hat die Größe der Turteltaube, iſt 12 Zoll lang, wovon der ſehr keilfoͤrmige Schwanz 6°, Zoll wegnimmt, und die aͤu⸗ ) Psittacus canicularis. Gme — Lin. Syst. I. I. p. 323. n. 16. Perruche a front rouge. Buffon des Ois. 6. p. 268. Planch. enl. No. 767. Red and bleue headed Parrokeet. ee Syn. I. 1. p. 242. n. 40. **) Perruche Cardinal. x] \ Der rothkoͤpfige Sittich aus Gingi und aus Bengalen. 91 ßerſten Federn 4 Zoll kurzer find als die beiden ſchmalen mittel⸗ ſten. Der Schnabel iſt pfirſichroͤthlich; die Wachshaut aſchgrau; der Augenſtern gelbroth; die Füße ſind grau. Der ganze Kopf violet mit blau und roth changirt; um den Hals herum ein ſchwarzes Halsband; die Kehle ſchwarz; der Oberleib dunkelgruͤn; der Unterleib hellgruͤn; die Wurzel des Schwanzes hellgelb, die zwei mittlern Federn blau mit weißer Spitze, das Uebrige ſo wie der Unterſchwanz gelbgruͤn. Das Weibchen hat einen gel⸗ ben Schnabel, dunkelaſchblauen Kopf, ohne Halsband, und die Halsbandſtelle ift etwas gelb uͤberlaufen. An jungen Voͤgeln iſt die Kopffarbe noch nicht deutlich, ſondern wechſelt mit roſenroth und gruͤn, und das Halsband fehlt. | Varietäten. 27: a. Der rothköpfige Sittich aus Gingi). Der Kopf iſt roth mit hellblauer Schattirung, vorzüglich am Hinterkopf; das ſchwarze Kinn verengert ſich in eine ſchmale Linie nach dem Nacken; unter dieſer iſt eine andere ſchmale hell⸗ grüne Linie; beide zuſammen bilden eine Art von Halsband; das uͤbrige Gefieder iſt gruͤn; die untern Theile haben einen hellgel⸗ ben Anſtrich; der Schwanz iſt oben gruͤn mit einem hellgelben innern Rande. . RN Nm b. Der rothköpfige Sittich aus Bengalen). Die obere Kinnlade des Schnabels iſt hellgelb, die untere ſchwarz; die Wachshaut braͤunlich; Scheitel und Wangen roſen⸗ farben, der Hinterkopf blau; die Kehle und der Ring um den Hals wie bei letztern; eben ſo der rothe Fleck auf den Deckfedern der Fluͤgel; die zwei mittlern Federn blau; die andern olivengruͤn mit blauen Saͤumen. | ) Psittacus erythrocephalus. Gmelin Lin. Syst. I. 1. p. 325. n. 74. Per- ruche à tete rouge de Gingi. Buffon des Ois. IV. p. 140. Blossom-headed Parrakeet. Latham. % Psittacus erythrocephalus, bengalensis. Gmelin Lin. I. c. Petite Perruche A tete couleur de rose à longs brins. Buffon. Rose - headed Ring-Parrakeet. Latham. TTT — 92 Der rothkoͤpfige Sittich aus Borneo. — Der Pennantfche Sittich. c. Der rothköpfige Sittich aus Borneo“). Die obere Kinnlade des Schnabels iſt roth, die untere ſchwarz; Wachshaut und Augenkreiße ſind aſchfarben; der ganze Kopf pfirſichbluͤthenroth mit einem gruͤnen Anſtrich auf der Stirn; von einem Auge zum andern Über die Wachshaut weg ein ſchwar-⸗ zer Streifen; an der untern Kinnlade entſteht ein ſchwarzer Strei⸗ fen, der ſchief nach jeder Seite des Halſes hinlaͤuft und nach hin ten zu breiter wird; der Oberleib bis zum Schwanz hellgruͤn, an der Mitte der Deckfedern ins Hellgelbe fallend; der ganze Unter— leib vom Kinn an von roͤthlicher Bluͤthenfarbe mit einem kaſta⸗ nienbraunen Anſtrich; die Federn an den Schenkeln, dem After und der Bauchmitte ſind gruͤn, die zwei mittlern ins Braune ſich ziehend, alle Schaͤfte weiß. Merkwuͤr digkeiten. Dieſer Oſtindiſche Vogel zeichnet ſich vorzuͤglich durch ſein ſchoͤnes Gefieder aus. Er iſt lebhaft, ſcheu, und ſchreit viel, doch lernt er von ſelbſt nie, und unterrichtet, nur mit Muͤhe etwas ſprechen. 29. Der Pennantſche Sittich ). Beſchreibung. Das Männchen, welches ſo groß als ein Sperberweibchen iſt, hat eine rothe Hauptfarbe, und heißt bei den Vogelhaͤndlern Purpurvogel. Der Schnabel iſt ſtark, abſchuͤſſig, mit ſcharfem Zahn, die untere Kinnlade an den Seiten eckig, in der Mitte blos bauchig, die Farbe hornblau, nach der Spitze zu weiß aus⸗ laufend; der Augenſtern gelbroth; die Wachshaut dunkelblaͤulich, die Füße dunkelfleiſchfarben oder hellbraͤunlich, ins Weißliche über. gehend und fein geſchuppt. Kopf und Steiß ſind dunkelcarmoiſin⸗ roth; Rüden: und Schulterfedern ſchwarz, carmoiſinroth einge⸗ faßt. Es ſind naͤmlich alle Federn am Grunde ſchwarz; allein blos am Kopf und Steiß wird die Grundfarbe verſteckt, daß nichts ſchwarzes vorſieht. Die Kehle, ſo wie die vordern kleinen Deckfedern der Flügel und die Raͤnder der mittlern Schwungfe— *) Psittacus erytrocephalus, borneus. Lin. Bornean Parrakeet. La th. ) Psittacus Pennanti. Latham Syn. Suppl. p. 61. Franz. Purpure. Meine getreue Abbildungen. III. Taf. 24. Männchen und Weibchen. Der Pennantſche Sittich. 93 dern, ſind ſchoͤn glaͤnzend himmelblau, an einigen Stellen auf den Fluͤgeln wie ausgeblichen; die uͤbrigen Deckfedern, ſo wie die letzten Schwungfedern, ſchwarz, mit ſchmalen carmoiſinrothen Saͤumen und darauf folgender grasgruͤner Einfaſſung nach innen zu; die Schwungfedern ſchwarz, die vordern bis auf die Mitte von der Wurzel an dunkelhimmelblau eingefaßt; der ganze Un⸗ terleib hochcarmoiſinroth; die Schenkel ins Blaͤuliche fallend; am Steiß ſind manche Federn uͤber dem rothen Ende mit einem gras⸗ gruͤnen Band gezeichnet, das aus der ſchwarzen Grundfarbe vor⸗ ſchimmert; der Schwanz iſt uͤber die Haͤlfte des Koͤrpers lang, ſehr keilfoͤrmig, dunkelblau, die aͤußern Federn auf der innern Fahne heller ins Himmelblaͤuliche ausgehend und nach der Spitze zu weiß, die vier mittlern Federn auf der innern Fahne ins Dun⸗ kelgruͤne ſchimmernd und auslaufend; die Fluͤgel bedecken den dritten Theil des Schwanzes; die Schwungfedern ſind auf der aͤußern Fahne in der Mitte winklich eingeſchnitten, ſo daß die Spitzenhaͤlfte ſchmaͤler iſt als die Wurzelhaͤlfte. Am Weibchen, welches die Vogelhaͤndler fuͤr eine beſondere Papageiart ausgeben, und Palmvogel nennen, iſt die Haupt⸗ farbe gruͤngelb. Es hat ohngefaͤhr die Groͤße des Sperbermaͤnn⸗ chens. Kopf, Seiten des Halſes und halbe Bruſt find hochcar— moiſinroth; die Kehle perlblau mit himmelblaͤulichem Randſchim⸗ mer; Oberhals, Ruͤcken, Schultern und hinterſte Schwungfedern ſammtſchwarz, alle Federn gruͤngelb eingefaßt; an den Schultern und dem Hals die Einfaffung faſt ſchwefelgelb; Steiß und After papageigruͤn; die langen untern Deckfedern des Schwanzes car⸗ moiſinroth mit gelbgruͤnen Raͤndern; ins Himmelblaue fallende Kniebaͤnder; der Unterleib ſchoͤn hochgelb, einzelne unregelmaͤßige rothe Spritzungen und Flecken auf den Federn, die es ſchon muthmaßen laſſen, daß es zum vorhergehenden Vogel gehoͤrt; die Wurzel des Schwanzes entenhalſig; ſonſt Fluͤgel und Schwanz wie beim Maͤnnchen. Merkwürdigkeiten. Dieſe ſehr ſchoͤnen Papageien find leider wild, ſcheu, und un- gelehrig. Sie haben eine piepende Stimme, die ſie aber nur ſelten hoͤren laſſen. Die Federn ſitzen, wie beim Sittich Lory, ſo loſe, daß man ſie beim bloßen Angreifen in den Haͤnden hat. Sie kommen aus Botany-Bay und ſind ſehr theuer. Die 94 Der zweifleckige Sittich. Behandlung iſt wie bei andern Papageien, ſie ſind aber zaͤrtli⸗ cher, und muͤſſen daher ſorgfaͤltig gepflegt werden. 5 30. Der zweifleckige Sittich). Beſchreibung. Die Laͤnge dieſes ſchoͤnen Papageies iſt 1 Fuß 2 Zoll, wo⸗ von der Schwanz etwas uͤber die Haͤlfte betraͤgt; er iſt daher ſo groß wie wie eine Turteltaube und ſehr ſchmaͤchtig. Der Schnabel iſt groß, orangenroth oder blaß blutroth mit hellern Raͤndern und Spitzen; die Wachshaut fleiſchfarben, blaͤulich übers laufen, und hat einen tiefen Zahn; der Augenſtern hellgelblich, ſo wie die nackten Augenlieder; die Fuͤße ſind aſchgrau. Der Kopf iſt ſchoͤn hellaſchgrau; der Scheitel gruͤnlich uͤberlaufen; ein ſchmales Stirnband ſchwarz; die Zuͤgel nach den Augen zu nackt und blaß fleifchfarben; die Stirn blaßgelb; von der Schnabel: wurzel geht uͤber die Wangen bis zur Kehle ein faſt dreieckiger ſchwarzer Fleck; der ganze Oberleib iſt grasgruͤn mit ſchwarzen Federſchaͤften; mitten auf den Deckfedern ein gruͤngelber Fleck; die Schwungfedern ſind ſchwaͤrzlich; auf der aͤußern Fahne gruͤn mit einem ſchwefelgelben Saͤumchen; der Unterleib dunkelroſenroth; die Unterfluͤgel gelbgruͤn; Schenkel, Steiß uud After gruͤn; der Schwanz gruͤn, die zwei ſpitzigen Mittelfedern nur zwei Zoll laͤn⸗ ger als die uͤbrigen, oben auf blaͤulich, an der Spitze dunkel⸗ gruͤn. f Er variirt mit ſchwarzem Schnabel. Das muthmaßliche Weibchen iſt an Stirn, Kehle, Gur⸗ gel, Seiten des Kopfs und Halſes blaß orangenroth; von den Mundwinkeln laͤuft nach der Kehle zu ein ſchwarzer ovaler Strei— fen herab; Genick, Nacken, Schultern, Ruͤcken, Steiß, und die obere Seite des Schwanzes ſind grasgruͤn; Bruſt, Bauch und After ſchoͤn gruͤn. Merkwuͤrdigkeiten. Es iſt ein allerliebſter, gelehriger und geſpraͤchiger Papagei, von außerordentlicher Zahmheit, zaͤrtlichem und ſchmeichelhaftem Betragen. Er ſchreit: Gaͤe, gaͤe, gaͤe! Y Psittacus bimaculatus. Sparrmann Museum Carlsonianum Fasc. II. n. 30. Franz. Perruche à moustache. Der roſennackige Sittich od. d. Sittich mit roſenrothem Halsbande. 95 Er kommt aus den Suͤdſee Inſeln, namentlich aus Bo⸗ t any⸗Bay. 31. Der roſennackige Sittich oder der Sittich mit roſenrothem Halsbande ). Beſchreibung Ein ſehr ſchoͤner Papagei, mit ungemein ſanften Farben und Federn. Er hat ohngefaͤhr die Groͤße einer Miſteldroſſel, allein der ſehr lange und keilfoͤrmige Schwanz macht, daß er 14 bis 15 Zoll lang iſt, denn dieſer nimmt zwei Drittheile von dieſer Laͤnge weg, und die zwei mittelſten Schwanzfedern find um 3 ½ Zoll laͤnger als die aͤußerſte. Der Schnabel iſt Zoll lang, ſtark, ſehr uͤbergekruͤmmt, oben carmoiſinroth, unten an der Spitze, auch zuweilen an der Wurzel ſchwaͤrzlichblau; die Wachshaut fleiſchfarben; die Augenlieder hochroth; der Augenſtern weißlich, blaͤulich angelaufen; die Füße find graubraun. Das Gefieder iſt im Ganzen hellgruͤn, oben dunkler, unten heller, alſo unten faſt gelbgruͤn, eben ſo das Geſicht; von der ſchwarzen Kehle geht ein Anfangs ſchwarzes, dann blaß roſenrothes Halsband um den Kopf herum, und die Farbe im Nacken hat bei recht alten Voͤ⸗ geln einen blaͤulichen Anſtrich; auf den Deckfedern der Fluͤgel und auf den Schulterfedern ſieht man eine dunklere Schattirung, und die Raͤnder der Schwungfedern ſind ebenfalls dunkler gruͤn; der Steiß und die Deckfedern des Schwanzes ſind gruͤnlichgelb, eben ſo die vier erſten Seitenfedern des Schwanzes ſelbſt, die zwei mittlern aber ſind von der Mitte an bis zur dunkelgrünen Spitze blaugren, auch wohl gar aquamarinblau. Das Weibchen hat eine kleinere ſchwarze Kehle: es fehlt ihm aber das roſenrothe Halsband, und der Unterleib faͤllt mehr ins Gelbe. Mer ewür digkeiten. | Dieſe ſchoͤnen, zahmen und zaͤrtlichen Vögel ſtammen von den Philippinen, namentlich von Manilla. Sie ſollen auch häufig‘ in Afrika angetroffen werden. Es ſind allerliebſte Voͤgel, ) Psittacus Manillensis, mihi. Varietas Psittaci Alexandri. Gmelin L in. Syst. I. p. 321. n. 14. f. (torque roseo.) Perruche à collier couleur de rose. Buffon des Ois. 6. p. 152, Planch. enl. No. 551. Rose-ringed Parrakeet. Lat h. PR, 96 Der Schildkragen⸗Sittich. — Der graubruͤſtige Sittich. die aber ſelten und nur ſehr wenig ſprechen lernen. Sie werden wie die andern Papageien gehalten. 5 32. Der Schildkragen⸗Sittich oder der Sittich | mit dem Halsfragen‘). Beſchreibung. Dieſer Vogel iſt etwas groͤßer als eine Turteltaube. Die Länge iſt 11 ½ Zoll, wovon der keilfoͤrmige Schwanz 6 Zoll und der Schnabel 1 Zoll wegnimmt; dieſer iſt ſehr gekruͤmmt, oben mit einen ſtarken Zahn, und unten ſtark abgeſtutzt, von Farbe weißlich mit einer hornfarbenen Spitze; der Augenkreis klein, kahl und graulichfleiſchfarben; der Augenſtern hoch gelbroth; die Fuͤße dunkelaſchgrau; die Stirn hochroth, eben ſo ein halbmond⸗ foͤrmiger Reif um den Anfang der Oberbruſt, wo er am ſtaͤrkſten iſt und ſich im Nacken zuſpitzt; der ganze Oberleib dunkel- oder lauchgruͤn, auf dem Kopfe am dunkelſten, jede Feder mit einem ſchwaͤrzern Schafte; die Schwungfedern ſchwarzgruͤn; auf der aͤußern Fahne blaugruͤn glänzend; auf dem Schwanze und auf den Deckfedern der Fluͤgel die Farbe des Oberleibes ins Zeiſig⸗ gruͤne auslaufend; die Fluͤgeldecken hochroth; der Unterleib helle gruͤn mit einem roͤthlichen Anflug an der Bruſt, und mit hoch rothen Knieen; die Unterfluͤgel und der Unterſchwanz ſchmuzig goldgelb. b N Merkwuͤrdigkeiten. Dieſer Papagei iſt ſehr lebhaft, ſchreit oft und laut Goͤrr, goͤrr! und ſpricht ſehr deutlich und angenehm. Man naͤhrt ihn wie die uͤbrigen Papageien, und er ſcheint in der Stube ein ſehr hohes Alter zu erreichen, wie das Exemplar ausweißt, von dem die Beſchreibung genommen iſt. 33, Der graubrüſtige Sittich). Beſchreibung. Dieſer artige durch ſeine graue Farbe ſich auszeichnende Par⸗ kit hat die Größe einer Turteltaube. Da feine Kopf- und beſon⸗ ) Psittacus lunatus mi hi. \ **) Psittacus murinus. Gmelin Lin. Syst. I. 1. p. 327. n.89. La Per- ruche souris ou à poitrine grise. Buffon des Ois. 6. p. 148. Planch. enl. No. 768. Greybreasted Parrot. Latham Syn. I. 1. p. 247. n. 47. Der graubrüſtige Sittich. 97 ders die grauen Wangenfedern etwas aufgeſchwollen ſind, der Schnabel klein und ſehr abſchuͤſſig iſt, und er den Hals immer tief einzieht, ſo bekommt er ein eulenartiges Anſehen. Die Laͤnge ir ift 10 Zoll, wovon der keilfoͤrmige Schwanz die Hälfte weg: | nimmt; der Schnabel ift / Zoll lang, ungewoͤhnlich abwaͤrts gebogen, mit vier ſcharfen Ecken an jeder Seite des Dberfieferd, und abgeſchnittener Spitze des Unterkiefers und von hellgrauli⸗ cher oder vielmehr hellfleiſchiger Farbe; der Augenſtern braungrau; | die ſchmalen hohlen Augenkreiße und die Füße hellaſchgrau; die Stirn bis zum halben Scheitel, Wangen, Kehle, Bruſt und halber Bauch hell- und ſilbergrau, an der Bruſt weiß gewoͤlkt, | was von weiten wie in die Quere geſtreift ausſieht, und am Bauch gelblich uͤberlaufen; der Oberleib ſchoͤn glaͤnzend zeiſiggruͤn, auf Kopf und Schultern etwas heller, alſo gelblichgruͤn auslau⸗ fend, der uͤbrige Unterleib nebſt dem Steiß apfelgruͤn; die vor⸗ | dern Schwungfedern blau, auf der innern verdeckten Fahne ſchwarz und auf der aͤußern mit einem gruͤnlichen Saume, die hintern ö olivengruͤn; der Schwanz zeiſiggruͤn, mit blauen Schaͤften, und gruͤngelblich auslaufenden Spitzen, die beiden mittlern verdeckten | Federn blaugruͤn. ; Merkwuͤrdigkeiten. Dieſer Vogel iſt ſehr zahm und ſpricht auch, wiewohl wenig, | und ſcheint ſehr melancholifchen Temperaments zu fein. Seine | Lockſtimme ift ein hohes ſcharfklingendes Keirſch. Es iſt derje⸗ nige Parkit, von dem Parnetty in ſeiner Reiſe ſpricht. Man || fand dieſe Vögel, ſagt er, auf Montevideo, wo fie von den I Schiffern Stuͤck für Stuͤck für 2 Piaſter eingekauft wurden. Sie 0 waren ſehr zahm und gutartig, und lernten leicht ſprechen, und | liebten den Umgang mit Menſchen bald fo ſehr, daß fie immer unterhalten ſein wollten. Man glaubt aber allgemein, daß ſie 1 in einem Käfig eingeſperrt nur ein Jahr leben. — Dieſe letztere | Meinung wird durch das Exemplar widerlegt, von welchem dieſe | | Beſchreibung genommen iſt. N | Naturgeſch. d. Stubenvöger⸗ 7 — 5 98 Der Caroliniſche Sittich. — Der Amboiniſche Sittich-Lory. 31. Der Caroliniſche Sittich. (Papagei aus Carolina ). Beſchreibung Er hat die Groͤße einer Turteltaube, und iſt 13 Zoll lang. Der Schnabel iſt gelblichweiß; dieſer, ſo wie die Augen, ſind mit einer kahlen, hellgrauen Haut umgeben; der Augenſtern iſt hell— gelb; Füße und Krallen ſchimmelgrau; der Vorderkopf orangen— farben, der Hinterkopf, Nacken und die Kehle hellgelb; der übrige Hals, der Ruͤcken, die Bruſt, der Bauch und die Seiten, die obern und untern Deckfedern des Schwanzes find grün; die Schen⸗ kel eben fo, aber nahe am Gelenke orangenfarben; der Fluͤgel— rand orangenfarben; die Deckfedern der Fluͤgel oben gruͤn, die kleinern unten auch gruͤn, die groͤßern braun; die vordern Schwung— federn auf der innern Seite braun, auf der aͤußern an der Wur⸗ zel hellgelb, von da an gruͤn mit ins Blaue fallenden Spitzen, die hintern Schwungfedern oben gruͤn, auf der inwendigen und untern Seite braun; der Schwanz ſehr keilfoͤrmig und gruͤn. - Merkwürdigkeiten. Diefer Papagei wohnt in Guiana und zieht im Herbſt herdenweis nach Carolina und Virginien. Er niſtet aber auch in Carolina. Wenn die Fruͤchte im Herbſt reif ſind, ſo thut“ er großen Schaden an den Baumfruͤchten, von welchen er nur die Kerne frißt, und das Uebrige liegen laͤßt. Er wird nicht ſelten nach Europa gebracht, wo man ihn im Käfig mit Hanf naͤhrt. Er ſchreit viel und ſpricht wenig; ſeine Schoͤnheit und Zahmheit aber machen ihn dem Liebhaber angenehm. 35. Der Amboiniſche Sittich⸗Lory “). | Beſchreibung. Er hat mit dem geſchwaͤtzigen Lory (Psittacus garru- ) Psittacus carolinensis. Gmelin Lin. Syst. I. 1. p. 320. La Perruche à tete jaune. Buffon des Ois. 6. Pp. 274. Perruche de la Caroline pl. 499. des planch. enlumines. Caroline Parrot. Latham Syn. I. I. p- 227. n. 29. Suppl. p. 59. Er iſt wahrſcheinlich mit dem orangenköpfi⸗ gen Sittich Psittacus ludovicianus. Lin. Papagai a tete aurore. Buff. einerlei. **) Psittacus amboinensis. Gmelin Lin. Syst. I. 1. p. 316. n. 9. Le Lory Perruche tricolor. Buffon des Ois. 6. p. 138. Planch. enl. No. 240. Amboina Parrot. Latham Syn. I. 1. p. 210. n. 12. Der gemeine Kakatu. 99 | lus, aurorae, Lin. Varieté du Lory Noire. Buffon) einige Aehnlichkeit. In letzter Hinſicht nennen ihn auch die Franzoſen L’aurore oder Aurora-Papagei. Er iſt 1 Fuß 4 Zoll lang, wovon der Schwanz die Haͤlfte wegnimmt, alſo lang, aber ab— gerundet iſt. Der Schnabel iſt / Zoll lang, ſehr abſchuͤſſig und ſpitzig; die Wachshaut fehlt; die Naſenloͤcher liegen in der Stirn; der Grund des Oberſchnabels iſt orangengelb, die Mitte heller, die Spitze und der Unterkiefer ſchwarz; der Augenſtern goldgelb; die Fuͤße aſchgrau, die Schuppen ins Dunkelbraune fallend. Kopf, Nacken und ganzer Unterleib ſind dunkel mennigroth; den Oberhals umgiebt ein eben nicht deutliches, ſchmales, himmel⸗ blaues Halsband; der ganze Oberleib iſt ſchoͤn grün, mit einer feinen, ins Dunkle oder Blaͤuliche laufenden Einfaſſung der Fe⸗ dern; der Buͤrzel und Steiß dunkelblau; der Schwanz ſchwarz, oben auf mit gruͤnen und blauen Streifen ſchwach uͤberlaufen, an der Wurzel ins Gruͤne uͤbergehend, zuweilen iſt der Schwanz auch ganz dunkelbraun; der After ſchwarz, mit breiter rother Einfaſſung der Federn; die Schwungfedern ſchwaͤrzlichblau mit grünen Kanten; der Fluͤgelrand glaͤnzend hellgruͤn eingefaßt, die Unterfluͤgel ſchwarzblau. 5 Das Weibchen iſt am Kopf gruͤn; an Kehle, Gurgel und Bruſt eben fo, aber roͤthlich uͤberlaufen; der After dunkelgruͤn mit rother Einfaſſung; der Schwanz mehr gruͤn uͤberlaufen; der Schnabel hornbraun, unten und oben etwas rothgelb uͤberzogen. Merkwuͤrdigkeiten. 5 Er kommt aus Amboina, iſt wild, ſcheu, ſchreit Gaͤck, und pfeift hoch, ſpricht aber nicht. Man haͤlt ihn wie die an⸗ dern Papageien, was Aufenthalt, Nahrung und Pflege be trifft. Merkwuͤrdig iſt, daß die Federn ſo loſe ſitzen, daß man ſie gewoͤhnlich in der Hand hat, wenn man den Vogel angreift; ſie wachſen aber auch ſchnell wieder. g 36. Der gemeine Kakatu. (Der große, weiße Kakatu). Beſchreibung | Er hat die Größe eines gemeinen Huhns und iſt 17 Zoll ) Psittacus cristatus. Gmelin Lin, Syst. I. 1. p. 331. n. 22. Kaka- 7 * 100 Der gemeine Kakatu. 8 lang; der Schnabel iſt ſchwaͤrzlich; die Wachshaut!) ſchwarz; der Augenſtern dunkelbraun; der Augenkreis kahl und weiß; die Farbe iſt weiß, die großen Schwungfedern und die aͤußerſten Schwanzfedern ausgenommen, die an ihrer innern Seite nahe an der Wurzel zur Haͤlfte ſchwefelgelb ſind. Der Federbuſch auf dem Kopfe iſt 5 Zoll lang, und laͤßt ſich nach Belieben auf und niederlegen. 715 Aufenthalt und merkwuͤrdige Eigenſchaften. Sein Vaterland ſind die Moluckiſchen Inſeln. Bei uns laͤßt man ihm einen großen draͤthernen, glockenfoͤrmigen, oben ges woͤlbten Kaͤfig machen, den man außer zwei Springhoͤlzern mit einem meſſingenen Ring, ſo wie fuͤr die folgenden großen Papa⸗ geien, verſieht. In einen ſolchen Ring ſetzen ſie ſich ſehr gern. Sie beduͤrfen dieſelbe Pflege und Nahrung wie die andern Papageien, doch frißt dieſer, ſo wie der folgende Kakatu, ſehr gern Huͤlſen— fruͤchte, mehlige Saͤmereien und Backwerk. Von ihren Eigenſchaften, wodurch ſie ſich zu Stubenvoͤgeln erheben, ſagt Buffon Folgendes. Die Kakatupapageien (deren es 7 bis 9 Arten giebt, und die ſich alle durch den Federbuſch auszeichnen) lernen ſchwer ſprechen, laſſen ſich aber deſto leichter zaͤhmen. Sie ſind deshalb in einigen Indiſchen Gegenden ges lehrige Hausthiere geworden, die auf die Daͤcher der Haͤuſer niſten. Die Leichtigkeit, womit ſie erzogen werden koͤnnen, ſcheint von der Gelehrigkeit herzuruͤhren, worin ſie faſt alle Papageien übertreffen. Sie hoͤren beſſer zu, verſtehen beſſer, und gehor— chen auf den Wink. Allein vergeblich bemuͤhen ſie ſich, das zu wiederholen, was man ihnen vorſagt, und es ſcheint, daß ſie dieſen Fehler durch andere Ausdruͤcke des Gefuͤhls und durch zaͤrt— liche Schmeicheleien erſetzen wollen. Durch ihre ſanften und an⸗ genehmen Bewegungen wird ihre Schoͤnheit noch vermehrt. Im Mai 1775 ſah man zu Paris ein Paar Maͤnnchen und Weib⸗ chen, die auf Befehl ihres Herrn die Haube entfalteten, mit dem Kopf gruͤßten, die angezeigten Gegenftände mit dem Schnabel toes & huppe blanche. Buffon des Ois. 6. p. 92. Planch. enl. No. 263. Great white Cockatoo. Latham. Syn. I. 1. p. 256. n. 61. ) ies iſt die weiche Haut, womit der Schnabel in der Gegend der Nas ſenlöcher bis zur Stirn bedeckt iſt, und der, wie bekannt, bei den Falken⸗ arten ſo auffallend, größtentheils gelb gefärbt iſt. * Der gelbhaͤubige Kakatu. — Der rothhaͤubige Kakatu. 101 und der Zunge beruͤhrten, die Fragen durch gewiſſe Zeichen be: jahten oder verneinten, durch wiederholte Zeichen die Anzahl der Perſonen im Zimmer, die Stunden, die Farbe der Kleidung ꝛc. angaben. Sie kuͤßten ſich auch, und ſollen ſich auch oft begattet haben. Obgleich ſich die Kakatuen auch ihres Schnabels, wie die andern Papageien, zum Auf- und Abſteigen bedienen, ſo ha⸗ ben ſie doch ihren ſchweren und unangenehmen Gang nicht. Sie ſind im Gegentheile behend, keck, trollig, und machen kleine lebhafte Spruͤnge. — | 37, Der gelbhäubige Kakatu. (Der kleine weiße Kakatu“). (Taf. II. Fig 2). Beſchreibung. 57 Er iſt 14½ Zoll lang. Schnabel, Wachshaut und Fuͤße ſind ſchwaͤrzlich; der Augenſtern roͤthlich; die Augen liegen in einer kahlen weißen Haut; die Hauptfarbe iſt weiß, unten mit einem ſchwefelgelben Anſtrich, und auf dem Kopfe mit einem der⸗ gleichen zugeſpitzten Federbuſch; unter jedem Auge ſteht ein ſchwe⸗ felgelber Fleck; die untere Haͤlfte der aͤußern Schwungfedern iſt an der andern Seite eben ſo gefaͤrbt, desgleichen die Schwungfe⸗ dern zwei Drittheile ihrer Laͤnge von der Wurzel an. Er bewohnt die Moluckiſchen Inſeln und iſt gezaͤhmt unge⸗ mein artig, ſpielt, liebkoſet und läßt ſich gern liebkoſen. Es ſoll eine große und kleine Spielart geben. 38. Der rothhäubige Kakatu!). Beſchreibung. Er iſt etwas größer als der gemeine Kakatu, und kommt in der Groͤße dem rothen Aras gleich. Der Schnabel iſt blaͤu⸗ lichſchwarz: die Wachshaut ſchwarz; der kahle Augenkreis perl⸗ grau; der Augenſtern mattroth; die Fuͤße bleifarben; die Klauen ) Psittacus sulphureus, Gmelin Lin. Syst. I. 1. p. 330. n. 94. Kaka- toes à huppe jaune. Buffon des Ois. 6. p. 93. Lesser white Cockatoo. Latham Syn. I. 1. p. 258. n. 94. Friiſch Vögel Taf. 50. % Psittacus moluccensis. Gmelin Lin. Syst. I. 1. p. 331. n. 96. Ka- katoës a huppe rouge. Buf fon des Ois. 6. p. 95. Planch. enl. No. 498. Great red-crested Cockatoo, Latham Syn. J. I. p. 257. n. 62. 102 Der rothbaͤuchige Kakatu. ſchwarz. Die Hauptfarbe iſt weiß mit einem blaßroſenrothen Anſtrich; der ſich zuruͤcklegende Federbuſch auf dem Kopfe ſehr groß, manche Federn ſechs Zoll lang, der untere Theil deſſelben ſchoͤn orangenroth; die Seitenfedern des Schwanzes von ihrer Wurzel an bis zur Mitte auf der innern Fahne ſchwefelgelb; auch die untere Fluͤgelſeite ſchwefelgelb angeflogen. Merk wuͤrdigkeiten. i : Es iſt ein ſchoͤner Vogel, von majeſtaͤtiſchem Betragen, der aber ſelten ſo zaͤrtlich wird, wie der gemeine, obgleich er auch eine große Zaͤhmung vertraͤgt. Er ſchreit, wie die meiſten Kaka⸗ tuarten, feinen Namen Kakatu, und ruft ſehr laut trompeten⸗ mäßig Derdeng! Er ahmt alles Thiergeſchrei, vorzüglich der Haushuͤhner und Haushaͤhne nach. Wenn er aufſchreit, ſo ſchwingt er die Fluͤgel dazu. | | = Er iſt auf den Molucken zu Haufe und läßt ſich leicht erhalten, da er nicht weichlich iſt. 39. Der rothbäuchige Kakatu'). Beſchreibung. Er hat die Größe des a ſchgrauen Papagei's und iſt 13 Zoll lang. Der Schnabel iſt weiß, oder blaß fleiſchfarben, an der Wurzel grau; die Augenkreiſe ſind gelblichroth; die Fuͤße ſchimmelgrau. Die Hauptfarbe iſt weiß; der Kopf mit einem Federbuſch geziert, den man aber nicht eher bemerkt, als bis er ſich muſchelfoͤrmig erhebt; die Federn deſſelben ſind kaum 1½ Zoll lang, an der Wurzel ſchwefelgelb, an der Spitze weiß; einige der untern Federn ſind hellroth, werden aber nur bei Aufhebung des Federbuſches ſichtbar; die zwei mittlern Schwanz⸗ federn ſind weiß, die uͤbrigen an der innern Fahne von der Wur⸗ zel bis zur Mitte ſchwefelgelb; die untern Bauch: und Deckfedern des Schwanzes roth mit weißen Spitzen. Merkwuͤrdigkeiten. f Seine Heimath find die Philippinen. Man muß ſich im Zimmer mit feiner Schönheit begnuͤgen, denn ſprechen lernt er ) Psittacus Philippinarum. Gmelin Lin. Syst. I. I. p. 331. n. 95. Le petit Cakatoës des Philippines. Buffon des Ois. 6. p. 96. Planch. enl. No. 191. Red-vented Cockatoo. Latham Syn. I. 1. p. 258. n. 63. Der Bankſche Kakatu. 103 nicht, wird aber ſehr zahm, und ſcheint ſehr neidiſch zu ſein, wenn er ſieht, daß man es mit andern feiner Gattungsverwandten gut meint. Er ſchreit haͤßlich Aiaͤ! und Miaͤh! und nicht Kakatu. Die Behandlung iſt wie bei den andern Arten. | 40. Der Bankſche Kakatu“) (Des Ritters Banks Kakatu). 5 Beſchreibung. Dieß iſt unſtreitig der ſchoͤnſte Kakatu, aber auch der ſeltenſte und koſtbarſte. Er hat die Groͤße des rothen Aras und iſt 22 30 Zoll lang. Der dicke Schnabel iſt gelblich mit ſchwarzer Spitze; der Augenſtern roth; die Fuße ſchwarz. Die Hauptfarbe des Gefieders iſt ſchwarz; die Kopffedern ſind ziemlich lang, lie: gen aber im ruhigen Zuſtande, wie beim rothbaͤuchigen Kakatu, flach an; an jeder iſt gerade an der Spitze ein gelblicher Fleck; die Deckfedern der Fluͤgel haben eben dergleichen Spitzen; die Federn am Obertheil der Bruſt und am After haben gelbliche Raͤnder; der untere Theil der Bruſt und der Bauch ſind mit dunkleren und hellern gelblichen Streifen durchzogen; der Schwanz iſt ziemlich lang, am Ende etwas zugerundet; ſeine zwei mittlern Federn ſind ſchwarz, die andern an der Wurzel und den Spitzen eben ſo, die Mitte deſſelben ohngefaͤhr ein Drittheil deſſelben ſchoͤn dunkelcarmoiſinroth, ins Orangenfarbene fallend, mit fuͤnf oder ſechs ſchwarzen Streifen durchzogen, die ohngefaͤhr einen drit- tel Zoll breit, und etwas unregelmaͤßig ſind, beſonders an den aͤußern Federn, wo ſie abgebrochen erſcheinen. Es giebt Varietaͤten: a) Der Schnabel iſt bleifarben; der Kopf hat einen mittelmäßigen Federbuſch, der ſchwarz iſt, aber untermiſchte gelbe Federn hat; Kehle und Gurgel ſind gelb; die Seiten des Halſes ſchwarz und gelb gefleckt; der ganze Koͤrper ſo wie die Fluͤgel ſchwarz, ohne Zeichnung am Unterleibe; der Schwanz wie oben. RN b) Der Schnabel iſt blaͤulichgrau; die Hauptfarbe olivenfar⸗ ben oder roſtſchwarz; an den Seiten des Kopfs eine gelbe Schat⸗ tirung, aber keine Feder iſt an der Spitze gelblich, noch viel we⸗ niger der Bauch mit dergleichen Querſtreifen beſetzt. Der Schwanz wie oben. 2 * Psittacus Banksii. Banksian Cockatoo. Lat. N 9 | 1 iM 1 1 hi 1 1 4 1 ö N 1 104 Der aſchgraue Papagei. Vielleicht ein junger Vogel. c) Der Schnabel iſt blaͤulich hornfarben; Kopf, Hals und Unterleib ſind ſchmutzig dunkelbraun, die Federn des Scheitels und Nackens am Rande olivenfarben; der Oberleib, die Fluͤgel ‚ und der Schwanz glänzend ſchwarz, die mittlern Schwanzfedern einfarbig, die uͤbrigen in der Mitte ſcharlachroth, aber ohne Quer⸗ binden. Vielleicht das Weibchen, N Merkwürdigkeiten, Ein ſtolzer Vogel, der in England felten, und noch feltner in Deutſchland iſt. Er wird in verſchiedenen Theilen von Neus holland angetroffen. Er iſt im Betragen und Behandlung dem gemeinen Kafatu ähnlich, e 41. Der aſchgraue Papagei, 0 (Taf. I. Fig. 3.) (Gemeiner aſchgrauer Papagei, Jako, Guineiſcher Papagei, grauer Papagei mit rothem Schwanze*), Beſchreibung. Er iſt mit dem folgenden der gewoͤhnlichſte und gelehrigſte Papagei, den wir kennen. An Groͤße gleicht er einer Haustaube und iſt 9 Zoll lang; der Schnabel iſt ſchwarz; die Wachshaut und die Augenkreiſe ſind mehlig weiß; die Fuͤße aſchgrau; der Augen⸗ ſtern gelblichweiß; die Hauptfarbe aſchgrau, die Federn am Kopfe, Halſe und Unterleibe mit weißgrauen Raͤndern; der Steiß und untere Theil des Bauchs weißgrau mit aſchgrauen Rändern, da: her der ganze Körper ein geſchupptes und gepudertes Anſehen ers hält; der kurze Schwanz ſcharlachroth. Männchen und Weib— chen ſehen einander aͤhnlich, und beide beſitzen guch dieſelbe Ge⸗ lehrigkeit. | Aufenthalt. Man bringt ihn gewöhnlich aus Guinea, wohin er zum Verkauf aus dem Innern von Afrika gebracht wird. Auch fin⸗ det man ihn auf Congo und an der Kuͤſte von Angola. ) Psittacus erithacus,. Gmelin Lin. Syst. I. 1. p. 332. n. 24. Perro quet cendıe ou laco. Buffon des Ois. 6. p. 100. Ash-coloured Parrot, Latham Syn. I. 1. p. 261. n. 68. Friſch Vögel. Taf, 51. Der aſchgraue Papagei. 105 Bei uns hält man ihn, wo er nicht frei im Zimmer herum⸗ gehen darf, in einem ſchoͤnen großen gelbdraͤthernen Vogelb auer mit einem Ringe. Nahrung. In ſeinem Vaterlande lebt er faſt von allen Arten von Fruͤch⸗ ten und Koͤrnern, und wird von dem Samen des Saflors, wel⸗ cher fuͤr Menſchen ein hitziges Purgirmittel iſt, fett. In der Ge⸗ fangenſchaft frißt er faſt alles, was man nur genießen kann. Am beſten aber befindet er ſich bei Semmel in Milch geweicht und Obſt. Fleiſch, das er liebt, macht ihn, wie alle Papageien, flüs ßig, und er rupft ſich dann die Federn aus und wird kahl. Wenn er gut gepflegt wird, ſo hat man Beiſpiele, daß er 60 Jahre alt geworden iſt. & | Fortpflanzung. z Dieſer Papagei baut in feinem Vaterlande in hohle Baͤume, und iſt derjenige, von welchem man einzelne Beiſpiele hat, daß | fie auch in Eukopa gezähmt Junge gebracht haben. Nach Buf. fon hatte ein gewiſſer Herr La Pigeoniere aus Marmande ein Paͤrchen, das fuͤnf bis ſechs Jahre hinter einander, jeden Frühling eine Brut machte und die Jungen aufzog. Jedes Ge⸗ hecke beſtand aus vier Eiern, wovon immer eins unfruchtbar war. Um ſie zum Bruͤten geneigt zu machen, ſetzte man eine kleine Tonne in ein eigens dazu beſtimmtes Zimmer, nahm einen Bo⸗ den deſſelben heraus, und brachte innerhalb und außerhalb Staͤbe an, damit das Männchen bequem aus: und einſteigen und immer beim Weibchen ſein konnte. Man durfte blos mit Stiefeln in das Zimmer gehen, wenn man die Beine vor den Schnabelhieben des eiferfüchtigen Maͤnnchens ſichern wollte, welches auf alles zu⸗ hieb, was ſeinem Weibchen zu nahe kam. | Alt und Jung von dieſen Vögeln läßt ſich leicht zaͤhmen, doch ſind freilich die Jungen, welche aus dem Neſte genommen werden (und dieß ſind die meiſten, die wir nach Europa bekom⸗ men) am gelehrigſten. 5 Sie ſind faſt mit allen oben angegebenen | Krankheiten behaftet, und zwar dann um ſo eher, wenn man ihnen aller⸗ hand Leckereien zu freſſen giebt. Geſchwollene und aufbruͤ⸗ 106 Der aſchgraue Papagei. chig e Füße (Podagra) iſt eines der gewöhnlichen Uebel, das ſie befaͤllt. Man hat aber ſo wenig als bei Menſchen ein ſicheres Mittel dagegen. Am beſten ſind dieſe Krankheiten durch Rein⸗ lichkeit und Verſagung aller Fleiſchkoſt und Leckereien zu verhuͤten. Empfehlende Eigenſchaften. Dieſer Papagei und die Lorys lernen nicht nur ſehr leicht ſprechen und pfeifen, ſondern auch allerhand Bewegungen, Ge: berden und Kuͤnſte machen, und zeichnen ſich beſonders durch ein gefaͤlliges, ſchmeichelhaftes Betragen gegen ihren Wohlthaͤter aus. Man zieht dieſen noch jenen vor, weil er nicht das rauhe unan— genehme wilde Geſchrei von ſich giebt, das die Lorys zu mans chen Zeiten, beſonders zur Zeit der Paarung und, wenn ſie zor— nig ſind, ſo unausſtehlich macht. Vorzuͤglich gern ahmt er die Stimme der Kinder nach; daher er ſich auch von dieſen am lieb— ſten unterrichten laͤßt. Wie weit ſein Nachahmungstrieb geht, ſieht man an einem Beiſpiele, das Buͤffon erzaͤhlt, wo ein fol: cher Papagei auf einer Reiſe von Guinea von einem Matroſen unterrichtet wurde, und deſſen heiſere Stimme und Huſten ſo natuͤrlich nachahmte, daß man ſich oft betrog, und, ſtatt des Pa— pageies, den Matroſen zu hoͤren glaubte. Man ließ ihn hierauf von einem jungen Menſchen unterrichten, und obgleich er alsdann keine andere Stimme hoͤrte, ſo vergaß er doch die Unterweiſung ſeines alten Lehrers nicht, und es war luſtig, ihn von einer ſanft— ten und angenehmen Stimme in ſeine alte Heiſerkeit und in den Ton eines Seemannes übergehen zu hören. Dieſer Vogel hat nicht blos die Geſchicklichkeit, die Stimme der Menſchen nachzu⸗ ahmen, ſondern er bezeigt auch eine Begierde danach, welche man in der Aufmerkſamkeit und Muͤhe erkennt, die er ſich giebt, um die Stimmen zu wiederholen. Er plaudert daher unaufhoͤrlich einige von den Sylben, die er gehoͤrt hat, und ſucht ſogar, um in ſeinem Memoriren nicht irre zu werden, alle Stimmen, die ihn ſtoͤren koͤnnen, zu uͤberſchreien. Sogar im Schlaf, was ich ſelbſt mehrmals gehoͤrt habe, traͤumt er laut; ſo tief praͤgen ſich die ihm aufgegebenen Lektionen ein. Wenn er jung unterrichtet wird, ſo ſoll ſein Gedaͤchtniß ſo groß ſein, daß er ganze Verſe und Sprüche lernt. Rhodiginus erzaͤhlt von einem ſolchen aſch— — grauen Papagei, der das Apoſtoliſche Glaubensbekenntniß ohne Der geſchwaͤtzige Lory. — Der purpurkappige Lory. 107 Anſtoß Herfagte, und den deßhalb ein Cardinal fuͤr 100 Sonnen⸗ thaler kaufte. 3 42. Der geſchwätzige Lory. (Der Lory von Ceram, Lory⸗Noira, der ganz rothe Papagei“) Beſchreibung. | R Er hat die Größe einer Taube, iſt 10 bis 11 Zoll lang, und wechſelt ſehr in den Farben. Meiſtens ſieht man ihn in fol⸗ gender Zeichnung. Der Schnabel iſt orangenroth; die Wachs haut und die kahlen Augenkreiße find aſchfarbig; der Augenſtern dunkel⸗ gelb; die Fuͤße braun; die Hauptfarbe ſcharlachroth, die kleinern und untern Deckfedern der Fluͤgel ausgenommen, die gruͤn und hellgelb gemiſcht ſind; die großen Schwungfedern dunkelgruͤn, an der innern Fahne ſcharlachroth und an den Spitzen aſchgrau; die zwei mittlern Schwanzfedern oben gruͤn, dann mattroth und an der Spitze gruͤn, die nächfte zu jeder Seite uber die Hälfte roth, dann gruͤn, und die vier aͤußerſten an der Wurzel ſcharlachroth, dann violet, und an den Spitzen dunkelgruͤn, das Knieband gruͤn. | Merkwürdigkeiten. Er kommt von den Molukkiſchen Inſeln, und iſt, wie der vorhergehende, gelehrig und bedarf eben der Behandlung. 43. Der purpurfappige Lory). (Blaukoͤpfiger Lory, Lory mit blauer oder mit ſchwarzer Muͤtze). (Taf. I. Fig. J. Beſchreib ung. Ein praͤchtiger Vogel ſowohl hinſichtlich ſeines Gefieders, als auch ſeines Betragens. Er hat die Groͤße einer Taube und iſt 10% Zoll lang. Der Schnabel iſt orangenroth; die Wachshaut ſchwaͤrzlich, ſo wie der Augenkreis; der Augenſtern truͤbe roth⸗ braun; die Fuͤße ſind dunkelaſchgrau; die Klauen ſchwarz. Die *) Psittacus garrulus. Gmelin Lin. Syst. I. 1. p. 333. n. 25. Lory de Ceram. Buffon des Ois. 6. p. 129. Ceram Lory. Latham Syn. I. 1. p. 269. n. 76. Friſch Vögel Taf. 45. **) Psittacus domicella. Gmelin Lin. Syst. I. 1. p- 334. n. 26. Lory à collier. Buffon des Ois. 6. p- 130. Planch. enl. No. 84. Purple capped Lory. Latham Syn. I. I. P. 271. n. 77. Friſch Vögel Taf. 44. 108 Der purpurkappige Lory. Hauptfarbe iſt roth; auf dem Ruͤcken am dunkelſten, am Hals am hellſten; der Oberkopf purpurſchwarz, oder ſchwarz, nach hin— ten zu ins Blaͤulichpurpurfarbene uͤbergehend; an der Gurgel ſteht ein bald mehr bald minder deutliches, halbmondfoͤrmiges, hellgelbes Halsband; der Fluͤgelrand und die kleinen Deckfedern der Fluͤgel ſind dunkelblau, hellhimmelblau auslaufend; die uͤbri⸗ gen Flügel grasgruͤn ins Hellgelbe ſchimmernd; die großen Schwung⸗ federn ſchoͤn blau; die kleinern gelblichgruͤn; der Schwanz zuges rundet, nur etwas keilförmig an der Spitze, von Farbe bläulich: purpurfarben mit einem rothbraunen Anſtrich; die Kniebaͤnder lau, etwas gruͤn angeflogen. Das Weibchen iſt kleiner; der Ring um den Hals fehlt, oder iſt blos angedeutet; die blaͤulichſchillernde Kopffarbe nimmt weniger Raum ein; der Fluͤgelrand iſt blau und gruͤn gemiſcht, und das uͤbrige Blau auf den Fluͤgeln fehlt. Barietät: Unterrüden, Steiß, Unterbauch und Schenkel find weiß und roſenfarben; die obern und untern Deckfedern des Schwanzes roth und weiß; die Deckfedern der Fluͤgel gruͤn mit Hellgelb untermiſcht; der Schnabel hellgelb. Das Uebrige wie gewoͤhnlich. Merkwuͤrdigkeiten. In ſeinem Betragen kommt dieſer Lory mit ſeinen Verwand— ten uͤberein, doch ſcheint er mir der gelehrigſte, geſpraͤchigſte, zahmſte, artigſte und zaͤrtlichſte unter allen Papageien zu ſein. Er ſchreit Lory, ſpricht beſtaͤndig und zwar ſo ſchnarchend wie ein Bauchredner, pfeift auch alles nach, und zwar ſehr hell und floͤtend. Er will aber auch immer unterhalten und geliebkoſet ſein. Er lernt alles ſehr ſchnell. Dieſe Papageien gehoͤren, weil ſie ſchwierig zu transportiren ſind, unter die ſeltenen und theuren. Sie wollen auch gut ge— wartet und gepflegt ſein. Sie kommen von den Molucken, aher aber auch auf Neu⸗Guineg. | | Der ſchwarzkappige Lory. — Der weißkoͤpfige Amazonenpapagei. 109 A. Der ſchwarzkappige Lory“). ö Beſchreibung. | Dieſer Lory iſt kaum merklich kleiner als der vorhergehende, 10°), Zoll. Der Schnabel iſt orangenfarben; die Wachshaut und die Augenkreiße ſind dunkelfleiſchfarben; der Augenſtern oran⸗ genroth; die Füße ſchwaͤrzlich; der Scheitel ſchwarz, blau uͤber⸗ laufen; Hals und Koͤrper ſcharlachroth; ausgenommen ein blauer Fleck zwiſchen dem Hals und Ruͤcken und ein andererer am un⸗ tern Theile der Bruſt, welche beide mit rothen Federn vermiſcht ſind; die Fluͤgel ſind oben gruͤn, die innern Fahnen der Schwung⸗ federn gelb, ausgenommen gegen das Ende, wo ſie dunkelbraun werden, und die mittlern Schwungfedern gegen den Rand zu gelb, die Deckfedern der Unterfluͤgel roth; der Fluͤgelrand gelblich; der untere Theil der Schenkel, der Unterbauch und After ſchoͤn blau; die obere Seite des Schwanzes blau, die mittlern Federn dunkelgruͤn, die innere Fahne aller andern Federn gelblich, daher der Unterſchwanz gelb ausſieht. Merkwürdigkeiten. Dieſe Vögel wohnen auf den Philippinen. Sie kommen ſeltner als die vorhergehenden nach Europa, ſind alſo auch theu— rer. Man ruͤhmt eben die Gelehrigkeit, Folgſamkeit und An⸗ haͤnglichkeit an die Menſchen von ihnen, als von den vorher— gehenden. | n5. Der weißköpfige Amazonenpapagei“). Beſchreibung. . Er hat die Groͤße einer Taube, und gehoͤrt unter die ge⸗ woͤhnlichen und gelehrigen Papageieiarten, die wir in Deutſchland ſehen. Der Schnabel iſt bald fleiſchfarben, bald hellgelb oder weißlich; der Augenſtern nußbraun; die Augenkreiße weiß; die Fuͤße dunkelbrann. Bald iſt der Kopf bis zum Scheitel, bald ) Psittacus Lory. Gm elin Lin. Syst. I. 1. p. 335. n. 27. Lory des Philippines, Buffon des Ois. 6. p. 132. Planch. enl. No. 168. Black- capped Lory, Latham Syn. J. 1. p. 273. n. 78. **) Psittacus leucocephalus. Gm elin Lin. Syst. I. 1. p. 338. n. 30. - Amäzone à tete blanche. Buffon des Ois. 6. p. 212. Planch. enl. No. 336. Whitefrondet Parrot. Latham Syn. I. 1. p. 279. n. 88. Friſch Vö⸗ gel Taf. 46. eine Varietät. . 110 Der gemeine Amazonenpapagei. blos die Stirn weiß; am Maͤnnchen der Scheitel oder blos der Hinterkopf hellblau, auch zuweilen mit rothen Flecken; am Weib⸗ chen gruͤn; die Hauptfarbe des Gefieders gruͤn; die Federn dunkel. braun geraͤndert, was man beſonders an den vordern Theilen deut⸗ lich merkt; die Wangen, die Kehle und der Vorderhals ſchoͤn ſchar— lachroth; der Bauch grün, rothgemiſcht; die großen Schwungfe⸗ dern blau, auf der innern Fahne ſchwarz, die hintern gruͤn; die zwei mittlern Federn des kurzen Schwanzes grün, die drei naͤch— ſten ein Drittel ihrer Länge von der Wurzel an roth, die End» 19 gruͤn, die aͤußern ebenſo, aber an der W bläulich; der Fluͤgelrand beim Maͤnnchen roth. Merkwuͤrdigkeiten. Er kommt von Martinik, Jamaika und Mexiko. Auch dieſer Vogel iſt ſehr zahm und geſchwaͤtzig, doch muß man mehr Muͤhe anwenden, ihm etwas beizubringen, als bei den vorhergehenden, beſonders wenn man ihm deutſche Woͤrter lehren will, wenn er ſchon hollaͤndiſche oder engliſche ausſpricht. Die Toͤne der Thiere, beſonders der Katzen, Schafe und Hunde lernt er gleich nachſchreien. Uebrigens muß man ihn ebenſo behandeln, wie die beiden vorhergehenden. Der gemeine Amazonenpapagei⸗). Beſchreibung. Dieſer Vogel wird ſo haͤufig nach Europa gebracht, daß man ihn in Holland und England allenthalben antrifft. Er iſt auch, ohngeachtet ſeiner Groͤße, in welcher er einer großen Haus— taube gleicht, ſehr wohlfeil. a Man trifft ihn in mancherlei Spielarten an. Gewoͤhnlich ſieht er folgendermaßen aus. Der Schnabel iſt ſchwaͤrzlich; die Fuͤße ſind aſchfarben; der Augenſtern goldgelb; die Stirn und der Raum zwiſchen den Augen blaͤulich; das Uebrige des Kopfs und die Kehle hellgelb, die Federn mit blaͤulichgruͤnen Raͤndern; der uͤbrige Leib lichtgruͤn, am Ruͤcken und Bauch ins Hellgelbe ſpielend; der Rand der Fluͤgel die obern Deckfedern der *) Psittacus aestivus. Gmelin Lin. Syst. I. I. p. 340. n. 32. Per- roquet Amazone. Buffon des Ois. 6. P. 215. Common Amazons -Parrot. Latham Syn. I. 1. p. 285. n. 91. Friſch Vögel Taf. 47. 49. Der gelbkoͤpfige Amazonenpapagei— 111 Fluͤgel gruͤn; die Schwungfedern gruͤn, ſchwarz, hellgelb, violet⸗ blau und roth; der Schwanz gruͤn, ausgebreitet aber ſcheinen ſeine Federn mit einem ſchwarzen, rothen und blauen Saume eingefaßt zu ſein. | Merkwürdigkeiten Diefer Vogel kommt aus Guiana, Braſilien und Me⸗ riko, lernt ſchwer ſprechen, und wird ein ſehr geſellſchaftlicher, zutraulicher Vogel. In feiner Behandlungsart kommt er mit dem vorhergehenden uͤberein. 17. Der gelbköpfige Amazonenpapagei“). s (Taf. I. Fig. 5.) Beſchreibung. N ä Er hat die Größe einer mittelmaͤßigen Haustaube, iſt 1 Fuß 2 Zoll lang, wovon der Schnabel 1½ und der Schwanz 5 Zoll betraͤgt. Der Schnabel iſt ſtark, an den Seiten des Oberkiefers und an der Wurzel des untern orangenroth, uͤbrigens dunkel⸗ aſchgrau oder hornbraun; die eirunden Augenkreiße ſind kahl und hellaſchgrau; der Augenſtern goldgelb; die Wachshaut ſchwarz; die ſtarken Fuͤße aſchgrau, die Krallen ſchwaͤrzlich. Stirn, Hin⸗ terkopf, Hals, Ruͤcken, Schulterfedern, Deckfedern der Fluͤgel und hinterſte Schwanzfedern ſind dunkel- und lauchgruͤn; der Unter⸗ leib gelblichgruͤn, ſo wie die Deckfedern der Unterflügel; der obere Fluͤgelrand hochroth, am vordern Gelenke mit Hochgelb gemiſcht; der Scheitel hoch- oder goldgelb, eben fo ein ſchmales Knieband; die vordern Schwungfedern ſchwarz, aͤußerlich gruͤn eingefaßt, auf dem Schafte und nach innen zu etwas blau uͤberlaufen; die mittlern Schwungfedern ebenfalls ſchwarz, die vordere Haͤlfte auf der aͤußern Fahne hochroth, nach der Spitze zu mit Blau uͤber⸗ laufen, die hintern Fluͤgelfedern auf der aͤußern Fahne gruͤn, uͤbri⸗ gens wie die vordere Haͤlfte; die Unterſchwingen blaͤulichgruͤn; der Schwanz gruͤn, nach der Spitze zu gruͤngelb, die drei aͤu⸗ ßern Federn auf der innern Fahne bis zur Haͤlfte und der Wur⸗ zel an hochroth, an der Seite mit Gelb vermiſcht. ) Psittacus ochrocephalns Gmelin Lin. Syst. I. 1. p. 339. n. 112. Psittacus nobilis, Lin. Syst. ed. XII. p. 140. L’Amazone à tete jaune. Buffon des Ois. 6. p. 208. Vellow- headed Amazo'ns Parrot. La- tham Syn. I. 1. p. 282. n. 89. Planch. enl. No. n. 312. 112 Der Herbſt⸗Krickpapagei. Man findet Varietäten: D Die Stirn iſt blaß hellgelb, und die Farbe uͤberhaupt heller. 2) Stirn und Seiten des Kop⸗ fes ſind hellgelb. 3) Das Gelbe des Kopfes iſt mit Gruͤn ver⸗ miſcht. Merkwürdigkeiten. Das Vaterland iſt das ſuͤdliche Amerika. Es ſcheint, als wenn er nicht gelehrig waͤre, und man ſich blos an ſeiner Seltenheit und ſchoͤnen Zeichnung vergnuͤgen muͤßte; denn der, welchen ich vor mir habe, gab blos ein ſtarkes Geſchrei und Gegrackel von ſich, wollte aber nichts nachſprechen lernen. AS. Der Herbſt⸗Krickpapagei“). (Herbſt⸗ Papagei; Papagei mit blauem Geſicht). Er iſt ſo groß als eine mittelmaͤßige Taube. Der Schnabel iſt hornfarben, an jeder Seite des Oberkiefers ein orangenfarbe⸗ ner langer Streifen; der Augenſtern orangenfarben; die Augen: kreiße fleiſchfarben; die Fuͤße ſind dunkelfleiſchfarben; die Klauen ſchwarz; der Vorderkopf rund herum und die Kehle blau; der Unterhals bis zur Bruſt roth; der uͤbrige Leib iſt gruͤn, ausge⸗ nommen die großen Schwungfedern, die blau ſind, einige da— ſelbſt auch roth mir blauen Spitzen; die hintern Schwungfedern ſind ebenfalls gruͤn, und die Schwanzfedern zur Haͤlfte gruͤn, nach der Spitze zu gelbgruͤn, die Seitenfedern inwendig nach der Wurzel zu roth. Va rietaͤtenz a) Statt roth und blau iſt der Kopf roth und weißlich. g b) Die Stirn iſt ſcharlachroth; der Scheitel blau; unter je⸗ dem Auge ein orangengelber Fleck; der obere Fluͤgelrand hellgelb. c) Die Stirn und Kehle ſind roth; hinter und unter den Augen die Farbe blau; der Scheitel gelblichgruͤn; der untere Fluͤ⸗ gelrand roth; der Schwanz hat eine blaß hellgelbe Spitze. d) Der ganze Leib ſchwaͤrzlich; an der Bruſt blos die Fe⸗ dern dunkelbraun und roth kantirt. Eine ſehr ſeltene Varietaͤt, die der Herr Herzog von Meiningen beſaß. *) Psittacus autumnalis. Gmelin Lin. Syst. I. 1. p. 345. n. 37. Le Crik a tete bleue, Buffon des Ois. 6. p. 230. 232. Blue - faced Parrot, Latham Syn. I. 1. p. 293. n. 96. Der blauhälfige Papagei. — Der rothkoͤpfige Guineiſche Parkit. 113 Merkwürdigkeiten. k Dieſe Vögel wohnen in Guiana. Sie lernen nicht viel, und ſchreien immer Girgirr! 5 19. Der blauhälſige Papagei. (Blaukopf, Blauhals, blaukoͤpfiger Guianiſcher Parkit, blaukoͤp⸗ figer und blaukehliger Papagei“). : Beſchreibung. | Diefer feltene Papagei hat die Größe des aſchgrauen Pas pageis (Nr. 41) und trägt und hält ſich auch fo. Der Schna> bel iſt dunkelhornfarben, an jeder Seite der obern Kinnlade mit einem rothen Fleck beſetzt; die rothbraunen Augen liegen in einem graulichfleiſchfarbenen Augenkreiß; Kopf, Hals und ein Theil der Bruſt find ſchoͤn indigoblau, an der Bruſt etwas purpurfars ben ſchillernd; an der Seite des Kopfs ſteht ein ſchwarzer Fleck; Ruͤcken, Bauch, Schenkel und Fluͤgel ſind gruͤn, und am Bauch haben die Federn blaͤuliche Spitzen; die Deckfedern der Fluͤgel ſind gelblichgruͤn, ins Goldfarbene fallend; der After ſcharlachroth, die Spitzen der Federn blaͤulich; die Schwanzfedern gruͤn, an der Spitze blau, die erſte bis dritte an der Wurzel der innern Fahne roth; die Fuͤße ſtark und grau. Merk wuͤrdigkeiten. Dieſer Vogel, welcher aus Guiana ſtammt, iſt in der Stubbe ſehr dauerhaft, und obgleich er nicht ſpricht, ſo iſt er doch wegen ſeiner Zahmheit und Zaͤrtlichkeit ein angenehmer Stubenvogel. Auch in ſeinem Vaterlande gehoͤrt er unter die ſeltenen Papa⸗ geien. 50. Der rothköpfige Guineiſche Parkit. (Der Guineiſche Sperling, Zwergpapagei, Inſeparabel “). Beſchreibung. Die Vogelhaͤndler nennen dieſen ſchoͤnen Papagei, der nicht ) Psittacus menstruus, Gmelin Lin. Syst. I. 1. p. 345. n. 30. Le Papagei & tete et gorge bleue, Buffon des Ois. VI. p. 243. Latham Syn. I. 1. p. 301. n. 107. . **) Psittachs pullarius, Gmelin Lin. Syst. I. 1. p. 348. n. 45. Per- ruche & tete rouge ou Moineau de Guinee. Buffon des Ois. 6. Pp. 165. Naturgeſch. d. Stubenvögel. 8 114 Der rothkoͤpfige Guineiſche Parkit. groͤßer als ein gemeiner Kreuzſchnabel iſt, den Guineiſchen Sperling, und man ſieht jetzt eine Menge derſelben in Europa, wo fie wegen ihrer Schönheit, Geſelligkeit und Zärtlichkeit geſchaͤtzt werden. Der Schnabel iſt roth mit einer blaſſen Spitze; die Wachs: haut und die kahlen Augenkreiße ſind aſchfarben; die Fuͤße grau; der Augenſtern blaͤulich; die Hauptfarbe gruͤn, am hellſten an den untern Theilen; der vordere Theil des Kopfes und die Kehle roth, der Rand der Flügel und der Unterruͤcken blau; die obern Deckfe⸗ dern des Schwanzes gruͤn; der obere Theil der Schwanzfedern roth, unter dieſen ein ſchmaler ſchwarzer Streifen und die Spitzen gruͤn, die zwei mittlern Federn ganz gruͤn. Das Weibchen iſt faſt von einerlei Farbe, doch ſind die Farben nicht ſo ſtark aufgetragen; die rothe Geſichtsfarbe iſt viel heller und der Fluͤgelrand hellgelb. Merkwuͤrdigkeiten. Dieſe Voͤgel ſind in Guinea, Aethiopien, Oſtindien und der Inſel Java zu Hauſe und ſcheinen uͤberhaupt uͤber das ganze mittaͤgige Klima der alten Welt ausgebreitet zu ſein. Sonſt brachte man ſie nicht haͤufig nach Europa; jetzt kann man ſie aber bei den Vogelhaͤndlern in Menge ſehen; vielleicht daß man ihre Behandlungsart auf der Reiſe jetzt beſſer kennt. Sie find fo geſellig, daß man fie wenigſtens paarweiſe beifam: men halten muß, und wenn einer von den beiden Gatten ſtirbt, und man den andern am Leben erhalten will, ſo muß man ihm neben dem Käfig einen Spiegel hängen, daß er ſich ſelbſt ſieht, und durch dieſe Taͤuſchung ſich nicht allein glaubt. Das Männ- chen zeigt ſich beſonders zaͤrtlich gegen das Weibchen, reicht ihm die Saͤmereien, die ihnen zur Nahrung dienen, dar, und lieb— koſet es beſtaͤndig auf die ſanfteſte und zaͤrtlichſte Art. In ihrem Vaterlande thun dieſe Voͤgel an den Feldfruͤchten Schaden. Bei uns naͤhrt man fie mit Canarienſamen, auch Milch und Sem— meln. Schade, daß ſie nicht ſprechen lernen, und obendrein noch ein unangenehmes Geſchrei machen. Man ſetzt ein Paͤrchen in einen meſſingenen Glockenbauer, der etwas groͤßer iſt, als man ihn zu einem Canarienvogel braucht. t. 7. Redheaded Guinea - N Latham Syn. I. 1. p. 309. n. 117. Friſch Vögel Taf. 54. | | | Der Sperlingsparfit. — Der Tukan od. gelbbruͤſtige Pfeffervogel. 115 51. Der Sperlingsparfit. (Kleinſter Sittich oder Parkit, blau und ‚grüner Parkit!). Er iſt nicht groͤßer als ein Hausſperling, nur 4 Zoll lang; Schnabel, Wachshaut, Augenkreiße und Fuͤße ſind orangen⸗ farben; die Hauptfarbe grün; der Steiß blau; die kleinern Deck⸗ federn der Fluͤgel und der Schwanz ebenfalls gruͤn. Merkwuͤrdigkeiten. Man ſieht dieß niedliche Voͤgelchen, das eben ſo zaͤrtlich mit ſeinem Gatten lebt, wie das vorige, ſelten. Es kommt aus Bra— ſilien und Guiana. Schade, daß es nicht ſpricht! Man fuͤt⸗ tert es mit Canarienſamen, Hanf. ꝛc. ) 52. Der Tukan oder gelbbrüftige Pfeffervogel“). | Beſchreibung. Alle Pfeffervogelarten, alſo auch dieſe und die beiden fol⸗ genden, haben einen unproportionirt großen Schnabel, der oben erhaben iſt und ſich nach der Spitze zu herabkruͤmmt, hohl, ſehr leicht, und an den Raͤndern fägenförmig gezackt iſt; die Fuͤße find Kletterfuͤße. Man bringt fie im Sommer, wo fie nicht von der Kälte leiden, aus Nordamerika mit nach England und Holland, von wo aus ſie auch nach Deutſchland verkauft wer⸗ den, aber zu den ſeltenen Stubenvoͤgeln gehoͤren. Sie freſſen in der Stube alles, was man ihnen vorwirft, Fruͤchte, Beeren, beſonders Weinbeeren, Brod, Semmeln, Fleiſch, Froͤſche u. dergl. Sie verſchlucken alles ganz, indem ſie es in die Luft werfen und wieder fangen. Man nimmt ſie aus dem Neſte, das in hohlen ) Psittacus passerinus. Gm elin Lin. Syst. I. 1. p. 342. n. 47. Etè ou Toui-ete. Buffon des Ois. 6. Pp. 283. Little blue and green Par- rakeet. Latham Syn. I. I. p. 319. n. 127. **) Es können noch mehrere Arten von Papageien zuweilen, obgleich ſelten, nach Deutſchland gebracht werden, die mir ſelbſt aber bis jetzt noch nicht zu Geſicht gekommen ſind. In der Behandlungsart ſind ſie den vorher⸗ beſchriebenen gleich zu achten. Wer ſie aber näher kennen und beſchrieben wiſſen will, der findet ſie in meiner Ueberſetzung von Lathams allgemeiner Ueberſicht der Vögel mit Anmerkungen, Zuſätzen und Kupfern. Nürnberg bei Scheider und Weigel. 6 Theile 1793 — 1798. Eben dieſes gilt auch von einigen ſamenfreſſenden Singvögeln. „e) Rhamphastos Tuanus. Gmelin Lin. Syst. I. 1. p. 355. Le Toucan à gorge jaune du Bresil, Buffo n Planch. enl. No. 307. Yellow -breasted Tucan. Latham Syn. I. 1. p. 326. n. 3. t 116 Der Braſiliſche Pfeffervogel. — Der Prediger-Pfeffervogel. Baͤumen ſteht und zwei Junge enthalt, und zieht fie auf, wo ſie dann bald ſehr vertraulich und artig werden. Der Tukan iſt 19 Zoll lang; der Schnabel mißt 5 Zoll und iſt an der Wurzel grau und am Ende ſchwarz. Der Ober— leib gruͤnlichſchwarz; Wangen, Kehle und Vorderhals find oran— genfarben; an der Bruſt iſt ein carmoiſinrothes Band; der Ober⸗ bauch iſt ſchoͤn roth; Unterbauch und Seiten ſchwaͤrzlich; Schwung— federn und Schwanz ſchwaͤrzlich; die obern Deckfedern des Schwan⸗ zes ſind ſchwefelgelb, die untern carmoiſinroth; Fuͤße und Klauen ſind bleifarben. 53. Der Braſiliſche Pfeffervogel“). 5 Beſchreibung. Er iſt 21 Zoll lang, wovon der Schnabel 6 Zoll mißt und an der Wurzel 3 Zoll dick iſt; die obere Kinnlade iſt gelblichgruͤn, mit orangenfarbenen, ſaͤgenfoͤrmigen Raͤndern, die untere ſchoͤn blau, die Spitzen an beiden ſcharlachroth; der Augenſtern nuß— braun; der kahle Augenkreiß gruͤnlichgelb; Oberkopf, Hals, Ruͤcken, Bauch, Fluͤgel und Schwanz ſchwarz; Seiten, Kehle und Bruſt weißgelblich; zwiſchen Bruſt und Bauch ein ſchoͤner halber Mond; die obern Deckfedern des Schwanzes weiß, die untern hellroth; die Fuͤße hellblau. i Er wohnt in Cayenne und Braſilien. 54. Der Prediger⸗Pfeffervogel“). Beſchreibung. Er iſt 1 Fuß 8 Zoll lang. Der Schnabel iſt 6 Zoll lang und an der Wurzel faſt 2 Zoll dick, von Farbe gelblichgruͤn, an N der Spitze roͤthlich; Kopf, Kehle, Hals, Oberruͤcken und Schul⸗ tern find glänzend ſchwarz mit grünem Anſtrich; Unterrüden, Steiß, obere und untere Deckfedern der Fluͤgel eben ſo mit einem aſchfarbenen Anſtrich; die Bruſt ſchoͤn orangenfarben; Bauch, Sei⸗ ten, Schenkel und untere Deckfedern des Schwanzes ſchoͤn roth; ) Rhamphastos piscivorus, Gmelin Lin. Syst. I. 1. p. 355. n. 4. Le Toucan à gorge blanche du Bresil. Buffon Planch. enl. No. 262. Bra- silian Tucan. Latham Syn. I. 1. p. 329. n. 4. **) Rhamphastos picatus. Gmelin Lin. Syst. I. I. p. 356. n. 6. Le Tucan à ventre rouge. Buffon des Ois. 7. p. 122. Preacher - Toucan. Latham Syn. I. 1. p. 329. n. 6. f Spechtartige Vögel, — Der Gruͤnſpecht. 117 die Schwungfedern wie der Rücken aber matter; der gleiche Schwanz gruͤnlichſchwarz mit rothen Spitzen, von unten ſchwarz; Fuͤße und Klauen ſchwarz. f Merkwuͤrdigkeiten. | Er ift in Guinea und Brafilien zu Haufe, und hat den Namen Prediger von dem Geſchrei, was er beſtaͤndig macht. Er iſt ſehr leicht zu zaͤhmen und frißt alles, was man ihm vorwirft. IV. Spechtartige Vögel.“) An dieſen Voͤgeln iſt der Schnabel meiſt gerade, ſelten etwas gekruͤmmt, meiſt eckig, nicht dick, und mittelmäßig lang; die Fuͤße ſind kurz und meiſt zum Klettern eingerichtet. a. Inlaͤndiſche. ) Jung zaͤhmbare. 55. Der Grünſpecht“). (Zimmermann, Grasſpecht). Beſchreibung. Er hat die Groͤße einer kleinen Haustaube, iſt 12½ Zoll lang, wovon der Schwanz 4½ Zoll mißt, und die Fluͤgel rei⸗ chen zuſammengelegt bis auf die Mitte deſſelben; der Schnabel iſt 1¼ Zoll lang, dreikantig, ſcharf zugeſpitzt und dunkelbleifar⸗ ben; der Augenſtern hellbleifarben mit einer hellbraunen Einfaſ⸗ ſung um die Pupille. Die Zunge iſt, wie bei allen Spechten, 5 Zoll lang, mit einer harten hornartigen Spitze zum Anſtechen der Inſekten verſehen; die Fuͤße ſind graulichbleifarben und Klet⸗ terfuͤße. Der Oberkopf iſt bis zum Nacken glaͤnzend karmoiſin⸗ roth; ein ſchwarzer Strich laͤuft an den Seiten des Halſes herab, der bei Alten roth uͤberflogen iſt; der Leib iſt oben glaͤnzend oli⸗ vengruͤn, unten ſchmutzig gruͤnlichweiß, am Bauche mit undeut⸗ lichen Querſtreifen, die an den Seiten deutlicher werden. ) Pici. 17 i **) picus viridis. Gmelin Lin. Syst. I. 1. p. 433. n. 12. Pic. verd' Buffon des Ois. 7. p. 7. t. 1. Green Wood- becker. Latham Syn. J. 2. p. 577. u. 25. Friſch Vögel Taf. 35. 18 Der Gruͤnſpecht. Das Weibchen hat weniger Roth an dem Kopfe oder iſt gar grau auf demſelben, wenn es nicht über ein Jahr alt ift*) Aufenthalt. a. Im Freien. Des Sommers lebt er in Waldungen und in Gaͤrten, die an dieſelben graͤnzen, im Winter aber zieht er ſich, wenn der Schnee und Duft ſtark wird, auf dem Lande nach den Haͤuſern, und fliegt dann von einem Garten zum an— dern. Des Nachts verbirgt er ſich in hohle Baͤume. Wenn die Baͤume faul oder anbruͤchig ſind, ſo hackt er mit ſeinem ſtarken Schnabel große und tiefe runde Loͤcher in dieſelben, um zu den in denſelben wohnenden Inſekten zu gelangen. Er geht aber kei— nen geſunden Baum an, und wird daher mit Unrecht von dem Jager als ein ſchaͤdlicher Vogel getoͤdtet. Oft klopft er nur an den Baum, um die Inſekten, welche ihn, wie die Regenwuͤrmer den Maulwurf, fuͤrchten, herauszulocken, und dies thut er ſo geſchwind, daß es wie ein Schnurren anzuhoͤren iſt. b. In der Stube. Man muß ihn an ein Kettchen anle— gen, fo wild und ſtuͤrmiſch iſt er. dag Nahrung. a. Im Freien. Maden und Inſekten, die unter der Rinde und im Holze der Baͤume wohnen, Ameiſen, Wespenlarven, im Winter auch Bienen. > b. In der Stube. Nüffe, Ameiſeneier und Fleiſch. Fortpflanzung. Das Weibchen legt in einen hohlen Baum drei bis vier weiße Eier. Man muß die Jungen aus dem Neſte nehmen, wenn ſie halb fluͤgge ſind, und ſie aufziehen. Alte laſſen ſich nicht zaͤhmen; fie lernen nach meiner Erfahrung nie freſſen. Empfehlende Eigenſchaften. Wer einen ſeltenen, ungewoͤhnlichen Stubenvogel haben will, ) Es giebt noch einen grünen Specht in Deutſchland, der dieſem fehr ähnlich ſieht, und Grauköpfiger Specht (Graukopf, Grauſpecht, Nor⸗ wegiſcher Specht: Picus canus. Gmelin Lin. I. c. p. 434. n. 45.) genannt wird. Er ſcheint beim erſten Anblick eine kleine Varietät deſſelben, allein er iſt wirklich als Art verſchieden. Er iſt kleiner, ſchlanker, der Schnabel ſchwach kleiner und ſpitziger; die Farbe blaugrün; der Oberkopf grau, am Männchen die Stirn roth. Man trifft ihn einzeln in Laubwaldungen, die hohle Bäume haben, an. ſ. Mein ornithologiſches Taſchenbuch. S. 61. Nr. 3. mit einer Abbildung. Der Buntſpecht. 119 den er wegen ſeiner Wildheit, Unartigkeit und ſeines ſtuͤrmiſchen Weſens an ein Kettchen legen muß, dem iſt dieſer Gruͤnſpecht, ſo wie alle Spechte zu empfehlen. Ich habe noch keinen geſehen, und wenn man ſich auch noch ſo viel mit ihm abgegeben haͤtte, der artig geworden waͤre; immer bleiben ſie wild. Indeſſen nimmt es ſich nicht uͤbel aus, unter feinen Stubenvögeln ein Paar zu haben, die an die Kette gelegt werden muͤſſen. Artig ſieht es aus, wenn der Specht Nuͤſſe aufhackt. 56. Der Buntfpecht‘). (Großer Buntſpecht, geſprenkelter Specht, Elſterſpecht). | Beſchreibung. | Er iſt etwas größer als eine Singdroſſel, 9 Zoll lang, wo⸗ von der Schwanz 3½ Zoll einnimmt; die zuſammengelegten Fluͤ⸗ gel reichen ein wenig uͤber die Mitte deſſelben. Der Schnabel iſt faſt ein Zoll lang, oben fuͤnfeckig, und ſchwaͤrzlich hornfarben, unten blaͤulich hornfarben; die Süße find 13 Linien hoch und blaͤulich olivengruͤn; der Augenſtern blaͤulich mit einem weißen Ring. Die Stirn iſt gelblichbraun; der Scheitel ſchwarz, hinten mit einer karmoiſinrothen Binde eingefaßt; der Ruͤcken ſchwarz; die Schultern weiß; Fluͤgel und Schwanz ſchwarz und weiß ge fireift, gelb uͤberlaufen; der Unterleib roͤthlichſchmutzig weiß; der After karmoiſinroth. . Dem Weibchen fehlt die rothe Nackenbinde. Merkwuͤrdigkeiten. Der große Buntſpecht wohnt in Laubhoͤlzern und Gaͤrten. Inſekten, Haſelnuͤſſe, Bucheckern, Eicheln, Samen aus Tan⸗ nen: und Fichtenzapfen machen ſeine Nahrung aus. Er klemmt die Nuͤſſe zum Oeffnen in eine Baumſpalte. Das Weibchen legt in hohle Baͤume 3 bis 6 weiße Eier. Die Jungen ſehen auf dem ganzen Kopfe roth aus, ehe fie ſich mauſern, und müß ſen zum Zaͤhmen halbwuͤchſig aus dem Neſte genommen und mit Ameiſeneiern, Fleiſch und Nuͤſſen aufgefüttert werden. Das Ue⸗ brige wie beim Gruͤnſpecht. ) Picus major. Gmelin Lin. Syst. I. 1. p. 436. n. 17. Epeiche ou pie varié. Buffon des Ois. 7. p. 57. Greater spotted Wood pecker. Lat- ham Syn. I. I. p. 546. n. 12. Friſch Vögel Taf. 36. i 120 Der Weißſpecht. — Der Grasſpecht. 57. Der Weißfpecht‘). (Mittlerer Buntfpecht.) ( Taf. II. Fig. 2. Männchen, Fig. 3. Weibchen.) Beſchreibung. Er iſt etwas kleiner als der große Buntſpecht, ſonſt ihm faſt in Allem gleich. Der Schnabel iſt kleiner, weit duͤnner und laͤuft ſehr ſpitzig zu; der Scheitel karmoiſinroth und der After ro⸗ ſenroth. Merkwuͤrdigkeiten. Er iſt ſeltener als der große Buntſpecht. Die Jungen ſind nicht ſo unbaͤndig, wenn man ſie aufzieht, obgleich ſie auch nicht gefällig zahm werden; man kann ſie aber, wie auch den folgenden, in einen Kaͤfig an ein Kettchen gebunden ſtecken. 58. Der Grasſpecht“). (Kleiner Buntſpecht). (Taf. II. Fig. 4. Maͤnnchen, Fig. 5. Weibchen.) Er hat die Größe einer Lerche, iſt 5 ½ Zoll lang, wovon der Schwanz 2 Zoll haͤlt, und die Fluͤgel reichen bis auf die Mitte deſſelben; der Schnabel iſt 7 Linien lang, und gruͤnlich— ſchwarz; die Fuͤße wie der Schnabel lang und gefaͤrbt. Der Steiß iſt weiß; der Scheitel karmoiſinroth; der Hinterkopf ſchwarz; der Ruͤcken weiß mit ſchwaͤrzlichen Querſtreifen; der Unterleib roth, graͤulich, weiß, an den Seiten mit einzelnen ſchwarzen Streifen bezeichnet. b Dem Weibchen fehlt der rothe Scheitel. Merkwürdigkeiten. Er iſt felten und wohnt in Laubwaͤldern. Seine Nah: rung ſind vorzuͤglich Inſekten, die er in der Rinde und dem Mooſe der Baͤume aufſucht. Er huͤpft auch deßhalb oft auf der Erde im Graſe herum und ſucht Inſekten. Man ſteckt ihn jung aufgezogen in einen Käfig. ) Picus medicus. Gmelin Lin, Syst. I. I. p. 436. n. 18. Pic varié 3 tete rouge. Buffon Planch. enl. No. 611. Middle spotted Woodpecker. Latham Syn. I. 2. p. 565. n. 13. 5 ) Picus minor. Gmelin Lin. Syst. I. I. p. 437. n. 19. Petit Epeiche. Der Wendehals. | 21 59, Der Wendehals. (Gemeiner Wendehals, Drehhals, Natterwindel '). + (Taf. II. Fig. 6.) Er hat dle Größe einer Feldlerche, iſt 6 ½ Zoll lang, wovon der Schwanz 3¼ Zoll mißt. Der Schnabel iſt gerade, ſpitz, ß Zoll lang, im Sommer bleifarben, im Herbſt olivengruͤn; der Augenſtern braungelb; die Füße find kurz, ſtark, bleifarben, mit zwei Zehen vor- und zweien ruͤckwaͤrts. Der Kopf iſt aſchfarben, mit feinen ſchwarzen und roſtfarbenen Flecken und einzelnen weißen Punkten; den Scheitel und halben Ruͤcken theilt ein ſchwarzer mit Roſtfarbe uͤberlaufener breiter Streifen der Laͤnge nach; der uͤbrige Oberleib iſt ſchoͤn grau, ſchwarz, weiß und roſtfarbig geſtrichelt und getuͤpfelt; an dem hintern Augenwinkel läuft bis zur Hälfte des Halſes herab ein kaſtanienbrauner Strich; Backen, Kehle, Hals, halbe Bruſt und After ſind rothgelb mit feinen ſchwarzen Wellenlinien; hinter dem Schnabelwinkel laͤuft nach den Seiten des Halſes hin ein aſchgrauer, fein ſchwarz in die Quere geſtreck⸗ ter Streifen; die Unterbruſt und der Bauch gelblichweiß mit ein⸗ zelnen ſchwarzbraunen dreieckigen Punkten oder Querfleckchen; die Deckfedern der Fluͤgel und die hinterſten Schwungfedern ſind braun, grau und ſchwaͤrzlich fein geſtrichelt und mit einzelnen weißen und ſchwarzen Flecken beſtreut; die uͤbrigen Schwungfedern ſind ſchwarz, auf der aͤußern Fahne roſtfarben und ſchwarzge⸗ wellt; der Schwanz hat zehn große und zwei kleine Nebenfedern, iſt blaßgrau, ſchwarz geſprenkelt und mit vier breiten ſchwarzen Querſtrichen beſetzt. Das Weibchen iſt am Unterleib blaͤſſer. Aufenthalt. a. Im Freien. Es iſt ein Zugvogel, der in der erſten Haͤlfte des Septembers wegzieht und gegen Ende des April wie⸗ derkommt. Man trifft ihn in Feldhoͤlzern und in Gärten an. Im Auguſt koͤmmt er in die Krautfelder herab. In Thuͤringen trifft man ihn in manchen Jahren im Herbſt fo haufig an, wie die Haͤnflinge, nur daß er nicht ſo geſellſchaftlich „ſondern einzeln fliegt. Buffon des Ois. 7. p. 62. Lesser spotted Woodpecker. La th a m Syn. 1. 2. p. 666. n. 14. Friſch Vögel Taf. 37. ) Yunx Torquilla. Gmelin Lin. Syst. I. 1. p. 423. n. 1. Torcal. Buffon des Ois. 7. p. 84. t. 3. Wryneck. Latham Syn. J. 2. p. 548. n. 1. t. 24. Friſch Vögel Taf. 38. * 122 Der Wendehals. b. In der Stube. In einem kleinen Bogelbauer halt ex fich deswegen nicht gut, weil er durch das Auflegen der Bruft und des Bauches bei ſeinem Grimmaſſenſchneiden ſich die Federn beſchmutzt. Man muß ihm daher einen großen Kaͤfig oder ein Gitter geben, oder ihn in der Stube herum fliegen laſſen. Nahrung. a. Im Freien. Hier beſteht ſie in Inſekten und Inſekten⸗ larven. Auf den Baͤumen und an der Erde ſteckt er in jeden Ritzen feine lange runde, vorn hartzugeſpitzte Zunge, und unter: ſucht, ob er dergleichen Nahrungsmittel findet. Ameiſeneier ſind ſein Lieblingsfutter. Wenn es ihm im Herbſt auf ſeinem Zuge an Inſekten gebricht, ſo frißt er auch Hollunderbeeren. b. In der Stube. Er iſt etwas zaͤrtlich und verlangt Anfangs Ameiſeneier, die man ihm dann unter das gewoͤhnliche Univerſalfutter miſcht, an welches er ſich auch bald gewoͤhnt. Wenn man ihn viele Jahre erhalten will, ſo muß man ihm Nach: tigallenfutter geben. Artig iſt es auch, wie er in alle Ritzen der Stube ſeine wurmfoͤrmige Zunge ſteckt, um Inſekten zu entdecken, und man kann ihm kein groͤßeres Vergnuͤgen machen, als wenn man ihm Ameiſeneier in Ritzen wirft. Er nimmt alle Nahrungs: mittel, die zuſammenhaͤngen, mit der Zunge auf. Es iſt artig anzuſehen, wenn man ihm die Ameiſeneier in einer Taſſe oder einem andern Gefaͤße vor den Kaͤfig ſetzt; da ſtellt er ſich denn gleich gegenuͤber und holt ſie alle mit der groͤßten Schnelligkeit vermittelſt ſeiner Zunge heraus. Nur weiches Futter, das nicht zuſammenhaͤngt, hebt er mit dem Schnabel auf. Die Ameiſen ſelbſt frißt er auch gern. Fortpflanzung. Man findet das Neſt in hohlen Baͤumen, wo es u Moos, Wolle, Haaren und, Halmen beſteht. Das Weibchen legt 8 bis 9 glaͤnzend weiße Eier. Die Alten bringt man nicht leicht auf; deſto beſſer die Jun⸗ gen, die man mit Ameiſeneiern und dem Univerſalfutter von Sem: melgries aufzieht. 8 Fang. Man kann ſie gewoͤhnlich nicht anders als beim Neſte mit Leimruthen fangen. Doch * ſie ſo wenig ſcheu, daß man | | | | Der Turako. 123 ſie im Fruͤhjahr, wenn ſie die Buͤſche durchkriechen, oft mit den Haͤnden fangen kann Den, welchen ich jetzt in der Stube herumlaufen habe, brachte mir ein Knabe, der ihn auf dieſe Art gefangen hatte. Empfehlende Eigenſchaften. Die Bewegungen, die ihm den Namen Wendehals verſchafft haben, empfehlen ihn auch vorzüglich als Stubenvogel. Er pflegt naͤmlich oft den Hals zu verlängern und den Kopf fo zu drehen, daß der Schnabel gegen die Mitte des Ruͤckens zu ſtehen kommt. Er ſitzt gewoͤhnlich aufgerichtet, macht haͤufig langſame Verbeu⸗ gungen, wobei er den Schwanz wie einen Fächer ausbreitet, und die Kopf⸗ und Kehlfedern ſtraͤbbt. Wenn man ihn boͤſe macht, oder ſich ſeinem Futtergeſchirr naͤhert, ſo ſchiebt er den Koͤrper langſam ‘vorwärts, ſtraͤubt die Kopffedern, verlaͤngert und dreht den Hals um, verdreht die Augen, beugt ſich, breitet den Schwanz aus, kollert hohl in der Kehle, und macht überhaupt gar wun⸗ derbare Geberden. Sein ganzes Betragen iſt melancholiſch. Im Fruͤhjahr ruft er auch oft aus vollem Halſe Gigigigi! welches die Toͤne ſind, wodurch er ſein Weibchen herbeizulocken ſucht. Auch ſeine Farbe empfiehlt ihn. a Der Herr v. Schauroth ſchreibt mir, daß ſeine aufgezoge⸗ nen zwei Wendehaͤlſe außerordentlich zahm geworden waͤren, und ſich an die Kleider gehängt hätten. Sie hätten allezeit gezirpt, wenn ſie ihre Herrn gehoͤrt oder wenn ſie ihn nur von weitem geſehen haͤtten. Er waͤre einmal über einen, der unaufhoͤrlich ge⸗ zirpt hätte, fo ungeduldig geworden, daß er ihn zum Fenſter hin⸗ aus geworfen haͤtte. Wenn er ihn dann des Abends rufte, ſo antwortete er wieder und ließ ſich fangen. Saß er auf einem hohen Baume, ſo durfte er ihm nur ſeine Freßſchachtel zum Fen⸗ ſter hinaus halten, und er kam herzugeflogen. p. Auslaͤndiſche. 60. Der Turako)). Beſchreibung. Man rechnet dieſen Vogel, der die Groͤße einer Elſter hat, gewohnlich unter die Kuckuke, wozu aber vielleicht blos ſein ) Cuculus Persa. Gmelin Lin. Syst. I. 1. p. 419. n. 17. Le Toura- co, Buffon des Ois. 6. p. 300. t. 15. Tourakow. Latham Syn. I. 2. p- 545. n. 46. ; 124 Der Turako. Geſchrei Anlaß gegeben hat. Nach Schnabel und Lebensart ge— hört er nicht dahin, ſondern vielmehr zu dem Muſafreſſer (Mu- sophaga). Der Schnabel iſt kurz und dick, faſt wie ein Tauben⸗ ſchnabel geſtaltet, die obere Kinnlade uͤber die untere gebogen, und roͤthlichbraun; die Naſenloͤcher ſind mit Federn bedeckt; der Augenſtern nußbraun; die Augenlieder mit rothen Fleiſchwaͤrzchen beſetzt; der Rachen weit, bis hinter die Ohren aufgeſchlitzt; die Kletterfuͤße und die Klauen aſchgrau; der Kopf, Kehle, Hals, Oberruͤcken, Bruſt, Oberbauch und Seiten find mit weichen ſei⸗ denartigen Federn von ſchoͤner dunkelgruͤner Farbe bedeckt, die obern Deckfedern der Flügel eben fo; die Scheitelfedern verlaͤn⸗ gern ſich ſtufenfoͤrmig in einen hohen dreieckigen Federbuſch, den der Vogel nach Willkuͤhr aufrichten kann; die Spitze deſſelben iſt roͤthlich; zu beiden Seiten des Kopfs iſt ein ſchwarzer Streifen, der in der Mitte am breiteſten iſt, an den Schnabelwinkeln entſteht und zwiſchen den Augen durch nach dem Hinterkopfe geht; uͤber und unter demſelben iſt eine ſchmale weiße Linie; der Unterruͤcken, Steiß, die obern Deckfedern des Schwanzes, die Schulterfedern und die groͤßern Deckfedern ſind blaͤulich purpurfarben; der Un⸗ terbauch, After, die Schenkel und die untern Deckfedern des Schwanzes ſchwaͤrzlich; die großen Schwungfedern karmoiſinroth, am aͤußern Rande und an der Spitze ſchwarz geraͤndert; der lange Schwanz blaͤulichpurpurfarben. Zuweilen iſt der gruͤne Federbuſch mit Weiß gemiſcht. Merkwuͤrdigkeiten. Es iſt einer der niedlichſten und zahmſten fremden Stuben⸗ voͤgel. Sein Ruf iſt Kuk, Kuk, Kuk, erſt einzeln und dann haſtig und lange hintereinander Kukkukkukkuk u. ſ. w. Er huͤpft und klettert nicht, ſondern laͤuft ſo ſchnell wie ein Rebhuhn durch das Zimmer weg, und thut oft mit an den Koͤrper angedruͤckten Fluͤgeln ſchnellende Spruͤnge von 10 und mehrern Schuhen. Man bemerkt im Rachen keine Zunge, daher er auch alles, was er frißt, ganz verſchluckt. Man fuͤttert ihn mit Wuͤrfelchen von Obſt und Brod. Man bemerkt einen Kropf. Buffon ſagt, einer vom Cap ſollte Reis freſſen, allein er ließ ihn liegen; die Samenkoͤrner der Weintrauben, fo wie Stuͤ⸗ cken von Aepfeln und Pommeranzen aber fraß er begierig. Hier⸗ Der Eisvogel. | e 125 aus erhellet, daß Fruͤchte wohl fein natuͤrliches Futter aus⸗ machen. HALS 2 Man bringt ihn von Guinea; er iſt aber in mehrern Thei⸗ len von Afrika zu Hauſe. | | a. Inlaͤn diſche. d. Jung zaͤhmbare. 61. Der Eis vogel“). Ein ſehr ſchoͤner Vogel, den man aber alt hoͤchſt ſelten an die Stuben⸗Luft und Koſt gewoͤhnen kann. Er iſt 7 Zoll lang, wovon der Schwanz 1¼ Zoll wegnimmt; die wenig rothen Fuͤße ſind 4 Linien hoch und Schreitfuͤße, indem die aͤußere Zehe mit der mittlern bis ans erſte Gelenke verwachſen iſt. Der Schnabel iſt 1½ Zoll lang, ſtark, gerade, an den Seiten etwas gedruͤckt, ſpitzig, hornbraun, inwendig ſaffrangelb; der Augenſtern dunkel⸗ braun. Der Scheitel und die Deckfedern der Flügel find tiefgruͤn, erſtere mit hellem Lazur in die Quere gefleckt und letztere mit eirunden Lazurflecken; von den Nafenlöchern bis hinter die Augen laͤuft ein orangenrother breiter Streifen; hinter den Ohren ſteht ein großer weißer Fleck; vom untern Schnabelwinkel laͤuft bis zum Hals ein breiter Streifen, der mit den Scheitelfarben prangt; Schultern und Ruͤcken ſind glaͤnzend lazurfarbig; die Kehle roͤth⸗ lichweiß; der uͤbrige Unterleib ſchmutzig orangenroth, am Bauche etwas heller; die Schwungfedern ſchwaͤrzlich, an der ſchmalen Fahne blaugruͤn; der Schwanz oben dunkelblau, unten ſchwaͤrzlich. Beim Weibchen ſind die Farben dunkler, und das Lazur⸗ farbene iſt blos Grasgruͤn. ; Kurentyaın | a. Im Freien. Er iſt ein einfamer Vogel, der das ganze Jahr hindurch an Teichen, Fluͤſſen und Baͤchen wohnt. Er ſitzt im Winter an den Eisloͤchern auf einem Zweige, Pfeiler oder Steine und wartet da ſeinen Fraß ab. | ) Alcedo Ispida. Gmelin Lin. Syst. 1. 1. P. 448. n. 3. Martin-pecheur ou Alcyon. Buffon des Ois. 7. p. 64. Common Kingfisher. Latham Syn. I. 2. p. 626. n. 16. Friſch Vögel. Taf. 223. Der Eisvogel. b. In der Stube. Er geht und huͤpft nicht, ſondern ſitzt oder fliegt, daher man ihm entweder in eine Ecke Raſen legt, oder Zweige ſtellt, oder ihn beſſer in einen großen Kaͤfig mit ein⸗ zelnen Springhoͤlzern ſteckt. Er ſitzt immer auf einem Flecke ſtill. Nahrung. a. Im Freien. Kleine Fiſche, Blutigel und vielleicht Waſſerinſekten. b. In der Stube giebt man ihm ebenfalls Fiſche, Blut: igel, Regenwuͤrmer und gewöhüt ihn nach und nach ans Fleiſch. Alt laßt er ſich ſelten aufbringen, doch habe ich auch einen geſe⸗ hen, der ſogar todte Fiſche fraß. Man ſetzt ein Gefaͤß mit Waſſer hin und wirft ihm die Fiſche und das Fleiſch hinein. Eine kleine Schuͤſſel darf man aber nicht nehmen, ſonſt ſtoͤßt er ſie um. Er 8 ſpringt dabei nicht vom Springholze herab, ſondern dehnt ſich, bis er mit dem Schnabel in das Gefaͤß reichen kann. Wenn ſie alt in die Stube gebracht werden, ſo laſſen ſie ſich 2 zu⸗ ſehen, wenn ſie freſſen. Fortpflanzung. Das Neſt ſteht in Waſſerloͤchern, iſt aus klaren Wurzeln gebaut und mit einigen Federn belegt. Die Eier ſind weiß, und meiſt acht an der Zahl. Ehe die Jungen ſehen, ſind ſie mit langen Federkielen, die nicht aufgeſprungen ſind, beſetzt und ſehen wie ein Igel aus. Wenn die Federn aufſpringen, muß man ſie aus dem Neſte nehmen, und mit Fleiſch, Regenwuͤrmern, Amei⸗ ſeneiern und Mehlwuͤrmern auffüttern, dann auch ans Fleiſch ge⸗ woͤhnen. Wenn man ihnen ihr Futter ins friſche Waſſer wirft, ſo dauern ſie laͤnger aus, als wenn man ſie gewoͤhnt, daſſelbe von der Erde aufzuheben. ö Bang. Wenn man den Ort bemerkt, wo ſie ſich, beſonders da, wo das Waſſer einen Wirbel macht, oft hinſetzen, und dahin Spren⸗ kel auf einen Pfahl haͤngt, ſo kann man ſie leicht fangen, auch da mit Leimruthen, wo der Strauch oder Pfahl nicht unmittel⸗ bar uͤber dem Waſſer ſteht, daß ſie mit demſelben hineinfallen. Es gelingt aber ſelten, die Alten noch zu zaͤhmen. Empfehlende Eigenſchaften. Schon ihre Schoͤnheit eignet ſie zu Stubenvoͤgeln, dann auch en c 1 * 5 2 — Der gemeine Kleiber. 127 ihre Seltenheit. Freilich ſind ſie ungeſchickte Thiere und in allen ihren Handlungen ungeſtuͤm. Es gehort uͤberhaupt viel Geduld und eine große Liebhaberei dazu, dieſen Vogel zum Stubenvogel zu machen. b. Alt zaͤhmbare. 62. Der gemeine Kleiber“). (Blauſpecht, Grauſpecht, gemeine Spechtmeiſe, Holzhacker, Nuß— hacker, Baumhacker, Kleiber, Klaber, Tottler). Beſchreibung. Er iſt faſt ſo groß als eine Feldlerche, 6 ½ Zoll lang, wor von der Schwanz nur 1½ Zoll mißt; der Schnabel iſt 9 Linien lang, ſtark, gerade, an der Spitze etwas zuſammengedruͤckt, die obere Kinnlade ſtahlblaufarben, die untere blaulichweiß; die Au⸗ gen graubraun; die Fuͤße gelblichgrau und mit ſtarken Naͤgeln zum Anſtemmen verſehen; die Stirn iſt blau (am Weibchen nicht); der üuͤbrige Oberleib und die Deckfedern der Fluͤgel ſind blaͤulich⸗ grau; Wangen und Kehle weiß; von der Wurzel des Schnabels lauft ein ſchwarzer Streifen durch die Augen bis an den Ruͤcken; Bruſt und Bauch ſind dunkelorangenfarben; die Seiten-Schenkel⸗ und Afterfedern zimmetbraun, letztere mit gelblichweißen Spitzen; die Schwungfedern ſchwaͤrzlich; von den zwoͤlf Schwanzfedern ha⸗ ben die zwei mittlern die Farbe des Ruͤckens, die Seitenfedern ſind ſchwarz, die zwei aͤußern mit einem weißen Bande gegen die Spitze und, wie die folgenden, mit ſchoͤnen blaulichgrauen Spitzen. Aufenthalt. ea Im Freien trifft man fie das ganze Jahr in den Buch⸗ und Eichenwaͤldern und da am haͤufigſten an, wo dieſe mit Schwarzholz vermiſcht find. Im Winter kommen ſie oft in die Doͤrfer und fliegen in die Scheuern und Staͤlle. Wenn man ſie in der Stube halten will, ſo muß man ihnen einen ganz draͤ⸗ thernen Vogelbauer geben; denn was hoͤlzern iſt, zerhacken fie. ) Sitta europea. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 440. n. 1. Sittelle ou Torchepot. Buffon des Ois. 5. p. 460. t. 20. Kuropean Nuthatch. La- tham Syn. I. 2. P. 648. n. 1. Friſch Vögel. Taf. 39. — Sperlingsartige Vögel. Nahrung. Im Freien beſteht ihre Nahrung in allerhand Inſekten, die ſie zwiſchen den Ritzen der Baͤume hervorſuchen, da ſie auf den Staͤmmen ſo gut unterwaͤrts als aufwaͤrts klettern koͤnnen. Nuͤſſe und Bucheckern zwaͤngen ſie in eine Baumritze und freſſen ſie ſo. Im Zimmer kann man ſie leicht mit Hanf und dem ge⸗ woͤhnlichen Gerſtenſchrot erhalten. Auch freſſen ſie Brod und Ha⸗ fer. Von Hafer ſtopfen ſie alle Dielenfugen voll, und zwar den ſtumpfen Theil des Korns unten und den ſpitzigen oben hinein, damit er ſich deſto beſſer ſpalten laſſe. Wenn man ſie in der Stube frei herumlaufen laͤßt, ſo verſtecken ſie das Meiſte, was man ihnen hinwirft, und bewahren es, wie viele Meiſenarten, bis zu einer folgenden Mahlzeit. Sie hacken aber Loͤcher ins Holzwerk, weshalb man ſie eben nicht gern in der Stube hat. | Fortpflanzung Sie brüten in alten hohlen Bäumen. Das Weibchen legt ſechs bis 7 weiße, ſchoͤn rothgefleckte Eier. Fang. Sie gehen in 10 die Meiſenkaſten nach dem Hafer und den Hanfkoͤrnern; auch auf die Vogelherde. Sie locken Gruͤ, deck deck! Empfehlende Eigenſchaften. Nichts als ihre Munterkeit, ihr außerordentlich gewandtes Weſen, das Verſtecken ihres Futters und ihre ſchoͤne 5 macht ſie in der Stube angenehm. V. Sperlingsartige Vögel“). Der Schnabel iſt kegelfoͤrmig zugeſpitzt, meiſt ſtark, beide Kinnladen beweglich, um die Samenkoͤrner ſchaͤlen zu koͤnnen. Sie haben, fo wie die Sing voͤgel, zarte geſpaltene Füße. Einige freſſen nebſt Getreide und Saͤmereien auch Inſekten. Diejenigen, welche blos Samen freſſen, fuͤttern ihre Jungen durch den ai diejenigen aber, welche auch Inſekten freſſen, fuͤttern die Jungen damit aus dem Schnabel. Sie bauen meiſt kuͤnſtliche Neſter, ) Passeres. Der Fichten-Kreuzſchnabel. | 129 und die Weibchen brüten allein oder werden doch nur kurze Zeit von den Männchen abgeloſt. | In diefer und der folgenden Ordnung ſind eigentlich die wah⸗ ren Stubenvoͤgel enthalten, die uns durch ihren Geſang er⸗ freuen. a | Samenfreſſende Voͤgel find alt und jung zaͤhmbar. a. Inlaͤndiſche Kernbeißerarten. 63. Der Fichten⸗Kreuzſchnabel. (Krinitz, Kreuzvogel, Tannenpapagei, Krummſchnabel“). Beſchreibung. Dieß iſt ein merkwuͤrdiger Stubenvogel. Er hat ohngefaͤhr die Groͤße des Gimpels, iſt ſechs Zoll acht Linien lang, wovon der Schwanz 2¼ Zoll mißt. Der Schnabel iſt faſt 1 Zoll lang und hat das Eigene, daß ſich der ſpitz zulaufende Oberkiefer herab⸗ warts, und der gleiche Unterkiefer hinaufwärts kruͤmmt, fo daß ſie neben einander vorbeiſchlagen und ſich kreuzen, woher eben der Hauptname des Vogels. Bald ſchlaͤgt der Oberkiefer zur rechten, bald zur linken Seite vorbei, je nachdem er in der Ju⸗ gend noch weich und nachgiebig auf dieſe oder jene Seite gewoͤhnt wurde. Die Farbe des Schnabels iſt hornbraun, unten heller; der Augenſtern nußbraun; die Fuͤße hornbraun; die Schienbeine 8 Linien hoch. 5 f Fe Die verſchiedene Farbenwechſelung, von welcher man faͤlſch⸗ lich vorgiebt, daß ſie bei einem Vogel wenigſtens des Jahrs drei⸗ mal geſchehe, iſt kuͤrzlich folgende. N Das junge Maͤnnchen, welches graubraun und an einigen Theilen gelblich iſt, wird, wenn es zum erſtenmal ſeine Federn verliert, uͤber den ganzen Leib, die ſchwaͤrzlichen Schwung⸗ und Schwanzfedern ausgenommen, hellroth, oben dunkler, unten bel: ler. Dieß geſchieht gewoͤhnlich im April und Mai, und erſt beim zweiten Mauſern verwandelt ſich dieſe Farbe in das bleibende Gruͤngelb. Die rothen Kreuzſchnaͤbel ſind daher immer die jaͤh⸗ rigen Maͤnnchen, und die gruͤngelben die alten ) Loxia Curvirostra. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 843. n. 1. Bec eroisè. Buffon des Ois. 3. p. 449. t. 27. Common Cessbill. Latham Syn. II. I. P. 106. n. 1. Meine N. G. Deutſchlands III. Taf. 32. Fig. I. Naturgeſch. d. Stubenvögel. 9 130 Der Fichten-Kreuzſchnabel. Die Weibchen ſind immer entweder durchgehends grau mit etwas Gruͤn an Kopf, Bruſt und Steiß vermiſcht, oder mit die⸗ ſen Farben unrein geſchaͤckt. Ein altes Maͤnnchen ſieht nun, ohne ſich zu veraͤndern, wie man dieſe Beobachtung auf dem Thuͤringer Wald immer machen kann, folgender Geſtalt aus. (Es iſt aber noͤthig, daß man die Voͤgel beim Neſte faͤngt, und nicht auf dem Strich, wo es freilich wahr iſt, daß faſt keiner die Farbe des andern hat, was aber daher kommt, daß ſie zu verſchiedenen Zeiten gemau⸗ ſert finds; welches auf die Farbe der Voͤgel, wie bekannt, einen gar großen Einfluß hat). Die Stirn, Backen und Augenbraunen ſind gruͤn, gruͤngelb und weißgefleckt; der Ruͤcken zeifiggrün; der Steiß goldgelb; der Unterleib gruͤngelb; der After weiß und grau gefleckt; die Schen— kelfedern find grau. Allenthalben aber, wo die grünen und gel ben Farben ſtehen, ſchimmert die dunkelgraue Grundfarbe der Fe— dern hervor, und macht die Theile fleckig, beſonders aber den Ruͤcken. Denn eigentlich ſind die Federn alle grau, und nur die Spitzen ſind gelb oder gruͤn. Die Fluͤgel ſind ſchwaͤrzlich, die kleinen Deckfedern zeiſiggruͤn uͤberlaufen, die zwei großen Reihen an den Spitzen weißgelb geſaͤumt, eben ſo die letzten Schwung⸗ federn; alle Schwungfedern aber ſind ſehr fein gruͤngeraͤndert; eben fo die ſchwaͤrzlichen Schwanzfedern. Wenn man daher von grauen oder geſchaͤckten Kreuzſchnaͤbeln ſpricht, ſo ſind es Junge; von rothen, fo find es eigentlich ein- jährige, die ſich eben gemauſert haben; von carminrothen, fo ſind es ſolche, die ſich bald zum zweitenmal mauſern wollen; von roth und gelbgefleckten, ſo ſind es zweijaͤhrige, die ſo eben in der Mauſer ſtehen. Alle dieſe Abaͤnderungen trifft man alsdann an, wenn man ſie nicht zur Heckzeit zu bekommen ſucht, denn da ſie nicht zu einerlei Jahreszeit niſten, ſo mauſern ſie ſich auch zu ver⸗ ſchiedenen Zeiten und erſcheinen daher in ſo Lenſchiedenes Klei⸗ dung, N Aus dem Allen ſieht man, daß die Kretzſchräbel faſt einer⸗ lei Farbenwechſel mit dem Haͤnfling haben, und daß es nur das rothe Kleid iſt, das ſie ein Jahr lang Magen was ſie ſo fen vor andern Vögeln auszeichnet. Merkwuͤrdig iſt noch, daß die Jungen, deren in Thuͤringen * Der Fichten-Kreuzſchnabel. 131 viel in der Stube aufgezogen werden, nie in der Gefangenſchaft die rothe Farbe bekommen, ſondern im zweiten Jahre entweder grau bleiben, oder ſogleich die grüngelbe Farbe des zweimal ge: mauſerten Maͤnnchens erhalten. Ei Aufenthalt. a. Im Freien. Der Kreuzſchnabel bewohnt Europa, das noͤrdliche Aſien und Amerika. Er halt ſich in Fichten | und Tannenwaͤldern auf; doch trifft man ihn nur da an, wo es 9 gerade Fichten⸗ oder Tannenſamen giebt. b. In der Stube. Man ſteckt ihn in einen draͤthernen | Glockenbauer, der die Geſtalt und Größe wie für einen Kana⸗ | rienvogel hat. Man kann ihn auch frei herumlaufen laſſen, wenn i er ſich, um auszuruhen oder zu ſchlafen, auf ein Taͤnnchen ſetzen | kann; in ein hoͤlzernes Gitter oder einen Käfig darf man ihn aber b deßwegen nicht thun, weil er alles Holzwerk benagt. i Nahrung. e a. Im Freien. Sie beſteht vorzuͤglich in Fichtenſamen, den er theils unter den Fichtenzapfenſchuppen mit ſeinem dazu gekruͤmmten Schnabel hervorholt, theils von der Erde auflieſt. Er frißt auch Tannen⸗ und Erlenſamen, und die Knoſpen und Bluͤthen des Schwarzholzes. 2 b. In der Stube giebt man ihm, wenn er im Käfig | | ſteckt, Hanf, Fichtenſamen, Ruͤbſamen auch Wachholderbeeren; 4 frei herumlaufend aber nimmt er mit dem zweiten Univerſalfutter 1 vorlieb. Fortpflanzung. In ſeiner Lebensart iſt ſeine Niſtzeit das allermerkwuͤrdigſte; 9 denn er bringt vom December bis zum April Junge. Er baut ji in die obern Zweige der Nadelbaͤume, und macht ſein Neſt aus duͤnnen Fichten⸗ und Tannenreischen, worauf eine dichte Lage Erdmoos folgt, die mit ſehr feinem Corallenmoos inwendig er⸗ 0 weicht wird. Es iſt nicht mit Harz an- und ausgepicht, wie man ſonſt vorgegeben hat. Die drei bis fuͤnf Eier ſind graulich⸗ weiß und am ſtumpfen Ende mit einem Kranz von rothbraunen Fleckchen, Strichelchen und Puͤnktchen beſetzt. Die erwaͤrmende Kraft ihrer Nahrungsmittel ſchuͤtzt zu dieſer Jahreszeit Junge und Alte vor der Kälte. Die Jungen werden aus dem Kropfe g* 132 5 Der Fichten-Kreuzſchnabel. gefuͤttert, wie alle Kernbeißerarten (Loxia). Man zieht fie mit Semmeln in Milch geweicht und mit Mohn vermiſcht auf. N Krankheiten. Es wirken im Zimmer alle boͤſe Ausduͤnſtungen auf dieſe Voͤgel, und ſie werden daher immer in Geſellſchaft der Menſchen krank, bekommen boͤſe Augen und geſchwollene und beu— liche Füße. Der in Gebirgen wohnende Landmann glaubt da⸗ her, wiewohl ohne Grund, daß ſie Krankheiten und Schmerzen an ſich zoͤgen und wegnaͤhmen, und haͤlt ſie daher gern in der Stube. Ja der groͤbere Aberglaube fer noch hinzu, daß derjenige, deſſen oberer Kiefer zur rechten Seite neben dem untern vorbei ſchlage, ein rechter Kreuzſchnabel genannt, die Fluͤſſe und Krankheiten des maͤnnlichen Geſchlechts, und derjenige, deſſen Oberkiefer zur linken Seite vorbei gehe, ein linker Kreuzſchna⸗ bel, die Uebel des kranken weiblichen Geſchlechts an ſich zoͤge. In andern Gegenden haͤlt man uͤberhaupt diejenigen, deren Ober⸗ kiefer links hingebogen iſt, zu dieſer Abſicht am tauglichſten. Ge⸗ gen die fallende Sucht trinken einfaͤltige Leute täglich das aug, was der Vogel in ſeinem Trinkgeſchirr uͤbrig laͤßt. Ferner ſind dieſe Voͤgel auch den Schlagfluͤſſen und der fallenden Sucht Arge Fang. Sie ſind im Herbſt und Fruͤhjahr ſehr leicht zu ngen wenn man einen oder etliche Lockvoͤgel hat. Gewoͤhnlich geſchieht es mit einer ſogenannten Klettenſtange, welches weiter nichts als eine hohe Stange iſt, an welche große Leimruthen angebracht ſind. Dieſe ſteckt man im Walde auf einen leeren Platz, wo gewoͤhn⸗ lich viel dergleichen Voͤgel vorbei ziehen, und ſetzt ſeinen Lockvo⸗ gel dabei. Dieſer lockt durch ſein haͤufiges Gip, gip, gip, gip! gewiß die voruͤberfliegenden an ſich. In einigen Gegenden des Thuͤringerwaldes beſtellt man die Gipfel der Fichten (denn ſie ſetzen ſich gern in die Gipfel) mit Sprenkeln, wie ſie in der Schneuß gebraucht werden, und haͤngt einen guten Lockvogel in die oberſten Zweige derſelben. Sobald ſich der erſte aufſetzt, ſo kommen die andern alle nach, fangen ſich und fallen herab; man faͤngt dann gewoͤhnlich ſo viel Kreuzſchnaͤbel, als Sprenkel auf dem Baume ſind, wenn man Der Kiefern-Kreuzſchnabel. e 133 | fie fo zu ſtellen weiß, daß nur die Tritthoͤlzchen vorſtehen, auf welche ſie ſich alſo ſetzen muͤſſen. 0 Empfehlende Eigenſchaften. 8 Der Kreuzſchnabel iſt ein einfältiger Vogel, macht aber im N Kaͤfig grade die Bewegungen mit dem Schnabel und Fuͤßen, wie | der Papagei, und, hilft ſich alſo auch mit jenem fort. Wenn er ſich recht wohl befindet, ſo bewegt er den Leib, wie ein Zeiſig, hin I) und her, und ſingt dazu einige knirrende und kreiſchende Strophen, : die aber wenig Melodie haben. Doch uͤbertrifft auch hierin ein Männchen das andere; denn diejenigen ſchaͤtzt der Liebhaber vor⸗ zuͤglich, welche einen wie Reiz oder Kreuz klingenden Ton, das N Krähen des Kreuzſchnabels genannt, oft wiederholen. — Er wird ſo zahm, daß er ſich auf den Fingern in die freie Luft tragen läßt, 8 auch zum Aus: und Einfliegen gewoͤhnt werden kann. | 61. Der Kiefern⸗Kreuzſchnabel “). (Großer Kreuzſchnabel, Tannenpapagei). il j | Beſchreibung. 2 J Dieſer Kreuzſchnabel wird gewoͤhnlich mit dem vorhergehen⸗ den verwechſelt oder fuͤr einen und denſelben Vogel gehalten, was E auch von mir ſelbſt geſchehen iſt, ehe ich beide zuſammen in der | Stube hielt, und genauer mit einander zu vergleichen, Gelegen⸗ heit hatte. Er hat die Groͤße des gemeinen Kernbeißers oder des Seidenſchwanzes, iſt 8¼ Zoll lang, wovon der Schwanz 2°) Zoll wegnimmt, und die Fluͤgelklafter 13 ½ Zoll Der Schnabel RR ift 1 Zoll lang, hornfchwarz, ſehr dick, alfo weit dicker als an | 1 dem vorhergehenden, an der Spitze kreuzweiß vor einander hin⸗ 1 gebogen, doch ſo, daß die untere Kinnlade nicht uͤber den 0 NRMRuͤcken der obern hinreicht; auch iſt die Spitze weit kuͤrzer, 3 TB und nicht fo lang und ſchlank als am Fichtenkreuzſchnabel; die ö | Füße find / Zoll hoch und die Mittelzehe 1¼ Zoll lang. So N wie der Schnabel an dieſem Vogel ſtaͤrker iſt, als am vorherge⸗ „ henden, ſo iſt es auch Kopf und Leib. Die meiſten Männchen, 1 welche ich geſehen habe, waren bald hoch, bald tief mennigroth, "u *) Loxia pytiopsittacus, mihi. Loxia curvirostra major. Gmelin Lin. Syst. I. 2. P. 843. n. I. 3. Meine Naturgeſchichte Deutſchlands. II. Taf. 32. Fig. 2 und 3 Männchen und Weibchen. N 134 Der Kiefern-Kreuzſchnabel. mit Graubraun gemifcht, weil dies der Grund der Federn iſt; nur Hals, Bruſt und Steiß find reinroth; Schwung- und Schwanz⸗ federn ſind dunkelgrau, an den Schaͤften ſchwarz. Es ſcheint aber, als wenn dieſe Voͤgel, wie die vorhergehenden, im Alter in der Farbe variirten. Denn ich habe einen olivengruͤnen Kie⸗ fernkreuzſchnabel in der Stube gehabt, welcher ſehr gut ſang, und alſo wahrſcheinlich ein altes Maͤnnchen war. Das Weibchen iſt dunkelgrau, auf dem Ruͤcken olivengruͤn uͤberlaufen; am Steiß zeiſiggruͤn; auch Bauch und After weißlich. Merkwürdigkeiten. Wo in Deutſchland an einander haͤngende Kiefernwal: dungen ſind, da trifft man dieſen Kreuzſchnabel an. Wer ſie im Sommer nicht bemerkt, der kann ſie im Winter gewiß finden, wenn er nur unter den Kiefern abgebiſſene Zapfen, deren Schup⸗ pen aufgeſperrt und ausgefreſſen ſind, gewahr wird. Man hoͤrt ſie nicht leicht, denn ſie ſitzen ſehr ſtill und freſſen faſt den ganzen Tag. Nur wenn ſie von einem Baume zum andern ziehen, ſo locken ſie faſt wie die Fichten⸗Kreuzſchnaͤbel, aber groͤber und ſtaͤrker: Goͤp, goͤp, goͤp! Man ſieht ihrer immer 12 bis 24 Stuͤck mit einan⸗ der herumſtreichen. Sie ſind gar nicht ſcheu, denn wenn man unter eine Geſellſchaft ſchießt, fo fliegen die übrigen ſelten weg, ſondern laſſen mehrmals unter ſich feuern. Sie ſitzen am liebſten auf den hoͤchſten Baͤumen. Man faͤngt ſie gerade wie die Fich⸗ ten⸗Kreuzſchnaͤbel. In der Freiheit freſſen ſie, ſo viel ich weiß, blos den Samen der Kiefernzapfen. In der Stube wirft man ihnen Kiefernzapfen hin, oder fuͤttert ſie mit Hanf, Ruͤbſamen, dem zweitem Univerſalfutter, und ſie freſſen faſt alles, was auf den Tiſch kommt. Man darf ſie aber nicht frei in der Stube herumlaufen oder fliegen laſſen, denn ſonſt zernagen ſie Buͤcher, Schuhe u. ſ. w. Es haben mir einmal zwei dieſer Voͤgel in einem Tag ein Paar neue Schuhe zernagt. Die Maͤnnchen ſingen ſehr fleißig, dem Fichten⸗Kreuzſchna⸗ bel ähnlich, aber tiefer und abgebrochener. Die Strophe Graih, goͤp Garreih! nimmt ſich vorzuͤglich gut aus. Nicht nur unter ſich ſind ſie ſehr vertraut, ſondern auch mit dem vorhergehenden Vogel; denn ſie ſchnaͤbeln oder fuͤttern ſich beftändig, und wo einer hinlaͤuft, da geht der andere nach. u ihr häufiges Lok⸗ Der Haken⸗Kreuzſchnabel oder Fichtenkernbeißer. 135 ken werden ſie zuweilen etwas laͤſtig. Sie ſind auch ſo zahm, | daß fie ſich mit der Hand greifen laſſen. Ich habe noch Fein Neſt gefunden; doch ſagt man, daß ſie auf die Gipfel der hoͤchſten Kiefern und zwar nicht im Winter, wie die vorhergehenden Kreuzſchnaͤbel, ſondern im Mai niſten, | und vier bis fünf Junge ausbruͤten. | 635. Der Saken:Krenzichnabel oder Fichtenkernbeißer. | | | | | (Kernfreſſer, Fichtenhacker, großer Kreuzſchnabel, Parisvogel, | | Krappenfreſſer“). | (Taf. II. Fig. 7. Maͤnnchen, 8. Weibchen.) Beſchreibung. Dieſer Vogel iſt mit den Kreuzſchnaͤbeln in Geſtalt und Le⸗ ö bensart verwandt; nur kreuzt ſich der Unterkiefer nicht, und der " Oberkiefer hat alfo blos einen großen Haken, der uͤber den un⸗ f 9 tern herſchlaͤgt. Er iſt der groͤßte Kernbeißer in Deutſchland, ohngefäͤhr von der Groͤße des Seidenſchwanzes, 8 ½ Zoll lang, wovon der Schwanz 3 Zoll einnimmt. Der Schnabel iſt 6 Li⸗ N nien lang, kurz und dick, die obere Kinnlade uͤber die untere ö weit herabgebogen und dunkelbraun; die Fuͤße ſind braunſchwaͤrz⸗ lich, 1 Zoll hoch. Kopf, Hals, Bruſt und Steiß ſind hellcar⸗ minroth mit blauem Schimmer; von den mit dunkelbraunen Fe⸗ dern bedeckten Naſenloͤchern geht eine ſchwarze Linie bis zu den Augen; der Ruͤcken und die kleinen Deckfedern der Fluͤgel ſind 1 ſchwarz mit roͤthlichen Raͤndern, die groͤßern Deckfedern der Fluͤ⸗ 1 | gel eben fo mit weißen Spitzen, und dieß bildet zwei Querſtrei⸗ | 9 fen auf den Fluͤgeln; die Schwungfedern ſchwarz, bei den kuͤrzern | der äußere Saum weiß, und die großen haben graue Ränder; Bauch und After find aſchfarben; der Schwanz etwas gabelſoͤr⸗ | mig und wie die Schwungfedern gezeichnet. Das Weibchen iſt groͤßtentheils graulichgruͤn von Farbe, f | | hier und da mit vöthlicher oder gelblichen Anſtrich, vorzuͤglich aber 1 auf dem Scheitel. 8 a | | | | | } — *)Loxia Enueleator. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 845. n. 8. Dur-bec ou Gros-bec de Canada. Buffon des Ois. 3. p.457. Pine Grosbeak. Latham Syn. II. I. p. III. n. ö. Mein Ornithol. Taſchenbuch S. 107. Nr. 3. mit einer Abbildung. 8 8 136 Der Haken⸗Kreuzſchnabel oder Fichtenkernbeißer. Ob dieſer Vogel im Freien ſeine Farbe, wie der Fichten⸗ Kreuzſchnabel, aͤndere, iſt noch nicht ganz gewiß, da man mehr gelbe als rothe antrifft; daß er es aber in der Stube thue, iſt durch die Erfahrung bewieſen. Sie werden nicht nur nach dem erſten Mauſern, ſondern auch, ehe ſie ſich mauſern, ſtark roth⸗ gelb. Dieſe Veraͤnderung fängt ſich beim Schnabel an, geht den Ruͤcken herab bis zur Bruſt fort, bis alles, was vorher roth war, gelb iſt. Die gelbe Farbe iſt etwas dunkler als Citrongelb; die ER find, wie auch bei den rothen, oben gelb, aber unten und zunaͤchſt am Koͤrper aſchgrau. Merkwuͤrdigkeiten. Dieſer Vogel bewohnt die noͤrdlichen Länder von Europa, Aſien und Amerika, und wird daher nur im noͤrdlichen Deutſch⸗ land, in Mecklenburg, Pommern ꝛc. „und nur ſelten weiter nach Suͤden zu angetroffen. Er lebt in den Schwarzwaͤldern und naͤhrt ſich vorzuͤglich von dem Samen der Nadelhoͤlzer. Im Herbſt und Winter zieht er uͤberall herum, wo er Beeren findet, und gehoͤrt alſo unter die Strichvoͤgel. Das Neſt legt er hoch auf Baͤumen an, und die Jungen ſehen braͤunlich aus, mit einem gelben Anſtrich; auch im erſten Jahre ſind die Maͤnnchen heller roth und werden nur in der Folge erſt carmin= oder carmoiſin⸗ roth. Im Herbſt und Winter faͤngt man dieſe Voͤgel in der Schneuß und auf dem Herd mit Vogel⸗ und Wacholderbeeren; auch ſind ſie ſo einfaͤltig, daß man im Norden einen zugerunde⸗ ten Meſſingdrath nimmt, dieſen auf eine große Stange ſteckt, darin einige Haarſchlingen, wie Dohnen aufſtellt, und ſie dieſen Voͤgeln uͤber den Kopf zuſammenzieht. Sie werden in ihrer Hei⸗ math ihres Geſangs und ihrer großen Zahmheit halber in Kaͤfigen gehalten, und machen den Liebhabern viel Vergnuͤgen, vorzuͤglich dadurch, daß ſie ihren angenehmen Geſang des Nachts hoͤren laſſen. Sie ſingen dann auch das ganze Jahr hindurch, waͤhrend im Freien ihr Geſang nur vom Srühiahr bis zum Au⸗ guſt ertoͤnt. 7 Der Gimpel oder Dohmpfaffe. 137 | 66. Der Gimpel oder Dohmpfaffe. (Blutfink, Rothfink, rothbruͤſtiger Gimpel, Gieber, Luch, Hahle, . Liebich, Luͤft“) | | Beſchreibung. | Dieſer beliebte Stubenvogel iſt kurz und dick, wie die mei⸗ ſten Voͤgel, die, wie er, unter die Kernbeißergattung gehoͤ⸗ ren. Seine Länge beträgt 6 / Zoll, wovon der Schwanz 2 / Zoll mißt. Der Schnabel iſt / Zoll lang, ſchwarz, kurz und dick; der Augenſtern kaſtanienbraun; die Fuͤße ſind ſchwach und ſchwarz und die Schienbeine 8 Linien hoch. Der Oberkopf, die Einfaſſung um den Schnabel und das Kinn mit dem Anfange der Kehle find glänzend ſammetſchwarz; der Oberhals, Ruͤcken und die Schultern dunkelaſchgrau; der Steiß ſchoͤn weiß; der Vorderhals, die ſtarke Bruſt und der Oberbauch ſchoͤn carmin⸗ roth, in der Jugend blaͤſſer, im Alter roͤther; das Uebrige des Unterleibes weiß; die Schwungfedern ſchwaͤrzlich, deſto dunkler, je näher fie dem Leibe kommen, die hintern am aͤußern Rande ſtahlblau, die letztern auf der aͤußern Fahne roth; die großen Deckfedern der Flügel ſchoͤn ſchillernd ſchwarz, mit roͤthlichgrauen Enden, die mittlern aſchgrau, die kleinſten ſchwaͤrzlich aſchgrau mit roͤthlichen Saͤumen; der Schwanz etwas geſpalten und ſtahl⸗ blau glaͤnzend ſchwarz. Das Weibchen unterſcheidet ſich dadurch gar ſehr vom Männchen, daß alles Roth roͤthlichgrau, der Ruͤcken braͤunlich⸗ aſchgrau und die Fuͤße heller ſind. Es iſt auch kleiner. Außerdem giebt es noch beſondere Varietaͤten, die man vorzuͤglich in der Stube antrifft. a. Der weiße Gimpel. Er iſt etwas aſchgrau weiß oder ganz weiß mit einigen dunklen Flecken auf dem Ruͤcken. b. Der ſchwarze Gimpel. Vorzuͤglich werden die Weib⸗ chen ſchwarz, entweder in der Jugend, wenn man ſie ganz der Sonne entzieht und an einen dunklen Ort hinhaͤngt, oder im Alter, wenn man ſie zu ſtark mit Hanfſamen fuͤttert. Einige bekommen bei dem Mauſern ihre urſpruͤngliche Farbe wieder, an⸗ dere bleiben ſchwarz. Die ſchwarze Farbe ſelbſt aber iſt ſehr ver⸗ *) Loxia Pyrrhula. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 846. n. 4. Bouvreuil. 5 Buffon des Ois. 4. p. 372. t. 17. Bulfinch. Latham Syn. II. 1. p. 143. n. 51. Friſch Vögel. Taf. 2. Fig. Männchen und Weibchen. a * 138 Der Gimpel oder Dohmpfaffe. ſchieden. Einige ſind uͤberall glaͤnzend kohlſchwarz; andere nur rauchſchwarz, am Bauche etwas heller; ferner einige mit glaͤn⸗ zend ſchwarzem Kopfe, uͤbrigens rauchſchwarz; wieder andere ſchwarz und nur an wenigen Theilen des Unterleibes roth ge— miſcht; noch andere ſchwarz mit ganz rothem Bauche, und end— lich habe ich vor etlichen Jahren noch einen geſehen, der von Kopf an bis an die Bruſt, am Ober- und Unterleib ſchwarz, uͤbrigens rauchfarben war, aber dabei weiße Fluͤgel und Schwanz, hatte. Es war ein ſehr ſchoͤnes Voͤgelchen, etwas groͤßer als ein Rothkehlchen — ein Weibchen. c. Der bunte Gimpel. Er iſt in ſeinen Hauptfarben weiß oder auch ſchwarz, weiß und aſchgrau gefleckt. | d. Der Baſtardgimpel. Er entſteht von einem jung auf: gezogenen Gimpelweibchen und einem Kanarienvogelmaͤnnchen, | erhält die vermiſchte Geſtalt und Farbe der Eltern, und ſingt i ungemein anmuthig, obgleich nicht ſo laut wie andere Kana⸗ rienvoͤgel. Er iſt aber eine große Seltenheit; denn es gluͤckt nur ſelten, die Jungen von dieſen Voͤgeln aufzubringen. Man muß daher ein hitziges und gut fuͤtterndes Kanarienvogelmaͤnn- chen zu dieſer Baſtarderzeugung ausſuchen. e. Die andern Varietäten, welche man wohl gar zu verſchie— denen Arten macht, als a) die groͤßte Art, von der Groͤße einer Rothdroſſel, b) die mittlere oder gemeine, von der Größe eines gemeinen Finken, und c) die klein ſte, die noch kleiner als ein Finke ſein ſoll, ſind Grillen der Vogelſteller und nur Verſchiedenheiten, wie man fie bei allen Vögeln antrifft. Ich kann dies um ſo ſicherer behaupten, da ich Gelegenheit habe, jaͤhr⸗ lich etliche hundert nicht nur wilde, ſondern auch zahme und ges lernte beiſammen zu ſehen. Ich habe ſie zuweilen ſo klein wie ein Rothkehlchen, und ſo groß als ein gemeiner Kernbeißer aus Einem Neſte geſehen. 5 Zr se Aufenthalt. a. Im Freien. In Europa trifft man ihn bis Schwe⸗ den hinauf und ganz Rußland an. In Deutſchland iſt er in gebirgigen Waldungen ſehr haͤufig. Maͤnnchen und Weibchen ſind faſt das ganze Jahr hindurch paarweiſe zuſammen. Im Winter ziehen fie bald da=bald dorthin den Beeren nach. | b. In der Stube. Die Wildfaͤnge läßt man auf dem Der Gimpel oder Dohm pfaffe. 139 Boden unter den andern Voͤgeln herumlaufen, wenn man ihnen nicht aus andern Urſachen einen Vogelbauer goͤnnt. Dieſer kann groß oder klein, wie ein Finken⸗ oder Glockenbauer ſein. Sie befinden ſich in allen wohl, da ſie nicht unruhig ſind, und nicht viel Bewegung machen. Den gelernten aber giebt man einen ſchoͤnen großen meſſingenen Glockenbauer, und haͤngt ſie in ein eigenes Zimmer, weil ſie andere Singvoͤgel in Ruͤckſicht ihrer ge⸗ lernten Melodien leicht verderben wuͤrden. f 5 8 Nahrung. a. Im Freien. Ihre Nahrung iſt der Samen der Tan⸗ nen und Fichten, die Samenkerne faſt aller Arten von Beeren, der Eſchen, des Ahorns, Hornbaums, der ſchwalkenbeerblaͤttrigen Spierſtaude, — und die Knoſpen der Rothbuche, Ahornarten, Eichen und Birnbaͤume; auch Lein, Ruͤbſamen, Hirſen, Neſſel⸗ und Grasſamen ꝛc. | b. In der Stube naͤhrt man diejenigen, die frei herum laufen, mit dem gewoͤhnlichen allgemeinen Futter und wirft ihnen zur Abwechſelung zuweilen etwas Ruͤbſamen hinein. Die abge⸗ richteten aber ernaͤhrt man mit Ruͤbſamen und Hanf, und giebt ihnen zuweilen etwas ungewuͤrzten Zwieback. Wenn man ihnen blos Ruͤbſamen (in Waſſer eingequellt) ohne Hanf giebt, ſo leben ſie laͤnger, weil letzterer zu hitzig iſt, ſie zuletzt blind macht oder ihnen die Duͤrrſucht verurſacht. Sie wollen auch zuweilen etwas Gruͤnes, als Brunnenkreſſe, ein Stuͤckchen Apfel, abgewaſchene Vogelbeeren und Salat. Fortpflanzung. Die Gimpel find außerordentlich zaͤrtliche Voͤgel, die in der Freiheit ſo wenig als im Zimmer nur die kuͤrzeſte Zeit von einan⸗ der getrennt ſein koͤnnen, immer einander mit einer ſchmachtenden Stimme zurufen, und ſich beftändig ſchnaͤbeln. Das Weibchen legt oft ohne Geſellſchaft des Maͤnnchens Eier im Zimmer, und fie niften auch wie die Kanarienvogel, wenn man ihnen, wie die⸗ fen, einen Bauer oder ſonſt ein Behaͤltniß giebt, und dieß mit Tannenbaͤumchen und Moss verſieht, bringen aber ſelten etwas auf. In der Freiheit brüten fie des Jahrs zweimal, und zwar in Schwarzholz und lebendigen Hecken, in letztere am liebſten, hoch und tief, vorzuͤglich gern an alten ungangbaren Holzwegen x 140 Der Gimpel oder Dohmpfaffe. auf erwachſenem Stammreißig. Das Neſt iſt ſchlecht gebaut, und beſteht auswendig aus zarten Reiſern und inwendig aus Erdmoos. Das Weibchen legt des Jahrs zweimal zwei bis ſechs ſtumpfe Eier, welche blaͤulich weiß und am aͤußern Ende kranz⸗ foͤrmig violet und braͤunlich gefleckt ſind. Die Jungen kriechen in vierzehn Tagen aus. Will man ſie in kuͤnſtlicher Muſik unterrich⸗ ten, ſo nimmt man ſie aus dem Neſte, ſobald ſie halb fluͤgge, d. h. zwoͤlf bis vierzehn Tage alt ſind oder die Schwanzfedern zum Vorſchein kommen, und fuͤttert ſie zu Hauſe mit aufgequelltem Ruͤbſamen, der mit Semmeln vermiſcht iſt, oder in Milch ge⸗ weichter Buchweizengruͤtze vollends auf. Sie ſehen uͤberall ſchmu⸗ tzig dunkelaſchgrau aus, mit dunkelbraunen Fluͤgeln und Schwanz, und die Maͤnnchen erkennt man ſogleich daran, daß die Bruſt ein wenig ins Roͤthliche ſchimmert. Ein Kenner kann ſie daher ſchon im Neſte ausleſen, wenn er blos maͤnnliche Voͤgel erziehen will; denn die weiblichen lernen wohl auch pfeifen, aber nicht ſo leicht, und ſie ſind auch nicht ſo ſchoͤn als die Maͤnnchen. Bevor ſie nicht ihr Futter ſelbſt nehmen, pfeifen ſie auch nicht, man muß ihnen aber doch, ſobald man ſie in die Stube bekoͤmmt, vorpfeifen;) denn wenn man dieß thut, fo lernen fie ihre Me⸗ lodie deſto leichter und geſchwinder, indem ſie ſich gleichſam mit der Nahrung einpraͤgt. Man muß auch bemerken, daß ſie, ſo wie die Papageien, gleich wenn fie gefreſſen haben, am aufmerk⸗ ſamſten ſind und alſo dann am geſchwindeſten lernen. Faſt drei Vierteljahre muß ihnen vorgepfiffen werden, ehe man mit dem Vogelliebhaber ſagen kann, daß ſie feſt waͤren; denn wenn man fruͤher mit dem Unterricht aufhoͤrt, ſo verſtuͤmmeln ſie entweder ihre Lieder oder lernen mehrere und falſche Strophen, verfehlen, verwechſeln die Strophen und vergeſſen ſie gewoͤhnlich bei der erſten Mauſer wieder. Ueberhaupt iſt es gut, ſie von allen an⸗ dern Voͤgeln zu entfernen, auch wenn ſie ſchon unterrichtet ſind, denn als gelehrige Voͤgel nehmen ſie leicht etwas fremdes in ih— ren Geſang auf. Man muß ihnen auch zuweilen, wenn fie ſtok⸗ ) Sie mit kleinen Orgeln zu unterrichten, widerrathe ich um deßwillen, weil dieſelben gewöhnlich nicht rein geſtimmt ſind und einen hohen kreiſchen⸗ den Ton haben: denn ſie pfeifen den Ton accurat ſo nach, wie ſie ihn hören, alſo kreiſchend und unrein, wenn er ihnen ſo vorgepfiffen wird. Ein hoher reiner Mannspfiff iſt ihnen am angemeſſenſten. Sie lernen dieſen recht flöten⸗ artig nachpfeifen. Der Gimpel oder Dohmpfaffe. 141 ken, nachhelfen, und ihnen beſonders zur Mauſerzeit, wo ſie ſchweigen, ihr Lied immer vorpfeifen, denn ſonſt iſt man in Ge⸗ | fahr, Stuͤmper zu erhalten; welches um ſo unangenehmer iſt, da | ein guter Gimpel theuer bezahlt werben muß. — Krankheiten i 1 Die Wildfänge d. h. diejenigen, die keinen kuͤnſtlichen Ge N | ‘fang können, und alt in der Schneuß oder auf der Locke gefan⸗ | gen find, bleiben acht Jahre und druͤber am Leben, und werden iM felten krank. Die Aufgezogenen ſind aber mehreren Krankheiten a 9 ausgeſetzt, theils weil ſie jung aufgezogen ſehr unnatuͤrliches ut I) ter, theils auch als Lieblingsvoͤgel allerhand ſchaͤdliche Leckereien N erhalten. Sie werden daher ſelten ſechs Jahr alt. Am geſuͤnde⸗ u ften bleiben und am laͤngſten leben ſie, wenn ſie weder Zucker I) noch Kuchen, noch andere Leckerbiſſen bekommen, ſondern immer | | Ruͤbſamen, zur Würze zuweilen mit etwas Hanf vermifcht, und 1 dann die oben angeführten grünen Nahrungsmittel, welche ihnen die Eingeweide geſchmeidig machen. Auch bleiben ſie geſuͤnder, wenn man ihnen zuweilen etwas Waſſerſand in den Vogelbauer N giebt, aus welchen ſie Koͤrnchen zur Befoͤrderung der Verdauung a | ausſuchen koͤnnnen. | | | 7 | Die Krankheiten, mit welchen fie oft behaftet werden, find folgende: 1) Verſtopfung. 2 Der Durchfall. 3) Die Epi⸗ lepſie. A) Traurigkeit und Truͤbſinn. Sie ſetzen ſich, ohne daß ihnen eigentlich etwas fehlt, hin, und ſingen nicht. Man entzieht ihnen die Leckerbiſſen und giebt ihnen blos ein⸗ geweichten Ruͤbſamen. 5) Die Mauſerkrankheit. Gegen dieſe hilft ein roſtiger Nagel, den man ins Trinkgeſchirr legt, gu⸗ tes Futter und Ameiſeneier, wenn ſie an letztere in der Jugend 1 gewoͤhnt ſind. = 5 l Fang ; 9 Es giebt faſt keinen Vogek, der leichter auf die Locke geht, als 9 der Gimpel. Man kann ſie daher nicht nur auf der gewoͤhnlichen u Locke mit den Lockbuͤſchen, fondern auch auf der Kletten⸗ a ſtange, wie die Kreuzſchnaͤbel, auch ſogar auf kleinen Baͤum⸗ 1 | chen, die man mit Leimruthen beſteckt, und auf welche ſie der Lockvogel lockt, fangen. Im Winter faͤngt man ſie haͤufig in der Schneuß, wo ſie nach den Beeren, z. B. Vogelbeeren und f } j { 4 1 1 142 Der Gimpel oder Dohmpfaffe. Schlingbaumbeeren (Viburnum Opulus) gehen. Im Frühjahr und Herbſt fallen ſie auf alle Herde ein, wenn ſie nur Vogel⸗ und andere Beeren finden. Man braucht alsdann gar keinen Lockvogel, ſondern braucht nur in der Huͤtte ſelbſt das ſanfte Tui, Tuil zu locken. Empfehlende Eigenſch aften. Die Gimpel find ſehr gelehrige Vögel, und obgleich beide Geſchlechter einen knirrenden, wie eine ungeſchmierte Thuͤr oder ein Schiebkarren klingenden, natuͤrlichen Geſang von ſich geben, womit ſie Jahr aus Jahr ein nicht nur nicht vergnuͤgen, ſondern in der That beſchwerlich fallen, fo lernen fie doch jung aufgezo— gen, wie es in Heſſen und im Fuldaiſchen faſt fuͤr ganz Deutſch⸗ land, Holland und England geſchieht, allerhand Lieder, Arien und Melodieen mit einer ſanften reinen Floͤtenſtimme nachpfeifen, weshalb fie von Liebhabern außerordentlich geſchaͤtzt werden. Ein Vogel iſt im Stande, drei verſchiedene Stuͤckchen zu lernen, die um deſto angenehmer klingen, wenn er auf einer Floͤte oder mit dem Munde unterrichtet iſt. Er iſt dabei außerordentlich zahm, pfeift, wenn man es verlangt, und macht verſchiedene ſehr zaͤrt— liche Bewegungen mit dem Koͤrper, bewegt ihn bald rechts bald links, thut ein Gleiches mit dem Schwanze und breitet letztern auch mitunter wie einen Faͤcher aus. Wenn ein Gimpel recht vollkommen ſingen ſoll, ſo darf er nicht mehr als eine Melodie lernen, nebſt dem gewoͤhnlichen Trompeterſtuͤckchen, welches man ihm immer gleichſam als eine Zugabe mit beibringt. Auch an⸗ derer Voͤgel Geſaͤnge lernt der Gimpel nachpfeifen, welches man aber gewoͤhnlich nicht zulaͤßt, ſondern, wenn er abgerichtet wer⸗ den ſoll, ſo lehrt man ihn blos Lieder oder andere muſikaliſche Stuͤckchen pfeifen. — Die verſchiedenen Grade der Fähigkeiten = Thiere zeigen ſich auch hier; denn ein Vogel lernt bald und leicht, ein ande⸗ rer ſpaͤt und ſchwer; einer lernt mehrere Melodien ohne Anſtoß und ein anderer hat an einer drei Vierteljahre zu thun. Man bemerkt auch, daß diejenigen, welche ein ſchwaches Gedaͤchtniß ha— ben, das, was ſie einmal gefaßt haben, ſo leicht nicht wieder vergeſſen, auch nicht in der Mauſerzeit. Die alten, im Freien gefangenenen Voͤgel haͤlt man außer ihrer Schoͤnheit auch noch deßwegen in der Stube, weil ſie ſich Der Gimpel oder Dohmpfaffe. 8 143 ſo außerordentlich zahm, wie der Flachsfink und Zeiſig, machen laſſen, auf die Hand fliegen, aus der Hand freſſen, aus dem Munde (wer Gefallen daran hat) Speichel trinken, und ſich be⸗ handeln laſſen, als ob ſie von Jugend auf zahm geweſen waͤren. Die gewoͤhnliche Methode, dieß zu bewirken, iſt folgende.) Man nimmt einen neu gefangenen Gimpel, giebt ihm nur einen Tag ſein gehoͤriges Futter im Kaͤfig (denn ſie freſſen gleich, wenn man ſie von der Leimruthe nimmt und in die Stube ſetzt), alsdann macht man ihm eine Sillen, wie die Vogelſteller auf dem Herd um den Leib oder die Flügel des Laufers zu thun. pflegen, und bindet mit einem 1 Fuß langen Faden den Vogel irgend wo ſo an, daß er nicht herabfallen und ſich todt flattern kann. Man nimmt hierauf ein leeres Beutelchen, an welchem unten eine klei⸗ ne Schelle haͤngt, fuͤllt es mit ſeinem gewoͤhnlichen Futter und hält es ihm klingelnd des Tages mehrmals vor, laͤßt ihn daraus freſſen, und thut ein Gleiches mit dem Trinkgeſchirr. Anfangs wird der gefeſſelte Vogel weder eſſen noch trinken wollen. Man entfernt ſich daher die erſten zwei Tage etlichemal, wenn er nicht freſſen will, und laͤßt ihn aus dem Beutelchen freſſen und aus dem Trinkgeſchirr ſaufen, tritt aber, wenn er frißt, immer wie⸗ der naͤher. Den dritten Tag wird er gewiß, fo bald man ihm den Beutel vorhaͤlt, herbei huͤpfen und freſſen. Thut er dieß, ſo klingelt man immer, und laͤßt ihn weiter huͤpfen und freſſen. Wenn er ſatt iſt, ſo traͤgt man ihn, obgleich er flattert, auf der Hand hin und her, auf welcher er dann auch, da er nicht loskommen kann, zu freſſen anfangen wird. Den dritten oder vierten Tag, wenn er von ſelbſt auf die Hand huͤpft, in welcher man den Beutel hat, laͤßt man ihn los „tritt etwas zuruͤck und er wird gewiß auf die Hand geflogen kommen. Sollte er weg⸗ fliegen, ſo bindet man ihn wieder an, und laͤßt ihn noch einige Stunden hungern. Auf dieſe Art wird der Gimpel in fuͤnf bis acht Tagen allezeit dahin, und auf die Hand fliegen, wo er klin⸗ geln hoͤrt. Zur vollkommenen Zaͤhmung gehoͤrt noch, daß man es ihm dann und wann ſchwer macht, ſein Futter aus dem Beu⸗ tel zu holen, indem man ihn nicht ganz oͤffnet, oder bald auf⸗ bald zumacht; auch dieß, daß man ihn zuweilen bloßen Ruͤbſa⸗ men in feinem Käfig freffen laͤßt, und den ſchmackhaftern Hanf⸗ 5) f. auch oben Einleitung. S. 3. 4 Der Gruͤnling. ſamen in den Beutel thut. Aus dem Munde wird er auch leicht trinken lernen, wenn man ihm das Waſſer einen halben aa verfagt. Ein ſolcher Vogel laͤßt ſich auch leicht zum Aus⸗ und Ein⸗ fliegen gewoͤhnen, nur darf man nicht nahe an einem Walde woh⸗ nen. Soll er deſto eher wiederkommen, ſo ſetzt man ſein Weib⸗ chen mit abgeſchnittenen Fluͤgeln in einem Kaͤfig vor das Fenſter oder nur in das Zimmer, aus welchem er aus- und einfliegt. Aus Zaͤrtlichkeit zu dieſem wird er gewiß nie ausbleiben. ö 67. Der Grünling. Gruͤnfink, Zwuntſche, Gelbhaͤnfling, Gruͤnhaͤnfling, Gruͤnvogel, gruͤner Kernbeißer, Rapfinke, Grinzling, Erg Beſchreibung. Er iſt etwas ſtaͤrker als ein gemeiner Finke, 6 Zoll lang, wovon der Schwanz 2½ Zoll einnimmt. Der Schnabel iſt 5 Linien lang, fleiſchfarben, oben dunkler unten heller, im Winter hellbraun; der Augenſtern dunkelbraun; die Fuͤße blaͤulich fleiſch⸗ farben, und 8 Linien hoch. Die Hauptfarbe iſt gelbgruͤn, unten heller oder zeiſiggruͤn; am hellſten am Steiß und an der Bruſt, und am Bauch ins Weiße ſpielend; die Schwungfedern ſind ſchwaͤrzlich, gelbgeraͤndert; die vier aͤußerſten Schwanzfedern von der Mitte bis zur Wurzel gelb, ſonſt ſchwaͤrzlich und weißlich geraͤndert. Das Weibchen ift kleiner und unterſcheidet ſich dadurch gar merklich vom Maͤnnchen, daß der Oberleib mehr gruͤnbraun und der Unterleib mehr aſchgrau als gruͤngelb iſt; an der Bruſt ſind einzelne gelbe Flecken und der Bauch und die untern Deckfedern des Schwanzes mehr weiß als gelb. Jaͤger und Vogelſteller ſprechen gewöhnlich von dreierlei Ar⸗ ten: a) Dem großen Gruͤnling, welcher am ganzen Leibe ſchoͤn gelb iſt. b) Dem mittlern, der am Unterleibe beſonders hellgelb und c) dem klein ern, der mehr gruͤnlich als hellgelb fein ſoll. 4 Allein der Unterſchied befteht im Alter der Vögel, wornach der ) Loxia Chloris. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 853. n. 27. Ss Buffon des Ois. 4. p. 171. t. 15. Greenfinch. Latham Syn. II. 1. p. 134. n. 36. Friſch Vögel Taf. 2. Fig. 2. Der Gruͤnling. 145 Leib ſtaͤrker und ſchwaͤcher und die Federn mehr oder weniger ſchoͤn ausgezeichnet find. Merkwuͤrdiger iſt d) der Baſtardgruͤn⸗ ling, der von einem jung aufgezogenen Grüͤnlingsmaͤnnchen und Kanarienvogelweibchen entſteht, ſtark vom Körper, gruͤn und grau von Farbe, auch wenn der Kanarienvogel gelb iſt, gelbbunt, g immer ein ſchlechter Saͤnger wird. Aufenthalt. a. Im Freien. Der Gruͤnling iſt uͤberall auf dem feſten Lande von Europa anzutreffen, doch geht er nicht ganz in den Norden hinauf. In Deutſchland gehoͤrt er unter die gemeinſten Voͤgel. Im Sommer iſt er in Vorhoͤlzern, Feldhoͤlzern und da, wo viele Gaͤrten und Weidenbaͤume ſind; im Winter aber zieht er als Strichvogel oft in Herden von Tauſenden bald da, bald dort hin. Im Maͤrz iſt er wieder zu Hauſe. b. In der Stube. Er iſt in vielen Waldgegenden ein gewoͤhnlicher Stubenvogel, den man in einen Glockenbauer oder viereckigen Finkenbauer ſetzt. Frei auf dem Boden herum laus= fend oder in einem Gitter mit andern Voͤgeln beiſammen zeigt er ſich nur dann friedfertig, wenn er immer vollauf zu freſſen hat; ſonſt iſt er ſo beißig, daß er keinen Vogel an die Freßkrippe laͤßt, ſondern immer mit offenem Schnabel dabei ſteht, fie bes wacht, und mit ſeinem ſtarken Schnabel ſo ſehr um ſich beißt, daß, wenn man die andern Voͤgel nicht wegthut, er ſie endlich kahl rupft. So ſcheu und wild er in der freien Natur iſt, ſo ſtill und zahm wird er gleich im Zimmer. Nahrung. a. Im Freien. Hier naͤhrt er ſich von allerhand Saͤme⸗ reien, Hanf, Leinſamen, Leindotter, Ruͤbſamen, den Kernen der Wachholderbeeren, des Kellerhalſes, unreifer Gerſte, Samen von Ruͤben, Diſteln, Salat und vorzuͤglich von Wolfsmilchſamen, den faſt alle Thiere verabſcheuen. b. In der Stube bekommt er, frei herum laufend, das zweite angegebene Univerſalfutter und wird dabei dick und fett; zur Abwechſelung wirft man ihm gewoͤhnlich etwas Ruͤbſamen und Hanf hin. Im Vogelbauer bekommt er blos Sommeruͤb⸗ ſamen und, wenn er nach der Mauſer wieder ſcharf fingen foll, dieſen mit etwas Hanf vermiſcht. Zu feinem Wohlbefinden iſt Naturgeſch. d. Stubenvögel. d 10 \ 146 | Der Gruͤnling. auch noͤthig , daß man ihm zuweilen etwas Grünes, Salat, Huͤh— nerdarm, weißes Kraut und Wachholderbeeren vorlegt. Fortpflanzung. Er ſetzt ſein Neſt meiſt auf einem dicken Baumaſt an den Stamm an; ſeltner findet man es in einer dichten Hecke oder auf dem Kopfe eines alten Weidenbaums. Es iſt gut gebaut, auswendig mit Wolle, Corallenmoos und andern Flechten, und inwendig mit kleinen Wurzeln und einigen Haaren ausgefuͤttert. Das Weibchen legt des Jahres zweimal vier bis fuͤnf ſpitzige, hellſilberfarbene, mit einzelnen zimmetbraunen oder hellvioletten Puͤnktchen beſetzte Eier. Die Jungen ſehen Anfangs gruͤngrau aus; doch erkennt man ſchon die Maͤnnchen an dem etwas gel⸗ bern Anſtrich. Man nimmt ſie aus dem Neſte, und zieht ſie auf, wo ſie dann allerhand Pogelgeſaͤnge von Stubenvoͤgeln, ob⸗ gleich etwas ſchwer, lernen; da ſie aber das ganze Jahr hindurch ſingen, ſo thut man wohl, ſie z. B. von einem Finken lernen zu laſſen, damit man das ganze Jahr hindurch das Vergnuͤgen hat, den Finkenſchlag zu hoͤren. Was ſie einmal gelernt haben, vergeſſen ſie nie. 3 Te Krankheit. Sie haben eine feſtere Natur als die mehreſten andern Stu⸗ benvögel und werden nicht leicht krank. Man kann ſie zwoͤlf Jahre erhalten. 5 f Fang. Man faͤngt dieſe Voͤgel bis im December auf dem Vogel⸗ herd, wenn man einige Lockvoͤgel hat. Im Fruͤhling faͤngt man ſie mit einem Lockvogel auf den Lockbuͤſchen. Sie locken im Fliegen, Jaͤck, Jack und im Sitzen Schwoinz! Auch vom Haͤnflinge laſſen ſie ſich herbeilocken. Sie gewoͤhnen ſich leicht zum Freſſen, wenn man ihnen nur ge⸗ quetſchten Hanf auf den Boden im Vogelbauer wirft. Empfehlende Eigenſchaften. Obgleich ihr wilder Geſang eben nicht zu den angenehmen gehoͤrt, ſo klingt er doch auch nicht unangenehm; ja einige ziehen ihn noch dem Haͤnflingsgeſange vor, welches ich aber nicht thun moͤchte. Seine große Zahmheit, wozu man ihn, wie den Gim⸗ — 8 — Der gemeine oder Kirſch⸗Kernbeißer. 147 pel bringt, macht ihn in der Stube am allerangenehmſten; ja er läßt ſich nicht nur zum Ein⸗ und Ausfliegen gewoͤhnen, ſondern auch ſogar zum Niſten in einer Kammer, die nahe an einem Garten oder kleinen Buſchholz liegt, oder in einem Gar⸗ tenhauſe. Um dieß zu bewirken, ſind folgende Anſtalten noͤthig. Man nimmt naͤmlich die Jungen aus dem Neſte und ſetzt ſie in einem Vogelbauer in ein gegrabenes Loch unter den Baum, und ſtellt oben druͤber einen Fallbauer oder einen Meiſenkaſten. Die Alten kommen alsdann hinzu, wollen die Jungen fuͤttern, treten auf das Stellholz und fangen ſich. Man thut Alte und Junge hierauf in ein großes Vogelgitter und laͤßt dieſe ſo lange fuͤttern, bis ſie bald flügge find, alsdann läßt man fie bei offenem Fenſter aus dem Gitter; der Hunger zwingt ſie gleich, ſich wieder im Gitter ein⸗ zufinden, und die Luſt, ihre Fluͤgel zu probieren, einen kleinen Spazierflug zu machen; wenn ſie erſt ausfliegen, ſo ſetzt man die Alten vor das Fenſter und laͤßt ſie dadurch wieder beilocken. Wenn man ſich zu der Zeit ſelbſt mit ihnen abgiebt und ſie an ſich gewoͤhnt, ſo fliegen ſie ohnehin nicht weg; thut man aber dieß nicht, ſo behaͤlt man ſie bis zum Winter inne und oͤffnet ihnen nur das Fenſter, wenn es ſchneit; fliegen ſie dann aus, ſo laͤßt man ſie durch andere ihres Gleichen, die man in einem Vogel⸗ bauer ins Fenſter ſetzt, wieder herbei locken. Will man noch ſiche⸗ rer gehen, ſo macht man ſolche Anſtalten vor dem Fenſter, daß man Weibchen, die verſchnittene Flügel haben, aus⸗ und einlau⸗ fen laſſen kann. Sie bruͤten ſehr gern in den Kammern in Ge⸗ ſellſchaft der Kanarienvogel, und man legt ihnen, da ſie gut aͤtzen, gern Kanarienvoͤgeleier unter. 5 ä Sie laſſen ſich auch, wie Zeiſige und Stieglitze, zum Waſ⸗ ſerziehen gewoͤhnen. 68. Der gemeine oder Kirſch⸗Kernbeißer. (Kirſchfink, brauner Kernbeißer, Dickſchnabel, Klepper, Kirſchen⸗ ſchnabler, Kirſchknaͤpper, Nußbeißer !). Beſchreibung. Nur ein leidenſchaftlicher Vogel-Liebhaber wird dieſen Vogel ) Loxia Coccothraustes. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 844. n. 2. Gros- bec. Buffon des Ois. 3. p. 444. t. 27. Fig. 1. Grosbec or Hawfinch. Latham Syn. II. 1. p. 109. n. 4. Friſch Taf. 4. Fig. 2. 10° 148 Der gemeine oder Kirſch⸗Kernbeißer. gern in der Stube ſehen. Er iſt 7 Zoll lang, wovon der Schwanz 2¼ Zoll mißt. Sein Schnabel iſt im Verhaͤltniß zum Koͤrper ſehr dick, rund, ſtumpf, kegelfoͤrmig, im Sommer dunkelblau, und im Winter an der Spitze ſchwaͤrzlich, uͤbrigens fleiſchfarbig; der Augenſtern hellgrau; die duͤnnen Fuͤße 9 Linien hoch und blaß fleiſchfarben. Der Scheitel, die Wangen und Deckfedern des Schwanzes ſind hellkaſtanienbraun, nach der Stirn zu gelb⸗ lichbraun auslaufend, das Genick und der Ruͤcken ſchoͤn aſchgrau; die Halfter ſchwarz, welche ſich am Kinn in eine viereckige ſchwarze Kehle verwandelt; der Ruͤcken tiefbraun oder dunkelkaſtanienbraun, das am Steiß ins Graue ſpielt; der Unterleib ſchmutzigfleiſchroth, am After ins Weiße uͤbergehend; die kleinern Deckfedern der Fluͤ⸗ gel ſchwarz, die groͤßern vorne weiß, hinten braun, daher der weiße Fleck auf den Flügeln; die Schwungfedern ſchwarz, an der Spitze ſtahlblau, die vordern auf der innern Fahne mit einem großen weißen Fleck beſetzt, die hintern an der Spitze ſtumpfeckig und mit den Schwungfedern ſo ſtumpf wie abgeſchnitten; der Schwanz ſchwarz, ſeine zwei mittlern Federn aber ſpielen am Ende ins Aſchgraue, und bei allen aͤußern iſt die Endhaͤlfte an den innern Fahnen an der Spitze weiß. Am Weibchen find Kopf, Wangen und obere Deckfedern des Schwanzes rothgraubraun; die ſchwarze Farbe der Kehle, der Fluͤgel und des Schwanzes mehr ſchwarzbraun als ſchwarz; der weiße Fluͤgelflecken mehr hellaſchgrau; der Unterleib rothgrau, am Bauche ins Weiße ſpielend. Rn Aufenthalt. a. Im Freien. Er wohnt in dem gemaͤßigten Theile von Europa und Rußland. In manchen Gegenden Deutſchlands, die z. B. gebirgig und mit Laubholz, beſonders mit Rothbuchen bewachſen ſind, iſt er ſehr gemein. Man muß ihn mehr unter die Strich⸗ als Zugvoͤgel rechnen. Er kommt im März wieder in ſeiner Heimath an. p. In der Stube. Hier ſteckt man ihn in einen draͤther⸗ nen Glockenbauer, worin er auch bald zahm wird. Man kann ihn auch auf dem Boden frei herum laufen laſſen, wenn er nicht zu viele Kammeraden und immer überflüffiges Futter hat; denn ſonſt zankt er beſtaͤndig. Der gemeine oder Kirſch⸗Kernbeißer. 149 > Nahrung. f a. Im Freien. Außer dem Samen von Rothbuchen, Hornbaum, Wachholder, Eichen und Ahorn, den Beeren vom \ Vogelbeerbaum und Weißdorn geht er vorzüglich den Kirſchen | nach, deren Stein fein ſtarker Schnabel mit der groͤßten Leichtigkeit | fpaltet, um zu dem Kern zu. gelangen. Auch die Schlehen liebt | er. Sonſt frißt er noch Leindotter, Hanf⸗, Kohle, Rettig- und ö Salatſamen. b. In der Stube kann man ihn mit Ruͤbſamen und Hanf | leicht erhalten, und frei herum laufend mit dem zweiten Univer⸗ ſalnahrungsmittel. | | Fortpflanzung. Das Neſt trifft man in Buchwaͤldern auf Baͤumen oder ho⸗ hen Buͤſchen, und in Gärten auf hohen und niedern Obſtbaͤu⸗ men an. Es iſt gut gebaut, auswendig aus kleinen Reiſern, auch zuweilen mit Flechten durchwirkt und inwendig mit zarten Wurzeln ausgelegt. Die drei bis fünf Eier, welche man des Jahres zweimal findet, ſind aſchgrau, ins Gruͤne ſpielend, braun gefleckt und ſchwarzblau geſtreift. Die Jungen ſehen graubraun aus, und ſind durch die weißlichen Federſaͤume weißgefleckt. In den Waldgegenden machen ſich die Knaben oft das Vergnuͤgen, ſie aufzuziehen. Sie werden dann fo zahm, daß fie ihrem Fuͤt⸗ terer nachlaufen und ſich gegen Hunde und Katzen mit ihrem ſtarken Schnabel zur Wehre ſtellen. Sie laſſen ſich alsdann auch 1 leicht, wie der Gimpel, zum Aus- und Einfliegen gewoͤhnen. BE Fang. Dieſe Voͤgel gehen begierig nach der Lockſtimme und koͤnnen 3 daher im Herbſt ſehr leicht auf dem Herde, den man mit Bu⸗ chen: und Hanfſamen, Vogel⸗ und Wachholderbeeren belegt, ge— fangen werden. Im Herbſt und Winter gehen ſie in die Schneuß, wo Vogelbeeren vorhaͤngen; auch laſſen ſie ſich mit Leimruthen beim Neſte fangen. Sie freſſen gleich, wenn man ihnen Hanf⸗ und Ruͤbſamen vorwirft. | | Empfehlende Eigenſchaften. Deren giebt es nun freilich wenige. Ich fuͤr meine Perſon kann dieſen Vogel nicht leiden, beſonders wegen feiner unange- Der Girlitz. nehmen hellen Lockſtimme Its tziß! die er unaufhoͤrlich hoͤren laͤßt; doch ſingt er fuͤr manche Liebhaber gut genug. Sein Ge⸗ fang beſteht aus einem leiſen Geklirre, mit einigen hellen, durch⸗ dringenden, ſchnarrenden Toͤnen Irrr! Seine große Zahmheit macht ihn noch am angenehmſten. 69. Der Girlitz. (Girlitz⸗Haͤnfling, Gruͤnfink, Hirngrill, Kanarienzeischen.) Beſchreibung. Dieß niedliche Voͤgelchen bewohnt eigentlich das ſuͤdliche Eu⸗ ropa und Deutſchland; in das noͤrdliche kommt es nur auf ſei⸗ nen Wanderungen im Herbſt und Fruͤhjahr. Ich habe es faſt alle Jahr im Fruͤhling in Thuͤringen in Gaͤrten angetroffen, ja auch oft in der Mitte des Sommers. Um Offenbach herum niſtet es jahrlich in Gärten und in Laubwaldungen, die hohe Buchen und Eichen haben. Es iſt ein Mittelding zwiſchen einem Kernbeißer und Fin⸗ ken; denn zu einem Kernbeißer iſt der Schnabel zu duͤnn, und zu einem Finken zu ſtark. Der Girlitz iſt etwas größer als ein Zeiſig, 4 Zoll lang, wovon der Schwanz 1 Zoll mißt; der Schnabel iſt ſehr kurz und dick, oben braun, unten weiß; der Augenſtern dunkelkaſta⸗ nienbraun; die Beine 6 Linien hoch und mit den Zehen fleiſch⸗ farben. Das Männchen hat faſt eben das Gefieder, wie der Kar narienvogel, welcher der Graue oder Gruͤne heißt. Vorderkopf, Augenkreiß, ein Streifen uͤber den Augen bis in den Nacken, Bruft und Steiß find gruͤngelb; Hinterkopf, Wangen, Schlaͤfe und kleinere Deckfedern der Fluͤgel ſind zeiſiggruͤn und rothgrau gemiſcht mit ſchwaͤrzlichen Laͤngsflecken; die zwei großen Reihen Deckfedern ſchwaͤrzlich und die oberſte auszeichnend gelb, die uns terſte aber rothgelb eingefaßt, daher über die Flügel zwei gelb⸗ liche Binden laufen; die Schwungfedern ſchwaͤrzlich und zeifiggrün eingefaßt; der etwas gabelfoͤrmige Schwanz hat eben die Farbe. Die Flecken, womit das Gefieder beſtreut iſt, find nicht deutlich ) Loxia Serinus oder Fringilla Serinus. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 908. n. 17. Serin. Buffon Planch. enl. No. 658. Fig. 1. The Serin- Finch. Latham Syn. II. 1. p. 296. n. 63. Meine N. G. Deutſchlands III. Taf. 33. Fig. 1. g g Der Girlitz. 151 von einander abgeſondert, ſondern verlieren ſich in einander durch kleine laͤngliche Striche; auf dem Kopfe ſind ſie fein und gleich⸗ ſam nur punktirt, auch an den Seiten und dem After ſind ſchwarze Flecken und Streifen bemerklich. b Das Weichen kann man nur in der Nähe von einem Zei⸗ ſigweibchen unterſcheiden, und zwar an dem kuͤrzern Schnabel, dem laͤngern Schwanz, und überhaupt an dem ſchlankern Leib; ſonſt iſt die Farbe die nämliche, nur roſtgrauer überlaufen. Von dem Maͤnnchen unterſcheidet es ſich vorzuͤglich dadurch, daß die gruͤngelbe Bruſt ſchwaͤrzlich geſtrichelt iſt. f Merkwürdigkeiten. Der Name, den dieſer Vogel, welchen man ſonſt mit dem Citronenfink verwechſelt hat, fuͤhrt, rührt wahrſcheinlich von f ſeiner Lockſtimme, die wie Hitzriki und Hirlitz klingt, her. Mit dem Zeiſig laͤßt er ſich im Herbſt und Fruͤhjahr auf dem Herd und den Lockfang locken, und dieß iſt die gewoͤhnliche Art, wie man ſeiner in Thuͤringen habhaft wird. al Von meinem Freunde, dem Herrn Hofrath Dr. Meyer zu Offenbach ruͤhren folgende ſchoͤne Bemerkungen zur Naturgeſchichte dieſes Vogels her: Unter allen, mir bekannt gewordenen, Stu⸗ benvoͤgeln, ſagt er, iſt der Girlitz einer der lebhafteſten und unermüdet im Geſang. Seine Stimme iſt nicht ſtark, aber me⸗ lodiſch, und außer einigen Strophen des Lerchengeſangs hat ſein Lied die taͤuſchendſte Aehnlichkeit mit dem des Kanarienvogels. Im Freien ſingt er unaufhoͤrlich, entweder ſitzend auf den aͤußer⸗ ſten Zweigen der Baͤume, oder gerade in die Luft aufſteigend und ſich unter Geſang wieder auf den Baum niederlaſſend, oder in⸗ dem er ſingend von einem Baum zum andern fliegt. Seine Lockſtimme iſt vollkommen der des Kanarienvogels gleich, ſo wie er uͤberhaupt in allen ſeinen Lebensverrichtungen dieſem gleich iſt. Aufenthalt. Erſt ſeit zwanzig Jahren wird er in unſerer Gegend bemerkt und zwar von Offenbach bis Frankfurt. Er kommt alle Jahre im Maͤrz in ſehr großer Menge an, und wandert Ende Oktober wieder weg.“ Doch bleibt jedesmal auch eine Anzahl über Win⸗ ter bei uns. Im Januar des Jahres 1800, bei einer Kälte von 21 Grad, wurden mehrere hier gefangen, und noch zu Ende des Der Girlitz. Februar bemerkte ich einige nahe bei Offenbach. Er haͤlt ſich am liebſten auf Obſtbaͤumen auf, doch auch im Walde auf Buch: und Eichbaͤumen; an Baͤchen und Fluͤſſen, die mit Weiden be⸗ ſetzt ſind, habe ich ihn faſt noch nie angetroffen. Nahrung. Er naͤhrt ſich von kleinen Saͤmereien, die er auf dem Felde findet; vorzuͤglich gern frißt er den Samen von Kreuzwurzel, Wegerich und Meirich. Im Kaͤfig befindet er ſich bei Ruͤbſamen, mit etwas Mohn vermiſcht, am beſten, doch kann man ihm auch zuweilen etwas Hanf und geſchaͤlten Hafer geben. Fortpflanzung. Er baut ſein Neſt meiſtens auf die niedern Aeſte der Aepfel⸗ und Birnbaͤume, auch der Buchen und zuweilen der Eichen, aber niemals auf an Fluͤſſe ſtehende Weiden. Es iſt mit ziemlichem Kunſttriebe auswendig aus feinen Wurzelfaſern, Mooſen und Flechten (vorzuͤglich Lobaria farinacea) zuſammengeflochten, und inwendig mit Federn, Kuhhaaren, und einzelnen Pferdehaaren und Schweinsborſten dicht belegt. In demſelben liegen gewoͤhn⸗ lich 3 bis 4, ſelten 5 und niemals 6, voͤllig an Geſtalt den Ka⸗ narienvoͤgeleiern gleiche, nur etwas kleinere Eier, welche auf weis ßem Grunde, beſonders am ſtumpfen Ende, einen Kranz von un⸗ regelmaͤßigen, glaͤnzend rothbraunen Flecken und Punkten haben. Die Bruͤtezeit dauert 13 bis 14 Tage, und waͤhrend derſelben fuͤttert das Maͤnnchen das Weibchen auf dem Neſte und hilft nachher auch die Jungen mit fuͤttern, und zwar aus dem Kropfe. Die Jungen ſehen in dem Neſte voͤllig dem grauen Haͤnfling aͤhn⸗ lich, bleiben vor dem erſten Mauſern grau und erhalten erſt nach demſelben die Farbe ihrer Eltern. Die Jungen laſſen ſich ſehr leicht mit eingeweichtem Ruͤbſamen auffüttern; noch beſſer aber thut man, wenn man die Alten bei dem Neſte faͤngt und ſie ſammt den Jungen in einen Kaͤfig ſetzt, wo ſie ſolche gleich fort fuͤttern werden. Sie bekommen in der Stube niemals die ſchoͤne Farbe, die fie im Freien haben, und nach einigen Jahren wer: den auch die Alten im Kaͤfig, da wo ſie gelb waren, ganz bleich und faſt weiß. Mit den Kanarienvoͤgeln, Zeiſigen, Flachsfinken und auch Stieglitzen pflanzen ſie ſich fort. Fang. Auf dem Herde mit Lockbuͤſchen und mit Leimruthen läßt er Der Cardinal⸗Kernbeißer. 153 ſich leicht fangen; vorzüglich kann man ihn auf Wegerich leicht bekommen. i | Krankheiten. Außer der Darre, an welcher mir ein Vogel geſtorben iſt, ſind mir noch keine Krankheiten dieſes Vogels bekannt geworden. b. Auslaͤndiſche Kernbeißerarten. 70. Der Cardinal⸗Kernbeißer. (Taf. II. Fig. 9.) (Cardinal, Haubenblutfink, Virginiſche Nachtigall.) Beſchreibung Dieſer Vogel, den die Vogelhaͤndler zu uns aus England und Holland bringen, iſt 8 Zoll lang, wovon der Schwanz 3 Zoll wegnimmt. Er wohnt in verſchiedenen Gegenden von Nordamerika, doch ſoll er auch in Kurland, nach neuern Verſi⸗ cherungen, angetroffen werden.“) Sein Schnabel iſt ſtark und von hellrother Farbe wie die Fuͤße; der Augenſtern ungemein braun; der Kopf mit einem Federbuſch geziert, deſſen Federn, wenn er aufrecht ſteht, ſich in eine Spitze emporſtraͤuben; um den Schnabel herum und an der Kehle iſt die Farbe ſchwarz; das Uebrige des Vogels ſchoͤn hochroth; Schwungfedern und Schwanz ſind matter als die uͤbrigen Theile, und vorn immer braͤunlich. Das Weibchen iſt groͤßtentheils rothbraun. Merkwuͤrdigkeiten. Dieſer Vogel hat den Namen Nachtigall mit vollem Recht erhalten, denn er hat einen ſehr angenehmen Geſang, der mit dem der Nachtigall die groͤßte Aehnlichkeit hat. Er ſingt ſo laut, daß einem die Ohren gellen. Im Käfig ſingt er das ganze Jahr hindurch, die Mauſerzeit ausgenommen. In der Freiheit liebt er tuͤrkiſchen Weizen und Buchweizen, wovon er oft ganze Haufen *) Loxia Cardinalis. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 847. n. 5. Gros- bee de Virginia. Buffon des Ois. 3. p. 458. t. 28. Cardinal- Grosbeek. La- tham Syn. II. 1. p. 118. n. 13. Bi *) Es ift wohl eine Verwechſelung mit dem Fichten⸗Kernbeißer; oder man hat einen aus dem Käfig weggeflogenen bemerkt. S Der Reis⸗Kernbeißer. zuſammentraͤgt, fie kuͤnſtlich mit Laub und Zweigen bedeckt und nur ein kleines Loch zum Eingang in ſein Magazin offen laͤßt. In der Stube giebt man ihm Hirſen, Kanarienſamen, Ruͤbſa— men und Hanf, und er befindet ſich viele Jahre dabei recht wohl. — In England hat man ſchon den Verſuch gemacht, ihn in Vo— gelhaͤuſern, die frei in Gaͤrten liegen, bruͤten zu laſſen. 71. Der Reis⸗ Kernbeißer. (Reisvogel, Reisfreſſer, Sperling von Java.) (Taf. III. Fig. 1.) Beſchreibung. Er iſt ſo groß wie ein Gimpel, 5 Zoll lang, wovon der Schwanz 2 Zoll wegnimmt. Der dicke Schnabel iſt ſchoͤn roſen—⸗ roth, nach der Spitze heller; die Fuͤße ſind blas roſenroth; die Augenlieder kahl und roſenfarben eingefaßt; Kopf, Kehle und ein Streifen, der die weißen Wangen mit einfaßt, ſchwarz; der Steiß ebenfalls ſchwarz; der uͤbrige Oberleib, die Bruſt, die Deckfedern und hintern Schwungfedern dunkelaſchgrau; die vor⸗ dern Schwungfedern und der Schwanz ſchwarz; der Bauch pur⸗ purgrau; der After weiß. Am Weibchen iſt blos die Ruͤcken⸗ und Bauchfarbe heller, und die Jungen ſind nicht nur blaͤſſer, ſondern auch auf den Wangen und am After unregelmaͤßig dunkelbraun gefleckt. Merkwürdigkeiten. Diefer Vogel wird in Menge von den Schiffern mit aus Java und vom Vorgebirge der guten Hoffnung gebracht, wo er fuͤr einen ſo ſchaͤdlichen Vogel, wie bei uns der Sperling, gilt, da er die Reisfelder verheert. Blos ihre Schoͤnheit macht ſie angenehm. Sie locken Tack, tack! und ihr Geſang klingt ſehr einfoͤrmig, und beſteht aus zwei Strophen, wovon die letzte nur zwei Sylben hat: Derr, dlrr, dlrr, dehi! Die erſte Strophe klingt ſchnurrend, und die zweite wird helltoͤnend in die Hoͤhe gezogen. — — 5 Loxia orycivora. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 850. n. 14. men ou oiseau des riz. Buffon des Ois. 3. p. 463. Planch, enl. No. 152. I. Java Grosbeak. Latham Syn. II. 1. p. 129. n. 29, Der gemeine Senegaliſt. | 155 72. Der gemeine Senegalift. (Senegalſcher Kernbeißer E glattköpfiger Rothſchnabel.“) (Taf. III. Fig. 2.) Dieſer Vogel iſt kaum ſo groß als ein Rothkehlchen, 4% Zoll lang. wi. ift an der Wurzel etwas erhaben und von hochrother oder Siegellack⸗Farbe; zwiſchen den Augen durch geht ein eben ſo rother Streifen, und die Mitte der Bruſt und des Bauchs iſt ſchoͤn rothbraun; die obern Theile des Koͤrpers ſind braungrau, die untern hellaſchgrau, uberall mit den zarteſten, ſchwaͤrzlichen Wellenlinien durchzogen, welches den Federn ein ſehr ſanftes ſeidenartiges Anſehen giebt; Schwungfedern und Schwanz braun, letztere keilfoͤrmig und mit dunkelbraunen Linien in die Quere geſtreift; die Fuͤße ſind braun. 5 Dieſe Voͤgel aͤndern, wie der getiegerte Bengaliſt, ihre Farbe, und man findet daher einige, welche einen ganz einfar⸗ | big braunen Schwanz haben; andere find auf dem Steiß carmoi⸗ ſinroth, ſonſt oben braun, unten weiß; wieder andere ſind am Unterleibe gelb und oben weißgefleckt, und noch andere ſind an der Kehle und am Hals blaͤulich, am uͤbrigen Unterleibe weiß mit Roſtroth vermiſcht und auf dem Oberleibe blau ꝛc. Merkwürdigkeiten. Sie bewohnen die Canariſchen Inſeln, Madera, Se negal, Angola, das Vorgebirge der guten Hoffnung, und Indien, und werden oft mit nach Europa gebracht. Nach Deutſchland kommen ſie aus Holland. Ihre angenehme Geſtalt, ihr zaͤrtliches Weſen, das nicht nur beide Geſchlechter, ſondern auch alle unter ſich bezeigen, und wenn man ihrer zwoͤlf und mehrere in einen Kaͤfig ſteckt, macht ſie als Stubenvoͤgel unge: mein angenehm. Ihr Geſang iſt dagegen von keiner Erheblich⸗ keit. Man fuͤttert ſie mit Hirſen, den ſie auch in ihrem Va⸗ terland genießen, und oft dadurch den Hirſenfeldern nachtheilig werden. *) Loxia Astrild. Gmelin Lin. Syst. I. 2. P. 852. n. 21. Senegalirayé. Buffon des Ois. 4. p. 101. t. 2. F. 2. Planch, enl. No. 157. F. 2. Wax- bil. Latham Syn. II. 1. p. 152. n. 71. Der getiegerte Bengaliſt. 73. Der getiegerte Bengaliſt. (Punktirter Bengali, Bengaliſcher Sperling, Rubinbengaliſt.“) (Taf. III. Fig. 3). a Beſchreibung. Dieſes ſchoͤne Voͤgelchen, das aus Bengalen, Java, Ma: lakka und andern Laͤndern Aſiens jetzt haͤufig durch Hollaͤnder und Engländer zu uns gebracht wird, iſt nicht länger als 4 Zoll. Ich rechne es feiner Geſtalt nach unter die Kernbeißer, obgleich es andere unter die Finken zaͤhlen. Der Schnabel iſt 4 Linien lang, dick und hochblutroth; der Augenſtern hochroth; die Fuͤße blaßfleiſchfarben und die Schienbeine ½ Zoll hoch. Maͤnnchen: Kopf und Unterleib ſind feuerroth; der Oberleib iſt dunkelgrau, alle Federn aber ſo breit feuerroth geraͤndert, daß dieß wiederum die Hauptfarbe zu fein ſcheint; der Steiß gelbroth glänzend, eigent: lich ſchwarz mit breiten gelbrothen Raͤndern; der Bauch und Af— ter ſchwarz; alle Ruͤckenfedern, Deckfedern der Fluͤgel, hintere Schwungfedern, Schwanzfedern, die Seitenfedern der Bruſt und des Bauchs, der After und Steiß haben ſchoͤne weiße Punkte am Ende, die auf den hintern Schwungfedern und auf den gro— ßen Deckfedern der Fluͤgel am ſtaͤrkſten ſind; die Deckfedern der Fluͤgel und die Schwungfedern ſind ſchwaͤrzlich. g Das Weibchen iſt um ein Drittheil kleiner als das Maͤnn⸗ chen; hat auf der Ruͤckenkante des Schnabels hin einen ſchwarzen Streifen; Kopf und Oberleib mit den Deckfedern der Fluͤgel ſind ſehr dunkelgrau; nur die Steißfedern haben gelbrothe breite Raͤn— der und hellere Spitzen; die Wangen ſind hellgrau; der uͤbrige Unterleib blaß ſchwefelgelb; die Schwungfedern ſchwaͤrzlich; die hintern und die großen Dedfedern der Flügel mit feinen weißen Punkten; die Schwanzfedern mit aſchgrauen weißlichen Spi⸗ tzen. Das Maͤnnchen von dieſem Vogel variirt viele Jahre, bis es die oben beſchriebene Farbe bekommt. Man trifft es daher mit grauem, rothangeflogenem Ruͤcken, und ſchwarz und gelbbuntem ) Loxia Amandava oder Fringilla Amandava. Gmelin Lin. Syst. I. 2. P. 902. n. 10. Bengali piquete. Buffon des Ois. 4. p. 96. t. 2. F. I. Planch. enl. No. 115. F. 3. Amadavade Finch. Latham Syn. II. 1. P- 311. n. 82. Eine Zeichnung davon habe ich im vierten Hefte der getreuen Abbildungen naturhiſtoriſcher Gegenſtände geliefert. | Der Paradies-Kernbeißer. £ 157 Unterleibe an, weiter am Oberleibe rothgrau, feuerroth beſpritzt, am Bauch ſchwefelgelb mit ſchwarzen Ringen, auch mehr oder weniger punktirt u. ſ. w. 2 | Merkwürdigkeiten Dieſe Vögel find fo geſellſchaftlich wie die vorgehenden; wenn man ihrer zwanzig bis dreißig in einen großen Kaͤfig thut, ſo ſetzen ſie ſich alle dicht zuſammen auf die Stange, und, was das ſonderbarſte iſt, ſo ſingt einer nach dem andern, und die uͤbri— gen ſchweigen unterdeſſen. Sie ſingen Sommer und Winter, und ihr Geſang gleicht ganz dem des Laubvoͤgelchens, das ich Fitis“) nenne. Das Weibchen fingt aber nicht, wie man ſonſt wohl vorgiebt. Sie ſind außerordentlich ſchnell, büden ſich oft und breiten den Schwanz faͤcherfoͤrmig aus. In ihrer Heimath freſſen ſie Hirſen und andern Samen; bei uns giebt man ihnen Kanarienſamen und Hirſen. Sie freſſer ſehr viel, ſaufen aber noch mehr. Man muß ihnen einen engen draͤthernen Glocken⸗ bauer machen laſſen. Wenn man ſie mit den Kanarienvoͤgeln zus ſammenpaaren wollte, ſo muͤßten ſie außerordentlich ſchoͤne Baſtar⸗ den erzeugen. Sie leben ſechs bis zehn Jahre. 74. Der Paradies: Kernbeißer”). Beſchreibung. Er iſt faſt 6 Zoll lang. Der Schnabel und die Fuͤße ſind fleiſchfarben; Kopf und Kinn roth; der Hinterhals, Ruͤcken, Steiß und die Deckfedern der Flügel blaͤulich aſchfarben; die obern Deck⸗ federn des Schwanzes graugeraͤndert; die untern Theile ſind weiß mit braunen, ſchwarzen Flecken an den Seiten; die Deckfedern der Fluͤgel haben weiße Spitzen, und dieß bildet zwei weiße Fluͤ⸗ gelſtreifen; Schwungfedern und Schwanz ſind dunkelaſchblau mit grauen Spitzen. Maͤnnchen und Weibchen ſind einander gleich. g Merkwuͤrdigkeiten. | Das Männchen ſingt das ganze Jahr hindurch, aber fo ſchwach, daß man es bei einem geringen Geraͤuſch nicht hoͤrt. Man hat ſogar in England den gluͤcklichen Verſuch gemacht, in ) Motacilla Fitis. % Loxia erythrocephala. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 849. n. 10. Car- dinal d' Angola. Buffon. Paradise Grosbeak. Latham Syn. II. I. p. 122. n. 19. 1 \ 158 Der Dominicaner⸗Kernbeißer. — Der Grenadier⸗Kernbeißer. einem Vogelhaus ſie zum Bruͤten zu bringen. Sie freſſen Hirſen und Ruͤbſamen, den man ihnen zuweilen mit etwas Hanf vermiſcht. 78. Der Dominicaner⸗Kernbeißer. (Dominicaner⸗Cardinal“). -Befhreibung. Er hat die Größe einer Lerche und kommt aus Braſilien. Die obere Kinnlade des Schnabels iſt braun, die untere hellfleiſch⸗ farben; die Fuͤße ſind aſchgrau. Der Kopf, die Kehle und der Vordertheil des Halſes ſind ſchwaͤrzlich mit einer geringen Mi: ſchung von Weiß; die Deckfedern des Schwanzes und die Schul⸗ terfedern grau, mit einigen wenigen ſchwarzen Flecken vermiſcht; die Seiten des Halſes, die Bruſt, der Bauch, der Schnabel und. After weißlich; die Schwungfedern ſchwarz mit weißen Raͤndern; der Schwanz ſchwarz. 2 Merkwürdigkeiten. Dieſer Vogel zeichnet ſich nur durch ſeine Schoͤnheit aus, denn er ſingt nicht, ſondern laͤßt nur zuweilen eine ſchreiende Lockſtimme hoͤren. Man ſetzt ihn in einen ſchoͤnen Glockenbauer, was er nicht nur ſeiner Schoͤnheit, ſondern auch ſeiner Koſtbarkeit wegen verdient. 8 d 76. Der Grenadier⸗Kernbeißer ). (Goldfink, rother Fink, Feuervogel). (Taf. III. Fig. 4.) Beſchreibung. Er hat die Groͤße eines Hausſperlings. Der Schnabel iſt ſchwarz; der Augenſtern kaſtanienbraun; die Fuͤße ſind dunkel⸗ fleiſchfarben. Stirn, Seiten des Kopfs, Kinn, Ende der Bruſt und Bauch ſind ſammetſchwarz; Buͤrzel, After, Schwanz, Kehle, Hals und Oberbruſt carmin- oder feuerroth, wie Sammet glaͤn⸗ zend; der Ruͤcken und die Schultern etwas dunkler gewoͤlkt als *) Loxia dominicana. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 848. n. S. Cardinal dominicain. Buffon des Ois. 3. p. 501. Planch. enl. No. 55. Fig. 2. No. 103. Dominican Grosbeak. Latham Syn. II. 1. p. 123 n. 20. **) Loxia orix. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 863. n. 42, Le Cardinal du Cap de bonne Esperance. Buffon des Ois. 3. p. 496. Planch. enl. No. 6. Fig. 2. No. 134. F. I. Grenadier-Grosbeak. Latham Syn. II. I. p. 120. n. 16. N ' z Der Grenadier-Kernbeißer. 159 der Hals; der Oberhals hat hoͤhere Federn als gewoͤhnlich, da⸗ her dieſer Theil ein wulſtiges Anſehen erhaͤlt; die Schenkel ſind vöthlichgrau; die Flügel dunkelbraun oder ſchwarzgrau mit roͤth— lichweißen Kanten. Varietäten: a. Ohne ſchwarzes Kinn, und mit rothen Schenkeln. b. Mit dunkelbraunem Schwanze, der graulichweiß geraͤn⸗ dert iſt. Das Weibchen iſt am Schnabel hornfarben; am Oberleibe dunkelbraun mit hellgrauen Federraͤndern; der Kopf dunkelgrau; über die Augen weg ein weißgrauer Streifen; der Unterleib hell⸗ grau. Es ſieht daher dem Sperlingsweibchen aͤhnlich, doch iſt es etwas heller. s Eben dieſe Farbe nimmt das Maͤnnchen bei der zweiten Mau⸗ ſerung in der Stube an, doch iſt die Zeichnung dunkler; die Fe⸗ dern am Oberleibe ſind naͤmlich ſchwaͤrzlich mit roͤthlichgrauen, breiten Federraͤndern, und der Streifen uͤber den Augen iſt blaß ſchwefelgelb. In der Freiheit verlieren die Maͤnnchen nach der Paarungszeit, welche nach dem Januar vorbei iſt, ihre rothen Federn und werden dem Weibchen aͤhnlich; ziehen aber ihr ſchoͤ⸗ nes Kleid im Julius, wenn die Paarungszeit angeht, wieder an. Sie ſehen ſchoͤn aus, wenn ſie noch nicht ganz vermauſert ſind und bei dem bunten Kopf und Leib noch einen rothen Hals und Schwanz haben. 8 — Merkwuͤrdigkeiten. Dieſe Vögel find am Vorgebirge der guten Hoffnung in allen Colonieen ſo gemein und haͤufig, daß ſie den Weizen⸗ bluͤten und reifenden Aehren ſo ſchaͤdlich werden, wie bei uns die Sperlinge. Wenn ſie des Abends in das Schilf und Geroͤhrig von den Aeckern in Schaaren von Tauſenden zuruͤckkommen, ſo machen ſie ein ſolchen Laͤrmen durch ihr Zwitſchern, daß man es ſehr weit hört. Sie locken wie ein Sperling Dieb! und fingen leiſe wie ein Zeiſig. Sie bauen ein kuͤnſtliches Neſt aus kleinen Zweigen mit Baumwolle durchwirkt. Es hat einen Eingang, aber zwei Kammern, die obere fuͤr das Maͤnnchen und die untere Fir das Weibchen. Die Eier find ganz grün. In der Stube thut man dieſe Vögel in kleine Kaͤfige und füttert ſie mit Canarienſamen. Maͤnnchen und Weibchen ſind Der Capſche-Kernbeißer. gern beiſammen. Man hat aber kein Beiſpiel, daß ſie bei uns geniſtet haͤtten. b | 77. Der Capſche Kernbeißter ). Beſchreibung. Ich beſitze dieſen ſchoͤnen Vogel ſelbſt. Er hat die Groͤße eines Dohmpfaffen, iſt 6 ¼ Zoll lang, wovon der etwas keil⸗ foͤrmige Schwanz 2½ mißt. Der Schnabel iſt am Oberkiefer weißlich, an den Seiten ſtark gedruͤckt und vorwaͤrts ſehr zuges ſpitzt; der Augenſtern dunkelbraun; die Fuͤße dunkelfleiſchfarben. Kopf, Hals, Oberrucken, ganzer Unterleib und Schwanz ſind ſammetſchwarz; Mittelruͤcken, Unterruͤcken und Steiß, ſo wie die kleinen Deckfedern der Fluͤgel, ſchoͤn goldgelb; die großen Deck⸗ federn, ſo wie die Schwungfedern, ſchwaͤrzlich oder ſtark dunkel⸗ braun mit gruͤngelben Raͤndern; die Schulterfedern hellbraun mit breiten grauroͤthlichen Raͤndern. Das Weibchen iſt hellbraun, an allen Federn in der Mitte ſchwarz gefleckt; die Seiten des Kopfs, die Deckfedern der Fluͤgel ſind grauweiß, ſchwarz geſtreift; die kleinen Deckfedern der Fluͤ⸗ gel und der Steiß hellgelb; der Schwanz grau geraͤndert; der Schnabel blaß oder horngrau. g Das Maͤnnchen wird nach der Paarungszeit, oder bei der zweiten Mauſer, dem Weibchen aͤhnlich. Merk wuͤrdigkeiten. Dieſer Vogel ſtammt vom Vorgebirge der guten Hoff⸗ nung. Er haͤlt ſich in der Stube ſehr gut, doch iſt ſein Geſang nicht ſonderlich. Man ſteckt ihn allein oder mit dem Weibchen in einen Käfig, und fuͤttert ihn mit Hanf kund Canarienſamen. 8 In ſeiner Heimath haͤlt er ſich an Baͤchen und Fluͤſſen auf, nährt ſich von Saͤmereien, iſt aber nicht ſo ſchaͤdlich als der Vor⸗ hergehende. Seine Eier ſind grau mit ſchwarzen Flecken. Das Fleiſch ſchmeckt ſehr gut. x | ) Loxia capensis. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 862. n. 39. Le Pingon noir et jaune. Buffon des Ois. 3. p. 456. Planch. enl. No. 101. Fig. 1. Cape Grosbeak. Latham Syn. II. 1. p. 113. n. 7. Der Mohren⸗-Kernbeißer. — Der dunkelblaue Kernbeißer. 161 | 78. Der Mohren:Kernbeifer‘). Beſchreibung. 8 Dieſer Vogel iſt etwas größer als ein Gimpel, allein fein län gerer, etwas aufgerichteter Schwanz noch einmal, ja wohl zwei⸗ mal ſo lang, als der Vogel ſelbſt; doch hat er dieſe Zierde blos in ſeiner Hochzeitkleidung. Der Schnabel iſt graubraun; die Fuͤße ſind grau; die Hauptfarbe ſammetſchwarz; die Schultern blutroth; die Deckfedern der Fluͤgel weiß; die Schwungfedern braungrau mit weißen Raͤndern. Das Weibchen iſt immer grau, auf den Schultern nur et⸗ was roth. | 2 N Zu Anfang des November zieht das Männchen fein ſchwar⸗ zes ſchoͤnes Kleid an, und verwechſelt es mit der weiblichen Klei— dung nach der Fortpflanzungszeit, oder im Januar. Merkwürdigkeiten. Das Vaterland dieſes Kernbeißers iſt das Vorgebirge der guten Hoffnung, tief nordweſtlich im Lande. Er baut an Suͤmpfe. Man bringt ihn felten nach Europa. Er muß wegen des langen Schwanzes einen großen Kaͤfig haben, wenn er ihn nicht abſtoßen ſoll. In der Freiheit hindert ihn dieſer Schwanz beim Winde ſehr im Fluge, und beim Regenwetter kann man ihn deßhalb mit den Haͤnden fangen. Man fuͤttert ihn mit Canarienſamen. 79, Der dunkelblaue Kernbeißer“). Beſchreibung. Er iſt ſo groß wie der gemeine Kernbeißer, etwas laͤnger, 6½ Zoll lang. Der Schnabel iſt / Zoll und der Schwanz- 2 Zoll lang. Der Schnabel ift ſtark, dunkelbraun; die Fuͤße ſind ſchwarz; das Kinn bis an die Augen mit einem ſchwarzen Strei⸗ fen umgeben; das ganze Gefieder iſt tiefblau, außer den großen Deckfedern der Flügel, den Schwungfedern und mittlern Schwanz: federn, welche dunkelbraun find; auch zeigen ſich auf den Schul: *) Loxia caffra. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 858. n. 75. **) Loxia coerulea. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 863, n. 41. Le Bouyrewil bleu d’Amerique. Buffon des Ois. 4. p. 392. Blue Grosbeack. Latham x Syn. II. 1. p. 116. n. II. Naturgeſch. d. Stubenvögel. 11 162 Der laſarblaue Kernbeißer. — Der gelbafterige Kernbeißer. tern einige rothe Flecken; Unterflügel und Unterſchwanz ſpielen etwas ins Gruͤne. a Das Weibchen iſt braun mit einer ſehr geringen blauen Miſchung. b . Merkwuͤrdigkeiten. Dieſen Vogel habe ich in der Stubenmenagerie des Herzogs von Meiningen beobachtet. Er wird mit Canarienſamen unterhal⸗ ten; er lockt wenig und ſingt leiſe, ſein Gefieder aber macht ihn angenehm. Sein Vaterland iſt Amerika, Carolina, Braſi— lien, Cayenne u. ſ. w. 80. Der laſurblaue Kernbeißer). (Taf. III. Fig. 5). Beſchreibung. Man haͤlt dieſen Kernbeißer gewoͤhnlich fuͤr eine Varietaͤt des vorhergehenden; allein ich habe ſie beide beiſammen geſehen, und ſie ſcheinen mir wirklich verſchiedene Voͤgel zu ſein. Er iſt etwas kleiner als der vorhergehende; der Schnabel iſt bleifarben; der Augenſtern nußbraun; die Fuͤße ſind ſchwaͤrzlich; das Gefieder iſt dunkelhimmel- oder laſur-blau; Halfter⸗, Zuͤgel-, Schwung- und Schwanzfedern ſchwarz, die Federn der beiden letztern blaugeraͤn⸗ dert; auf den Deckfedern der Fluͤgel die Raͤnder goldgelb, eben ſo mehrere auf der Bruſt; die Schenkel⸗ und Afterfedern weiß⸗ geſaͤumt. g Merkwuͤrdigkeiten. ne Dieſer ſehr ſchoͤne Vogel kommt aus Angola. Er haͤlt ſich bei Hanf, Canarienſamen und geſpelztem Hafer ſehr lange in der Stube. Sein Geſang iſt leiſe, aber angenehm, faſt wie der des Zeiſigs. Er iſt immer munter, und wird ſo zahm, daß er das Freſſen aus der Hand nimmt. 22 81. Der gelbafterige Kernbeißer Beſchreibung. Ich habe dieſen Vogel in der Vogelſammlung des Herzogs ) Loxia cyanea. Gmelin Lin. Syst. 1.2. p. 853. n. 22. Latham l. c. varietas praecedentis. % Loxia flaviventris. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 856. n. 72. Gros Der getüpfelte Kernbeißer. 163 von Meiningen gefehen, weiß aber nicht gewiß, ob es der er: wähnte gelbafterige Kernbeiß er (Loxia flaviventris, Lin.“) iſt. Die Groͤße iſt wie ein gemeiner Fink; die Laͤnge 5 Zoll. Der Schnabel iſt mittelmaͤßig ſtark, naͤhert ſich dem Finkenſchna⸗ bel, und iſt von Farbe hornbraun. Die Fuͤße ſind dunkelbraun. Kopf und Hals ſind hellblau, aber ohne Glanz; der ganze Ober— leib iſt olivengruͤn; die Bruſt bis zum After hellorangenfarben“). 8 Merkwuͤrdigkeiten. a Dieſer Vogel war vom Vogelhaͤndler fuͤr das Weibchen vom blauen Kernbeißer aͤusgegeben worden, bei welchem es auch im Kaͤfig ſteckt, und ſich ſehr wohl bei ihm befindet. Vielleicht, daß es das Weibchen von dem in der Note beſchriebenen Vogel iſt. f Das Vaterland iſt das Vorgebirge der guten Hoff— nung. . . 82. Der getüpfelte Kernbeißer ). (Taf. III. Fig. 6). Beſchreibung. 772 Er hat die Größe eines Haͤnflings, iſt 4½¼ Zoll lang. Der Schnabel und die Fuͤße ſind ſchwarz; der ganze Oberleib und der Unterleib bis zur Bruſt hellkaſtanienbraun; auf den Wangen ein purpurrother Fleck, der aber den jungen und den kaum gemauſerten Voͤgeln fehlt; Bauch und Seiten weiß, alle bec jaune du Cap de bonne Esperance. Brisson Av. 3. P. 225. m 2. t. II. Fig. I. Yellow-bellied Grosbeack? Latham Syn. II. 1. p. 137. n. 41. a = Lathams allgemeine Ueberſicht der Vögel (Ueberſetz). U. 1. S. 131. r. 42. **) Le Gros - bec jaune du Cap de bonne Esperance wird fo beſchrieben: Kopf, Hinterhals und Rücken ſind olivengrün mit braunen Streifen; der Steiß einfarbig olivengrün; der Unterleib dunkelgelb; an jeder Seite des Kopfes ein gelbes Band über die Augen; Schwungfedern und Schwanz braun mit oliven- grünen Rändern. : Das Weibchen iſt von weniger lebhaften Farben. Varietät: Scheitel, Bruſt und Oberleib find olivengrün; der Hinter: hals bis nach der Kehle zu aſchfarben; Bauch und After gelb; zwiſchen den Beinen weiß; die Schwungfedern ſchwarz mit gelben Rändern; der Schwanz por chi die äußern Ränder feiner Federn gelb, und längs den Schäften warz. ***) Loxia punctularia. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 851. n. 18. Gros- bec tacheté de Java. Buffon Planch. enl. No. 139. Fig. 1. Gowry Glos- beack. Latham Syn. II. 1. p. 142. n. 50. i 11 * 164 Der gebaͤnderte Kernbeißer. Federn herzfoͤrmig ſchwarz eingefaßt; der Unterbauch und After roͤthlichweiß; die Steißfedern grau geraͤndert; der Schwanz kurz und keilförmig, dunkelbraun wie die Flügel, mit der Farbe des Oberleibes uͤberzogen und aͤußerlich geraͤndert. Dem Weibchen fehlt der rothe Fleck auf den Wangen; Schnabel und Fuͤße ſind dunkelbraun; der Ruͤcken roͤthlichbraun; die Seiten weiß, mit dunkelbraunen Flecken; der After weißlich. Merk wuͤrdigkeiten. Dieſe Voͤgel kommen von der Inſel Java. Man hält fie in Kaͤfigen und füttert fie mit Canarienſamen. Sie locken Dige! und ſingen leiſe, faſt ſo an einander haͤngend und zwitſchernd, wie ein Zeiſig. l 83. Der gebänderte Kernbeißer). 5 (Taf. III. Fig. 7). Beſchreibung. Er iſt ſo groß wie ein Haͤnfling, ſeine Laͤnge beträgt aber 4½ Zoll. Der Schnabel iſt an der Wurzel dick, in der Mitte gedruͤckt, laͤuft ſehr ſpitz zu und iſt blaͤulichgrau; die kurzen Füße ſind fleiſchfarben. Der Oberleib iſt dunkelroͤthlich aſchgrau, jede Feder mit zwei ſchwaͤrzlichen Baͤndern, wovon man aber nur eins gewahr wird; Fluͤgel und Schwanz ſind ſchwaͤrzlich, letzterer mit weißlicher Spitze, und erſtere mit hellen Kindern; der Bauch ſchwarz mit eirunden roͤthlichweißen Flecken; der übrige Unterleib, Buͤrzel und Steiß roͤthlichgraubraun mit ſchwaͤrzlicher Federein⸗ faſſung; um die Wangen und das Kinn herum geht ein dunkel⸗ purpurrothes Halsband. N 8 Das Weibchen iſt heller; das Halsband fehlt; der Unter: leib iſt roͤthlichbraun mit dunkler Federeinfaſſung“). Dieſe Vögel variiren; a. Der, welchen ich vor mir habe, und welches ein Maͤnn⸗ chen iſt, ſieht folgendergeſtalt aus. Der Kopf iſt grauroͤthlich, ) Franz. Collexette. Wahrſcheinlich Loxia fasciata. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 859. n. 81. Fasciated Gros - beack. Latham Syn. II. 1. p. 156. n. 80. %) Vielleicht gehört auch hierher der geperlte Kernbeißer (Loxia per- lata. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 858. n. 80). Der braunwangige Kernbeißer. 165 dicht mit Schwarz gebändert; Oberhals, Rüden und Steiß ſind roͤthlich aſchgrau mit einem halbzirkelrunden ſchwarzen Querband und einer großen braunroͤthlichen Spitze; die Schulterfedern, Dede federn der Fluͤgel und hinterſten Schwungfedern dunkelaſchgrau mit einem eckigen ſchwarzen Querband und großer braunroͤthlicher Spitze; ein ſchmaler Streifen um den Unterſchnabel herum weiß, unter demſelben ein purpurrother Streifen, der ſich mit den pur⸗ purrothen Wangen verbindet; der Unterhals, die Seiten und Schenkel blaß rothbraͤunlich mit einem eckigen ſchwarzen Bande auf jeder Feder; die Bruſt weiß, an den Seiten roͤthlich uͤber⸗ laufen, mit einem ſolchen Bande; der Bauch ſchoͤn hellkaſtanien⸗ braun mit eirunden weißen Flecken, und an den Seiten blos mit einigen ſchwarzen Streifen; der After weiß; Fluͤgel und Schwanz dunkelbraun, mit braunrother Einfaſſung, und letzterer mit wei⸗ ßen Spitzen. 3 : b. Im Lathamſchen Werke (ſ. Syn. II. I. p. 156. n. 79 und in meiner Ueberſ. von Lathams allgemeiner Ueberſicht der Voͤgel, II. I. S. 149. Nr. 80.) wird dieſer Vogel folgenderge⸗ ſtalt beſchrieben. Scheitel, Hinterhals, Ruͤcken und kleine Deck⸗ federn der Fluͤgel hellbraun mit halbzirkelfoͤrmigen ſchwarzen Li⸗ [2 nien; die Wangen einfarbig braun, unten mit einem hoch carmoi⸗ ſinrothen Band eingefaßt, unter welchem eine ſchwarze Linie iſt; Bruſt und Bauch hellbraun, nur einzeln mit halbzirkelfoͤrmigen Linien bezeichnet; Schwungfedern und Schwanz braun. Merkwuͤrdigkeiten. Bei den Vogelhaͤndlern haben dieſe Vogel den Namen In⸗ dianiſche Sperlinge, obgleich ſie aus Afrika, von Guinea u. ſ. w. kommen. Sie locken, wie die Sperlinge, Dieb! und ſingen auch faſt ſo abgebrochen und ſchlecht. Sie freſſen Cana⸗ rienſamen. f | Su. Der braunwangige Kernbeißer “). | Beſchreibung. | Er hat die Größe eines Zeiſigs, und iſt 4 Zoll lang. Der Schnabel iſt kurz, ſtark und hornbraun; die Fuͤße ſind fleiſchfar⸗ * Loxia canora. Gmelin. Lin. Syst. I. 2. p. 858. n. 78. Brown- checked Gros- beack. Latham Syn. II. 1. p. 155. n. 77. 166 Der Malackiſche Kernbeißer. ben; die braunen Wangen ſind von der Kehle an bis hinter die Ohren mit einer gelben Einfaſſung geziert; Kopf, Ruͤcken, Zi: gel und der etwas keilfoͤrmig abgerundete Schwanz ſind ſchmutzig hellgruͤn; Bruſt und Bauch afchgrau.. Dem Weibchen fehlt die gelbe Wangeneinfaſſung. Merkwuͤrdigkeiten. Dieß niedliche Voͤgelchen kommt aus Mexiko. Es hat einen ſanften floͤtenden Geſang, und iſt in ſeinem Betragen lebhaft und artig. Man ſteckt es in einen Kaͤfig und fuͤttert es mit Cana⸗ rienſamen und Hirſen. 83. Der Malackiſche Kernbeißer ). (Taf. III. Fig. 8.) Beſchreibung. Er hat die Größe des Gruͤnlings, iſt 4½ Zoll lang, wos von der dicke aſchblaue Schnabel 5 Linien und der Schwanz 1½ Zoll mißt. Die Fuͤße ſind aſchblau; Kopf, Hals, ein Streifen von der Mitte des Bauchs bis zu dem After und die Schenkel ſchwarz; die Bruſt und die Seiten des Bauchs weiß; Ruͤcken, Fluͤgel und Schwanz hellkaſtanienbraun, die beiden letztern auf der untern Seite dunkelbraun. Es iſt ein dickkoͤpfiger und dick⸗ leibiger Vogel. Man giebt fuͤr eine Varietaͤt N Gros- bec de la China (Ornith. III. p. 235. n. 7.) aus: Kopf, Kehle und Vor⸗ derhals ſind ſchwarz, das obere Gefieder roth- oder kaſtanienbraun; Fluͤgel und Schwanz wie beim vorhergehenden. So habe ich den Vogel mehrmals in der Stube als Maͤnnchen geſehen, das ge— ſungen und ſich gemauſert hat, und nach der Mauſer doch wie— der ſo geweſen iſt, ohne weiß an der Bruſt und ſchwarz am Bauche. Edwards, der ihn Planch. 355. (Seligmanns Voͤgel. II. Taf 85) abgebildet hat, giebt ihm auch ein Weibchen, das in demſelben Kaͤfig ſteckte, und ſich ſehr wohl bei ihm befand. Es war am Oberleibe aſchgraulichbraun; die Seiten des Kopfes *) Loxia Malacca. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 851. n. 16. Jacobin. Buffon des Ois. 3. p. 468. Planch. enl. n. 149. Fig, 3. Malacca Gros- beack. Latlıaın Syn. II, 1, v. 140. n. 47. Der ſchwarzwoͤlkige Kernbeißer. 167 und die Untertheile roͤthlich-, oder vielmehr roſenfarben weiß; Schwungfedern und Schwanz ſchwaͤrzlich; die Fuͤße fleiſchfarben. Wegen der ſchwarzen Schwung: und Schwanzfedern ſcheint der Vogel doch nicht hierher zu gehoͤren. Das Vertraulichſein iſt kein Beweis, da faſt alle ſamenfreſſende Voͤgel vertraulich unter einander ſind, und ſich ſchnaͤbeln. | Merkwürdigkeiten. Man bringt dieſen Vogel aus Oſtindien mit. Er wird ſehr zahm und zutraulich, und iſt dabei ſehr munter. Er hat eine ſtarke Stimme, ruft hoch Ziap und ſingt einige nicht unan⸗ genehm klingende, ſtarke, mit einem Schnarchen vermiſchte Stro⸗ phen. Man fuͤttert ihn mit Hanf und Canarienſamen, wobei er ſich lange Zeit ſehr wohl befindet. f 86. Der ſchwarzwölkige Kernbeißſer). u Beſchreibung. Ich habe zwei dieſer Voͤgel geſehen. Sie ſcheinen Aehnlich keit mit dem Moluckiſchen und ſchwarzen Kernbeißer (Loxia molucca et nigra)zu haben; doch trifft ihre Beſchreibung nicht ganz uͤberein. Sie ſind ſo groß wie ein Hausſperling. Der Schnabel iſt ſtark und weißgrau; die Fuͤße find groß und bleifarben. Das Gefieder überhaupt iſt ſchwarz, auf dem Steiß und am After weiß; der Unterleib weißgrau, und die Deckfedern der Fluͤgel rothgrau gewoͤlkt; doch ſcheint die ſchwarze Farbe die Hauptfarbe zu ſein; denn nach jeder Mauſer wurden der Unterleib und die Fluͤgel heller gewoͤlkt. nn Merkwürdigkeiten. Dieſer Vogel ſoll aus Afrika ſtammen, und vorzüglich vom Vorgebirge der guten Hoffnung kommen. Er wird ſehr zahm, frißt Hirſen, Hanf „Canarienſamen und Ruͤbſamen. Sein Geſang iſt ein an einander haͤngendes Geklirre, von wenig Me⸗ lodie. Er lockt Zieb! und dauert viele Jahre. a. Den Moluckiſchen Kernbeißer (Loxia molucea. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 851. n. 17.) beſchreibt man ſo: die Laͤnge 4 Zoll; der Schnabel dunkelbraun; Vorderkopf und Vorderhals ſchwarz; Hinterkopf und Oberleib braun; Bruſt und ) Loxia nubilosa, mihi. 168 Der rothſchnaͤbliche Kernbeißer. Bauch ſchwarz und weiß in die Quere geſtreift; der Schwanz ſchwarz; die Schwungfedern dunkelbraun; die Füße braun. —. Auf den Molucken. b. Der ſchwarze Kernbeißer (Loxia nigra. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 862. n. 30.) ift 5 ¼ Zoll lang; der Schnas bel ſchwarz, ſtark und in der Mitte der obern Kinnlade tief ges druͤckt (welches aber bei unſern Voͤgeln nicht iſt); das Gefieder ſchwarz, ein wenig Weiß am vordern Theil der Fluͤgel und an der Wurzel der zwei erſten Schwungfedern ausgenommen; die Fuͤße ſchwarz. — In Mexiko. 87. Der rothſchnäbliche Kernbeißer. (Rothſchnabel, Fink mit blutrothem Schnabel.“) Beſchreibung. Dieſer Vogel iſt ſo groß als ein Hausſperling, und wird jetzt von den Vogelhaͤndlern haͤufig aus England mit nach Deutſch— land zum Verkauf gebracht. Man bringt ihn mit aus Afrika. Sein Schnabel iſt dick, weit in die Wurzel hinein oben kahl, und von dunkelblutrother Farbe; Stirn, Augengegend und Kinn ſind ſchwarz. Der Oberleib iſt graubraun mit ſchwaͤrzlichen Laͤngs⸗ ſtreifen, faſt wie am Feldſperling; der Unterleib hell braunroth; - Schwung: und Schwanzfedern dunkelbraun, roͤthlichgrau geſaͤumt; die Fuͤße fleiſchroth, der Augenſtern gelbroth; die Augenlieder fleiſchroth. N u Das Weibchen iſt weit heller; die ſchwarze Kopfzeichnung fehlt, und der Unterleib iſt gelblichweiß. Merk wuͤrdigkeiten. Man findet, wie geſagt, dieſen Vögel jetzt haufig in Deutſch— land in Kaͤfigen. Man giebt ihm Hirſen und Canarienſamen zu freſſen. Nicht nur ſeine Schoͤnheit, ſondern auch ſein leiſer Geſang, der mit dem des Laubvoͤgelchens Aehnlichkeit hat, macht dem Liebhaber Vergnuͤgen. Maͤnnchen und Weibchen ſchnaͤbeln ſich immer zuſammen, begatten ſich aber nicht, und niſten auch nicht im Kaͤfig. Sie werden alt. ) Loxia Sanguinirostris. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 852. n. 20. Red- billed Grosbeack. Latham Syn. III. p. 151. n. 69. a Der Schneeammer. 169 a. Inlaͤndiſche Ammerarten. SS. Der Schneeammer. (Schneeſperling, Schneevogel, Winterſperling, Meerſtieglitz, Schnee⸗ lerche, Schneefinf. *) | Beſchreibung. Die Naturforſcher geben das Sommer- und Winterkleid dieſes Vogels als gar merklich verſchieden an. Ich laſſe die Wahrheit dieſer Behauptung dahin geſtellt ſein, (obgleich ich vermuthe, daß der Unterſchied blos im Alter, wie bei mehrern Voͤgeln liegt) ; und begnuͤge mich hier nur, feine Winter- und Stubenfarbe an⸗ zugeben, da wir ihn zu andern Jahreszeiten, weil er im Som⸗ mer die noͤrdlichſten Laͤnder innerhalb des ganzen Arktiſchen Krei⸗ ſes bewohnt, nicht zu Geſicht bekommen. An Groͤße gleicht er faſt einer Feldlerche und iſt 6½ Zoll lang. Der Schnabel iſt, wie bei allen Ammern, kegelfoͤrmig, an den Seiten einwaͤrts ge: bogen, und an dem Gaumen mit einer harten Erhoͤhung verſe⸗ hen, von Farbe gelb, nur an der Spitze ſchwarz, ſo lange er aber ſingt, ganz ſchwarz, und 6 Linien lang; die Schienbeine ſind 1 Zoll hoch, und ſo wie die Zehen kohlſchwarz; der Kopf, Hals und ganze Unterleib ſind weiß, der Kopf zuweilen mit etwas gelbbrauner Farbe beſpritzt; Ruͤcken und Steiß ſind ſchwarz, die Ruͤckenfedern weiß, die Schulter: und Steißfedern aber braͤun⸗ lichgelb eingefaßt; im Frühjahr ſtaͤrker, im Sommer ſchwaͤcher; die erſte Ordnung der Schwungfedern zur Haͤlfte weiß, nach der Spitze ſchwarz, die andern weiß, bis auf diejenigen, welche auf den drei letztern Schwungfedern liegen, die ebenfalls ſchwarz ſind mit gelblichbrauner Einfaſſung; der Schwanz iſt gabelfoͤrmig, die drei erſten Federn weiß, mit einem ſchwarzen Spitzenſtrich, die folgende vierte ſchwarz, roͤthlich eingefaßt. Das Weibchen iſt etwas kleiner, am Kopf und Oberhals weiß mit Gelbbraun oder Zimmetbraun gemiſcht, und uͤber die weiße Bruſt laufen eben dergleichen Flecken, wie ein abgebrochenes Band. Die Jungen, die man im Winter fängt, erkennt man *) Emberiza nivalis. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 866. n. 1. Ortolan de neige. Buffon des Ois. 4. p. 329. Snow Bunting. Latham Syn. II. _ n. 1. Deutſche Ornithologie. Heft. 3. Taf. 6. Männchen und eibchen. a * 70 | Der Bergammer. an dem dunkelbraunen Schnabel, dunkelbraunen, graulichweißen eingefaßten Ruͤcken, und der maͤnnliche junge Vogel iſt immer am Hinterkopf gelbbraun geſprengt, der weibliche aber hat gelb— braune Wangen und Sprenkeln an der Bruſt. Merkwuͤrdigkeiten. Man findet in harten Wintern dieſen Vogel vom December bis zum Mai in Deutſchland, beſonders in den nördlichen Gegenden, wo er bis in die Doͤrfer geht. Gewiß wird er aber uͤberall, wenn man aufmerkſam iſt, im Maͤrz auf dem Ruͤckzuge nach feiner Heimath, ſobald Schnee faͤllt, auf den Fahrwegen und im Felde unter den Lerchen angetroffen. Man faͤngt ihn dann auf dem Pferdemiſt, den man in einem Gaͤrnchen oder mit Leim: ruthen beſtellt, auch im Felde auf Plaͤtzen, die man vom Schnee entbloͤßt und mit Hafer beſtreut. Ich hatte ein Paͤrchen ſechs Jahre lang in der Stube frei herumlaufen. Sonſt kann man ſie auch in einen großen Glockenbauer thun. Sie nehmen mit dem gewoͤhnlichen Stubenfutter vorlieb; im Kaͤfig giebt man ihnen aber Mohn, Hanf, Hafer, Hirſen und Leindotter. Sie baden ſich gern. Es ſind unruhige Voͤgel, die des Nachts herumhuͤp— fen und laufen. Ihre Lockſtimme klingt hell und laut, wie wenn ein Menſch pfeift: pfiff, Fid! Der Geſang iſt abgebrochen, zwitſchernd mit etlichen lauten, aus der Hoͤhe herabziehenden, lang anhaltenden Schreitoͤnen und andern einzelnen abgebrochenen, ſtarken, pfeifenden vermiſcht, und klingt artig genug. Man darf ſie, wenn ſie lange leben ſollen, nicht nahe an die Ofenwaͤrme thun, die ſie gar nicht vertragen koͤnnen. 89. Der Bergammer ) Er iſt etwas kleiner als der vorhergehende. Der Schnabel iſt kurz und ſtark, gelb, an der Spitze ſchwarz; der Kopf faſt viereckig; die Stirnbinde hellkaſtanienbraun, der Hinterkopf und die Wangen heller; der Hinterhals und Rüden aſchfarben, letzte— rer mehr ſchwarz gefleckt, wodurch er wie der Rüden eines Gold⸗ ammerweibchens ausſieht; die Kehle weiß; die Bruſt und die Au⸗ *) Emberiza montana. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 867. n. 25. Em- beriza mustelina. Gmelin Lin. I. c. n. 7. Ortolan de montagne. Buf- fon Planch. enl. No. 51 I. Fig. 2. lawny and Montain Bunting. Latham Syn. II. 1. p. 164. n. 2. et 3. Meine N. G. Deutſchlands. III. Taf. 10. Der Goldammer. 171 gen roſtroͤthlich, uͤber erftere ein braunrothes Band, das ſich bei jungen Vögeln nur in einer Art von Gewoͤlk zeigt; die Deckfedern der Flügel ſchwarzgrau, die großen mit weißer Einfaſſung; die fuͤnf erſten Schwungfedern ſchwarzbraun, die uͤbrigen weiß und die Spitzen alle braun geſtreift; die drei aͤußern Schwanzfedern weiß, die uͤbrigen dunkelbraun; die Fuͤße ſchwarz. Das Weibchen iſt am Kopf abwechſelnd ſchwarz, rothgelb und weiß, am Hinterhals rothgelblichgrau, und der Bauch roth⸗ gelblichweiß. 5 | Merkwürdigkeiten. Dieſer ſchoͤne Vogel bewohnt die noͤrdlichen Gegenden von Europa; er muß aber nicht haufig ſein. In Thuͤringen (und ſo auch wohl in dem uͤbrigen Deutſchland) trifft man ihn faſt alle Jahre auf ſeinem Ruͤckzuge im Maͤrz, wenn eben ſtuͤrmiſche Witterung und anhaltender hoher Schnee einfaͤllt, auf den Stra⸗ ßen und Fahrwegen, wo er dem Pferdekoth und Wegbreitſamen nachgeht, meiſtens paarweiſe an. — Er hat eine helle Stimme, lockt Zo rr, Zoͤrr! ſingt hell abgebrochen, faſt wie alle Ammern, nicht unangenehm, und läßt ſich im Zimmer an der Erde oder in einem großen Vogelbauer durch Hafer, Mohn, Brod, Hanf u. ſ. w. ſehr leicht unterhalten. Er iſt des Nachts, wie der Schneeammer, ſehr unruhig, beſonders zur Zeit der Paarung, wo er auch in der dunkelſten Nacht ſeine Lockſtimme hoͤren laͤßt. Wenn man zuweilen unter einer Familie von Voͤgeln die⸗ ſer Art einige antrifft, die am Oberleibe rothgrau, auf dem Kopf gelblich und auf dem Ruͤcken dunkelbraun gefleckt ſind, ſo ſind es Junge. i a Man faͤngt ſie eben ſo wie die Schneeammern. 90. Der Gold ammer. (Emmerling, Embritz, Ammeriz, Gelbling, Golmer, Gaalammer, Geelgerſt, Groͤning'). : a Beſchreibung. So bekannt dieſer Vogel in Deutſchland iſt, ſo noͤthig iſt ) Emberiza Citrinella. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 870. n. 5. Bruant. Buffon des Ois. 9. p. 340. t. 8. Yellow Bunting. Latham Syn II. 1. p. 170. n. 7. Friſch Vögel. Taf. 5. Fig. 6. Fig. 2. a. — Der Goldammer. doch feine Beſchreibung, da junge Maͤnnchen und alte Weibchen ſehr oft verwechſelt werden. Seine Länge iſt 6½ Zoll, wovon der geſpaltene Schwanz 3 Zoll wegnimmt; der Schnabel iſt 5 Linien lang, im Sommer ſchmutzig dunkelblau, und im Winter aſchfarbig; der Augenſtern dunkelbraun; die Fuͤße ſind hellbraun und 9 Linien hoch. Der Kopf iſt bei alten Voͤgeln ſchoͤn licht⸗ gelb, gewoͤhnlich aber mit einigen dunkelolivenbraunen Flecken an den Wangen und auf dem Scheitel bezeichnet; nur an ſehr alten iſt Kopf und Hals rein goldgelb; der Nacken olivengruͤn; der Ruͤcken ſchwarz und grauroͤthlich gemiſcht; der Steiß orangenroth; die Kehle, der Unterhals und der Bauch ſchoͤn gold- oder licht— gelb; die Bruſt, beſonders an beiden Seiten, und der After oran⸗ genroth und gelb gefleckt, die kleinern Deckfedern olivenfarbig, die groͤßern und die letztern Schwungfedern ſchwarz, roſtfarbig ge⸗ miſcht, die vordern Schwungfedern ſchwaͤrzlich, gruͤngelb geſaͤumt; die Schwanzfedern ſchwaͤrzlich, die zwei aͤußern mit einem keil⸗ foͤrmigen weißen Fleck, die uͤbrigen gelblich, und die mittelſten roſtfarben geraͤndert. g ö | Das Weibchen iſt etwas kleiner; an Kopf, Kehle und Hals ſieht man faft nichts Gelbes, fo ſehr iſt der Kopf und die Wan⸗ gen mit braunen und der Hals mit olivenfarbigen Flecken ver⸗ miſcht. Die Bruſt nur roſtfarben gefleckt und die Deckfedern der Fluͤgel nur roͤthlichweiß bezeichnet; es ſieht daher von weitem mehr grau als gelb aus. a Die jungen Maͤnnchen ſehen im erſten Fruͤhling faſt wie die alten Weibchen aus, doch bemerkt man auf dem Scheitel ſchon einen gelben Fleck, ſo wie uͤber den Augen einen goldgelben Strei— fen und eine dergleichen Kehle; auch die roſtfarbene Bruſt und der Steiß ſind mehr orangenroth und ungefleckt. Man trifft auch zuweilen weiße und gefleckte Spielar⸗ ten an Aufenthalt. a. Im Freien. Der Goldammer wird in ganz Europa und in dem noͤrdlichen Aſien angetroffen. Er wohnt im Som— mer in Feld⸗ und Vorhoͤlzern, geht im Herbſt in die Felder und im Winter vor die Scheuern und Ställe. b. In der Stube. Da man ihn da, wo er häufig iſt, als Stubenvogel nicht beſonders ſchaͤtzt, wird er auch gewoͤhnlich Der Goldammer. 173 blos an die Erde in ein Vogelgitter und zum freien Herumlau⸗ fen gethan. In andern Gegenden aber thut man ihn auch wohl in einen großen Glockenbauer. 5 Nahrung. a. Im Freien. Ihre Hauptnahrung ſind im Sommer Inſekten, beſonders Raupenarten, womit ſie auch, wie alle Am⸗ mern, die Jungen fuͤttern; im Herbſt und Winter aber allerhand Saͤmereien und Getreide, das ſie vermittelſt des innern Gaumen⸗ hoͤckers geſchickt ausſpelzen koͤnnen z. B. Hafer, Spelt, Hirſen, Canarienſamen ꝛc. Mohn, Ruͤbſamen und andere kleine Saͤme⸗ reien aber verſchlucken ſie ganz. Der Hafer iſt ihr Lieblingsfut⸗ 8 i 8 b. In der Stube. Wenn fie bier etliche Sahre dauern ſollen, fo muß man fie mit, abwechſelndem Futter, mit Hafer, Semmelkrumen, Brod, Fleiſch, Mohn, zerquetſchtem Hanf u. dgl. füttern; frei herum laufend bekommt ihnen das zweite Univerſal⸗ futter am beſten. Vielleicht um die Verdauung zu befoͤrdern, freſſen ſie oft friſche ſchwarze Erde. Dieß habe ich wenigſtens bei allen bemerkt, die ich in der Stube gehalten habe. Sie ba⸗ den ſich gern. i ö Fortpflanzung. Sie machen gewöhnlich zwei Gehecke, und zwar, als Stand: voͤgel, das erſte ſehr früh zu Ende Maͤrz oder Anfangs April. Das Neſt ſteht in Hecken oder unter Gebuͤſchen, auch auf der Erde im Moos, und beſteht aͤußerlich aus kuͤnſtlich verwebten Grashalmen und inwendig aus Pferdes und Kuhhaaren. Das Weibchen legt drei bis fuͤnf ſchmutzigweiße, blaß⸗ und hellbraun beſpritzte und geraͤnderte Eier. Jung aufgezogen lernen die Männs chen die Finkenſchlaͤge und auch kurze Strophen aus andern Vo⸗ gelgeſaͤngen nachahmen. a Krankheiten. Sie ſind vorzuͤglich der Auszehrung unterworfen, und das Mauſern iſt auch oft mit Schwierigkeiten verbunden, indem ſie immer einige Zeit darnach kraͤnkeln, auch oft gar ſterben. Um dieß zu verhuͤten, giebt man ihnen, fo wie allen Ammern: und Finkenarten, zur Zeit des Mauſerns friſche Ameiſeneier zur Nah⸗ rung, die das Mauſern ungemein befoͤrdern. = Der Gerſtenammer. Fang. Im Winter faͤngt man ſie in Gaͤrten, die an die Haͤuſer ſtoßen, in Schlaggarnen, unter welche man zur Lockſpeiſe Ha— fer ſtreut; eben ſo gehen ſie alsdann auch unter die Siebe, die man mit einem Hoͤlzchen aufſtellt, an welchem ein Faden haͤngt, vermittelſt deſſen man das Hoͤlzchen, wenn ſie darunter ſind, weg— ziehen kann. Sie fallen auch einzeln auf den Herd, wenn man einen Laͤufer hat, und im Fruͤhjahr auf die Lockbuͤſche, wenn fie durch einen Lockvogel herbeigerufen werden. Man kann alſo dieſen Vogel ſehr leicht fangen. Empfehlende Eigenſchaften.“ Er empfiehlt ſich a) durch feine Schönheit, obgleich das Gold: gelbe, wenn er etliche Jahre im Zimmer iſt, worin er hoͤchſtens fuͤnf bis ſechs Jahre aushaͤlt, nach und nach blaßgelb wird, und p) durch feinen Geſang, der aber freilich nicht beſonders ausge⸗ zeichnet iſt, aber doch angenehm klingt. Er beſteht nämlich aus den ſieben bis neun hellklingenden Toͤnen! Ti, ti, ti, ti, ti, ti, tui: wovon die erſten Noten alle eintoͤnig, die letzte aber dehnend bis zu einer Tertie herabfaͤllt. In Thuͤringen ſprechen ihnen die Kinder dieſen Geſang nach: Wenn ich eine Sichel hätt’, wollt ich mit ſchnid (ſchneiden). So fein die Stimme iſt, ſo weit ertoͤnt ſie. Außerdem betraͤgt ſich dieſer Vogel im Zimmer und Kaͤfig ſehr ungeſchickt, ſo munter und gewandt er ſich auch im Freien bezeigt. 91. Der Gerſtenammer. (Grauammer, gemeiner Ammer, Gerſtvogel, Braßler, großer Am⸗ mer, Kornlerche!). i Beſchreibung. Dieſer Vogel, der in ganz Europa und dem nördlichen Aſien angetroffen wird, iſt noch weniger als der vorhergehende zum Stubenvogel geeignet, indem ihn weder Geſang noch Farbe auszeichnen. Er iſt groͤßer als eine Feldlerche, der er in der Far⸗ be faſt gleich ſieht, 7½ Zoll lang, wovon der Schwanz 3 Zoll 5 Emberiza miliaria. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 868. n. 3. Proyer. Buffon des Ois. 4. p. 353. Common Bunting. Latham Syn. II. I. p. 171. n. 8. Fri ſch Vögel. Taf. 6. Fig. 2. 6. Der Gerſtenammer. 175 einnimmt. Der Schnabel iſt kurz und ſtark, 6 Linien lang und ſo wie die Fuͤße graubraun, im Sommer erſterer an der untern Kinnlade gelblich; die Fuͤße ſind 10 Linien hoch. Der ganze Vo⸗ gel iſt am Oberleib blaß roͤthlichgrau und am Unterleib gelblich⸗ weiß, allenthalben, wie die Lerchen, ſchwarzbraun gefleckt, oben ſtaͤrker, unten feiner; Schwung-⸗ und Schwanzfedern ſind dunkel⸗ braun, von letzteren die aͤußerſte Feder mit einem verloſchen weiß⸗ lichen, keilfoͤrmigen Fleck. Das Weibchen iſt etwas heller. Aufenthalt. 5 a. Im Freien. In mehren Gegenden Deutſchlands iſt er ſehr zahlreich das ganze Jahr hindurch, in andere kommen nur diejenigen Voͤgel auf ihrem Zuge, die in noͤrdliche Laͤnder gehoͤren, in welchen ſie den Winter uͤber nicht aushalten koͤnnen. Im Maͤrz trifft man ſie daher unter den Lerchen auf dem Felde an. Sie ziehen die ebenen Gegenden den Waldungen vor, und man ſieht ſie daher an den Wieſen, Landwegen, auf der Spitze einer Weide oder eines Zaunpfahls, auf einem Graͤnzſtein oder auf einer Erdſcholle ſitzen. ö b. In der Stube laßt man ſie unter den Voͤgeln frei herum laufen, oder ſetzt ſie in einen großen Lerchenbauer. Nahrung. Im Freien naͤhren ſie ſich, wie die Goldammern, und im Zimmer fuͤttert man ſie mit Hafer und Hirſen und dem gewoͤhn⸗ lichen Vogelfutter. Sie ſind zaͤrtlicher als die Goldammern. Fortpflanzung. Sie bauen gewoͤhnlich ins hohe Gras unter einen Buſch, und ſetzen das Neſt nicht auf die Erde auf. Es beſteht aus duͤr— | ren Grashalmen und iſt mit Thierhaaren ausgefuͤttert. Es ent⸗ haͤlt vier bis ſechs aſchgraue, mit rothbraunen Flecken und ſchwar⸗ zen Zuͤgen und Strichen beſetzte Eier. - Fang. Man fängt fie im Herbſt auf dem Herde mit Lockvoͤgeln; im Fruͤhjahr laſſen fie ſich auch durch Goldammern auf die Lock⸗ buͤſche locken, und vor den Scheuern faͤngt man ſie im Winter mit Netzen und Leimruthen. Ihre Lockſtimme iſt Tirriitzl 176 Der Gartenammer oder Ortolan. Empfehlende Eigenſchaften. Der Geſang des Maͤnnchens iſt kuͤrzer und rauher als der des Goldammers, und druͤckt ſich durch folgende Sylben: Tei, tei, tei, tiritz!l aus. Die letzte Note ſchnarrt, daher man ihn in manchen Gegenden den Strumpfwirker nennt. 92. Der Gartenammer oder Ortolan. (Fettammer, Kornfink . Windſche, Jukvogel.“) (Taf. IV. Fig. 1.) Beſchreibung. x Es wird um deßwillen eine deſto genauere Beſchreibung die⸗ ſes Vogels hier nothwendig, weil Naturforſcher und Vogelſteller mehrere Voͤgel Ortolane nennen, die doch keine ſind, und letztere alle ſeltene Ammerarten unter dem Namen Ortolan zum Ver⸗ kauf bieten. N Er hat die Größe des Goldammers, iſt aber etwas ſtaͤrker an Bruſt und Schnabel. Seine Länge iſt 6 ½ Zoll, wovon der Schwanz 2¼ Zoll einnimmt. Der Schnabel iſt an der Wurzel ſtark, 6 Linien lang und gelblichfleiſchfarben, der Augenſtern dun⸗ kelbraun; die Fuͤße ſind fleiſchfarben und 10 Linien hoch; Kopf und Hals ſind aſchgrau olivenfarben; die Kehle und ein Streifen vom untern Schnabelwinkel nach dem Hals herab hochgelb; der Ruͤcken und die Schulterfedern rothbraun, ſchwarz gefleckt; der Steiß ſchmutzig graubraun; der Unterleib rothgelb, hellbraun gewaͤſſert oder mit einem Worte carmeletfarben; die Schwungfe⸗ dern dunkelbraun, einige mit gelbrothen, andere mit grauen Raͤn⸗ dern; die Schwanzfedern ſchwaͤrzlich, die beiden aͤußerſten mit einem keilfoͤrmig weißen Fleck, die andern alle rothgelb geſaͤumt. Das Weibchen iſt etwas kleiner, am Hals und Kopf ins Aſchfarbene ſpielend und mit kleinen ſchwaͤrzlichen langen Linien bezeichnet; die Bruſt iſt auch weniger braun und der ganze Un⸗ ter⸗ und Oberleib heller. 4 ? Die jungen Maͤnnchen haben vor dem erſten Mauſern eine undeutliche gelbe Kehle mit grauer Miſchung, und Bruſt 9 Emberiza hortulana. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 869. n. 4. Ortolan. Buffon des Ois. 4. p. 395. t. 14. Ortolan Bunting. Latham Syn. II. I. p. 167. n. 5 Meine N. G. Deutſchl. III. Taf. 6. a 1 Der Gartenammer oder Drtolan. 177 und Bauch find rothgelb mit Grau geſprenkelt. Sie fehen daher den jungen Goldammern nicht unaͤhnlich. Doch kann der Ken: ner ſchon im Neſte den Unterſchied beider Geſchlechter bemerken. f Es giebt auch weiße, gelblichweiße, bunte, und im Zimmer m zuweilen ſchwarze Spielarten von dieſem Vogel. N Aufenthalt. a. Im Freien. Dieſer Vogel bewohnt die ſuͤdlichen und ge maͤßigten Gegenden von Europa, und iſt in manchen Provinzen Deutſchlands nicht ſelten; wird aber allenthalben, wenn man da— rauf achtet, auf ſeinen Reiſen angetroffen, wenn er auch den Sommer uͤber nicht bleiben ſollte: denn er macht auf ſeinem Zuge immer Halt, und fliegt nicht ganze Strecken auf einmal. Wenn man die Gegenden bemerkt, wo man ſie einmal angetrof⸗ fen hat, beſonders im Fruͤhjahr, ſo wird man ſie gewiß um die— ſelbe Zeit wieder dort antreffen, fo unveraͤnderlich iſt ihre Reiſe⸗ route. Sie reifen lieber familien- als ſchaarenweiſe. In Deutfch: land treffen fie in den letzten Tagen des April oder in den er⸗ ſten des Mai ein, und man darf ſie dann nur in Gaͤrten, und da im Felde ſuchen, wo einzelnes Gebuͤſch oder kleine Waͤld— * chen ſind, und zur Heckzeit in den Gaͤrten und Vorhoͤlzern, die an große Waͤlder ſtoßen, beſonders wo man in der Naͤhe Hir— fen baut.“ Im Auguſt gehen fie familienweiſe ins Feld und 958 | laſſen uns dann mit der Haferernte im September. b. In der Stube. Als einem von langer Zeit her a ten und berühmten Vogel giebt man ihm einen ſchoͤnen Glocken— bauer zu ſeinem Behaͤlter. Man kann ihn aber auch frei herum— laufen laſſen, wie es wohl da geſchieht, wo man ſie haͤufig ſieht. Nahrung. a. Im eben Er frißt nicht nur allerhand Inſekten, ſon⸗ | dern auch Hirſen, Hafer, Buchweizen, Hanf ꝛc.“ | | b. In der Stube. Wenn er im Käfig ſteckt, fo füttert - | man ihn mit Hirfen, Mohn und gefpelztem Hafer; frei herum: | laufend nimmt er mit dem gewöhnlichen Univerſalfutter vorlieb. Er iſt aber ein zarter Stubenvogel, den man ſelten laͤnger als hoͤchſtens vier Jahre erhaͤlt. | Krankheiten. we Er wird mit den gewöhnlichen heimgeſucht, und ſtirbt meh: | rentheils an der Duͤrrſucht, oder Auszehrung. 3 | | Naturgeſch. d. Stubenvögel, 12 Der Zaunammer. Fang. Im Fruͤhjahr fängt man ihn einzeln auf den Lockbuͤſchen, worauf ihn ein Lockvogel ſeiner Art oder auch nur ein Goldam⸗ merweibchen lockt. Im Auguſt legt man auf einen gruͤnen Platz in der Naͤhe von Gebuͤſchen einen kleinen Herd, wie einen Finkenherd, an, umgiebt ihn mit einem niedrigen Zaun und ſteckt uͤberall Hafer⸗ buͤſchel hin. Neben dem Herd ſetzt man einen oder mehrere Lock⸗ voͤgel ſeiner Art, und laͤufert auch einen an, d. h. ſteckt ſeine Fluͤgel zwiſchen ein Riemchen, an welchem ein Faden mit einem Pfloͤckchen befindlich iſt, vermittelſt deſſen man den Vogel feſt pfloͤcken kann, daß er nur auf dem kleinen beſtimmten Platz herum laͤuft. Dieſer bekommt auch zu freſſen und zu ſaufen, damit die herbeigelockten Voͤgel deſto beſſer auf den Herd fallen, weil ſie glauben, da ſaͤße ſchon einer von ihren Kammeraden im Wohlleben. Man nennt ſolche angefeffelte Voͤgel Laͤufer, und ſie ſind oft noͤthiger als die Lockvoͤgel ſelbſt. Die Locktoͤne des Gartenammers ſind Tzwit, tzwit! Gye, Gye! Goͤh, goͤh! Peckpeck! Empfehlende Eigenſchaften. Schon die ſchoͤne Bildung und Farbe machen den Vogel angenehm, noch mehr aber ſein floͤtender, runder und reiner Ge— ſang, der mit dem Geſang des Goldammers Aehnlichkeit hat, außer daß die letztern Toͤne mehr in die Tiefe ſteigen“). 93. Der Zaunammer. (Cirlus, Zizi, gefleckter Ammer, Zaunammeritze, Heckenammer, Zirlammer, Pfeifammer, Steinemmerling. ) Beſchreibung. Dieſer, in mehreren Gegenden Deutſchlands ſeltene, in Thuͤ— ) Für Leckermäuler werden dieſe Vögel ſeit langer Zeit gemäſtet. Man ſetzt ſie in dieſer Abſicht in ein mit Laternen erleuchtetes Zimmer, damit ſie den Unterſchied zwiſchen Tag und Nacht nicht bemerken, und füttert ſie mit Hafer, Hirſen und Milchſemmeln, worunter auch gutes Gewürz gethan wird, wovon fie in kurzer Zeit jo fett werden, daß man ſie zur rechten Zeit ſchlach⸗ ten muß, wenn ſie nicht in ihrem Fette erſticken ſollen. Sie ſollen alsdann Fettklumpen von drei Unzen werden. **) Emberiza Elaeathorax, mihi und Emberiza Cirlus. (Lin. blos das Der Zaunammer. g 179 ringen aber haͤufige Vogel hat faſt die Groͤße des Goldammers, und iſt 5¼ Zoll lang, wovon der Schwanz 2½ Zoll mißt. Der kleine ſehr gedruͤckte Schnabel iſt oben braͤunlich blau, unten hellbraun; die Fuͤße ſind fleiſchfarben, 8 Linien hoch; der Ober⸗ kopf und Oberhals olivengruͤn mit kleinen ſchwarzen Strichelchen; vom obern Schnabelwinkel laͤuft unter die Augen bis in die Mitte des Halſes ein goldgelber Streifen; ein anderer vom un⸗ tern Schnabelwinkel unter demſelben weg, und quer durch die⸗ ſelben ein ſchwarzer, der ſich hinter den untern gelben Augenſtrei⸗ fen nach unten zu neigt, und mit der ſchwarzen Kehle vereinigt; der Rüden und die kleinen Deckfedern der Flügel find zimmet— braun mit Schwarz und Gruͤngelb untermiſcht; die Steißfedern olivengruͤn mit ſchwarzen Strichen; die großen Deckfedern der Flügel und die Schwungfedern ſchwarzgrau, erſtere, jo wie die hinterſten Schwungfedern, braͤunlich und die vordern Schwung: federn gruͤngelb eingefaßt; der Schwanz ein wenig geſpalten, ſchwarz, die zwei aͤußern Federn mit einem weißen keilfoͤrmigen Fleck, alle mit gruͤngelber Einfaſſung; am Unterhals ein gold gelber Fleck; die Bruſt ſchoͤn olivengruͤn, an den Seiten nach dem Bauche zu hellkaſtanienbraun; der uͤbrige Unterleib goldgelb. Das Weibchen hat weit hellere Farben. Kopf und Ober: hals ſind olivengruͤn und mehr ſchwarz geſtrichelt; der Ruͤcken iſt hellbraun; der Steiß mehr ſchwarz geſtrichelt; der Schwanz mehr ſchwarzgrau als ſchwarz; uͤber die Augen geht ein hellgelber und unter denſelben weg ein gleichfoͤrmiger Streifen; durch die Augen eine ſchwaͤrzliche Linie, die ſich mit einer ſchwaͤrzlichen Einfaſſung der Wangen verbindet; die Kehle iſt braͤunlich; am Unterhals ein hellgelber Fleck; die Bruſt hellolivenfarbig mit braͤunlichen Sei⸗ tenflecken; der uͤbrige Unterleib hellgelb. Die Jungen ſind vor dem erſten Mauſern am Oberleibe hellbraun und ſchwarz gefleckt, und am Unterleibe hellgelb, und ſchwarz geſtrichelt; an der Bruſt, je aͤlter ſie werden, deſto mehr ins Olivengruͤne ſchimmernd. a Weibchen.) Gmelin. Lin. Syst. I. 2. p. 879. n. 12, Bruant de Haye. Buffon des Ois. 4. p. 347. Cirl Bunting. Latham Syn. II. I. p. 190. n. 26. Eine Abbildung vom Männchen und Weibchen habe ich in der Ueber⸗ ſetzung von Lathams allgemeiner Ueberficht der Vögel. Nürnberg 1794. 4t0 II. B. 1. Th. Seite 45. geliefert. 12 * lt) 1 Der Zipammer. Aufenthalt. a. Im Freien. Das ſuͤdliche und gemaͤßigte Europa iſt das Vaterland dieſes Vogels. Man trifft ſie in Gaͤrten, Feld⸗ und Vorhoͤlzern großer Waͤlder an. Es ſind Zugvoͤgel, die im November wegziehen und im April wieder kommen, und ſich dann oft unter den gemeinen Finken aufhalten. b. In der Stube behandelt man fie in Ruͤckſicht des Aufenthaltes und der Nahrung, wie die Ortolane. Nahrung. Im Freien nähren fie fi den Sommer über vorzuͤglich von Kohlraupen und andern Inſekten, von reifen Weizen- und Gerſtenkoͤrnern und von reifem Hafer, Hirſen und Ruͤbſamen. Fortpflanzung. Sie niſten in Hecken und Gefträuchen an Wegen und legen in ein Neſt, das aus Grashalmen gebaut und mit Thierhaaren ausgefuͤttert iſt, drei bis fuͤnf grauliche, mit blutrothbraunen Flek⸗ ken und Punkten beſtreute Eier. Man findet ſie zu Ende des Julius mit ihren Jungen im Felde, 1 in Kohlfeldern, wo Weidenbaͤume in der Naͤhe ſind. Fang und Krankheiten wie bei dem Ortolan. Empfehlende Eigenſchaften. Das Männchen iſt ſehr ſchoͤn, ſchoͤner als das Gartenam— mermaͤnnchen; ſein Geſang aber iſt von weniger Bedeutung. Er hat Aehnlichkeit mit dem des Goldammers und druͤckt ſich durch die Sylben, Zis, zis, zis! Goͤr, goͤr, goͤr! aus. Die Locktoͤne find: Zi, zi! zaͤzirr! — Dieſe Voͤgel ſind leicht zu zaͤhmen, und leben vier bis ſechs Jahre im Käfig. 94. Der Zipammer). (Wieſenammer, Wieſenemritz, Knipper, Baartammer, in Thuͤ⸗ ringen aſchgrauer Goldammer). Beſchreibung. Er iſt etwas kleiner als der Goldammer, 8 Zoll lang mit 9 Emberiza a ein Lin. Syst. I. 2. p. 878. n. II. Bruant Fou. Der Zipammer 181 Inbegriff des 2½ Zoll langen Schwanzes; der Schnabel iſt 5 Linien lang, ſcharf zugeſpitzt, oben ſchwaͤrzlich und aſchgrau; der Augenſtern ſchwarzbraun; die Fuͤße braͤunlichfleiſchfarben, 9 Linien hoch. Der Kopf iſt aſchfarbig, roͤthlich beſpritzt, zur Seite mit einem undeutlichen ſchwarzen Strich und in der Mitte mit ſchwar⸗ zen Strichelchen bezeichnet; die Wangen ſind hellaſchgrau; von den rundlichen Nafenlöchern Läuft über Die Augen weg ein ſchmutzig⸗ weißer Streifen; durch die Augen geht ein ſchwarzer, der ſich mit einem andern gleichfarbigen, der am untern Schnabelwinkel anfaͤngt, verbindet und die Wangen einſchließt; der Ruͤcken iſt braunroͤthlich, ſchwarz gefleckt; der Steiß hellbraunroth; die Kehle hellaſchfarben; der Unterhals bis zur Hälfte der Bruſt aſchfarben; der uͤbrige Unterleib roſtfarbig, am Bauche heller; die kleinern Deckfedern der Flügel dunkelaſchgrau; die Übrigen Fluͤgelfedern ſchwarz, die vordern Schwungfedern roͤthlich geraͤndert, die uͤbrigen mit der unterſten Reihe Deckfedern ſtark roſtfarben eingefaßt, die zweite Reihe Deckfedern mit roͤthlichweißen Spitzen, die eine weiße Li⸗ nie auf den Flügeln verurſachenz die Schwanzfedern etwas gabel⸗ foͤrmig, ſchwarz, die beiden erſten mit einem weißen keilfoͤrmigen Fleck an der innern Fahne, die beiden mittlern dunkelroſtfarben geſpitzt und geraͤndert. | Das Weibchen iſt ſehr wenig verſchieden. Der Kopf iſt aſchgrau, roͤthlich uͤberlaufen, ſchwarz geſprengt und hat alle die Streifen des Maͤnnchens, aber undeutlicher, ſchmutzigweiß und dunkelbraun; die aſchgraue Kehle iſt ebenfalls ſchwarz geſtrichelt und roͤthlich uͤberlaufen, und der Unterleib heller als am Maͤnn⸗ chen. f Aufenthalt. ; a. Im Freien. Diefe Vögel lieben die Einſamkeit und bewohnen daher die gebirgigen Gegenden im ſuͤdlichen Frank⸗ reich, in Italien und Oeſterreich. Nicht alle Jahre bleiben je den Winter über in ihrem Vaterlande, ie ziehen auch zuwei⸗ a 5 len Strichweiſe weg; daher faͤngt man ſie im mittlern Deutſchland im März und April in den Gegenden, die gebirgig ſind. b. In der Stube hält man fie theils im Käfig, theils — Buffon des Ois. 4. p. 351. Foolish Bunting. Latham Syn. II. 1. p. 191. n. 27. Meine N. G. Deutſchlands. III. Taf. 8. d N 182 Der Rohrammer. im Freien herumlaufend. Letzteres bekommt ihnen am beſten, wenn ſie naͤmlich ein großes Gitter haben, wo ſie ausruhen und ſchlafen koͤnnen. * ei Ä Nahrung. a. Im Freien naͤhren fie ſich, wie die meiſten Ammern, von Geſaͤmen und Inſekten. Pr b. In der Stube freffen fie das Futter des Ortolans und befinden ſich dabei ſechs Jahre lang und daruͤber wohl. Ich be— ſitze ein Paͤrchen ſchon ſo lange. Fang. | Sie laſſen ſich leicht von den Goldammern auf die Lock— buͤſche und Herde locken; ja ſie ſind ſo einfaͤltig, daß fie des⸗ halb den Namen Narr bekommen haben, weil ſie ſich faſt in jede Schlinge locken laſſen. 8 Empfehlende Eigenſchaften. Es ſind ſchoͤne, luſtige, muntere Voͤgel. Sie laſſen ſogar im Winter ihre hellklingenden Locktoͤne: Zi, zi, zi! unablaͤßig hoͤren und ſingen faſt wie die Goldammern, nur kuͤrzer und rei⸗ ner, vom Frühjahr bis zum Herbſt: Zi, zi, zi, zirr, zirr! Mit ihren Gattungsverwandten, den Goldammern, leben ſie in der Stube auf einem ſehr vertrauten Fuße; wo einer hingeht, folgt ihm der andere nach, und was einer frißt, das lieſt der andere auch auf. 95. Der Rohrammer). (Moosemmerling, Schilfvogel, Schilfſchmaͤtzer, Waſſerſperling, Rohrſperling). Beſchreibung. Er hat die Groͤße des Feldſperlings und iſt 5 Zoll lang, wovon der Schwanz 2¼ Zoll einnimmt. Der Schnabel iſt 4 Linien lang, oben ſchwarz, unten weißlich; der Augenſtern dun⸗ kelbraun; die Füße dunkelfleiſchfarben, 9 Linien hoch. Der Kopf iſt ſchwarz, hin und wieder roͤthlich beſpritzt; vom Unterkiefer laͤuft um den Kopf herum eine weiße Binde, die unter den Wangen ) Emperiza Schoenilus. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 881. n. 17. Or- tolan de roseaux. Buffon des Ois. 4. p. 315. Reed Bunting. Latham Syn. II. 1. p. 173. n. 9. Friſch Vögel. Taf. 7. Fig. 1. Der Rohrammer. 183 am breiteflen und am Nacken am ſchmaͤlſten iſt; der Hinterhals iſt aſchgrau; der Ruͤcken ſchwarz, roſtfarbig und weiß gefleckt; der Steiß abwechſelnd grau und gelbroͤthlich; die Kehle und Gur⸗ gel ſchwarz mit Weiß beſpritzt; der uͤbrige Unterleib ſchmutzig weiß, an der Bruſt und den Seiten einzeln braun gefleckt; die kleinen Deckfedern der Fluͤgel roſtfarbig, die groͤßern ſchwarz, mit roſtfarbigen und einzelnen weißlichen Kanten; die Schwungfedern dunkelbraun mit hellroſtfarbigen Kanten; der gabelfoͤrmige Schwanz ſchwaͤrzlich, die zwei aͤußerſten Kanten mit einem großen keilfoͤr⸗ migen weißen Fleck, die zwei mittelſten gelbbraun eingefaßt. In der Stube wird der Kopf des Maͤnnchens nach der Maus ſer nie ſo ſchwarz wieder, als in der Freiheit, ſondern nach jeder brauner, mit Rothweiß gewoͤlkt. 50 Am Weibchen iſt der Kopf roſtbraun, ſchwarz gefleckt; die Wangen ſind braun; über die Augen läuft ein roͤthlichweißer Streifen, der ſich mit einem andern, welcher vom untern Schna⸗ belwinkel um die Wangen geht, verbindet; an der Kehle geht auf beiden Seiten ein ſchwarzbrauner Streifen herab; Kehle und Unterleib find roͤthlichweiß, an der Bruſt ſtark ſchwarzbraun ge: ſtreift; die Ruͤckenfarbe iſt heller und unreiner als am Maͤnnchen. Aufenthalt. a. Im Freien. Er bewohnt ganz Europa bis Schwe⸗ den hinauf und auch das nördliche Aſien. Im October zieht er in kleinen Herden weg, kommt aber im März in großen Schaa⸗ ren wieder. Maͤnnchen und Weibchen ziehen fuͤr ſich allein in Herden, und es iſt ungegruͤndet, wenn man ſagt, daß die Maͤnn⸗ chen allein Zugvoͤgel waͤren. Im Winter trifft man ſie auch zu⸗ weilen einzeln unter den Goldammern an. Sie halten ſich in ſumpfigen Gegenden an Fluͤſſen und Teichen in Schilf, Rohr und Binſen auf, klettern an den Halmen dieſer Waſſergewaͤchſe auf und ab. Man ſieht ſie ſelten auf Baͤumen. ; b. In der Stube. Ich laſſe fie auf dem Boden frei heru laufen. Man kann ſie aber auch in einen Kaͤfig thun. Nahrung. | a. Im Freien. Der Rohrammer naͤhrt ſich von Rohr-, Binſen- und Grasfamen und von Inſekten. b. In der Stube frißt er das erſte Univerſalfutter und Der Sperlingsammer. Mohn außerordentlich gern, und bleibt dabei vier bis ſechs Jahre geſund, wo er alsdann gewoͤhnlich an der Auszehrung, oder, was ich auch mehrmals bemerkt habe, an einem grindigen Kopfe ſtirbt. Fortpflanzung. Er baut ſein Neſt zwiſchen Rohrhalmen und Ufergebuͤſch, und legt fuͤnf bis ſechs ſchmutzig grauweiße, mit einigen dunkel— aſchgrauen und ſchwarzbraunen, undeutlich geſchlungenen Linien und dergleichen Flecken beſetzte Eier. . Fang. Im Herbſt faͤngt man ihn auf dem Finkenherde und im Frühjahr fällt er bei einfallendem Schnee mit den Goldammern vor die Scheuern und auf die Miſtſtaͤtten, und kann alsdann hier und auf entbloͤßten Stellen auf dem Felde und an Hecken mit Garnen und Leimruthen leicht gefangen werden. Er lockt Iß, ißz und ſchreit zuweilen ſehr laut Reitſchah. Empfehlende Eigenſchaften. Sein Geſang iſt abwechſelnd, leiſe, obgleich anſtrengend, und die einfachen Toͤne: Ti ti Tu ti und das zuweilen dazwiſchen einkreiſchende Reitſch zeichnen ihn vor allen Vogelgeſaͤngen aus. Er ſingt den ganzen Sommer hindurch, auch des Nachts. Unter allen Ammern wird er am zahmſten und iſt ein beſonderer Freund der Muſik, der er ſich ohne Scheu, wie ich nicht an einem, ſon⸗ dern an mehrern bemerkt habe, naͤhert, und mit einem gewiſſen Wohlbehagen die Fluͤgel- und Schwanzfedern wie einen Fächer ſo ſtark und oft hin und her bewegt, daß ſich die Fahnen nach und nach abreiben. Das Weibchen ſingt ebenfalls, nur nicht fo laut als das Maͤnnchen. 96. Der Sperlingsammer). Beſchreibung. Man hat dieſen Vogel gewiß mit dem vorhergehenden vers wechſelt, ſonſt wuͤrde man mehr von ihm in Deutſchland wiſſen, da er ja im Herbſt und Fruͤhjahr nicht ſelten iſt. Er iſt etwas *) Emberiza passerina. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 871. n. 27. Passe- rine Bunting. Latham Syn. II. I. p. 136. n. 35. Im dritten Heft der getreuen Abbildungen naturhiſtoriſcher Gegenſtände S. 43. Taf. 28. ſteht Männchen und Weibchen abgebildet. Der Sperlingsammer. 185 kleiner und ſchlanker als der Rohrammer, 5 Zoll lang, wovon der Schwanz 2½¼ Zoll einnimmt. Der Schnabel iſt oben ſchwarz, unten hellbraun; der Augenſtern dunkelkaſtanienbraun; die Fuͤße ſind ſchmutzigfleiſchfarben, 9 Linien hoch. Die Farbe iſt im Ganzen die des weiblichen Rohrammers. Maͤnnchen: Der Ober⸗ kopf iſt roſtroth, in der Mitte des Scheitels der Länge nach olis vengrau uͤberlaufen und allenthalben ſchwarz gefleckt, weil die ganz ſchwarze Grundfarbe der Federn durchſchimmert; von den Na⸗ fenlöchern läuft über, und auch etwas unter die Augen weg, ein ſchmutzig roͤthlichweißer Streifen, der ſich hinter den Augen erwei⸗ tert; die Schlaͤfe ſind kaſtanienbraun mit durchſchimmerndem Schwarz, das an den Seiten des Halſes zu einem ſchwarzen Fleck wird; vom untern Schnabelwinkel laͤuft auf beiden Seiten des Halſes ein gelblichweißer Streifen bis zur Mitte des Halſes herab, und vereinigt ſich verlornerweiſe mit dem ſchmutzig roͤthlich⸗ weißen Augenſtreifen hinter den Schlaͤfen; Kehle und Gurgel ſind wie beim Hausſperling ſchwarz, weißgrau gewoͤlkt; der uͤbrige Unterleib iſt graulichweiß; an den Seiten dunkelkaſtanienbraun gefleckt; der After rein weiß; Ober⸗ und Seitenhals olivengrau, roͤthlich uͤberlaufen; die kleinern Deckfedern der Flügel ſchoͤn roſt⸗ roth, die groͤßern und großen ſchwarz mit breiten roſtrothen Raͤn⸗ dern; die Schwungfedern ſchwärzlich, olivengrau geraͤndert, die hin- tern mit roſtrothen Raͤndern; der gabelfoͤrmige Schwanz ſchwarz, die zwei aͤußern Federn mit einem keilfoͤrmigen weißen Fleck und die mittelſten roſtroth geraͤndert. | Das Weibchen ſieht im Ganzen heller aus. Am Scheitel ſticht kein Schwarz hervor; uͤber die Augen laͤuft ein roͤthlichwei⸗ ßer Streifen, ſo wie an den Seiten des Halſes von der untern Kinnlade herab; vom Kinn geht an jeder Seite bis uͤber die Mitte des Halſes ein braunſchwarzer Streifen; Kehle und Gur⸗ gel ſind ſchmutzig roͤthlichweiß; der uͤbrige Unterleib hat eben die Farbe, wird aber nach dem After zu heller und iſt an der Bruſt ſchoͤn und an den Seiten roſtbraun geftrichelt; Genick und Nacken find rothgrau; der Rücken mit roſtgrauen und ſchwarzen Laͤngs⸗ flecken beſetzt. Im Zimmer verliert ſich die ſchwaͤrzliche Kopffarbe des Maͤnn⸗ chens und wird wie beim Weibchen, auch der Unterhals wird weißgrau, in die Länge ſchwarzbraun gefleckt. / 4 a 186 Der Paradiesammer oder die Wittwe mit goldgelbem Halsband. ; Merkwuͤrdigkeiten. Dichte, aſchreiche Laubhoͤlzer in gebirgigen Gegenden ſind der liebſte Aufenthalt dieſer Voͤgel; in denſelben kriechen ſie immer in der Tiefe herum. Sie find Zugvögel, die uns im October und November verlaſſen, und im April wieder ankommen. In Thüringen find fie nicht ſelten, beſonders im Frühjahr und Herbſt auf ihren Wanderungen. Sonſt wußte man nur, daß ſie in Ruß⸗ land wohnten. — Sie freſſen im Freien allerhand kleine Gras— ſaͤmereien und Inſekten. In der Stube naͤhrt man ſie, wie die Rohrammer. — Sie haben einen leiſen, nicht unangenehmen Ge— ſang, der viel Aehnlichkeit mit dem des Rohrammers hat, dem ſie auch in ihrem Betragen gleichen, und auch fo gefangen werden. Ihre Lockſtimme iſt ein helles Siſi! b. Auslaͤndiſche Ammerarten. 97. Der Paradiesammer oder die Wittwe mit goldgelbem Halsbande'). Be ſchreibung. g Dieſer ſchoͤne aber auch koſtbare Stubenvogel, der wegen feiner Farbe die Wittwe**) genannt wird, hat die Größe eines Haͤnflings und iſt bis an die Seitenſchwanzfedern 5 ½ Zoll lang, denn ſeine uͤbrigen Schwanzfedern machen ihn freilich viel laͤnger. Der Schnabel iſt bleifarben; der Augenſtern kaſtanien⸗ braun; die Füße fleiſchfarben; der Kopf, das Kinn und der vor— dere Theil des Halſes, der Ruͤcken, die Fluͤgel und der Schwanz ſchwarz; der Hals von hinten hell orangenfarben; die Bruſt und der obere Theil des Bauchs und die Schenkel weiß; der After ſchwarz; die zwei mittlern Schwanzfedern 4 Zoll lang, ſehr breit, und endigen ſich in einen langen Faden, die zwei naͤchſten ſind dreizehn und mehrere Zoll lang, in der Mitte ſehr breit, am ) Emberiza paradisea. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 882. n. 19. Veuve à collier d'or. Buffon des Ois. 4. p. 155. t. 6. Planch. enl. No. 194. Whidah-Bunting. Latham Syn. II. 1. p. 178. n. 15. ) Andere ſagen, das Wort wäre in den Europäiſchen Sprachen verſtüm⸗ melt von Whidah, einer Feſtung in Afrika, in welcher Gegend dieſer Vo— gel ſehr gemein iſt. Der Dominikanerammer oder die Dominikaner Wittwe. 187 Ende ſchmaͤler und etwas zugeſpitzt; von der Mitte des Schafts dieſer letztern entſteht ein anderer langer Faden; die uͤbrigen Schwanzfedern find nur 2¼ Zoll lang, die zwei mittlern von den langen ſtehen etwas winklich, wie die Schwanzfedern des Haushahns, ſehen wellenfoͤrmig und gleichſam gewaͤſſert aus und ſind glaͤnzender als die uͤbrigen. | Das Weibchen iſt überall dunkelbraun, faſt ſchwarz, be kommt aber das volle Gefieder nicht unter drei Jahren; ſo lange es jung iſt, gleicht es faſt dem Maͤnnchen im Wintergefieder. Dieſer Vogel mauſert ſich naͤmlich zweimal des Jahres. Dem Maͤnnchen fehlen die langen Schwanzfedern ſechs Monate lang. Es mauſert ſich im November, wo es dieſelben verliert, ein ſchwarz und roͤthlich gemiſchtes Gefieder bekommt, mit einem ſchwarz und weißgeſtreiften Kopf; dann kommt es wieder ſpaͤt im Fruͤhjahr in die Mauſer und erhaͤlt ſein Sommergewand; die Schwanzfedern ſind aber kaum vor dem Junius vollkommen und fallen im November ſchon wieder aus. Merkwuͤrdigkeiten. Dieſe ſchoͤnen Voͤgel kommen von Angola und aus andern Gegenden Afrika's. Es ſind lebhafte Voͤgel, die ſtets in Be⸗ wegung ſind, den Schwanz unaufhoͤrlich auf- und abſchlagen und ſich putzen und baden. Ihr Geſang iſt zwar nicht ſtark, aber doch ſehr angenehm melancholiſch klingend. Sie leben ſechs bis zwoͤlf Jahre, und nehmen mit Canarienſamen, Hirſen und Gerſtengruͤtze vorlieb, wollen aber auch zuweilen etwas Gruͤnes. Man giebt ihnen, damit ſie den ſchoͤnen Schwanz nicht abſtoßen, einen ſchoͤnen großen weiten Glockenbauer. 98. Der Dominikanerammer oder die Dominikaner Wittwe). Beſchreibung. Dieſe Wittwe iſt kleiner als die vorhergehende, und ihre ganze Länge beträgt nur 6 Zoll Sie iſt auch ſeltener und ) Emberiza serena. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 883. n. 20. Veuve dominicaine. Buffon des Ois. 4. p. 160. Planch. enl. No. 8. F. 2. Do- minicain Bunting. Latham Syn. II, 1. p. 180. n. 16. Den deutſchen Na⸗ men hat er von ſeinem ſchwarzen und weißen Gefieder. 188 Der Koͤnigsammer oder die ſchaftſchwaͤnzige Witwe. koſtbarer, und kommt aus Afrika. Der Schnabel iſt roth; die Fuͤße ſind grau; der obere Theil des Kopfes ſchwarz; der Schei⸗ tel gelbroͤthlichweiß, und dieß läuft vorwärts, um ſich mit den untern Theilen zu vereinigen, die alle von dem Kinn und Schlaͤ⸗ fen an auch gelbroͤthlichweiß, nur zuweilen ganz weiß ſind; Na⸗ cken und Ruͤcken ſind ſchwarz mit ſchmutzigweißen Raͤndern; die innern Deckfedern der Fluͤgel weiß (daher der Fluͤgel ganz zu— ſammengelegt weiß erſcheint,) das Uebrige der Fluͤgel ſchwarz; die Schwungfedern weiß geraͤndert; der Schwanz ſchwarz, ſeine zwei mittlern Federn am Ende zugeſpitzt und uͤber 2 Zoll laͤnger als die andern, die alle nach und nach kuͤrzer werden, ſo wie ſie mehr auswaͤrts ſtehen; drei derſelben, die naͤchſten an den mitt⸗ lern, haben weiße Spitzen, und die zwei aͤußern ſind an der in⸗ nern Seite weiß und an der aͤußern hellgelbroth. Das Weibchen iſt einfarbig braun und ſeine Schwanzfe⸗ dern von gleicher Laͤnge. Auch dieſer Vogel mauſert ſich, wie der vorhergehende, zweimal des Jahres und verliert eben ſo ſeine langen Schwanzfedern, und das Weiße wird ſchmutzig. Merkwuͤrdigkeiten. Er erfordert gleiche Behandlung wie der Paradiesammer; ſingt auch ungemein angenehm. 99. Der Königsammer oder die ſchaft⸗ ſchwänzige Wittwe ). ö Beſchreibung. Auch dieſen Vogel ſieht man ſeltener als den Paradies- ammer. Er iſt faſt ſo groß wie dieſer und iſt bis zu den kur⸗ zen Schwanzfedern beinahe 4½ Zoll lang. Der Schnabel und die Fuͤße ſind roth; die obern Theile des Gefieders ſchwarz; die Seiten des Kopfes nebſt den Augen, die untern Theile und der Hals rund herum ſind gelbroth; der Hinterhals ſchwarz gefleckt; der untere Theil der Schenkel und der After ſchwarz; die vier mittlern Schwanzfedern 9 bis 10 Zoll lang und nur ohngefähr 2 Zoll vom Ende erſt mit Fahnen verſehen, das Uebrige ſind — Emberiza regia. Gmelin. Lin. Syst. I. 2. p. 884. n. 23. Veuve 4 quatre brins. Buffon des Ois. 4. p. 158. t. 5. Planch. enl. No. 8. Fig. 1. Shaft-tailed Bunting. Latham Syn. II. 1. p. 183. n. 19. Der Indigo: Ammer. 189 bloße Schaͤfte, die andern find gleich, braun und ſchwarz. Das Weibchen iſt braun und hat keine langen Schwanzfedern. Bei der Wintermauſer wird das Maͤnnchen gerade ſo grau, wie ein Haͤnfling, nur ſind die Farben etwas lebhafter. Merkwuͤrdigkeiten. i Dieſe Voͤgel wohnen in Afrika, von deſſen Kuͤſten ſie nach England, Holland und Deutſchland gebracht werden. Sie ſind ſo angenehme Stubenvoͤgel, wie die beiden vorhergehenden, ſin— gen auch vortrefflich. 100. Der Indigo⸗Ammer“). (Biſchof, Miniſter, Blauhaͤnfling, blauer Diſtelfink.) Beſchreibung. Er hat die Größe des Zeis chens und iſt 5 Zoll lang. Der Schnabel iſt dunkelbleifarben; die Fuͤße ſind braun; das ganze Gefieder ſchoͤn blau, der Scheitel am dunkelſten und glaͤn⸗ zendſten; die großen Schwungfedern braun mit blauen Raͤndern, der Schwanz braun, mit einem lichten Anſtrich. Das Weibchen iſt in der Farbe dem Haͤnfling aͤhnlich. Zur Mauſerzeit iſt auch das Maͤnnchen dem Weibchen gleich, und wird nur dann blau, wenn die Federn vollkommen ſind. Zu dieſer Zeit kann man es aber von dem Maͤnnchen dadurch unterſcheiden, daß das Band der Fluͤgel braͤunlichgrau iſt, da es hingegen beim Weibchen graulichbraun iſt. 5 Merkwuͤrdige Eigenſchaften. Sie ſind in Carolina zu Hauſe, auch zu Neuyork gemein; dahin kommen ſie zu Anfang des April und beſuchen die Obſt— gaͤrten, wenn ſie in der Bluͤthe ſind. Sie halten ſich vorzuͤg— lich in Gebirgen auf. Ihr Gefang hat Aehnlichkeit mit dem Haͤnflingsgeſange und klingt ſehr angenehm. Außerdem empfiehlt ſie auch ihre Schoͤnheit zu Stubenvoͤgeln. Man ſteckt ſie in einen ſchoͤnen Glockenbauer und giebt ihnen Kanarienſamen, Hir ſen, Mohn und gequetſchten Hanf zu freſſen. ) Emberiza cyanea. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 876. n. 54. Ministre. Buffon des Ois. 4. p. 86. Indigo-Bunting. Latham Syn. II. 1. p. 20⁵ n. 53. ia 190 Dier gemalte Ammer. 101. Der gemalte Ammer). (Nonpareil, Pabſt, blaukoͤpfige Diſtelfink, Pabſtvogel, Moripoſa.) Beſchreibung. Er hat die Groͤße des Haͤnflings und iſt 5 ¼ Zoll lang; der Schnabel iſt graubraun; der Augenſtern nußbraun; die Fuͤße ſind braun; Kopf und Hals violet; die Augenkreiße roth; der obere Theil des Ruͤckens und die Schulterfedern gelbgruͤn; der untere Theil derſelben, der Steiß und der ganze Unterleib roth; die kleinern Deckfedern der Fluͤgel violetbraun, mit einem rothen Anſtrich, die groͤßern mattgruͤnlich; die Schwungfedern braun, einige mit graulichen, andere mit rothen Raͤndern; der Schwanz braun, die zwei mittlern Federn ins Rothe ſpielend und die an⸗ dern von außen mit der naͤmlichen Farbe geraͤndert. Das Weibchen iſt oben mattgrün, unten gelbgruͤn; die Schwungfedern ſind braun, und gruͤn eingefaßt; der Schwanz auch braun und gruͤn melirt. s Es giebt verſchiedene Varietaͤten von dieſem Vogel, weil ſie nicht vor dem dritten Jahre ihr vollkommnes Gefieder bekommen. Anfangs ſind beide, Maͤnnchen und Weibchen, von einerlei Farbe; das Maͤnnchen bekommt den blauen Kopf im zweiten Jahre, das übrige Gefieder aber iſt blaugruͤn und Fluͤgel und Schwanz ſind braun, mit blaugruͤnen Raͤndern. Die Farbe des Weibchens ſpielt um dieſe Zeit ſtark ins Blaue. Außerdem mauſern ſie auch des Jahres zweimal; daher es eben kein Wunder iſt, wenn kaum zwei Vögel einander gleich ſind. Man findet auch welche, wo die untere Seite gelblich iſt, ein rother Fleck an der Bruſt ausgenommen, und die bei dem Mau⸗ ſern oft am ganzen Unterleibe weiß werden. Merkwuͤrdigkeiten. Dieſe Voͤgel ſind in den waͤrmern Gegenden von Canada, und in allen Laͤndern zwiſchen Mexiko, Braſilien und Gui⸗ ana u. ſ. w. zu Hauſe. In Carolina ſieht man keinen unter 130 Meilen von der See. Sie bauen in die Pommeranzen⸗ und andere Baͤume, laſſen ſich aber nur im Sommer ſehen. Sie PP ) Emberiza Ciris. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 885. n. 24. Verdier de la Louisiana. Buffon des Ois. 4. p- 176. t. 9. Planch. enl. No. 159. Fig. I. 2. Paintéd Bunting. Latham Syn. II. 1. p. 206. n. 54. Der gemeine oder Buch-Fink. 191 werden von den Seeleuten vorzuͤglich mit nach England und Holland gebracht, wo man es auch mit Gluͤck verſucht hat, fie in Gartenhaͤuſern fortzupflanzen, beſonders wenn man ſie in mit Drath uͤberzogenen Plaͤtzen hat ausfliegen laſſen, wo ſie auf die Pommeranzenbaͤume gebaut haben. Im Kaͤfig giebt man ihnen Hirſen, Cichorien- und Kanarienſamen, Mohn ꝛc. zu freſſen, wobei ſie acht Jahre und laͤnger ausdauern. Sie haben einen ſanften angenehmen Geſang. a. Inlaͤndiſche Finkenarten. 102. Der gemeine oder Buch⸗Fink )). (Gartenfink, Rothfink, Waldfink, Schildfink, Spreufink, Wutſche und Fink ſchlechthin). Beſchreibung. Dieß iſt, wie bekannt, wegen ſeines angenehmen und aus⸗ gezeichneten Geſangs der Liebling der meiſten Perſonen, die Voͤ⸗ gel zu ihrem Vergnügen im Zimmer halten.“) Für Vogelſteller wird alſo hier eine genaue Beſchreibung uͤberfluͤſſig ſein. Ich ſetze ſie daher blos fuͤr Anfaͤnger, der Vollſtaͤndigkeit und Gleich⸗ foͤrmigkeit des Werkes halber, und weil fi hier und da noch viel— leicht manches Merkwuͤrdige wird einſchalten laſſen, hierher. An Groͤße gleicht der gemeine Fink einem Hausſperling und ) Fringilla Coelebs. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 901. n. 3. Pinson. Buffon des Ois. 4. p. 109. t. 4. Chaffinch. Latham Syn. II. I. p. 257. n. 10. Friſch Vögel. Taf. 1. Fig. 1. „0 Auf dem Thüringerwalde. geht die Liebhaberei zu dieſen Vögeln ſo weit, daß man auf dem ganzen Thüringerwalde jetzt nur ſelten noch einen Finken hört, der einen guten Geſang hat, ſo ſehr wird ihnen nachgeſtellt. Sobald ſich aus einer fremden Gegend ein Vogel mit einem guten Schlag bei uns niederläßt, ſo ſind auch ſchon eine Menge Vogelſteller da, die ihm nachſtellen, und nicht eher ruhen, bis ſie ihn gefangen haben. Es pflanzen ſich daher aus leicht zu erkennenden Urſachen auch lauter ſchlechte Geſänge fort, da die Jungen theils von ihren Eltern, theils von allen andern Finken in ihrer Ge— gend nichts ſchönes hören. 5 192 Der gemeine oder Buch-Fink. kaſtanienbraun; die Fuͤße ſind ſchwarzbraun, und 9 Linien hoch; die Nägel ſehr ſcharf und ſpitz und muͤſſen daher alle ſechs Wo⸗ chen abgeſchnitten werden, weil ſich der Vogel ſonſt leicht daran aufhaͤngt, und, wenn man es nicht bald gewahr wird, umkommt. Die Stirn iſt ſchwarz; der Scheitel und Nacken graublau, (bei ſehr alten dunkelblau) mit einigen in die Höhe ſtehenden Haarfe⸗ dern; der Oberruͤcken kaſtanienbraun, olivengruͤn uͤberlaufen; der Unterruͤcken und Steiß zeiſiggruͤn; die Wangen, Kehle, Bruſt und Bauch roͤthlichkaſtanienbraun (weichſelbraun), nach dem After ins Weißliche auslaufend; die Schenkel grau; die Schwungfedern ſchwarz, auswendig mit grünlicher und inwendig mit weißlicher Einfaffung, auch an der Wurzel weiß; die kleinen Deckfedern weiß, die großen ſchwarz mit weißen Spitzen; daher uͤber den obern Theil der Fluͤgel zwei weiße Streifen laufen; die Schwanz⸗ federn ſchwarz, die zwei mittelſten mit einem aſchgrauen Anſtrich, die beiden aͤußerſten aber mit einem großen feilförmigen weißen Fleck, wovon die dritte nur gewöhnlich noch einen kleinen, ſchma⸗ len Fleck aufzuweiſen hat; alle find kaum merklich grünlich ge: raͤndert. i Nach der Mauferzeit und zu Anfang des Winters ſind faſt alle dieſe Farben heller; die Stirn nur dunkelbraun, der Scheitel und Nacken ins Graubraune und Olivenbraune ſpielend und das Rothbraune an der Bruſt heller. Eben ſo ſehen auch die jungen Finken das ganze zweite Jahr aus, beſonders wenn ſie aus dem letzten Gehecke ſind, und werden von den Vogelſtellern Graukoͤpfe genannt. Dieſe wiſſen daher im Fruͤhjahr die jungen Maͤnnchen ſehr gut von den Alten zu unterſcheiden, und ziehen jene dieſen vor, weil fie, wenn fie zeitig gefangen werden, noch im Stande ſind, einen guten Geſang von einem Stubenvogel zu lernen, da hingegen die Alten entweder gar niemals, oder doch nur hoͤchſt fel: ten einen andern Geſang annehmen, als den ſie ſchon im Freien geſungen haben. f Das Weibchen iſt gar merklich verſchieden. Es iſt kleiner; der Kopf, Hals und Oberruͤcken graubraun; der ganze Unterleib ſchmutzigweiß, an der Bruſt roͤthlichgrau; der Schnabel im Früh: jahr graubraun, im Winter weißgrau. Es giebt auch Spielarten: Weiße; Ringelfinken mit einem weißen Ring um den Hals, und gefleckte Finken. Ich Der gemeine oder Buch⸗Fink. 193 beſitze jetzt einen, der ſchmutzigweiß, auf dem Kopf ſchwaͤrzlich und auf dem Ruͤcken zeiſiggruͤn iſt. Der Unterſchied unter Wald» und nn beruht blos auf ihrem Wohnplatze. Aufenthalt. a. Im Freien. Die gemeinen Finken trifft man in ganz Europa an, und in Deutſchland ſind ſie ſo haͤufig, daß man ſie allenthalben, wo nur etwas Holzung iſt, ſieht. Sie bewohnen die Nadel- und Laubwaldungen, die Feldhoͤlzer und Gärten. Es ſind wahre Zugvoͤgel, obgleich einige den Winter uͤber bei uns E bleiben. Ihr Strich dauert im Herbſt vom Anfang des Oktober bis in die Mitte des November und im Fruͤhjahr den ganzen Maͤrz hindurch. Sie ziehen in großen Schaaren. Im Fruͤhjahr kommen die Maͤnnchen in beſondern Schaaren vierzehn Tage eher, als die Weibchen. Dies wiſſen die Vogelſteller in unſern Gegenden am beſten, welche alsdann, wenn die Maͤnnchen nicht mehr ziehen, auch nicht mehr auf die Locke gehen. b. In der Stube. Man hält dieſe Vögel in eigenen vier⸗ eckigen Kaͤfigen, die verſchiedene Formen haben koͤnnen, aber we⸗ nigſtens 9 Zoll hoch ſein muͤſſen. Die meinigen, und ſo alle auf dem Thuͤringerwalde, ſind mit Drath durchflochten, oben gewoͤlbt und haben zwei Springhoͤlzer, das eine in der Naͤhe der Krippe und das andere nach dem Traͤnknaͤpfchen hinzielend. An der Seite ſteht die Krippe, die man mit Querdraͤthchen durch- ſticht, damit die Vögel den Samen nicht ſo leicht herausſchleu⸗ dern koͤnnen, und an einer Seite haͤngt das glaͤſerne Trinkge⸗ ſchirr. Wer mehr daran wenden will, der macht die Käfige etwas groͤßer, verſieht ſie oben mit einem Dache und vorn mit zwei ſogenannten Trillerhaͤuschen, in welche man Toͤpfchen mit dem Futter und Waſſer ſetzt, und verſieht die Seiten mit Holz— ſtaͤbchen. Man kann ihnen dann gerade das Anſehen eines Hau— ſes mit Schiefecken geben, und die hoͤlzernen Staͤbchen machen auch, daß wilde Voͤgel ſich die Fluͤgel nicht ſo zerſchlagen, wie an den draͤthernen. — Sie in einen Glockenbauer zu ſtecken, iſt deßwegen nicht zu rathen, weil fie nicht gern in die Höhe, ſon— dern lieber gerade vor ſich hin huͤpfen, auch leicht drehend wer⸗ den. Man hängt fie in der Stube fo hin, daß wenn man meh— rere hat, ſie einander nicht ſehen, weil ſie ſonſt ſich im Singen hindern. — Wenn ſie auf der Erde herum laufen, wozu man Naturgeſch. d. Stubenvögel. ; 13 ; 194 Der gemeine oder Buch-Fink. diejenigen wählt, die weniger gute Schläge haben, fo laßt man fie entweder in einem Vogelgitter ein⸗ und ausgehen oder ſetzt ihnen ein Baͤumchen von der Weißtanne hinter den Ofen. Sie ſchlagen alsdann aber ſelten fo fleißig, als wenn ſie in einem Kaͤfig eingeſperrt ſind, wo ſie gleichſam alle ihre Aufmerkſamkeit auf ihren Geſang richten muͤſſen und durch nichts geſtoͤrt werden. Nahrung. ö a. Im Freien. Hier beſteht ſie in allerhand Inſekten, womit ſie auch ihre Jungen im Schnabel auffuͤttern, in Geſaͤmen und Koͤrnern. Im Walde leſen ſie den Samen vom Schwarz⸗ holz auf, und im Felde Leindotter, Lein⸗ und Ruͤbſamen und Hafer, in Gaͤrten Salat-, Kohl- und Senfſamen. Sie ſpelzen, wie alle Voͤgel ihrer Gattung, die Huͤlſen von allen Saͤmereien und Koͤrnern ab. b. In der Stube. Hier giebt man ihnen duͤrren, oder, beſſer, eingequellten Sommerruͤbſamen Jahr aus Jahr ein; da⸗ bei befinden fie ſich außerordentlich wohl. Man uͤbergießt nam: lich ſo viel, als man des andern Tages braucht, des Morgens vorher mit Waſſer und giebt ihnen dieſes. Im Fruͤhjahr, wenn ſie ſcharf ſchlagen ſollen, giebt man ihnen, als Leckerbiſſen, etwas gequetſchten Hanfſamen (Galiopsis cannabina Lin.). Dieſe De⸗ likateſſe darf man ihnen aber nicht in die Krippe geben, wo der Ruͤbſamen iſt, ſonſt ſchleudern fie dieſen heraus, um jene ange⸗ nehme Koſt zu ſuchen, ſondern man macht ihnen ein eigenes klei⸗ nes Krippchen, das man an der Seite zwiſchen dem Drath in den Kaͤfig ſchieben kann. Zur Geſchmeidighaltung der Gedaͤrme giebt man ihnen zuweilen etwas Gruͤnes, worunter Kreutzwurz und Huͤhnerdarm (Alsine media), im Winter ein Stuͤckchen Ap⸗ fel, das Beſte iſt. Friſches Waſſer zum Trinken und Baden iſt ihnen taͤglich nothwendig. Hat man Mehlwuͤrmer und Ameiſen⸗ eier, ſo erfriſchen ſie dieſe auch ungemein. Diejenigen, die in der Stube frei herum laufen, nehmen mit dem gewoͤhnlichen Stubenfutter vorlieb; freſſen Brod⸗ und Semmelkrumen, Fleiſch und allerhand Saͤmereien, Ruͤbſamen (der nicht eingequellt zu werden braucht), Hirſen, Hafer, Lein⸗ dotter. 7 Fortpflanzung. Der Fink baut eins der ſchoͤnſten Neſter auf die Baumzweige. Der gemeine oder Buchfink. 195 Es iſt wie eine oben eingedrüdte Kugel geſtaltet, rund wie ge: drechſelt, unten mit Spinnengewebe und Haaren auf die Aeſte geflochten, mit Moos und einzelnen Reischen kuͤnſtlich durchfloch⸗ ten, inwendig mit Federn, Diſtelflocken und allerhand Thierhaa⸗ ren gut ausgefuͤttert und auswendig mit Flechtenmoos von dem Baume, auf dem es ſteht, vermittelſt Spinngewebe, ſo feſt wie angeleimt, voͤllig umlegt. Letzteres vermuthlich deswegen, um das Neſt vor ihren Feinden unſichtbar zu machen; wenigſtens koſtet es dem menſchlichen Augen Muͤhe, es von der Rinde des Baumes, auf welchem es ſteht, zu unterſcheiden. Sie bruͤten zwei Mal, und legen drei bis fünf Eier, die hellblaͤulichgrau und mit kaffebraunen Puͤnktchen und Strichen beſtreut ſind. Bei der erſten Brut (dieß iſt eine allgemeine Erfahrung bei allen Voͤgeln) bringen ſie faſt lauter Maͤnnchen, bei der zweiten aber faſt lauter Weibchen aus. Die Vogelfreunde wiſſen die jungen Maͤnnchen, die ſie zum Aufziehen aus dem Neſte nehmen, ſehr gut von den Weibchen zu unterſcheiden, denn es ſchimmert jung ſchon etwas Roͤthliches an den Seiten der Bruſt hervor, die Au: genringe ſind gelber, die Flügel ſchwaͤrzer, und die hellen Fluͤ⸗ gelftreifen weißer, obgleich fie ſonſt der Mutter aͤhnlich fehen*). Sie werden, wenn die Schwanzfielen ausgebrochen find, aus dem Nefte genommen, um ſicher zu fein, daß fie noch nichts von, einem ſchlechten Finkengeſange gelernt haben; denn die Finken fangen, ſobald ihnen die Schwanz- und Schwungfedern bis zur Haͤlfte verwachſen ſind, an, das Lied, das ihr Vater, oder ein anderer Fink in ihrer Nachbarſchaft ſingt, nachzuahmen. Man füttert fie mit eingequelltem Ruͤbſamen und Semmelkrumen auf. Gewoͤhnlich koſtet es wenig oder keine Muͤhe, ſie bis zur Mau⸗ ſerzeit geſund zu erhalten; allein dann ſterben ihrer viele, und man muß ihnen alsdann mit Ameiſeneiern und Mehlwuͤrmern zu Huͤlfe kommen. Solche aufgezogene Finken werden ungemein zahm, und fingen, wenn man es verlangt oder wenn man mit dem Kopf und Fingern freundliche Bewegungen vor ihrem Käfig macht. Wenn man will, daß ſie den vorgepfiffenen Geſang bald ) Wer recht ſicher gehen will, der rupfe den jungen Vögeln, die er aus dem Neſte nimmt, einige Federn aus der Bruſt aus; in vierzehn Tagen ſind dieſe Federn wieder gekeimt, und man kann alsdann an dem Daſein oder dem Mangel der rothen Farbe ſehen, was Männchen oder Weibchen find. 13* 196 Der gemeine oder Buch-Fink.“ und gut lernen ſollen, ſo muͤſſen ſie immer an einem dunklen Orte haͤngen, und dürfen nicht eher, als bis im Mai ans Fen- ſter kommen. Dies iſt das natuͤrlichſte Mittel, keine Stuͤmper zu bekommen. Wenn man es fo macht, ſo verlaſſen auch ge woͤhnlich die Jakobifinken (Jopfsfinken) ihren alten angenommenen Geſang und lernen den guten, den ihnen ein Vorſaͤngerfink vor: pfeift. Ein dunkles, verſtecktes Haͤngen des Kaͤfigs unter einem Pult oder unter einer Bank iſt alſo bei aufgezogenen Finken, wenn ſie gute Schlaͤger werden ſollen, die Hauptſache. N N Man hat Beiſpiele, daß Finken, in große Kanarienhecken geworfen, mit den Kanarien voͤgeln Baſtarde gezeugt haben; auch will man ſie ſogar mit Goldammern zu paaren wiſſen. & | Daß die Gartenfinken weißliche, und die Waldſinken gruͤn⸗ liche Eier legen, wie einige behaupten, die beide Voͤgel wenig: ſtens als Racen getrennt wiſſen wollen, iſt ungegruͤndet; denn man findet in Garten- und Waldneſtern Eier mit weißlichem Grund; auch werden alle, wenn ſie eine Zeitlang bebruͤtet ſind, weißlich. Krankheiten. Sie ſind der Verſtopfung der Fettdruͤſe und dem Durch⸗ fall oft unterworfen; erſtere heilt man, wie gewöhnlich, und ges gen letztern hilft ein verroſteter Nagel oder ein wenig Saffran ins Trinkgeſchirr gethan. Wenn die Schuppen an den Beinen zu ſtark werden, (was die Vogelſteller bei uns Stolpen nennen) ſo loͤſt man die obern mit einem Federmeſſer fein ab, ſonſt werden die Voͤgel leicht lahm und podagraiſch; es muß aber behutſam dabei verfahren werden. Sie werden auch ſehr leicht blind, beſonders wenn ſie zu viel Hanfſamen bekommen. Es ſchadet ihnen dieſes jedoch in Betreff ihres Geſanges nichts, und da die Blindheit nach und nach eintritt, fo koͤnnen fie auch, wie gewoͤhnlich, ihre Nahrung finden, ja ſo gut als vorher auf den Springhoͤlzern herumhuͤpfen. Ich habe jetzt gerade ſo einen ſtockblinden Reitzugfinken. Wenn man ſie gut wartet, ſo werden ſie zwanzig Jahr alt. Fang. Sie fallen von Michaelis bis Martini und im Fruͤhjahr den ganzen Maͤrz hindurch auf den Finkenherd, wenn man nur Der gemeine oder Buchfink. 197 gute Lockvögel hat. Im Winter werden diejenigen, welche zu⸗ che bleiben oder zu bald wieder kommen, mit dem Schlaggarn in Gaͤrten und auf großen Hoͤfen bei ausgeſtreutem Hafer ge⸗ fangen. i f Im Fruͤhjahr werden ſie gewoͤhnlich vom Vogelſteller auf der ſogenannten Locke mit Lockbuͤſchen und Lockvoͤgeln gefangen. Die Lockfinken rufen den vorbeiſtreichenden Jack, jack, und Fink, fink zu; dieſe glauben, hier Gatten zu bekommen, ſetzen ſich auf die Leimruthen, bleiben kleben, und fallen herab. Dieſer Fang dauert ſo lange als die Voͤgel ziehen und zwar des Morgens von Tagesanbruch bis neun Uhr; ſo lange fliegen naͤmlich dieſe Zug⸗ voͤgel, alsdann aber lagern ſie ſich ins Feld, um zu freſſen, und ruhen die uͤbrige Tageszeit aus, oder uͤben ſich, ihren Geſang zu lernen. Auf eben dieſe Art werden auch die Bergfinken, Haͤnflinge, Stieglitze, Zeiſige, Flachsfinken, Goldam— mern, Gimpel, Gruͤnlinge u. a. m. gefangen. Der Vogelſteller benutzt auch die Eiferſucht der Finken als Mittel zu einer Fangart, die man den Finkenſtich nennt. Sobald er naͤmlich einen Finken hoͤrt, der einen guten Schlag hat, ſo nimmt er ein anderes Finkenmaͤnnchen, von welchem er weiß, daß es feinen natürlichen Laut Fink, finkl oft hören laͤßt, bindet ihm die Flügel zuſammen und auf dem Schwanz ein ſehr dünnes gabelfoͤrmiges Zweiglein von der Länge eines hal⸗ ben Fingers, das mit Vogelleim beſtrichen iſt, und läßt den Vo⸗ gel in der Gegend, wo der zu fangende Fink ſeinen Stand hat, und unter dem Baume, wo er eben ſitzt, los. Kaum iſt er etliche Schritte unter dem Baume fortgehuͤpft, und hat ſeine Stimme hoͤren laſſen, ſo faͤhrt jener aus Eiferſucht grimmig auf ihn herab, packt ihn, und bleibt an dem Vogelleim kleben. Man hat Beiſpiele, daß der Standfink auf einen Stoß den Lockfinken getoͤdtet hat. — Sicherer geſchieht aber der Fang auf folgende Art. Man nimmt ein Maͤnnchen, umguͤrtet es unter den Fluͤ⸗ geln mit einem weichen ledernen Bande, bindet an daſſelbe einen Bindfaden, der ungefähr einen Fuß lang iſt, und welchen man mit einem Pfloͤckchen in die Erde (wie alle Laͤufer) befeſtigt, ſo daß der Vogel frei um das Pfloͤckchen herumlaufen kann. Man nennt dieſen Vogel, welchen man gewoͤhnt hat, ohne zu flattern, an den Bindfaden herum zu laufen, wie bekannt, den Laͤufer. 198 Der gemeine oder Buch-Fink. Um den Läufer ſteckt man rund herum in einem Kreiſe Leimru⸗ then. In einem Buſch daneben verſteckt man einen aufgezogenen Finken in einem Vogelbauer, den man gewoͤhnt hat, bedeckt und im Freien zu fingen. Sobald dieſer feinen Geſang anſtimmt“), ſo ſtoͤßt auch gleich der andere vom Baum, wie ein Pfeil, blind⸗ lings auf den Laͤufer, den er fuͤr den Saͤnger haͤlt, in den Kreis herab, verwickelt ſich in den Leimruthen und bleibt haͤngen. Ein ſolcher Finke heißt Stechfinke, und ſingt noch daſſelbe Jahr im Kaͤfig, wenn man ihn vor Pfingſten faͤngt; nach Pfingſten aber ſingt er nicht nur nicht, ſondern ſtirbt auch leicht aus Sehn⸗ ſucht nach ſeinem Weibchen und ſeinen Jungen. Unverſtaͤndige Vogelſteller, die nur an dieſem ſonderbaren Fange ihr Vergnuͤ⸗ gen finden, ohne auf den Werth des Geſanges zu ſehen, koͤnnen in der Heckzeit in einer Stunde zehn bis zwölf Weibchen ihrer Maͤnnchen und mehrere Jungen ihrer Verſorger berauben. Wenn im Sommer die jungen Finken ausgeflogen ſind, ſo merken ſich unſere Vogelſteller die Plaͤtze, wo ſie des Mittags an das Waſſer fliegen, um zu trinken. Dahin ſetzen ſie Stoͤcke, an welche ſie Leimruthen befeſtigen. Die Finken ſetzen ſich da⸗ rauf und bleiben haͤngen. Dieſe Finken haben den eigenen Na⸗ men Jopfsfinken (Jakobifinken), weil ihr Fang um Jakobi ge⸗ ſchieht. Ein ſolcher Fink, wenn er ein gutes Gedaͤchtniß hat, lernt gewoͤhnlich in der Stube noch einen guten Schlag, und iſt ſchon abgehaͤrteter, als ein jung aufgezogener. Daher halten unſere Thuͤringſchen Vogelfreunde viel auf dergleichen Finken, ſtecken ihrer viele ein, unter welchen doch immer einer oder etliche gerathen. | rn | Empfehlende Eigenſchaften. Hierher gehoͤrt vorzuͤglich ſein Geſang. Der Fink hat aber auch noch verſchiedene Toͤne, die den Liebhabern merkwuͤrdig ſind, und womit er ſeine Begierden und Beduͤrfniſſe zu erkennen giebt. Der Ton der Zaͤrtlichkeit, womit er auch die Veraͤnderung des Wetters anzukuͤndigen ſcheint, iſt ein Trief, trief! die Lock⸗ ſtimme, deren er ſich beſonders auf ſeinen Reiſen bedient, und durch dieſelbe gereizt, auch dem Vogelſteller in die Hände fällt, 2) Wohl zu merken iſt, daß dieſer einen Schlag haben muß, den man auch im Freien hört, ſonſt wird der Stechfink aus Unbekanntſchaft des Ge⸗ ſanges ſcheu werden, und nicht herunter kommen und ſich fangen. | | \ E | | Der gemeine oder Buchfink. 199 ein oft wiederholtes Jack, jadl; ein unwillkührlicher Laut ſcheint aber das Fink, fink! zu fein, das er fo vielmal des Tages ausruft, und welches ihm auch ſeinen Namen gegeben hat. Merk⸗ wuͤrdiger, als dieſe Toͤne, iſt ſein heller durchdringender Geſang. Er zeichnet ſich in der That vor allen Vogelgeſaͤngen aus, naͤhert ſich mehr dem Sprechen, und wird auch deßhalb mit dem Na⸗ men eines Schlages belegt. Jeder Vogel hat eins, zwei, drei, oft ſogar vier verſchiedene Schlaͤge, wovon jeder ein Paar Secun⸗ den dauert und aus etlichen Strophen beſteht. Da der Fink mit unter die angenehmſten Stubenvoͤgel gezaͤhlt wird, ſo hat man nicht nur alle ſeine Geſaͤnge bemerkt, ſondern auch alle Sylben derſelben gezaͤhlt, und ſeine natuͤrlichen Schlaͤge durch die Kunſt zu vervollkommnen geſucht. Da ich ſelbſt ein großer Liebhaber dieſes Geſangs bin, und daher immer eine ziemliche Anzahl ſol⸗ cher Voͤgel von den beſten Geſaͤngen im Käfige ernaͤhre, ſo ſollte es mir nicht ſchwer werden, etliche Bogen uͤber die Muſik des Finken anzufuͤllen. Ich will aber hier nur das Hauptſaͤchlichſte uͤber dieſe Materie anfuͤhren. Man benennt jeden Geſang des Finken, da er ſich wirklich den artikulirten Toͤnen der menſchlichen Sprache naͤhert, meiſt nach den Endſylben der letzten Strophe, und in Thuͤringen ſchaͤtzt man folgende Schlaͤge, die ich nach einer gewiſſen Rangordnung aufftellen will, vorzüglich. J) Der Haͤrzer-Doppelſchlag. Er beſteht aus fuͤnf lan⸗ gen Strophen, wovon ſich die letzte mit einem gedehnten Weingeh oder Hodoziah endigt. Ob ihn je ein Fink in der Vollkommen⸗ heit, wie man ihn jetzt in der Ruhl hoͤrt, und wie ich ſelbſt zwei derſelben beſitze, in der Freiheit am Harze geſchlagen habe, Das ran zweifle ich. Es iſt ein in der Stube wenigſtens vervollkomm⸗ neter Vogelgeſang. Er iſt ſo ſchwer, daß ihn kein Fink, der nicht jung aufgezogen iſt, lernt. Selten ſingt ihn auch einer recht gut, oder ohne etwas auszulaſſen; daher ein Vogel der Art, der ihn ganz, grob, und allezeit vollkommen ausſingt, theuer bezahlt wird. Er verlernt ihn auch leicht, beſonders wenn man andere Doppelſchlaͤger daneben haͤngen hat. Es iſt nebſt dem guten Weingeſang der Lieblingsſchlag der Nühler*) Fin: kenfreunde. — — \ 200 Der gemeine oder Buch-Fink. 2) Der Reitzug oder Reitherzu. Man hat von ihm zweierlei Arten. a) Der erſte heißt eigentlich der Erzgebirger oder Voigtlaͤnder und iſt erſt ſeit einiger Zeit in Thuͤringen be⸗ kannt. Man trifft ihn auch wild, und zwar ſchon auf der oͤſtli⸗ chen Seite des Thuͤringerwaldes an; allein aufgezogene Voͤgel ſingen ihn langſamer, groͤber, laͤnger und beſſer. Es iſt ein kraͤftiger, ſchmetternder Geſang, der aus vier kurzen Strophen be— ſteht, wovon die erſte recht hoch herab klingeln und vor den Syl— ben Reitzug ein Abſatz, d. h. ein Triller ſein muß, wenn der Schlag gut fein fol. Die letzte Sylbe iſt deutlich Reit zug mit einem Schnapp, wie der Finkenliebhaber ſpricht, oder mit dem Tone Zap! b) Der zweite iſt der Oberlaͤnder oder Breitenba⸗ cher. Er iſt laͤnger und klingt floͤtender, die letzte Sylbe aber wird nicht Reitzug, ſondern Rietzu ausgeſprochen, weil man in Thuͤringen ſtatt reiten, rieten ſagt. Beides vortreffliche Ge: fange. Wer noch keinen vollkommenen Haͤrz er doppelſchlag gehört hat, hält dieſe Reitzug-oder Reiterfinken für die voll⸗ kommenſten Sänger. Doch kommt es hier, wie bei allen derglei⸗ chen Dingen, auf den Geſchmack an. f 3) Der Reithahn. Ein im Meininger-Oberlande, vorzuͤg⸗ lich in Stein bach und Lauſcha, gewoͤhnlicher Stubengeſang. Man darf ihn nicht mit dem Reitzug verwechſeln. Er beſteht aus einer langen, hoch herabſchmetternden und etwas ziſchenden Strophe, der am Ende Reit-oder Riethahn angehängt iſt, mit dem Endpunkte Zap. Er klingt frappant und ſehr gut. 4) Der Weidmann Man hat den Stuben- und Wald: Weidmann. Erſterer iſt im Voigtlande gewoͤhnlich und heißt faͤlſch— lich Rauter. Von weitem klingt er wie der Braͤutigam, allein die zwei Vorderſtrophen ſind deutlicher abgeſetzt, ſtark, und ſcharf, und der Hauptſchlag laͤßt ſich genau wie Weidmann zieh aus, Meſſerſchmiede, ſo große Liebhaber der Finken ſind, daß man nicht nur Bei⸗ ſpiele weiß, daß ſie von Ruhl aus an den Harz, alſo 16 Meilen weit, ge⸗ gangen ſind und einen guten Finken geſtochen, ſondern auch für einen guten Schläger eine Kuh hingegeben haben. Daher das Sprichwort in unferr Walde dörfern nicht felten gehört wird: Die ſer Fink iſt eine Kuh werth. Ein rechter Ruhler Finkenliebhaber wird ganz entzückt, wenn man von einem gu⸗ ten Doppelſchläger ſpricht; ich habe ſie oft ſagen hören, daß ein echter Doppel⸗ ſchläger ordentlich mit einem ſehwatzen müſſe, jo deutlich müſſe er alle Sylben ausſprechen können. In der Ruhl werden alſo vorzüglich gute Finken auf⸗ gezogen. Außerdem hat man auf dem Thüringerwalde noch in Tambach, Schmalkalden, Breitenbach und Steinbach gute Finken. 5 Der gemeine oder Buch-Fink. 201 hoͤren. Der wilde Geſang iſt vorn herein viel kuͤrzer, auch nicht ſo grob, und wird einzeln in Franken in den Laubwaldungen gehoͤrt. be | 5) Der Weingefang. Man hat fünferlei Arten. a) Den guten oder Längsfelder‘). Dieß iſt ein ausnehmend ſchöner Geſang, der nur in einigen Thuͤringer Walddoͤrfern, beſonders in Ruhl gewoͤhnlich iſt. Er hat vier kurze Strophen, die aber mit einem der Oboe aͤhnlichen Tone geſungen werden muͤſſen, wenn er ächt fein ſoll. Die letzte Sylbe klingt Weing eh oder Wien⸗ gieh, (d. h. im Thuͤringſchen Wein gehen.) Dieſes iſt auch blos ein von ungefaͤhr in der Stube erlernter und von da weiter fort⸗ gepflanzter Geſang, den man nie, wenigſtens nie ſo vollkommen, im Freien hoͤrt. b) Der ſchlechte Weingeſang. Er klingt nicht ſchlecht, ſondern heißt nur im Vergleich mit dem vorigen ſchlecht. Er hat drei Strophen, wovon die vorletzte fuͤnfmal Zap klingen muß, wenn er gut ſein ſoll. Weingieh iſt auch die letzte Sylbe. Man hoͤrt ihn im Freien, und ſolche Voͤgel werden alſo geſtochen. e) Das gerade Weingeh oder Weingieh: Ein aus dem ſchlechten und ſcharfen Weingeſang gleichſam zu⸗ ſammengeſetzter Schlag. Die letzte Sylbe klingt gerade aus und ſchmetternd. Es iſt ein wilder Geſang in Franken, beſonders in der Gegend um Meiningen, der nicht unangenehm klingt. d) Der ſcharfe Weingeſang, auch ſchlechtweg der Scharfe genannt. Dieſer endigt ſich nie Weingieh, ſondern wirklich und zwar gedehnt Weingeh. Man theilt ihn ein a) in den gemei⸗ nen, welcher, wenn er gut ſein ſoll, klingen muß: Fritz, Fritz, Fritz, willſt du mit zum Wein gehn. Man trifft ihn im Freien an. b) Den Ruhler ſcharfen. Dieß iſt wieder ein ge⸗ lernter Schlag, den man in Ruhl und einigen andern Thuͤring⸗ ſchen Walddoͤrfern antrifft. Er hat drei Strophen, wovon die erſte hoͤher klingen und klingeln muß, und wo auf der vorletzten oder den beiden vorletzten ein Accent liegt. Man theilt ihn in Ruhl ſelbſt a) in den Langenfelder“) und 8) den Urnshaͤu⸗ fer**) Scharfen ein. Letzterer iſt etwas ſchmetternder und hat „„ eld, ein Flecken vor der Rhön, aus welchem dieſer Geſang ) Langenfeld ein Meiningſches Dorf bei Salzungen, wo dieſer Schlag, aber unvollkommner, im Walde angetroffen wird. ) Urnshauſen, ein Eiſenachſches Dorf, nicht weit vom vorigen. 292 Der gemeine oder Buch-Fink. vor dem Weingeh zwei gedehnte Vorſchlagſylben. Beides ſind vortreffliche, etwas hoch klingende Schläge. Hierauf folgt „) der Oberlaͤnder Weid — auch ein ſcharfer Weingeſang mit drei ſchoͤ— nen, ſtarken, ſchnellen Strophen, und am Ende ein gezogenes Weid oder Weingeh mit der Endſylbe Speck. In dem Mei⸗ ninger Walddorfe Lauſcha iſt es ein Lieblingsgeſang. 6) Der Braͤuigam. Hiervon giebt es a) den guten, welcher nur in der Stube zu hoͤren iſt. Er hat zwei Strophen, wovon die erſte leiſe und hoch, und die zweite wachſend ſchmet— ternd wird. Man ſpricht ihn nach: Fink, Fink, Fink, Fink, willſt du denn mit den Braͤutigam zieren! Er wird in Tambach gezogen. b) Der ſchlechte wird im Wald geſungen, iſt auch ein angenehmer Schlag, und beſteht aus drei Strophen, die aber fuͤr das Ohr des Liebhabers nicht ſo angenehm ſind, als von jenem. 7) Der Doppelſchlag. Dieſer Geſang beſteht aus zwei langen, in der Mitte deutlich abgeſetzten Strophen. Den Abſatz in der Mitte nennt man den Wirbel. Hiervon giebt es aq) den ge meinen, welcher wieder in a) den groben oder Schmalkaͤlder Doppelſchlag'), welcher Geſang grob und lang klingt und durch aufgezogene Voͤgel verbeſſert worden iſt, b) den klaren, c) den langen und d) kurzen eingetheilt wird. Man trifft dieſe Geſaͤnge im Freien an, und a) und b) werden als gute Ge— ſaͤnge geſtochen. In Thuͤringen ſpricht man den Doppelſchlag ſo nach: Finkferlinkfinkfink zißſpeuzia; paverlalalaziſch— kutſchia! b) Der Tambacher Doppelſchlag iſt ein bloßer Stubenſchlag“), der fo tief und ſtark klingt, daß man nicht glauben ſollte, daß ein Fink ſo tief ſingen koͤnnte. Er faͤngt Piano an und wird immer ſtaͤrker, macht aus dem Wirbel eine Strophe von fünf ſchnarrenden Toͤnen, pfafft alsdann etliche— „) In einigen Gegenden Frankens, z. B. um Meiningen herum iſt er noch im Wald und zwar ziemlich vollkommen anzutreffen. Schade, daß die mei— ſten Finken, die ihn ſingen, noch einen Nebenſchlag haben. *) Ein Ohngefähr bat dieſen Doppelſchlag vor acht Jahren erzeugt. Ein Schuhmacher, Namens Schmidt, in Tambach hat bei einem ganz groben Doppelſchläger fünf junge Finken hängen, wovon einer dieſen Geſang für ſich heraus bringt. Von dieſem ſind hernach mehrere gelehrt worden, ſo daß jetzt dieſer Geſang in den Thüringer Walddörfern jener Gegend ein Lieblingsges ſang geworden iſt. i Der gemeine oder Buch-Fink. 203 mal, d. i. ruft drei bis fünfmel Pfaff und ſchließt mit der Sylbe Ruͤdidiga langſam. Wenn ein Fink dieſen Doppelſchlag entweder allein oder in Verbindung mit dem guten Braͤutigam fingt, wie er in dem Waldflecken Tambach gezogen wird, ſo wird er theuer bezahlt. c) Der Schuͤttel-Zwetſchcher — ein Doppelſchlag im Meininger Oberlande, vorzuͤglich in den Doͤrfern Steinbach und Lauſcha. Er iſt dem gemeinen aͤhnlich, aber ein gelernter Stubengeſang, von zwei langen, deutlichen, groben Strophen, die am Ende ſich mit der Sylbe Speck endigen. Da⸗ her man ſagt, ein ſolcher Vogel müffe ſpecken. Er iſt theuer. 8) Das Gutjahr. Die letzte Sylbe klingt Gutjahr. Man hat a) das gemeine, aus zwei Strophen beſtehend, wovon die zweite fünfmal wirbeln muß, ehe das Wort Gutjahr kommt. Es iſt ein gewöhnlicher Waldgeſang. b) Das Haͤrzer. Ein Stu⸗ bengeſang, der zwei ſehr wunderbare, ich kann eben nicht ſagen, angenehme Strophen hat. Finken, die den Kühler ſcharfen Weingeſang und das Haͤrzer Gutjahr ſchlagen, werden theus rer bezahlt, und ſind jetzt ſelten. In Eiſenach und Ruhl trifft man fie noch am meiſten an. e) Wenn das Hauptwort nicht Gutjahr, ſondern Woizia klingt, ſo erhaͤlt der Schlag auch dies ſen letzten Namen. Die Vorderſtrophen ſind dieſelben. In Fran⸗ ken hoͤrt man mehr Woizia- als Gutjahr-Finken. 9) Das Kienoͤhl oder Qvakia, weil ſich der letzte Laut fo endigt. Es giebt a) ein doppeltes, und b) ein einfaches. Jenes beſteht aus zwei Strophen, dieß aus einer. Jenes war ſonſt bei uns ſehr geſchaͤtzt, und nur ein wilder Geſang, der aber ſowohl in der Stube, wo man ihn laͤnger und groͤber kannte, als im Walde ſeit etlichen Jahren faſt gar nicht mehr gehoͤrt wird. Im Walde hat man bei uns alle, die ihn fangen, wege gefangen, und in der Stube hat ihn der gute Weingeſang ver⸗ draͤngt. Ich beſitze noch einen ſolchen Vogel, und glaube, es eriſtirt ſonſt keiner mehr. Sonſt mußten ſolche Finken den gros ben Doppelſchlag dabei ſingen, wenn ſie angenehm ſein ſollten. Dieſe beiden Geſaͤnge hat der meinige auch. f 10) Das Par akikah. An keinem Finkenſchlag hört man das Hauptwort deutlicher ausſprechen als an dieſem. Man fin⸗ det ihn auf der Weſtſeite des Thouͤringerwaldes und in Franken im Freien. In Waſungen iſt er als Stubengeſang am voll⸗ 204 Der gemeine oder Buch-Fink. kommenſten. Er hat im Freien zwei und in der Stube. drei Ein- gende Strophen und haͤngt hinter das Hauptwort Zap an. 11) Das Pithia oder Trewethia. Ein ungemein an— genehmer Geſang, den man noch einzeln in den tiefen Gebirgen des Thuͤringer Waldes hoͤrt. Es wird ihm aber in den Weſt⸗ phaͤliſchen Walddoͤrfern ſehr nachgeſtellt. Aufgezogen iſt er noch vollkommener. Vorn herein muß er eine Strophe klingeln, und dann etlichemal Zack rufen. Man hatte ſonſt Voͤgel, die ihn ſammt dem gemeinen ſcharfen Weingeſang ſangen, und welche man ſehr ſchaͤtzte. Das letzte Wort muß klingen wie Trewi— di daͤ! | 12) Das Schwarzgebuͤhr. Ein im Meiningſchen Ober: lande, 3 B. in Sonnenberg und Steinach gewoͤhnlicher Fin— kenſchlag, der im Freien gehoͤrt, aber vollkommen in der Stube gezogen wird. Er hat drei Strophen, wovon die dritte beſon— ders grob und wogend klingt. Das letzte Wort druͤckt ſich deut— lich aus, und hat am Ende Pink. Man laͤßt ihn mit dem Reit⸗ zug Einen Vogel lehren, und ein ſolcher Fink, der dieſe zwei voll— kommene Geſaͤnge hat, wird ſehr geſchaͤtzt. Dieß ſind die vorzuͤglichſten, in Thuͤringen und uͤberhaupt in Sachſen und Franken geſchaͤtzten, Finkenſchlaͤge. Man hoͤrt, wie ich bemerkt habe, manche derſelben im Freien, aber gewoͤhnlich nicht ſo vollkommen, d. h. ſo lang und mit ſo ſtarker und reiner Stimme. Wenn ein Vogel nur einen von dieſen Geſaͤngen fingt, ſo ſingt er ihn auch gewoͤhnlich deſto langſamer, mehrſylbiger, lau— ter und tiefer, und wird dann um deſto hoͤher geſchaͤtzt, wenn er am Ende eines jeden Schlages noch Pink oder Zap ruft, welches die Vogelſteller das Amen nennen. Ich beſitze jetzt eben 21 Fin⸗ ken, und wenn ich die guten Schlaͤger, die alle in apparten Kaͤ⸗ figen und in 8 Zimmern vertheilt hängen, nach meinem = ſchmack in eine Rangordnung bringen ſoll, ſo iſt ſie dieſe: Haͤrzer-Doppelſchlag — 2) Breitenbacher und 3) Beige länder Reitzug — 4) guter Weingeſang — 50 Urnshäufer und 6) Langenfelder Scharfe — 7) Weidgeſang — 9) Tambacher⸗ und 9) grober Doppelſchlag — 10 Schuͤttel— Zwetſchcher — 11) Voigtlaͤndiſcher Weidmann 12) Lam: bacher Bräutigam — 13) Reithahn — 10) Haͤrzer Gut jahr und 15) Parakikah. Die andern Finken, welche meiſt Der gemeine oder Buch-Fink., 205 zwei Schlaͤge zugleich ſingen, als a) den gewoͤhnlichen Doppel⸗ ſchlag und das Gutjahr, b) den Doppelſchlag und das gerade Weingieh, c) den Doppelſchlag und das Kienoͤhl, d) den Weid— mann und das Pithia, e) das Schwarzgebuͤhr und den Reitzug, f) das Gutjahr und den ſchlechten Weingeſang, g) den ſchlechten Weingeſang und den gemeinen ſcharfen, h) den gemeinen ſcharfen und das Hochzeitgebuͤhr — habe ich in Gittern oder frei in mei- ner Studierſtube unter andern Voͤgeln herumlaufen. Die uͤbrigen Vogelgeſaͤnge, die man allenthalben hoͤrt, die aber nicht ſonderlich geachtet werden, ſind der verkehrte Doppel— ſchlag, das ſchon erwaͤhnte ab, das Hochzeit— bier, Weizenbier, Gerichtsgebuͤhr, Wuͤrzgebuͤhr, Giek— gaak, der gerade ſcharfe Weingeſang, die Weinſcheere, das tolle Gutjahr, das Davida, das Werr, Klapziah, und alle diejenigen, deren Endſylbe auf Zia ausgeht, welche mit dem Schimpfnamen der Putzſcheere belegt werden. Es iſt merkwuͤrdig, daß nach den verſchiedenen Gegenden 1 die dieſe Voͤgel bewohnen, auch ihre Geſaͤnge abwechſeln, ſo daß man andere Geſaͤnge auf dem Thuͤringer-Walde und andere auf dem Harze ꝛc. hört. Und danach richtet ſich dann gewöhnlich auch die Liebhaberei; denn in Oeſtreich hoͤrt man folgende gern, die ich ebenfalls nach ihrem Vorzuge auf einander folgen laſſen will, ſie aber nicht naͤher beſchreiben kann, da ich niemals in Oeſtreich geweſen bin. Der vornehmſte Geſang iſt der oben er⸗ waͤhnte Reitherzu, darauf folgen der Ritſcher oder Weit— ſchuh, Goldſchmiedbus “), Ziehende, Lachende oder Ueber— gebende, das Wils feuer oder Dißdered, der Großrol— lende, Kleinrollende, Sitzaufthuͤl, Musketirer, Malve— fier, Kuhdieb, Wey, Sparbarazier, Doiteret, Gutjahr, Mitſo viel, e und Pfingelſte. N Der Fink iſt ſo gelehrig, daß er, jung aufgezogen, nicht nur die Geſaͤnge eines andern Finken, wenn er fie allein hört, an: nimmt, ſondern auch, wenn er bei einer Nachtigall oder einem Kanarienvogel haͤngt, abgebrochene Strophen aus ihren Liedern, aber freilich nichts Vollkommnes, lernt, da ſeine Gurgel nicht ge— baut iſt, anhaltend zu ſingen. Aber auch unter ihnen bemerkt man, ſo wie bei andern gezaͤhmten Voͤgeln, die Verſchiedenheit ) Blumauers Virgils Aeneis traveſtirt. B. 3. S. 5. — u, 206 Der gemeine oder Buch-Fink. des Gedachtniſſes: denn einer hat zuweilen ein halbes Jahr noͤ⸗ thig, um einen einzigen Geſang zu ſtudieren, da hingegen ein anderer ihn gleich beim Erſtenmalhoͤren gefaßt hat und nachſin⸗ gen kann. Einer lernt mit Muͤhe einen, ein anderer, wenn man will, drei, ja vier Finkenſchlaͤge; einer faßt ihn unvollkommen, ein anderer vollkommen, ſetzt auch wohl noch einige Sylben zu und verſchoͤnert ihn. Etwas Beſonderes liegt auch darin, daß dieſe Voͤgel ihren Geſang alle Jahre auf eine ganz eigene Art von Neuem lernen muͤſſen. Es geſchieht dieß unter einem ſchnurrenden und ziſchen⸗ den Geraͤuſche, das ſie vier Wochen und laͤnger machen, unter welches ſie ganz leiſe, erſt einige, dann mehrere Sylben ihres Schlages mit einmiſchen. Man nennt es ihr Zirpen, und diejenigen gehoͤren auch wieder unter die Genies, die nur acht oder vierzehn Tage zirpen, und alsdann ſchon laut ſchlagen. An⸗ dere Voͤgel, die nur zu beſtimmten Jahreszeiten ſingen, laſſen ſich auch ganz leiſe hoͤren, und vermiſchen auch ihren Geſang mit fremden und vorzuͤglich unreinen Toͤnen: allein keiner bringt ſo ganz eigene, mit dem eigentlichen Geſang gar nicht zuſammen⸗ haͤngende, Toͤne hervor. Bei geringer Aufmerkſamkeit bemerkt man, daß dieß Zirpen nicht ſowohl ein Lernen des Geſangs, als vielmehr eine Geſchmeidigmachung oder ein in Gangbringen der Gefangtöne iſt, die ein ganzes Jahr hindurch der Gurgel unge⸗ wohnt geworden ſind. ö a Diejenigen, die im Freien wohnen, fangen bald nach ihrer Ankunft im Frühjahr an zu zirpen, die Stubenfinken noch früs her, ſchon zu Anfang des Februar, ſie probiren aber auch laͤn⸗ ger, zuweilen faſt zwei Monate lang, ehe ſie recht laut werden. Gewoͤhnlich dauert die Singzeit nur bis zu Ende des Junius; einige jung aufgezogene Stubenfinken aber ſingen auch wohl bis Michaelis und Martini. s Viele Voͤgelfreunde verſchaffen ſich durch eine Grauſamkeit das Vergnuͤgen, dieſe Vögel Tag und Nacht und ſehr ſcharf ſin— gen zu hoͤren. Sie ſtellen naͤmlich den Kaͤfig an einen dunkeln Ort, gewoͤhnen ſie dadurch, ihre Nahrung blindlings zu ſuchen, brennen ihnen alsdann durch einen ſpitzigen gluͤhenden Drath entweder die Pupille ganz aus, oder nur die beiden Raͤnder der Augenlieder zuſammen. Der Bergfink. 207 Außer dem ausgezeichneten Geſange zeigt der Fink auch noch andere Talente, ſo daß man welche geſehen hat, die eben die Kuͤnſte, z. B. Zahlen, Buchſtaben und Farben zuſammenſetzen konnten, wie der Kanarienvogel. Einen ſolchen hatte ein reiſen- der Elſaßer, Jeantet. Er war aber nicht fo vollkommen ges ſchickt, wie die Kanarienvoͤgel, welche er bei ſich hatte. S. unten 103. Der Bergfink) IE Buchſink, Quaͤker, Gogler, Gaͤgler, Nikawitz, Zet⸗ ſcher, Quetſchfink.) (Taf. IV. Fig. 2.) Beſchreibung. Er iſt 6 ¼ Zoll lang, wovon der Schwanz 2½ Zoll weg⸗ nimmt; der Schnabel iſt ½ Zoll lang, im Winter braun, im Sommer gelblich, an der Spitze ſchwarz; die Fuͤße ſind dunkel⸗ fleifchfarbig, und 9 Linien hoch; der ganze Kopf bis in Nacken, ſo wie die Kehle, ſind glaͤnzend ſchwarz mit dunkelrothgelber Ein— aſſung der Federn, die in der Jugend ſtaͤrker, im Alter ſchwaͤcher 9 iſt, ſo daß die ganz alten einen voͤllig ſchwarzen Kopf haben; Genick und Bauch weiß bepudert; der Rüden ſchwarz mit breis ter dunkelgelber Einfaſſung der Federn; der Steiß weiß; der Vor⸗ derhals und die Bruſt, ſo wie die kleinen Deckfedern der Fluͤgel, orangengelb; der Bauch weiß; die großen Deckfedern ſchwarz mit weißen Spitzen; die Schwungfedern dunkelbraun mit gelblichen Raͤndern; der Schwanz ſchwarz und etwas gabelfoͤrmig. Das Weibchen iſt einfarbiger, und da braun, wo das Maͤnnchen ſchwarz iſt, und gelbrothgrau, wo dieß gelbroth iſt. Man findet auch Varietaͤten z. B. mit weißem Kopf, wei⸗ ßem Ruͤcken ꝛc. 5 Aufenthalt. a. Im Freien. Er verbreitet ſich durch ganz Europa, wohnt aber den Sommer uͤber eigentlich im Norden. Im Fruͤh⸗ jahr, Herbſt und Winter trifft man ihn allenthalben in Deutſch⸗ 5 Fringilla Montifringilla. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 902 n. 4. Pin- son d' Ardenne. Buffon des Ois. 4. p. 123. Montain Finch. Latham Syn. II. I. P. 26. n. 13. Fr ſch Vögel. Taf. 3. Fig. 2. 3. 208 Der Bergfink. land an, beſonders in Waldgegenden. Wenn es viel Buchek⸗ kern auf dem Thuͤringerwalde giebt, ſo hat man Beiſpiele, daß fie daſelbſt zu 100, 000 uͤberwintert haben. b. In der Stube. Da, wo er gemein iſt, haͤlt man es nicht der Muͤhe werth, ihn in einem Kaͤfig zu halten; wo er ſel— tener iſt, mag man es wohl ſeiner Schoͤnheit halber thun. Man laͤßt ihn bei uns frei herumlaufen. Nahrung. ‚ a) Im Freien frißt er, was der gemeine Fink frißt und b)in der Stube und im Käfig auch. f 5 Fang. Seine Lockſtimme iſt Jack, Jack, Qvaͤaͤk, und da die er⸗ ſteren Töne dem Gelocke des gemeinen Finken aͤhnlich find, fo laͤßt er ſich auch von dieſem herbeirufen und fliegt in ſeiner Ge— ſellſchaft. Nebſt dem gemeinen Finken iſt er der beſte Vogel auf dem Vogelherde, weil man im Herbſt oft auf einem Ruck etliche Schock fängt. Im Winter fängt man fie vor den Scheu: ern unter Sieben und Garnen, und im Frühjahr gehen fie auf die Lockbuͤſche, und wenn auch kein Vogel von ihrer Art, ſondern nur ein gemeiner Fink lockt. a Empfehlende Eigenſchaften. Er hat keinen anmuthigen Geſang; denn er ſingt weiter nichts als einzelne liſpelnde und zwitſchernde Toͤne, wie die ge⸗ meinen Finken thun, wenn ſie ihren Schlag einſtudiren, zwiſchen welche er zuweilen ein lautes Raͤtſch ſchreit; doch lernt er, wenn er etliche Jahre bei den gemeinen Finken hängt, etwas von ih—⸗ ren Schlaͤgen, aber immer unvollkommen. Wenn man ihn ſei⸗ ner Schoͤnheit wegen haͤlt, ſo darf man nicht viel Voͤgel neben ihm frei herum laufen haben, weil er ſehr zaͤnkiſch und beißig iſt. Er muß alsdann wenigſtens immer vollauf zu freſſen ha⸗ ben. Bei uns haͤlt man ihn vorzuͤglich in Kaͤfigen als Lockvo⸗ gel auf dem Vogelherd. — Man ſagt, daß er ſich eher, als der gemeine Fink, zum Aus- und Einfliegen gewoͤhnen laſſe. Der Hausfperling. 209 104, Der Hausſperling. 210 (Spatz, Kornſperling, Luͤning, Hofſperling“). Beſchreibung. Obwohl dieſer und der folgende Vogel eben nicht unter die angenehmen Stubenvoͤgel gerechnet werden, ſo darf ich ſie doch nicht uͤbergehen, da ſie leicht zu erhalten ſind und ſonſt auch al⸗ lerhand artige Eigenſchaften beſitzen, die andern Stubenvoͤgeln, die durch ihren Geſang und Farbe glaͤnzen, mangeln. Eine Beſchreibung dieſes Vogels ift-faft uͤberfluͤſſig, da er in der ganzen alten Welt, und beſonders in Europa ſo gemein iſt. Er iſt 5 Zoll lang. Der Schnabel iſt dick und ſchwarz⸗ blau; die Fuͤße ſind graubraun; der Scheitel und die Wangen aſchgrau; hinter den Augen ein breiter rothbrauner Streifen; um die Augen ſchwarz; der Hinterhals grau; der Rüden rothbraun und ſchwarz gefleckt; die Kehle bis zur Bruſt ſchwarz, letztere weißgewoͤlkt; der Unterleib graulichweiß; die kleinen Deckfedern der Fluͤgel rothbraun, die vorletzte Reihe der großen mit weißen Kaͤntchen, dieſe mit rothbrauner Einfaſſung; die mag dunkelbraun, fo wie die Schwanzfedern. 5 Das Weibchen iſt gar ſehr verſchieden, am Oberleibe roth: grau, auf dem Ruͤcken ſchwarzgefleckt; der Unterleib ſchmutzig weißgrau. | Die Jungen ſehen bis zum erſten Mauſern faſt wie die Weibchen aus. Man hat auch verſchiedene Varietaͤten: weiße, gelbe, lohgelbe, ſchwarze, 8 ganz aſchgraue und anal Hausſperlinge. | Aufenthalt. a. Im Freien. Daß er fi) in ganz Europa zu den Woh⸗ nungen der Menſchen gewoͤhnt hat, iſt bekannt genug. b. In der Stube laͤßt man ihn an der Erde frei unter andern Voͤgeln herumlaufen, oder thut ihn des Nachts in einen Käfig. Er lernt bald von felbft hingingeben,, ) Fringilla domestica. N. Lin. Syst. I. 2. p. 925. n. 36. Moineau franc. Buffon des Ois. 3. p. 474. t. 29. F. 15 House Sparrow. La- tham Syn. II. 1. p. 248. n. 15 Friſch Vögel. Taf. 8. Naturgeſch. d. Stubenvögel. 14 Der Hausfperling. Nahrung. a. Im Freien. Es iſt leider bekannt genug, daß ſie auf den reifen Weizen⸗ und Gerſtenaͤckern, auf den Erbſenbeeten, Kirſchbaͤumen ꝛc., wo fie ihre Nahrung ſuchen, oft Schaden thun; allein ſie werden auch auf der andern Seite in Waͤldern und Gaͤrten nuͤtzlich, da ſie zur Heckzeit eine unzaͤhlige Menge Mai⸗ kaͤfer und Obſtraupen freſſen. d. In der Stube freſſen ſie Hafer und alles, was man ihnen nur genießbares hinwirft. Im Kaͤfig legt man ihnen Ruͤb⸗ ſamen, Hanf, Mohn, Hafer u. dergl. Geſaͤme vor. Fortpflanzung. Unter den Daͤchern, in Mauerritzen, Schwalbenneſtern ıc. bringen ſie auf einem unordentlichen e des Jahres zwei bis dreimal fünf bis ſieben Junge. Fang. Sie ſind liſtig, und man muß Kunſt anwenden, ſie ins Garn oder auf Leimruthen zu bringen. Wenn man im Herbſt einen Feldbuſch, wo ſich ein Schwarm gewoͤhnlich niederlaͤßt, mit vielen Leimruthen beſteckt, fo faͤngt man ihrer viel. In Kirſch⸗ baͤumen, an Haͤuſern faͤngt man ſie mit Fiſchhamen, die man vor fie hält, wenn fie ſich ſchlafen geſetzt haben. Empfehlende Eigenſchaften. Wer viel Voͤgel in der Stube frei herumlaufen hat, der laͤßt den Hausſperling auch zur Geſellſchaft mit herum ſpazieren. Kinder zieren ihn auch wohl mit rothen Kronen oder Grenadier⸗ muͤtzen. Am angenehmſten wird er dadurch, daß man mit ihm und dem Feldſperling Baſtarde in der Stube ziehen kann. Man nimmt dazu ein Hausſperlingsmaͤnnchen und Feldſperlingsweib⸗ chen, (denn umgekehrt will es nicht wohl gerathen,) und giebt ihnen entweder eine hölzerne Hoͤhle oder einen Krug hinter dem Ofen oder an ſonſt einem verſteckten Orte, in welche ſie dann ein Neſt bauen und Junge bringen. Man kann ſie auch leicht zum Aus- und Einfliegen gewoͤh⸗ nen, beſonders wenn man den Winter dazu waͤhlt, ſie einen Monat lang vor das Fenſter in einen großen Käfig ſetzt und ih⸗ nen immer recht gutes Futter, Hirſen, Fleiſch, Semmeln in Der Feldſperling. 211 Milch geweicht giebt. Er niſtet alsdann auch in einem ſolchen Vogelhaus, wenn man ein dunkles Kaͤſtchen darin anbringt, das eine kleine Oeffnung zum Einkriechen hat. Ein Invalide zu Paris (Journal de Paris 18. Jul. 1809.) hatte einen jungen Sper⸗ ling ſo zahm gemacht, daß, als er ihn mit einer Schelle um den Hals fortlaſſen wollte, er ihn nicht verließ, ſondern immer wieder zu ihm zuruͤckkam. Er ließ ſich von den andern Invali⸗ den gar nicht fangen. Wenn ſein Herr bettlaͤgrig war, ging er ihm nicht von der Seite. Einſt wurde er gefangen und ſeiner Schelle beraubt. Nach zwei Tagen machte er ſich wieder frei, und kam zuruͤck. Er war ſo lange traurig und wollte nicht freſ⸗ ſen, bis er wieder eine neue Schelle um den Hals bekam. Er lebte lange und wurde allgemein bewundert. — Eben ſo hatte in Paris ein Geiſtlicher zwei Sperlinge, Vater und Sohn, die das vierte, fuͤnfte, ſechſte und ſiebente Gebot herſagen konnten. Es klang ſehr komiſch, wenn ſie ſich uͤber dem Freſſen zankten, und einer dem andern vorwarf: tu ne voleras pas (du ſollſt nicht ſtehlen.) 108. Der Feldſperling“). (Baumſperling, Rothſperling, Ringelſperling, Rohrſperling, Waldſperling, Weidenſperling.) Beſchreibung. Er iſt ſchoͤner als der vorhergehende, und ungefähr 5 ½ Zoll lang. Der Schnabel iſt ſchwarzbraun; die Füße find blaͤulich⸗ fleiſchfarben; der Oberkopf bis zum Nacken rothbraun; die Wan⸗ gen weiß mit einem ſchwarzen Fleck; den Nacken umgiebt ein wei⸗ ßer Ring; der Oberruͤcken iſt roſtfarben und ſchwarz gefleckt; der Unterruͤcken und Steiß braungrau; die Kehle und Gurgel ſchwarz; die Bruſt hellaſchgrau; der Bauch ſchmutzig weiß; die Schwung⸗ und Schwanzfedern dunkelbraun; die kleinern Deckfedern roſtfar⸗ ben, die großen ſchwarz, mit roſtfarbenen Raͤndern und weißen Spitzen, die zwei 1 Querſtreifen bilden. *) Fringilla er Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 925. n. 37. Fri- quet. is. 3. p. 489. t. 29. Fig. 2. Tree Sparrow. La- tham Syn. II. 1. % 252. n. 2. Friſch Vögel. Taf. 7. 14 * 212 Der Feldſperling. Es giebt auch weiße und bunte Varietäten, oder ſolche, die auf dem Oberleibe, auf Fluͤgel und Schwanz ſemmelgelb ſind, ſonſt aber die gewoͤhnliche Farbe, eine ſchwarze Kehle und brau⸗ nen Kopf haben. Aufenthalt. a. Im Freien bewohnt er das noͤrdliche Aſien und Ameri⸗ ka, und die meiſten Gegenden von Europa; doch iſt er in Deutſch⸗ land nicht allenthalben ſo gemein, wie ſein Verwandter, der Hausſperling; denn es giebt Gegenden, wo man ihn gar nicht ud zu ſehen bekommt. Man trifft ihn in Gärten und im Felde, wo Hecken und Bäume find, an. Im Herbſt ſieht man große Schaaten, die auf die reifende Gerſte und den Weizen fallen. b. In der Stube haͤlt man ihn, wie den vorhergehenden, blos auf dem Boden herumlaufend. Er hat aber eine unange⸗ nehme Stellung; da naͤmlich ſeine Fuͤße, wie beim Hausſperling, kurz ſind, ſo ſcheint er immer auf dem Bauche aufzuliegen, auch wenn er huͤpft. Nahrung. Die hat er mit dem vorhergehenden gemein. Fortpflanzung. In hohlen Obſtbaͤumen in Gärten, und in hohlen Weiden: baͤumen am Waſſer findet man gewoͤhnlich ſein Neſt des Jahres zweimal. Fang. | | Man fängt ihn, wie den vorhergehenden, und da er weni: ger ſcheu iſt, ſo geht er im Winter ſogar unter das Sieb vor die Scheuern. Empfehlende Eigenſchaften. Er iſt ſchoͤner als der vorhergehende, zirpt auch einige Toͤne, die ſeinen Geſang ausmachen, die ſich aber unter den Ge⸗ ſaͤngen anderer Stubenvoͤgel verlieren muͤſſen, wenn ſie lieblich klingen ſollen. Man kann ſie auch, wenn man auf dem Lande wohnt, zum Aus: und Einfliegen gewöhnen, welches man, wie bei dem vorhergehenden, bewerkſtelligt. Dieſe Voͤgel halten ſich nicht fo lange in der Stube, wie jene, und ſterben gewoͤhnlich an der Auszehrung. Der Hanfling. 5 213 106. Der Hänfling )). ( Baumhaͤnfling, Leinfink, Krauthaͤnfling, Bluthaͤnfling, Roth: haͤnfling, Grauhaͤnfling, Gelbhaͤnfling, Kanarienhaͤnfling.) Beſchreibung. Die Länge dieſes bekannten Stubenvogels betraͤgt uͤber 5 Zoll, wovon der Schwanz 2¼ mißt. Der Schnabel iſt 6 Li⸗ nien lang, im Sommer ſchmutzigblau, im Winter weißgrau mit brauner Spitze; der Augenſtern dunkelbraun; die Fuͤße ſind ſchwarz, und 8 Linien hoch. Man findet eine ſehr auffallende Verſchiedenheit in den Farben der Haͤnflingsmaͤnnchen, die man beim Weibchen nicht bemerkt, und die blos im Alter und der Jahreszeit ihren Grund hat. Dieß hat zu großen Verwirrungen in den naturhiſtoriſchen Werken Anlaß gegeben, iſt aber nichts weniger als weſentlich. Auch die Vogelſteller halten noch dieſe verſchiedene Voͤgel wegen ihrer verſchiedenen Kleidung fuͤr beſondere Arten. Ich hoffe, in dieſer Beſchreibung, die ſich auf die haͤufigſten, vieljaͤhrigen Beo⸗ bachtungen und Erfahrungen ſtuͤtzt, darzuthun, daß unſer gemei⸗ ner Haͤnfling“), der Bluthaͤnfling““) und aller Wahrſchein⸗ lichkeit nach auch der Gelb- oder Berghaͤnfling et) ein und derſelbe Vogel ſind. Ein altes, wenigſtens dreijaͤhriges Maͤnnchen hat im Fruͤhjahr folgende Zeichnung, und iſt unter dem Namen des Bluthaͤnflings bekannt. Die Stirn iſt blutroth, der Übrige Kopf roͤthlich aſchgrau, auf dem Scheitel mit einigen ſchwaͤrzli⸗ chen Flecken, an den Wangen, an den Seiten des Halſes, um die Augen herum ein roͤthlichweißer Flecken; der Oberruͤcken roſt⸗ braun mit hellern Federraͤndern; der Unterruͤcken weiß und grau gemiſcht; die obern Deckfedern des Schwanzes ſchwarz und roͤth⸗ lichweiß eingefaßt; mit einzelnen roͤthlichgrauen Flecken; die Sei⸗ ten der Bruſt blutroth mit roͤthlichweißer Einfaſſung; die Seiten ) Fringilla cannabina et Linota. Gmelin Lin Syst. I. 2. p. 916. n 28. et 67. Linotte, Buffon des Ois. 4. P. 58. t. 1. Common Linnet Latham Syn. 302. n. 73. et 74. Friſch Vögel Taf. 9. ) Fringilla Linota. Lin. 3 r Fringilla cannabina. Lin. ) Fringilla montana. Lin. 214 Der Haͤnfling. des Bauchs hellroſtfarbenz der uͤbrige Unterleib roͤthlichweiß; die erſte Reihe Deckfedern ſchwarz mit roͤthlichweißer Einfaſſung; die übrigen roſtbraun mit hellern Kanten; die Schwungfedern ſchwarz mit ſchmutzig weißen Spitzen, die erſte Ordnung auf beiden Sei⸗ ten faſt bis zu den Spitzen weiß geraͤndert; von der weißen Ein⸗ faſſung der ſchmalen Fahne bildet ſich mit den Schwungfedern parallel ein weißer Streifen; der Schwanz gabelfoͤrmig, ſchwarz; die vier aͤußerſten Federn auf beiden Seiten ſtark weiß eingefaßt, die beiden mittlern ſchmaͤler und roͤthlich weiß. Nach dem Mauſern im Herbſte ſieht man die blutrothe Stirn faſt gar nicht, indem ſich die Federn nur vom Grunde herauf roth faͤrben, und die Bruſt glaͤnzt auch nicht ſo ſchoͤn roth, weil die roͤthlichweißen Kanten noch zu breit ſind; der Winter malt erſt alle dieſe Farben gehoͤrig aus. Die einjaͤhrigen Maͤnnchen haben auf dem Kopfe gar nichts Rothes, mehr ſchwaͤrzliche Flecken, die Bruſt iſt hellroſtfar⸗ ben, hell und dunkel gewaͤſſert. Der innere Theil der Bruſtfe⸗ dern, welcher ſonſt roth iſt, hat nämlich entweder eine roͤthlich graubraune glaͤnzende Farbe, welche bald mehr bald weniger vor⸗ ſieht, die Raͤnder derſelben ſind aber immer roͤthlichweiß. Der roſtfarbene Ruͤcken hat einzelne dunkelbraune und roͤthlichweiße Flecken. Dieß ſind die ſogenannten grauen Haͤnflinge. (Weißhaͤnflinge, Mehlhaͤnflinge). Nach dem zweiten Mauſern bemerkt man an der Stirn, wenn man die roͤthlichaſchgrauen Federn aufhebt, blutrothe Puͤnkt⸗ chen, und die rothe Bruſt wird nur noch durch die großen gelb⸗ lichweißen Federraͤnder verdeckt. Dieß find die gelben Haͤnf⸗ linge, oder Steinhaͤnflinge, wie man ſie in Thuͤringen nennt. Ich habe aber auch Haͤnflinge gefangen, die ſtatt des Rothen an der Bruſt und an der Stirn daſelbſt glaͤnzend roͤthlichgelb wa⸗ ren. Auch dieſe nennt der Vogelſteller Gelbhaͤnflinge. Es ſind die Ausartungen des Rothen, vielleicht durch Krankheiten in der Mauſer, auch zuweilen ſehr alte Voͤgel. Dann haben die Vogelſteller fo unrecht nicht, wenn fie denſelben einen vorzüglich ſchoͤnen Geſang beilegen. Ich habe mehrere derſelben gefangen und ſie immer wegen ihrer Seltenheit fuͤr mich behalten. Sie zeichneten ſich durch Wildheit aus, ſangen aber ſchoͤn und rein, waren aber immer traurig und ſtarben mir meiſtens bald. Aus —— ——————— ——— 2 Der Haͤnfling. 215 dieſen Umftänden ſchloß ich auf ihr hohes Alter. Zwiſchen die⸗ ſen 3 Hauptunterſchieden der Farbenzeichnung des Haͤnflingsmaͤnn⸗ chens giebt es nun verſchiedene Abſtufungen, die das hoͤhere Al⸗ ter, und der Herbſt und Fruͤhling verurſachen. Je aͤlter ſie z. B. werden, deſto mehr Roth bekommen ſie auf dem Kopfe. Ich habe die ganze Stufenfolge in meinem Kabinette. Diejenigen, die man jung ins Zimmer bringt, bekommen niemals die ſchoͤne rothe Farbe am Kopfe und Bruſt, und blei⸗ ec ben immer, wie die einjährigen oder gemeinen grauen Hänflinge gefärbt; die alten rothen aber verlieren bei dem er⸗ ſten Mauſern im Zimmer ihre ſchoͤnen Farben, und werden in Be⸗ | treff der Farbe gleichſam wieder einjaͤhrige oder graue Haͤnf⸗ linge. | nn An dem Weibchen bemerkt man keinen Farbenwechſel. Es iſt etwas kleiner als das Maͤnnchen; der ganze Oberleib grau, ſchwarzbraun und gelblichweiß gefleckt, am Buͤrzel roͤthlichweiß und graubraun gefleckt, auf der Bruſt am ſtaͤrkſten; die Deckfe⸗ dern der Fluͤgel ſchmutzig roſtbraun. Es zeichnet ſich ſchon im Neſte durch ſeine mehr graue als braune Ruͤckenfarbe und durch ſeine ſtark geſprenkte Bruſt, die faſt wie eine Lerchenbruſt aus⸗ ſieht, vor dem Maͤnnchen aus; daher auch die Vogelſteller ge⸗ wohnlich nur die Maͤnnchen aus dem Neſte nehmen, und die Weibchen liegen laſſen. N Aufenthalt. a. Im Freien. Man trifft dieſe Vogel in ganz Europa an. Sie halten ſich den Sommer uͤber in den Vorhoͤlzern gro⸗ ßer Waldungen und überall auf, wo Feldhoͤlzer, Hecken und Büſche find. Im Herbſte begeben ſie ſich in großen Schaaren ins Feld. Es ſind Strichvoͤgel, die im Winter bald da bald dort ſind, wo die Erde von Schnee entblößt iſt. Im März find fie wieder paarweiſe in ihrer Heimath anzutreffen. b. In der Stube ſetzt man ſie entweder in Glockenbauer oder in viereckige kleine Finkenbauer. In letztern ſingen ſie noch beſſer, und werden auch nicht ſo leicht drehend. Auf dem Fuß⸗ boden läßt man fie nicht gern herum laufen, weil ſie zu phleg⸗ matiſch ſind, immer auf einem Flecke ſitzen, nd leicht getreten werden koͤnnen; hat man aber einige Baͤumchen in der Stube, ſo kann man ſie auch frei laſſen, denn da ſetzen ſie ſich immer 216 Der Haͤnfling. darauf und fingen, und gehen nicht eher herab, als bis fie freſ⸗ ſen und ſaufen wollen. Nahrung. | a. Im Freien. Ihr Futter befteht aus allerhand Saͤme⸗ reien, die ſie aushuͤlſen, und im Kropfe einweichen, ehe ſie in den Magen gelangen. Sie freffen den Samen von allerhand Kräutern, und beſonders Ruͤbſamen, Kohle, Hanf-, Mohn: und Leindotterſamen. . b. In der Stube beduͤrfen ſie weiter nichts als Som— merruͤbſamen )), der aber nicht eingequellt zu werden braucht, wie bei dem Finken, da die Haͤnflinge, als blos ſamenfreſſende Voͤgel, einen ſtärkern Kropf und Magen haben, ihn alſo beſſer verdauen koͤnnen. Hanf bekommen fie gar nicht. Man darf fie im Kaͤfig nicht zu ſtark füttern, fonft werden fie bei. der weni⸗ gen Bewegung, die ſie ſich machen, gar zu fett und erſticken. Salz lieben ſie, daher man ihnen zuweilen etwas unter das Fut⸗ ter giebt. Es iſt ihnen dieß ein vorzuͤgliches Vorbeugungsmittel gegen verſchiedene Krankheiten. Diejenigen Haͤnflinge, die man frei herum laufen läßt, freſſen mit den übrigen das gewoͤhnliche Univerſalfutter. Etwas Gruͤnes giebt man ihnen auch zuweilen. Sie baden ſich im Sande und im Waſſer. Fortpflanzung. Die Haͤnflinge machen des Jahres zwei Bruten und le— gen jedesmal vier bis ſechs Eier, die blaͤulichweiß und überall, beſonders am obern Ende, mit fleifchfarbigen und rothbraunen Punkten und Strichelchen beſtreut ſind. Man findet das Neſt am haͤufigſten in jungen Tannen⸗ und Fichtengehegen, auch in dichten Buͤſchen und Hecken, beſonders vom Schwarz- und Weiß⸗ dorn. Es iſt gut gebaut, beſteht auswendig aus zarten Wur⸗ zeln, Grashalmen und Moos, und iſt inwendig mit Wolle und Haaren ausgefuͤttert. Die Alten aͤtzen die Jungen aus dem Kropfe, und fuͤttern ſie auch dann noch, wenn man ſie beim Neſte faͤngt, und nebſt dieſen in einen Vogelbauer ſteckt. Die Jungen, denen man einen fremden Geſang lehren will, werden aus dem Neſte genommen, ſobald nur ihre Kiele aufgeſprungen ) Vom Winterrübſamen, der ihnen im Freien nichts ſchadet, ſterben ſie in der Stube in kurzer Zeit. Der Haͤnfling. | 217 find, damit fie nichts von dem Geſange ber Eltern erlernt haben. Man kennt die Maͤnnchen in ihrer fruͤheſten Jugend ſchon an ihren weißen Halsringen und an den mehrern Weiß im Schwanze und in den Fluͤgeln. 3 | Krankheiten. Sie ſind vorzuͤglich der Verſtopfung, Duͤrrſucht und fallenden Sucht unterworfen; leben aber im Zimmer zwölf bis ſechzehn Jahre. b Fa Fang. Es ſind ſcheue Vögel, die ſich ſchwer fangen laſſen, und alſo auf dem Herde, auch wenn man Läufer und Lockvogel hat, nnr einzeln zu bekommen find. — Im Fruͤhjahr, ehe ſie ſich be⸗ gatten, faͤngt man ſie auf den Lo ckbuͤſchen, die mit Leimruthen beſteckt ſind, wenn man einen guten Lockvogel im Kaͤfig hat. — Bemerkt man im Herbſte, daß ſie ſich gern auf die reif geworde⸗ nen Salatſtauden ſetzen, ſo darf man dieſe nur mit Sprenkeln behängen, oder mit Leimruthen beſtecken. — Die Schaͤfer ſtellen die Salzkrippen fuͤr die Schafe, unter welche ſie, um die uͤbrigen Salzkoͤrner aufzuſuchen, laufen, ſo auf, daß ſie leicht zufallen, und fangen ſie auf dieſe Art den ganzen Sommer durch. — Ihre vorzuͤgliche Lockſtimme iſt Gaͤcker! Empfehlende Eigenſchaften. Der Hänfling hat einen ſehr angenehmen, lauten und floͤ⸗ tenartigen Geſang, der aus vielen an einander haͤngenden Stro⸗ phen beſteht, und deſto ſchoͤner ift, je oͤfterer einige hell rauſchende Toͤne, die man ſein Kraͤhen nennt, vorkommen, weil ſie mit dem Hahngeſchrei einige Aehnlichkeit haben). Er ſingt im Som: mer und Winter, die Mauſerzeit ausgenommen. Wenn man ihn ans dem Neſte nimmt, und mit einer Miſchung von eingeweich⸗ ten Semmelkrumen, Ruͤbſamen und geſottenen Eiern auffuͤttert, ſo lernt er nicht nur den Geſang aller Voͤgel, die er im Zimmer hört, z. B. der Nachtigallen, Lerchen, Finken ꝛc., ſondern auch, . wenn er allein hängt, Melodien von Arien und Taͤnzen, die ) Es ſingt, wie bei allen Vögeln, einer beſſer als der andere; doch, wie bei allen Vögeln, die alten ſchöner als die Jungen; daher man auch den Gelbhänflingen gewöhnlich den Vorzug einräumt. 218 Der Flachsfink. man ihm vorpfeift, nachahmen; ja er lernt ſogar Worte, aber freilich ſehr undeutlich, nachſprechen. Unter allen Voͤgeln pfeift er, wegen feiner natürlichen Floͤtenſtimme, die Melodieen am rein⸗ ſten und ſchoͤnſten nach, und ſteht deßhalb in vorzuͤglichem Werthe. Beſonders angenehm iſt es, wenn man einen jungen Haͤnfling von einer Nachtigall unterrichten laͤßt. Ich habe einen, der voll⸗ kommen den Schlag der Nachtigall inne hat, und mich alſo das ganze Jahr hindurch, wenn meine Nachtigallen ſchweigen, mit dieſem lieblichen Geſange erfreut. Man kann dieſe Voͤgel auch zum Aus- und Einfliegen gewoͤhnen. Dieß geſchieht, theils wenn ſie noch jung ſind, theils im Winter. Man thut ſie in dieſer Abſicht, gehoͤrig gezaͤhmt, in einen großen Kaͤfig, den man in einer Stube an das Fenſter ſetzt, das in einen Garten geht, und fuͤttert ſie zu der Zeit mit zerquetſchtem Hanf, welche Koſt bewirkt, daß ſie ſich nicht leicht in die Freiheit ſehnen, beſonders zu einer Zeit, wo nicht viel zu finden iſt. Freilich muß man mit ſolchen furchtſamen und ſcheuen Voͤgeln, wie die Haͤnflinge ſind, etwas behutſam verfahren, wenn der Verſuch gelingen ſoll. Daß man auch mit ihnen und den Kanarienvögeln Ba: ſtarde erzeugen kann, iſt eine bekannte Sache. Die Jungen, die davon ſtammen, kann man von andern grauen Kanarienvoͤ⸗ geln faſt nicht unterſcheiden, und ſie lernen ausnehmend ſchoͤn pfeifen, beſonders fremde Melodieen. 107. Der Flachsfink)). (Bergzeiſig, Kanarienhaͤnfling, kleiner Rothkopf, kleiner rothplat⸗ tiger Haͤnfling, Zwitſcherling, Meerzeiſig, Graͤslein, Tſchezke.) f Beſchreibung. 1 An Farbe gleicht dieſer Vogel dem Haͤnfling, an Geſtalt, Größe und Lebensart aber dem Zeiſig. Er mißt fünf und ein Viertel Zoll, wovon der Schwanz 2 Zoll einnimmt. Der Schnabel iſt nur 4 Linien lang, ſehr ſcharf zugeſpitzt und gelb. ) Fringilla Linaria. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 917. n. 29. Sizerin. Buffon des Ois. 4. p. 216. Lesser Redpole. Latham Syn. 1. p. 305. n. 75. Friſch Vögel. Taf. 10. Der Flachsfink. 219 Die Fuͤße ſind ſchwarz; die Schienbeine acht Linien hoch; der Scheitel glänzend carmoiſinroth; der Oberleib dunkelbraun, weiß⸗ lich und roſtgelb gefleckt; der Steiß roſenrothz die Kehle ſchwarz; „ der Unterhals und die Bruſt hochroſenroth, mit weiß eingefaß⸗ ten Federn; der uͤbrige Unterleib weiß; die Deckfedern der Fluͤ⸗ gel dunkelbraun, die zwei großen Reihen mit roͤthlichweißen Spi⸗ tzen, wodurch zwei weiße Querſtreifen gebildet werden, die klei⸗ nern roſtgelb gewoͤlkt; die Schwungfedern dunkelbraun, ſo wie der Schwanz. Das Weibchen iſt heller; die rothe Bruſt fehlt, und nur die ſehr alten haben eine kleine rothe Spur auf derſelben und auf dem Steiße; der ganze Oberleib iſt weiß und dunkelbraun gefleckt, und die Bruſt weiß und dunkelbraun geſprenkelt. Durch letztes Merkmal unterſcheiden fie ſich von den Jungen und ein⸗ jährigen Männchen, denen auch die rothe Bruſt fehlt, die aber die roſtgelbe und alſo dunklere Ruͤckenfarbe des Maͤnnchens haben. Im Zimmer verliert das Maͤnnchen die rothe Farbe an der Bruſt gleich bei der erſten Mauſerung, und bei der zweiten ge⸗ woͤhnlich auch die rothe Scheitelfarbe, welche gruͤngelb wird, und ich beſitze ſo eben ein Maͤnnchen, welches bei der dritten Mauſer einen goldgelben Scheitel bekommen, und ihn bis jetzt, ſchon ſechs Jahre lang, behalten hat. Aufenthalt. a. Im Freien. Man trifft ihn in ganz Europa anz ſeine Sommerheimath aber ſind eigentlich die nördlichen Länder, z. B. Schweden, Lappland, Groͤnland. Als Zugvogel kommt er her⸗ denweiſe in der letzten Haͤlfte des Oktober zu uns, und verlaͤßt uns im Maͤrz und April wieder. Er haͤlt ſich den Winter uͤber da auf, wo es viele Erlen giebt, deren Samen er gern frißt. b. In der Stube. Da, wo er ſelten iſt, haͤlt man ihn ſeiner Schoͤnheit wegen in einem Glockenbauer. Schade, daß dieſe nicht gar zu lange dauert; fonftläßt man ihn in einem Git⸗ ter oder auf der Erde herumlaufen. | Nahrung. en | a. Im Freien. Erlenſamen iſt fein Lieblingsfutter, doch frißt er auch Lein⸗, Ruͤb⸗ und Fichtenſamen ꝛc. Er weicht, als ein blos ſamenfreſſender Vogel, alles im Kropfe ein. * 220 a Der Flachs fink. b. In der Stube frißt er Mohn und Hanf. Erſterer iſt ihm zutraͤglicher als der letztere. Frei herumlaufend nimmt er mit dem erſten Univerſalfutter vorlieb. Fortpflanzung. Bei uns niſtet nur ſelten ein ſich verſpaͤtendes Paar. 2 Krankheiten. | Im Allgemeinen haben fie diefe mit den Zeiſigen gemein; bekommen aber auch leicht boͤſe Füße, fo daß ihnen dann eine Zehe nach der andern abſchwaͤrt. Sie leben acht Jahre und da⸗ ruͤber. i | 3 Fang. Sie fallen im Herbſte und im Frühjahr ſchaarenweiſe auf den Herd, wenn man Lockvoͤgel von ihrer Art oder auch nur Zeiſige hat; auch gehen ſie dieſem Rufe nach auf die Lockbuͤſche. Sie find ſo einfaͤltig“), daß fie oft auf die Leimruthen und Netze fallen, wenn man dabei ſteht, und ihre gefangenen Kammeraden herausnimmt. Sie locken Piwit, und Kreck, kreck hoͤid! Empfehlende Eigenſchaften. Sie ſehen ſchoͤner aus, als fie fingen; denn ihr Geſang iſt ein bloßes leiſe an einander haͤngendes Geklirre. Sie laſſen ſich an einem Kettchen zum Waſſerziehen gewöhnen, und lernen noch al: lerhand aͤhnliche Kuͤnſte. Auch werden ſie ganz außerordentlich zahm, und freſſen ſogleich, wenn man ſie aus der Hand laͤßt. Wenn man Maͤnnchen und Weibchen beiſammen hat, ſo ſind ſie ſo zaͤrtlich gegen einander, daß ſie ſich unaufhoͤrlich ſchnaͤbeln; auch thun ſie das mit den Haͤnflingen, Stieglitzen, Zeiſigen und Ka⸗ narienvoͤgeln. Es wäre alſo wohl leicht, mit dieſen Vögeln Ba: ſt arde zu zeugen. ” ) Dieß find (faſt) alle Vögel aus dem äußerſten Norden, die da brüten, wo ſie niemals, oder doch ſelten, einen Menſchen ſehen. Sie kennen alſo keine Verfolgung von Jugend auf, wie die Vögel in bewohnten Gegenden. Der Stieglitz oder Diſtelfink. 221 | 108. Der Stieglitz oder Diſtelfink). (Stechlitz, Jupitersfink, Rothvogel, Diſtelvogel, Diſtelzeiſig, Klet⸗ ter, Truns.) Beſchreibung. Dieß iſt einer der vortrefflichſten Vögel, ſowohl in Anſehung ſeines Gefieders und Geſanges, als auch der Faͤhigkeit, ſo zahm ö zu werden, daß man ihn zum Aus- und Einfliegen gewöhnen, und mit ihm und dem Kanarienvogel Baſtarde zeugen kann. Er iſt 5 und / Zoll lang, wovon der Schwanz zwei Zoll einnimmt Der Schnabel iſt fuͤnf Linien lang, ſcharf zugeſpitzt, nach der Spitze kaum merklich gebogen, und an den Seiten gedruͤckt, weiß⸗ lich mit einer hornfarbigen Spitze; die ſchwachen Fuͤße ſind braͤun⸗ lich und ſechs Linien hoch. Der Vorderkopf iſt hoch ſcharlachroth; eine gleichfarbige breite Einfaſſung umgiebt die Wurzel des Schna⸗ bels; Halfter und Zügel find ſchwarz; der Scheitel ſchwarz, in einen Streifen ſich verlierend, der ſich zu beiden Seiten uͤber den N Hintertheil des Kopfes nach dem Halſe hinab zieht; hinter die⸗ ſem ſchwarzen Genick ein weißlicher Fleck; die Wangen in Ver⸗ bindung mit dem Vorderhalſe weiß; der Hinterhals und Ruͤcken ſchoͤn braun; der Steiß weißlich mit braͤunlichem Anſtriche, die laͤngern Federn ſchwarz; die beiden Seiten der Bruſt und die Weichen hellbraun; die Mitte der Bruſt, der Bauch und After weißlich, manche Federn mit einem braͤunlichen Anſtriche; die Schenkel graulich; die Schwungfedern ſammetſchwarz, mit wei⸗ ßen Endpunkten, die bei den Alten kleiner, bei den Juͤngern aber N groͤßer ſind, und zuweilen an den beiden erſten Federn fehlen; 1 die Mitte an der aͤußern Fahne mit einer einen Zoll langen, goldgelben Kante, welche in Vereinigung mit den goldgelben g Spitzen der hintern großen Deckfedern einen ſchoͤnen Spiegel bil⸗ N | det; die Deckfedern übrigens ſchwarz; der Schwanz ein wenig geſpalten ſchwarz; die zwei, zuweilen auch drei, erſten Schwung⸗ federn in der Mitte der innern Fahne mit einem weißen Flecke, 0 |: die übrigen mit weißen Spitzen; zuweilen iſt auch wohl die dritte = | an den Seiten ganz ſchwarz. & ) Fringilla Carduelis.Gmelin Lin Syst. I. 2. p. 903 n. 7. Chardonne- ö ret. Buffon des Ois 4. p. 187. t. 10. Goldfinch. Latham Syn. II. 1. p. 281. n. 51. Friſch Vögel. Taf. 1. 222 Der Stieglitz oder Diſtelfink. Das Weibchen iſt etwas kleiner, nicht ſo breit und ſchoͤn roth um den Schnabel herum; die Halfter braͤunlich; die Wan⸗ gen mit Hellbraun vermiſcht; die kleinen Deckfedern der Fluͤgel braun; der Ruͤcken dunkelbrauner. Uebrigens geben die Groͤße und der Mangel einiger weißen Endpunkte an den Schwungfedern kein Unterſcheidungsmerkmal für Männchen und Weibchen ab, wie manche Vogelſteller behaup⸗ ten. Eben ſo wenig darf man mit dieſen Leuten verſchiedene Varietäten annehmen, die ſich auf ihre Größe und auf die Anzahl der Punkte, die ſich an den Fluͤgelſpitzen befinden, gründen; denn dieß find keine weſentliche, ſondern bloß zufaͤllige Unterſchiede, die von dem Wohlbefinden und Alter des Vogels abhaͤngen. Die Vogelſteller aber glauben, daß wenigſtens die er⸗ ſteren als Racen verſchieden waͤren. Sie nennen daher in Thuͤ⸗ ringen die großen, welche faſt dem Haͤnflinge gleichen, Ta n⸗ nenſtieglitze, und ſagen, ſie wuͤrden in Schwarzwaͤldern ausge⸗ bruͤtet, und die kleinern, von der Groͤße eines Rothkehlchens, Gartenſtieglitze, welche blos in Gärten ausgeheckt werden fol: len. Allein dieſer Unterſchied iſt ohne Grund, und man trifft große Gartenſtieglitze, ſo wie kleine Tannenſtieglitze an. Die zu⸗ Verſt ausgebrüteten Voͤgel werden gewöhnlich größer als die letz⸗ ten, weil jene dieſen immer das Futter wegnehmen, wenn die Alten kommen und fuͤttern. Dieß iſt der gewoͤhnliche Grund der Verſchiedenheit in der Größe bei den einzelnen Voͤgebarten. Gegründetere Varietaͤten find: a) der Stieglitz mit gel⸗ ber Bruſt; b) der weißkoͤpfige, c) der ſchwarzkoͤpfige Stieglitz, (von dieſer Varietaͤt wurden einmal vier aus einem Neſte genommen); ch der weiße Stieglitz; e) der ſchwarze Stieglitz. Dieſe ſind entweder voͤllig ſchwarz, was ſie im Kaͤfig vom Hanf oder Alter werden, oder haben noch den gel⸗ ben Spiegel auf den Fluͤgeln. Auch dieß geſchieht im Käfig. Herr Menagerieverwalter Schilbach in Caſſel zog ein Neſt voll Stieglitze auf, entzog ihnen alles Sonnenlicht, und verdunkelte ſogar ihren Kaͤfig, den er in einen Winkel ſtellte und mit Tuch bedeckte. Dieſe Vögel wurden kohlſchwarz mit gelben Spiegeln, aͤnderten aber die Farbe nach dem Mauſern. Diejenigen Stieg⸗ litze, die vor Alter ſchwarz werden, bekommen dieſe Farbe auch \ | | i | Der Stieglitz oder Difeitint, 223 nach der Mauſer wieder, leben aber gewöhnlich nicht Alte mehr. 1) Der Baſtardſtieglitz (ſiehe unten Fortpflanzung S. 224.) | Aufenthalt. a. Im Freien. Man trifft ſie in ganz Eur opa an. Sie halten ſich den Sommer über in den Gärten, Vorhoͤlzern, Feld⸗ hoͤlzern, und in ſolchen gebirgigen Gegenden auf, wo Aecker und Waldungen abwechſeln, beſonders wenn fie mit Schwarzholz un: termiſcht ſind. Als Standvoͤgel bleiben ſie den ganzen Winter bei uns, verſammeln ſich nur im Herbſte familienweiſe, hoͤchſtens in Herden von funfzehn bis zwanzig, fliegen in denjenigen Ge⸗ genden umher, wo viele Diſteln wachſen, veraͤndern ihren Wohn⸗ ort nur dann, wenn gar zu hoher Schnee liegt, und vertauſchen ihn mit einem ſolchen, wo das nicht der Fall iſt, und ſie alſo zu ihren Nahrungsmitteln kommen koͤnnen. b. In der Stube. Man laͤßt ſie theils herum laufen, theils thut man ſie in einen Kaͤfig, wozu man lieber einen or⸗ dentlichen Finkenbauer, der aber nicht ſo groß zu ſein braucht, waͤhlt, als einen Glockenbauer, weil ſie nicht gern uͤber ſich huͤp⸗ fen, und auch leicht drehend werden. Wenn ſie in der Stube frei herum laufen, ſo laͤßt man ſie entweder in einem Gitter oder auf einem kleinen Tannenbaume ſchlafen. Da ſie die Gewohn⸗ heit haben, gern hoch zu ſitzen, ſo ſuchen ſie immer den oberſten Gipfel eines ſolchen Baͤumchens auf, wo ſie ie und ſin⸗ gen. Nahrung. a. Im Freien. Hier naͤhrt er ſich von allerlei leinen Saͤmereien, als Wegbreit, Habichtskraut, Kletten⸗ „Salat-, Kohl, Ruͤben⸗, Canarien⸗, Dieſtel- und Geienfamen, Lein und Kein: dotter u. a. m. b. In der Stube. Im Käfig giebt man ihm Mohn und Hanf; erſterer muß ſein gewoͤhnliches Nahrungsmittel ſein. Wenn man ihn frei herum laufen laͤßt, ſo nimmt er mit dem zweiten Univerſalnahrungsmittel vorlieb; ja, ich beſitze einen, der dadurch auch gewoͤhnt worden iſt, alles Gemüße, das auf den Tiſch kommt, ſogar Fleiſch, zu genießen, ob ihm gleich im Freien vor jedem Inſekte ekelt. Man giebt ihnen auch zuweilen etwas Gruͤnes, als Salat, Kohl, Kreuzwurz und Brunnenkreſſe. Sie freſſen 224 Der Stieglitz oder Diſtelfink. ſtark, und ſitzen daher, wenn man ſie in der Stube herum lau⸗ fen laͤßt, faſt immer auf der Krippe, und verjagen mit einem graͤßlichen Angſtgeſchrei alle Vögel, die ſich derſelben nähern; da⸗ gegen fuͤttern ſie aber auch alsdann alle diejenigen Voͤgel, wel⸗ che mit ihnen einige Aehnlichkeit, wenigſtens in Ruͤckſicht des Ma: gens haben, als Canarienvoͤgel, Zeiſige, und beſonders die Flachsfinken, ſie moͤgen maͤnnlichen oder weiblichen Geſchlechtes ſein. Fortpflanzung. Sie niſten am liebſten in den Gärten in die Aepfel⸗ und Birnbaͤume, und zwar in die zweigige Krone. Ihr Neſt folgt in Anſehung des ſchoͤnen Baues nach dem Finkenneſte, iſt aus⸗ wendig aus zartem Mooſe, Leberkraut, Flechten, zarten Faſern und Wurzeln mit Ordnung und Feſtigkeit zuſammengeflochken, und inwendig mit Wolle, Haaren, Weidenwolle oder Diſtelflocken dicht belegt. Es bildet eine Halbkugel. Das Weibchen legt ſel⸗ ten mehr als einmal des Jahrs (daher auch dieſe Voͤgel ſich nie ſtark vermehren) vier bis ſechs Eier, die auf blaßmeergruͤnem Grunde einzelne blaßrothe Flecken und Punkte und ſchwarzrothe Streifen haben, welche letztere oft am ſtumpfen Ende das Ei kranzfoͤrmig umſchließen. Die Jungen werden aus dem Kropfe gefüttert. Dieſe find vor dem erſten Mauſern auf dem Kopfe grau, und heißen bei den Vogelſtellern Graukoͤpfe. Will man blos die maͤnnlichen Jungen aus dem Neſte nehmen, ſo muß man diejenigen liegen laſſen, die einen ſchmalen weißlichen Ring um die Schnabelwurzel haben. Sie werden mit Mohn und Sem⸗ meln, in Milch oder Waſſer eingeweicht, aufgezogen. Unter al⸗ len Vogelgeſaͤngen lernen ſie den des Canarienvogels am leichteſten und vollkommenſten nachahmen. Mit dieſem Vogel bringen ſie \ auch fruchtbare Baftarde zur Welt. Man paart naͤmlich ein Stieglitzmaͤnnchen an ein oder zwei Canarienvogel- Weibchen, wel⸗ ches beſſer gelingt, als wenn man die Stieglitzweibchen mit einem Canarienvogel-Maͤnnchen zuſammen paaren will. Der Stieglitz bequemt ſich leicht zur Begattung, beſonders wenn er jung auf⸗ gezogen iſt, denn er iſt ein ſehr hitziger Vogel. Die Vögel, welche aus dieſer Vereinigung entſtehen, haben nicht nur eine ſehr ſchoͤne Farbe, indem zuweilen ganz gelbe Vögel mit den Stieglitzkoͤpfen, | Der Stieglitz oder Diſtelfink. 225 Fluͤgeln und Schwanze erzeugt werden, ſondern ſie lernen auch ausnehmend ſchoͤn ſingen. gl, N Wenn man befuͤrchten muß, daß ein Paar ſchoͤne Canarien⸗ voͤgel ihre Eier nicht gut ausbruͤten oder die Jungen ſterben lafs fen, fo darf man erſtere nur in ein Stieglitzneſt legen; dieſe bruͤ⸗ ten ſie nicht nur aus, ſondern fuͤttern auch die Jungen, die man, wenn ſie bald ausfliegen wollen, in einen Kaͤfig ſteckt, ſo lange, bis fie ſelbſt freſſen koͤnnen, und man hat alſo keine weite. Muͤhe mit ihrer Aufziehung. 5 e Krankheiten. N Sie ſind der Epilepſie ſehr unterworfen. — Wenn ſie boͤſe und geſchwollene Augen bekommen, ſo beſtreicht man dieſe mit ungeſalzener Butter. — Die Dummheit und den Schwindel, welcher ſich von zu vielem Hanſſamen herſchreibt, benimmt man ihnen dadurch, daß man ihnen ſtatt def ſen ein⸗ gequellten Salat: und Diſtelſamen vorlegt. Es traͤgt uͤberhaupt zu ihrer Geſundheit viel bei, ſie zuweilen einen Diſtelkopf aus⸗ klauben zu laſſen. 8 i Im Alter werden ſie blind, und verlieren den ſchoͤnen ro⸗ then und gelben Glanz ihrer Kopf- und Fluͤgelfedern. Obgleich ſie oft kraͤnkeln, ſo hat man doch Beiſpiele, daß ſie ſechszehn, ja vier und zwanzig Jahre alt geworden ſind. | Fang. | | Im Frühling fängt man fie mit einem Lockvogel auf den Lockbuͤſchen. — Sie gehen auch auf den Finkenherd nach dem Lockvogel, wenn Diſtelbuͤſche aufgeſteckt ſind. Sie ſind aber auf beiderlei Art nicht leicht zu fangen, weil ſie ſich vor den Netzen und Leimruthen gar ſehr in Acht nehmen. Im Winter bindet man einige Buͤſche Diſteln zuſammen, und ſtellt Spren⸗ kel darauf, in welchen ſie ſich fangen; im Herbſte und Fruͤhjahre nimmt man dazu Leimruthen. Noch beſſer aber geht der Fang von ſtatten, wenn man ein Buͤndel Diſteln auf einen Baum bin⸗ det und ihn mit Leimruthen beſteckt. Er lockt Ziflit oder Stichlit, welches letztere auch ſein Boͤhmiſcher Name iſt. | Empfehlende Eigenſchaften. Es iſt ein ſchoͤner, munterer Vogel, deſſen Körper in. ſteter Naturgeſch. d. Stubenvögel. 15 226 Der Stieglitz oder Diſtelfink. Bewegung iſt und ſich bald rechts bald links dreht. Sein Ge— fang iſt hochklingend, angenehm, und dauert zu allen Jahreszei— ten, die Mauſerzeit ausgenommen, fort. Er enthält, außer vie⸗ len krauſen und zwitſchernden Toͤnen, einige Accorde, die harpirt werden, und erhaͤlt dadurch ſeinen groͤßern oder geringern Werth, je oͤfterer oder ſeltner die Sylbe: Fink wiederholt wird; denn einige ſtoßen dieſe Toͤne nur ein- oder zweimal, andere aber vier= bis fünfmal hinter einander in ihrem Geſange an. Sie ler⸗ nen auch Liedermelodieen und andere Vogelgeſaͤnge, aber nur mit Muͤhe, nachpfeifen, und ſind alſo in dieſer Ruͤckſicht Bo fo gelehrig, als der Hänfling und Canarienvogel. Ihre Zahmheit iſt bewundernswuͤrdig; denn ſie lernen ſogar kleine Kanonen losſchießen, und ſich todt ſtellen. Sie ziehen ihr Futter und ihren Trank in kleinen Eimerchen in die Hoͤhe, wenn man ihnen dazu einen beſondern Anzug verfertigt, und ſie auf ein Staͤngelchen ſetzt. Der Anzug beſteht aus einer zwei Linien breiten Binde“) von weichem Leder, in welcher vier Loͤcher ſind, durch die man ihre Füße und Flügel ſteckt, und deren Enden uns ter dem Bauche mit einem Ringe verbunden find, an den man ein Kettchen heftet, woran die Gefaͤßchen mit Speiſe und Trank haͤngen. Ein ſo angekleideter Vogel zieht alsdann die Kette mit dem Schnabel in die Hoͤhe, haͤlt die heraufgezogenen Gelenke derſelben mit den Fuͤßen, und bringt auf dieſe Art bald das Eß— bald das Trink-Geſchirr zu ſich. Man kann ihn auch blos an jenem Kettchen feſt an das Staͤngelchen anbinden, auf welchem er ſitzt, und das Eß⸗ und Trinkgeſchirr in einem Roͤllchen lau⸗ fen laſſen, ſo daß, wenn er dieß heraufzieht, jenes ſinkt, und, wenn er jenes ſteigen läßt, dieſes fallt. Ich habe auch geſehen, daß man Stieglitze und Zeiſige in verſchiedene Kaͤfige geſetzt hat, an deren Krippe, die ſie, ſo oft fie ein Koͤrnchen nahmen, aufſtoßen mußten, ein Gloͤckchen ans gebracht war. Dieſe Gloͤckchen beſtanden aus einem Accorde, und es wurde dadurch eine nicht unangenehme Muſik hervorgebracht. Freilich wird man einer ſolchen Spielerei bald uͤberdruͤßig. Will man haben, daß dieſer Vogel aus einem Zimmer, oder aus einem vor dem Fenſter befindlichen Vogelbauer aus und ein⸗ 20 So iſt es bei allen Vögeln, die Waſſer ziehen ſollen, bei Zeiſigen Flachs⸗ finken ꝛc. Der Stieglitz oder Diſtelfink. 227 fliegen, und doch wieder zu bekommen ſein ſoll, ſo kann man mit ihm kurzer als mit dem Haͤnfling verfahren, ob er gleich, wie dieſer, im Bauer niſtet. Man ſetzt naͤmlich im Winter einen Stieglitz, welcher nicht zu ſehr an die Stuben : Wärme gewoͤhnt ift, in feinem Vogelhauſe alle Tage vor das Fenſter auf den Fen⸗ ſterſtein oder auf ein beſonderes Bret, wo keine Maͤuſe hinkom⸗ men, und ſtreut neben dem Vogelhauſe Hanf hin, ſteckt daneben ein Buͤſchelchen Diſteln, wovon einige Knoſpen zu dem ausge: ſtreuten Hanf gelegt werden. Nicht lange darauf wird, durch das Locken des im Vogelbauer befindlichen Vogels, ein anderer, oder deren mehrere, ſich hin gewoͤhnen, und dieſe Speiſe aufſu⸗ chen. Wenn man dieß merkt, ſo hat man nicht mehr noͤthig, den andern Vogel vor das Fenſter zu ſetzen, welchem auch auf die Laͤnge die Kaͤlte ſchaden wuͤrde; ſondern man haͤngt ihn nur inwendig an das Fenſter, auswendig aber ſetzt man ein Spring⸗ oder Fallhaͤuschen hin, nicht um den fremden Vogel damit ſogleich zu fangen, ſondern um die Sperlinge abzuhalten, daß ſie das Futter nicht immer auffreſſen. Dieß Springhaͤuschen richtet man vermittelſt eines feinen Fadens, der durch ein Fenſterloch in der Stube angebunden iſt, ſo ein, daß man es nach Belieben fallen laſſen kann; man benutzt es aber Anfangs nur dann, wenn Sper⸗ linge darin ſind, um ſie zu ſchrecken. Die gewoͤhnten Stieglitze hingegen läßt man ungeſtoͤrt hinein gehen, bis der Schnee zu ſchmelzen anfaͤngt, und man zu fuͤrchten hat, daß ſie wegſtreichen mochten; alsdann fängt man fie, laͤßt fie in einem Vogelhauſe zahm werden, und gewoͤhnt ſie hernach, daß ſie auch in der Stube aus ihrem Vogelhauſe aus- und eingehen. Es wird der Käfig naͤmlich ſo eingerichtet, daß er, wenn man will, hinter dem Vo⸗ gel, der ein gewiſſes Hoͤlzchen beruͤhrt, zufaͤllt — jedoch ohne Ge⸗ raͤuſch, nicht wie ein Springhaus — und ihn alſo unvermerkt, ohne daß er ſcheu wird, wieder faͤngt. Man kann den Vogel „ auch gewöhnen, daß er ein gewiſſes Thuͤrchen, das hinein⸗ aber, nicht herauswaͤrts ſich Öffnet, ſelbſt aufſtoße und hinter ſich zu- werfe. Einen ſolchen Vogel, der hieran gewoͤhnt iſt, kann man zu der Zeit, wo er ſich mauſert, im Auguſt, ſicher fliegen laſſen, indem er zwar wegfliegen, im December aber, wenn Schnee fällt immer ganz verjuͤngt wieder kommen, und weit beſſer ſingen wird, als ein anderer, der in ſteter Gefangenſchaft. gehalten wur⸗ a = 15” 228 Ä Der Zeiſig. de. Sobald man ihn fortlaͤßt, hängt man fein Vogelhaus vor das Fenſter, und ſtreut dann und wann Futter hinein, damit derſelbe, wenn er kommt, Nahrung vorfindet. Vor Winters An⸗ fang aber meldet er ſich ſelten, und wenn man ihn alsdann wie⸗ der haben will, ſo ſtellt man den Kaͤfig ſo auf, daß er zufaͤllt, oder daß der Vogel ihn aufſtoͤßt und hinter ſich zuwirft, wie es vorſtehend angegeben iſt. Am ſicherſten geht es, wenn man wie⸗ der einen Lockſtieglitz dazu hinaus ſtellt. Hat man ihn zum zwei⸗ ten Mal gefangen, ſo iſt es nicht mehr noͤthig, daß man ihn erſt wieder in der Stube oͤfters heraus laͤßt, ſondern man kann ihn dann ſtets eingeſperrt behalten, bis man ihn wieder auf einige Monate in Freiheit ſetzen will. Man hat freilich zu befuͤrchten, daß die Voͤgel waͤhrend ihres Aufenthaltes in der Freiheit von den Vogelſtellern gefangen werden und daß man alſo vergebens auf ihr Wiederkommen wartet. — Auch die Meiſen, Finken und Gruͤnlinge laſſen ſich auf dieſe Weiſe zum aus und einfliegen gewoͤhnen. b | 109, Der Zeifig‘). (Zeischen, Zißchen, Erlenzeiſig, Engelchen, Erdfink, grüner Hänf- ling.) Beſchreibung. Ein gewoͤhnlicher kleiner Stubenvogel. Er iſt 4% Zoll lang, wovon der Schwanz 1¾ Zoll einnimmt. Der Schnabel iſt vier Linien lang, gegen die ſcharfe Spitze zu ſchmal, an der Spitze braun, das Uebrige aber hellaſchgrau, im Winter weiß. Die Schienbeine ſind 7 Linien hoch und ſchwarzbraun wie die Zehen. Der Scheitel und die Kehle ſind ſchwarz; Hals, Wan⸗ gen und Ruͤcken grün, letzterer ſchwaͤrzlich gefleckt; der Steiß, fo wie ein Strich durch die Augen, der Unterhals und die Bruſt gruͤnlichgelb; der Bauch, After und die Weichen weißgelblich, die beiden letztern mit ſchwarzen Flecken; die Schwungfedern ſchwarz, aͤußerlich gelbgruͤn geraͤndert, von der vierten an die Wurzel bis zur Haͤlfte an der aͤußern Fahne gelb; die kleinen Deckfedern der ) Fringilla Spinus. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 914. n. 25. Tarin. Buffon des Ois. 4. p. 221. Siskin. Latham Syn. II. 1. p. 289. n. 58. Friſch Vögel. Taf. II, 5 Der Zeiſig. 229 Flügel grun, die großen mit gelber Kante, die dergleichen Strei⸗ fen bilden; der Schwanz gabelfoͤrmig, die Wurzelhaͤlftengelb und die Endhaͤlfte mit den zwei mittlern Schwanzfedern ſchwarz. Das Weibchen iſt blaͤſſer; der Kopf und Ruͤcken mehr grau und ſchwaͤrzlich gefleckt; die Kehle und die Seiten weißlich; die Bruſt und der Hals weiß, gruͤnlich und ſchwaͤrzlich gefleckt; die Fuͤße graubraun. Dem Maͤnnchen fehlt gewoͤhnlich vor dem zweiten Jahre die ſchwarze Kehle, und je aͤlter es wird, deſto gelber, gruͤner und alſo ſchoͤner wird es. Es giebt auch Vaͤrietaͤten bei dieſem Vogel: arg weiße und bunte Zeiſige. Vor einigen Jahren ſchoß ich auch einen, der eine ganz ſchwarze Bruſt hatte. Aufenthalt. a. Im Freien. Man trifft die Zeiſige in ganz r i an; in Deutſchland ſind ſie ſehr gemein und Strich voͤgel. Sie bleiben den ganzen Winter uber beiſammen, und find bald hier bald da, wo es viele Erlen giebt. b. In der Stube. Man laͤßt ſie entweder frei herumlau⸗ fon oder ſteckt fie in Vogelbauer, die kleiner find als der Finken⸗ bauer, doch kann man 1 Glockenbauer waͤhlen. 5 Nah hrung. a. Im Freien. Im Sommer frißt der Zeiſig Fichten⸗ und Kiefernſamen, im Herbſte Hopfen⸗ Diſtel⸗ und Klettenſamen, und im Winter vorzuͤglich Erlenſamen, doch auch Baumknospen. b. In der Stube fuͤttert man ihn mit Mohn, unter wel⸗ chem man zuweilen etwas gequetſchten Hanf miſcht. Wenn man ihn frei herumlaufen laͤßt, ſo verlangt er nichts weiter, als das erſte Univerſalfutter. Er iſt außerordentlich gefraͤßig und frißt, To klein er iſt, mehr als ein Fink; daher ſitzt er, wenn er mit ans dern Voͤgeln eine gemeinſchaftliche Wohnung hat, den ganzen Tag auf ſeiner Krippe, und hackt und beißt um ſich. Ein eben ſo großer Saͤufer iſt er, und verlangt daher alle Tage friſches Waſſer. Er badet ſich wenig, ſteckt dabei nur den Schnabel ins Waſſer und beſpritzt feine Federn; deſto oͤfterer aber kaͤmmt er ſich; ſeine Federn liegen daher immer ſchmucker am Leibe an. 8 — — m̃j— 230 Der Zeifig. Fortpflanzung. Die Zeiſige niſten in Schwarzwaͤldern, beſonders in Fichten: waͤldern. Das Neſt ſteht auf der Spitze der hohen Zweige, ſelte⸗ ner auf den Zweigen der Erlenbaͤume. Im Thuͤringerwalde pflanzen ſie ſich fort. Bei uns iſt alſo die fabelhafte Unſichtbar⸗ keit des Zeiſigneſtes laͤngſt widerlegt. Es iſt daſſelbe mit Spinn⸗ gewebe, Puppenhuͤlſen und Corallenmoos an den Zweig befeſtigt, beſteht aͤußerlich aus dem Gewebe mit Reischen vermiſcht, und innerlich aus ſehr feinen Wurzeln. Es iſt gut gebaut. Die fuͤnf bis ſechs Eier, die man darin findet, ſind grauweiß mit unzaͤh⸗ ligen purpurbraunen Punkten, beſonders am ſtumpfen Ende. Sie brüten des Jahres zweimal. Die jungen Maͤnnchen verſchoͤ⸗ nern ſich bis zur vierten Mauſerung. Mit den | und Canarienvoͤgeln erzeugt man Baſtarde, den, wenn man einen gelben e dazu nimmt, 585 | aber die Paarung nicht fo gut von Statten geht, als wenn man einen ſogenannten gruͤnen Canarienvogel nimmt, der dem Zeiſig ſchon an ſich ſo aͤhnlich ſieht. Krankheiten. Außer den gewoͤhnlichen Krankheiten ſind ſie beſonders der Epilepſie unterworfen, die ſie auch mehrentheils toͤdtet. Sie le⸗ ben acht bis zwoͤlf Jahre in der Stube. Fang. Wenn man im Herbſt oder im Winter einen Herd und Lockzeiſige hat, ſo fallen ſie in großer Menge ein. Man faͤngt ſie dann ſchockweiſe auf einmal. d Im Frühjahr gehen fie in Menge auf die Lockbuͤſche. Sie ſind uͤberhaupt gar nicht ſcheu; denn auf den Doͤrfern haͤngen die Vogelfreunde, wenn ſie an einem Erlenbache wohnen, einen Zeiſig ans Fenſter, ſtecken einen Stock mit Leimruthen daneben heraus, und fangen ſie in großer Menge. Ich habe ſie vor dem Fenſter in einem Käfig gefangen, den ich öffnete und mit Hanf⸗ und Mohnſamen belegte. Ein Vogel, den ich im Zimmer hatte, lockte ſie herbei, ſie gingen dem Futter im Kaͤfig nach, und ich ließ dann an einem Faden das Thuͤrchen fallen. Wenn man den Ort weiß (beſonders in Erlenbuͤſchen), wo Der Graufink. 231 fie gewöhnlich zu Mittag ans Waſſer fliegen, um zu trinken, ſo darf man nur Zweige mit Leimruthen uͤber das Waſſer legen, und man wird ihrer viele fangen. ä Sie locken ſehr haͤufig und ſtark Dillah! Empfehlende Eigenſchaften. Sowohl Anſehen als Stimme empfehlen den Zeiſig. In ſei⸗ nem zwitſchernden Geſange hat er eine ganz eigene Strophe, die dem Tone aͤhnelt, den der Stuhl des Strumpfwirkers von ſich giebt; daher in manchen Gegenden die Strumpfwirker dieſen Vo⸗ gel beſonders lieben. Er ahmt auch andere Vogelgeſaͤnge, z. B. den der Meiſen, Finken und Lerchen nach; eine Arie mag ihm aber wohl ſchwer zu lernen ſein. Er ſingt unaufßhoͤrlich, pauſirt nur die Mauſerzeit hindurch, und reizt in der Stube durch ſein beſtaͤndiges Zwitſchern die andern Voͤgel zum Singen an. Er achtet den Verluſt ſeiner Freiheit ſo wenig, daß er, ſobald man ihn in den Käfig ſteckt, frißt, und den andern Tag ſchon nicht mehr flattert, wenn man ſich ſeinem Kaͤfig naͤhert. Man ge⸗ woͤhnt ihn zum Waſſerziehen, und zu mehreren andern Kunſtſtuͤk⸗ ken, welche er unverdroſſen thut. Er iſt ſehr leicht zum Aus⸗ und Einfliegen zu gewoͤhnen, wenn man nur im Winter den Verſuch mit ihm macht, ihn im Vogelbauer vor das Fenſter ſetzt, und das Thuͤrchen Öffnet, vor demſelben aber Mohn und Hanf hinſtreut. Er kommt gewöhnlich wieder, und bringt noch meh⸗ rere Kammeraden mit. Nur laͤßt man ihn nicht gern im Maͤrz, September und October, wo die Strichzeit iſt, los; obgleich man auch Beiſpiele hat, daß, wenn auch ſolche gezaͤhmte Voͤgel eine Zeitlang weggeblieben, ſie doch wieder gekommen ſind. 110. Der Graufink)). ä (Waldfink, Ringſperling.) Beſchreib ung. Dieſen Vogel ſollte man, wenn man den Schnabel nicht ſaͤhe, für das Weibchen eines Goldammers halten, ſo aͤhnlich iſt er dieſem an Größe und Farbe. Er iſt 5% Zoll lang, wovon der ) Fringilla petronia. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 919. n. 30. Soulcie. Buffon des Ois. 3. p. 498. t. 30. Fig. 1. Ring-Sparrow. Latham Syn. I. 1. p. 254. n. 4. Friſch Vögel. Taf. 3. 232 Der Citronenfink. Schwanz 2 Zoll mißt. Der Schnabel iſt 5 Linien lang, an der Wurzel dick, oben graubraun, unten weiß; die Fuͤße ſind zehn Linien hoch und graubraun; der Kopf iſt bis zum Nacken roͤth⸗ lich aſchgrau, dunkelbraun gefleckt; rund um den Kopf laͤuft von den Augen an ein ſchmutzig weißer Ring; der Ruͤcken iſt braun mit roͤthlichgrauen Raͤndern, wodurch er grau gefleckt wird; der Steiß und die Seiten ſind graubraun; der Unterleib roͤthlichgrau, weiß gemiſcht; der Vorderhals gelb, an den Seiten aſchgrau ein⸗ gefaßt; die Fluͤgel graubraun; die großen Deckfedern mit weißen Spitzen; die Schwanzfedern graubraun, heller eingefaßt, an den Spitzen der aͤußerſten Fahnen mit weißen Spitzen. Das Weibchen iſt mehr grau auf dem Oberleibe, und hat einen kleinen blaßgelben Fleck am Vorderhalſe. Merkwuͤrdigkeiten. Man trifft dieſen Vogel in Deutſchland in Waͤldern hin und wieder zahlreich an. In kaͤltern Gegenden wandert er, in waͤr⸗ mern aber nicht. Seine Nahrung beſteht aus Samen und In⸗ ſekten. Man kann ihn mit Ruͤbſamen und Mohn, auch mit dem gewoͤhnlichen erſten Stubenfutter erhalten. Im Freien naͤhrt er ſich, wie der Hausſperling, von Saͤmereien und Inſekten, und baut in hohle Baͤume. Man zaͤhmt ihn mehr ſeiner Seltenheit und Schönheit, als ſeines Geſanges wegen, der ſehr unbedeu⸗ tend iſt. III. Der Citronenfink)). (Citronenzeiſig, Zitrinchen, Citrill.) Beſchreibung. Dieſer Vogel wird zuweilen mit dem Girlitz (Loxia Seri- nus) verwechſelt; es iſt aber eine beſondere Art; denn wenn man auch kein anderes Kennzeichen haͤtte, ſo wuͤrde ſie ſchon der Schna⸗ bel deutlich von einander unterſcheiden. Der Girlitz hat naͤmlich einen ſehr kurzen ſtumpfen, und der Citronenfink einen laͤngern, ſpitzigen und etwas zuſammengedruͤckten Schnabel, wie der Stieg⸗ ) Fringilla brumalis, mihi. Fringilla Citrinella. Gmelin Lin. Syst. 2. p. 908. n. 16. Venturon de Provence. Buffon Planch. enl. No. 658. F. 2. Citril Finch. Latham Syn. II. I. p. 297. n. 64. Meine N. G. Deutſchlands III. Taf. 33. F. 3. 8 ö Der Citronenfink. 233 litz und Zeiſig. Geſtalt, Farbe, Stimme und Futter hat er faſt mit dem Canarienvogel gemein, nur iſt er etwas kleiner und ſeine Stimme nicht ſo ſchmetternd. Er iſt ſo nahe mit dieſem Vogel verwandt, daß ich ihn mit fuͤr einen Stammvater deſſelben er⸗ klaͤren würde, wenn jener nicht auch wild im Freien angetroffen wuͤrde. Er mißt 5 Zoll in die Laͤnge, wovon der Schwanz 2 Zoll wegnimmt. Die Fluͤgelklaftern 8 Zoll. Der Schnabel iſt braͤunlich; die Fuͤße ſind blaß fleiſchfarbig. Im Gefieder aͤhnelt er dem Gruͤnlings-Maͤnnchen, und iſt im Allgemeinen gruͤngelb, aſchgrau und ſchwarzbraun gefaͤrbt. Stirn, Ruͤcken und Steiß gelbgruͤn; Hinterkopf, Seiten des Halſes, bis an die Kehle aſch⸗ grau; Geſicht, Kehle, Bruſt und Bauch ſchoͤn gruͤngelb; der Af⸗ ter grünlichgelb; die kleinen Deckfedern der Flügel gelbgruͤn, die groͤßern braunſchwarz mit breiten gelblichgruͤnen Raͤndern; die Schwungfedern braunſchwarz, die vordern weißgelb, die hintern gelbgruͤn geraͤndert; der etwas gabelfoͤrmige Schwanz ſchwarz⸗ braun, auf der ſchmalen Fahne gruͤngelb, auf der breiten weiß⸗ lich geſaͤumt. 5 ; Das Weibchen iſt nicht fo rein und ſchoͤn gezeichnet. Das Gelbe am Kopfe und Unterleibe iſt ſchmutziger; die graue Farbe des Hinterkopfes und Nackens erſtreckt ſich rings um die Kehle und iſt gruͤnlichgelb gefleckt. 5 Merkwürdigkeiten. Er bewohnt die ſädlichen Länder von Europa; kommt aber auch in die ſuͤdlichen Gegenden von Deutſchland bis nach Fran⸗ ken. Er ſingt ausnehmend ſchoͤn, und wird deßhalb im Käfig gehalten, und grade ſo wie der Canarienvogel gefüttert. Er iſt auf ſeinem Zuge im Herbſt und im Fruͤhjahr gern auf Holzſchlaͤ⸗ gen, die einzelne Samenbaͤume haben. In ſeinem eigentlichen Vaterlande, welches die Europaͤiſchen ſuͤdlichen Alpen zu fein ſchei⸗ nen, niſtet er auf dicken, ſtruppigen Tannen, und naͤhrt ſich da⸗ ſelbſt vorzüglich von Nadelholzſamen. Es iſt ein ſeltener und angenehmer Stubenvogel. Der Lerchenfink. 112 Der Lerchenfink). (Der Lapplaͤndiſche Fink, große Bergfink.) Beſchreibung. Der Name Lerchenfink koͤmmt ihm mit Recht zu, weil er den Lerchen nicht nur in der Farbe, ſondern auch in Anſehung des großen Sporns ſo ſehr gleicht, daß man ihn beim erſten An⸗ blicke fuͤr eine Lerche haͤlt. Man wuͤrde ihn auch oͤfter in Deutſch— land zu ſehen Gelegenheit haben, wenn ihn nicht die Jaͤger, die dieſe Voͤgel nicht ſelten in Lerchengarnen fangen, fuͤr Lerchen hielten, und ihn als ſolche toͤdteten. An Groͤße gleicht er einem Goldammer, iſt 6 Zoll lang, wovon der Schwanz faſt 2 Zoll wegnimmt. Der Schnabel iſt gelb mit einer ſchwarzen Spitze; die Füße find dunkelbraun; der Kopf ſchwaͤrzlich mit gelbroͤthlich— weißen Flecken, bei einigen ganz ſchwarz; von der Wurzel des Schnabels geht ein weißer Strich uͤber jedes Auge an den Seir ten des Halſes herab, und beugt ſich gegen die Bruſt; der Ober— leib gelbroth mit braunen Flecken; die Kehle, Gurgel und Bruſt hell gelbroth, bei einigen die Mitte herab ſchwarz; Bauch, Schen— kel und After weiß; die kleinern Deckfedern der Flügel hell gelb— roth, die mittlern ſchwarz mit gelben Raͤndern und weißen Spi: tzen, wodurch ein weißer Streifen uͤber die Fluͤgel laͤuft; die Schwungfedern ſchwarz, mit gelblichen Raͤndern; der Schwanz eben ſo, ein wenig gabelfoͤrmig. Das Weibchen iſt heller; die Bruſt grau und ſchwarz ges fleckt, ſonſt die Farbe faſt gaͤnzlich wie an der Feldlerche. Merkwuͤrdigkeiten. Man trifft dieſen Vogel in dem Norden der alten und neuen Welt an. Im Winter geht er als Zug vogel nach Süden, wo wir ihn auf der Hinreiſe unter den Feldlerchen, und auf der Heimreiſe unter den Schneeammern antreffen. Am oͤfterſten wird er im Herbſte unter den Feldlerchen gefangen. Seine Lockſtimme iſt ein ſtarker gerader Pfiff, und im Geſange gleicht er dem Haͤnfling. Das Weibchen ſingt auch, aber nur ſo knirrend, wie ein Gimpel. Er laͤuft in der Stube wie eine Lerche umher, ſetzt ) Fringilla lapponica. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 900. n. I. Grand- Montain. Buffon des Ois. 4. p. 134. Lapland Find. Latham Syn. II. 1. p. 263. n. 14. 5 Der Schneefink. 235 ſich aber auch, wenn man ihn in den Käfig thut, wie ein Fink auf die Springhoͤlzer. Im Zimmer fuͤttert man ihn mit Hanf, Mohn: und Ruͤbſamen, wobei er ſich mehrere Jahre wohl befin⸗ det. Am leichteſten kann man ihn mit dem erſten Univerſalfutter erhalten. Er frißt auch Mehlwuͤrmer; daher er wohl im Freien im Sommer, wie unſer gemeiner Fink, von Inſekten lebt. 113. Der Schne efink ). Beſchreibung. Der Name dieſes Finken kann theils von ſeiner weißen Farbe, theils von ſeinem Aufenthalte auf den hoͤchſten Gebirgen, theils von der Aehnlichkeit herruͤhren, die er mit dem Schneeammer hat. Er hat die Groͤße einer Feldlerche und iſt 7 ½ Zoll lang; wovon der Schwanz 2¼ Zoll mißt. Der Schnabel iſt 9 Linien lang, glaͤnzend ſchwarz, an der Wurzel dick und läuft ſehr ſpitzig zu; die Fuͤße ſind dunkel kaſtanienbraun; die Schienbeine 10 Linien hoch. Seine Farben gewaͤhren einen angenehmen Anblick. Schei⸗ tel, Wangen, Schlaͤfe, Genick, Nacken und Seiten des Halſes ſind dunkel aſchgrau; die Flügel grau und weiß gefleckt; der Ruͤcken graubraun, dunkel und hell gewaͤſſert; der Steiß ſchwarz und weiß⸗ bunt; die Kehle ſchoͤn ſchwarz und weiß gefleckt, die Gurgel und Oberbruſt weißgrau; der uͤbrige Unterleib weiß, die vordern Schwungfedern ſchwarz, die übrigen weiß, fo wie die Deckfedern; die Schwanzfedern weiß mit ſchwarzen Endſpitzen, die zwei aͤußern ganz weiß, und die zwei mittlern ganz ſchwarz. Das Weibchen unterſcheidet ſich wenig vom Maͤnnchen; der aſchgraue Kopf iſt roͤthlich uͤberlaufen, und der ganze Unter⸗ leib ſchneeweiß, an der Bruſt wie mit Schmutz uͤberzogen, und an den Seiten ſchwarz gefleckt. Merkwuͤrdigkeiten. Dieſer Vogel bewohnt die ſuͤdlichen Gebirge von Europa, zieht aber auch weiter hinauf bis in das mittlere Deutſchland. In Thüringen habe ich ihn unter kleinen Herden Bergfinken ge⸗ ſehen, mit welchen er auch auf die Lockbuͤſche fällt. -Es iſt ein ) Fringilla nivalis. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 911. n. 21. Pinson de neige ou Niverrole. Buffon des Ois. 4. p. 136. Snow Finch. La- tham Syn. II. 1. p. 264. n. 15. Meine N. G. Deutſchlands II. Taf. 9. Y Der Canartenvogel. . muntrer Vogel, der, wenn man ihn im Käfig hat, ſich ſehr keck beträgt. Man kann ihn mit Ruͤbſamen, Hirſen und Hanf fuͤt⸗ tern. Doch ſcheint er den Fichtenſamen und wilden Hanf (Ga- leopsis cannabina L.) allem andern Futter vorzuziehen. Da er im Kaͤfig auch Inſekten, z. B. Mehlwuͤrmer frißt, ſo mag er dieß wohl auch im Freien thun. Er lockt laut Kippkipp!; ſingt auch fleißig, aber faſt nicht angenehmer als der Bergfink, mit welchem er uͤberhaupt in ſeinem ganzen Betragen viel Aehnlich⸗ keit hat. Man haͤlt ihn alſo vorzuͤglich der Seltenheit wegen in der Stube. f 114. Der Canarienvogel'). (Canarienſperling, Zuckervogel, Canarienfink). Beſchreibung. Das eigentliche Vaterland dieſer Voͤgel, die jetzt faſt in ganz Europa, ſelbſt in Rußland und Sibirien, wegen ihrer ſchoͤnen Farbe, niedlichen Bildung, ausgezeichneten Gelehrigkeit, und be⸗ ſonders wegen ihres vortrefflichen Geſanges, in Haͤuſern gehalten und erzogen werden, ſind die Canariſchen Inſeln, wo ſie ſich an den Ufern kleiner Fluͤſſe und Gräben fortpflanzen. Schon feit dem Anfange des ſechszehnten Jahrhunderts kennt man ſie in Euro⸗ pa“t), und ihre urſpruͤngliche graue Farbe, die am Unter⸗ leibe ins Gruͤne faͤllt, und der Haͤnflingsfarbe faſt gleich kommt, hat ſich durch Zaͤhmung, Klima und Vermiſchung mit andern Vögeln, die durch Geſtalt und Lebensart mit ihnen ver⸗ wandt sind,) auf ſo mannichfaltige Weiſe, wie bei allem zahmen ) Fringilla Canaria. Gmelin Lin, Syst. I. 2. P. 813. n. 23. Serin de Canarie. Buffon des Ois. 4. p. 1. Canary Finch. Latham Syn. II. 1. p. 293. n. 62. Friſch Vögel. Taf. 12. i ) Man erzählt folgende Veranlaſſung zur Erziehung dieſer Ausländer in Europa: Ein Schiff, welches nebſt andern Waaren eine Menge Canarienvögel nach Livorno bringen ſollte, verunglückte in der Nähe von Italien und die Vögel, welche dadurch in Freiheit geſetzt wurden, flogen nach dem nächſten Lande, nach der Inſel Elba, wo fie ein fo günſtiges Clima antrafen, daß ſie ſich daſelbſt, ohne menſchliche Aufſicht, vermehrten, und vielleicht einheimiſch geworden wären, wenn man ihnen nicht ſo ſehr nachgeſtellt hätte; denn jetzt ſcheinen ſie dort längſt ausgeſtorben zu ſein. Wir finden daher die erſten (zahmen Canarienvögel in Italien, und ſie werden noch jetzt daſelbſt in Menge | erzogen.) Anfänglich hatte ihre Erziehung viel Schwierigkeit, theils weil man die Wartung dieſer Weichlinge nicht recht kannte, theils aber und vornehmlich weil man meiſtens nur Männchen und keine Weibchen nach Europa brachte. ) In Italien mit den Citronenfinken und Girlitzen, bei uns mit N. n 7 1 1 Is 4 11 Der Canarienvogel. . BEE | Geflügel, abgeändert, daß man jetzt Canarienvoͤgel von faſt allen | Farben hat; doch bleiben Grau, Gelb, Weiß, Schwaͤrzlich und Rothbraun immer die Hauptfarben, welche aber einzeln in ver: ſchiedenen Graden der Schattirung oder zuſammengeſetzt unzaͤhlige Verſchiedenheiten geben. Diejenigen, welche am Oberleibe ſchwarzgrau oder grau— braun, wie ein Haͤnfling, und am Unterleibe gruͤngelb, wie ein Gruͤnling, ausſehen, ſind die gewoͤhnlichſten, dauerhafteſten, | kommen der urfprünglichen Farbe ihrer Stammeltern am nächften, / 8 und haben dunkelbraune Augen. Die gelben und weißen ha- ben mehrentheils rothe Augen, und find ſchwaͤchlicher. Die roth— braunen ſind die ſeltenſten, haben graubraune Augen, und ſtehen in Betreff der Dauerhaftigkeit und Staͤrke zwiſchen jenen beiden . mitten inne. Da aber die Zeichnung der meiſten Canarienvoͤgel . aus einer Miſchung dieſer Hauptfarben beſteht, ſo iſt derjenige Vogel um deſto koſtbarer, je regelmaͤßiger die Zuſammenſetzung dieſer verſchiedenen Farben iſt, die er aufzuweiſen hat. Derjenige, * ee — der gelb oder weiß am Koͤrper iſt, und Iſabellfarbe an Fluͤgeln, Kopf (beſonders wenn dieſer gekroͤnt iſt) und Schwanz hat, wird jetzt fuͤr den allerſchoͤnſten gehalten. Naͤchſt dieſem folgt der goldgelbe mit ſchwarzem, blauem oder ſchwarzgrauem Kopfe (mit oder ohne Haube), dergleichen Flügeln und Schwanz; alsdann 1 giebt es noch ſchwaͤrzliche oder graue mit gelbem Kopfe oder 1 Halsbande, gelbe mit ſchwarzem oder gruͤngelbem gehauptem | Kopfe, weiße mit braunen und ſchwarzen Schildern, aſchgraue, : i faſt ſchwarze mit gelber Bruſt, und weißem Kopfe und Schwanz, 4 welche in vorzuͤglichem Werthe ſind. Die uͤbrigen unregelmaͤßig | gefleckten, bunten oder geſchaͤckten werden weniger geachtet, und ſtehen im gleichem Werthe mit den einfarbigen, ſchwarzgrauen N oder graubraunen.) f N * dem Hänfling, Srinting und Beffie. Wenn es nicht erwieſen wäre, daß die urſprünglichen Canarienbögel auf den Canariſchen Inſeln wohnten, ſo könnte man die Entſtehung derſelben auch von Girlitzen und Zeiſigen oder von Hänflingen, Grünlingen und Eitronenfinken ableiten. Ich habe einen Vogel von erſtern beiden geſehen, der gerade wie ein Canarienvogel ausſah, den man den grünen nennt. Auch habe ich Ba⸗ ſtarde von grauen Canarienvögelweibchen geſehen, denen Niemand ihre Abs 1 ſtammung anſah. N ) Wenn man be 3 7 hauptet, daß die mancherlei Arten von Futter eine Ver⸗ ſchiedenheit der Farben beim Canarienvogel hervorbringen, jo irrt man ſich wohl; denn die Vögel in der freien Natur nähren ſich noch von mehr Fut⸗ a * Der Canarienvogel. Das Weibchen iſt vom Männchen kaum zu unterfcheiden; doch find die Farben des letztern immer lebhafter als beim erſtern; der Kopf iſt etwas dicker, geſtreckter und heller; der Koͤrper ſchlan⸗ ker gebaut; der Hals laͤnger; die Beine ſind hoͤher und gerader; und vorzuͤglich ſind die Schlaͤfe und das Feld um die Au— gen immer hochgelber als die uͤbrige Koͤrperfarbe ). 5 An Groͤße gleicht der Canarienvogel dem Haͤnfling, er iſt 5 Zoll lang, wovon der Schwanz 2 / Zoll wegnimmt; der Schna⸗ bel iſt fuͤnf Linien lang, ſtark, ſcharf zugeſpitzt und weißlich; die Fuͤße find fleiſchfarbig, und 8 Linien hoch. ./ 5 Ich will noch die vorzüglichſten Baſtardarten angeben; a) Der Canarienvogel⸗ und Stieglitzbaſtard. (Canarien⸗ vogelſtieglitzz. Die Farben dieſer Bäftarde beftehen aus einer Zuſammenſetzung der Farben der Stammeltern, und es fallen oft außerordentlich ſchoͤne Voͤgel aus. Der ſchoͤnſte, den ich je gehabt und geſehen habe, war ſo gezeichnet: Die ſtruppige Holle war aſchgrau; der uͤbrige Kopf und der Oberhals ſilberweiß; um den Schnabel herum eine breite orangenrothe Einfaſſung; um den Hals ein ſchneeweißer Ring; der Rüden graubraun, ſchwarz ges ſtrichelt; der Steiß weiß; der Unterleib ſchneeweiß; der After, die Fluͤgel und die erſten Schwungfedern weiß, die uͤbrigen, ſowie die Deckfedern ſchwarz, gelb geſaͤumt, und mit einem goldgelben Spiegel in der Mitte der Fluͤgel; der Schwanz weiß mit einem ſchwarzen Seitenflecke; Schnabel und Fuͤße weiß, erſterer mit einer ſchwarzen Spitze. Bei dieſem Vogel war die Mutter weiß mit gruͤngrauer Holle. Ueberhaupt fallen die ſchoͤnſten Voͤgel aus, wenn man gelbe oder weiße Voͤgel mit den Stieglitzen zu⸗ ſammenpaart. b) Der Canarienvogel- und Zeiſigbaſtard (Canarien⸗ vogelzeiſig.) Er ſieht dem Zeiſigweibchen vollkommen gleich, wenn ſeine Mutter (der Canarienvogel) gruͤn war. Iſt dieſer terarten, als die Hausvögel, und doch findet man bei ihnen dieſe Verſchiedenheit des Gefieders nicht. Aufenthalt, Mangel an Bewegung und des natürlichen Futters ſind vielleicht zuſammengenommen Urſache davon. Meine Vögel be⸗ kommen ſehr einfaches Futter, und doch varitren ſie in den Farben. Obiges behauptet Herr Friedrich in den Erfahrungen für Liebhaber der Canarien⸗ vögel. Schwerin und Wismar 1790. ) Nach Andern ſoll unter dem Schnabel fich eine Feder befinden, die wie eine Bohne geſtaltet iſt, und niedriger ſitzt. Ich kann aber keine finden. Der Canarienvogel. 239 aber weiß oder gelb, fo wird er etwas heller, behält aber immer — Farbe und Geſtalt des Zeiſigs. c) Der Canarienvogel- und Grünlingsbaſtard (Cana⸗ riengruͤnling.) ſ. oben Nr. 67. d. N d) Der Canarienvogel- und Girlitzbaſtard . girlitz.)) Nur durch die geringe Größe und den dicken kurzen Schnabel unterſcheidet ſich dieſer Baſtardvogel von dem gemei⸗ nen grauen oder grünen Canarienvogel, wenn er von keinem gelben oder weißen Canarienvogelweibchen abſtammt. e) Der Canarien vogel- und Haͤnflingsbaſtard (Cana⸗ rienhaͤnfling.) Er ſieht, von einem grauen. Canarienvogel ab— ſtammend, eben ſo wie ein Canarienvogel aus, nur mit etwas längerm Sm: wird aber bunt, wenn jener gelb oder weiß ift. Die err r ſind 5 ſ. unten. Aufenthalt. Außer der Heckzeit hält man die Männchen in kleinen Bo: gelbauern oder ſogenannten draͤthernen Glockenbauern, die wenig: ſtens 1 Fuß hoch fein, 8 Zoll im Durchmeſſer halten, und wenig- ſtens zwei übers Kreuz gelegte Springhoͤlzer haben muͤſſen, fonft aber von verſchiedener Figur und Form fein koͤnnen. Die Weib: chen aber laͤßt man entweder mit einem beſchnittenen Fluͤgel im Zimmer herum laufen, oder ſteckt ſie in ein großes Vogelgitter, wo ſie viel Raum haben, ihre Gliedmaßen ſtets in Bewegung, und dadurch immer ihre gehörige Staͤrke und Geſundheit zu er— halten. An den Glockenbauern, in deren jedem — wie ſich von ſelbſt verſteht — nur ein Singvogel ſitzt, bringt man ſowohl die Freß⸗ als Saufgefaͤße außerhalb vor dem untern Springholze an, nimmt dazu glaͤſerne, und verſieht das zum Freſſen aͤußerlich mit einer Haube, damit die Voͤgel das Futter nicht verſchleudern koͤnnen; eben deßhalb durchzieht man auch die hoͤlzerne Freßkrippe, die man in das große Vogelgitter ſchiebt, mit duͤnnem Drathe. Die Reinlichkeit verhindert bei dieſen zaͤrtlichen Voͤgeln die mei⸗ ſten Krankheiten, deßhalb verſieht man die Böden der Käfige mit Schiebern, die man jede Woche wenigſtens einmal herausneh⸗ men und reinigen, und mit grobem Waſſerſande beſtreuen kann. Da es * aus einem warmen Himmelsſtriche ſind, und ihre 240 Der Canarienvogel. weichlichere Natur auch durch ihren beſtaͤndigen Aufenthalt im Zimmer nicht abgehaͤrtet, ſondern dadurch in ihrem natuͤrlichen Klima beſtaͤndig unterhalten wird, ſo darf man ſie im Winter nie im ungeheitzten Zimmer laſſen oder der kalten Luft ausſetzen, (ſo zutraͤglich ihnen auch im Sommer die friſche Luft iſt); denn fie würden ſonſt leicht krank werden, ja gar erfrieren. Sie muͤſ⸗ ſen auch, im Kaͤfig haͤngend, wenn ſie gut ſingen ſollen, immer helles Tageslicht haben, und wo moͤglich der Sonnenwaͤrme aus⸗ geſetzt fein, welche ihnen beſonders beim Baden gar ſehr erſprieß⸗ lich iſt. — f Nahrung. Auf die Fütterung kommt das Meiſte an. Se ungefünftelter, der Natur getreuer und daher einfacher dieſe iſt, deſto beſſer be⸗ finden ſich auch die Voͤgel dabei; da hingegen eine allzu geſuchte, unnatuͤrliche und zuſammengeſetzte dieſe Geſchoͤpfe ſchwach und kraͤnklich macht.“) Das vorzuͤglichſte Futter iſt der Sommer: ruͤbſamen, wohl zu unterſcheiden vom Winterruͤbſamen, der im Herbſte geſaͤt wird, und groͤßer und ſchwaͤrzer iſt als jener, ſpaͤt im Fruͤhjahre geſaͤte. Bei dieſem Futter allein befinden ſie ſich ſchon, wie die Haͤnflinge, ſehr wohl; man vermiſcht es ihnen aber doch entwe⸗ der immer oder nur zuweilen, des Wohlgeſchmacks wegen, mit etwas zerquetſchtem Hanfſamen, Canarienſamen und Mohn, beſonders im Fruͤhjahre, wenn man ſie zur Fortpflanzung brau⸗ chen will. Will man ſie beſtaͤndig etwas beſſer tractiren, ſo giebt man ihnen ein Gemiſch von Sommer ruͤbſamen, ganzen Haferkoͤrnern oder Hafergruͤtze mit Hirſen oder etwas Ca⸗ narienſamen vermengt.“) Den Weibchen reicht man eben dieſe ) Man muß, wie in allen Dingen, auch hierin der Natur nachahmen. Ich habe bei dieſer einfachen Behandlungsart, die ich in dieſen und den fol⸗ genden Rubriken angeben werde, ſehr viele Canarienvögel erzogen, und viele Jahre geſund erhalten; da hingegen Andere, welche die ihrigen mit der größ⸗ ten und künſtlichſten Sorgfalt warteten und pflegten, immer über allerlei ver: drießliche und unglückliche Zufälle klagten. Man hat, außer einer großen Menge von kürzern Abhandlungen über die Behandlung der Canarienvögel, auch ganze Bücher darüber. Dieſe enthalten eine große Menge künſtlicher Verhaltungsregeln, die aber alle nicht mehr oder weniger bewirken, als die wenigen einfachen, die ich hier angeben werde. 2% Herr Kellner in feiner N. G. der Kanarienvögel ſagt S. 28. „Ich füttre meine Vögel, die ſich immer wohl befinden, auf folgende Art: Ich nehme zwei Löffel voll gekochten Hanf, 1 Löffel Kanarienſamen, 1 Löffel Som⸗ Der Canarien vogel. f 241 Fuͤtterung; ſie nehmen aber auch im Winter mit Semmeln oder bloßem Gerſtenſchrot, mit Milch angefeuchtet, vorlieb, wenn es ihnen nur alle Tage friſch gegeben wird, daß es nicht ſauer iſt. Außerdem giebt man den Weibchen und Männchen noch im Soms mer zuweilen etwas gruͤnen Kohl, Salat, Ruͤbſaat, gemeine Kreuzwurz, Brunnenkreſſe, wenn man dieſe Kraͤuter vorher durch Waſchen von ſchaͤdlichen Thauen gereinigt hat, und im Winter Stuͤckchen von ſuͤßen Aepfeln und von Kopfkraut.“) Zum Trin⸗ ken und Baden verlangen ſie taͤglich friſches Waſſer, und in der Mauſerzeit legt man zuweilen einen roſtigen Nagel in ihr Trink gefaͤß..) I Wenn man zuweilen den Boden ihrer Wohnung mit Waſ⸗ ſerſand beſtreut, ſo leſen ſie die kleinen weißen Quarzkoͤrnchen aus, welche ihnen zur Verdauung gar ſehr befoͤrderlich ſind. Sie baden ſich auch gern. 5 e Dieſes ſind die Nahrungsmittel fuͤr die erwachſenen Cana⸗ rienvoͤgel; ganz andere erfordern freilich die Jungen, wenn ſie | noch der Pflege ihrer Eltern bedürfen. Fortpflanzung. Die Erziehung dieſer Voͤgel iſt allerdings mit vielen Schwie⸗ rigkeiten verbunden, die man aber durch die unzaͤhlichen Kuͤnſte⸗ leien, die man gewöhnlich dabei anbringt, ohne Noth noch ſchwie⸗ riger gemacht hat. | | | | Zu Zuchtvoͤgeln erwaͤhlt man Männchen vom zweiten bis merrübfamen, ½ Löffel geringelten Hafer, fo zubereitet, wie man ihn als Suppe zu eſſen pflegt, darunter miſche ich noch Mohn, Hirſen, Lein, Lein⸗ f u dotter, zuſammen ¼ Löffel.“ N „) Gewöhnlich giebt man ihnen ein Gemiſch von allerlei Dingen, Rübſa⸗ men, Hirſen, Hanf, Canarienſamen, Hafer, Hafergrütze, Mohn, Salatſa⸗ | | men, Leindotterſamen, Wegerichſamen, Gänſerichſamen, Nelkenſamen, türkis ſchen Weizen, Zucker, Kuchen, harten Zwieback, Butterbrezeln; allein zu ge⸗ Schweigen, daß fie ſich durch den harten Zucker und Zwieback die Schnäbel beſchädigen, ſo werden ſte auch durch dieſe vermiſchte Koſt lecker, fangen an zu urzen, werden bald ſchwächlich, zur Fortpflanzung untüchtig, kränklich und erleben ſelten das fünfte Mauſern. Ich kenne verſchiedene arme Leute, die eine große Menge Canarienvögel erziehen, und verſchiedene dieſer hochge⸗ 1 prieſenen Nahrungsmittel z. B. den Zwieback nicht dem Namen nach kennen, und ſchöne geſunde, muntere und kecke Vögel erhalten. Man kann ſie frei⸗ A | lich gewöhnen, alles zu genießen und zwar gern zu genießen, was nur in der | Küche bereitet wird, aber mit der Gewöhnung bereitet man fie auch zugleich » langſam ihrem baldigen Tode zu. | % Süßholz und Safran hineinzulegen, ift mehr ſchädlich als nützlich. | Naturgeſch. d. Stubenvögel. 7 16 Der Canarienvogel. fünften Jahre, und wenn man älteren Weibchen juͤngere Maͤnn⸗ chen zugeſellt, ſo lehrt die Erfahrung, daß man auch mehr junge Männchen als Weibchen erhält. Die Alten erkennt man an den hervorſtehenden ſchwaͤrzlichen Schuppen der Beine, die man in Thüringen Stolpen nennt, und an den ſtarken langen Klauen. Gute Heckvoͤgel find ſelten und koſtbar; denn es giebt phleg⸗ matiſche Männchen, die immer traurig find, wenig fingen, den Weibchen nicht gefallen, und alſo fuͤr die Hecke untauglich ſind; andere 5 zu coleriſch, beißen und jagen die Weibchen beſtaͤn⸗ dig, ja ködten fie und ihre Jungen oft; wieder andere find zu ſanguiniſch, verfolgen das Weibchen, wenn es bruͤtet, zerreißen das Neſt, werfen die Eier heraus, oder reizen das Weibchen ſo lange zur Paarung, bis es die Eier oder Jungen verlaͤßt. Auch die Weibchen haben ihre Fehler. Einige legen blos, und verlaſſen ſogleich die Eier, wenn ſie dieſelben gelegt haben, um ſich aufs Neue zu begatten; andere fuͤttern die Jungen ſchlecht, beißen ſie, oder rupfen ihn alle Federn nach und nach aus, daß ſie oft auf eine elende Art ſterben muͤſſen; noch andere legen mit vieler Anſtrengung und Muͤhe, und ſind alsdann, wenn ſie bruͤ— ten ſollen, krank, oder legen die Eier ſpaͤt hinter einander. Gegen alle dieſe Maͤngel des Charakters und Temperaments bei beiden Geſchlechtern giebt man nun Gegen- und Beſſerungs⸗ mittel an; allein ſie ſind faſt alle truͤglich, und der Liebhaber iſt auch bei der ſtrengſten Beobachtung derſelben immer vielen Un⸗ annehmlichkeiten ausgeſetzt. Am beſten iſt es, man entfernt fo: gleich ſolche fehlerhafte Voͤgel, und läßt nur diejenigen ſich be: gatten, die keine von dieſen boͤſen Eigenſchaften haben. Um in Ruͤckſicht der Farbe ſchoͤne junge Vögel zu bekom⸗ men, ſo paart man gern rein- und gleichgezeichnete zuſammen. Dieß geht vorzuͤglich in Kaͤfighecken an; bunte und ſchaͤckige fallen in großen Hecken, wo ſich dunkle und helle Voͤgel von ſelbſt zuſammenpaaren, ohnehin von ſelbſt aus. Gruͤnliche und Braͤunliche, mit Hellgelben gepaart, erzeugen gern ſchoͤne Gem: mel⸗Iſabell⸗Agath⸗ oder Kameelfarbige.“) Eine beſondere Vor— ſichtsregel beſteht noch darin, daß man nur hollige und glattköps ) Man ſagt, wenn man den Vögeln in der Heckzeit Leinſamen, Klettenſa⸗ men und Sonnenblumenſamen zu freſſen gebe, ſo fielen beſonders ſchöne Junge aus. Ich habe noch keine Erfahrung darüber gemacht. 0 Der Canarienvogel. 243 fige zuſammenſteckt; denn zeugen zwei koppige Vögel Junge, ſo U bekoͤmmt man gewoͤhnlich kahlkoͤpfige, oder gar ſolche, die einen Fehler am Scheitel z. B. ein Geſchwuͤr haben. Gegen die Mitte des April iſt die beſte Zeit, die Voͤgel in die Hecke zu thun. Man hat deren vorzuͤglich zwei Arten. Er⸗ ſtens einen einfachen großen mit Drath eingefaßten Vogelbauer, in welchen man beſſer ein Maͤnnchen und ein Weibchen, als ein Maͤnnchen und zwei Weibchen thut; oder zweitens eine ganze Stube oder Kammer. Beide Hecken muͤſſen die Sonnenwaͤrme genießen, mit hoͤlzernen ausgedrechſelten Neſtern (Halbkugeln) oder Weidenkoͤrbchen behaͤngt ſein, (fuͤr jedes Paar zwei), und letztere muß man noch außerdem mit kleinen Tannenbaͤumen (Pinu spicea Li n.), die im Februar abgehauen find, und alſo die Nadeln nicht leicht fallen laſſen, beſetzen. Kann man in die Kammer in einem Fenſter einen halbvorſtehenden Drathbauer an— legen, daß ſie nicht nur friſche Luft haben, ſondern ſich auch ſon⸗ nen koͤnnen, ſo wird man deſto geſuͤndere und kraftvollere Junge erhalten. Diejenigen Paͤrchen, die zum erſtenmal zur Fortpflanzung dienen ſollen, gewoͤhnt man vorher ſechs bis acht T Tage in einem kleinen Käfig an einander. Will man in einem Drathaitter mit zwei Weibchen und einem Maͤnnchen Junge ziehen, ſo gewoͤhnt man die Weibchen vorher in einem kleinen Kaͤfig zur Eintracht, und theilt das Gitter mit einem Brete, das ein Fallthuͤrchen hat, in der Mitte in zwei gleiche Theile. Alsdann ſetzt man in die eine Haͤlfte ein munteres Maͤnnchen mit einem Weibchen. Wenn dieſes Eier gelegt hat, ſo zieht man das Fallthuͤrchen auf, und laͤßt das Maͤnnchen zu dem andern Weibchen; haben ſie erſt beide einmal Eier gehabt, ſo kann man das Fallthuͤrchen offen laſſen, das Maͤnnchen wird dann beide Weibchen wechſelsweiſe beſuchen, und dieſe werden ſich auch nicht beunruhigen: anſtatt daß ſie ſonſt, ohne dieſe Vorſicht, aus Eiferſucht einander die Neſter zerreißen und die Eier herauswerfen. In weitlaͤufigen Zimmern giebt man immer einem Maͤnnchen zwei, auch wohl drei Weibchen. An eins derſelben paart man das Maͤnnchen auf die oben beſchriebene Art, dieſes wird alsdann vorzuͤglich von ihm geliebt werden; wenn es aber Eier hat, ſo werden ihn die andern ſchon von ſelbſt zur Begattung reizen, und er wird ſie befruchten, ohne ſich nach⸗ 16 * Der Canarienvogel. her viel um dieſelben und ihre Jungen zu bekuͤmmern; und von dieſen letztern zieht man gewoͤhnlich die mehrſten und beſten Voͤgel. 8 Wenn man ein ſolches Zimmer mit feinem Erdmoos aus— gelegt, ſo hat man nicht viel andere Materialen zur Ausfüttes rung ihres Neſtes hinzuwerfen noͤthig. Sonſt kann man ihnen noch ungebruͤhte Kuh-, Reh- und Hirſchhaare, Schweinsborſten, trocknes und zartes Heu, einen Finger lang geſchnittene Wollen⸗ und Leinwandsfaſern und Papierſpaͤne vom Buchbinder geben. Das groͤbere Zeug benutzen ſie zum aͤußerlichen Anbau, und das klare zur inwendigen Ausfuͤtterung. Auf den Baͤumen zeigen ſie auch noch zuweilen Spuren ihres angebornen Kunſttriebes, indem ſie ohne hoͤlzerne oder geflochtene Unterlage ein ſelbſtſtaͤndiges Neſt hinſetzen, das aber freilich meiſt eine unfoͤrmliche Figur, we⸗ nigſtens von außen, bekommt. Das Weibchen iſt, wie bei den meiſten Voͤgeln, gewoͤhnlich der Baumeiſter, und das Maͤnnchen waͤhlt nur den Platz zum Neſte und traͤgt die Baumaterialen herbei. In dem Neſte ſelbſt, worin ſich das Weibchen unaufhoͤrlich herum bewegt, theils um dafs ſelbe auszurunden, theils um ſeinen Begattungstrieb durch das Rei⸗ ben noch mehr zu reizen, geſchieht auch gewoͤhnlich die befruchten⸗ de Begattung; das Weibchen lockt das Maͤnnchen mit einer an⸗ haltenden pipenden Stimme dazu, und ſie wird deſto oͤfterer wie⸗ derholt, je naͤher die Zeit zum Eierlegen kommt. Von der erſten Begattung bis zur 5 des erſten Eies verſtreichen gewoͤhn⸗ lich ſechs bis acht Tage. Jeden Tag wird alsdann, meiſtens zu ein und derſelben Stunde, ein Ei gelegt, deren Anzahl von zwei bis ſechs ſteigt, und die Begattung dauert auch die erſten Tage der Bruͤtezeit noch fort. Wenn man gute Heckvoͤgel hat, ſo hat man auch jetzt nicht noͤthig, der Natur durch Kuͤnſteleien zu Huͤlfe zu kommen, ſon⸗ dern man uͤberlaͤßt ſie in dieſem Zeitpunkte ganz ſich ſelbſt. Sonſt nimmt man ihnen gewoͤhnlich das erſte Ei weg, und legt ein elfenbeinernes an deſſen Stelle, ſteckt jenes einſtweilen in eine Schachtel in klaren, trocknen Waſſerſand, und führt mit egnehmen ſo lange fort, bis ſie das letzte gelegt haben, als⸗ wei giebt man fie ihnen alle zum Ausbruͤten wieder. Sie les gen drei- bis viermal des Jahres, vom April bis zum Septem⸗ | Der Canarienvogel. 245 ber, und einige ſind ſo emſig, ſich ſo zahlreich als moͤglich in ihrer Nachkommenſchaft zu ſehen, daß ſie ſich auch durch das ö Mauſern nicht ſtoͤren laſſen. Die Eier ſind meergruͤn, mit mehr 4 oder weniger rothbraunen und violetten Flecken und Strichelchen an dem ſtumpfen oder ſpitzen Ende. Die Brutzeit dauert drei: ö zehn Tage, und vermuthet man, wegen Kraͤnklichkeit des Maͤnn⸗ ö chens oder Weibchens oder aus andern Umſtaͤnden, daß wohl, nicht alle Eier gut oder befruchtet fein möchten, fo nimmt man,“ wenn das Weibchen ſechs bis acht Tage geſeſſen hat, die Eier 7 aus dem Neſte, hält fie, zwiſchen zwei Finger gefaßt, gegen das 15 Tageslicht oder ein brennendes Licht; die guten erſcheinen alsdann B : mit Blutadern angefüllt, die ſchlechten (Windeier) aber ganz hell und 9 klar, ſind faul und werden weggeworfen. Selten loͤſt das Maͤnn⸗ | | chen fein Weibchen des Tages einige Stunden im Bruͤten ab, und dieſes laͤßt es auch nicht gern geſchehen, ſondern fliegt gleich, | wenn es gefreffen hat, wieder auf feine Eier, und der Gemahl | macht auch meiſtens fogleich gutwillig wieder Platz, will er aber ik nicht, fo wird er auch wohl mit Gewalt durch Stoͤße und Biſſe zum Weichen gebracht, vermuthlich weil jenes weiß, daß er , zum Bruͤten zu wenig Geſchicklichkeit beſitzt, und entweder die Eier zu heiß oder zu kalt, zu oft oder zu ſelten umwendet. Nur zu nahe Schuͤſſe, ſtarkes Zuſchlagen der Thuͤren, Po⸗ chen, und anderes Geraͤuſch koͤnnen zuweilen Urſachen ſein, wa⸗ rum die Jungen in den Eiern ſterben; ſonſt iſt es eine ſchlechte Mutter. 5 : Sobald die Jungen ausgekrochen find, ſetzt man den Alten neben ihr gewoͤhnliches Futter noch ein irdenes Gefaͤßchen mit einem Viertheil von einem hartgefochten Ei, ſowohl Gelbes als Weißes, klar gehackt, und mit einem Stuͤckchen Semmel, das in Waſſer geweicht und wieder ausgepreßt iſt, hin, und in einem | andern etwas Ruͤbſamen, welcher zwei Stunden vorher einmal 1 aufgekocht, und im friſchen Waſſer wieder abgewaſchen iſt, um ihm alle Schärfe zu benehmen. Statt der Semmel nehmen auch einige Zwieback; allein es iſt nicht noͤthig. Hierbei iſt nur zu be⸗ obachten, daß dieſe weichen Speiſen nicht ſauer werden, denn ſonſt ſterben die Jungen, und man weiß oft nicht warum.“) ö ) Einige nehmen auch blos ihr gewöhnliches Futter, und vermiſchen es mit etwas klar geriebenem Zwieback und mit hark gekochtem Ei. Ich habe Der Canarien vogel. Jetzt tritt das Hauptgeſchaͤft des Maͤnnchens bei der Erzie⸗ hung der Jungen ein, und es verſieht auch wirklich das Gefchaft der Fuͤtterung faſt ganz allein, um das Weibchen vom Bruͤten zur folgenden Begattung ſich erholen zu laſſen. Muß man im Nothfall die Jungen ſelbſt auffuͤttern, ſo nimmt man auf einem Reibeiſen klar gemachte Semmeln, oder pülvert trocknen Zwieback, vermiſcht ihn mit klein zerſtoßenem Ruͤbſamen, und hebt dieſe Fuͤtterung in einer Schachtel auf. So oft man fuͤttern will, feuchtet man etwas davon mit ein wenig Eiergelb und Waſſer an, und giebt es ihnen auf einem ausgeſchnittenen Federkiel. Es geſchieht dies des Tages zehn- bis zwoͤlfmal, und die Portion beträgt gewöhnlich für jeden Vogel vier Federkielen voll. ar! Bis zum zwölften Tage find die Jungen noch faſt ganz nackt, und muͤſſen von dem Weibchen bedeckt werden“); nach dem dreizehnten aber freſſen ſie ſchon allein, und wenn ſie vier Wochen alt ſind, kann man ſie ſchon aus der Hecke nehmen, in eigene Käfige, die aber noch weit fein muͤſſen, thun, und ihnen neben dem gewoͤhnlichen Futter der Alten noch einige Wochen⸗ lang auf die oben beſchriebene Art eingeweichten Ruͤbſamen gebenz denn wenn man ihnen zu ploͤtzlich das weiche Futter entzieht, ſo ſterben fie meiſtens im Mauſern ). Wenn die Jungen zwoͤlf bis vierzehn Tage alt ſind, ſo macht die Mutter ſchon zum zweiten Gehecke Anſtalt, baut ſich ein neues Neſt, und hat gewoͤhnlich, ehe jene Jungen ausgeflogen ſind, ſchon wieder Eier. nee Noch muß ich hier eine artige Erfahrung mittheilen, die mehrmals iſt gemacht worden, daß naͤmlich oft, wenn man zwei aber obiges Futter immer zutraͤglicher gefunden, wenigſtens zu der Zeit, ehe die Jungen Federn haben. 6 Zuweilen trifft ſich's auch, und zwar vorzüglich in kalten, trockenen Jahren, daß die Vögel gar keine Federn bekommen wollen. Ein Verſuch der Madame Cl., beweißt, daß durch ein lauliches Bad das Wachsthum der Fe— dern befördert wird. Eben dieſe Dame hat durch mehr oder weniger wars mes Waſſer das Ausſchliefen der Jungen aus zu harten, von ſelbſt undurch⸗ brechlichen, Schaalen befördert. Man kann dieſe ſchöne Erfahrung auch auf andere Vögel mit Nutzen anwenden. **) Man behauptet nicht ohne Grund, daß diejenigen Canarienvögel, die in einem Gartenhauſe ausgebrütet werden, wo fie in einem mit Drath über: zogenen Diſtrikte frei herum fliegen können, viel dauerhafter und ſtärker wür⸗ den, als wenn ſie in der Stube ausgebrütet ſind. € * 7 ä —— 4 R Der Canarienvogel. 247 gelegten Neſtes verſtehen wollen. Die Jungen von dieſer Ver⸗ miſchung bekommen die zuſammengeſetzten Farben ihrer Eltern, lernen als Haͤnflings- und Stieglitzbaſtarde gut, als Zeiſig⸗ und Flachsfinkenbaſtarde aber ſchlecht fingen, nehmen in ihrer Jugend ) Daß man auch Sperlinge, Sfpken, Goldammern ꝛc. mit ihnen will ges paart haben, iſt bekannt genugzſes iſt aber wegen der zu merklichen Ver⸗ ſchiedenheit, vorzüglich der Nahrungsmittel, eine ſehr ſchwere Sache, und IHN 888 wenigſtens niemals bemerkt, daß z. B. ein Canarienmännchen große Luſt ezeugt hätte gegen ein Goldammerweibchen, oder umgekehrt ein Goldammer⸗ weibchen gegen ein Canarienmännchen, die man doch in Abſicht der Farbe ſonſt ſo wählen kann, daß kein großer Unterſchied unter ihnen bemerkbar iſt. Daß ein geiler Gimpel und ein geiles Canarienweibchen ſich begattet haben, geln ausgebrütet und aufgefüttert wurden, und daß in a viele gezo⸗ gen würden. Man hat hier den Grundſatz, dazu kein We zu nehmen, weil dieſen Baſtarden, welche dicke Köpfe haben, ſolche Hauben äußerſt häßlich ſtehen. „Mein Gimpel,“ jagt er, „it fo gefellig, daß er, ſobald ich ihn aus der Geſellſchaft der Canarienweibchen nehme, unaufhörlich ſchreit, und ſich ſchlechterdings mit keinem andern Vogel vertragen will. Ich beſitze auch ein Nachtigallmännchen, das mit einem Canarienweib⸗ chen in einem Bauer ſchon lange Zeit verträglich lebt und ſingt, welches die⸗ ſen Frühling ſo hitzig war, daß es ſich in meinem Beiſein mit dem Weibchen begaktete, das aber leere Eier legte. Ich werde dieß Frühjahr die Eier an⸗ dern Vögeln unterlegen.“ g N 2 Der Canartenvogel. mit dem Futter der jungen Canarienvoͤgel vorlieb, fo wie die Al⸗ ten mit dem der aͤltern. Auch dieſe Baſtarde (vom Stieglitz und Zeiſig iſt es gewiß) zeugen wieder unter einander Junge. Doch bemerkt man den Unterſchied, daß ſie im erſten Jahre ganz kleine erbſengroße Eier legen und ſchwaͤchliche Junge bekommen, in den folgenden Jahren aber immer groͤßere und ſtaͤrkere Junge aus⸗ bringen. Sobald die jungen Canarienvoͤgel vierzehn Tage allein ges freſſen haben, (ja ſie thun es zuweilen ſchon im Neſte) ſo fan⸗ gen ſie an, einige zwitſchernde Toͤne von ſich zu geben, die Maͤnn⸗ chen anhaltend, die Weibchen abgebrochen, woran man in der Jugend, und zwar blos hieran, Maͤnnchen und Weibchen von ein⸗ ander unterſcheiden kann. Will man einen jungen Vogel zum Pfeifen abrichten, ſo waͤhlt man die jetzige Zeit dazu, entfernt ihn von ſeinen Kammeraden und auch von andern Voͤgeln, ſetzt ihn in einen kleinen draͤthernen Vogelbauer, den man Anfangs mit Leinwand und nach und nach mit dichterm wollenen Tuch überziehen kann, pfeift ihm mit dem Munde oder ſpielt ihm mit der Floͤte oder einer kleinen Orgel eine kurze Arie oder ein ande⸗ res muſikaliſches Stuͤckchen des Tags fuͤnf bis ſechsmal, beſon⸗ ders des Abends und Morgens, jedesmal vier bis achtmal wie⸗ derholt, vor, und er wird das, was ihm vorgeſpielt oder gepfif⸗ fen wurde, in zwei bis ſechs Monaten „je nachdem er ein gutes oder ſchlechtes Gedaͤchtniß hat, ohne Anſtoß nachpfeifen. Wartet man aber laͤnger als vierzehn Tage, ehe man ihn in die Schule nimmt, ſo hat er ſchon einige Strophen des Vatergeſangs ge⸗ lernt, die er alsdann immer unter die kuͤnſtlichen mit einmiſcht, und wird dadurch ein unleidlicher Stuͤmper. Man ſagt auch, daß ſich die Canarienvoͤgel leicht zum Aus: und Einfliegen gewoͤhnen ließen.“) Man macht dazu an ihre Kaͤfige Thuͤrchen, die ſie hineinwaͤrts aufſtoßen koͤnnen und die — ur Mir iſt es nie gelungen, ungeachtet ich auch alle Vorſchriften treulich befolgt habe; und es iſt mir auch von den ſachverſtändigſten Männern in die⸗ ſer Beziehung verſichert worden, daß es nur unter folgender Bedingung an⸗ gehe: 1) Die Alten müßten Junge haben; 2) müßte kein Haus in der Ge⸗ gend ſeyn, 3) viel weniger andere Kanarienvögel, weil ſie ſonſt abgelockt würden. Es ſcheint mir überhaupt mit dem Aus⸗ und Einfliegen der Vögel eine gar bedenkliche Sache, denn nur von ſehr wenigen gezähmten Vögeln iſt es gewiß, wie ich auch bei Beſchreibung derſelben gezeigt habe; von den meiſten ſcheint es aber nur Vermuthung zu ſeyn, die man für Wahrheit ausgiebt. Der Canarienvogel. 2 hinter ihnen zufallen. Wenn Männchen und Weibchen im Fruͤh⸗ jahr auf die oben beſchriebene Art gepaart ſind, ſo laͤßt man erſt das Männchen in die freie Luft, wo Bäume find, hinaus: fliegen, und haͤngt das Weibchen vor das Fenſter, welches dann das Maͤnnchen bald wieder in den Kaͤfig hineinlocken wird. Man faͤhrt mit dieſer Gewoͤhnung des Maͤnnchens fünf bis ſechs Tage fort, und laͤßt es, nachdem es ſich gefangen, immer wieder fort⸗ fliegen, jedoch ohne es in die Hand zu nehmen, damit es nicht ſcheu werde. Nachher laͤßt man auch das Weibchen hinaus und das Thuͤrchen offen ſtehen, damit fie beſtaͤndig aus dem Vogel— hauſe, auch, wenn man will, aus dem Zimmer aus- und ein⸗ fliegen koͤnnen. Sie niſten dann gewoͤhnlich draußen auf hohe, dichte Baͤume, und man muß im Herbſte, ehe der Vogelſtrich angeht, ſowohl Alt als Jung einfangen, damit ſie ſich nicht mit den Haͤnflingen, denen ſie ſich immer, wenn ſie ins Freie kom⸗ men, zugeſellen, verlieren. Krankheiten. Dieſe Hausvoͤgel, die die freie Luft gar ſelten oder gar nicht genießen und außerdem ſo wenig Bewegung haben, ſind allen den oben angegebenen Krankheiten unterworfen. Außer dieſen werden ſie noch mit folgenden beſonders heimgeſucht. s 1. Der Bruch. Es iſt eine gewoͤhnliche Krankheit, be⸗ ſonders junger Voͤgel, eine Art von Unverdaulichkeit und daraus entſtehender Entzuͤndung der Eingeweide. Ein Zeichen dieſer Krankheit iſt ein magrer, durchſichtiger, aufgeblaſener Leib voll | kleiner, rother Adern, wobei fich alle Gedaͤrme bis an das Ende des Koͤrpers heruntergelaſſen zu haben und ſchwarz und verwik⸗ kelt ſcheinen. Allzu gutes, nahrhaftes, leckeres Futter verurſacht dieſes Uebel. Alle Mittel ſcheinen gegen dieſe Krankheit unwirk⸗ ſam zu ſein; nur ſparſame, einfache Fuͤtterung, und etwas Alaun, Salz oder altes Eiſen ins Getraͤnk gethan, hilft zuweilen. 2. Der Eierbruch iſt, wenn auch nicht ſo gleich, doch nach einiger Zeit toͤdlich. Beim Weibchen bleibt naͤmlich zuwei⸗ len im Eiergang ein Dotter ſitzen; an dieſen haͤngen ſich andere und bilden zuletzt einen dicken Sack, der verhaͤrtet, und nach und nach den Tod verurſacht. Solche Weibchen denken oft, fie häts ten wirklich Eier gelegt, und bruͤten. 3. Die gelbe Kraͤtze am Kopf und den Augen wird Der Canarienvogel. r U durch erfriſchendes Futter curirt; iſt aber ſchon ein Geſchwuͤr, wie ein Hanfkorn, vorhanden, ſo ſchneidet man es auf, und behan⸗ delt es, wie die Darrez beſtreicht nämlich die Wunde mit ein wenig ungeſalzener friſcher Butter oder mit Urin. 4. Wenn man bemerkt, daß das Weibchen, welches auf den Eiern oder Jungen ſitzt, die Schweiß ſucht hat, welche die Brut verdirbt, und daran bemerkt wird, daß die Federn am Un⸗ terleibe ganz naß ſind, ſo loͤßt man Salz in Waſſer auf, waͤſcht damit den Leib des Vogels, ſpuͤlt das Salzwaſſer nach einigen Minuten wieder mit friſchem Brunnenwaſſer ab, und trocknet es ſchnell an der Sonne. Dieß wiederholt man taͤglich ein bis zwei Mal Es iſt auch dieß Uebel ſo nachtheilich nicht, als man ge⸗ woͤhnlich vorgiebt. 5. Wider den ſchweren Athem von verderbtem Magen giebt man eingequellten Wegerich- und Ruͤbſamen. 6. Entſteht von verſtopften Naſenloͤchern Keichen und Nie: ſen, ſo zieht man ein ſehr kleines Federchen durch dieſelben. 7. Verliert das Maͤnnchen nach dem Mauſern die Stim— me, ſo giebt man ihm das gelinde Futter, das die Jungen be— kommen. Auch Salatſamen curirt ſie. Einige geben ihnen auch ein Stuͤckchen Speck zum Nagen. i 8. Wider die Verſtopfung dienen die oben angegebenen gruͤnen Kraͤuter, beſonders Brunnenkreſſe und Salat. 9. Mit der Epilepſie werden ſie entweder aus unbekann⸗ ten Urſachen, wie andere Voͤgel, befallen, oder ſie bekommen ſie in Folge zu großer Verzaͤrtelung, indem ſie naͤmlich, ſobald man fie angreift oder den Käfig reinigen will, vom Springholze ſtuͤr— zen, zirpen und in Ohnmacht fallen, oder die fallende Sucht be: kommen. Auch werden dieſe Zufaͤlle durch die Zugluft verurſacht. Man curirt ſie, wie in der Einleitung angegeben iſt. 10. Die langen Auswuͤchſe an den Zehen und dem Schnabel werden mit einer ſcharfen Scheere weggenommen. Man muß ſich aber huͤten, daß man die Krallen nicht zu weit abſchneide, ſonſt verlieren die Voͤgel zu viel Blut, und werden leicht lahm. Das Ende des rothen Strahls oder der Ader zeigt einem, wenn man Schnabel und Naͤgel gegen das Licht haͤlt, deutlich an, wie weit man ſchneiden darf. Die Nägel müffen auch in der Hecke dem Weibchen zuweilen abgeſchnitten werden, Der Canarienvogel. 251 damit fie nicht mit denſelben in dem Neſte haͤngen bleiben. Dieſe langen Krallen machen die Voͤgel oft ſo traurig, daß ſie nicht freſſen wollen, weil ſie ſich fuͤrchten, haͤngen zu bleiben. 11. Von einer gewiſſen Laͤuſe⸗ oder vielmehr Milbenart werden ſie, wenn ſie kraͤnklich ſind, oder nicht reinlich genug ge⸗ halten werden, ſehr geplagt. Sie lauſen ſich alsdann beſtaͤn dig. Defteres Baden, Reinlichkeit im Käfig und beſtaͤndig trockner Sand, den man mit geſtoßenem Anisſamen vermengen kann, auf dem Boden deſſelben, dient wider dieſe Feinde. Außerdem wech⸗ ſelt man die Springſtoͤcke mit Stangen von trocknem Schilfe oder ausgehoͤhlten Hollunderzweigen, mit eingeſchnittenen Spalten; die Inſekten verkriechen ſich in dieſe Hoͤhlungen und koͤnnen taͤglich heraus geſtoßen werden. Ihr Alter erſtreckt ſich, wenn ſie in der Hecke gebraucht worden, ſelten uͤber ſieben bis zehn Jahre, ſonſt aber bei guter Wartung bis auf zwanzig. | Empfehlende Eigenſchaften. Das Niſten in der Stube, die ſchoͤne Farbe und niedliche Bildung, die Gelehrigkeit, die einnehmende Vertraulichkeit, zu welcher ſie ſich gewoͤhnen, und der Ge— ſang haben dieſe Voͤgel von jeher dem Liebhaber empfohlen. Außerdem hat man bei ihnen auch die ſchoͤnſte Gelegenheit, die Verſchiedenheit der Charaktere und Temperamente, die ſie mit den vierfüßigen Thieren gemein haben, zu beobachten. Es giebt traus | rige und luſtige, zaͤnkiſche und friedfertige, gelehrige und unge⸗ lehrige ꝛc. Canarienvoͤgel, Saͤufer und Freſſer, Eheluſtige und Hageſtolze ꝛc. Am meiſten haben ſie ſich freilich durch ihren an⸗ muthigen, ſtarken und abwechſelnden Geſang (Schlag), der faſt das ganze Jahr hindurch (bei manchen ſelbſt die Mauſerzeit nicht ausgenommen) dauert, beliebt gemacht, und man ſchaͤtzt vorzuͤg⸗ lich ſolche, die des Nachts bei Licht ſingen, was aber die wenig⸗ ſten thun.“) Diejenigen werden fuͤr die beſten Saͤnger gehalten, die mehrere Strophen des Nachtigallenſchlages in ihre Melodieen miſchen. Man nennt ſie Tyrolerſaͤnger, weil ſie aus Tyrol ) Manche thun dieß von ſelbſt; andere aber müſſen von Jugend auf dazu gewöhnt werden, indem man den Käfig des Abends bei ein Licht ſetzt, und ihnen am Tage auf einige Zeit durch eine Decke das Licht raubt, damit ſie hungrig werden, und des Abends nach dem Futter gehen müſſen. - — Ä 2. Der Canarienvogel. wo mehrere Vögel dieſer Art gezogen werden, ſtammen ſollen; nach ihnen kommen die Engliſchen, die den Geſang der Baum⸗ lerche nachahmen. In Thüringen fingen diejenigen am anmu⸗ thigſten, die wenige ſchmetternde Strophen hören laſſen, aber da— fuͤr die einzelnen Toͤne einer Octave hell ſilbertoͤnend herablallen, und dazwiſchen zuweilen trompetenmaͤßig: Terteng! rufen. In der Heckzeit ſchreien ſie zuweilen ſo anhaltend und ſtark, daß ſie ſich die zarten Adern der Lunge zerſprengen, und ploͤtzlich mitten im Geſange vom Springholze herabfallen und todt ſind. Das Weibchen ſingt auch im Fruͤhjahr, wenn ſein Trieb zur Fortpflanzung durch den eifrigen Ruf des Maͤnnchens gereizt iſt, einige einzelne abgebrochene, unharmoniſche Strophen, oder, wenn es io alt iſt, daß es zur Fortpflanzung nicht mehr taugt, das ganze Jahr hindurch. Dieſe Voͤgel zeichnen ſich auch noch beſonders durch ihr gu⸗ tes Gehoͤr, durch die vorzuͤgliche Geſchicklichkeit, Toͤne aller Art nachzuahmen, und durch ihr treffliches Gedaͤchtniß aus. Sie ah— men nicht nur alle Vogelgeſaͤnge, die fie in ihrer Jugend bo: ren,“) nach, und vermiſchen ſie mit dem ihrigen, woher eben die außerordentliche Mannigfaltigkeit ihres Geſanges, der ſich famili⸗ enweiſe fortpflanzt, kommt, ſondern lernen auch zwei bis drei, mit dem Munde vorgepfiffene, oder durch eine Floͤte oder kleine Orgel in ihrer Jugend vorgeſpielte, Lieder und Arien im natuͤr⸗ lichen Tone und tactmaͤßig nachſingen. Sa fie lernen ſogar vers ſchiedene kurze Worte deutlich ausſprechen, Namen, Farben, Buch⸗ ſtaben und Zahlen zuſammenſuchen und kuͤnſtliche Bewegungen auf Commando machen. Ihre Gelehrigkeit iſt oft ne So ſah ich einſt ein Weibchen bei einem gewiſſen Jeantet aus Befort in Elſaß, welches aus einem vorgelegten Alphabete alle Namen und Worte zuſammen ſetzte, mit den deutſchen Zahlen addirte, ſub⸗ trahirte und multiplicirte, und die Stunden und Minuten auf der Taſchenuhr durch ausgeſuchte Zahlen anzeigte. Durch Hun⸗ | ger hatte ihn fein Herr, der ſich Director und ihn Profeſſor nannte, = weit gebracht. Er hatte noch drei männliche Canarienvoͤgel bei ſich, die aber blos die vorgeſagten Buchſtaben up Zahlen aufſuchen konnten. ” Beſonders angenehm ift es, wenn ße den ae Schlag lernen. Der Canarienvogel. 253 Es zog auch vor einigen Jahren ein Mann mit einer Menge Canarienvoͤgel umher, die vielerlei Kunſtſtuͤcke machten. Unter andern wurde eine Hinrichtung vorgeſtellt. Einige holten einen Canarienvogel aus dem Gefaͤngniſſe, bildeten einen Kreis um ihn, und einer hob das eine Bein auf und hieb nach ihm, als wenn er ihn koͤpfte. Der Geloͤpfte fiel hierauf wie todt nieder, wurde von andern weggetragen und im Sand verſcharrt. Waͤhrend dies ſer Ceremonie pfiffen wieder andere Canarienvoͤgel Trauerarien. Herr Pratt (ſ. deſſen Aehrenleſe) ſah auf feiner Reiſe zu Cleve einen Canarienvogel, der auf das Zureden ſeines Herrn fortwaͤhrend luſtig, raſch und langſam ſang, und dabei mit dem einen Fuß den Tact ſchlug, ſich verbeugte, nickte und nach und nach einſchlief. Will man einen guten Singvogel haben und 8 als ſol⸗ chen erhalten, ſo gehoͤrt dazu noch die Befolgung einiger vor⸗ zuͤglichen Regeln, die ich hier mittheilen will. Alles kommt bei einem guten Canarienſaͤnger darauf an, daß er in ſeiner Jugend einen ſchoͤnen Geſang, und keinen renden Vogel locken oder ſin⸗ gen hoͤrt, aus deſſen Liede er nichts beimiſchen ſoll. Eben dieß muß beobachtet werden, wenn er zum erſten und zweiten Male in die Mauſer kommt; denn da er nach derſelben ſeinen Geſang gleichſam wieder von Neuem lernen muß, ſo iſt es ihm auch leicht, noch etwas mit einzumiſchen, das er ſo eben hoͤrt, und das er voriges Jahr nicht geſungen hat. Doch zeichnet ſich auch hier ein Vogel vor dem andern in Ruͤckſicht der Gelehrigkeit aus. Auch muß man darauf achten, ob ein Vogel gern allein, oder in Geſellſchaft ſeiner Kammeraden und anderer Voͤgel ſingt. Man⸗ che Voͤgel ſind ſo eigenſinnig, daß ſie Jahre lang trotzen, wenn ſie ſich nicht koͤnnen allein hoͤren laſſen; und andere hingegen ſingen leiſe, wollen aber gar nicht laut werden, wenn ſie nicht Gelegenheit haben, andern ihre Vorzuͤge durch das Ueberſchreien zu zeigen. Ein Haupterforderniß iſt endlich noch, daß man den Canarienvoͤgeln, jo wie allen Stubenvoͤgeln, täglich ihre beſtimmte Portion Futter gebe; dadurch werden ſie nicht nur einen Tag wie den andern ſingen, ſondern auch gewoͤhnt werden, immer täglich daſſelbe Futter zu freſſen, und daher nicht den einen Tag das Beſte genießen, und für den andern das Schlechteſte aufhe⸗ ben. Ein Canarienvogel bedarf zu feinem täglichen Unterhalte 254 Der glänzende Fink. — Der Purpurfink. etwa zwei Theeloͤffel voll von dem oben angegebenen trocknen Futter. Das, was er des andern Tags noch uͤbrig hat, ſchuͤttet man den Stubenvoͤgeln, die vom Univerſalfutter leben, zur Ab⸗ wechslung hin. b. Aus laͤndiſche. 3115. Der glänzende Fink). (Braſiliſcher oder ſchwarzer Sperling.) Beſchreibung. Er iſt etwas kleiner als ein Hausſperling, und 4½ Zoll lang. Schnabel und Fuͤße ſind fleiſchfarben; der Augenſtern iſt weiß; das ganze Gefieder blauſchwarz, oder kohlſchwarz mit po⸗ lirtem Stahlglanze. Er Das Weibchen iſt am Oberleibe ſchwaͤrzlich, mit gelblich⸗ braunen Raͤndern; hinter den Augen iſt ein ſchwaͤrzlicher Streif; der Steiß grau; der Unterleib dunkel gelblich⸗braun; der Schwanz ſchwarz mit grauen Raͤndern; die Fuͤße roͤthlich. Einige Männchen haben auch ſchwarze Fuͤße und einen ſol⸗ chen Schnabel. f | Merkwürdigkeiten. Diefer Vogel wird in den Wäldern um Carthagena und in Cayenne angetroffen. Er hat eine feine angenehme Stimme, und ſtrengt ſich im Singen ſo ſehr an, daß Kopf und Halsfe⸗ dern in die Hoͤhe ſtehen. Er lebt von allerhand Saͤmereien und Früchten, iſt leicht zu zaͤhmen, und nimmt im Kaͤfig mit blo⸗ ßem Brode vorlieb. Man giebt ihm aber lieber Mohn, Ruͤbſa⸗ men und Hirſen. 116. Der Purpurfink ). Er hat die Größe unſrer gemeinen Finken, und ſeine Laͤnge beträgt 5 ¼½ Zoll. Die Farbe iſt dunkel violet, oder purpurroth us) Fringilla nitens. Gm elin Lin. Syst. 1. 2. p. 909. n. 49. Moineau de Bresil. Buffon des Ois. 3. P. 486. Planch. enl. n. 291. F. 1. 2. Glossy Finch. Latham Syn. II. 1. p. 267. n. 21. a **) Fringilla purpurea. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 923. n. 90. Bouv- reuil violef de Caroline. Buffon des Gis. 4. p. 395. Purple Finch. Latham Syn. II. I. p. 275. n. 39. x Der Amerikaniſche oder gelbe Stieglitz. 255 mit etwas Dunkelbraun; die Schwungfedern ſind inwendig braun; der Bauch weiß; der Schwanz etwas gabelfoͤrmig. Das Weibchen iſt uͤber und uͤber dunkelbraun; die Bruſt, wie bei einer Droſſel, weiß gefleckt. i Mertwürdigkeiten. Im Sommer find biefe Vögel häufig in Carolina; im Winter aber ziehen fie in kleinen Herden weg. Sie leben vor zuͤglich von Wachholderbeeren, die ſie auch bei uns im Kaͤfig gern freſſen. Man giebt ihnen Ruͤbſamen und Canarienſamen. Sie gewoͤhnen ſich bald an alles Stubenfutter. Ihre Schoͤnheit iſt mehr werth, als ihr zwitſchernder Geſang. : 117. Der Amerikaniſche oder gelbe Stieglitz“). Beſchreibung. | Er hat die Größe des Haͤnflings, und iſt 4 ½ Zoll lang. | Schnabel und Füße find weiß; der Augenſtern nußbraun; der Vorderkopf ſchwarz; der uͤbrige Koͤrper gelb; die Schenkel und die Deckfedern des Schwanzes gelblichweiß oder grau; die Deck⸗ federn der Fluͤgel ſchwarz mit einem weißen Querbande, welches die Spitzen der weißen Deckfedern bilden; die Schwungfedern ſchwarz, die Ränder und Spitzen der hintern weiß; der Schwanz ſchwarz. Dem Weibchen fehlt die ſchwarze Farbe am Vorderkopfe; die obern Theile ſind olivengruͤn; Kehle, Bruſt und Steiß hell⸗ gelb; Bauch und After weiß; Fluͤgel und Schwanz wie beim Maͤnnchen, aber minder lebhaft. Der junge Vogel iſt Anfangs dem Weibchen in allen Stuͤcken gleich, außer daß er den ſchwarzen Vorderkopf hat. Dieſe Voͤgel niſten des Jahres zweimal, im Herbſt und Frühjahr, und haben nur den Sommer über die oben angege⸗ benen Farben. Im Winter ſieht das Maͤnnchen am Scheitel ſchwarz aus; die Kehle, der ganze Hals und die Bruſt ſind gelb; der Steiß auch gelb, etwas ins Weiße ſpielend; der Ruͤ— cken olivenbraun mit hellen Federraͤndern; Flügel und Schwanz ) Fringilla tristis. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 907. n. 12. Char- donneret jaune. Buffon des Ois. 4. P. 212. Planch. enl. No. 202. F. 2. American Goldfinch. Latham Syn. II. 1. p. 288. n. 57. 256 Der Braſiliſche Fink. ſchwarz, faſt alle Federn weiß geraͤndert. Das Weibchen hat faſt eben die Farbe, nur fehlt ihm der ſchwarze Scheitel, und die Farbe iſt uͤberhaupt etwas weniger lebhaft. | Man ſieht hieraus, daß dieſer Vogel im Winter faſt unſerm Zeiſig gleicht. Merk wuͤrdigkeiten. 6 Man trifft dieſe Voͤgel in Nordamerika, und vorzuͤglich im Sommer in Neuyork an. Sie leben, wie unſere Stieglitze, von Diſtelſamen, weshalb man fie im Kaͤfig, worin ſie außer⸗ ordentlich zahm werden, auch eben ſo fuͤttert. Sie legen, ſogar auch bei uns, (perlgraue) Eier. In England nennt man fie Hork⸗ Gelblinge. 118. Der Braſiliſche Fink). (Granatvogel, rothſchnaͤblicher Diſtelfink.) Beſchreibung. Er iſt ſo groß als ein Zeiſig, vier und drei Viertel Zoll lang. Der Schnabel iſt korallenroth; der Augenſtern dunkelbraun; die Augenlieder ſind ſcharlachroth; die Fuͤße hellgrau; die Seiten des Kopfes um die Augen herum purpurfarbig; die Wurzel des Schnabels oben blau; die Kehle, der untere Theil des Bauches und die Schenkel ſchwarz; der untere Theil des Kopfes und Koͤr⸗ pers kaſtanienbraun; der Ruͤcken und die Schulterfedern ſpielen ins Braune; der Steiß iſt blau; die Schwungfedern ſind braun; der Schwanz keilfoͤrmig und ſchwarz. f Dieſe Voͤgel variiven gar ſehr in der Farbe. Einige ha⸗ ben einen braunen Fleck zwiſchen dem Schnabel und den Augen, und die hintern Theile des Koͤrpers, ſowohl oben als unten, ſind violet; bei andern ſind der untere Theil des Bauches und die Schenkel von der naͤmlichen Farbe, wie die obern Theile, und die Kehle iſt gruͤnlichbraunz und noch bei andern iſt der Schwanz roͤthlich. „) Fringilla granatina. Gmelin Lin. Syst, I. 2. p. 906. n. 11. Gre- nadin. Buffon des Ois. 4. p. 169. t. 7. F. I. Planch. enl. No. 109. F. 3, Brasilian Finch. Latham Syn. II. I. p. 316. n. 87. a Der blaubaͤuchige Fink. 257 Das Weibchen hat einen rothen Schnabel; iſt ein wenig purpurroth unter den Augen; der Scheitel rothgelb; der Ruͤcken graubraun; die Kehle und die untern Theile hell rothgelb; der Unterbauch und After weißlich; das Uebrige a a wie beim Männchen, aber minder lebhaft. a Merkwürdigkeiten. Dieſer ſchoͤne Vogel ſtammt aus Brafilien. Er ift in der Geſtalt ſeines Schnabels dem Stieglitz aͤhnlich, und nimmt auch mit deſſen Nahrungsmitteln vorlieb. Seine Bewegungen ſind lebhaft, und ſein Geſang ungemein angenehm. 119. Der blaubäuchige Fink). Beſchreibung. Er iſt kaum etwas groͤßer als ein Zeiſig, 4½ Zoll lang, wovon der Schnabel 4 Linien und der etwas keilfoͤrmige Schwanz 1½ Zoll wegnimmt. Der Schnabel iſt an den Seiten gedruͤckt, vorn ſehr zugeſpitzt, und fleiſchroth; der Augenſtern nußbraun; die Fuͤße hellbraͤunlich; der Oberkopf und Oberleib ſind aſchbraun, mit purpurfarbenem Schimmer; die Seiten des Kopfes, Unter: hals, Bruſt, Bauch, Buͤrzel, Steiß und After hell- oder him⸗ melblau; an den Seiten ſtehen aſchgraue Flecken; unter den Au⸗ gen geht nach dem Hinterkopf ein gekruͤmmter purpurrother Fleck; die Schwungfedern ſind dunkelbraun mit . Raͤndern; der Schwanz iſt blau. Dem Weibchen fehlt der rothe Fleck unter den N Dieſe Voͤgel variiren auch in der Farbe, vielleicht blos nach dem Alter; denn man trifft Exemplare an, welche auf dem Ruͤcken grau ſind, andere, die dieſe Farbe an den Untertheilen haben, und noch andere, bei welchen man am Bauche einen ro⸗ 8 gr Anſtrich bemerkt. Merkwürdigkeiten. Es ſind dieß afrikaniſche Voͤgel, die vorzuͤglich von Angola und Guinea nach Europa gebracht werden. Sie ſind ſehr leb⸗ ie Fringilla Bengalus. Gmelin Lin. Syst. L 2. p. 920. n. 32. Le Ben- gali. Buffon des Ois. 4. p. 92. Planch. enl. No. 115. F. I. Bluebel- lied Finch. Latham Syn. II. I. p. 310. F. 81. Naturgeſch. d. Stubenvögel. 17 258 Der leberfarbene Fink. — Der gruͤne Stieglitz. haft und artig; das Maͤnnchen ſingt angenehm, aber nicht laut, und man fuͤttert fie mit Canarienſamen, gequetſchtem Hanf und Mohn. 120. Der leberfarbene Fink“). Beſchreibung. Er hat faſt die Groͤße des vorhergehenden, iſt nur etwas kleiner, 4 Zoll lang, wovon der Schnabel 4 Linien und der feils foͤrmige Schwanz 1?/, Zoll mißt. Er iſt demſelben auch in der Farbe etwas aͤhnlich, doch in ſeinem Betragen verſchieden. Der Schnabel iſt wie ein Hausſperlingsſchnabel geſtaltet, blutroth mit ſchwarzer Spitze; die Augenlieder ſind gelblich und nackt; der Au⸗ genſtern rothbraun; die Fuͤße ſind fleiſchfarben. Wangen, Kehle, halbe Bruſt, Seiten und Steiß ſind ſchmutzig gruͤnblau; auf den Wangen iſt ein dunkelpurpurrother Fleck; der Oberleib iſt dunkel⸗ leberfarben; der Bauch hellleberfarben; die Fluͤgel dunkelbraun, alle hervorſtehenden Federraͤnder wie der Ruͤcken; der Schwanz auf der inwendigen Seite dunkelbraun, auf der auswendigen blaͤulich überlaufen und mit ſchwaͤrzlicher Spitze. Merkwuͤrdigkeiten. Dieſer Vogel bewohnt die Afrikaniſchen Kuͤſten, iſt ſehr - munter, lockt Zaͤ! und ſingt leiſe wie ein Laubvoͤgelchen. Er wird mit Canarienſamen gefüttert, und ſcheint eine große Dauer. zu haben. | Ä 121. Der grüne Stieglitz“). Beſchreibung. Er aͤhnelt an Groͤße und Geſtalt unſerm Stieglitz, iſt 4½ Zoll lang, wovon der Schnabel ½ und der Schwanz 1½ Zoll mißt. Der Schnabel iſt an den Seiten gedruͤckt, endigt ſich in eine lange, vorn etwas uͤbergekruͤmmte Spitze und iſt fleiſchfar⸗ ben; der Augenſtern iſt kaſtanienbraun; die Fuͤße ſind grau; der Vorderkopf iſt bis hinter die Augen, ſo wie die Kehle hochroth; 1) Fringilla hepatica. | *) Fringilla Melba. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 904. n. 8. Chardon- neret verd. Buffon des Ois. 4. p. 211. Green Goldfink. Latham Syn. II. 1. p. 286. n. 52. r Der Angoliſche Hänfling. 259 die Zuͤgel aſchfarben; der Oberkopf, Oberhals und Ruͤcken gelb⸗ lichgruͤn; die Deckfedern der Flügel, und die hintern Schwungfe- dern ſind gruͤnlich mit rothen Raͤndern; die großen Schwungfe⸗ dern dunkelbraun, fein gelblichgruͤn geſaͤumt; die Bruſt oliven⸗ gruͤn, nach dem Bauch zu weiß auslaufend, der ganze Unterleib mit dunkelbraunen laͤnglichen Flecken beſetzt; der Steiß und Schwanz roth, letzterer unten aſchgrau. Das Weibchen hat einen hellgelben Schnabel; Scheitel und Hals ſind aſchfarben; die kleinen Deckfedern der Fluͤgel und der Steiß gelblichgruͤn; der Schwanz braun mit blaßrothen Raͤndern, ſonſt wie das Maͤnnchen. Merkwuͤrdigkeiten. Dieſer Vogel ſtammt aus Braſilien. Das Maͤnnchen ſingt lieblich und ergoͤtzt auch durch ſeine ſchoͤne Farbe. Man ſteckt ihn in einen Vogelbauer, und giebt ihm Canarien- und Ruͤbſamen zu freſſen, wobei er ſich viele Jahre wohl befindet. 122. Der Angoliſche Hänfling “). (Angoliſcher Fink.) Bes chreibung. In Geſtalt und Betragen gleicht dieſer Vogel unſerm Haͤnf⸗ ling. Er iſt 4½ Zoll lang, wovon der etwas geſpaltene Schwanz 1 Zoll mißt. Der Schnabel iſt kurz, rundlich, ſtumpf zuge⸗ ſpitzt und ſchmutzig fleiſchroth; die Fuͤße ſind fleiſchfarben; um den Schnabel herum bis zu den Augen und zur Kehle iſt die Farbe ſchwarz, um die Augen herum und zur Seite der Kehle weiß gefleckt; der Oberkopf, Oberhals, Ruͤcken, und die kleinen Deckfedern der Fluͤgel ſind braͤunlichaſchfarben, jede Feder mit einem dunkelbraunen, eifoͤrmigen Fleck, die auch an der Seite des Halſes ſtehen; der Unterleib iſt orangenfarben, an der Bruſt am hellſten, nach dem After zu am dunkelſten; der Buͤrzel und Steiß hochgelb; die groͤßern Deckfedern der Flügel und die Schwung⸗ federn dunkelbraun mit gelber Einfaſſung; der Schwanz dunkel⸗ braun mit roſtgrauen Saͤumen und Spitzen. ) Fringilla angolensis. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 918. n. 70 La Vengoline. Buffon des Ois. 4. p. 80. EDEN Finch. Latham Syn. 1 g. 309. n. 78. 17* Die Feldlerche. Merkwuͤrdigkeiten. Dieſe Voͤgel ſtammen aus Angola. Sie haben einen floͤ— tenden Geſang faſt wie unſere Haͤnflinge, er iſt aber melodiſcher. Man fuͤttert ſie mit Canarienſamen und Ruͤbſamen. Die jungen Voͤgel ſehen wie die Weibchen aus“). | VI. Singvögel“). Sie haben einen kegelfoͤrmigen, bei einigen dem walzenfoͤr⸗ migen ſich naͤhernden, zugeſpitzten, meiſt ſchwachen Schnabel, deſſen obere Kinnlade unbeweglich iſt. Ihre Nahrung beſteht meiſt aus Inſecten, doch freſſen einige zugleich auch Beeren und Wuͤrmer. Ihr Neſt iſt kuͤnſtlich, und Maͤnnchen und Weibchen nehmen zugleich an dem Bruͤten Antheil. a. Inlaͤndiſche, die ſie alle ſind. a. Alt zaͤhmbare. 123. Die Feldlerche. (Lerche, Aders Saat: Korn: Himmels⸗Sang⸗ Weg: Brad): Luft: und Taglerche, Lenwark“ ). 5 8 Beſchreibung. | Es bedarf faſt keiner Beſchreibung, fo bekannt iſt diefer Vo⸗ gel; doch will ich fie für diejenigen, welche in großen Staͤdten ) Es giebt noch mehrere Arten von ausländiſchen Vögeln, die aus Afrika, aus Oft: Weſt⸗ und Südindien nach Europa und auch nach Deutſchland gebracht werden. Allein da ich ſie bis jetzt nicht näher zu vergleichen, viel weniger zu beobachten Gelegenheit gehabt habe, ſo will ich ſie nicht blos nach meinen Muthmaßungen hier aufſtellen, nech viel weniger will ich diejenigen alle angeben, die ſonſt nach Edwards Bericht in England als Stubenvö⸗ gel ſind unterhalten worden, und die wir in Seligmanns Sammlung ausländiſcher Vögel beſchrieben und abgebildet finden. Liebhaber, die einen fremden Stubenvogel kaufen, welchen ſie in dieſer Schrift nicht beſchrieben finden, können ſich in meiner Ueberſetzung von Lathams allgemeiner Ueber⸗ ſicht der Vögel, Nürnberg bei Schneider und Weigel. 6. Bände, wo alle bis jetzt bekannten Vögel kurz beſchrieben ſind, Raths erholen. * Osines. Fu % Alauda arvensis. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 791. n. I. Alouette. Buffon des Ois. 5. p. I. t. 1. Skylark. Latham Syn. II. 2. p. 368. n. 1. Friſch Vögel. Taf. 15. Fig. I. — Die Feldlerche. s 261 6 wohnen , und dieſen Vogel ſelten in der freien Natur ſehen, zur Vergleichung mit andern Lerchenarten, da die meiſten einander ahnlich gefärbt find, hierher ſetzen. An Größe übertrifft die Lerche den Goldammer und iſt 7 Zoll lang, wovon der Schwanz faſt 3 Zoll mißt. Der Schna- bel iſt, wie bei allen Lerchen, ſchwach, gerade, walzenfoͤrmig, ſpitzig auslaufend; die Kinnladen von gleicher Laͤnge und klaffen nach unten; die Farbe iſt oben hornartig ſchwarz, unten weißlich; der Augenſtern graubraun; die Fuͤße graubraun, im Fruͤhjahr gelbbraun, faſt 1 Zoll hoch und die hintere Kralle (Sporn), wie an allen Lerchen, laͤnger als die Zehe ſelbſt. Stirn und Scheitel ſind roſtgelb, der Laͤnge nach ſchwarzbraun gefleckt; die Kopffedern laſſen ſich zu einer Kuppe im Affecte auffträuben; uͤber die Augen laͤuft eine weißgraue Linie, eine etwas undeutliche um⸗ giebt die graubraunen Backen; Hinterkopf und Hinterhals ſind weißgrau, ſchwarzbraun geſtrichelt; der Ruͤcken iſt ſchwarzbraun mit breiter, theils blaßroͤthlichbrauner, theils weißgrauer Einfaf- ſung; der Steiß roſtgrau mit ſchwarzbraunen Strichen; das Kinn, der Bauch und After gelblichweiß; der Unterhals, die Bruſt und die Seiten ſchmutzig weiß, roſtfarben uͤberlaufen und fein ſchwarz⸗ braun geſtrichelt; die Deckfedern der Flügel graubraun, die gro⸗ ßen mit blaßroͤthlichbrauner Einfaſſung; die Schwungfedern dun⸗ kelbraun, die fünf erſten am Rande weißlich, die andern roͤthlich, die naͤchſten am Leibe, welche auch wieder groͤßer als die mittlern ſind, grau, auch die Spitze iſt an allen weißgrau eingefaßt, und an den mittlern ausgeſchnitten; die Schwanzfedern ſchwarzbraun, die mittelſten an der innern Seite mit einer roſtbraunen, und an der aͤußern mit einer weißgrauen breiten Einfaſſung, die beiden äußerften an der äußern und halben innern Seite weiß. Das Weibchen erkennt man theils daran, daß es etwas kleiner iſt als das Maͤnnchen, theils an den haͤufigern und ſtaͤr⸗ kern ſchwarzen Flecken, womit Ruͤcken und Bruſt beſetzt ſind und an der weißen oder hellern Farbe der Bruſt, die nicht ſo ſtark, nicht roſtfarben uͤberlaufen iſt. Im Zimmer findet man oft noch folgende zwei Varie⸗ taͤten: 8 | D Die weiße Feldlerche. Sie ift entweder rein weiß, oder gelblichweiß. Man trifft ſie auch im Freien an. | ji N | 4 262 Die Feldlerche. 2) Die ſchwarze Feldlerche. Sie iſt am ganzen Koͤrper rauchſchwarz mit etwas durchſchimmernder Roſtfarbe und weißli⸗ cher Einfaſſung am Unterleibe. Ich weiß nicht, ob man ſie auch im Freien bemerkt hat; in der Stube iſt fie aber nicht ſelten, be- ſonders wenn man die Lerchen an dunkeln Orten haͤlt, wo ſie das Sonnenlicht gar nicht genießen. Sie verwandeln ſich aber gewöhnlich bei der Mauſer wieder in die natürliche Farbe, welches die weiße Varietaͤt nicht thut. Aufenthalt. a. Im Freien. Die Feldlerche bewohnt faſt die ganze Welt. Sie haͤlt ſich auf Aeckern und Wieſen, mehrentheils in Ebnen auf. Sie iſt ein Zugvogel, welcher gewoͤhnlich zu An— fang des Februar zu uns kommt und im October in großen Her⸗ den wegwandert. Sie kommt unter allen Zugvoͤgeln am erſten wieder; denn da ſie ſich nicht bloß von Inſekten, ſondern auch von Koͤrnern, allerhand Saͤmereien, und grüner Saat naͤhrt, fo kann es ihr in dieſer Jahreszeit nicht leicht an Nahrungsmittel fehlen, und wenn auch noch kalte Witterung eintreten ſollte. b. In der Stube. Hier laͤßt man ſie entweder frei her⸗ um laufen, wo ſie ſich dann alle Abende ein dunkles Plaͤtzchen zum Schlafen ausſuchen, oder laͤßt ſie des Abends in ein Gitter gehen, oder hält fie in einem Kaͤfig. In letzterm fingen fie befs ſer, als wenn man ſie frei herum laufen laͤßt. Ein ſolcher Kaͤ⸗ fig, dem man allerhand Formen geben kann, iſt 1½ Fuß lang, / Fuß breit und 1½ Fuß hoch. Unten auf dem Boden hat er einen Kaſten, den man ein- und ausſchieben, und mit Waf: ſerſand, welchen dieſe Vögel gern zum Baden wuͤnſchen, anfuͤllen kann, und oben iſt er mit Tuch ausgeſchlagen, damit ſich die Lerchen, die oft in die Hoͤhe fliegen, beſonders wenn ſie noch nicht zahm genug ſind, an einer hoͤlzernen oder draͤthernen Decke den Kopf nicht einſtoßen. Freſſen und Saufen bringt man ent⸗ weder in glaͤſernen Gefaͤßen von außen an dem Bauer an, oder macht ihnen fuͤr erſteres eine Krippe, die an der Seite eingeſcho⸗ ben wird, welches ich noch fuͤr beſſer halte. Wenn ſie frei in der Stube herum laufen, ſo muß man die Stube vorzuͤglich reinlich halten, weil ſie ſonſt alles, was ſich anhaͤngt, beſonders Haare, Wolle und Flachs um die Fuͤße wickeln und ſich verſtricken, und man gendthigt iſt, ihnen die Fuͤße an einem Tage etlichemal zu Die Feldlerche. 263 reinigen. Unterlaͤßt man dieſe Reinigung, fo ſchneiden die Haare 5 leicht ein, ſie werden davon lahm oder die Zehen dorren gar ab. . Nahrung. a. Im Freien. Die Nahrung der Feldlerchen beſteht in Inſekten, Inſektenlarven und Eiern z. B. Ameiſeneiern, in aller⸗ hand kleinem Geſaͤme, z. B. Mohn, und im Herbſt und Fruͤh⸗ jahr in Hafer, welchen ſie durch Schlagen auf dem Boden aus⸗ huͤlſen, da ihr Schnabel dazu zu ſchwach if. Auch gruͤne Saat, allerhand Spitzgras und Kräuter freſſen fie. Zu ihrer Verdau⸗ ung beduͤrfen ſie Sand. b. In der Stube befinden fie ſich bei dem oben angeges benen Univerſalfutter ſehr wohl. In den Kaͤfigen iſt ihnen das zweite allgemeine Nahrungsmittel beſonders zutraͤglich; ſonſt giebt man ihnen auch Mohn, zerquetſchten Hanf, abgeſpelzten Hafer, Gerſten⸗ und Malzſchrot, Brod, Semmelkrumen, und vermengt das Futter mit etwas Brunnenkreſſe, Kohl oder Salat. Auch mageres Fleiſch und etwas Ameiſeneier freſſen ſie gern. Alles dieſes iſt denen, die auf dem Boden frei herum laufen, auch zu⸗ weilen zu geben, weil ſie alsdann viel muntrer ſind und beſſer ſingen. Wenn man alte in die Stube bringt, ſo darf man ihnen nur Mohn und Hafer vorwerfen, um ſie zu gewoͤhnen. Fortpflanzung. Die Lerchen niſten, wo ſie ſich befinden, auf der Erde in einer kleinen Vertiefung, in welche ſie ein, ohne Kunſt aus duͤr⸗ ren Grashalmen und Haaren beſtehendes Neſt bauen, am liebſten in der Sommerfrucht und Brache. Sie thun es gewoͤhnlich des Jahres zweimal. Die drei bis fuͤnf Eier ſehen weißgrau aus mit graubraunen Punkten und Flecken. Sie werden vierzehn Tage bebruͤtet, und man findet oft ſchon zu Ende des April Junge in demſelben. Dieſe werden blos mit Inſekten aufgefuͤt⸗ tert, laufen, ehe fie noch fliegen koͤnnen, aus dem Neſte, und laſſen ſich dann noch vollends fluͤgge fuͤttrn. Die Jungen ſind vor dem erſten Mauſern am ganzen Oberleibe mit weißen Punk⸗ ten beſetzt. Man nimmt ſie, um ſie aufzuziehen, aus dem Ne⸗ fie, wenn ihnen der Schwanz ohngefaͤhr / Zoll lang hervor⸗ gekeimt iſt, und füttert ſie mit Semmeln und Mohn in Milch ) | | 1 Die Feldlerche. geweicht auf. Hat man Ameiſeneier und kann ihnen dieſe zu⸗ weilen geben, ſo gedeihen ſie deſto eher und beſſer. Man ſieht es ſchon an der gelblichen Farbe, welches junge Männchen ſind. Sollen ſie ein Lied oder ſonſt eine Melodie pfeifen lernen, ſo muß man es ihnen ſchon vorpfeifen, wenn ſie noch nicht ganz fluͤgge ſind, denn zu der Zeit fangen die Maͤnnchen ſchon an, ihren eignen Geſang zu uͤben. Sie muͤſſen alsdann auch ganz allein haͤngen, denn ſonſt nehmen ſie wegen ihrer Gelehrigkeit alle Vogelgeſaͤnge an. Ich habe alte Lerchen in der Stube ge⸗ habt, die noch die Finken- und Nachtigallenfchläge vollkommen lernten. Es giebt Weibchen, die in der Stube, e gepaart zu ſein, Eier legen; ich bin aber noch nicht im Stande geweſen, ſie zum Bruͤten zu bringen. Ich weiß ein Beiſpiel, daß Jemand in mei⸗ ner Nachbarſchaft ein Lerchenweibchen hatte, welches jaͤhrlich zwan⸗ zig bis fuͤnf und zwanzig Eier legte, aber doch keins, auch bei der beſten Anſtalt, ausbruͤtete. Wo man fie in Gärten in Vo⸗ gelhaͤuſer und mit Drath uͤberflochtene freie Plaͤtze thun kann, da niſten ſie freilich eher. Krankheiten. Sie ſind allen den oben angegebenen Krankheiten unter⸗ worfen. Vorzuͤglich haͤufig werden ſie um die Wurzel des Schna⸗ bels herum grindig und gelb. Ich weiß dagegen kein beſſeres Mittel, als ſie gut zu fuͤttern, ihnen beſonders das zweite Uni⸗ verſalnahrungsmittel, immer etwas Gruͤnes, Ameiſeneier und Mehlwuͤrmer zu geben. Sie halten acht und mehrere Jahre in der Stube aus. Ja man hat Beiſpiele, daß ſie uͤber 30 Jahre alt geworden ſind. , \ Bang. Man hat ſehr verſchiedene Methoden, die Lerchen zu fan: gen, die aber genau zu beſchreiben, zu weitläufig fein wuͤrde, da man dieſe Voͤgel ohnehin im Herbſt, wo ſie in allen ebenen Gegenden mit den Nacht- und Taggarnen ſchockweiſe gefan⸗ gen werden, in Menge lebendig bekommen und ſich Maͤnnchen und Weibchen nach dem oben angegebenen Unterſchied ausſuchen kann. Man nennt dieſen Fang das ſogenannte Lerch enſtreichen. Man ſtellt entweder eine große Anzahl Netze, (Taggarne) wie Die Feldlerche. 265 Waͤnde in die Hoͤhe, und treibt die Lerchen in der Abenddaͤm⸗ merung vermittelſt eines Seiles, das auf der Erde weglaͤuft und fie aufjagt, oder vermittelſt Federlappen, hinein, oder geht des Nachts mit einem viereckigen Garne (Nachtgarne) in die Gegen⸗ den, wo man ſie in Menge vermuthet, d. i. in die Haferſtop⸗ peln und deckt daſſelbe, ſo bald ſie aufflattern, auf ſie. Diejenigen, die im Fruͤhling ein ſingendes Maͤnnchen fan⸗ gen wollen, nehmen eine Lerche, binden ihr die Fluͤgel zuſam⸗ men und oben ein kleines gabelfoͤrmiges Leimruͤthchen darauf, gehen dahin, wo eine ſchoͤn ſingende (denn es hat auch eine vor der andern, wie bei allen Singvoͤgeln, ſowohl in Anſehung der Stimme als Modulation der Toͤne einen Vorzug) in der Luft flattert, und laſſen die Lerche mit den Leimruͤthchen laufen. So⸗ bald die Lerche in der Luft dieſe auf der Erde gewahr wird, koͤmmt ſie, von Eiferſucht ergriffen, blitzſchnell herabgeſtoßen und bleibt an dem Leim haͤngen. Dies heißt der Lerchenſtich. Empfehlende Eigenſch aften. Die Feldlerche iſt ein ſehr angenehmer Singvogel. Ihr Lied beſteht aus vielen Strophen, die aber alle aus trillernden und wirbelnden, bald hohen bald tiefen Toͤnen zuſammengeſetzt ſind, und nur zuweilen durch ein wiederholtes ſtarkes Pfeifen un⸗ terbrochen werden. Sie iſt auch, wie ich ſchon bemerkt habe, ſehrn gelehrig, und nicht allein die Jungen lernen die Geſaͤnge aller Voͤgel, die in der Stube um ſie haͤngen, ſondern auch die Alten, freilich nicht alle; denn Faͤhigkeit und Unfaͤhigkeit fi findet ſich bei den Vögeln ſo gut, wie 6 bei den 1 Menſchen. Einige ſingen auch = beſſer, ſtaͤrker, melodiſcher, einige fangen ſchon in der Stube im December an, und halten bis zur Mauſer aus; andere bequemen | ſich erſt im März dazu und endigen ihren Geſang ſchon im Aus | guſt. Im Freien beſchließen ſie gewoͤhnlich denſelben um Jacobi, obgleich man auch hier Ausnahmen findet, ſo daß man um n Mi⸗ chaelis noch Lerchen ſingen hoͤrt. a | 9 N Die Haubenlerche. 124. Die Haubenlerche. (Schopf⸗, Kobel:, Koth⸗, Haͤubel⸗, Haider, Haus- und Sa⸗ latlerche, Luͤrle, Toͤppellerch, Kottlerch, und Kothmoͤnch “). Beſchreibung. Sie hat die Groͤße der Feldlerche, iſt aber ſtaͤrker, auch gleicht ſie dieſer im Gefieder, nur ſind die Farben etwas heller. Sie iſt 7 Zoll lang; der Schnabel bleifarben, an der Spitze hornbraun, der Augenſtern dunkelbraun; die Fuͤße ſind gelblich⸗ aſchgrau und 1 Zoll hoch; Kopf, Wangen, Oberhals und Ober: uͤcken find roͤthlichgrau, alle Federn in der Mitte ſchwarzbraun; von den Naſenloͤchern an laͤuft bis zu den Ohren ein roͤthlichwei⸗ ßer Strich, der uͤber den Augen kaum merklich, hinter denſelben aber ſtaͤrker wird; auf dem Kopf ſtehen acht bis zehn lange zu⸗ geſpitzte ſchwaͤrzliche Federn, die einen ſchoͤnen, beim Aufrichten gerade in die Hoͤhe ſtehenden Federbuſch bilden; die Schultern und der Mittelruͤcken find hellaſchgrau, dunkelbraun gefleckt; die Steißfedern blaßroſtgelb; das Kinn iſt roͤthlichweiß; die Seiten ſind hellgrau mit einzelnen dunkelbraunen Laͤngsſtreifen; der ganze uͤbrige Unterleib iſt ſchmutzig roͤthlichweiß; Hals und Oberbruſt dicht mit dreieckigen ſchwarzen Flecken beſetzt; die Deckfedern der Fluͤgel und die hinterſten Schwungfedern ſind dunkelbraun hell— grau eingefaßt; die Übrigen Schwungfedern dunkelbraun roſtroͤth⸗ lich kantirt; die untern Deckfedern der Flügel und die Schwung⸗ federn unten ſchoͤn roſtroͤthlich, bei recht alten ins Purpurfarbene uͤbergehend; die Schwanzfedern ſchwarz, die beiden mittelſten etwas heller und rothgrau geraͤndert, die beiden aͤußerſten aber auf der aͤußern Seite mit einer roſtgelben Kante und Spitze. Das Weibchen hat einen weniger hohen Federbuſch und eine mit mehrern und runden ſchwarzen Flecken beſetzte Bruſt. Aufenthalt. a. Im Freien. Nur im Herbſt und Winter trifft man die Haubenlerche im mittlern Deutſchland in den Staͤdten und Dörfern, auf den Landſtraßen, Miſtſtaͤtten, vor den Staͤllen und *) Alauda cristata. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 796. n. 6. Cochevis ou grosse Alouette huppée. Buffon des Ois. 5. p. 63. Crested Lark. Latham Syn. II. 2. p. 389. n. 23. Naumanns Walde, Feld- und Waſ⸗ ſervögel. II. 40. Taf. 7. Fig. 8. Die Haubenlerche. 267 Scheuern unter den Sperlingen und Goldammern einzeln und in Menge an. Eigentlich bewohnt ſie das noͤrdliche Deutſ ch land, Daͤnemark, Schweden, Rußland, Frankreich und Italien. Sie beſucht im Sommer die Gebuͤſche und Holzungen, die an Aecker graͤnzen, die Heerſtraßen in Waldungen und ſelbſt die Doͤrfer, die hoch liegen und an das Feld ſtoßen. Im Oktober verlaͤßt ſie ihre Heimath. b, In der Stube laͤßt man ſie entweder frei herumlaufen, oder ſteckt fie in einem Vogelbauer von gleicher Beſchaffenheit, wie der fuͤr die Feldlerche beſchriebene. Ich kenne keinen Vogel, dem die Federn geſchwinder wuͤchſen als dieſer Lerche, denn wenn man ihr einmal die Fluͤgel beſchnitten hat, ſo iſt es noͤthig „ fie alle 4 Wochen zu beſchneiden, weil binnen dieſer Zeit immer 3 bis 6 Federn wieder ſo groß gewachſen ſind, daß 155 im * mer herumfliegen kann. Nahrung. Im Freien naͤhrt ſie ſich von Inſekten, kleinem Geſaͤme und Hafer und in der Stube frißt ſie alles, was die Feldler⸗ che frißt, hat aber mehr Dauerhaftigkeit, wird auch nicht ſo leicht krank und gegen zwoͤlf Jahr alt. Fortpflanzung. Ihr Neſt legt ſie auf der Erde unter vertrocknete Gebuͤſche und unter Erdſchollen, in Gaͤrten unter die Gartengewaͤchſe oder auf die Lehmwaͤnde an. Ja ſie baut auch wohl auf die Strehdaͤ⸗ cher. Sie legt vier bis fuͤnf weißgraue, roſtgrau gewoͤlkte und am obern Rande dunkelbraun gefleckte Eier. Die Jungen ſehen vor dem erſten Mauſern weißbunt aus, und werden halb fluͤgge aus dem Neſte genommen und aufgezogen, wo ſie allerhand, was man ihnen vorpfeift oder von andern Vögeln vorgepfiffen wird, lernen. a | Krankheiten hat ſie mit den uͤbrigen Lerchenarten gemein; doch ſtirbt ſie auch * an der Laͤuſeſucht'). ) Ich habe ſchon mehrmals darauf hingedeutet, daß es unter den Vögeln eben die verſchiedenen Tugenden und Laſter des Temperaments, und Charak⸗ „ ters, wie unter den Menſchen giebt. Hier will ich ein Beiſpiel dazu anfüh⸗ ren. Ich beſitze zwei eee e wovon das eine faſt nicht eine Die Waldlerche. Fang. Im Winter entbloͤßt man einen Platz, wo man ſie immer herumlaufen ſieht, vom Schnee, beſtellt ihn mit Leim ruthen, einem Schlaggarn oder auch mit einem Siebe, und ſtreut zur Koͤrnung Hafer und Mohn hin, ſo fangen ſie ſich ſehr leicht. Empfehlende Eigenſchaften. Ihr Geſang iſt ungemein angenehm und abwechfelnd, ob: gleich nach meinem Geſchmack nicht ſo ſchoͤn, als der der Feld⸗ lerche. Er ſcheint aus dem Geſange der Feldlerche und des Haͤnf⸗ lings zuſammengeſetzt zu ſein. Sie ſingen auch des Nachts. Ihre Singzeit dauert vom Februar bis Auguſt, doch ſingen die jung aufgezogenen auch langer. Daß ſie ſehr gelehrig find, habe ich oben ſchon bemerkt. In der Stube iſt es ein angenehmer Vogel, der nicht den wackelnden Gang der Feldlerche hat, ſondern ſehr geſchwind durch das Zimmer laͤuft, und mit der Kopfhaube, die oft perpendikulaͤr in die Höhe ſteht, allerhand ſpielende Bewe⸗ gungen macht. Sie iſt ſehr ſtreitſuͤchtig, pflegt aber ſtets dazu zu ſingen, wenn ſie ſich mit andern Voͤgeln oder ihres Gleichen zankt oder beißt. 125. Die Waldlerche. (Baum⸗ Heide: Holz- Buſch⸗ Stein» Dull: und Luͤdlerche“). (Taf. IV. Fig. 3.) Beſchreibung. Dieſer vortreffliche Stubenvogel iſt mehr als das Drittel kleiner als die Feldlerche, nur 6 Zoll lang, ſonſt ihr aber in Ge: einzige Laus oder Milbe, womit dieſe Vögel oft geplagt werden, auf ſich aufkommen läßt, ſondern ſie alle zerſtört, das andere hingegen, (das ſonſt kei⸗ nen Fehler hat, das ſehr ſchön ſingt ꝛc.) ſo voll dieſer kleinen Lerchenmilben iſt, daß die Federn inwendig von den Spitzen an bis zum bloßen Körper mit Nüßen, wie mit klarem grauem Sand beſtreut ſind, ſo daß einem, wenn man ſie anfaßt, gleich die Hände voll Milben laufen. Es lebt ſchon vier Jahre bei mir, befindet ſich aber, da es ſich gut zu füttern weiß, noch recht wohl, trotz den Millionen Läuſen, die ſich auf ihm nähren. ) Alauda arborea. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 793. n. 3. Alauda nemorosa. Gmelin Lin. I. c. p. 797. n. 21. Alouette des bois ou Cu- jelier. Buffon des Ois. 5. P. 25. Woodlark. Latham Syn. II. 2. p. 371. u. 3. Friſch Vögel. Taf. 15. Fig. 2. a. Die Waldlerche. 20869 ſtalt und Betragen aͤhnlich. Der Schnabel iſt oben ſchwarz und unten braun, an der Spitze ins Fleiſchfarbene uͤbergehend; die Füße find / Zoll hoch, und hellbraunfleiſchfarben. Der Oberkopf iſt roͤthlichbraun mit vier ſchwarzbraunen Strichen, hat lange gerade Federn, die den Kopf breit machen, ſich im Affecte zu einem Fe⸗ derbuſche aufſtraͤuben, den ein weißlicher, ins Aſchgraue fallender Kranz von einem Auge bis zum andern umgiebt; die Schlaͤfe ſind braun; der Hinterhals und Oberruͤcken roͤthlichbraun mit ſchwarzbraunen Flecken; der Unterruͤcken graubraun; um die Bak⸗ ken herum, an Kehle, Gurgel und Bruſt weißgelblich mit ſchwarz⸗ braunen Flecken; der uͤbrige Unterleib gelblichweiß; die Deckfe⸗ dern der Fluͤgel dunkelbraun mit blaßroͤthlichbrauner Einfaſſung, doch am Fluͤgelgelenke, der Schulter und den vier erſten Deckfe⸗ dern ein weißer Fleck; die Schwungfedern dunkelbraun, an der ſchmalen Fahne gelblichweiß kantirt; die Schwanzfedern breit, ſchwarzbraun, die erſte und zweite mit einem roͤthlichweißen, keil⸗ foͤrmigen Fleck und einer weißen Spitze, die beiden mittlern ganz graubraun, wie die langen obern Deckfedern, die faſt bis an das Ende des kurzen Schwanzes reichen. e Das Weibchen iſt ſchoͤner; die Grundfarbe iſt mehr weiß; die Zeichnung ſchwaͤrzer; die Bruſt mehr geſprengt; der Kranz deutlicher und die Einfaffung der Backen heller“). Aufenthalt. a. Im Freien. Sie bewohnt vorzuͤglich die gemaͤßigten Gegenden von Europa. Im Sommer trifft man ſie in den ebe⸗ nen Schwarzwaͤldern, wo Felder und Wieſen in der Naͤhe ſind, an, doch geht ſie auch mitten in die gebirgigen Waldungen, wenn ſie mit Haiden und Wieſen abwechſeln. Sie zieht außer der Heckzeit in kleinen Truppen zu zehn bis zwoͤlf. Im Oktober ſieht man ſie auf ihrem Wegzuge und zu Anfang des März 0 ihrer Ruͤckkehr allenthalben in den Haferſtoppeln. b. In der Stube laͤßt man ſie lieber auf dem Boden frei herum laufen, weil ſie, nach meiner Erfahrung, beſſer ſingen, . als wenn man fie im Kaͤfig einſperrt. Man giebt ihnen, als ) Es iſt eine ausgemachte Erfahrung, daß die mehr gefleckten Lerchen, ſowie die, welche einen hellern, nicht röthlichen, ſondern mehr weißen Grund ind. unter allen unſern einheimischen Arten ſtets weiblichen e Die Walbdlerche. etwas zaͤrtlichen Voͤgeln, immer Waſſerſand zum Baden und zur Aufſuchung der Verdauungskoͤrner. Nahrung. a. Im Freien. Dieſe beſteht im Sommer in allerhand Inſekten, im Herbſt in verſchiedenen Saͤmereien, Mohn, Ruͤbſa⸗ men, Leindotter, Hirſen, Hafer, und im Fruͤhjahr, wenn die Inſekten und Regenwuͤrmer mangeln, in gruͤner Saat, Brunnen⸗ kreſſe und andern Kraͤutern, und, im Nothfalle, auch in Haſel⸗ zaͤpfchen. b. In der Stube kann man ihnen das Univerſalfutter ge- ben; da ſie aber zaͤrtlicher als die beiden vorhergehenden Arten ſind, ſo muß man immer mit dem Futter abwechſeln, und ihnen zuweilen Mohn, Hafer, zerdruͤckten Hanf, ſuͤßen Kaͤſequark, dürre und friſche Ameiſeneier, zerriebenes gekochtes Rinderherz, Korn⸗ malz, Mehlwuͤrmer ꝛc. vorwerfen. Wenn man ſie wild in die Stube bringt, ſo laſſen ſie ſich am beſten durch hingeſtreuten Mohn, Hafer und Ameiſeneiern zum Freſſen bringen. Fortpflanzung. Dieſe Lerche baut ihr Neſt ins Haidekraut, unter die Wach⸗ holderbuͤſche, in Gehegen in tiefes Gras, auch auf den nahe an die Waͤlder graͤnzenden Aeckern in die Raine unter einem Raſen. Es beſteht aus weißen duͤrren Grashalmen, und iſt mit Moos, Wolle und Haaren durchwirkt. Die vier bis fuͤnf Eier ſind mit Weißgrau und Violetbraun geſprengt. Man kann die Jungen, welche man aus dem Neſte nimmt, mit Ameiſeneiern, und Sem⸗ meln in Milch geweicht aufziehen. Wenn man die Alten beim Neſte fangen kann, ſo ziehen ſie die Jungen mit Ameiſeneiern ſehr leicht auf. Sie lernen allerhand Geſaͤnge der Voͤgel, die ſie in der Stube hoͤren, nachpfeifen; es klingt aber nicht ſo ange⸗ nehm, als wenn ſie ihren natuͤrlichen Geſang ſingen. d Krankheiten. Sie ſind den meiſten, in der Einleitung angegebenen Krank⸗ heiten ausgeſetzt, und leiden noch beſonders daran, daß in der Stube ihre Fuͤße leicht anbruͤchig werden. Man muß daher forgfältig darauf ſehen, daß fie immer reinliche Füße haben; denn jedes Haar ſchneidet ein, und macht, daß ein Zehen ab⸗ ſchwaͤrt. Im Alter — fie leben hoͤchſtens vier Jahre, laͤnger Die Waldlerche, 2271 habe ich ſie trotz aller angewandten Sorgfalt nicht erhalten koͤn⸗ nen, — werden ohnehin die Beine ſo muͤrbe, daß ſie ſehr leicht zerbrechen. Die meiſten Voͤgel dieſer Art ſind mir an einem Bruch der Beine geſtorben. Es iſt dies etwas ganz Eigenes, was ich an keinem andern Vogel bemerkt habe. Fang. . Beim Neſte fängt man fie mit Leimruthen. Wenn man aber nicht gern gepaarte Voͤgel trennen und ihre Brut zerſtoͤren will, ſo kann man ſie im Herbſt mit dem Nachtgarn, oder im Fruͤhjahr, wenn Schnee fällt, wo ſie nach den von Schnee ent— bloͤßten Plaͤtzen fliegen, die man mit Leimruthen oder einem Garn beſteckt, am beften fangen. Hat man eine lodende Wald— lerche, fo kann man fie im Frühjahr auch unter das Schlaggarn locken laſſen, das man im Felde, wo man Schaaren von dieſen Voͤgeln liegen ſieht, aufſchlaͤgt. Oder da fie einem ſolchen Loc: vogel gern nachlaufen, ſo wirft man, wenn noch Schnee liegt, Hafer in die aufgethauten Furchen und beſteckt dieſe mit Leim⸗ ruthen. Man kann ſie auch, wie die gemeinen Finken, durch Stechen fangen, indem man naͤmlich eine Waldlerche mit einem gabelfoͤrmigen Leimruthenzweiglein dahin laufen laßt, wo ein ans derer Vogel der Art ſeinen Stand hat. Hierdurch iſt der Liebe haber der Stubenvoͤgel auch ſicher, daß er ein Maͤnnchen be⸗ koͤmmt. Empfehlende Eigenſchaften. Unter den Lerchen ſingt die Waldlerche am ſchoͤnſtenz ja nach meinem Geſchmacke ſingt ſie unter allen deutſchen Voͤgeln, die ihren natuͤrlichen Geſang haben, die Nachtigall und den gemei⸗ nen Finken ausgenommen, am anmuthigſten. Ihre Stimme iſt hellfloͤtenartig, und die deutlich abwechſelnden Strophen ihres Geſanges klingen zärtlich melancholiſch. Im Freien fliegt ſie von dem Gipfel eines Baums ſo hoch in die Luft, daß ſie das Auge kaum erreichen kann und haͤngt gleichſam mit ausgebreitetem Schwanze lange Zeit auf einem Flecke und ſingt ſo, oft ſtunden⸗ lang, ununterbrochen fort. Sie ſingt aber auch auf dem Gipfel eines Baums ſitzend. In der Stube ſitzt ſie ganz ſtill hinter dem Ofen und lullt und orgelt ihr ſchoͤnes Lied. Im Freien ſingt ſie vom Maͤrz bis Juli, und im Zimmer vom Februar bis Die Berglerche. Auguſt. Das Weibchen ſingt auch, wie bei allen Lerchenarten, einige Strophen, doch weniger anhaltend. Manche Voͤgel unter ihnen ſind ſo eigenſinnig, daß ſie ſchlechterdings nicht in der Stube ſingen wollen, wenigſtens nicht, wenn ihnen eine Perſon zuhoͤrt. Solche haͤngt man in einem Vogelbauer ans Fenſter. Gewöhnlich find dieſe Halsſtarrigen, wie unter den meiſten Voͤ⸗ geln, die beſten Saͤnger. Durch ihren hurtigen, ruckweiſen Gang, wobei ſie beim Ende jedes Ruckes ſtets den Hals und die Kopf⸗ federn in die Hoͤhe heben, vergnuͤgen ſie auch in der Stube. 126. Die Berglerche. (Winter: Schnee: oder Alpenlerche*). Sie iſt etwas ſtaͤrker als die Feldlerche, 7 Zoll lang, hat am Oberleibe die naͤmliche Farbe, Kehle und Unterhals ſind aber hellgelb, und uͤber letztern und die Bruſt laͤuft ein ſchwarzes Band, das unterhalb wie ein Hufeiſen ausgehoͤhlt iſt. Sie be⸗ wohnt eigentlich den Norden von Europa, kommt aber auch im Winter nach Deutſchland, und ſucht die unverdauten Kerne im Pferdemiſt auf. Auf der Mittagsſeite des Thuͤringerwaldes wird ſie auf ihrem Heimzuge, wenn noch ſtarker Schnee im Maͤrz faͤllt, mit Leimruthen und kleinen Garnen gefangen. Sie iſt aber immer ſo abgezehrt, daß ſie nicht leicht ans Stubenfutter geht. Uebrigens kann ſie, wie andere Lerchen, gehalten werden. ) Alauda alpestris. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 800. n. 10. Alouette de Virginie, ou Hausse - col noir. Buffon des Ois. 5. p. 55. Shore- lark. Latham Syn. II. 2. p. 385. n. 19. Friſch Vögel. Taf. 16. F. 1. 1 Der Baumpieper oder die Spitzlerche. 1 127. Der Baumpieper oder die Spitzlerche⸗). (Taf. VI. Fig. 4.) | (Pieplerche, Spießlerche, Gereuthlerche, Krautlerche, Waldbach⸗ ſtelze, Leinvogel, Haidelerche, Isperling.““) Beſchreibung | Sie iſt unter den deutſchen Lerchen die kleinſte, 5 ½ Zoll lang, wovon der Schwanz 2½ Zoll mißt. Der Schnabel iſt ſehr zugeſpitzt, die obere Kinnlade ſchwarzbraun, die untere weiß- lich; der Augenſtern dunkelbraun und die 10 Linien hohen Fuͤße mit den Zehen blaß fleiſchfarben. Der Nagel der Hinterzehe nicht gerade, ſondern gekruͤmmt. Der Kopf iſt mehr lang als rund und mit dem Nacken, Ruͤcken, Steiß und den Seiten olivenbraͤunlich, ſchwaͤrzlich gefleckt, an dem Kopf am kleinſten, und auf dem Ruͤcken am ſtaͤrkſten; der Unterleib bis zum Bauch rothgelblich oder vielmehr roſtgelb mit ſchwarzen laͤnglichen Flek⸗ ken, die vom Schnabelwinkel an der Seite der Kehle herablau⸗ fen, und ſich uͤber die Bruſt ausbreiten; der Bauch und Steiß weiß; die kleinern Deckfedern der Fluͤgel olivenbraͤunlich, die groͤ⸗ ßern zwei Reihen ſchwaͤrzlich, die obern mit weißlicher Einfaſ⸗ ſung und die untern mit roͤthlichweißer, daher zwei weißliche Streifen auf den Fluͤgeln hinlaufen; die Schwungfedern dunkel⸗ braun, olivengrau kantirt; der Schwanz dünn und etwas gabel⸗ foͤrmig, alle Federn etwas zugeſpitzt, dunkelbraun, die aͤußerſte aͤußerlich zur Haͤlfte weißlich, die zweite in der Mitte an der chen gezählt, allein ſie ſind ihnen nur wegen der Farbe ähnlich, und daß zwei einen langen Hinternagel haben; denn außerdem haben ſie einen pfrie⸗ men⸗ faſt walzenförmigen Sch nabel, der, wie bei den Bachſtelzen, an der Spitze des Oberkiefers ausgeſchnitten if. Der Leib iſt weit ſchlanker. Sie bewegen den Schwanz, wie eine Bachſtelze. Sie nähren ſich in der Freiheit blos von Inſekten und freſſen keine Sämereien. „Auf den Flügeln haben ſie zwei helle Bänder; die Kehle iſt hell und ungetüpfelt, und über die Augen läuft ein heller Streif. Sie baden ſich nicht wie die Lerchen im Sande, ſon⸗ dern im Waſſer. Alle haben eine ängſtliche piepende Lockſtimme. Sie ma⸗ chen ein paſſendes Bindeglied zwiſchen den Bachſtelzen (Motacilla) und den Lerchen. Ich nenne die Gattung Pieper (Anthus) f 0 Anthus arboreus, mihi. Alauda Trivialis. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 796. n. 5. Alouette Pipi. Buffon des Ois. 5. p. 39. t. 4. Pit Lark or Grashopper. Latham Syn. II. 2. p- 419. n. 20. p. 375. n. 5. Meine N. G. Deutſchlands III. Taf. 36. Fig. 1. Naturgeſch. d. Stubenvögel. 18 — A —— 274 Der Baumpieper oder die Spitzlerche. Spitze mit einem kleinen keilfoͤrmigen weißen Fleck; die Unterfluͤ⸗ gel grau und ihre Deckfedern gelblichgrau. Das Weibchen iſt wenig vom Maͤnnchen 2 Kehle, Hals und Bruſt ſind nicht fo hoch roſtgelb, ſondern mehr weiß: lich; der weiße Fleck in der zweiten Schwanzfeder iſt kleiner und die zwei Streifen auf den Fluͤgeln ſind weißer. Auch alle einjaͤh⸗ rige Maͤnnchen ſehen nicht ſo roſtgelb am Unterleibe aus. - Aufenthalt. a. Im Freien. Sie bewohnt Europa, die kaͤlteſten Zo— nen ausgenommen, und niſtet in den bergigen, waldigen Gegen— den Deutſchlands ſehr haͤufig. Ihren Aufenthalt hat fie eigent⸗ lich in Waldungen, die an Aecker graͤnzen, und in den Gaͤrten und Wieſen, die in der Naͤhe liegen. Sie ſuchen ſich im Walde meiſtens die lichten Gegenden aus, wo Holz ausgereutet iſt, da— her ſie auch gewoͤhnlich von den Jaͤgern Gereuthlerche genannt werden. Schon im Auguſt ziehen ſie in kleinen Geſellſchaften ins Feld, beſonders in die Kohl: und Krautfelder, und kommen dann auch in die Dörfer auf die Hausdaͤcher, im September aber ge: hen fie auch in die Haferfelder; deßwegen faͤngt man fie im An: fang des Oktober in den Nachtgarn en, die man für die Feld— lerchen aufſtellt. Sie kommen in den letzten Tagen des Maͤrz wieder an, und alsdann ſieht man ſie bei eintretender kalter Wit⸗ terung auf den Haferaͤckern und bei warmen Quellen. Der Baum⸗ pieper hat die beſondere Eigenſchaft, welche nur ſehr wenige Voͤ⸗ gel mit ihm gemein haben, daß er außer der Heckzeit, alſo im Herbſt, Winter und Fruͤhjahr, ganz andere Toͤne von ſich giebt. Er ſetzt ſich alsdann auch mehr auf die Erde, und laͤßt die pie⸗ penden Toͤne von ſich hören, die ihm den Namen Pieplerche ver- ſchafft haben, die aber eigentlich Gieck, Gieckgieck! klingen. wur Lockſtimme aber, die er zur Zeit der Begattung, oder wenn Junge hat, hoͤren laͤßt, iſt ein zaͤrtliches und aͤngſtliches: Zip 310 und wird blos in der Gegend ſeines Neſtes vernommen. Man kann daher ſicher darauf rechnen, wenn man das Geſchrei von ihm von einem Baum herab hört, daß man feinem Neſte nahe iſt, und wenn er Junge hat, ſo ſieht man ihn auch mei— ſtens mit einem Schnabel voll Inſekten ſitzen und ſein Geſchrei in dem Verhaͤltniß verdoppeln und verſtaͤrken, je näher man ſei— Der Baumpieper oder die Spitzlerche. E mals die piependen Toͤne Gieck. nem Neſte kommt. Zu der Zeit hört man auch ſelten oder nie⸗ b. In der Stube. Ich laſſe den Baumpieper gewoͤhnlich in der Stube unter den andern Voͤgeln herumlaufen. Wo man es aber der Muͤhe werth haͤlt, dem Vogel einen eigenen Käfig zu geben, fo bleibt er freilich laͤnger am Leben, und ſingt auch beſſer. Man thut ihn in einen gewoͤhnlichen Lerchenkaͤfig, wel⸗ chem man aber zwei Springhoͤlzer geben muß, weil er ſich gern aufſetzt. Nahrung. a. Im Freien. Hier nähren fie fih vorzüglich von Muͤk⸗ ken, Heuſchrecken, Fliegen, Raupen, kleinen Schmetterlingen und Kaͤfern ꝛc. | 3, b. In der Stube find fie zärtlich, und wollen daher ein ſehr abwechſelndes Futter haben. Außer den oben erwaͤhnten Univerſalnahrungsmitteln muß man ihnen alſo zuweilen das ge⸗ woͤhnliche Nachtigallenfutter, zerdruͤckten Hanf, ſuͤßen Quark, Mehlwuͤrmer ꝛc. geben. | = Das Schwierigfte bei ihrer Unterhaltung ift, fie Anfangs an Stubenfutter zu gewoͤhnen; man muß ihnen daher, wenn man ſie ins Zimmer bringt, Mehlwuͤrmer Heuſchrecken, denen man die Fuͤße ausreißt, und Ameiſeneier hinwerfen, und dieſe Dinge, ſobald ſie freſſen, unter eins der gewoͤhnlichen Futter thun, daß ſie es koſten und ſich nach und nach daran gewöhnen. Sie baden ſich nicht, wie andere Lerchen, im Sande, ſon⸗ dern ſtecken gewoͤhnlich nur den. Schnabel ins Waſſer und be⸗ ſpritzen ſich. | * = 33 Fortpflanzung. Sie niſten des Jahres zweimal auf lichten Plaͤtzen im Walde an der Erde, hinter einem Buſch, Erdkloß, in Gaͤrten und auf Wieſen in Gras. Das Neſt iſt ſchlecht gebaut, beſteht aus duͤr⸗ ren Grashalmen, inwendig aus feinern gruͤnen und duͤrren, und aus Pferde- und andern Thierhaaren. Die vier bis fünf Eier ſind grau, braun marmorirt. Die Jungen fliegen aus, ſobald fie nur ihre Flügel brauchen koͤnnen, weil ihnen auf dem Boden von zu viel Feinden nachgeſtellt wird. 0 Man zieht ſie mit Ameiſeneiern und Semmeln in Milch ge⸗ 18 * 2 276 Der Baumpieper oder die Spitzlerche. weicht auf, worunter man etwas Mohn miſcht. Sie find geleh— rig, und lernen allerhand Melodieen der Voͤgel, beſonders der Canarienvoͤgel in der Stube nachſingen, doch nichts vollkom⸗ menes. N N18 5 > Krankheiten. Sie ſind den gewoͤhnlichen Voͤgelkrankheiten unterworfen, auch fallen ihnen zuweilen, außer der Mauſerzeit, die Federn aus. Wenn man ihnen alsdann nicht durch gute Nahrungsmit⸗ tel z. B. Mehlwuͤrmer und Ameiſeneier zu Huͤlfe kommt, ſo bekommen ſie die Auszehrung und ſterben. Sie leben ſechs Jahre. ö : Fang. Beim Neſte kann man fie mit Leimruthen am leichteſten fangen. Wer es alſo uͤber ſich bringen kann, eine Familie zu zerſtoͤren, der erreicht auf dieſe Art feinen Zweck am gewiſſeſten. Auch kann man das Maͤnnchen im Fruͤhjahr dadurch bekommen, (und dieß halte ich auch für erlaubter, da ſich das Weibchen leicht ein anderes Maͤnnchen holen kann), daß man im Maͤrz ein Maͤnnchen mit abgeſchnittenen Fluͤgeln und einem gabelfoͤrmigen Zweiglein, mit Vogelleim beſtrichen auf den Schwanz gebunden, unter den Baum laufen laͤßt, wo das ſingende Maͤnnchen ſitzt. Dieß will, wie die gemeinen Finken, keinen Nebenbuhler leiden, ſtoͤßt herab, und fängt ſich. Sonſt kann man fie im Herbſt in dem Nachtgarn, wenn man ſich den Ort merkt, wo ſie in den Haferſtoppeln liegen, fangen. So ſuche ich fie zu bekommen. Freilich iſts dann etwas ſchwer, die Weibchen von den Maͤnn⸗ chen zu unterſcheiden. Es iſt auch ein gewoͤhnlicher Traͤnkvogel, den man bis im September auf dem Traͤnkherde fangen kann. | Bye 8 rn Empfehlende Eigenſchaften. Ihr Geſang, obgleich er blos aus drei gezogenen trillernden und lullenden Strophen beſteht, iſt doch ſehr angenehm. Sie ſingen entweder auf dem Gipfel eines Baumes ſitzend, oder ſchwingen ſich von demſelben auf einige Augenblicke in tiefer Rich⸗ tung flatternd in die Höhe, laſſen ſich ſanft fliegend faſt immer auf die naͤmliche Stelle wieder nieder und rufen im Niederſetzen Zia, zia, zial! Man hört fie vom Ende des März bis im Der Brachpieper. — Der Wieſenpieper. > ar Juli. In der Stube fangen fie aber ſchon im Februar an zu fingen und hören erſt im Juli auf. Nicht blos durch ihren Ge⸗ ſang, ſondern auch durch ihr Betragen, indem ſie einen langſa⸗ men bedaͤchtlichen Gang haben, ſich immer ſchmuck halten, und den Schwanz unaufhoͤrlich langſam bewegen, machen fie fich beliebt. f 5 128. Der Brachpieper oder die Brachlerche. (Gereuthlerche, Feldbachſtelze, graue Bachſtelze.“ | Sie iſt kleiner und ſchlanker als die Feldlerche, 6 ½ Zoll lang, der Haubenlerche in der Farbe und dem Baumpieper in der Geſtalt aͤhnlich. Der Schnabel iſt ſtark und lang; der Ober⸗ leib dunkelgrau mit einzelnen ſchwaͤrzlichen Flecken; über den Au⸗ gen ein weißer Strich; auf der gelblichweißen Bruſt ſtehen nur einzelne ſchwarzgraue Strichelchen; der Schwanz iſt dunkelbraun, die beiden aͤußerſten Federn nach außen weißlich; die Fuͤße blaß fleiſchfarben; der Nagel der Hinterzehe ſtark und ge— kruͤmmt. 2% Man trifft fie im Sommer auf. holzreichen Rieden (ſum⸗ pfigen Gegenden), und im Herbſt auf den Feldrainen, in Fahr⸗ wegen und auf Wieſen an, und faͤngt ſie im Nachtgarn. Sie ſingt nicht, ſondern ſchreit nur unaufhoͤrlich, wenn ſie ihre weit⸗ läufigen Schwenkungen in der Luft macht, Zirrhuͤ und Dazi⸗ da! Sie zieht im September weg, und kommt im April wie⸗ der. Sie naͤhrt ſich wie der Baumpieper, und muß in der Stube eben ſo behandelt werden, da ſie noch zaͤrtlicher iſt. 129. Der Wieſenpieper oder die Wieſenlerche. (Wieſen⸗, Sumpf⸗, Piep⸗, Schaf⸗, Kraut⸗, Zip: und Grillen: lerche, Huͤſter, Hiſter, Pisperling, Isperling, Wisperle Grein: voͤgelchen, Krautvoͤgelchen.“) Beſchreibung. Dieſer Pieper hat viel Aehnlichkeit mit dem Baumpieper. *) Anthus camgestris, mihi. Alauda campestris. Gmelin Lin. I. 2. p. 794. n. 4. La Spipolette. Buffon des Ois. 5. p- 43. Field lark. Latham Syn. II. 2. p. 373. n. 10. Friſch Vögel. Taf. 15. Fig. 2. b. ) Anthus pratensis, mihi. Alauda pratensis. Gmelin Lin. Syst. 1. 278 Der Wieſenpieper oder die Wieſenlerche. Man kann ihn aber leicht von demſelben unterſcheiden, da er einen langen graden Nagel an der Hinterzehe hat, wel: cher Theil bei jenem gekruͤmmt iſt. Außerdem iſt er auch kleiner, der Schnabel duͤnner, die Fuͤße ſind roͤther, der Kopf ſtaͤrker und der Schwanz kuͤrzer. Der Oberleib iſt olivengruͤn, braunſchwarz gefleckt; der Steiß roͤthlich graugruͤn, grau gewaͤſſert; über den Augen ein deutlicher gelbweißer Streifen, ein gleicher um die Backen herum; der Unterleib ſchmutzig weiß, an der Bruſt roth— gelblich, und an den Seiten der Bruſt und des Bauchs gruͤn⸗ gelb angeflogen; die Bruſt mit eirunden und der Oberbauch mit dreieckigen ſchwaͤrzlichen Flecken dicht beſetzt. Ueber die Fluͤgel laufen zwei weißliche Baͤnder; die Schwungfedern ſind dunkel⸗ braun; die Schwanzfedern ſchwaͤrzlich, die aͤußerſte Feder zur Haͤlfte weiß, und die folgenden mit einem keilfoͤrmigen weißen Neck; der Schwanz ſtark und etwas gabelfoͤrmig. Die Länge iſt 5 ½ Zoll, wovon der Schnabel / und der Schwanz zwei Zoll wegnimmt. Das Weibchen iſt etwas heller, und beim Männchen ſte⸗ hen noch auf der Bruſt drei bis vier ſchwaͤrzliche Flecken ſo dicht beiſammen, daß ſie in einander laufen. Aufenthalt. a. Im Freien. Man trifft dieſe Voͤgel auf großen Bruͤ⸗ chen, an Seen und Fluͤſſen, auf feuchten Wieſen in Ebenen und weiten Thaͤlern an. Im September ſind ſie in Menge au den Wieſen, auf den Haferſtoppeln und unter den Schafen. Im Oc— tober bilden ſie große Herden und ſtreichen weg. Es ſind faſt die letzten Zugvoͤgel, denn noch im November und December hoͤrt man ſie auf feuchten Wieſen und an Quellen ihr hohes heißeres Bis, bis! ſchreien. Im Maͤrz, ſo bald ſchoͤne Tage kommen, ſind ſie wieder in Menge auf naſſen Wieſen anzutreffen. b. In der Stube. Man laͤßt ſie unter andern Voͤgeln auf — — Boden im Zimmer herumlaufen, oder ſteckt ſie in einen Lerchenkaͤfig, der aber, wie bei dem Baumpieper, Springhoͤlzer haben muß, denn ſie ſetzen ſich, wie jene, auf Buͤſche und Baͤume. 2. p. 792. n. 2. Alouette des pres on Farlouse. Buffon des Ois. 5. p. 31. Cie Pieplerche. Friſch Vögel. Taf. 16. Fig. 2.4. Der Waſſerpieper. 279 Nahrung. a. Im Freien. Hier ſind es kleine 8 beſonders Waſſerinſekten, Fliegen, Muͤcken ꝛc. b. In der Stube hat man Muͤhe, ſie an eine ee koſt zu gewoͤhnen. Sie ſind die zaͤrtlichſten Pieper. Wenn man ihnen Stuͤcken von Mehlwuͤrmern und Ameiſeneier unter einge⸗ weichte Semmeln und Gries thut, ſo gewoͤhnen ſie ſich an dieß Futter. Sie wollen aber zu ihrem Wohlbefinden immer einen Mehlwurm und etwas Ameiſeneier. Man thut daher am beſten, fie in einen Käfig zu ſtecken und mit Nachtigallenfutter zu Be Fortpflanzung. | Ihr Neſt wehte in Bruͤchen und naſſen Wieſen auf einem e Krankheiten. Die meiſten ſterben in der Stube an der Auszehrung und dem Durchfall. Fang. Im „Herbſt faͤngt man ſie beim Lerchenſtreichen im Nacht⸗ garn. Im Fruͤhjahr ſtellt man Leimruthen auf die feuchten Stellen in den Wieſen, wo ſie immer herum laufen. Wenn noch Schnee faͤllt, ſo macht man auf den Wieſen einen Platz leer, und fie fliegen dahin und fangen ſich ebenfalls auf den Leimru⸗ then. Will man ſeines Fangs gewiß ſein, ſo darf man nur mit einem Pferdehaar einen Mehlwurm an eine ſolche a binden. 5 Empfehlende ) Es ſind ſehr niedliche Stubenvoͤgel. Ihr Geſang iſt melo— dieenreich, klingt wie ein Gloͤckchen, hat Aehnlichkeit mit dem des Baumpiepers, nur mehrere Strophen und niedlichere Triller. Es find Schläge darin, wie fie der Canarienvogel hat. 130. Der Waſſerpieper. (Waſſer⸗, Sumpf-, Moor-, Dreck- und Kothlerche.“) Beſchreibung. Es iſt der er größte Pieper, 7 Zoll lang, wovon der Schna— *) Anthus aquaticus, mihi. Alauda Spinoletta. Lin. Be ed. 12. I. p. 288. n. 7. Meine N. G. ä HL. Taf. 36. Fig. 280 Der Wafferpieper. bel 7 Linien und der Schwanz 3 Zoll wegnimmt; die Fluͤgel⸗ klaftern 11 ¼ Zoll. Die Stirn iſt geſtreckt; der Schnabel oben mit ſcharfer Kante, im Sommer hornblau, im Winter braun mit gelben Raͤndern; die Fuͤße ſind kaſtanienbraun und ungeſchickt groß und der Nagel der Hinterzehe lang und ſtark. Der Oberleib iſt olivengrau, olivenbraun gewaͤſſert; durch die Augen geht ein undeutlicher weißer Streifen; der Unterleib iſt graulich weiß, an der Gurgel und Bruſt mit dreieckigen dunkelbraunen Flecken beſetzt; die Flügel find ſchwargrau mit zwei weißen Strei⸗ fen; der Schwanz ſtark, etwas gabelfoͤrmig und ſchwaͤrzlich; die aͤußerſte Feder mit einem feilförmigen weißen Fleck, die zweite mit einer unrein weißen Spitze. Das Weibchen iſt am Oberleibe mehr dunkel maͤuſegrau, und der Unterleib, beſonders nach den Seiten zu, ſtaͤrker ges leckt. N — Aufenthalt. eh a. Im Freien. Ich habe diefen Vogel nur auf feinem Zuge zu Ende October und Anfangs November in Thuͤringen und Franken geſehen. Hier laͤuft er an und in ſeichten Waſ⸗ ſern, beſonders am Quellwaſſer herum. Er bleibt bei gelindem Winter oft bis zum Maͤrz da. b. In der Stube. Ich habe ihn immer auf dem Boden unter andern Voͤgeln herum laufen laſſen. Man kann ihn auch in einen Lerchenbauer, der aber Springhoͤlzer haben muß, thun. Er gewoͤhnt ſich leicht. ü Nahrung. a. Im Freien. Hier naͤhrt er ſich, wie die Bachſtelze, von Waſſerinſekten. : b. In der Stube. Unter allen Piepern läßt er ſich am leichteſten ans Stubenfutter gewöhnen. Ich habe ihm unter das gewöhnliche Univerfalfutter ein Paar Mehlwuͤrmer gelegt, und er hat gleich angefangen zu freſſen. Er frißt auch bald Mohn und gequetſchten Hanf. Er badet ſich im Waſſer. a Fang. Ich habe ſie mit Leimruthen auf folgende Art gefangen. Ich reinigte am Waſſer einen Platz vom Schnee, ſteckte Leimru⸗ Der gemeine Staar. 2081 then darauf, legte einige Mehlwürmer hin, und trieb die Voͤgel leiſe nach der Stelle. Sie fangen ſich gleich. Empfehlende Eigenſchaften. Ich liebe dieſen Vogel ſehr. Er iſt immer ſtill und ruhig, und wackelt mit dem Schwanze faſt fo ſehr als ein Strandlaͤu— fer. Sein Geſang gleicht dem des Zeiſigs und der Schwalbe oder klingt, wie wenn man eine Sichel wetzt. Er lockt Hiſch, Hiſch! heiſer und hoch. Noch empfiehlt ihn ſeine Reinlich⸗ keit. RR. | 7 131. Der gemeine Staar. (Staar, Sprehe, Spruhe, Staarmatz.“ Beſchreibung. Er gleicht an Groͤße und Geſtalt der Rothdroſſel und iſt 8 ½ Zoll lang, wovon der Schwanz 2½ Zoll mißt. Der Schnabel iſt 1 Zoll lang, pfriemenfoͤrmig, eckig niedergedruͤckt, ein wenig ſtumpf, blaßgelb, an der Spitze braun, an den Enden blau; im Winter wird er ſchwarzblau; der Augenſtern iſt nußbraun; die Fuͤße ſind dunkelfleiſchfarbig und 1 Zoll hoch. Der ganze Leib iſt ſchwaͤrzlich, oben bis zur Haͤlfte des Ruͤckens und unten bis zur Haͤlfte der Bruſt ins glaͤnzend Purpurrothe, und am uͤbri⸗ gen Ober- und Unterleib, auch an den Deckfedern der Fluͤgel ins glänzend Grüne ſpielend; Schwungfedern und Schwanzfedern ſind ſchwarz, wie mit einem aſchgrauen Staube uͤberzogen, und ſo wie alle Deckfedern derſelben, hellroſtfarben eingefaßt; die Fe⸗ dern des Kopfs und Nackens mit roͤthlichweißen, die am Ruͤcken mit hellroſtfarbenen und die am Unterleibe mit weißen Spitzen; hierdurch erhaͤlt der Staar ein geſprenkeltes Anſehen. Am Weibchen iſt der Schnabel mehr ſchwarzbraun als gelb; die hellen Flecken, beſonders an Kopf, Hals, der Bruſt ſind groͤßer und die Einfaſſungen der Fluͤgelfedern ſtaͤrker, daher es ein viel helleres und bunteres Anſehen hat. Alte Maͤnn⸗ ch en haben uͤberdieß an Stirn, Wangen, Kehle und Bauch faſt gar keine weißen Flecken. e — = Sturnus vulgaris. Gmelin Lin, Syst. I. 2. p. 801. n. I. Etourneau. Buffon des Ois. 3, P. 176. t. 15. Common Stare. Latham Syn. II. 1. P. 2. n. 1. Friſch Vögel. Taf. 217. Männchen und Weibchen. 1n«2«ç“ . 282 Der gemeine Staar. Es giebt verſchiedene Abaͤnderungen von dieſem Vogel, fo wie von allen, die in Menge angetroffen werden: a) Weiße Staare; b) geſchaͤckte Staarez e) wei ßkoͤp⸗ fige Staarez ch die am ganzen Leibe weiß und nur am Kopf ſchwarz ſind und e) aſchgraue Staare. \ Aufenthalt. a) Im Freien. Sie bewohnen die ganze alte Welt; Wal⸗ dungen ſind ihr Aufenthalt, doch lieben ſie die hohen Kettenge⸗ birge nicht, ſondern diejenigen gebirgigen und ebenen Holzungen, die mit Wieſen und Aeckern umgeben ſind. Am liebſten ſind ſie in Laubwaͤldern und in einzeln liegenden Feldhoͤlzern. Im October ziehen ſie in großen Schaaren nach Suͤden und kommen zu Anfang des Maͤrz wieder. Auf ihren Reiſen lagern ſie ſich des Nachts ins Rohr und Schilf, und wenn man alsdann vor einem ſolchen Orte vorbei geht, ſo machen ſie einen unbeſchreibli⸗ chen Laͤrm. g 8 b) In der Stube laͤßt man dieſen Vogel, wenn man Spaß mit ihm haben will, frei herumlaufen, und ſteckt ihn nur alsdann in einen Vogelbauer, wenn er das Wohnzimmer nicht beſchmutzen ſoll; denn ſo reinlich er ſich ſelbſt hält, fo ſchmutzig macht er den Boden durch ſeinen fluͤſſigen Unrath. Der Vogel⸗ bauer, den er verlangt, kann entweder ein laͤngliches Viereck, oder auch wie ein Haus oder Thurm geſtaltet fein. Doch muß er wenigſtens 2 Fuß in die Länge und 1½ in die Breite ha: ben, oder dieſer Raum der Laͤnge muß bei einem Thurm in der Hoͤhe erſetzt werden, damit er als ein unruhiger Vogel Platz hat, ſich zu bewegen, und das Gefieder gut und unzerſtoßen erhalten kann. e Nahrung. a. Im Freien. Hier frißt er Raupen, Schnecken, Heu⸗ ſchrecken, Maulwurfsgrillen, Erdmaden, Inſekten, die das Vieh plagen, dem er es auf der Weide abließt, Weintrauben, Kirſchen, allerhand Beeren, ſelbſt allerhand Getraide, Buchwaizen, Hirſen, Hanf ꝛc. Seine Hauptnahrung ſind die kleinen Wieſen⸗Heu⸗ ſchrecken, die er im unvollkommenen und vollkommenen Zuſtande in Menge aufſucht, und deßhalb immer auf den Wieſen herum lauft. — Der gemeine Staat. | 283 b. In der Stube. Hier ernährt man ihn mit Fleiſch, Inſekten, Semmeln, Brod, Kaͤſe, den oben benannten Univerſal— futtern; uͤberhaupt nimmt er alles an, was ſich nur einigermaßen genießen laͤßt, z. B. nicht ſauer iſt. Man kann ihn leicht gewoͤh⸗ nen, wenn man ihm nur, fobald man ihn in die Stube ſetzt, Mehlwuͤrmer oder Ameiſeneier hinwirft. Er thut auch ohnehin gleich ſo bekannt, wie wenn er von Jugend auf da gewohnt haͤtte. Doch giebt es freilich auch, wie unter allen Voͤgeln, hart⸗ naͤckige Staare, die mit aller Muͤhe nicht zum Anbeißen zu brin⸗ gen ſind, und lieber Hungers ſterben. Er badet ſich außerordent⸗ lich _. und gern, daher er immer friſch 2 verlangt. Fortpflanzung. Die Staare niſten in den hohlen Staͤmmen und Aeſten der Baͤume, ſogar in hoͤlzernen Kaͤſten und thoͤnernen Gefaͤßen, die man ihnen mit einem langen Loche an die Baͤume haͤngt, unter die Dächer und in die Taubenſchlaͤge, c. Das Neſt beſteht aus trockenen Blaͤttern, Grashalmen und Federn, die ohne Kunſt zu⸗ ſammengelegt ſind. Sie beziehen jährlich ihr altes Neſt wieder, wie die Schwalben; nur reinigen ſie es jedesmal. Sie legen des Jahres gewoͤhnlich zweimal Eier, an der Zahl ſieben, welche aſchgraugruͤn ſind. Die Jungen ſehen vor dem erſten Mauſern mehr rauchfahl als ſchwarz aus, haben keine Flecken und einen dunkelbraunen Schnabel. Wenn man die Jungen aus dem Neſte nimmt, mit Semmeln und Milch aufzieht, und ihnen eine Arie vorpfeift, ſo lernen ſie dieſelbe viel reiner und ſtaͤrker nachpfeifen als die Gimpel und Haͤnflinge. Auch koͤnnen ſie 2 Stro⸗ phen ohne Verwechſelung nach einander behalten. Im Voigt⸗ lande behandelt man die Sa wie die zahmen Tauben; man nimmt ihnen naͤmlich die Jungen aus, ehe ſie ausfliegen. Auf dieſe Art hecken ſie dreimal des Jahres. Die letzte Hecke laͤßt man aber gewoͤhnlich ausfliegen, theils um den Stock zu erhal⸗ ten, theils die Alten zu vermögen, daß fie ſich nicht weggewoͤh⸗ | nen. ben, wenn man ihnen eine Höhle oder einen Topf zum Neſter Ich weiß auch Beiſpiele, daß ſie in dir Stube geniſtet 5 3 hingeſetzt hat. ee 284 Der gemeine Staar— Krankheiten. Die gewoͤhnlichen, welche ich oben angegeben habe. Sie werden in der Stube zehn bis zwoͤlf Jahre alt. Fang. Man fängt fie vorzüglich im Herbſt im Schilf in eigens dazu gemachten Netzen, die die Jaͤger in den Gegenden, wo Staarenfaͤnge im Schilf ſind, beſitzen. Einzeln fuͤr die Stube kann man ſie vom Juli an in Fiſchreuſen fangen, welche man ins Rohr ſtellt, wohin ſie ſich alle Abende ſetzen, und in welche man zur Lockſpeife Kirſchen legt. i a Bei uns in Thuͤringen werden fie für die Stube im März gefangen, wenn nach ihrer Ankunft noch Schnee faͤllt. Sie ge⸗ hen alsdann auf Suͤmpfe und an die Graͤben; wenn man da einen Platz vom Schnee befreit und ihn mit Leimruthen und einigen Regenwuͤrmern belegt, ſo kann man ſie leicht fangen. Sie laſſen ſich, wie zahmes Hausgefluͤgel, auf ſolche Plaͤtze trei— ben. . Empfehlende Eigenſchaften. Der Staar wird in der Stube außerordentlich kirre, iſt ſehr gelehrig und liſtig, und kann in dieſer Ruͤckſicht mit den Hunden verglichen werden. Immer iſt er luſtig und munter, merkt den Perſonen, bei welchen er wohnt, bald alle Mienen und Bewe- gungen ab, und weiß ſich darnach zu richten, weiß, wenn ſie boͤſe auf ihn ſind, ſchreitet immer wackelnd ganz bedaͤchtlich und mit einem dummen Ausſehen vor ſich hin, hat aber alles im Auge. Er lernt dabei, ohne daß man ihm die Zunge zu loͤſen braucht, Wörter nachſprechen, kann Lieder nachpfeifen (auch fo: gar das Weibchen), das Geſchrei der Thiere und Menſchen und den Geſang aller Voͤgel, die er hoͤrt, nachahmen. Er iſt aber dabei ſehr unbeſtaͤndig; denn er vergißt nicht nur das Gelernte bald wieder, ſondern vermiſcht es auch immer mit dem, was er neues hört. Wenn man daher will, daß ein Staar eine Melo⸗ die, oder einige Worte allein ſprechen ſoll, ſo muß man ihn in ein Zimmer bringen, wo er keinen andern Vogel und keine an⸗ dere Thierſtimme hoͤrt. Auf dem Schloſſe eines Adlichen war ein Staar, der fo viel Geſchicklichkeit im Sprechen beſaß, daß er mehrere vorgelegte Fragen beantworten konnte. „Wie alt iſt der Der Wafferfhwäken 285 Staar?“ Hundert und funfzig Jahr. „Wie heißt der Staar?“ Neſtor, mein Herr. „Was macht der Staar?“ Er denkt über die Quadratur des Cirkels nach. Doch konnte er dieſe Antwor⸗ ten nur nach der Reihe. Merkwuͤrdig iſt, daß nicht nur die Jungen, ſondern auch die Alten, welche von Natur einen aus allerhand ſonderbaren, beſonders leiermaͤßigen Toͤnen zuſammengeſetzten Ge: ſang haben, mit dieſer ausgezeichneten Gelehrigkeit begabt ſind. Doch ſind, wie ich aus Erfahrung weiß, nicht alle alte Staare ſo gelehrig, daß ſie Lieder und andere Toͤne nachpfeifen lernen. Ich habe jetzt ſelbſt ſo einen, der, bei der Menge Voͤgel, die ich habe, doch blos ſeinen Waldgeſang ſingt. Sie ſingen faſt das ganze Jahr, den Mauſer-Monat ausgenommen. . 132. Der Waſſerſchwätzer. (Waſſerſtaar, Waſſeramſel, Bach- oder Seeamſel.“) b Beſchreibung. Der Größe nach hat er mit dem gemeinen Staar Aehnlich⸗ keit, doch iſt der Kopf ſpitziger, die Bruſt und der Leib ſtaͤrker und Fluͤgel und Schwanz kuͤrzer. Seine Laͤnge betraͤgt 7 Zoll, wovon der Schwanz 1¼ Zoll einnimmt; die gefalteten Fluͤgel reichen kaum ½ Zoll auf den Schwanz. Der Schnabel iſt 8 Li⸗ nien lang, ſchmal, an den Seiten eingedruͤckt, hochkantig, ſpitzig, 8 ſchwarz und hat ſchmale Naſenloͤcher, die in einer Haut liegen; der Augenſtern iſt hellbraun; die Fuͤße ein Zoll hoch, ſchwarz— braun und, ſo wie die Zehen, vorn abgewaſchen. Kopf und Nacken ſind ſchmutzig roſtbraun; der uͤbrige Oberleib ſchwarz, aſchgrau uͤberlaufen; die Schwung- und Schwanzfedern ſchwaͤrz⸗ lich; die Kehle bis zur halben Bruſt reinweiß; das Uebrige der Bruſt dunkelkaſtanienbraun, welches ſich in die ſchwarze Farbe des Bauchs verliert. ö N 5 Das Weibchen ift am Kopf und Hals heller und an der Bruſt nicht ſo reinweiß. | Aufenthal . a: Im Freien. Am liebſten wohnt er in gebirgigen Ge⸗ ) Cinclus aqaticus, mihi. Sturnus Cinelus. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p- 803. n. 5. Merle d'eau. Buffon des Ois. 8. P. 134. t. 11. Water == Latham Syn. II. I. p. 48. Meine N. G. Deutſchlands III. Taf. Fig. 1. + ; 286 Der Waſſerſchwätzer. genden an Fluͤſſen d Baͤchen. Hier wohnt er das ganze Jahr hindurch, weil gewoͤhnlich die gebirgigen Gewaͤſſer aus Quellen beſtehen, die im Winter nicht ganz zufrieren. b. In der Stube. Man laͤßt ihn entweder frei herum laufen oder ſteckt ihn in einen großen Droſſelkaͤfig. : Nahrung. a. Im Freien. Waſſerinſekten find feine Hauptnahrung, doch ſoll er auch kleine Fiſche und Wuͤrmer freſſen. Er taucht deshalb bis auf den Boden des Waſſers, und geht in Baͤchen unter dem Waſſer weg. b. In der Stube gewöhnt man ihn mit Mehlwuͤrmern, Fliegen und Ameiſeneiern zu einem von den oben angegebenen Univerſalfuttern. Fortpflanzung. Das große Neſt, welches aus Grashalmen, Wurzelfaſern und Moos beſteht, findet man in den Ritzen ſteiniger Ufer, in Muͤhlbetten, unter hoͤlzernen Wehren und zwiſchen den Schaufeln unbenutzter Muͤhlraͤder. —-Das Weibchen legt 4 bis 6 weiße Eier. Wenn man die Jungen mit Mehlwuͤrmern, Ameiſeneiern und in Milch geweichten Semmeln aufzieht, ſo iſt die Zaͤhmung dieſes Vogels am ſicherſten. Man kann ſie faſt fluͤgge werden laſſen, ehe man ſie ausnimmt. Fang. Da jedes Paͤrchen ſeinen beſtimmten Platz hat, ſo ſitzt es gewoͤhnlich auf einigen ausgewaͤhlten Stellen auf einem Gerinne oder Wehr, Stein oder Buſch. Wenn man dahin Leimruthen ſteckt und an dieſelben zappelnde Mehlwuͤrmer haͤngt, ſo faͤngt man ſie ſehr leicht. Den Alten muß man Anfangs Wuͤrmer und Mehlwuͤrmer vorwerfen, um fie an anderes Futter zu ge- woͤhnen. Empfehlende Eigenſchaften. Der Geſang dieſes Vogels iſt nicht unangenehm. Er hat einige ſehr laute Strophen, die ſich beſonders im Freien mitten im Winter ſehr gut ausnehmen. — Der gemeine Seidenſchwanz. 287 133. Der gemeine Seidenſchwanz. (Seidenſchwanz, europaͤiſcher Seidenſchwanz, Seidenſchweif, Pfef⸗ fer- und Peſtilenzvogel, Zizirelle, boͤhmiſche Haubendroſſel.“) Beſchreibung. Er iſt faſt fo groß wie die Rothdroſſel, 8 Zoll lang; der Schnabel ſchwarz, kurz, grade, oben gewoͤlbt, und an der Wur— zel breit, ſo daß der Mund ſich weit aufſperrt; der Augenſtern rothbraun; die Fuͤße ſind ſchwarz und faſt 1 Zoll hoch. Der ganze Vogel hat ein zartes, ſeidenartiges Gefieder; die Federn auf dem Scheitel ſind in einem Federbuſch verlängert; der Kopf und die obern Theile des Vogels ſind roͤthlich aſchfarben, am Steiß ins Graue uͤbergehend; von den Naſenloͤchern an geht uͤber jedes Auge weg ein ſchwarzer Streifen nach dem Hinterkopf; das Kinn iſt ſchwarz; die Stirn kaſtanienbraun, fo wie der After; Bruſt und Bauch ſind hellpurpurkaſtanienbraun; die kleinern Deckfedern der Fluͤgel braun, die groͤßern, am weiteſten von Koͤr⸗ per entfernten ſchwarz, mit weißen Spitzen, und dieß bildet einen Streifen; die Schwungfedern ſind ſchwarz; die dritte und vierte hat an den aͤußern Raͤndern weiße, an den fuͤnf folgenden gelbe Spitzen, die kuͤrzer ſind, aſchfarben, am aͤußerſten Rande mit weißen Spitzen; außerdem laufen bei verſchiedenen dieſer Federn die Enden der Schaͤffte in einen glatten, hornartigen, eirunden Fortſatz, von zinnoberrother Farbe aus, von fünfen bis zu neun; das Weibchen hat hoͤchſtens fuͤnf derſelben, das Maͤnnchen aber von fuͤnf bis zu neun auf jeder Seite; der Schwanz iſt ſchwarz mit ſchwefelgelben Spitzen, und bei ſehr alten Maͤnnchen findet man auch oben einige ſchmale, hornartige, zinnoberrothe Fort⸗ übe. | Das Weibchen hat eine kleinere ſchwarze Kehle, und eine ſchmaͤlere und hellgelbe Schwanzſpitze, nur gelblichweiße Fluͤgelſpi⸗ tzen, und hoͤchſtens fuͤnf kleine, ſchmale Fortſaͤtze an den Schwung⸗ federn, zuweilen auch gar keine. Aufenthalt. a. Im Freien. Sie bruͤten nicht in Deutſchland, ſondern *) Ampelis Garrulus. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 838. n. J. Jaseur de Boheme. Buffon des Ois. 3. p. 429. t. 26. Waxen Chatterer. La- til am Syn, II. I. p. 91. n. 1. Friſch Vögel. Taf. 32. 288 De gemeine Seidenſchwanz. gehen deshalb nach dem Arktiſchen Kreiſe. Bei uns. überwintern ſie nur, kommen im November an, und ziehen zu Anfang des April wieder weg. Bei gelinder Witterung ſehen wir wenig Herden in Thuͤringen, weil ſie da weit noͤrdlicher bleiben; bei ſehr kalter verlaſſen ſie aber auch uns meiſtentheils und ziehen weit ſuͤdlicher. Bei gewoͤhnlicher oder mittelmaͤßiger Winterwit⸗ terung aber bleiben ſie das ganze Jahr in den Vorhoͤlzern des Thuͤringer Waldes, und trifft man ſie alsdann auch in mehreren Gegenden Deutichlands, in Sachſen, am Harze und in Boͤh⸗ men an. b. In der Stube haͤlt man ſie gern in einem Gitter, das man in einen Winkel ſtellt, worein ſie mit andern Voͤgeln lau⸗ fen koͤnnen, wenn ſie gefreſſen und geſoffen haben. Nur darf man ſie nicht nahe an den Ofen bringen, weil ſie gar keine Waͤrme vertragen koͤnnen. Sobald nur ein wenig eingeheitzt wird, ſo ſperren ſie den Schnabel weit auf, und keichen. Es iſt dieß ein Beweis, daß ſie ein ſehr kaltes Klima zu ihrem Som⸗ meraufenthalt haben muͤſſen. Sie in einen Kaͤfig zu ſetzen, rathe ich nur denjenigen Perſonen, die ſich nicht gern das Zimmer von frei herumlaufenden Stubenvoͤgeln verunreinigen laſſen. Man richtet ihn wie fuͤr eine Droſſel ein, allein der Boden muß mit Sand bedeckt ſein, weil dieſe Voͤgel ſehr unflaͤtig ſind. Nahrung. a. Im Freien. Im Fruͤhling (denn im Sommer ſehen wir ihn hier nicht) naͤhrt ſich der Seidenſchwanz, wie die Droſ— ſelarten, von Inſekten, vorzuͤglich Schwebfliegen und Bremſen. Im Herbſt und Winter frißt er Beeren von allerhand Art, Vo⸗ gel-, Hartriegel-, Miſtel⸗, Kreuzdorn-, Schlingbaum- und Wach: holderbeeren und im Nothfall auch Knospen von Buchen, Ahorn und Obſtbaͤumen. b. In der Stube ſind ihm die oben angegebenen ier falfutter wahre Delikateſſen, denn er nimmt auch mit bloßer Wei⸗ zenkleie, in Waſſer geweicht, vorlieb. Er verſchlingt alles in gro⸗ ßen Stuͤcken, und frißt die Semmeln außerordentlich gern. Ueberdieß iſt er kein Koſtveraͤchter, und verſchluckt alles, was man ihm nur Genießbares vorwirft, als Gemuͤſe, Kartoffeln, Kohl, auch rohen Salat, ſogar alle Arten von reifem Obſt. — Der gemeine Seidenſchwanz. 289 5 Er badet ſich gern, doch beſprengt er ſich nur, und macht ſich nicht fo. naß, wie andere Voͤgel. 5 . Fang. Man faͤngt dieſen Vogel im Winter in der Schneuß, vor⸗ zuͤglich wenn man die Vogelbeeren bis im Februar aufbehält. Er faͤllt auch auf den Vogelherd nach dieſer Lockſpeiſe, ſcheint faſt keine Gefahr zu kennen, und fliegt daher ins Garn und in die Schlinge, wenn gleich ſein Kammerad neben ihm gefangen haͤngt und aͤngſtlich ſchreit. 255 | Empfehlende Eigenſchaften. Blos ſeine Schoͤnheit und in manchen Gegenden ſeine Sel⸗ tenheit kann ihn als Stubenvogel empfehlen. Es iſt ein träger, dum⸗ mer Vogel. In der Stube, wo er zwolf Jahre bei der ſchlechteſten Koſt aushaͤlt, thut er nichts, als daß er frißt und ruhig auf ſei⸗ ner Stange ſitzt. Wenn ihn ja der Hunger treibt, einen Spa⸗ ziergang durch das Zimmer zu machen, ſo huͤpft er ſchief und ſo unbehuͤlflich, daß es unangenehm iſt, ihm zuzuſehen. Er laͤß⸗ auch weiter keinen Geſang, als einige leiſe lispelnde und trilt lernde Toͤne, faſt wie die Rothdroſſel, aber noch leiſer, von ſich hoͤren, kauert ſich dabei ſo zuſammen, daß man ihn kaum die Gurgel bewegen ſieht, und ſchlaͤgt den Federbuſch auf und nie⸗ der. Er ſingt aber Winter und Sommer. Wenn man ihm zu⸗ ſieht, ſo glaubt man, es muͤßte ihm recht ſauer werden, dieſe unmelodiſche Muſik hervorzubringen. Wenn er boͤſe iſt, welches aber nur beim Freßtrog geſchieht, fo ſchnappt er mit dem Schna⸗ bel laut zuſammen. Er laͤßt ſich ohne Muͤhe zaͤhmen, macht aber dem Beſitzer, wie oben ſchon erwaͤhnt worden, durch weiter nichts als durch ſeine Farbe Vergnuͤgen. Er iſt gewiß unter allen Voͤ⸗ geln der groͤßte Freſſer, genießt faſt taͤglich ſo viel als er ſelbſt ſchwer iſt, giebt es gleich und halb verdaut wieder von ſich, und verſchluckt dieſen Unrath in Haufen wieder, wenn er nicht immer vollauf friſches Futter hat. Wachholdern, die man ihm vorwirft, benutzt er auf dieſe Art dreimal. Eine natürliche Folge der Freß⸗ ſucht iſt, daß man bei ihm faſt taͤglich ausmiſten muß, weil fonft- der viele Unrath einen unleidlichen Geſtank verurſacht. Naturgeſch. d. Stubenvögel. 19 290 Die Mifteldroffel. 134. Die Miſteldroſſel. (Schnarre, Zwitzer, Miſtler, Ziemer, große Droſſel, großer Kramtsvogel.“) Beſchreibung. Sie iſt die groͤßte unter den Droſſeln, 11 Zoll lang, wovon der Schwanz 3½ Zoll mißt. Der Schnabel iſt 1 Zoll lang und meſſerfoͤrmig, die obere Kinnlade an der Spitze niedergebogen, wie bei allen Droſſeln, dunkelbraun, die Wurzel der untern Kinn: lade und die Oeffnung gelb; der Augenſtern braun; die Füße ſchmutzig hellgelb, und uͤber 1 Zoll hoch; die obern Theile des Kopfes, Halſes und Koͤrpers graͤulichbraun, mit einem braunro— then Anſtrich am untern Theil des Ruͤckens und am Steiße; die Seiten des Kopfes und die Kehle weißlichgelb, alle andern Theile von hier an bis zum After eben fo, bis zur Bruſt mit dreiecki— gen und von hier an mit eirunden, gleichfoͤrmig vertheilten, ſchwaͤrz— lichen Flecken bezeichnet; die groͤßern Deckfedern der Fluͤgel mit roͤthlichweißen Kanten; die Schwungfedern graubraun, mit hellen Raͤndern; der Schwanz eben ſo, ſeine drei letztern Federn aber mit weißen Spitzen. Das Weibchen iſt im Ganzen heller; die Schnabelwurzel nicht ſo gelb; der Unterleib heller, ſtatt weißlichgelb, gelblichweiß. Aufenthalt. a. Im Freien. Die Miſteldroſſel bewohnt Europa, die nördlichen Gegenden mehr als die ſuͤdlichen. Sie beſucht am lieb— ſten die gebirgigen Waldungen und zieht auch da die Nadelwaͤl— der den Laubwaldungen vor. Es iſt ein Zugvogel, obgleich nicht im ſtrengſten Sinne des Worts; denn er verlaͤßt uns in Thuͤ⸗ ringen gewöhnlich. erft in der Mitte des December und iſt auch im Februar, ſobald nur angenehme Tage eintreten, wieder da. In den warmen Thaͤlern Frankens ſieht man ihn den ganzen Winter. b. In der Stube weiſt man ihm ein Gitter, das unter einer Bank iſt und hinter dem Ofen ſtehen kann, an, oder ſteckt ihn in einen großen Vogelbauer, dem man verſchiedene Geſtalten *) Turdus viscivorus. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 806. n. I. Draine. Buffon des Ois. 3. p. 295. t. 19. Fig. 1. Missel- Trush. Latham Syn. H. I. p. 18. 1 1. driſch Vögel. Taf. 25. ' Die Miſteldroſſel. 291 geben kann, der aber wenigſtens 3 / Fuß lang und faſt eben fo hoch ſein muß, weil es ein großer und wilder Vogel iſt, der ſich immer Bewegung machen will, und die Federn leicht abſtoͤßt. Am beſten thut man, wenn man dieſen und andern großen Stu⸗ benvoͤgeln eine eigene Kammer oder Stube einraͤumt, weil ihr Unrath unangenehm riecht, und ſolche Voͤgel daher eine taͤgliche Reinigung und Ausraͤucherung des Zimmers noͤthig machen. Nahrung. f a. Im Freien. Ihre Nahrung beſteht aus Regenwuͤrmern und allerhand Inſekten, die ſie von Rieden und Wieſen aufleſen, und im Herbſt aus allerhand Beeren, Vogel-, Kreuzdorn-, Wach⸗ holder- und Miſtelbeeren. Regenwuͤrmer ſind ihr Hauptnahrungs⸗ mittel, mit welchem auch die Jungen meiſt aufgefuͤttert werden. 2 b. In der Stube find fie leicht zu erhalten; denn die oben angegebenen allgemeinen Nahrungsmittel ſind wahre Lecke⸗ reien fuͤr ſie. Gerſtenſchrot oder bloße Weizenkleie, mit Waſſer angefeuchtet, erhaͤlt ſie ſchon, und dieſer ſowohl als alle folgen⸗ de große Schneußvoͤgel, die der Vogelſteller in Menge fuͤr die Herde als Lockvogel haben muß, werden faſt das ganze Jahr hindurch mit nichts als in Waſſer eingeweichter Weizenkleie er: halten. Wenn ſie in der Stube fleißig ſingen ſollen, giebt man ihnen aber auch Semmel, Brod, Fleiſch und mehrere andere Dinge, die auf den Tiſch kommen; denn ſie ſind keine Koſtver⸗ aͤchter. Sie baden ſich gern. N Fortpflanzung. Schon im Maͤrz findet man ihr Neſt auf den Waldbaͤumen ſtehen. Sie ſetzen es bald hoch bald tief auf einen Zweig. Die untere Lage beſteht aus duͤrren Reiſern, mit Baummoos umwun⸗ den, die mittlere aus Erdmoos mit ſammt der Erde, der inwen— dige Raum iſt mit duͤnnen Wurzelfaſern und kleinen Grashalmen ausgelegt. Sie hecken und brüten des Jahrs zweimal meiſt vier gruͤnlichweiße, mit einzelnen violetten und rothbraunen Punkten beſetzte Eier aus. Die Jungen ſind oben grau und unten ſehr geſprengt, die Raͤnder der Fluͤgelfedern ſtark roſtgelb eingefaßt. Sie ſind aber nicht, wie die Schwarzdroſſeln, gelehrig, ſondern lernen außer ihrem natuͤrlichen Geſang blos einzelne Toͤne, die fie beſtaͤndig hören, nachpfeifen. Man fuͤttert fie mit Semmeln, 19 * | | 1 I 1 ö 292 Die Singdroſſel. in Milch geweicht, auf. Sie werden ſo zahm, daß ſie auf der Hand ſingen. Krankheiten. Die gewoͤhnlichſten ſind Verſtopfung der BEDERUENTEN und der FR ar Duͤrrſucht. Fang. Sie gehören zu den Schneuß- und Herdvoͤgeln; wenn man daher im Herbſt und Winter an ſolchen Orten, wo ſie ſich auf— halten, Sprenkel, Schlingen oder Herde mit Vogelbeeren auf— ſtellt, ſo faͤngt man ihrer viel. Vom December bis Februar kann man ſie unter Baͤumen, wo Miſtel waͤchſt, mit Laͤufern ſtechen, und dieſen Fang faſt alle acht Tage wiederholen. Nach Sonnen⸗ untergang gehen ſie auf den Traͤnkherd, auch als ſehr dumme Voͤgel in die Laufſchlingen. Für die Stube ſucht man dieje⸗ nigen aus, die am Unterleibe mehr gelb als die andern ſind, denn dieß find die Männchen. Neu gefangen find fie ſehr tro— tzig und wild, gehen auch ſchwer an das Freſſen, ſo daß viele verhungern; nachher werden fie aber deſto zahmer. Empfehlende Eigenſchaften. Schon im Februar ſetzt er ſich im Walde auf den Gipfel eines Baumes und ſingt ſeinen lauten, aus fuͤnf bis ſechs abge— brochenen Strophen beſtehenden, melancholiſchen Geſang, befon: ders des Abends und Morgens. In der Wohnſtube wird dieſer Geſang ſo ſchmetternd, daß man ihn nicht aushalten kann. Man ſetzt daher zur Singzeit einen ſolchen Vogel in eine Nebenſtube, oder haͤngt ihn in einen großen Kaͤfig auf einen Saal, in die Hausflur oder vor das Fenſter. Seine Lockſtimme iſt ein zwits ſcherndes Jis-Rrr! Er lebt in der Gefangenſchaft zehn bis zwoͤlf Jahre. 135. Die Singdroſſel. (Geſangdroſſel, Zippe, Zippdroſſel, Weißdroſſel “). (Taf. IV. Fig. 5). Beſchreibung. Man könnte fie die kleine Miſteldroſſel nennen, fo ſehr aͤh⸗ ) Turdus musicus. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 809. n. 4. Grive- Die Singdroffel, .:. nelt fie dieſer in Geſtalt, Farbe, Aufenthalt, Geſang und über: haupt in ihrem ganzen Betragen und ihrer Lebensart. Sie iſt 8½% Zoll lang, wovon der Schwanz 3½ Zoll einnimmt; der Schnabel iſt 9 Linien lang, hornbraun, unten von der Mitte an nach der Wurzel zu gelb; der Augenſtern nußbraun; die Füße find blaß bleifarben, 1 Zoll hoch; der ganze Oberleib oliven⸗ braun; die Kehle weißgelb; an den Seiten derſelben laͤuft ein ſchwarzer Streifen herab; die Seiten des Halſes und die Bruſt hellroͤthlichgelb mit vielen dunkelbraunen, verkehrt herzfoͤrmigen Flecken; der Bauch weiß mit faſt eirunden, dunkelbraunen Flecken; die beiden Reihen der großen Deckfedern der Fluͤgel mit dreiecki⸗ gen, roͤthlichgelben Flecken an der Spitze; die inwendigen Ded: federn hellorangengelb; die Schwungfedern graubraun; die Schwanz⸗ federn eben ſo, die aͤußerſte an der aͤußern Seite weißgeſaͤumt. Am Weibchen beſtehen die zwei ſchwarzen Linien an der Kehle aus kleinen Strichen; die Bruſt iſt heller weißgelb, und die roͤthlichgelben Spitzen der unterſten Fluͤgeldeckfedern ſind klei⸗ ner. — Man trifft auch verſchiedene Spielarten von dieſem Vogel an; weiße, weißkoͤpfige, bunte, aſchgraue ꝛc., wie man ſie Faft bei allen Vögeln findet, die fo haufig find, wie die Sing⸗ droſſeln. = a Aufenthalt. a. Im Freien. Sie iſt in ganz Europa bekannt, und waͤhlt die großen Waldungen, beſonders die gebirgigen, zu ihrem \ N 5 Aufenthalte. Man trifft ſie nur da an, wo große Wieſen und Baͤche in der Naͤhe ſind. Im September, wenn ſtarke Nebel kommen, verſammelt ſie ſich in große Herden und zieht in waͤr— mere Gegenden; vierzehn Tage vor und vierzehn Tage nach Michaelis trifft man ſie am haͤufigſten auf ihren Wanderungen an. Diejenigen, welche weißgelbe Fußſohlen haben, ſind einhei⸗ miſche Voͤgel, die aber, an welchen dieſe Theile orangen⸗ gelb ſind, fremde. In der Mitte des Maͤrz, auch wohl ſpaͤter, iſt die Singdroſſel wieder in ihrer Heimath, und jedes alte Maͤnn⸗ chen ſitzt wieder auf demſelben Baum, wo es voriges Jahr ge— ſeſſen hat, und ſingt ſein Frühlingslied. Buffon des Ois. 3. p. 280. ee eee Latham Syn. II. 1. p. 18. n. 2. Friſch Vögel. nf 27. F. 1. Taf. 33. f A f N I 1 1 294 Die Singdroſſel. b. In der Stube. Wie bei der Miſteldroſſel. Doch ver: dient es dieſe eher, daß man ihr einen ſchoͤnen großen Kaͤfig giebt, weil ſie theils ſchoͤner ſingt, als die vorhergehende, theils auch, als kleiner, nicht ſo unflaͤtig iſt. Nahrung. a. Im Freien. Ihre Nahrung im Freien iſt faſt gaͤnzlich einerlei mit der der Miſteldroſſel. b. In der Stube. Auch hier wird ſie faſt ganz wie pie vorhergehende gehalten. Gerſtenſchrot in Milch geweicht iſt eine vortreffliche Speiſe für ſie; nur will fie immer friſches Waſſer zum Baden und Trinken. Es giebt alte, die ſchwer an das Fut⸗ ter ä : N. dr Fortpflanzung. Die Singdroſſeln bauen am liebſten auf niedere Schwarzholz— baͤume; wo ſie dieſe jedoch nicht haben koͤnnen, auch auf die un⸗ tern dichten Aeſte der Buchen, Eichen, Espen, Birn-Aepfelbaͤu⸗ me. Das Neſt iſt groß und beſteht auswendig aus Erdmoos und inwendig aus Sumpfmoos, das mit Erde, Lehm oder Kuh— miſt vermiſcht iſt. Das Weibchen legt des Jahrs zweimal drei bis ſechs gruͤnſpanfarbige, mit großen und kleinen ſchwarzbraunen Punkten beſetzte Eier. Die erſte Brut iſt ſchon in der Mitte oder zu Ende des April fluͤgge. Die Jungen ſehen am Ober— leibe weiß getuͤpfelt aus, und lernen, wenn man ſie uͤber die Haͤlfte fluͤgge aus dem Neſte nimmt und mit Milch und Sem— meln auffuͤttert, Lieder pfeifen. Wem an dergleichen jungen Drofs ſeln gelegen iſt, der ſuche nur zur Zeit, wo die Voͤgel niſten, im Walde laͤngs den Baͤchen hin, und er wird ſicherlich das Neſt finden, wenn anders eine Droſſel in der Gegend ſingt. Die Singdroſſel baut immer, wenn es ihr nur moͤglich iſt, nahe bei Waſſer. Fang und Krankheiten hat ſie mit der vorhergehenden und den drei nachfolgenden ge— mein. Sie wird unter allen Schneußvoͤgeln am häuffgſten ge⸗ fangen. Im September und October werden ſie haͤufig auf dem Traͤnkherde gefangen vor Sonnenaufgang oder nach Sonnen— untergang, oft ſo ſpaͤt, daß man ſie nicht erkennen kann, ſon⸗ Die Singdroſſel. 99 dern nach dem Gehoͤr gehen muß. Wenn ſte ins Waſſer ge⸗ hen, muß man ihnen Zeit laſſen, weil ſie ſich geſellſchaftlich ba— den, und manchmal acht bis zehn auf einen Zug zu fangen find. Sie haben einen ganz eigenen Lockton zum Baden; die erſte, welche Waſſer findet (oder wenn fie es ſchon weiß und darnach fliegen will) ſchreit erſtaunlich laut Sik, ſik, ſik, ſik, ſiki, Tſak, Tſak, und ſogleich antworten alle in der Gegend, und kommen herbei. Sie ſind aber ſehr vorſichtig und gehen ſelten eher in das Waſſer, als bis ſie ſehen, daß fich ein Rothkehlchen u. ſ. w. ohne Gefahr baden kann; iſt erſt eine darin, fo folgen die andern auch, wenn ſie Platz finden koͤnnen, ſonſt giebt es Krieg. Es iſt gut, wenn man neben dem Waſſer einen Finken ꝛc. anlaͤufert. Empfehlende Eigenſchaften. Sie iſt einer von den ſeltenen Voͤgeln, welche durch ihren ſchoͤnen Geſang die Waͤlder beleben und angenehm machen. Auf den Gipfeln der hoͤchſten Bäume kuͤndigt fie durch ihren abwech⸗ ſelnden, nachtigallaͤhnlichen Geſang die Ankunft des Fruͤhlings | an, und fingt den ganzen Sommer hindurch, beſonders in der Abend⸗ und Morgendaͤmmerung. Dieſes Geſanges halber wird ſie auch von dem Liebhaber im Kaͤfig gehalten, wo ſie des Abends und Nachts ſchon im Februar durch ihren lauten angenehmen Geſang eine ganze Straße vergnuͤgen kann, wenn man ſie vor das Fenſter oder nur inwendig an daſſelbe haͤngt, und es ein we⸗ nig oͤffnet. In Thuͤringen ſagt man, daß ſie, außer verſchiedenen ſingenden Tönen, folgende Worte deutlich in ihrem Geſange aus— ſpreche, und ich muß geſtehen, daß ich dieß auch höre: Da vid, Da vid! drei Noͤſel für eine Kanne — Profit, proſit. Kottenhans, Kuh dieb! Wenn fie Kuhdieb fagen, find es vorzuͤglich gute Voͤgel. Sonſt hoͤrte man dieſe Strophe mehr als jetzt. Nur recht alte und vorzuͤgliche Voͤgel ſingen ſie noch. Dieſe Droſſel wird bei abwechſelndem Futter ſechs bis acht Jahre alt. 296 1 Wachholderdroſſel. 136. Die Wachholderdroſſel. (Krametsvogel, Krannabetsvogel, Blauziemer, Ziemer, Zeuner, Schacker.“ Beſchreibung. In Anſehung der Größe ſteht fie zwiſchen der Miſtel⸗ und Singdroſſel, und iſt 10 Zoll lang, wovon der Schwanz 4 Zoll einnimmt. Der Schnabel iſt 1 Joll lang, gelb, an der Spitze ſchwaͤrzlich, oben etwas uͤberſtehend; der Rachen und die Zunge ſind gelb; der Augenſtern dunkelbraun; die Füße ſchwarzbraun und 1¼ Zoll hoch. Der Oberkopf, Oberhals, Unterruͤcken und Steiß ſind aſchgrau, auf dem Scheitel mit einigen ſchwaͤrzlichen Flecken beſetzt; uͤber die Augen geht ein weißlicher Streifen; die Wangen ſind aſchgrau; der Ruͤcken roſtbraun; die Kehle bis zur halben Bruſt roſtgelb mit herzfoͤrmigen ſchwarzen Flecken; der uͤbrige Unterleib weiß, an den Seiten mit herzfoͤrmigen, am After mit laͤnglich ſchwaͤrzlichen Flecken; die Deckfedern der Fluͤgel roſt⸗ braun; die größten aſchgrau uͤberlaufen; die Schwungfedern ſchwarzgrau; die Schwanzfedern ſchwaͤrzlich, die aͤußerſte von außen weißlich. Am Weibchen iſt der Oberkiefer mehr graubraun als gelb; der Kopf und Steiß mehr fahlgrau; die Kehle weißlich; der Ruͤk⸗ ken ſchmutzig roſtfarben; die Fuͤße dunkelbraun. a Es giebt auch mancherlei Abänderungen: a) weiße b) gefleckte und c) weißkoͤpfige Wachholderdroſſeln. Aufenthalt. a. Im Freien. Man trifft dieſen Vogel in ganz Europa, auch in Sibirien an. Sein Sommeraufenthalt ſind die noͤrdli— chen Gegenden, wo er in den Schwarzwaͤldern auf den hoͤchſten Baͤumen bruͤtet. In der Mitte des November kommt er herden— weis in Deutſchland an, und uͤberwintert da, wo es viele Vo⸗ gel- und Wachholderbeeren giebt. Im Maͤrz oder April, je nach: dem die Witterung bald oder ſpaͤt gelinde wird, wandert er wie⸗ der nach Norden. *) Turdus pilaris. Gm elin Lin. Syst. I. 2. p. 807 n. 2. Litorne on Tourdelle. Buffon des Ois. 3. Pp. 301. t. 19. Fieldfare, La th a m Syn. II. I. p. 24. n. 11. Fviſch Vögel. Taf. 26. Die Rothdroſſel. 297 b. In der Stube hält man ihn, wie die Miſteldroſſel. Es giebt wenig Liebhaber, die ihn aus andern Urſachen, als, um ihn als Lockvogel auf dem Vogelherde zu brauchen, halten. Man darf ihn nicht nahe bei dem Ofen einſperren, weil er, als ein noͤrdlicher Vogel, die Waͤrme nicht gut vertragen kann. Nahrung. | a. Im Freien. Im Sommer naͤhren fie ſich in ihrer Hei⸗ math von Wuͤrmern und Inſekten, im Herbſt und Winter bei uns von allerhand Beeren, beſonders Vogel- und Wachholder— beeren. a b. In der Stube fuͤttert man ſie, wie die beiden vorher: gehenden Arten, oder am beften mit Gerſtenſchrot, Semmeln und geriebener Moͤhrruͤbe. | Krankheiten und Fang ſind wie bei den beiden vorhergehenden Arten. Empfehlende Eigenſchaften. Ihr Geſang iſt von wenig Bedeutung, ein bloßes heiſeres, unangenehmes Zwitſchern. Deshalb wuͤrde ihnen alſo keine Stelle als Stubenvogel gegoͤnnt werden; wegen ihrer Lockſtimme aber erhalten fie ſolche beim Jaͤger und Vogelſteller, da auf dieſe Bo: gel im Winter vorzuͤglich der Herd geſtellt wird. Ihre Lockſtimme iſt Schaſchaſchack, Quriquri. * 187. Die Rothdrofſel. | (Weindroſſel, Buntdroſſel, Blutdroſſel, Droſſel, Weiſel, Winſel, Girerle.“) Beſchreibung. Sie iſt kleiner als die Singdroſſel und hat viel Aehnlichkeit mit der Wachholderdroſſel. Ihre Laͤnge iſt 8 Zoll, wovon der Schwanz 3¼ Zoll wegnimmt. Der Schnabel iſt ſchwaͤrzlich, Rund nur die Wurzel des Unterkiefers und die Ecken find hellgelb; der Augenſtern nußbraun; die Fuͤße 1 Zoll hoch, blaßgrau; die Zehen hellgelb; Kopf, Oberhals, Rüden, Steiß und die kleinen | ) Turdus Iiacus. Gmelin Lin. Syst. I. 2, p. 808. n. 3. Mauvis. Buffon des Ois. 3. p. 309. Redwing Thrush. L atham Syn. II. 1. b. 22. n. 7. Friſch Vögel. Taf. 28. 298 Die Rothdroſſel. Deckfedern find olivenbraun; von den Naſenloͤchern laͤuft bis weit - hinter die Augen ein weißlichgelber Streifen; die graubraunen, fein gelblichgeſtrichelten Wangen umgiebt ein aͤhnlicher, welcher an den Seiten des Halſes zu einem dunkelgelben Fleck wird; Kehle, Hals und Bruſt find gelblichweiß mit vielen dreieckigen, ſchwarzbrau— nen Flecken; der uͤbrige Unterleib weiß, an den Seiten wenig und am After olivenbraun gefleckt; die Seiten und die untern Deckfedern der Fluͤgel und die Schwungfedern dunkelbraun roͤth— lichbraun geſaͤumt, erſtere mit roͤthlichgelben Spitzen und von den letztern die zwei hinterſten mit weißen Spitzen; die Schwanzfe— dern graubraun, an den Spitzen heller. Dus Weibchen iſt im Ganzen heller; der Strich uͤber den Augen iſt faſt weiß; der Fleck an den Seiten des Halſes hell— gelber; die Grundfarbe des ganzen Unterleibes weiß, am Hals blos ins Gelbliche ſpielend; die Flecken an der Bruſt graubraun, und der After ungefleckt. Es giebt auch weiße und bunte Spielarten. Aufenthalt. a. Im Freien. Ihre eigentliche Heimath iſt der Norden von Europa; in Deutſchland ſehen wir ſie nur als Zugvoͤgel in der letzten Haͤlfte des Oktober. Zu Ende Maͤrz oder zu Anfang April gehen ſie wieder nach Hauſe. b. In der Stube werden ſie wie die vorhergehenden ge— halten. Sie naͤhrt ſich ſowohl im Freien als in der Stube wie die Singdroſſel. Auch Fang und Krankheiten. hat ſie mit jener gemeinſchaftlich. Empfehlende Eigenſchaften. Die Maͤnnchen ſingen im Fruͤhjahr und Sommer einige leiſe lispelnde Strophen, die, ſo wie der Geſang der Wachholderdroſ⸗ ſel, gar nichts melodiſches haben. Sie haben nicht nur den Na— men Zippdroſſel, ſondern auch den Namen Singdroſſel, womit ſie von Einigen belegt werden, mit Unrecht, denn ſie zip⸗ pen nicht, ſondern locken nur St! St! und ſingen auch nicht ſchoͤn. Wenn ſich zuweilen im März und April große Herden auf un- fern Erlen niederlaſſen, ſo machen fie freilich durch ihr Zwitſchern Die Schwarzdroſſel. 299 einen großen Laͤrm; aber das kann man doch keinen Geſang nen: nen. Nur von einer einzigen weiß ich, daß ſie ſo gut einſchlug, daß ſie wie eine ſchlechte Singdroſſel ſang, und zuweilen laute Nachtigallentoͤne hoͤren ließ. Des Geſangs halber wird man ſie alſo nicht leicht in der Stube halten, ſonſt ſind es aber ſehr zahme, geduldige, artige Voͤgel, die ſich augenblicklich in alle Umſtaͤnde zu finden wiſſen, und in allen ihren Bewegungen ſehr gewandt ſind. Der Vogelſteller muß auch immer etliche auf dem Herd zu Lockvoͤgeln haben. Sie koͤnnen nicht viel Waͤrme vertragen und verlangen immer friſches Waſſer. 138. Die Schwarzdroſſel. (Amſel, Schwarzamſel, Merle, 3 Beſchreibung. An Groͤße gleicht dieſe gelehrigſte unter allen Droffelarten der Singdroſſel und ift 9½ Zoll lang, wovon der Schwanz 4 Zoll einnimmt. Der Schnabel iſt 1 Zoll lang und goldgelb; der Augenſtern dunkelbraun; die Füße find ſchwarz und 14 Linien hoch. Das Maͤnnchen iſt am ganzen Leibe tief ſchwarz; das Weibchen aber ſchwarzbraun, an der Bruſt roſtfarben und am Bauche aſchfarben uͤberlaufen, die Kehle hell- und dunkelbraun gefleckt, der Schnabel und die Füße ſchwarzbraun. Es ſcheint auch immer etwas groͤßer und ſchwerer zu ſein, daher man ſonſt eine verſchiedene Art, unter dem Namen Stock— und Berg⸗ amſel, daraus machte. Eben ſo wie es bei den andern Droffi el⸗ arten Abaͤnderungen giebt, ſo iſt es auch hier, und man trifft ö daher zuweilen weiße, perlgraue, ſchwarze mit weißen Köp⸗ wi fen und bunte.an. r Aufenthalt. a. Im Freien. Die Schwarzdroſſel oder Amſel bewohnt die ganze alte Welt und geht in Europa bis Schweden hinauf. In Deutſchland iſt ſie ziemlich gemein und die einzige Droſſel⸗ art, die nicht wandert. Denn man ſieht ſie bei uns im 1 eben ſo wohl als im Sommer. — Turdus Merula. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 831. n. 22. Merle. Buffon des Ois. 3. S. 330. t. 20. Black- bird. Latham Syn. II. 1. b. 43. n. 46. Friſch Vögel. Taf. 29. Männchen und Weibchen. Die Schwarzdroſſel. b. In der Stube haͤlt man die Schwarzdroſſeln in einem großen Kaͤfig; denn man läßt fie deßwegen nicht gern unter an: dern Voͤgeln herumlaufen, weil ſie zuweilen aus Muthwillen oder Nahrungsneid, wie die Kohlmeiſen, ſich über die kleinen Voͤgel hermachen und ſie todt beißen. Nahrung. a. Im Freien. Sie naͤhren ſich, wie die andern Droſſel— arten, doch muͤſſen ſie auch in denjenigen Gegenden ihres Au— fenthaltes, wo dieſe Nahrungsmittel nicht haͤufig ſind, im Win⸗ ter mit Früchten des Weißdorns vorlieb nehmen. Außerdem flie— gen fie zu der Zeit auch nach warmen Ouellen, weil fie hier Re— genwuͤrmer und Inſekten finden. b. In der Stube nehmen fie mit dem erſten Univerſalfut⸗ ter vorlieb, und freßen auch Brod, Fleiſch und allerhand Spei— ſen, die auf den Tiſch kommen. Da ſie etwas zaͤrtlicher als die andern Droſſeln ſind, ſo wuͤrde man ſie nicht lange erhalten, wenn man ihnen blos Weizenkleie und Waſſer geben wollte. Sie baden ſich, wie alle ihre Verwandten, gern. Fortpflanzung. b Da die Amſeln Standvoͤgel ſind, ſo paaren ſie ſich auch ſehr fruͤh, und man trifft daher ſchon zu Ende Maͤrz Junge in ihrem Neſte an. Das Neſt ſteht in einem dichten Gebuͤſche oder auch in einem Reiſighaufen, faſt immer nur etliche Ellen hoch, und beſteht auswendig aus Reiſern, in der Mitte mit Erde und Moos, und inwendig aus feinen Halmen und Haaren. Die vier bis ſechs Eier, die das Weibchen des Jahrs zwei auch wohl dreimal legt, ſind im Grunde graugruͤn mit hellbraunen oder leberfarbenen Flecken und Streifen beſetzt. Die jungen Maͤnn⸗ chen ſind immer ſchon etwas dunkler als die weiblichen Jungen; daher ſich der Vogelſteller ſelten irrt, und immer nur die Männ- chen, die er aufziehen will, aus dem Neſte nimmt und die Weib- chen liegen laͤßt. Man zieht ſie mit Semmeln in Milch geweicht auf, und nimmt ſie aus dem Neſte, wenn ihnen kaum die Kiele aufgeſprungen ſind. Sie gewoͤhnen ſich dabei leichter an das Stubenfutter, und man kann ihnen auch früh genug, ehe fie noch an ihr angebornes Lied denken, vorpfeifen. Solche Vögel werden alsdann auch feſt, wie der Vogler zu ſagen pflegt, und Die Schwarzdroſſel. | 301 vergeſſen und vermiſchen nicht leicht, was ſie einmal gelernt has ben Eigen iſt es, daß fie manchmal die Farbe des Weibchens behalten. Dieſe nennt man dann Stockamſeln, und glaubt, / es ſei eine beſondre Art. Man ſagt ſogar, fie pfiffen beffer. —4 Krankheiten. a: Sie find vorzüglich der Verſtopfung der Fettdruͤſe un: terworfen, welches Uebel man ihnen auf die oben angegebene Art heilt. — Sie dauern zwoͤlf bis ſechszehn Jahre in der Stube aus, beſonders wenn ſie abwechſelndes Futter erhalten. | Fang. i Sie fallen als ſcheue Voͤgel nur einzeln auf die Herde; am haͤufigſten fangen ſie ſich in der Schneuß und im Winter in Dohnen und Sprenkeln, wenn man Vogelbeeren vorhaͤngt. Zu dieſer Jahreszeit gehen ſie auch in die großen Meiſenkaſten (Meiſenſchlaͤge), die mit Vogelbeeren beſtreut find, und fangen ſich in den Leimruthen, die man auf einen von Schnee ents |: blößten Platz, der mit eben dieſen Beeren belegt iſt, aufſtellt. = Sie gehen auch gern auf den Traͤnkherd und haben die Waſ⸗ ſerlocke wie die Singdroſſel, nur etwas anders modulirt. Sie kommen meiſt im Dunkeln an das Waſſer. Ihre Locktoͤne ſind Zizirr! Tack, tack! Empfehlende Eigenſchaften. Der Geſang des Maͤnnchens ift melodieenreich, hat einige tiefe, ſtarke Nachtigallenſtrophen, die aber freilich mit einigen ho⸗ hen kreiſchenden abwechſeln; ehe es ſeinen Geſang anfaͤngt, ruft es ſtets erſt etlichemal laut, David, Hans David! In der Freiheit ſingt es von Maͤrz bis Juli und zwar vorzuͤglich des Nachts; im Kaͤfig aber faſt das ganze Jahr hindurch, die Mauſerzeit ausgenommen, und ein einziger Vogel kann eine ganze | Straße vergnügen, fo rein, hell und durchdringend ift feine Stimme. Sein Gebächtniß iſt fo gut, daß es mehrere Lieder | und Arien ohne Anſtoß pfeifen lernt, ja ſogar Worte nachzuſpre— chen vermag. Wer daher einen lauten, hellen, froͤhlichen Geſang liebt, dem wird eine gelehrte Amſel mehr Vergnuͤgen machen als ein Gimpel, deſſen Stimme mehr flötend und melaͤncholiſch iſt. 302 | Die Ringdroſſel. 5 139. Die Ningdrofſel. (Ringamſel, Meeramſel, Bergamſel, Schildamſel, Stockamſel, Ru Stodziemer*). i Beſchreibung. Sie iſt um ein merkliches groͤßer, als die Schwarzdroſſel, 10½ Zoll lang, wovon der Schwanz faſt 4 Zoll wegnimmt. Der Schnabel iſt faſt 1 Zoll lang, hornſchwarz, unten an der Wurzel weißgelb, an den Winkeln und inwendig aber gelb; der Augenſtern kaſtanienbraun; die Füße dunkelbraun, und 14 Linien hoch. Der Oberleib iſt ſchwarz, der Unterleib eben ſo, die Fe— dern am Bauche und die Deckfedern der Fluͤgel weiß eingefaßt, die Schwungfedern und aͤußerſten Schwanzfedern weißgrau ge— ſaͤumt. Oben uͤber die Bruſt läuft eine weiße ins Roͤthlich ſpie⸗ lende, fingerbreite Querbinde, welche dem Vogel den Namen ge⸗ geben hat. Beim Weibchen iſt die Farbe heller oder braunſchwarz; die Querbinde an der Oberbruſt iſt ſchmaͤler, undeutlicher, roͤth— lichaſchgrau, und braun gewoͤlkt. | Diejenigen Vögel, welche bei der Farbe des Weibchens eine roͤthlichweiße breite Querbinde auf der Bruſt haben, ſind junge Maͤnnchen und diejenigen, an denen ſie kaum merklich iſt, junge Weibchen. 0 Merkwürdigkeiten. Die Ringdroſſel bewohnt vorzüglich Europa, brütet im Nor: den und kommt nur im Herbſt in den neblichen Tagen zu Ende des October und zu Anfang des November nach Deutſchland, wo ſie in der Schneuß gefangen wird. Sie koͤmmt nur in klei⸗ nen Geſellſchaften, und laͤßt ſich vorzuͤglich da in Gebirgen nieder, wo Buſchholz und Wachholderbuͤſche ſtehen. — Ihre Nahrung ſowohl im Freien als in der Stube hat fie mit der Schwarz: droſſel gemein. Sie hat auch in ihrem Betragen ſehr viel Aehn— lichkeit mit ihr, ſchlaͤgt den Schwanz und die Fluͤgel auf und nieder, ruft Tack! ꝛc. Ihre Stimme iſt heiſer, hohl und ſchwach, ) Turdus torquatus. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 832. n. 23. Merle à plastron blanc. Buffon des Ois. 3. p. 340. t. 31. Ring- Ouzel. La- tham Syn. II. 1. p. 46. n. 49. Friſch Vögel. Taf. 30. Männchen und Weibchen. 8 Die Rohrdroſſel. N ihr Geſang aber melodieenreich, und vergnuͤgt ſehr; ſchade, daß ein Rothkehlchen im Stande iſt, denſelben zu uͤberſchreien. Sie ſingt das ganze Jahr durch, die Mauſerzeit ausgenommen, und lebt ſechs und mehrere Jahre. 140. Die Nohrdroſſel. (Sumpf: und Flußnachtigall, Weidendroſſel“). Beſchreibung. LE, Dieſer Vogel hat fo viel Aehnlichkeit mit den Grasmuͤcken⸗ arten, daß man ungewiß wird, ob man ihn zu dieſen oder zu den Droſſeln zählen fol; doch gehört er nach Schnabel und Fuͤßen und uͤberhaupt der ganzen Koͤrperhaltung nach mehr zu den Drof: ſeln. An Groͤße uͤbertrifft er noch die Feldlerche und iſt 8 Zoll lang, wovon der keilfoͤrmig abgerundete Schwanz 4¼ Zoll weg⸗ nimmt. Der 10 Linien lange Schnabel iſt ſtark, an der Wur⸗ zel flach gedruͤckt, oben und unten an der Spitze hornbraun, an der Wurzel gelblich und an den Enden orangengelb; der Augen⸗ ſtern iſt dunkelkaſtanienbraun; die ſtarken, graubraunen, ins Fleiſchfarbene ſpielenden Fuͤße 1 Zoll hoch und die hintern Zehen und der Nagel beſonders ſtark, um ſich deſto beſſer anſtaͤmmen zu koͤnnen. Der Farbe nach gleicht die Rohrdroſſel der Nachti⸗ galt ſo sſehr, daß fie nur einen rothen Schwanz haben duͤrfte, um für dieſe zu gelten; Oberkopf und Hals ſind dunkelgrau, etwas olivenfarben uͤberlaufen, von den Naſenloͤchern bis mitten über die Augen laͤuft ein ſchmutzig gelblichweißer Streifen; die Wan⸗ gen find graubraun; der Ober- und Mittelruͤcken und die Deck⸗ federn der Fluͤgel ſind roſtgrau, und dieſe Farbe wird nach dem Steiß zu, welcher roſtgelb iſt, immer heller; Kinn und Kehle ſind hell aſchgrau; die Bruſt und der Bauch gelblichweiß; an den Seiten der erſtern tritt ein dunkelgraues Fleck vom Oberhals hereinz die Seiten, Schenkel und der After ſind weiß, ſtark roſtfar⸗ ben uͤberlaufen, daher der ganze Unterleib ein roſtgelbliches An⸗ ſehen erhaͤlt; die Schwungfed ern dunkelbraun, fein roſtgelb ge⸗ raͤndert; die Schwanzfedern rothgrau, hell geraͤndert. ) Turdus arundinaceus. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 834. n. 25. Reed Tlirush. Latham Syn. II. 1. p. 32. n. 28. Naumanns Feld ⸗ Wald⸗ und Waſſervögel. 1. 224. Taf. 46. Fig. 103. Männchen. Meine ge⸗ treue Abbildungen naturhiſtoriſcher Gegenſtände. I. Taf. 16. Weibchen. 304 Die Rohrdroſſel. Das Weibchen iſt wenig vom Maͤnnchen unterſchieden; es iſt etwas kleiner, auf dem Ruͤcken dunkler, hingegen am Un⸗ terleibe heller, der Oberkopf roſtgelb uͤberlaufen, und die Kehle, ſtatt aſchgrau, weiß. | Aufenthalt. a. Im Freien. Man trifft dieſe Droſſel faſt in ganz Europa, die kaͤlteſten Zonen ausgenommen, an. In Deutſch— land iſt ſie in denjenigen Gegenden nur ſelten, die keine mit Schilf bewachſenen Seen, große Teiche und Fluͤſſe haben. Denn ihr Aufenthalt iſt immer das mit Geſtraͤuch und Schilf be— wachſene Ufer der Seen und Fluͤſſe, auch weitlaͤuftiger Suͤmpfe und Moraͤſte. Sie haͤlt ſich immer gern nahe an der Erde auf, und man ſieht ſie daher ſelten auf Baͤumen. Sie klettert wie ein Specht an den Schilfſtengeln hinauf. b. In der Stube. Sie iſt ihres angenehmen Geſanges halber werth, daß man fie in einen Nachtigallenkaͤfig ſteckt. le: Nahrung. a. Im Freien iſt fie beſtimmt, die ungeheure Menge von Waſſerinſekten mit vertilgen zu helfen, daher ſie auch dieſe vor— zuͤglich zu ihrer Nahrung waͤhlt, doch frißt ſie auch Hollunder— beeren. a b. In der Stube verlangt fie durchaus das Futter der Nach: tigall, ſonſt iſt ſie der eigenthuͤmlichen Krankheit, die auch ver— ſchiedene Arten der Grasmuͤcken befaͤllt, unterworfen, daß ihr nach und nach alle Federn ausfallen, nicht wieder wachſen, und ſie hoͤchſtens nach einem halben Jahre an der Auszehrung ſtirbt. Fortpflanzung. Ihr Neſt trifft man zwiſchen Rohrſtengeln oder Geſtraͤuchen mit Wolle befeſtigt an; es hat auswendig eine Lage von Erd— moos und ſtarken Grashalmen, und inwendig zur Unterlage fei— nere Haͤlmchen und Haare. Die drei bis fuͤnf Eier, die das Weibchen legt, ſind graulichweiß, olivenfarben und ſchwaͤrzlich geſprenkelt. Die Jungen ſehen vor der erſten Mauſerung gerade fo aus, wie eine graue Grasmuͤcke und haben an der Bruſt einige dunkle Flecken. Sie ſchreien wie die Bergfinken. Man nimmt fie aus dem Neſte und zieht fie, wie die jungen Nachti⸗ gallen, mit Ameiſeneiern auf, wo ſie alsdann, wenn man ſie ne⸗ Die Steindroffel. 303 ben eine Nachtigall haͤngt, den Schlag derſelben vollkommen ler⸗ nen, und unvergleichliche Saͤnger werden, da ihre Stimme floͤ⸗ tenartiger und nicht ſo durchdringend, wie die der Nachtigall iſt. Fang. | Sie find ſchwer zu bekommen; ſonſt wuͤrden ſie gewiß all⸗ gemein Stubenvoͤgel ſein. Wenn man ihren Stand weiß, ſo darf man nur da, wo ſie ſich immer aufhalten, die Erde auflockern, ei⸗ nige Mehlwuͤmer hinlegen und den Platz mit Leimruthen bedek⸗ ken. Sonſt muß man ſo grauſam ſein und ſie uͤber dem Neſte fangen. Empfehlende Eigenſchaften. | Die Männchen haben eine ausnehmend laute und ſchoͤne Stimme. Ihr Locken klingt hoch und laut Fuͤh Thſa! und in ihren Leidenſchaften geben ſie noch einige murrende und ſchnur⸗ rende Toͤne von ſich. Ihr Geſang iſt weit abwechſelnder, flöten- artiger und angenehmer als der der Singdroſſel, aber freilich lange nicht ſo ſchoͤn, wie der Nachtigall ihrer, mit welcher man ſie wohl in dieſer Hinſicht verglichen hat. Er hat viele Strophen vom Moͤnch, nur iſt er, wie bei den Droſſeln, gewöhnlich abge- brochener. Schöner wird er, wenn der junge Vogel bei der Nach: tigall gelernt hat. Sie ſingen beſonders viel und ſchoͤn des Abends und Morgens, und bewegen dabei nicht nur die Kehle ſehr ſtark, ſondern auch den ganzen Koͤrper, Fluͤgel und Schwanz, aber nicht aus Anſtrengung, ſondern wie man ſieht, aus Behaglichkeit. i 141. Die Steindroſſel. (Steinamſel, Steinroͤthel, Blauvogel, Steinmerle, großes Roth⸗ ſchwaͤnzchen ). Beſchreibung. Dieſen Vogel trifft man in den mittlern und noͤrdlichen Ge⸗ genden von Deutſchland ſelten in der Stube an, obgleich er es eher verdient als mancher auslaͤndiſche, daß ſich der Liebhaber um ihn bekuͤmmere. In vielen Gegenden D eutſchlands iſt er faſt ganz unbekannt, und wenn ihn der Vogelſteller einmal faͤngt, „) Tur dus saxatilis. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 838. n. 114. Weib⸗ chen. Linné Syst. ed. 12. 1. p. 294. n. 14. Männchen. Lanius infaustus. Kmelin Lin. Syst. I. 1. p. 310. n. 25. Weibchen und Var. ſind Weibchen. Rock- Thrush. Latham Syn. II. 1. p. 54. n. 57 Naturgeſch. d. Stubenvögel. i 20 306 Die Steindroſſel. ſo haͤlt er ihn gewoͤhnlich fuͤr ein großes Rotho nz hen, beſonders das Weibchen. Er iſt ziemlich fo groß wie eine Roth— droſſel und iſt 7 Zoll 6 Linien lang, wovon der Schwanz 2°), Zoll mißt. Im Ausſehen und Betragen gleicht er mehr einem Staar (beſonders in Geberden und Stellungen, die außerordent⸗ lich abwechſelnd und komiſch ſind) als einer Droſſel, obgleich er alle Hauptmerkmale der Droſſel aufzuweiſen hat. Der Schnabel iſt 1 Zoll lang und fo wie die ſtarken 1¼ hohen Füße ſchwarz, nur in den Ecken gelb. Kopf und Hals ſind graulichblau oder blaͤulichaſchgrau, bei aͤltern Voͤgeln heller, bei juͤngern dunkler; der Oberruͤcken ſchwarzbraun, manchmal etwas heller gewoͤlkt; der Mittelruͤcken ſchoͤn weiß; der Steiß dunkelbraun mit weißli— chen Federraͤndern; Bruſt und Bauch dunkelorangengelb, letzterer nach der Jahreszeit mehr oder weniger unmerklich weiß gefleckt oder gewoͤlkt, welches die weißen Federraͤnder verurſachen; der After blaßrothgelb; die Deckfedern der Flügel dunkelbraun mit weißlichen Spitzen; die Schwungfedern ſehr dunkelbraun oder ſchwaͤrzlich, die hintern etwas heller, an den Spitzen weißlich und an der vordern Seite ſchmal weiß eingefaßt; der Schwanz dun⸗ kelgelbroth, die beiden mittlern Federn graubraun. Das Weibchen hat einen dunkelbraunen Oberleib, mit grau⸗ lichweißen Federraͤndern; der Steiß iſt roſtfarben mit eben ſolchen Raͤndern; das Kinn weiß; die Kehle, wie die obern Theile, aber viel heller; der Vorderhals und alle untern Theile ſchmutzig oran⸗ genfarbig mit braunen und weißen Wellenlinien; der Schwanz wie am Maͤnnchen, nur etwas heller; die Fuͤße eur Aufenthalt. a. Im Freien. Diefe Droſſel haͤlt ſich im ne Eu⸗ ropa und Deuifchland z. B. Oeſtreich, Tyrol ꝛc. auf, und kommt nur ſelten hoͤher hinauf. Auf den Alpen und Pyrenaͤen aber iſt ſie gemein. Sie waͤhlt felſige und ſteinige Gegenden, auch alte Schloͤſſer u. d. gl. zu ihrem Aufenthalte, und geht auch in die Doͤrfer zu den Bauernhuͤtten. Auf ihrem Zuge beſucht ſie die kahlen Gebirge und ſucht, wie das Hausrothſchwaͤnzchen, Kaͤfer und andere Inſekten an den Steinen auf. Sie kommt im Maͤrz in ihrer Heimath an und geht im September wieder weg. b. In der Stube thut man ſie als einen ſeltenen Vogel Die Nachtigall. 3807 in einen ſchoͤnen Kaͤfig, der aber etwas groͤßer als ein Nachtigal⸗ lenkaͤfig ſein muß. a ' 5 3 Nahrung. a. Im Freien fängt dieſer Vogel Inſekten zu feiner Nah: tung. b) In der Stube aber verlangt er Nachtigallenfutter, weil er ſonſt nicht lange aushaͤlt. Man giebt ihm gewoͤhnlich geriebene Semmeln, gelbe Ruͤben, Waizengries, Ameiſeneier und Rinderherz unter einander gemiſcht. Zuweilen verlangt er auch einen Mehlwurm. 5 . 8 Fortpflanzung. 8 Das Weibchen legt fuͤnf Eier in ein Neſt, das in eine Fel⸗ ſenkluft oder einen Steinhaufen gemacht iſt. Man zieht die Jun⸗ gen auf, da ſie außerordentlich gelehrig ſind. Fang. Bei uns iſt es ein bloßer Zufall, wenn einer gefangen wird; man ſtellt naͤmlich Leimruthen mit angeklebten Mehlwuͤrmern dahin, wo man ihn am oͤfterſten fißen ſieht. Wie man ſie in ihrer Hei⸗ math faͤngt, weiß ich nicht gewiß. Man ſagt, ſie gingen auf das Kaͤuzchen. N Empfehlende Eigenſchaften. Die Maͤnnchen werden als ungemein ſchoͤne Saͤnger geſchaͤtzt, die beſonders des Nachts beim Licht ſingen. Sie lernen auch Lieder nachpfeifen und wie die Staare ſprechen. Sie werden au⸗ ßerordentlich zahm. 142. Die Nachtigall ). (Gemeine Nachtigall, Philomele, Rothvogel, Tagnachtigall.“) (Taf. IV. Fig. 6) Beſchreibung. ä Wenn ſie keine andern Vorzuͤge aufzuzeigen haͤtte, als ihre — — *) Sylvia Luscinia. Motacilla Luscinia. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 950. n. 1. Rossignol. Buffon des Ois. 5. p. S1. t. 6. F. 1. Nightin- gall. Latham Syn. II. 2. p. 408. n. I. Von Dieskau N. G. der Nach⸗ tigall. Röhmhild. 1775. 2 Die Vogelſteller nennen fie auch noch, nach ihrem Aufenthalte, Berg-, 20 * Waſſer⸗ und Gartennachtigall. . —— — — — SER TNEIHE ER: ar EN 308 Die Nachtigall. Farbe, ſo wuͤrde ſie ſich als Stubenvogel eben nicht ſehr em⸗ pfehlen. An Groͤße gleicht ſie dem Hausſperling, und iſt 5 Zoll lang, wovon der Schwanz 2 Zoll wegnimmt; allein in der Stube wird fie, da man fie außerordentlich gat füttert, gewöhnlich größer, oft fo groß wie eine Lerche, beſonders wenn fie jung aufgezogen iſt. Der Schnabel iſt (wie bei allen Motacillen) grade, pfriemenfoͤrmig, duͤnn, zugeſpitzt, mit faſt gleichen Kinn⸗ laden, wovon die obere einen kleinen Ausſchnitt hat, 7 Linien lang, oben dunkelbraun, unten hellgrau, an der Wurzel fleiſch- farben und inwendig gelb; der Augenſtern graubraun; die Fuͤße find braunfleifchfarben und 9 Linien hoch. Der Oberleib ift grau— braun, roſtfarben uͤberlaufen; bei ſehr alten roͤthlich aſchgrau; der Steiß braunroth; die Kehle, der Bauch und After weiß; die Bruſt und Seiten weißlich aſchgrau; die Kniebaͤnder grau; die größten Deckfedern der Flügel meiſt mit ſchwachen ſchmutzigwei⸗ ßen Spitzen; die Schwungfedern graubraun, roſtgelb eingefaßt; die breiten graden Schwanzfedern, die ſich wegen ihrer Zartheit und Zerbrechlichkeit, wie faſt bei allen Grasmuͤckenarten, leicht ab⸗ ſtoßen, ſchmutzig roſtroth. Voͤgel, die in der Stube gehalten werden, ſind theils heller, theils dunkler von Farbe; jene, die in großen hellen Zimmern in der Gegend des Fenſters haͤngen, und wo kein dampfendes Oel gebrannt wird oder Oelrauch befindlich iſt, werden am Ober⸗ leibe dunkelgrau oder hellgraubraun, alle Federn roſtgelb geraͤn— dert, und der Unterleib iſt weiß, an den Seiten der Bruſt und des Bauches weißgrau; diejenigen, welche in kleinen niedrigen Stuben haͤngen, wo wenig Hellung und Oel- und Ofendampf nicht ungewöhnlich iſt, werden am Oberleibe ſchmutzig roſtgelb, am Unterleib grauweiß, und an den Seiten der Bruſt und des Bauches graubraun. Das Weibchen iſt nur dem Kenner kenntlich, der es an Gang, Stellung, und aͤußerer Haltung vom Männchen unter: ſcheiden kann. Es hat nicht die hohen Beine, ſteht nicht fo ge: rade, hat nicht den lang zugeſpitzten, ſondern einen mehr runden Kopf, einen kurzen, eingezogenen Hals, mattere und kleine Au⸗ gen und eine weniger weiße Kehle. Doch, wie geſagt, wer kein Kenner iſt, muß beide Geſchlechter beiſammen ſehen, um ihren Unterſchied zu bemerken. TE Die Nachtigall. 309 Die größte Aehnlichkeit haben die Nachtigallen mit dem Weibchen des Rothſchwanzes, welches auch oft für eine Nach: tigall verkauft und dieſe wiederum ſtatt eines gefangenen Rothe ſchwanzes fuͤr die Kuͤche getoͤdtet wird. Man muß daher, um ſich nicht zu irren, die Unterſcheidungsmerkmale beider kennen. Das Rothſchwanzweibchen iſt immer kleiner; ſeine Farbe dunkler; die duͤnnen Fuͤße und der Schnabel ſchwaͤrzlich; die Farbe des Schwanzes heller und die zwei mittleren Federn deſſelben ſchwaͤrz⸗ lich oder dunkelbraun. Es zittert immer mit dem duͤnnern und laͤngern Schwanze, waͤhrend die Nachtigall nur zuweilen z. B. wenn ſie einige Schritte gehuͤpft iſt, den Schwanz in die Hoͤhe ſchlaͤgt, und ihn ſonſt faft immer über die Fluͤgelſpitzen erhaben traͤgt. Sie zeigt auch in ihren Geberden und Stellungen mehr Stolz und in ihren Handlungen mehr Ueberlegung als der Roth— ſchwanz. Denn ſie traͤgt ſich immer erhaben und aufgerichtet, und hat einen huͤpfenden Gang, voller Eigenthuͤmlichkeiten. Wenn ſie naͤmlich eine Anzahl Sprünge gethan hat, fo bleibt fie ſte⸗ hen, ſieht ſich aufmerkſam um, bewegt die Fluͤgel, ſchlaͤgt den Schwanz mit einem gewiſſen Anſtande in die Hoͤhe und breitet ihn ein wenig aus, beugt ſich etlichemal mit dem Kopfe, erhebt den Schwanz und huͤpft nun erſt wieder weiter. Die Gegen— ſtaͤnde, welche ihre Aufmerkſamkeit reizen, ſieht fie meiſt nur mit einem Auge, den Kopf auf die Seite haltend, an. Nach den Inſekten, die ihr zur Nahrung dienen, huͤpft ſie zwar geſchwind hin, ergreift fie aber nicht gleich gierig, wie andere Voͤgel, ſon⸗ dern bleibt meiſtens erſt ein Weilchen vor ihnen ſtehen, als wenn fie überlegte, ob es auch rathſam ſei, fie zu verzehren. Ueber: haupt iſt ihr ganzes Betragen bedaͤchtig, ernſthaft, freilich aber zuweilen etwas unvorſichtig, weil fie faft in alle Schlingen geht, die ihr gelegt werden; dieß thun aber faſt alle Voͤgel, die ſo wenig, wie fie, den Nachſtellungen der Menſchen ausgeſetzt find*), Man nennt ſie deshalb neugierig; allein dieß iſt ſie in der That nicht, denn man kann ihr allerlei ungewohnte Dinge hin— ſetzen, und ſie wird ſie nie des Anſehens wuͤrdigen; wenn man aber freilich die Erde entbloͤßt oder aufgraͤbt, ſo eilt ſie ſogleich herbei; aber aus gegruͤndeteren Urſachen, weil ſie aus natürlichem ) Wenn fie einmal in der Falle geweſen iſt, fo wird fe eben 0 behut⸗ ſam, wie andere Vögel 1 ee ei TE TE 310 Die Nachtigall. Triebe und langer Erfahrung weiß, daß fle an ſolchen Orten Inſekten antrifft, die ihre Delikateſſe ausmachen. Dieß thun aber auch andere Motacillen z. B. der Moͤnch, das Rothkehl⸗ chen, der Rothſchwanz, die Braunelle ꝛc., nur daß man dieſen Voͤgeln nicht die Aufmerkſamkeit geſchenkt hat, wie jener. Aufenthalt. f a. Im Freien. Die Nachtigallen ſind in ganz Europa bis in die Mitte von Schweden, und in ganz Aſien bis zu den gemaͤßigſten Theilen von Sibirien und ſelbſt in Afrika an den Ufern des Nils verbreitet. Sie waͤhlen zu ihrem Wohnort dicht bewachſene, ſchattige, und nicht zu kalte Gegenden, es moͤgen dieß nun Waͤlder, Feldhoͤlzer, Gaͤrten oder auch nur Feldhecken ſein. In den Waͤldern ziehen ſie das Laubholz dem Nadelholz vor, weil ſie in jenem ihre Nahrung haͤufiger anzutreffen wiſſen, als in dieſem. In beholzten Kettengebirgen bewohnen ſie nur die Vorwaͤlder, und vermeiden die hohen rauhen Gebirge. Am liebſten ſind ihnen die Feldhoͤlzer und andere ebene, buſchreiche Oerter, die mit Wieſen und Aeckern vermiſcht ſind. In Gaͤrten halten ſie ſich vorzuͤglich gern da auf, wo Hecken von Horn⸗ baumgebuͤſche (Haynbuchen) ſind, welche, wenn ſie nicht zu kurz beſchnitten werden, ziemlich breit und bis auf die Erde bewach⸗ ſen bleiben. Daß ſie ſumpfige und waſſerreiche Gegenden allen andern vorzoͤgen, iſt wohl ungegruͤndet; denn ſie waͤhlen ſolche Gegenden nicht des Waſſers halber, ſondern blos deswegen, weil ſie gewoͤhnlich mit vielem dichtem Gebuͤſch beſetzt ſind. Freilich haben ſie an ſolchen Orten auch dann, wenn die Kaͤlte die In⸗ ſekten in andere Gegenden zurüͤckſcheucht, Ueberfluß an Nahrungs: mitteln; dieß iſt aber doch nicht der Grund, weshalb ſie gern am Waſſer wohnen; denn ſonſt wuͤrden ſie ſich in waſſerreichen Gegenden alle dahin ziehen, was aber die Erfahrung widerlegt. Es iſt vielmehr erwieſen, daß ein Vogel immer da ſeinen Wohn— ort wieder aufzuſchlagen ſucht, wo er fruͤher ausgebruͤtet wurde. Iſt er daher am Waſſer ausgeheckt, ſo fliegt er dem Waſſergebuͤſch nach; iſt er in Gaͤrten erzogen, ſo ſucht er Gaͤrten auf, und iſt ſein Geburtsort ein Berg, ſo wird er ſich auch da niederzulaſſen ſuchen. Denn wenn eine Nachtigall einmal einen Standort „Stand) gewählt hat, To ſucht fie ihn, wie der Fink, ja, ich noͤchte ſagen, wie alle Voͤgel, jaͤhrlich wieder, ſie muͤßte denn Die Nachtigall. 1 unterdeſſen gefangen worden ſein, oder die Gegend ihre Annehm— lichkeiten für fie verloren haben. Dieß letztere geſchieht in Hoͤl⸗ zern oft, wenn entweder das Gebuͤſch abgetrieben oder ſo hoch geworden iſt, daß es unten ſeine Dichtigkeit, die ſie ſo vorzuͤg— lich lieben, verloren hat. Alsdann gehen fie zum naͤchſten be⸗ quemen Ort. Bleibt aber in einem großen Bezirke alles unver⸗ aͤndert, und es bezieht die Nachtigall eine Stelle, wo im vori— gen Jahre keine ſaß, ſo kann man mit der größten Wahrfchein- lichkeit behaupten, daß dieß ein junger vorjaͤhriger Vogel ſei. So gewiß es aber nun iſt, daß jede Nachtigall ihren einmal be— zogenen bequemen Wohnplatz, fo lange fie lebt, nie wieder ver: laͤßt, ſo wenig laͤßt ſich doch behaupten, daß die Nachtigall, welche dieſes Jahr an dem naͤmlichen Platze ſchlaͤgt, wo im Fruͤh— jahr eine ſchlug, eben dieſelbe ſei; denn dieſe kann ja umgekom⸗ men, oder gleich bei ihrer Ankunft weggefangen ſein, und eine Junge ihre Stelle eingenommen haben. Es iſt naͤmlich erwieſen, daß, wenn eine Alte nach ihrer Ankunft weggefangen iſt, ſogleich den folgenden Tag eine andere, wenn der Platz bequem und gut gewaͤhlt worden, denſelben wieder einnimmt. Wird aber ein Vo⸗ gel nach der Strichzeit gefangen, ſo muß dieſe Stelle wenigſtens den Sommer uͤber leer bleiben, es muͤßte denn ein Nachbar ſein Weibchen verloren haben und ſich an das Weibchen des wegge— fangenen begatten, oder dieſen als einen ſchwaͤchern Vogel weg⸗ beißen, um ſich an ſein Weibchen zu paaren. Der Kenner der Voͤgelſprache wird hier am beſten entſcheiden koͤnnen, ob eine ſolche Veraͤnderung vorgegangen ſei oder nicht. Die Frage, warum es in manchen Gegenden, die doch ſehr zu ihrem Aufenthalte paſſend waͤren, gar keine oder doch ſehr wenige Nachtigallen gebe? wird folgendermaßen beantwortet. Erſtens koͤnnen ſie in einiger Entfernung hohe Berge oder ſolche Oerter erblicken oder ſonſt vermuthen, die ſie aus mancher⸗ lei Urſachen z. B. Sparſamkeit der Nahrung, geahneter Kaͤlte ꝛc. verabſcheuen, und die ſie alſo, wenn die Richtung ihres Weges nich t im Ganzen darunter leidet, lieber auf der Seite liegen laſſen, folglich auch einige Gegenden nicht treffen, die ihnen ſonſt ange meſſen und angenehm geweſen waͤren. Zweitens koͤnnen auch von weitem erblickte Waͤlder und Buͤſche daran Schuld ſein, wenn fie Ruhe und Hunger nöthigt, daſelbſt einzufallen. Dieſe brin⸗ — 4 Vi 9 | 312 . Nachtigall. gen ſie von der Richtung ab, die ſie ſonſt wohl wuͤrden genom⸗ men haben. Drittens kann ihnen an ſolchen Orten allerdings die Temperatur der Luft zuwider und ihr Futter zu ſparſam ſein, obgleich wir dieß nicht bemerken, und endlich viert ens ſind ſie auch wohl einmal an ſolchen Orten ausgerottet worden, und es haͤlt daher ſchwer, daß ſich wieder andere, wenn ſie ſich nicht ver⸗ fliegen, daſelbſt einfinden ſollten; denn es iſt eine gegruͤndete Er⸗ fahrung, daß ſich nicht nur, wie ich ſchon bemerkt habe, die Sun: gen von allen Zugvoͤgeln wieder in der Gegend einfinden, wo ſie erzogen ſind, und immer in der Naͤhe ihres Geburtsorts ihren eigenen Stand waͤhlen, ſondern daß auch die jungen Voͤgel im⸗ mer dieſelbe Straße bei ihren Wanderungen verfolgen, und daß alſo da, wo ſie einmal ausgerottet ſind, auch gar keine oder hoͤchſt ſelten wieder Nachtigallen hinkommen werden. Die einmal 4 9 zu ee 7 A aA‘ 15 Pi: Zi angenommene Marſchroute iſt bei dieſen Vögeln um ſo noͤthiger, da ſie bei ihren langſamen und unterbrochenen Reiſen immer ſolche bekannte Oerter aufſuchen muͤſſen, wo ſie paſſende Nah⸗ rung finden. Wenn der zuletzt angeführte Grund Statt findet, und man nicht das Ohngefaͤhr abwarten will, ſo kann man die Gegend dadurch wieder mit dieſen angenehmen Saͤngern bevoͤlkern, daß ‚man einige Neſter Junge aufzieht und fie nach der Zeit ihres Winterzugs im Frühjahr in Freiheit laͤßt. Nicht ſowohl das Ge⸗ fuͤhl der vergangenen Strichzeit, als der durch die Zaͤhmung ganz unterdruͤckte Trieb, jetzt zu wandern, wird machen, daß ſie in * der Gegend bleiben, wo man ſie ausgelaſſen hat, ſich fortpflan⸗ zen, und wenn fie vor Verfolgung ſicher geweſen find, ſich das kommende Jahr wieder mit ihrer ganzen Familie daſelbſt einfinden. Dergleichen Voͤgel aber, die in die Freiheit gelaſſen werden ſollen, duͤrfen nicht im Käfig gehalten werden, ſondern muͤſſen, ſobald ſie allein freſſen koͤnnen, in einer Stube, die mit Buͤſchen und kleinen Tannenbaͤumen beſetzt iſt, frei herum fliegen, damit ſie nicht verzaͤrtelt, oder aus Mangel an Bewegung ihre Fittige un⸗ brauchbar ſind, und ſie alſo in den erſten Tagen verloren gehen. Eben ſo muͤſſen ſie mehr ihre natuͤrliche Koſt, Inſekten und Ameiſeneier, erhalten, damit ſie das Aufſuchen derſelben gewohnt bleiben. Die Nachtigallen erſcheinen faſt uͤberall in Deutſchland in Die Nachtigall. 313 der Mitte des April, ſelten eher oder ſpaͤter; ſtets aber, wenn die Knospen des Weißdorns gebrochen ſind und ihre Blumen⸗ koͤpfe zeigen. Da ſie immer von Strecke zu Strecke und nicht in einem Striche fort reiſen, fo gehören fie unter diejenigen Zugvoö⸗ gel, die nicht leicht von der Witterung leiden, wie andere, denen dieſe Vorſicht nicht eingepflanzt iſt. In der Mitte des Auguſt ſtreichen ſie wieder familienweiſe von einem Gebuͤſch zum andern und zwar in aller Stille fort. Man faͤngt ſie alsdann in Spren⸗ keln, vor welchen Johannis- oder Hollunderbeeren als Lockſpeiſe haͤngen. Laͤngſtens in der Mitte des September ſind ſie noch in unſerm mittlern Deutſchland zu ſehen, alsdann aber entwiſchen ſie uns einzeln ganz unverſehens, und man kann eigentlich nicht mit voͤlliger Gewißheit ſagen, wie lange ihr Fortſtrich dauert. Andere Voͤgel, die in großen Geſellſchaften reiſen, wie z. B. die Schwalben, koͤnnen den Augen des aufmerkſamen Naturforſchers nicht fo leicht entgehen. Freilich koͤnnen auch Krankheiten, ſpaͤte⸗ res Ausbruͤten, Verirren der jungen Voͤgel, und andere Umſtaͤnde zuweilen eintreten, daß man noch eine Nachtigall ſpaͤt im Sep⸗ tember und im October antrifft; allein dieß iſt dann eine Aus⸗ nahme von der Regel. b. In der Stube. Man kann die Nachtigallen auch wie andere Voͤgel frei in einer Stube herumlaufen oder fliegen laſſen, wie ich auch wohl zuweilen gethan habe; allein dann ſingen ſie auch nicht fo oft und fo gut, als wenn fie in einem Käfig ſtecken, wo ſie gleichſam auf nichts zu denken haben als auf ihren Ge⸗ ſang, wie ich dieß auch erfahren habe. b 8 Man thut daher am beſten, man ſteckt ſie in einen Käfig, beſonders da man fie uͤberdieß, wenn fie länger dauern follen, beſſer füttern muß, als die andern Vögel, die frei herum laufen. Dieſer Kaͤfig kann zwar von verſchiedener Bauart ſein, muß aber immer 1 oder 1½ Fuß lang, ½ bis 1 Fuß breit und einen Fuß hoch fein, und oben eine weiche Decke von Tuch oder der: gleichen haben, damit der Vogel beim Flattern und Springen, beſonders wenn er als Wildfang eingeſperrt wird, ſich nicht den Kopf einſtoße. Ich glaube eine Art von Nachtigallenkaͤfig zu be⸗ ſitzen, der dieſem Vogel am angemeſſenſten iſt, und den ich da⸗ her hier kurz beſchreiben will. Es iſt derſelbe gerade, 1¼ Fuß lang, 8 Zoll tief, an den Seiten 13 Zoll und in der Mitte, — — pp ——fꝙͤrDꝙ8.. . 314 Die Nachtigall. wo die Decke eine Woͤlbung macht, 15 Zoll hoch. Alle Seiten find mit hölzernen Sproſſen eingefaßt, die ohngefaͤhr 3 Linien dick ſind, auch die untern oder der Boden. Ueber dieſem iſt ein 15 Linien hoher Schiebkaſten angebracht, den ich mit Loͤſchpapier belege, damit ich ihn zu Zeiten leicht reinigen kann, wobei ich nur immer einen friſchen Bogen Papier einzulegen brauche. An der einen Seite wird eine tiefe Krippe eingeſchoben, und das Seitenbret etwas hoͤher gemacht, damit der Vogel nicht zu viel Futter herausſchleudern kann. In der Mitte der Fronte iſt ein ſogenanntes Trillerhaus angebracht, das von oben bis unten reicht und in welchem ein großes Trinkglas haͤngt. Unten werden zwei und in die Mitte vor das Trillerhaus, das einen halben mit hoͤlzernen Sproſſen eingefaßten Cylinder vorſtellt, ein Spring⸗ holz angebracht, welches letztere ſich in eine halb runde Gabel endigen muß, damit das Trillerhaus ganz herumgedreht werden kann. Die Springhoͤlzer umnaͤhe ich mit gruͤnem Tuch, damit die Voͤgel weich ſitzen, und an den Fuͤßen keinen Schaden leiden, was bei den Nachtigallen, ſo wie bei allen eingeſperrten Voͤgeln leicht geſchieht. Die gewoͤlbte Decke wird mit gruͤnem Tuch be: ſchlagen, ſo wie auch der ganze Kaͤfig mit gruͤner Oelfarbe an— geſtrichen wird. Dabei iſt aber wohl zu merken, daß die Farbe ſich erſt verrochen haben, und ganz trocken ſein muß, ehe man den Vogel in den Kaͤfig thut, ſonſt wird er kraͤnklich oder ſtirbt wohl gar. 3 Einen ſolchen Käfig ziehe ich um deßwillen den andern vor, weil er J) weniger Platz einnimmt, da er ſchmal iſt 2) dunkler iſt, da die hoͤlzernen Sproſſen die Seiten mehr fuͤllen, alſo we⸗ niger Licht einlaſſen, und 3) die Voͤgel ſich baden koͤnnen, ohne daß der Vogelbauer und vorzüglich die Springhoͤlzer naß und ſchmutzig werden, ihre Fuͤße alſo beftändig reinlich und geſund bleiben. Man haͤngt die Voͤgel dahin, wo ſte am liebſten haͤngen; einige wollen nicht am Fenſter, ſondern an einem dunkeln Ort in der Stube haͤngen, andere aber lieben die Sonne und Hellung. Man muß dieß durch Probieren den Voͤgeln ablernen. Will man, daß ſie allenthalben ſchlagen ſollen, wo man ſie in ihrem Käfig hinhaͤngt, fo iſt nöthig, daß man fie an dieſe Veraͤnderung des Platzes gewöhnt, ehe fie ſchlagen, alſo gleich nach der Mauſer⸗ Die Nachtigall. 315 zeit, wo man fie bald da bald dorthin trägt. Einige ſchlagen auch gern allein, andere, wenn ſie mit einem Nachbar wechſeln koͤnnen; niemals aber wollen drei oder mehrere in einer Stube ſich gleich laut und gut hoͤren laſſen; der Grund ſcheint in einer gewiſſen Leidenſchaft zu liegen, daß keine der andern den Vorzug gönnen will. Diejenige, die alsdann zuerſt anfaͤngt, behält ges woͤhnlich die Oberhand, und jene ſingen entweder, wenn dieſe ſchweigt, nur ſelten und ganz leiſe, oder trotzen ſo ſehr, daß ſie gar nicht ſingen. So hat man oft Beiſpiele, daß Nachtigallen Jahre lang geſchwiegen haben und fuͤr Weibchen ſind weggegeben worden, die alsdann, ſobald ſie nur in ein Zimmer allein kamen, aus vollem Halſe zu ſchlagen anfingen. | Nahrung. | a. Im Freien. Hier befteht ihre Nahrung in Inſekten, vor⸗ zuͤglich in kleinen gruͤnen Raͤupchen, die ſich an Eichen, Weißdorn und andern Geſtraͤuchen befinden, in kleinen Nachtfaltern, in Flie⸗ gen, Kaͤfern, und andern Inſektenlarven, die unter dem Mooſe und unter der Oberflaͤche der Erde verborgen ſind, und wenn dieſe aufgegraben wird, offen daliegen. Auf ihrer Herbſtreiſe genießen ſie auch Johannisbeeren, ſchwarze und rothe Hollunderbeeren. b. In der Stube muß man, ſobald man eine neugefan⸗ gene erhält, fie etliche Tage mit friſchen Ameiſeneiern und Mehl: wuͤrmern füttern; find aber die friſchen Ameiſeneier noch nicht zu haben, fo müffen wenigſtens dürre bereit liegen. Einige ma⸗ chen auch in Ermangelung der friſchen Ameiſeneier ein Gemeng⸗ ſel von hartgeſottenem Huͤhnerei, Rinderherz und Semmeln, ſtopfen ihnen, wenn ſie nicht gleich ſelbſt freſſen wollen, daſſelbe ein, und legen ihnen auf dieß Futter etliche Mehlwuͤrmer, damit ſie es mit demſelben verſchlucken lernen. Es iſt aber dieß eine ſo kuͤnſtliche Fuͤtterungsart, daß ſie meiſt ſterben, auch leicht durch das Aufbrechen am Schnabel leiden koͤnnen. Wer keine Ameifen- eier hat, ſollte ſich daher billig keine Nachtigall halten, weil ohne dieſelben viele verloren gehen, ehe ſie ein ſo kuͤnſtliches Futter freſſen wollen. Das beſte Sommerfutter iſt blos friſche Ameiſen— eier, und täglich zwei bis drei Mehlwürmer*). Man kann auch ) um immer friſche Mehlwürmer zu haben, füllt man etliche Töpfe mit Weizenkleie, Gerſten⸗ oder Haferſchrot, und thut Zuckerpapier und alte Stük⸗ ken Schuhleder hinein. Wenn man in jedem Topf, der vier Kannen faßt, | 91 1 14 j 1 316 Die Nachtigall. die Ameiſen ſelbſt nehmen, indem man fie mit heißem Waſſer toͤd⸗ tet, allein dadurch zerſtoͤrt man die Ameiſenhaufen. Wenn es kei⸗ ne friſche Ameiſeneier mehr giebt, ſo giebt man ihnen gedoͤrrtes, oder beſſer gekochtes Rinderherz, gelbe Ruͤben, beides auf einem klaren Reibeiſen zerrieben und mit duͤrren Ameiſeneiern vermiſcht. Die gelben Moͤhren, welche man im Keller im Sand geſteckt im⸗ mer friſch erhaͤlt, erhalten den Magen und die Eingeweide ge⸗ ſchmeidig. Ja zuweilen kann man ihnen auch etwas klar ge— haktes mageres Rind- oder Schoͤpſenfleiſch geben. So fuͤttere ich, — nach mehreren verſuchten Fuͤtterungsarten, meine Nachtigallen, und ſie befinden ſich recht wohl dabei. Das wohlfeilſte Futter iſt, wenn man recht reife Beeren des Hollunder nach Art des Obſtes trocknet und ſolche unter Ameiſeneier miſcht, ſo wie man gelbe Ruͤben und Semmeln zu vermengen pflegt. Andere backen ihnen für den Winter ein Broͤdchen aus Erb- ſenmehl, das mit Eiern angemacht iſt, zerreiben es auf dem Reib⸗ eiſen, feuchten es mit Waſſer an, und vermengen es mit etwas duͤrren Ameiſeneiern. Noch andere, die ihre Nachtigallen recht wohlfeil halten wollen, nehmen Mohnſamen, zerſtoßen ihn in einem Moͤrſer, damit er vom Oel befreit wird, und vermengen ihn ſo mit etwas Semmelkrumen. Sie freſſen dieſe Miſchung, wenn ſie nach und nach daran gewoͤhnt werden, gern, allein ſie bekommen auch zuletzt die Auszehrung davon. Es iſt dieß in manchen Gegenden Thuͤringens ſeit einiger Zeit ein Modefutter fuͤr die Nachtigallen geworden; ich weiß aber aus Erfahrung, daß es dieſen Voͤgeln, die gar keinen Magen zur Verdauung der Saͤmereien haben, ſchaͤdlich iſt, und muß davor warnen. Man hat noch viele kuͤnſtliche Fuͤtterungsarten, die wir aber hier übergehen wollen, da fie meiſt gar. ſchaͤdlich ſind. Wer ſeine Voͤgel nach der oben angegebenen Methode fuͤttert, der wird ſie nicht nur geſund erhalten, ſondern ſie werden ihm auch als friſche muntere Voͤgel durch ihren lebhaften und oͤftern Geſang Freude machen. 1 Ich habe es auch, wie ich ſchon oben erwaͤhnte, verſucht, ſie ein Nöſel Mehlwürmer thut, dieſe ein Vierteljahr ruhig ſtehen läßt, und zu⸗ weilen einen feuchten in Bier getauchten wollenen Lappen darüber herſchlägt, ſo verpuppen ſich viele, und werden zu Käfern, die wieder Eier legen, und man hat immer Mehlwürmer, wenn man auf eine Nachtigall einen ſolchen Topf rechnet; denn fie pflanzen ſich ſehr ſtark fort. Die Nachtigall. 317 in der Stube frei herumlaufen zu laſſen. Hier haben ſie von dem gewoͤhnlichen Univerſalfutter gefreſſen; allein dieß iſt ihnen doch zu grob; denn nach einem halben Jahr fangen ſie an, die Duͤrrſucht zu bekommen, und ſterben, wenn man ihnen nicht das gewoͤhnliche Nachtigallenfutter giebt. Friſches Waſſer verlangen ſie nicht nur taglich zum Trank, ſondern auch zum Baden. Fortpflanzung. Jede Nachtigall behauptet ihr Gebiet (Stand), und wo zur Begattungszeit ihrer mehrere zuſammenkommen, fuͤhren ſie die hitzigſten Kriege, verfolgen und verjagen ſich unter einander, und der ſchwaͤchere muß allemal weichen. Gewöhnlich erfolgen dieſe Kriege zwiſchen Eltern und Kindern, da letztere, in der Gegend erzogen, ſich auch daſelbſt haͤuslich niederlaſſen wollen. Aber als— dann iſt dieſe ſo nahe Blutsverwandtſchaft vergeſſen, und ſie kennen ſich nicht mehr, nehmen alſo auch keine Ruͤckſicht auf die elterlichen und kindlichen Bande, die ſie ſonſt ſo feſt zuſammen⸗ knuͤpften. Sie bauen ihr Neſt in Laubhoͤlzer oder Gaͤrten in einem zuſammengelegten Reiſighaufen, Dornbuſch, auf einem mit dichtem Gebuͤſch umwachſenen, niedern Baumſtrunk, oder auf der bloßen Erde, wenn der Ort mit hohem Gras oder dichten Buſch— werk umwachſen iſt. Es iſt ohne Kunſt verfertigt, beſteht aͤußer⸗ lich aus vielem kleinen duͤrren Laube, nach innen zu aus Gras⸗ wurzeln und Grashalmen, und hat zuweilen inwendig noch einige Thierhaare zur Ausfuͤtterung. Das Weibchen legt vier bis ſechs gruͤnlichbraun angelaufene Eier und bruͤtet ſie in vierzehn Tagen aus. Die Jungen werden mit Raͤupchen und kleinen Nachtfal⸗ tern aufgefuͤttert. Sie huͤpfen deßhalb, noch ehe fie fliegen koͤn⸗ nen, aus dem Neſte aus, weil ſie in einem ſo niedrigen Neſte den Nachſtellungen der Raubthiere zu ſehr ausgeſetzt ſind. Sie ſehen den Alten bis zum erſten Mauſern faſt in nichts als dem rothen Schwanze aͤhnlich; denn am Oberleibe ſind ſie roſtgrau, am Kopf und den Deckfedern der Fluͤgel gelblichweiß gefleckt, und am Unterleibe roſtgelb, an der Bruſt dunkelbraun geſpren⸗ kelt. Nach dem Mauſern koͤnnen fie aber faſt gar nicht von den Alten unterſchieden werden. Wenn daher gegen den Herbſt eine gefangen wird, und der Beſitzer gern wiſſen will, ob es eine junge oder alte ſei, ſo muß er ſie genau am Hinterkopf, um die — = = ü WW TE ne 318 f Die Nachtigall. Augen, unter dem Schnabel und am Hals betrachten; ſindet ſich nur ein einziges gelbes Federchen oder Puͤnktchen, ſo iſt es zu⸗ verläffig eine junge Nachtigall. Außerdem giebt es keine Kenn: zeichen, und man muß alsdann einige Tage warten, wo das junge Männchen ſogleich zu fingen, oder, wie es in der Vogel: ſtellerſprache heißt, zu dichten anfängt. Allein auch dieß Kenn: zeichen truͤgt, denn die jungen Weibchen ſingen auch, und zwar bis in den April, allein ihr Dichten iſt theils leiſer, theils abge— brochner, und vorzuͤglich blaſen ſie die Kehle nicht ſo merklich auf, wodurch ſie ſich alſo dem Kenner bald kenntlich machen. Fuͤr diejenigen Vogelfreunde, welche gern junge Nachtigallen aufziehen, wird folgende Bemerkung nicht unnoͤthig ſein: Wenn man ein Nachtigallenneſt weiß, ſo nimmt man ſtets die hellfar⸗ bigen oder weißern heraus; dieß ſind die Maͤnnchen. Vorzuͤg— lich muß man nach der weißern Kehle ſehen. Die Weibchen ſehen immer dunkler oder eigentlich roͤthlicher und brauner aus. Man fuͤttert ſie mit Ameiſeneiern, unter welche man zerriebene und angefeuchtete Semmeln miſcht. Die Männchen fangen ſchon an zu dichten, ehe ihnen der Schwanz ausgewachſen iſt. Wenn man die Alten auf dem Neſte faͤngt, ſo ziehen ſie die Jungen im Kaͤfig auf. — Wenn man behauptet, daß die Nachtigallen auch im Zim⸗ 7 mer niſten, ſo iſt dieß nur inſofern wahr, daß man da, wo man einem Pärchen ein ganzes Zimmer, das mit grünen Tannen: baͤumchen beſetzt war, einraͤumte und es gut fuͤtterte, dieſe kuͤnſt⸗ liche Fortpflanzung zuweilen bewerkſtelligte. Krankheiten. Zur Mauſerzeit ſind die Nachtigallen gewoͤhnlich kraͤnklich; ſie verlangen alsdann nicht nur gutes Futter, ſondern auch zu— weilen eine Spinne. Wenn ſie einen verdorbenen Magen ha— ben, ſo machen ſie ſich dick, verſchließen die Augen halb, und ſtecken den Kopf ſtundenlang zwiſchen die Fluͤgel. Ameiſeneier, einige Spinnen, und Safran ins Trinkgeſchirr gethan, aber nur ſo viel, daß er dem Waſſer eine gelbroͤthliche Farbe giebt, und ſie zwei⸗ bis dreimal davon trinken laſſen, kurirt ſie. Alle Krankheiten, die ſie mit andern Voͤgeln gemein haben, kurirt man, wie gewoͤhnlich, beſonders muß man ihnen die gro— ßen Schuppen alle Vierteljahre einmal von den Schienbeinen und Die Nachtigall. 319 Zehen, aber mit der größten Vorſicht, ablöfen. Sie erreichen in der Stube ein Alter von funfzehn Jahren; im Freien aber bes - merkt man fie kaum fo lange an einem Orte; doch ſchließt dieß nicht in ſich, daß fie nicht Alter werden koͤnnen, weil fo viele theils von Raubvoͤgeln, theils von Vogelſtellern gefangen werden. Ja, ich weiß ein Beiſpiel, daß eine Nachtigall fünf und zwanzig 5 = Jahre in einer Stube geweſen iſt. Bis zum ſechſten Jahre fingen fie vollkommen; alsdann aber find fie zu alt, und fingen dann nicht mehr fo lange, fo oft, fo angenehm und fo ſtark; man thut daher am beſten, ſie im Mai wieder fortzulaſſen; ich weiß Bei— ſpiele, daß ſie ſich dann wieder verguͤngt, und im Freien wieder ſo ſtark und gut, wie vorher, geſchlagen haben. f Fang. In den erſten Fruͤhlingsmonaten, beſonders zur Zeit der Paarung iſt die Nachtigall ſehr leicht zu fangen. Wenn man im ſchwarzen Boden eine flache Grube graͤbt und in dieſelbe etliche Mehlwuͤrmer oder Ameiſeneier wirft, ſo wird ſie ſogleich herbei geflogen kommen und dieſe Leckerbiſſen wegholen. Stellt man nun uͤber dieſen Platz Leimruthen, oder ein Buͤgelnetz (Fall⸗ garn), welches aus zwei Bügeln, die mit Garn umſtrickt find, beſteht, und mit einem Stellholze, wie ein Meiſenkaſten, aufge⸗ ſtellt wird, fo kann man fie ſehr leicht bekommen. Man braucht auch uͤber eine ſolche Grube nur ein Bretchen aufzuſtellen, un⸗ ter welches ein Hoͤlzchen geſetzt wird, das, ſobald fie darauf huͤpft, umfaͤllt, ſo faͤngt man ſie auch. Sie iſt ſo wenig ſcheu (welches ſeinen Grund darin hat, daß ſie ſo ſelten verfolgt wird), daß ſie dem, welcher ihr die Falle ſtellt, zuſieht, und, ſobald er nur einige Schritte weggeht, ſich vor ſeinem Angeſichte faͤngt. Wenn fie nicht gerade auf dem Platze ſitzt, wo für fie aufgeſtellt iſt, fo laͤßt ſie ſich auch, wenn man langſam und ſanft zu Werke geht, nach demſelben hintreiben. Daher iſt es einem geſchickten Vogel⸗ ſteller leicht, in etlichen Stunden eine ganze Gegend von dieſen vortrefflichen Sängern zu entvoͤlkern. Man kann ihm aber ſeine Muͤhe dadurch vereiteln, daß man ihm zuvorkommt und die Nach⸗ tigall, die man gern zu ſeinem Vergnuͤgen wuͤnſcht, auf die oben beſchriebene Weiſe und beſonders mit Leimruthen wegfaͤngt, und. wieder loslaͤßt, da ſie alsdann ſo leicht nicht wieder in die Falle geht. Es iſt auch ohnehin in den meiſten Laͤndern Deutſchlands — — —— ——ͤ—ͤ—ñ— —— none 320 Die Nachtigall. bei großer Geldſtrafe verboten, Nachtigallen zu fangen, oder wo dieß nicht iſt, ſo hat der Jaͤger allein (und dieß mit Recht), fo wie bei anderm gehegten Wild, unter beſtimmten Einſchraͤnkungen die Erlaubniß, dieſe Voͤgel zu fangen und an die Liebhaber zu verkaufen. Man kann ſie auch in Sprenkeln fangen, vor welche man im Fruͤhjahr, ſtatt der Herbſtbeeren, einige zappelnde Mehlwuͤr— mer haͤngt. Allein dieſer Fang iſt deßwegen unthunlich, weil ſie ſehr leicht, und wenn die Sprenkel noch ſo leiſe ſtehen, an den Fuͤßen beſchaͤdigt werden koͤnnen. Empfehlende Eigenſchaften. Dieſe liegen vorzuͤglich in der Stimme der Nachtigall, welche ich daher fo genau als moͤglich befchreiben will. Ihre ver: ſchiedenen Leidenſchaften giebt ſie durch mancherlei einzelne Toͤne zu erkennen. Der unbedeutendſte Ruf ſcheint ein pfeifender Ton Witt zu ſein, wenn ſie ihn einzeln hoͤren laͤßt. Wird aber noch die ſchnarrende Sylbe Krr! daran gehaͤngt, ſo iſt das Witt— Krr der Laut, wodurch Maͤnnchen und Weibchen einander anzu— locken pflegen. Um ihren Unwillen oder ihre Furcht zu erkennen zu geben, rufen ſie das Witt vielmal hurtig und laut hinter einander aus, ehe ſie einmal Krr dazu ſchnarren. Wenn ſie vergnuͤgt und zufrieden find z. B. über eine gute Mahlzeit oder uͤber die Zutraulichkeit und Zärtlichkeit des Gatten, fo laſſen fie ein tiefes Tack hoͤren, das man nachahmen kann, wenn man mit der Zunge ſchnalzt. Im Zorn und der Eiferſucht uͤber ihres Glei⸗ chen, oder bei Aufſtoßung etwas Ungewoͤhnlichen, geben ſie einen unangenehmen ſchreienden Ton, wie verſchiedene mit ihnen ver: wandte Voͤgel z. B. der Moͤnch, von ſich, der dem Geſchrei des Holzhehers oder gar dem Mauen der Katzen gleicht. Sie thun dieß auch im Zimmer, wenn eine der andern den Rang im Sin: gen ablaufen will, und ſuchen ſich dadurch irre zu machen. In der Paarungszeit, wenn ſie ſich necken und herumjagen, welches oft von dem Gipfel des Baums bis zur Wurzel und wieder hin— auf geht, geben ſie ein ganz leiſes Zwitſchern von ſich. Dieß find die Töne, welche die Natur beiden Gatten zugleich verliehen hat. Allein das Männchen zeichnet ſich beſonders durch feinen Geſang, den man feiner Stärfe und der deutlich abge— ſetzten Strophen halber einen Schlag nennt, vor andern Sing⸗ Die Nachtigall. 321 voͤgeln aus, und heißt mit Recht die Koͤnigin derſelben. Es iſt zum Erſtaunen, wie viel Kraft dieſer Vogel in den Werkzeugen ſeiner Stimme beſitzt, da er in der Naͤhe dem Zuhoͤrer Ohren⸗ gellen verurſacht. Wirklich ſind auch bei ihnen die Muskeln der Kehle ſtaͤrker als bei jedem andern Singvogel. Aber nicht nur die Staͤrke der Stimme, ſondern vorzüglich die mannichfaltigen und anmuthigen Abwechſelungen und die ſchoͤne Harmonie des Geſangs machen die Nachtigall für jeden Menſchen, der nicht alles Gefuͤhl fuͤr das Schoͤne und Angenehme verloren hat, ſchaͤtz⸗ bar. Bald zieht ſie minutenlang eine Strophe einzelner melan⸗ choliſcher Toͤne hin, die leiſe anfangen, nach und nach immer ſtaͤrker wachſen, und ſterbend ſich endigen, bald ſchmettert ſie eine Reihe grader ſcharfer Noten haſtig her, und ſchließt dann dieſe und viele andere Stanzen, woraus ihr Lied beſteht, mit den ein⸗ zelnen Toͤnen eines aufſteigenden Accords. Wenigſtens vier und zwanzig verſchiedene Strophen hat der Geſang einer gut ſingenden Nachtigall (denn auch unter ihnen giebt es, wie bei allen Sing⸗ voͤgeln, Virtuoſen, Stuͤmper und gewöhnliche Sänger), die klei⸗ nen Variationen nicht mit gerechnet, und man iſt im Stande, dieſelben durch artikulirte Sylben und Worte (freilich aus der Nachtigallenſprache) auszudruͤcken. Hier find fie, wie ich fie gerade von einer hoͤre, die neben mir ſchlaͤgt, und die unter die Virtuo⸗ ſen ihrer Kunſt gehoͤrt: Tiuu tiuu tiuu tiuu, Spe tiu zqua, Tio tio tio tio tio tio tio tix; Qutio qutio qutio qutio, Zquo Zquo zquo zquo; E Tzü tzü tzü tzü ztü tzü tzü tzü tzü tzi, _ Quorror tiu zqua pipiqui. Z.07070202070202020202020 Zirrhading! . ee. 8000» 2 Zorre zorre zorre zorre hi; | Tzatn tzatn tzatn tzatn tzain tzatn tzatn zi, Dlo dlo dio dlo dlo dio dlo dio dio dio Quio tr rrrrrrrr itz. Naturgeſch. d. Stubenvögel. f 21 Die Nachtigall. A A A A Lü lü lu lü ly ly ly ly li li Ji li.“) Quio didl li lülylı. Ha gürr gürr quipio! Qui qui qui qui qi di qi di gi gi gi gi;“) Gollgollgollgoll gia hadadoi. Quigi horr ha diadiadillsil Hezezezezezezezezezezezezezezezeze quarrhozehoi; Quia quia quia quia quia quia qua quia ti: Qi qi di io 10 10 10101010 0 — Lü ly li le lä la lö lo didl io quia, Higaigaigaigaigaigaigai giagaigaigai Quior ziozio pi.““) Koͤnnten wir den Sinn dieſer Worte faſſen, ſo wuͤrden wir finden, daß vielleicht jedes derſelben ein Ausdruck der geheimen Gefuͤhle dieſes angenehmen Saͤngers ſei. Die Nachtigallen ſingen nun zwar an allen Orten, in Indien wie in Schweden, auf einer⸗ lei Ark, es iſt aber doch (wie ich ſchon bemerkt habe) ein ſo merk⸗ licher Unterſchied in der mehr oder weniger ausgebildeten Vollkom⸗ menheit ihres Geſangs und ihrer Stimme, daß man immer einer vor der andern einen groͤßern Vorzug zugeſtehen muß. Doch kommt es hierbei auch oft, wie bei vielen Dingen in der Welt, wo vom Schoͤnen die Rede iſt, blos auf den Liebhaber an; denn wenn die eine ihre Toͤne langſam und anmuthig zieht, ſo hat die andere gewoͤhnlich ganz etwas eigenes in ihrem Schmettern, eine dritte webt eine eigene Strophe, die jene gar nicht haben, z. B. ein angenehmes Schnarren oder Klingeln mit in ihr Lied, und die vierte uͤbertrifft alle drei durch den Silberklang ihrer Stimme. Alle ſchlagen in ihrer Art vortrefflich, jede findet ihren Liebhaber, ) Dieſe ziehenden melancholiſchen Töne wiederholt ein Vogel bei mir oft zwei und dreißig bis funfzigmal. Manche ſprechen fie auch Gü gy gi aus, und andere Quü quy qui. %) Dieß klingt viel ſchärfer und heller als das obige Lü ze. **) So ſchwer es hält, ja fo unmöglich es iſt, dieſen Geſang auf irgend einem Inſtrumente (ich nehme die blechernen Heherpfeifchen und ein Stückchen halbmondförmig ausgeſchnittene Birkenrinde, die man zwiſchen die Zunge nimmt, aus) vollkommen nachzuahmen, ſo angenehm klingt es, wenn man ſich dieſe Vögel auf einem guten Claviere aecompagniren läßt. Ich habe be⸗ merkt, daß wenn man aus B und Es ſpielt, es zu allen Arten von Muſik, Takt, Tempo gut klingt, vorzüglich zum Adagio. Zu C, D und & will es mir gar nicht einſtimmen. Ob das wohl mehr iſt bemerkt worden! Die Nachtigall. 323 und es iſt ſchwer, einer vor der andern den Vorzug geben. Frei⸗ lich giebt es zuweilen Virtuoſen unter denſelben, die alle Boll kommenheiten der Melodie und der Stimme in ſich vereinigen. Dieſe ſind gewoͤhnlich aus dem erſten Gehecke, die bei ihren gu⸗ ten natürlichen Anlagen der Stimme und des Gedaͤchtniſſes in einer Gegend erzogen ſind, wo es viele Nachtigallen giebt, daß ſie aus dem Geſange der einen dieſe, aus dem der andern jene angenehm klingende Toͤne ſich zueignen und dadurch dem ihrigen diejenige Vollkommenheit geben koͤnnen, die wir ſo ſehr bewun⸗ dern. Wenn die Maͤnnchen von ihren Wanderungen zuruͤckkom⸗ men, welches ſtets ſechs bis acht Tage vor der Ankunft des Weib⸗ chens geſchieht, ſo ſingen ſie alle des Nachts, vor und nach Mit⸗ ternacht, um bei hellen Naͤchten die vorbeiſtreichenden Weibchen zu ſich zu locken. Wird ihr Wunſch gewaͤhrt, ſo hoͤrt man ſie nicht alle mehr des Nachts ſchlagen, ſondern viele begruͤßen nur den herannahenden Morgen mit ihren Liedern und ſetzen ſolche den Tag über abwechſelnd fort. Es giebt aber auch Nachtigallen, die immer vor und nach Mitternacht ſingen, und Nachtvoͤgel genannt werden. Man kann daher erſt in der Folge, wenn eine Nachtigall ſich ſchon etliche Tage an einem beſtimmten Orte auf⸗ gehalten, und ihr Weibchen hat, ſagen, ob fie ein Tag- oder Nachtvogel ſei“). Ich weiß aus vieljaͤhriger Erfahrung, daß ſich die Nachtſaͤnger als eine eigene Gattung fortpflanzen. Nimmt \ ö | 1 Nachtſaͤnger iſt, ſo werden gewiß die Jungen auch Nachtſaͤnger, . zwar nicht das erſte Jahr, wo ſie lernen, aber in der Folge; hin⸗ gegen eine junge Nachtigall aus einem Tagſaͤngerneſte wird nie u ein Nachtſchlaͤger, und wenn fie mit lauter Nachtvoͤgeln umgeben man z. B. Junge aus einem Nachtigallenneſt, wo der Vater ein { wäre. Auch habe ich bemerkt, daß die Nachtfänger gern gebir⸗⸗ gige Gegenden lieben, und an Bergen ſitzen, waͤhrend die Tag⸗ ſaͤnger ſich gern in ebenen Gärten, an Fluͤſſen und in Thaͤlern ) Man muß auch die Nachtvögel von den Repetirvögeln unterſchei⸗ den. Ein wahrer Nachtvogel ſchlägt vom Abend bis Morgen ununter⸗ brochen fort. Repetirvögel aber find ſolche, die zuweilen des Nachts einen Schlag thun, und beſonders einen einzelnen, abgebrochenen und unzuſammen⸗ hängenden Schlag haben, und zwiſchen jeder Strophe etliche Minuten pauſi⸗ ren. Alle Nachtigallen werden nach vier bis ſechs Jahren Nepetirvögel, und es glaubt mancher, einen Nachtſänger zu beſitzen, während er doch nur einen Repetirvogel hat. Es iſt aber auch zuweilen umgekehrt der Fall, daß die wahren Nachtvögel, nachdem ſie gefangen worden, erſt ein bis zwei Jahre blos Repetirvögel ſind. 15 RIM 21* — 324 Die Nachtigall. aufhalten. Ja, ich getraue mir zu behaupten, daß ſich die Nacht: ſaͤnger, die man zuweilen in ebenen Gegenden einzeln antrifft, ſich nur verflogen haben. So haben wir z. B. in den Vorbergen des Thuͤringerwaldes, bei Waltershauſen ꝛc. lauter Nachtvoͤgel, da hingegen in den ebenen Gegenden um Gotha herum nichts als Tagvoͤgel angetroffen werden. Schade iſt es, daß die Singzeit dieſes vortrefflichen Saͤngers nicht lange dauert; denn fie ſchlaͤgt in der Freiheit, wo ihr Ge ſang noch anmuthiger klingt als in der Stube, nicht volle drei Monate, und dieſe kurze Zeit nicht mit gleichem Eifer. Wenn ſie ankommt, iſt ſie am fleißigſten, und dieß waͤhrt, bis die Jun⸗ gen aus den Eiern geſchluͤpft ſind. Alsdann muß ſie die meiſte Zeit auf die Verſorgung ihrer Nachkommenſchaft verwenden; man hoͤrt ſie alſo ſchon ſeltener. Erhebt ſie zuweilen ihre Stimme wieder, ſo geſchieht es doch nicht mit dem Feuer, welches ihren Geſang bei ihrer Ankunft belebte. Kommt endlich der Johannis⸗ tag herbei, ſo hoͤrt ſie gar auf, und man hoͤrt von dieſer Zeit an blos das Zwitſchern der Jungen, die den Geſang ihres Vaters zu lernen beginnen, welches man ihr Dichten nennt. Im Zimmer ſingen ſie laͤnger, fangen zuweilen im Novem⸗ ber an, und hoͤren nach Oſtern auf. Dieß thun diejenigen, die man erwachſen gefangen hat, die jung aufgezogenen aber ſchlagen wohl ſieben ganze Monate, muͤſſen aber allein haͤngen und von einer alten unterrichtet ſein, ſonſt werden es Stuͤmper, ſchlagen nicht nur ihren natuͤrlichen Geſang nicht gut, ſondern nehmen auch Toͤne und Strophen aus den Geſaͤngen anderer Voͤgel an, die fie hoͤren; haben fie aber einen guten Vorſaͤnger und ein gutes Gedaͤchtniß, ſo ſingen ſie dieſem nicht nur nach, ſondern vervollkommnen auch, wie alle aufgezogene Stubenvoͤgel, noch ihr Lied. Doch dieß iſt etwas ſeltenes !“). a Wenn man ſie im Fruͤhjahre faͤngt und noch zum Singen bringen will, ſo muß man ſie nicht nur gut fuͤttern, ſondern auch an einen ſtillen und einſamen Ort haͤngen, und ſie, ſo lange J unter zwanzig jung aufgezogenen Nachtigallen geräth kaum eine; denn äußerſt ſelten nehmen ſie ihren natürlichen reinen Schlag an, und faſt alle miſchen, trotz aller Vorſicht, unangenehme Töne mit ein. Die beſten Nach⸗ tigallen, die man ſich ziehen kann, ſind die Jungen, die im Auguſt vor ihrem Abzuge gefangen werden. Dieſe haben den natürlichen Geſang ſchon ganz inne, und vervollkommnen ihn noch gewöhnlich, wenn ſie das kommende Früh⸗ jahr einen rechten guten Schläger hören. . Die Nachtigall. 325 ihre Singzeit dauert, mit einem duͤnnen gruͤnen Tuch oder mit grünen Tannenreiſig, das die Naben hält, verdecken. Noch muß ich bemerken, daß es ſchaͤndlich iſt, wenn A Liebhaber fo grauſam ſein koͤnnen, dieſen Voͤgeln, ſo wie den Finken, um noch einen vollkommenern und laͤngern Genuß ihres entzuͤckenden Geſanges zu haben, die Augen zu blenden oder gar auszuſtechen. Man ſpricht auch, man koͤnne mit Rothkehlchenwelbchen und Nachtigallmaͤnnchen in der Stube, wenn ſie frei herum fliegen, Baſtarde ziehen. Ich habe keine Erfahrung davon. | Zum Beſchluß will ich noch die ſchoͤne Stelle aus Buͤffons Naturgeſchichte der Voͤgel hier uͤberſetzt beifuͤgen, worin er den Geſang der Nachtigall ſo vortrefflich, obgleich etwas uͤbertrieben, ſchildert. Ich hoffe AN manchem meiner Leſer ein Vergnügen zu machen: Bei dieſem Namen Nachtigall ſagt er, erinnert ſich wohl jeder, deſſen Sinne noch unverdorben ſind, an eine jener ſchoͤnen Fruͤhlingsnaͤchte, wo der Himmel heiter, die Luft ruhig war, die Natur in erwartungsvollem Schweigen da lag, und er ent⸗ zuͤckt die Sängerin der Haine belaufchte. — Man koͤnnte verſchiedene Voͤgel anfuͤhren, deren Stimme in mancher Hinſicht mit der der Nachtigall wetteifert. Die Lerche, der Zeiſig, der Fink, die Grasmuͤcke, der Haͤnf⸗ ling, der Stieglitz, die gemeine und einſame Amſel, die amerika⸗ niſche Spottdroſſel, alle dieſe hoͤrt man mit Vergnügen, fo lange die Nachtigall ſchweigt. Einige von dieſen haben einen eben fo ſchoͤnen Ton, einen eben ſo reinen, ſanften Schlag, eine eben ſo lang⸗ ſam und melodiſchtoͤnende Kehle, allein vergebens ſucht man unter ihnen Einen, den nicht die Nachtigall durch die vollkommenſte Ver⸗ einigung aller dieſer verſchiedenen Talente, und durch die bewunde⸗ rungswuͤrdigſte Abwechſelung ihres Geſanges uͤbertraͤfez fo daß das Lied jedes dieſer Voͤgel in ſeinem ganzen Umfange nur eine un⸗ vollkommene Strophe aus dem Geſange der Nachtigall iſt. Sie bezaubert ewig und wiederholt ſich nie, wenigſtens nie ſclaviſch, und geſchieht es, ſo belebt ſie jedesmal mit einem neuen Accente, verſchoͤnert mit neuer Anmuth ihre Wiederholung. Jede Art, je⸗ der Ausdruck der Empfindung gluͤckt ihr; meiſterhaft malt ſie alle ihre Charaktere, und verdoppelt durch uͤberraſchende Spruͤnge die Die Nachtigall. Wirkung derſelben. Wenn die Koͤnigin des Fruͤhlings die Hymne an die Natur anſtimmen will, ſo faͤngt ſie mit einem furchtſamen Vorſpiel, mit halblauten unbeſtimmten Toͤnen an, als ob fie ihr Inſtrument verſuchen und die Aufmerkſamkeit der Zuhoͤrer erſt rege machen wollte. Nach und nach wird ſie dreiſter; ihr Muth und ihre Begeiſterung wachſen, und bald ſtroͤmen in ihrer ganzen Fülle die Melodien ihrer unvergleichlichen Kehle hin: ſchmetternde Schlaͤge, hell ſchwebende Wirbel und Triller, in denen Reinheit und Leichtigkeit ſich gatten, ein inneres gedaͤmpftes Murmeln, deſſen Ton das Ohr auf der Tonleiter vergeblich ſucht, aber das deſto geſchickter iſt, den reinen deutlichen Toͤnen zur Folie zu die⸗ nen, fliegende, blitzgeſchwind rollende Laͤufe, kraͤftig, oft mit ge⸗ ſchmackvoller Haͤrte angeſchlagen — ſanft klagende, in einander ſchmelzende, ohne Kunſt gereihte, aber ſeelenvolle Cadenzen — bezaubernde, eindringende Toͤne, wahre Seufzer der Liebe und Wolluſt, die ſich aus dem Herzen draͤngen, und zum Herzen ſpre⸗ chen, daß es von Gefuͤhlen aufwallt und in ſanfter Schwermuth verſinkt. — Wer verkennt in dieſen, von Leidenſchaft beſeelten Toͤnen die Sprache der Empfindung des gluͤcklichen Gatten, die er der geliebten Gefaͤhrtin weiht, und die nur ſie ihm einfloͤßen kann, da man in andern, vielleicht kuͤnſtlichern, aber wenig aus⸗ drucksvollen Stellen nur den Wunſch ſieht, ſie zu unterhalten, ihr zu gefallen oder in ihrer Gegenwart den Sieg über einen eiferfüchtigen Nebenbuhler feines Ruhms und Gluͤcks zu erringen. Dieſe verſchiedenen Saͤtze werden oft durch Stillſchweigen unter⸗ brochen, das in allen Arten der Melodie die Wirkung ſo maͤchtig verflärkt. Man genießt noch einmal im Nachhall die ſchon gehoͤr⸗ ten Toͤne, die noch um unſer Ohr ſchweben, und man genießt ſie ruhiger, weil der Genuß inniger und geſammelter iſt, und durch keinen neuen Eindruck geftört wird. Bald wartet man, daß ſie von neuem anfangen ſoll, man wuͤnſcht die ſchoͤne Stelle noch einmal zu hören; ſieht man fich betrogen, fo laͤßt uns die Schoͤnheit des neuen Stuͤcks nicht bedauern, daß das vorige auf⸗ geſchoben iſt, und die Erwartung bleibt fuͤr die folgenden Saͤtze geſpannt. Eine Haupturſache, die den Geſang der Nachtigall vorzuͤglich macht, iſt (wie Herr Barrington fagt,) dieſe, daß, da ſie des Nachts, welches die guͤnſtigſte Zeit iſt, und allein ſingt, ihre Stimme die volle Staͤrke behaͤlt, und durch keine andere un⸗ Die Nachtigall. 1 terdrückt wird; ſo verdunkelt fie alle anderen Vogel durch ihre ſanften geflöteten Toͤne und durch die ununterbrochene Dauer ihres Schlags, der zwanzig Sekunden aushaͤlt. 42% Derſelbe Beobachter zaͤhlt ſechszehn verſchiedene Schläge, die ſich genau durch ihre Anfangs- und Endigungs⸗Noten unterſchei⸗ den, und deren mittlere Noten der Vogel mit Geſchmack zu wech⸗ ſeln weiß. Auch hat er genau beſtimmt, daß die Stimme des Vogels den Raum einer (englifchen) Meile im Durchſchnitt fuͤllt, „dieß iſt wenigſtens dieſelbe Weite, welche die menſchliche Stimme ausfüllen kann. Es iſt auffallend, daß ein fo kleiner Vogel, der kaum eine halbe Unze wiegt, ſo viel Staͤrke in der Stimme hat. Herr Hunter hat beobachtet, daß die Muskeln der Luftroͤhre, oder der Kehle, bei dieſer Art nach Verhaͤltniß ſtaͤrker als bei allen übrigen ſind, ſelbſt ſtaͤrker bei dem Maͤnnchen, das ſingt, als bei dem Weibchen, das nicht ſingt. Ariſtoteles und Pli⸗ nius ſagen, daß der Geſang der Nachtigall in ſeiner ganzen Staͤrke vierzehn Tage und Naͤchte in der Zeit, wo die Baͤume zu gruͤnen anfangen, ununterbrochen dauert. Dieß gilt nur von | den in der Freiheit lebenden Nachtigallen und muß nicht im ſtrengſten Sinn genommen werden, denn ſie ſind weder vor noch nach der angegebenen Zeit ſtumm. Freilich ſingen ſie nach die⸗ ſer weder mit demſelben Feuer noch der Ausdauer. Sie fangen gewoͤhnlich im April an und endigen im Ju⸗ nius gegen die Sonnenwendezeit; aber der eigentliche Zeitpunkt, wo ihr Geſang merklich verliert, iſt der, wo ihre Jungen aus⸗ kriechen, weil ſie ſich alsdann mit Sorgen fuͤr ihre Nahrung be⸗ ſchaͤftigen, und die Natur den Trieben, die zur Erhaltung ihrer Gattung dienen, das Uebergewicht gab. Die eingeſperrten Nach⸗ tigallen fahren neun bis zehn Monate fort, zu ſingen, und ihr Geſang iſt nicht allein anhaltender, ſondern auch vollkommener und geordneter. Daraus folgert Herr Barrington, daß das Maͤnnchen bei dieſer Art, ſo wie bei andern, nicht ſinge, um das Weibchen zu beluſtigen, noch ihr die lange Weile der Bruͤte⸗ zeit zu kuͤrzen, eine Bemerkung, die ſehr richtig und wahr iſt, (und gegen die ich auch aus manchen Gründen nichts einzuwen⸗ den habe,). i Wirklich erfuͤllt das Weibchen, das bruͤtet, dieſen Beruf aus einem Triebe, den die Natur in daſſelbe legte, oder beſſer, aus Die Nachtigall. einem Gefuͤhl, das ſtaͤrker iſt, als das der Liebe. Sie fuͤhlt ei⸗ nen innern eigenen Wohlgenuß darin, von dem wir nicht urthei⸗ len konnen, den fie aber lebhaft zu empfinden ſcheint, und der uns nicht vorauszuſagen erlaubt, daß ſie in dieſen Augenblicken des Troſtes beduͤrfte. So wenig alſo das Weibchen aus Tugend oder Pflicht bruͤtet, eben fo wenig kann man das Aufmerkſam⸗ keit darauf nennen, was das Maͤnnchen zum Singen bewegt; wirk- lich ſingt es auch beim zweiten Bruͤten gar nicht. Es iſt die Liebe, und vorzuͤglich die erſte Zeit der Liebe, die den Voͤgeln ihren Geſang einfloͤßt. Der Fruͤhling bringt den Trieb zu lieben und zu fingen gleich ſtark in ihnen hervor: die Maͤnn⸗ chen ſind am zaͤrtlichſten und ſingen alſo auch am mehreſten; ſie ſingen die groͤßte Zeit des Jahres, ſo lange man einen fortdauern⸗ den Fruͤhling um fie herrfchen läßt, der ſtets ihre Gluth naͤhrt, ohne ihnen eine Gelegenheit zu geben, die fie loͤſchte. Dieß geſchieht mit den eingeſperrten Nachtigallen und ſelbſt mit denen, die man i wie wir oben ſagten, vollig erwachſen faͤngt. Man hat derglei⸗ chen geſehen, die wenig Stunden nach ihrer Gefangenſchaft voll⸗ kommen ſchoͤn ſchlugen. Dennoch fehlt viel, daß fie für den Ver⸗ luſt ihrer Freiheit unempfindlich waͤren „beſonders im Anfange; fie wuͤrden in den erſten acht Tagen verhungern, wenn man ihnen das Futter nicht in den Schnabel ſteckte, oder ſich den Kopf am Deckel ihres Kaͤfigs einrennen, baͤnde man ihnen nicht die Fluͤ⸗ gel; aber endlich ſiegt das Verlangen, zu ſingen, weil dieß durch einen ſtaͤrkern Trieb unterſtuͤtzt wird. Der Geſang anderer Voͤgel, der Ton eines Inſtruments oder die ſanften Toͤne einer einnehmenden Stimme ſind fuͤr ſie merk⸗ liche Anreizungen; ſie naͤhern ſich eilig, durch die angenehmen Toͤne herbeigelockt, aber das Duett ſcheint fie noch mächtiger an⸗ zuziehen. Dieſes koͤnnte beweiſen, daß fie für den Reiz der Har⸗ monie nicht fuͤhllos wären. Sie find keine ſtummen Zuhoͤrer, ſon⸗ dern wetteifern mit ihren Nebenbuhlern und wenden alles an, ſie zu verdunkeln, ſtrengen ihre vereinten Kräfte an, um jede Stimme, ja ſogar jedes Geraͤuſch zu übertäuben; man ſagt, daß einige todt zu den Fuͤßen der ſingenden Meiſen niedergefallen wären; eine andere blies die Kehle auf und ließ ein zorniges Gezwitſcher hös ren, ſobald ein Zeiſig, der ihr nahe hing, zu ſingen anfing, und endlich brachte ſie ihn durch ihre Drohungen zum Schweigen. So Der Sproſſer. 329 wahr iſt es, daß ſelbſt die groͤßte Ueberlegenheit nicht immer von Eiferſucht frei iſt. Vielleicht traͤgt die Leidenſchaft, zuerſt zu glaͤn⸗ zen, viel dazu bei, daß dieſe Voͤgel ſo aufmerkſam ſind, den Vor⸗ ſprung zu gewinnen, und daß ſie gern an wiederhallenden Oer⸗ tern oder gegen ein Echo ſingen. Nicht alle Nachtigallen ſchlagen gleich gut; es giebt einige, deren Geſang ſo mittelmaͤßig iſt, da die Liebhaber ſie nicht behalten wollen. Man hat ſogar zu be⸗ merken geglaubt, daß die Nachtigallen in einem Lande nicht ſo i gut als in dem andern ſchlagen. In England zieht man die aus der Provinz Suͤwery denen aus Middelſex vor, fo wie man dem Finken der Provinz Eßer und dem Stieglitz von Kent den Vorzug giebt. Dieſe Verſchiedenheit des Schlags bei Vögeln einer Gat⸗ tung, hat man nicht Unrecht, mit dem Unterſchied des Dialekts einer Sprache zu vergleichen; es haͤlt ſchwer, die wahren Urſachen zu entraͤthſeln, weil fie mehrentheils zufaͤllig ſind. Eine Nachti⸗ gall kann ohngefaͤhr den Geſang anderer Singvoͤgel gehoͤrt haben; das Beſtreben, das der Nacheifer in ihr hervorgebracht hat, ver⸗ vollkommnet vielleicht ihre Stimme, und ſo verſchoͤnert pflanzt ſie dieſelbe auf ihre Nachkommen fort, denn jeder Vater iſt der Leh⸗ ter feiner Kinder, und wer weiß, wie viel in der Folge der Ge- neration derſelbe Geſang noch veraͤndert und nach und nach ver⸗ vollkommnet worden iſt. Zu Ende des Juni ſingt die Nachtigall nicht mehr, und es bleibt ihr nur ein heiſeres Geſchrei, eine Art Gekreiſch, in dem man nicht mehr die melodiſche Philomele er⸗ kennt, und ſo iſt oft nicht zu bewundern, daß man ehemals in Italien ihr deswegen einen andern Namen gab; es iſt dieß aber wirklich ein anderer von jenem unterſchiedener Vogel, wenigſtens der Stimme nach und in den Farben des Gefieders. 143. Der Sproſſer ). (Sproßvogel, Nachtſaͤnger, Wiener, Ungariſche und Polniſche f Nachtigall). : (Taf. IV. Fig. 7.) Beſchreibung. 5 Obgleich man dieſen Vogel nur fuͤr eine Spielart der ge— — 9 Sylvia Philomele, mihi. Motacilla Luscinia major. Gmelin Lin. l. c. p. 950. n. 1. 6. Grand Rossignol. Buffon I. c. Friſch Vögel. Taf. 21 dig. 1. b. 5 5 330 Der Sproffer. meinen Nachtigall ausgiebt, fo hat er doch fo viele auffallende Verſchiedenheiten, daß man ihn wohl mit Recht fuͤr eine beſon⸗ dere Art erklaͤrt. Denn J) iſt er groͤßer, da er nicht nur dicker, ſondern auch länger, 6 ½ Zoll lang iſt, wovon der Schwanz 2 / Zoll mißt, daher er auch die große Nachtigall heißt; 2) find Kopf und Schnabel dicker; 3) iſt feine Farbe und 4) fein Geſang gar merklich verſchieden. Freilich hat er auch wieder vieles mit ihr gemein z. B. aͤußeres Betragen, Gang, Munter⸗ keit ꝛc.; allein dieß finden wir auch bei andern Voͤgeln, z. B. bei dem Moͤnch und der grauen Grasmuͤcke, welche doch nie deshalb . für Varietaͤten find gehalten worden. Der Oberleib iſt ſchmutzig graubraun; die Kehle weiß, ſchwarz⸗ grau eingefaßt; die Bruſt hellgrau und dunkelgrau beſprengt; der Bauch ſchmutzig weiß; die Fluͤgel dunkelbraun; die Schwung⸗ federn ſchmutzig roſtfarben eingefaßt; der Schwanz mit den Steiß⸗ federn breit und ſchmutzig rothbraun, dunkler als bei der vorher⸗ gehenden Art. Ueberhaupt iſt die Farbe an allen Seifen dunk⸗ ler als bei jener. Merkwuͤrdigkeiten. In dem Geſange zeichnet ſich der Sproſſer ſehr merklich von jener aus. Er hat eine viel ſtaͤrkere, ſchmetternde und hohle Stimme, ſingt weit langſamer und abgebrochener, hat die man⸗ nichfaltigen und beſonders die angenehmen ziehenden Strophen und die accordmaͤßigen Endtoͤne nicht, und hackt und zertheilt gleichſam alle Strophen; weswegen man auch ſeinen Geſang mit dem Geſange der Sing- und Miſteldroſſel vergleicht, obgleich er dieſem weit vorzuziehen, reiner und runder iſt. Er muß alſo in Anſehung der Feinheit und der Abwechſelung der Nachtigall den Vorzug laſſen, fingt aber dafür weit lauter und mehr des Nachts, indem faſt alle Sproſſer Nachtvoͤgel ſind, waͤhrend bei den gemeinen Nachtigallen die wahren Nachtvoͤgel zu den Selten⸗ heiten gehoͤren. Wegen ſeiner ſtark ſchmetternden Stimme iſt man kaum im Stande, ihn in einem Zimmer zu halten; man haͤngt ihn daher entweder vor das Fenſter, oder macht ihm in ſeinen Kaͤfig einen Durchgang durch das Fenſter, ſo daß der Kaͤfig au⸗ ßerhalb gleichſam einen kleinen bedeckten Vorſaal erhaͤlt. Ich habe mir ſeinen Geſang in articulirten Toͤnen bemerkt, und daraus wird der Kenner ſchon ſehen, daß es ein anderer Vogel als der Der Sproſſer. 331 vorhergehende iſt. Ein guter und zwar Wiener ⸗Saͤnger, deren ich viele gehört habe, laͤßt folgende Strophen Hören: * Gia — gü gü gü! Hagoi, hagoi, zü zü zü zü. Gergegegegegeh, LZicka Zerrrrrrrrr— Hoa, goigoigoi gi, Zicka zicka zicka. Davitt davitt davitt! Ovawawawawawat, Gockörk gockörk; | Geden geden geden geden geei, Goi goi goi goi girrrr — Philipp, Philipp, Philipp! Golka golka golka golk, „Ilia giägiagiagia; 70 > | Glock glock glock glock glock glock. Geä geä geä gi! Be Sherk, Scherk, Sherketz Goi gagagaga gägi, Heid heid heid heid hi; Woi da da! Woi da da! Gei gei gei gei girr girr. Hoi gegegege, | Hoigoi! Zerrrrrrretz. Auch feine Locktöne find verſchieden. Er ruft namlich Hi! Glack Arrr! oder wie andere ſagen, David und Jacob. In Thuͤringen trifft man ihn nicht an; einzeln aber in Schle⸗ ſien, Boͤhmen, Pommern, bei Wittenberg, Halle und Deſſau. In Oeſterreich, Polen und Ungarn iſt er in manchen Gegenden häufiger als die gemeine Nachtigall. Seine Wohnplaͤtze find gewoͤhlich die Buſchhoͤlzer an Huͤgeln, in Ebenen, und vorzuͤglich an Fluͤſſen. Im Kaͤſig er⸗ hält er das oben angeführte Futter der Nachtigall, und befindet ſich wohl dabei; ja iſt noch ftärker als jene, kann mehr aushal⸗ ten und dauert laͤnger. e 332 | | Der Sproſſer. Zu uns und beſonders nach Leipzig werden die meiſten aus Wien gebracht, daher ſie auch Wiener⸗Nachtigallen heißen. Man haͤlt die Ungariſchen Sproſſer fuͤr beſſer als die Polniſchen. Man giebt auch ein Kennzeichen an, wodurch ſich dieſe verſchie⸗ denen Landsleute von einander unterſcheiden. Die erſtern naͤm⸗ lich rufen ſtets nur einmal, alſo einzeln David und Jacob, während die letztern das David etlichemal hinter einander hoͤren laſſen “). 5 ) Manche Vogel⸗Liebhaber machen einen Unterſchied zwiſchen dem Ungariſchen⸗ oder Wiener⸗Sproſſer und zwiſchen dem Polni⸗ ſchen. Als Arten find fie, wie ich von der Ornithologiſchen Geſell⸗ ſchaft zu Görlitz erfahre, die ſich ausſchließlich mit Unterſuchung der Stubenvögel beſchäftigt, nicht verſchieden, obgleich mir der jetzige Präſident der Geſellſchaft Herr Johann Gottlieb Kretſchmar ſchreibt, daß ſein Wiener⸗Sproſſer einen bedeutend größern Schwanz habe, den er unaufhör⸗ lich fächerförmig und mit auf⸗ und abſchlagender Bewegung ausbreite. Im Geſang aber hat er folgende Verſchiedenheit (doch hat er nur einen abgehört) bemerkt. : Sein ungariſcher- oder Wiener: Sproffer fingt: Qvepicktjas Zerrrrrrrrrrrtez Jacob, Jacob, Jacob, Qvoarck, Qvoarck, Qvoarck Tott, tott, tott, tott, tott Philipp, Philipp, Philipp Zerrrrrrrrrrrrrrrer N Glock, glock, glock, glock Tschererck, Tschererck, Tschererck, tez. David, David, David, Philipp, Philipp, Qvawawawawawawawawat Gockörk, gockörk, gockörk Zo OETOZOZOZOZOZOEZOZO Tarrack, Tarrack, Tarrack Querrrrrrrrr er tizeck. Opidd per tui David, apick, dlipick, dlipick Tilitz, tilitz quorrrrrrrrror Wat, wat, wat, wat, wat, wat, Zicka, zier, zier, zierip, zierip Tziob, tziob, dacob, We —elitz. Die Polniſchen Sproſſer, deren er mehrere beſitzt, fingen: Tzerrrrrrrrrrretzeck David, David, David, David, Zorror, 2z0rror, zorror, a, a * * 1 % „„ RR 2 E 3 RER Der Sprsflen; r 808 333 Sie bauen ihr Neſt eben ſo tief, wie die gemeinen Nachti⸗ gallen, die Eier ſind aber groͤßer, olivenbrann und dunkelbraun gewoͤlbt. | RE * Man faͤngt ſie eben ſo, wie die Nachtigallen, mit Mehl⸗ wuͤrmern, cc. Auch die Krankheiten haben ſie mit dieſen gemein; allein in der Mauſerzeit und im Oktober und November werden ſie noch außerdem traurig und krank, und ſterben leicht. Man kurirt ſie alsdann mit Spinnen und Holzmaden. Am beſten ſchlaͤgt aber alsdann die Halliſche Goldtinktur an, wovon man dem kranken Vogel einen oder ein Paar Tropfen unter das Trinkwaſſer gießt. en \ Bei Thorn und an der ganzen Weichſel herauf, wo beide Arten beiſammen wohnen, heißen dieſe Polniſche Nach— tigallen, zum Unterſchied von den gemeinen, die Saͤchſiſche genannt werden. N — “ Zicka, zicka, zicka, Dobriluck, Dobriluck, Dobriluck, Quoarck, quoarck, quoarck, quoarck Glock, glock, glock, glock 8 Tscherrrrrrrrrrrrrerkel. David, David, David Zorrrrrrrrrrrrorck Twa, twa, twa, twa, qua, qua, Tschierck, Tschierck, Tschierck Quoarck, quoarck, Tarack, Tarack, Terer, tererrrrrrrrrrrer Tilitz, tilitz, tilitz. Qyoad qui wi wi wi wiwi — irtzz Perrckerk, perrekerk, perrckerk Gockkörk, gockkörk, Glock, glock, glock, glock —irtz. In diefen Strophen findet man nun allerdings Aehnlichkeit des Schlages und das vorzüglich Auszeichnende bei dem Wiener⸗Sproſſer iſt ſein Philipp, wofür hingegen wieder der Polniſche das beſondere Dobriluck ruft. Solche Verſchiedenheiten findet man aber unter den mehrſten Singvögel begebe Gegenden. Sie pflanzen fich von den Alten auf die Jungen fort. Wo die gemeinen Nachtigallen und Sproſſer beiſammen wohnen, bemerkt man auch, daß der Geſang der letztern mehrere Strophen aus dem der erſtern hat, und ſolche Vogel werden Doppelſchläger genannt. 5 334 Der Moͤnch oder die ſchwarzkoͤpfige Grasmuͤcke. vun. Der Mönch oder die ſchwarzköpfige Grasmücke). = (daf. V. Fig. 1.) (Kloſterwenzel, Schwarzkappe, Schwarzplaͤttl, ſchwarze Gras⸗ muͤcke, Grasſpatz, Plattenmoͤnch, Schwarzkopf, Murrmeiſe, After⸗ nachtigall, Mohrenkopf, Schwarzplatte, Cardinaͤlchen.) Beſchreibung. Dieſer Vogel, der unter die vorzuͤglichſten Saͤnger gehoͤrt, wird wegen ſeiner rundlichen, beim Maͤnnchen ſchwarzen, und beim Weibchen roſtbraunen Kappe, Moͤnch genannt, und es haben ihn nicht nur Schriftſteller, ſondern auch manche Vogel⸗ faͤnger als zwei verſchiedene Arten getrennt, den Moͤnch oder die Grasmuͤcke mit der ſchwarzen und mit der rothen Kappe, beſonders da man oft bemerkt, daß das Weibchen etwas groͤßer als das Maͤnnchen iſt, was ſonſt gar nicht unter den Grasmuͤckenarten vorkommt. Allein die Beobachtungen, die ich ſeit vielen Jahren, ſowohl im Freien, als in der Stube, an dieſem Vogel gemacht habe, beweiſen unwiderleglich, daß er nicht mehr als eine Gattung ausmacht und folglich nur dem Geſchlecht nach ein verſchiedenes Anſehen hat. An Größe gleicht er dem Haͤnfling, und iſt 5 Zoll und 10 Linien lang, wovon der Schwanz 2½ Zoll wegnimmt. Der Schnabel iſt 5 Linien lang, und ſo wie bei der Nachtigall geſtaltet, von Farbe braunblau, am Rande an der Wurzel des Unterkiefers und im Rachen gelb— lichweiß, der Augenſtern kaſtanienbraun; die Fuͤße ſind dunkel⸗ aſchgrau und 10 Linien hoch. Der Oberkopf iſt ſchwarz; Wan: gen und Nacken ſind hellaſchgrau; der Oberleib mit den Deckfe⸗ dern der Fluͤgel aſchgrau mit Olivengruͤn ſtark uͤberzogen; der Unterleib hell aſchgrau, nach der Kehle und dem Bauche zu weißlich auslaufend; die Seiten und Schenkel, wie der Ruͤcken; der After und die Unterfluͤgel weiß und grau gefleckt; die Schwung⸗ und Schwanzfedern dunkelbraun, mit der Ruͤckenfarbe geraͤndert. Das Weibchen iſt, wie ich ſchon oben bemerkte, etwas groͤ⸗ *) Sylvia atricapilla. Motacilla m elin Lin. Syst. I. 2. p. on n. 18. Fauvette à tete noir. Buffon des Ois. 5. p. 125. t. 8. F. 1. Black-Cap, Latham Syn. II. 2. p. 415. n. 5. Friſch Vögel. Taf. 23. Männchen und ö Der Mönd) oder die ſchwarzkoͤpfige Grasmuͤcke. 335 ßer; der Oberkopf ift roſtbraun; der Oberleib roͤthlichgrau, oli⸗ vengruͤn uͤberlaufen; Wangen und Kehle ſind hellaſchgrau; Bruſt, Seiten und Schenkel blaßgrau, olivengruͤn vorſchimmernd; der Bauch roͤthlichweiß, die Schwung⸗ und Schwanzfedern dunkel⸗ braun mit der Ruͤckenfarbe geſaͤumt. Das Gefieder iſt bei dieſem Vogel ſehr zart und ſeidenartig; daher man auch in der Stube ſelten einen ſieht, der ſich nicht Fluͤ⸗ gel und Schwanz abgeſtoßen hat, wenn er gleich frei herumlaͤuft und nicht im Kaͤfig ſteckt. Ich habe auch eine weiße Spielart, die am Sberleibe fe melgelb uͤberlaufen war, gefangen. Aufenthalt. ö a. Im Freien. Er bewohnt in ganz Europa die Laub⸗ hoͤlzer in bergigen und ebenen Gegenden, ſeltner die Nadelhoͤlzer, und die Gaͤrten, die an Waldungen ſtoßen. Vorzuͤglich findet man ihn in den einzelnen Feldhoͤlzern, die dichtes Gebuͤſch haben; denn dieß verlangt er, wie die Nachtigall, allenthalben. Seine Wanderungen tritt er in der letzten Haͤlfte des September an; er ſtreift aber ſchon von der Mitte des September an uͤberall herum. In der Mitte des April iſt er einige Tage vor der An⸗ kunft der Nachtigall wieder da, und belebt das Gebuͤſch mit ſei⸗ nem angenehmen Geſange. b. In der Stube. Man ſetzt ihn, wenn er frei herum laufen ſoll, ein Taͤnnchen hinter den Ofen, oder ein großes Git⸗ ter mit vielen Springhoͤlzern hin, wo er ſich faſt beſtaͤndig da⸗ rauf und darin aufhaͤlt, denn es iſt ein ſtiller Vogel, dem das Huͤpfen auf dem Boden ſauer wird, da er ſo flach huͤpft, daß er faſt mit dem Bauch auf dem Boden aufſtoͤßt. Beſſer befin⸗ det er ſich in einem Käfig, der entweder die Geſtalt eines Nach: tigallenkaͤfigs hat, oder auch ein großer e ſein kann. Nahrung. a. Im Freien. Hier ſucht er kleine Spann⸗ ach Winkel⸗ raupen, Fliegen, Muͤcken, kleine Nachtfalter und andere Inſek⸗ ten, Inſektenlarven und Puppen auf, und frißt auch Kirſchen, Holder: und Johannisbeeren. f b. In der Stube bekommt er die gewoͤhnlichen Univerſal⸗ ut zu feiner Nahrung, einige Mehlwuͤrmer und Ameiſeneier, 336 Der Moͤnch oder die ſchwarzkoͤpfige Grasmuͤcke. und befindet ſich bei dieſer Koſt ausnehmend wohl. Er lernt auch, wenn er frei herumlaͤuft, bald alles aufheben, was auf den Tiſch kommt, Gemuͤß, Fleiſch u. ſ. w., verſchluckt alles ganz, und iſt ein Vielfreſſer. Wenn man ihm das Univerſalfut⸗ ter von Semmelgries und zuweilen etwas gequetfchten Hanf giebt, ſo befindet er ſich 12 bis 16 Jahre wohl, beſonders wenn man ihn vom Juli bis November mit rothen und ſchwarzen Hol: lunderbeeren fuͤttert. Man kann ihn auch zur Erhaltung feiner Geſundheit im Winter gedoͤrrte Hollunderbeeren, im Waſſer auf⸗ gequellt, geben. Er badet ſich gern und will daher alle Tage friſches Waſſer haben. Da man ihn gewoͤhnlich im Herbſt fuͤr den Käfig fängt, fo kann man ihn bald an die Stubenkoſt ges woͤhnen, wenn man ihm einige Tage hinter einander Hollunder⸗ beeren und etliche Mehlwuͤrmer it in ſeine Krippe mit unter das uͤbrige Futter wirft. Fortpflanzung. Er niſtet gewoͤhnlich nur einmal, ſeltner zweimal des Jahrs in die Zaͤune oder ins Gebuͤſch, und zwar ſehr gern in einem Weißdornſtrauch. Das Neſt iſt feſt, halbkugelrund und ſchoͤn ge⸗ baut. Aeußerlich beſteht es aus harten Grasſtengeln mit Pup⸗ penhuͤlſen und einigen duͤrren Reischen durchwebt; innerhalb aber iſt es mit weichen klaren Grashaͤlmchen und Pferde- Schweins⸗ und andern Thierhaaren ausgefuͤttert. Das Weibchen legt vier bis ſechs Eier, die im Grunde gelblichweiß, mit etwas erhoͤhter gelber Farbe marmorirt, und mit braunen Punkten beſtreut ſind. Die Jungen werden mit Baumraupen, Motten und andern flie⸗ genden Inſekten aufgefuͤttert. Wenn man die maͤnnlichen Jun⸗ gen aus dem Neſte nimmt und ſie mit Semmeln und Milch auffuͤttert, ſo lernen ſie nicht nur ihren eigenen Geſang, ſondern beſonders den der Nachtigall und des Canarienvogels vermoͤge ihrer angetmhrnen Stimme ganz ausnehmend ſchoͤn ſingen. Ehe fich die Jungen mauſern, ſehen Männchen und Weibchen ſich fo ähnlich, daß fie nur der eigentliche Vogelkenner unterſcheiden kann; denn der Oberkopf des Maͤnnchens iſt nur ein klein wenig Ander olivenbraun, als der des Weibchens, und die Ruͤckenfarbe .ift braungrau mit etwas Olivenfarbe uͤberlaufen. Sobald fie ſich aber zum erſtenmal mauſern, ſo faͤngt die Kopffarbe beim Maͤnnchen gleich hinter dem Schnabel zuerſt an, ſich ſchwarz zu = Der Mönch oder die ſchwarzkoͤpfige Grasmuͤcke. 337 faͤrben, und das Weibchen behaͤlt ſeine alte Kopffarbe, nur daß | fie etwas dunkler und abgefchnittener wird. Um recht ficher zu gehen, thut man daher am beften, man rupft den Jungen bald etliche braune Kopffedern aus und wenn dann ſtatt derſelben bald ſchwarze erſcheinen, ſo iſt man alsdann gewiß, daß man kein Weibchen aufzieht. Krankheiten. Sie ſind nicht nur denſelben Krankheiten wie die Nachtigall unterworfen, ſondern bekommen auch vorzuͤglich die Duͤrrſucht, von welcher man ſie dadurch heilt, daß man ihnen, ſobald ſie anfangen ſich dick zu machen, und das Futter zu verabſcheuen, oft Mehlwuͤrmer und Ameiſeneier giebt, und einen Monat lang einen eiſernen Nagel ins Trinkgeſchirr legt. | Wenn man fie in der Stube frei herum laufen läßt, fo lei⸗ den fie zuweilen an der eigenthümlichen Krankheit, daß ihnen außer der Mauſerzeit zuweilen alle Federn ausfallen. Man thut ſie alsdann in einen Kaͤfig, den man der Waͤrme der Sonne oder des Ofens ausſetzt und fuͤttert ſie gut, am beſten mit Nachtigallenfutter; dadurch erholen ſie ſich meiſt wieder, und die Federn fangen nach und nach an, von neuem hervorzubrechen. Wollen die Federn nicht bald kommen, ſo kann man ihnen auch einen Tag um den andern ein lauwarmes Bad geben. Wenn ſie die Epilepſie oder Laͤhmung der Glieder be⸗ f een, ſo habe ich ſie oft mit einem Paar Tropfen Baumoͤl, die ich ihnen eingoß, kurirt. Ich habe jetzt einen Vogel der Art in der Stube frei herum laufen, der vor etlichen Wochen vom Schlag geruͤhrt wurde, daß er das Bein ganz ſchleppte. Auch dieſer laͤuft, durch dieſe Cur geheilt, jetzt wieder munter herum, und erfreut mich täglich mit feinem Geſang. Sie werden in der Stube ſo alt, als die Nachtigallen. Fang. Fuͤr die Stube faͤngt man ihn im Juli und Auguſt mit Johannisbeeren in Sprenkeln, im September aber haͤngt man Hollunderbeeren vor. Freilich muß man die Sprenkel ſo einzu⸗ richten ſuchen, daß ſie dieſen Voͤgeln die Fuͤße nicht zerbrechen. Da er ſehr mißtrauiſch iſt, ſo ſitzt er oft eine halbe Stunde lang und hungert, ehe er auf das Stellholz tritt. Naturgeſch. d. Stubenvögel. 22 — — — 338 Der Moͤnch oder die ſchwarzkoͤpfige Grasmuͤcke. Auf den Traͤnkherd gehen ſie nur mit der groͤßten Vorſicht, obgleich fie beſtaͤndig auf der Traͤnke liegen, ſich baden und ſau⸗ fen. Wenn ſie etwas fremdartiges bemerken, ſo ſitzen ſie wohl ſtundenlang dabei, und wenn auch rothe Hollunderbeeren, ihr Lieblingsfutter, darauf hängen, fliegen auch wohl zehn- bis zwoͤlf⸗ mal weg; wenn ſich aber ein anderer Vogel erſt darauf begiebt, und badet oder trinkt, dann fliegen ſie blind zu. Die Jungen, noch nicht zum erſtenmal gemauſerten, gehen etwas dreiſter auf den Traͤnkherd, und man kann ihrer im Herbſt viel fangen. Im Fruͤhjahr gehen ſie eben ſo gut, wie die Nachtigallen, unter das Garn und die Leimruthen, wenn man ihnen Mehl⸗ wuͤrmer auf einen, von Moos und Gras gereinigten Platz legt. Empfehlende Eigenſchaften. Er iſt ein in den Walddoͤrfern ſehr geſchaͤtzter Stubenvogel, den man ſogar der Nachtigall vorzieht; denn obgleich er nicht dieſelbe ſtarke und ſprechende Melodie in ſeinem Geſange zeigt, ſo iſt doch ſeine Stimme weit reiner und floͤtenartiger, ſein Ge⸗ ſang faſt noch mannichfaltiger, an einander haͤngender und ſtufen⸗ foͤrmiger, und er erfordert nicht den Aufwand, wie jene, da er nicht fo zaͤrtlich iſt. Er ſingt auch im Käfig ſehr laut. Im Zim⸗ mer ſingt er das ganze Jahr hindurch und faſt den ganzen Tag. Im Freien hoͤren wir ihn ganz natuͤrlich nur den Sommer uͤber; da ſingt er auch bis ſpaͤt Abends wie die Nachtigall, und erhebt auch des Morgens vor Tages Anbruch ſeine Stimme ſchon wie⸗ der. Sogar die Weibchen fingen, wie bei dem Rothkehlchen, ein wenig; daher es wohl gekommen fein mag, daß man die roth- koͤpfigen Weibchen fuͤr eine beſondere Grasmuͤckenart gehalten hat. Seine Lockſtimme iſt ein ſchmatzendes Tack! das er im Freien heftig hinter einander ausſtoͤßt; wenn ihm ploͤtzlich etwas Unbe⸗ kanntes vorkoͤmmt oder eine Gefahr droht, ſo giebt er auch einen ſo lauten unangenehmen Ton von ſich, wie eine Katze, wenn ſie gekneipt oder ſonſt gemartert wird. Die graue Grasmuͤcke. 339 145. Die graue Grasmücke ). (Die weiße Grasmuͤcke, die große Weißkehle, der Kirſchfreſſer, i Dornreich, der weiße Fliegenſchnaͤpper). Beſchreibung. Sie iſt etwas kleiner als der Moͤnch, 5 Zoll lang, wovon der Schwanz 2½ Zoll mißt. Der Schnabel iſt 5 Linien lang, wie an dem vorhergehenden geſtaltet, hornbraun, unten hellblei⸗ farben, inwendig weißlich; der Augenſtern graubraun; die Fuͤße find bleifarben, ſtark und / Zoll hoch. Der Oberleib iſt roͤth⸗ lichgrau, kaum merklich olivenbraun uͤberlaufen; die Wangen ſind dunkler; die Augenraͤnder weißlich; der Unterleib bis zur Bruſt und an den Seiten roͤthlich hellgrau; der Bauch weiß, am Steiß roͤthlichgrau uͤberlaufen; die Kniee grau; die Flügel und der Schwanz graubraun mit Kanten von der Ruͤckenfarbe und klei⸗ nen weißlichen Spitzen; die untern Deckfedern der Fluͤgel roͤth⸗ lichgelb. Das Weibchen unterſcheidet ſich durch nichts, als daß der Unterleib bis zur Bruſt etwas heller iſt. Aufenthalt. a. Im Freien. Dieſer Vogel bewohnt in Deutſchland faſt überall die Feldhoͤlzer oder die Vorhoͤlzer der großen gebirgigen Waldungen und die Gaͤrten ’ die in der Nähe von beiden liegen. Als Zugvogel kommt er einige Tage vor der Nachtigall an, und zieht in der letzten Haͤlfte des September wieder weg. b. In der Stube. Hier haͤlt man ihn gerade wie den vorhergehenden, und da er etwas zaͤrtlicher iſt, ſo ſetzt man ihn noch lieber in irgend eine Art von Kaͤfig. Nahrung. a. Im Freien. Hier naͤhrt er ſich von Raͤupchen und anderen Inſekten, die er von Bäumen. und Straͤuchen ablieſt, weshalb er dieſelben das ganze Fruͤhjahr hindurch bis zu Johanni durchkriecht. Wenn die Kirſchen reif ſind, ſo ſucht er Kirſchbaͤume auf, nagt das Fleiſch von den Kernen ab, und ſein Schnabel iſt *) Sylvia hortensis. Motacilla hortensis. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 955. n. 62. Fauvette. Buff on des Ois. 5. 117. Pettychaps. Lat ham Syn. II. 2. p. 413. n. 3. Naumanns Feld⸗, Wald, und Waffer vögel. 22 I, 160. Taf. 33. Fig. 68. „ Die graue Grasmuͤcke. zu jener Zeit befländig davon rothgefaͤrbt. Er frißt auch Johan⸗ nisbeeren und rothe und ſchwarze Hollunderbeeren. b. In der Stube. Er iſt ein großer Freſſer; denn wenn man ihn in der Stube haͤlt, in welcher er ſich leicht an Nachti⸗ gallenfutter gewöhnen läßt, fo ſitzt er beſtaͤndig am Freßtroge. Ohngeachtet er aber leichter als der Moͤnch zahm wird, ſo dauert er doch nicht ſo lange, und faſt niemals laͤnger als drei Jahre. Er frißt zwar das erſte Univerſalfutter, allein man darf es ihm doch nicht gewoͤhnlich geben, weil ihm die Federn darnach ausfallen, und er alsdann nicht vor Hunger, ſondern, da er ganz nackend wird, vor Froſt ſtirbt. Fortpflanzung. In Hecken und Gebuͤſchen ſetzt er ſein Neſt in einen Weiß⸗ oder Schwarzdornſtrauch (daher fein Name Dornreich) drei Fuß hoch hin. Doch habe ich es auch auf gekoͤpften Linden in den dichteſten Zweigen gefunden. Es iſt gut gebaut, und beſteht aͤu⸗ ßerlich aus groben Grashalmen und Wuͤrzelchen, und inwendig aus den zarteſten weißen Grashaͤlmchen, ſeltener aus Moos. Der Rand der Oeffnung iſt mit Spinnengewebe und Puppenhuͤlſen eingefaßt. Sie fangen, wie die Schwalben, mehr Neſter zu bauen an, ehe fie die beſte Stelle treffen. Die vier bis fünf Eier ſind gelblichweiß, uͤber und uͤber fein und grob hellaſchgrau und oli⸗ venbraun gefleckt. In vierzehn Tagen ſind die Jungen ausge⸗ bruͤtet, und huͤpfen aus dem Neſte, ſobald ſie nur Federn haben und man ſich ihnen naͤhert. N Krankheiten. Dieſe haben fie mit den Mönchen gemein, nur daß ihnen noch leichter die Federn ausfallen, wie ich oben ſchon erwaͤhnt habe. Sie maͤſten ſich auch ſehr leicht durch das erſte Univerſal⸗ futter ſo ſehr, daß ſie im Fett erſticken. | Fang. Im Juli, Auguſt und September kann man ſie in Spren⸗ keln fangen, wenn man Kirſchen, Johannisbeeren, rothe oder ſchwarze Hollunderbeeren vorhaͤngt. - Auf den Traͤnkherd gehen fie ſehr gern, und man trifft fie beſonders des Morgens von 7 bis 9 Uhr und des Abends vor Sonnenuntergang daſelbſt an. 2 g * Die fahle Gras muͤcke. a 341 146. Die fahle Grasmücke. (Die graue, geſchwaͤtzige und gemeine Grasmüde, Spottvogel, Nachtſaͤnger, Heckenſchmatzer, gemeiner Dornreich, Grasmuͤtſche, Waldſaͤnger.“) Beſchreibung. | Den Namen Grasmuͤcke, der mehrern Vögeln zukommt, ver⸗ dient dieſe um ſo mehr, da ſie unter allen am meiſten im Gras und in niedern Gebuͤſchen herumkriecht. Sie ift 5¾ Zoll lang, ſehr ſchlank und ſchoͤn gewachſen; der Schwanz mißt 2°/, Zoll; der Schnabel 5 Linien, iſt oben ſchwaͤrzlich, unten graulich, mit gelben Ecken und Rachen; der Augenſtern graubraun; die Fuͤße braͤunlichfleiſchfarben; die Schienbeine 10 Linien hoch; der Kopf aſchgrau; die Wangen, der Hals, Rüden, Buͤrzel, die Dedfe- dern des Schwanzes und die kleinern der Flügel find aſchgrau, braͤunlich überlaufen, am Ruͤcken am ſtaͤrkſten; die Kehle und der Bauch ſchoͤn weiß; die Bruſt, die Seiten und die Afterfedern weiß, roͤthlichfleiſchfarben uͤberzogen; die Fluͤgel dunkelbraun, die hintern, ſo wie die großen Deckfedern der Fluͤgel, mit breiter roſt⸗ farbiger Einfaſſung, daher die Fluͤgel zuſammengelegt roſtfarben ausſehen; der Schwanz dunkelbraun, die aͤußerſte Feder mit einem großen, weißen, keilfoͤrmigen Fleck, die folgende mit einem klei⸗ nern und die dritte nur mit einer weißen Spitze. Das Weibchen iſt etwas kleiner, auf den Fluͤgeln ſchwaͤ⸗ cher roſtfarben, und hat nicht die ſchoͤne weiße Kehle. | Aufenthalt. u a. Im Freien. Man trifft dieſe Voͤgel nicht nur in Deutſchland, ſondern uͤberall in Europa an. In der Mitte des April ſieht man ſie bei uns im Felde in dicken einzelnen Dorn⸗ buͤſchen und Feldhoͤlzern, in Gaͤrten, die an Wegen liegen, und in den Vorhoͤlzern großer gebirgiger Waldungen. Sie durchkrie⸗ chen mit Schnelligkeit das Gras und das niedrige Gebuͤſch. In der letzten Haͤlfte des September oder zu Anfang des October — *) Sylvia cinera, mih i. Motacilla Sylvia. Gmelin Lin. Syst. I. 2 P. 956. n. 9. La Fauvette grise ou Babillard. Buffon des Ois. 5. p- 135. The White- throat. Latham Syn. II. 2. p. 429. n. 19. Raus manns Feld- Wald- und Waſſervögel. I. 161. Taf. 33. Fig. 69. 342 Die fahle Grasmuͤcke. ziehen ſie weg, und durchſtreifen auf ihren Wanderungen allent⸗ halben die Hecken und Feldhoͤlzer. b. In der Stube. Sie muͤſſen ebenſo wie die graue Grasmuͤcke gehalten werden; aber ſie ſind weit zaͤrtlicher. Wer ein Liebhaber von ihnen iſt, thut am beſten, er zieht ſich Junge auf, ſteckt ſie in einen Nachtigallenkaͤfig, und behandelt ſie eben ſo, dann hat er das Vergnuͤgen, ſie mehrere Jahre zu genießen. Nahrung. a. Im Freien ſuchen ſie allerhand Inſekten und Inſekten⸗ larven auf, beſonders Raͤupchen, die an Buͤſchen ſitzen. Wenn ihnen kalte Witterung dieſe Nahrungsmittel verſagt, ſo fliegen ſie auch nach den Kirſchen, Johannis- und Hollunderbeeren. b. In der Stube muͤſſen ſie, wie ich ſchon geſagt habe, mit Nachtigallenfutter erhalten werden und nur zuweilen das Ger⸗ ſtenſchrot mit Semmeln und Milch bekommen; denn ſonſt be⸗ kommt es ihnen eben ſo wenig, wie der grauen Grasmuͤcke, und ſie verlieren die Federn nach und nach bis zum gaͤnzlichen Nackt⸗ werden. Am beſten befinden ſie ſich noch, wenn man ihnen im Sommer rothe Hollunderbeeren und im Winter zuweilen gedoͤrrte und mit Waſſer aufgequellte ſchwarze Hollunderbeeren geben kann. 5 Fortpflanzung. Ihr Neſt ſteht in dichten Buͤſchen nahe an der Erde, auch zwiſchen den ausgewachſenen Wurzeln an Fluͤſſen und Baͤchen, und ſelbſt im hohen Gras. Es iſt aus Grashalmen und Moos leicht zuſammengewebt und inwendig mit einzelnen Pferdehaaren ausgefuͤttert. Die vier bis ſechs Eier, die man darin findet, ſind gruͤnlichweiß, fein olivengruͤn gefleckt und geſprenkt und am obern Ende dunkel aſchgrau punktirt und gefleckt. Die Jungen fliegen bald aus, und man kann ſie daher außer dem Neſte haſchen. Sie ſehen den Alten aͤhnlich, nur ſind die roſtfarbenen Fluͤgelein⸗ faflungen noch nicht fo ſtark; an den Weibchen erſcheinen dieſe auch ſchon in der zarteſten Jugend ſchwaͤcher als an den Maͤnnchen, daher ein Kenner im Stande iſt, Maͤnnchen und Weibchen ſchon im Neſte von einander zu unterſcheiden. Ich habe ſie ſehr leicht mit Ameiſeneiern aufgezogen. Sie lernen bald allein freſſen und nehmen mit Semmeln, in Milch geweicht, vorlieb; muͤſſen aber als⸗ Die geſchwaͤtzige Grasmücke oder das Müllerhen. 343 dann, wenn man fie mehrere Jahre erhalten will, öfters mit Nachtigallfutter gefüttert werden. Es find niedliche Stubenvoͤgel, die, jung aufgezogen, ſo zahm werden, daß ſie ſich auf die Hand ſetzen und ſingen. = Krankheiten wie bei dem Moͤnch. Fang. Man faͤngt ſie an ſolchen Orten, wo man ſie oft ſieht, im Nachſommer und Herbſt in Sprenkeln, vor welchen Johannis⸗ oder Hollunderbeeren haͤngen. Am leichteſten und ſicherſten wer⸗ den freilich ſolche Voͤgel beim Neſte mit Leimruthen gefangen. Auf den Traͤnkherd gehen ſie nicht leicht. 8 Empfehlende Eigenſchaften. Es iſt ein ungemein lebhafter und froͤhlicher Vogel, der bis in den ſpaͤteſten Abend im Freien ſeinen angenehmen, aus vielen ſchnell auf einander folgenden Strophen beſtehenden Geſang hören läßt. Man muß in der Nähe fein, wenn man ihn ganz hören will, denn er beſteht aus einem langen Piano und kurzen Forte. Dieß Forte iſt ſchreiend und beſteht aus einigen Accorden, deren Toͤne einzeln, aber geſchwind durchgeſchlagen werden, und der Vogel erhebt ſich, wenn er an dieſe Stelle kommt, eine kleine Strecke in die Luft, dreht ſich, wenn er ſie geendigt hat, in einem kleinen Bogen herum und ſetzt ſich wieder auf ſeinen Buſch. Er lockt mit einem klatſchenden Tzaͤ! Wenn man ihn in der Stube im Kaͤfig allein haͤlt, ohne daß ihn andere Voͤgel uͤber⸗ ſchreien, ſo hoͤrt man, daß ſein Geſang außerordentlich melodieen⸗ reich iſt. 147. Die geſchwätzige Grasmücke oder das J Müllerchen ). (Kleine graue Grasmuͤcke, kleiner Dornreich, Weißkehlchen, Wald: ſuaͤnger, Weißmuͤller, blaue Grasmuͤcke, kleine Dorngreul, i i Weißbartl). f Beſchreibung. | Er iſt dem vorherbeſchriebenen Vogel an Geſtalt und Farbe *) Sylvia Curruca, mihi. Motacilla Curruca et, Motacilla dumetorum. 344 Die geſchwaͤtzige Grasmuͤcke oder das Muͤllerchen. ahnlich, iſt aber kleiner, und nicht fo roſtfarben auf den Flügeln. Seine Länge beträgt 5 Zoll, wovon der Schwanz etwas über 2 Zoll mißt. Der Schnabel iſt 5 Linien lang, ſehr ſpitz, ſchwarz, unten blaͤulich; der Augenſtern doppelringig, auswendig weißgelb, und inwendig goldglaͤnzend braun; die Fuͤße ſind ſchwarzblauz die Beine 7 Linien hoch. Kopf und Steiß ſind roͤthlich dunkel aſchgrau; der übrige Oberleib grau, roͤthlich uͤberlaufen und die Wangen dunkler als der Kopf, am dunkelſten hinter den Ohren; der Unterleib weiß, an der Kehle weiß, an den Seiten der Bruſt etwas roͤthlichgrau uͤberlaufen; die kleinen Deckfedern der Fluͤgel blaßbraun, die großen und die Schwungfedern dunkelbraun, alle roͤthlichgrau eingefaßt; der Schwanz dunkelbraun, die aͤußerſte Feder mit einem keilfoͤrmigen weißen Fleck, die andern mit röths lichgrauen Rändern. Das Weibchen iſt fehr ſchwer, faſt gar nicht vom Maͤnnchen zu unterſcheiden; doch ſieht man, wenn man beide Geſchlechter beiſammen hat, daß es einen etwas hellern Kopf und hellere blaue Fuͤße hat. Aufenthalt. a. Im Freien. Man trifft dieſen Vogel in ganz Europa, die noͤrdlichſten Theile ausgenommen, an, und er gehört in Deutſch— land unter die gewoͤhnlichen Heckenvoͤgel. Er wandert, kommt in der Mitte des April an und verlaͤßt uns in der Mitte des September wieder. Er haͤlt ſich gern in den Hecken der Gaͤrten in der Naͤhe der Staͤdte und Doͤrfer auf, vorzuͤglich, wo dichte und große Stachelbeerbuͤſche wachſen; nicht fo häufig findet man ihn in den jungen Schlägen des Schwarz: und Laubholzes. Man ſieht ihn nicht leicht auf hohen Bäumen, fondern er durch- kriecht beſtaͤndig das niedere Gebuͤſch. b. In der Stube will er eben den Aufenthalt und die naͤmliche Wartung, wie die graue gemeine Grasmuͤcke, und iſt ſehr zaͤrtlich, daher die Alten meiſt ſterben. | Nahrung. | a. Im Freien. Er frißt Inſekten, beſonders aber kleine Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 954. u. 3 5. p. a „ P. 985. n. 31. La Fauvette grise ou grisette. Buffon des Ois. 5. p. 132. White-breasted Warbler. La- tham Syn. II. 2. p. 447. n. 41. Friſch Vögel Taf. 21. Fig. 2. a. Die geſchwaͤtzige Grasmuͤcke oder das Muͤllerchen. 343 Raͤupchen, und da er immer acht Tage eher als andere Gras⸗ muͤckenarten ankommt, ſo muß er auch wohl Inſekteneier aufſu⸗ chen. Bei kalter Witterung, im Sommer und Herbſt, nimmt er auch mit Johannis- und Hollunderbeeren vorlieb. b. In der Stube. Wenn er länger als ein Jahr leben n „ſo muß man das Nachtigallfutter immer ſtark mit Ameiſen⸗ eiern und Mehlwuͤrmern wuͤrzen. Fortpflanzung. 6 Gewoͤhnlich findet man ſein Neſt in dichten Stachelbeerbuͤ⸗ ſchen oder Weißdornſtraͤuchen und im Wald in jungen Fichten. Es beſteht auswendig aus Grashalmen und inwendig aus Schweinborſten und feinen Kraͤuterwuͤrzelchen. Das Weibchen legt vier bis ſechs weiße, beſonders am obern Rande kranzfoͤrmig aſchgrau und gelbbraun gefleckte Eier. Die Zaͤrtlichkeit dieſer Vöͤ⸗ gel gegen ihre Jungen, fo wie aller Grasmuͤckenarten, iſt fo groß, daß ſich das bruͤtende Maͤnnchen oder Weibchen, ſobald man ſich dem Nefte nähert, wie ohnmaͤchtig aus dem Neſte flürzt i aͤngſtlich zirpt und auf der Erde langſam wegflattert. Sobald nur die Federn geplatzt ſind, ſo darf man die Jungen nur ſcharf anſehen, wenn ſie blitzſchnell aus dem Neſte ſpringen, und ſich 0 ins Gebuͤſch verbergen ſollen. Wenn man die Jungen aus dm 1 Neſte, wo man nicht den gewiſſen Unterſchied zwiſchen Männchen A ‚und Weibchen ſieht, aufziehen will, fo macht man es wie mit 4 den gemeinen Grasmuͤcken, mit welchen ſie auch Krankheiten und Fang. gemein haben. Doch kann man ſie auch noch auf die Art fangen, daß, wenn nach ihrer Ankunft noch Schnee faͤllt, man Leimruthen auf einen von Schnee entbloͤßten Platz an Hecken ſteckt und die⸗ ſen mit Mehlwuͤrmern belegt, und ſie nach demſelben behutſam hintreibt, wo ſie dann gewoͤhnlich unter die Leimruthen kriechen, um zu den Mehlwuͤrmern zu kommen und haͤngen bleiben. — EEETTREEREETCERREREE . Empfehlende Eigenſchaften. Es iſt ein niedliches, obgleich nicht mit auszeichnenden Farben 1 geſchmuͤcktes Voͤgelchen. Den Namen Muͤllerch en führt es faſt u | durch ganz Deutſchland, und er rührt von feinem Geſange her, il in welchen einige, wie eine Mühle klappernde Toͤne: Klapp, klapp, klapp, klapp! vorkommen. Gewoͤhnlich glaubt man, daß Der Wiſtling. dieß fein ganzes Lied ſei, weil dieſe Tone ſehr ſtark klingen, da hingegen ſein uͤbriger Geſang aus leiſern Strophen beſteht, aber ſo abwechſelnd und melodiſch iſt, daß es darin (freilich nicht in der Stimme) alle Grasmuͤcken uͤbertrifft. Es kriecht, ſo lange es leiſe ſingt, beſtaͤndig im Gebuͤſch herum, wenn es aber an das laute Klapp klapp! kommt, ſetzt es ſich ruhig hin, und ruft es mit großer Anſtrengung und aufgeblaſenem Kropfe aus. In der Stube iſt es daher, wenn es allein haͤngt, ein ſehr an⸗ genehmer Saͤnger. Seine ſchmatzenden Locktoͤne laͤßt es ſelten hoͤren. 118. Der Wiſtling oder das Hausroth⸗ i ſchwänzchen ). (Schwarzkehlchen, ſchwarzbaͤuchiger Sänger, Roͤthling, Stadtroͤth⸗ ling, Waldrothſchweifl, Hausroͤthele, ſchwarzer Rothſchwanz). Beſchreibung. Seine Länge beträgt 5 ¼ Zoll, wovon der Schwanz 2 ¼ Zoll wegnimmt; der Schnabel iſt 5 Linien lang, ſehr ſpitzig, ſchwarz, mit gelben Ecken und Rachen; der Augenſtern ſchwarzbraun; die Fuͤße ſind ſchwarz; die Beine 10 Linien hoch. Der Oberleib iſt tief blaͤulichgrau; der Steiß roth; Wangen, Kehle und Bruſt ſchwarz; der Bauch und die Seiten wie der Ruͤcken, aber weiß überlaufen; der After roͤthlichgelb; die Deckfedern der Fluͤgel ſchwaͤrzlich, weißlich geraͤndert; die Schwungfedern dunkelbraun, weiß gerändert, beſonders die hintern mit einem breiten weißen Saum, wodurch auf den Fluͤgeln ein laͤnglicher weißer Fleck ent⸗ ſteht; die Schwanzfedern gelbroth, die beiden mittlern ausgenom⸗ men, welche dunkelbraun ſind. Das Weibchen iſt am Oberleibe ſchmutzig aſchgrau, am Unterleibe aſchgrau, roͤthlich uͤberlaufen; das Kinn iſt weißlich, und die Fluͤgelkanten ſind ſchmaͤler und roͤthlichweiß. 8 Vogel variirt bis wenigſtens ins achte Jahr. Sehr alte ſind uͤberall bis auf die Fluͤgel und den Schwanz *) Sylvia Tithis. Motacilla Tithys, atrata, gibraltariensis. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 987. n. 34. p. 988. n. 160. et 162. Rouge queue. Buffon des Ois. 5. p. 180. Black Red- tail. Latham Syn. II. 2. p. 426. n. 16. Meine getreue Abbildungen I. Taf. 97. Männchen und Weibchen. Der Wiſtling. 347 ſchwarz, am Unterleibe kohlſchwarz, am Oberleibe nicht ſo dun⸗ kel. Im hoͤchſten Alter werden ſie an der Bruſt ſogar ſchim⸗ melgrau. N | 9 F Die ein⸗ und zweiiährigen Männchen ſehen den Weib: een mehr ähnlich als den Maͤnnchen. Sie ſehen am Oberleibe aſchgrau, und am Unterleibe roͤthlich aſchgrau aus, doch ſind die Fluͤgelfedern ſtaͤrker kantirt. | : Von diefer Zeit an verdunkelt fich die Farbe nach und nach. Manche Vogelſteller, ja auch Schriftſteller, haben verſchiedene Arten aus dieſen Varietaͤten oder vielmehr aus dieſen Alters⸗ und Geſchlechtsverſchiedenheiten gemacht. Aufenthalt. a. Im Freien. Er iſt uͤberall in Europa und in dem gleichmaͤßigen Klima von Aſien zu Hauſe. Er zieht die gebir⸗ gigen Gegenden den Ebenen vor; vorzuͤglich haͤufig trifft man ihn in kahlen Kalkgebirgen an, auch im Walde auf Felſen, ſonſt in Staͤdten und Doͤrfern, auf den hoͤchſten Gebaͤuden, auf Thuͤrmen, Kirchen, Schloͤſſern und Mauern”). Im Herbſt und Frühjahr iſt er auch in Hecken. Als Zugvogel kommt er ſehr fruͤh wieder; denn nach der erſten Haͤlfte des Maͤrzes iſt er ſchon wieder da und pfeift ſein Lied. In der Mitte des October nimmt er dann in kleinen Geſellſchaften wieder von uns Abſchied. Er hat die ſeltene Eigenſchaft der Singvoͤgel, daß er die ganze Zeit uͤber, ſo lange er bei uns iſt, ſingt, auch bei der kaͤlteſten und rauheſten Witterung. Er ſitzt zuweilen auf der hoͤchſten Thurmfahne und ſtimmt ſein Lied an. | b. In der Stube läßt man ihn entweder frei herumlaufen, oder ſteckt ihn in einen Nachtigallenkaͤfig. = Nahrung. a. Im Freien. Hier dienen dieſen Voͤgeln die Fliegen an Haͤuſern und Steinen, die die Waͤrme im Fruͤhjahr ſogleich herauslockt, zur Nahrung. Sie freſſen aber auch Kohlraupen und andere Inſekten, und im Herbſt Hollunderbeeren. ) Eine gegründete und merkwürdige Erfahrung iſt es daß dieſer Vogel, der jetzt ſo häufig in Thüringen iſt, vor zwanzig Jahren noch eine Seltenheit war. Woher dieß kommen mag, kann ich nicht erklären. Am Klima kann es nicht liegen, an den Nahrungsmitteln auch nicht. — uni 3. Di Der Wiſtling. b. In der Stube. Wenn ſie ſich langer als ein Jahr halten ſollen, ſo muͤſſen ſie Nachtigallenfutter, auch zuweilen etwas Ameiſeneier und Mehlwuͤrmer bekommen. Im Herbſt laſſen ſie ſich zuweilen alt gewoͤhnen, wenn man Hollunderbeeren unter ihr Stubenfutter thut; im Fruͤhjahr muß man dieß mit Ameiſeneiern und Mehlwuͤrmern vermiſchen. en Sie leben im Käfig bis ſechs Jahre. Fortpflanzung. ’ Sie niften in Felſen und Mauerhoͤhlen, vorzüglich aber In alten hohen Gebaͤuden, auf dem Gebaͤlke der Boͤden, wo das Neſt frei auf einem Traͤger oder Balken ſteht, und aus Haaren und Grashalmen zuſammengewebt if. Das Weibchen legt des Jahrs zweimal fuͤnf bis ſechs reinweiße Eier. Die Jungen ſehen roͤthlichgrau aus, und muͤſſen aus dem Neſte genommen werden, wenn der Schwanz halb gewachſen iſt. Man fuͤttert ſie mit Amei⸗ ſeneiern und Semmeln in Milch geweicht auf. Krankheiten haben ſie mit der grauen Grasmuͤcke gemein. Fang. Den Platz, wo man ſie oͤfters hinfliegen ſieht, beſteckt man mit Leimruthen, an welche man einige Mehlwuͤrmer haͤngt. Im Herbſt fangen fie ſich auch in Sprenkeln, vor welchen Hol: lunderbeeren haͤngen. g Empfehlende Eigenſchaften. Von dem rothen Schwanze und dem Locktone Fi Za! wel⸗ ches beides ſie mit der Nachtigall gemein hat, ſtammt vermuthlich ihr Name Mauernachtigall her; des Geſanges halber koͤnnen ſie unmoͤglich ſo heißen; denn obgleich er ſonderbar iſt, ſo hat er doch mit den melodiſchen und veraͤnderlichen Strophen des Nach⸗ tigallenſchlags gar keine Aehnlichkeit. Er beſteht aus drei Stro— phen, wovon die mittlere wunderbar kraͤchzend klingt, und die erſte und letzte aus etlichen hoch und hellpfeifenden Toͤnen be⸗ ſteht. Sie ſingen faſt den ganzen Tag vom Morgen bis in die Nacht. Ihre Bewegungen ſind leicht und hurtig; ſie ſchuͤtteln, ſo oft ſie ſich hinſetzen, den Schwanz ab- und ſeitwaͤrts, rufen Fi Za! und ſind bis in die Nacht hinein im Freien und in der Stube munter, was man bei den Voͤgeln ſonſt ſehr ſelten findet. Das gemeine oder Garten-Rothſchwaͤnzchen. 349 149. Das gemeine oder Garten: Notbiebwänz: BR chen). (Rothſchwanz, Rothſtaͤrt, Rothſterzchen, Rothbruͤſtlein, Roͤthling, Gartenroͤthling, Schwarzkehlchen, ſchwarzkehliger Saͤnger, Mauernachtigall, Hausrothſchwaͤnzchen, Saulocker) Beſchreibung. Es iſt 5¼ Zoll lang, wovon der Schwanz 2¼ Zoll weg⸗ nimmt. Der Schnabel iſt 5 Linien lang, rund zugeſpitzt, ſchwarz, an den Ecken und inwendig gelb; der Augenſtern ſchwarz; die Fuͤße ebenfalls; die Schienbeine 10 Linien hoch; die Einfaſſung des Oberſchnabels, Wangen und Kehle ſind ſchwarz, letztere weiß beſpritzt; der weiße Vorderkopf verliert ſich in einen dergleichen Streifen uͤber die Augen; Hinterkopf, Hinterhals, Ruͤcken und kleinere Deckfedern der Flügel find dunkelaſchgrau, roͤthlich über: laufen; der Steiß roſtroth; die Bruſt, Seiten und der Oberbauch roſtroth, letzterer weißgewoͤlkt; der Unterbauch und After roſtgelb; die großen Deckfedern der Flügel und ihrer Schwungfedern dun⸗ kelbraun, roſtgelb eingefaßt; der Schwanz roſtroth, die beiden mittlern Federn dunkelbraun. i Das Weibchen iſt ſehr verſchieden, ſieht faſt wie das Weib⸗ chen des Wiſtlings, nur heller, aus. Es iſt oben roͤthlich aſch⸗ grau; die Kehle weißlich, nur ohngefaͤhr vom fuͤnften oder ſechſten Jahre an ſchwarz und weiß gewoͤlkt; die Bruſt ſchmutzig roſtfar⸗ ben, weiß gewaͤſſert; der Bauch ſchmutzig weiß; der Steiß roͤth⸗ lichgelb; die groͤßern Deckfedern der Flügel und die hintern Schwungfedern roſtfarben eingefaßt!“). 5 Erſt nach dem erſten Mauſern bekommen Maͤnnchen und Weibchen dieſe beſtimmte Kleidung, und die jungen Maͤnnchen ſind alsdann noch uͤberdieß an der ſchwarzen Bruſt mit Weiß uͤberzogen, welches ſich erſt im folgenden Sommer verliert; auch ) Sylvia Phoenicurus. Motacilla Phoenicurus. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 907. n. 34. Rossignol de muraille. Buffon des Ois. 5. p. 170. t. 6. Relstart. Latham Syn. II. 2. p. 421. n. II. Friſch Vögel. Taf. 19. F. 1. a. Männchen. Taf. 20. F. 1. a. Weibchen. Fig. 2. b. junges Männ⸗ chen im Herbſt. A = **) Wenn das Weibchen ſehr alt wird, fo bekommt es alle Farben des Männ⸗ chens, nur weniger lebhaft, wie ich dieß an mehrern Vögeln beobachtet habe. Solche Weibchen legen gewöhnlich nicht mehr, und fliegen den Sommer hin⸗ durch von einem Orte zum andern. An dem Faſanenweibchen bemerkt man dieſe Eigenſchaft unter andern auch. 350 Das gemeine oder Garten⸗Rothſchwaͤnzchen. an der Stirn haben ſie einen weißen Streifen, der uͤber die Au⸗ gen laͤuft, und am Bauche ſind ſie mehr weiß als roſtgelb. Aufenthalt. a. Im Freien. Das Vaterland haben ſie mit dem Wiſt⸗ ling gemein. In Deutſchland trifft man ſie allenthalben an. In der erſten Hälfte des October ziehen fie als Zugvoͤgel in wärs mere Gegenden, und kommen zu Ende Maͤrz oder zu Anfang April wieder zuruͤck. Im Herbſt und Fruͤhjahr halten ſie ſich einige Zeit in Hecken und niedern Gebuͤſchen auf; im Sommer aber findet man ſie in Gaͤrten, um die mit Weiden bewachſenen Fluͤſſe herum, auch in Laubhoͤlzern, und zwar in den tiefſten Waͤldern. Diejenigen, welche die Gaͤrten bewohnen, gehen auch in die Staͤdte, ſetzen ſich da auf die Haͤuſer und vergnuͤgen die Menſchen durch ihren Morgen- und Abendgeſang. b. In der Stube laͤßt man ſie entweder frei herum lau⸗ fen, oder ſteckt fie in einen Nachtigallenkaͤfig; auch in einem Glok⸗ kenbauer befinden fie ſich wohl, und gewähren, als ſchoͤn gezeich⸗ nete Voͤgel, einen angenehmen Anblick. Nahrung. a. Im Freien. Außer den verſchiedenen Arten von flie⸗ genden Inſekten freſſen ſie auch Regenwuͤrmer, Johannisbeeren, und im Herbſt Hollunderbeeren. b. In der Stube laſſen ſie ſich im Herbſt zuweilen an Hollunderbeeren, aber ſchwer an die Univerſalfuͤtterung gewoͤhnen; man mengt ihnen dieſelben im Anfang darunter, und wirft ihnen zuweilen einen Mehlwurm hin. Im Fruͤhjahr gewoͤhnt man ſie mit Ameiſeneiern und Mehlwuͤrmern, die man ihnen in eben das Futter wirft. Als zaͤrtliche Voͤgel muß man ihnen zuweilen Amei⸗ ſeneier und Mehlwuͤrmer geben, Regenwuͤrmer aber nur ſelten, weil dieſe die Stubenvoͤgel nicht gut vertragen koͤnnen. Im Kaͤ⸗ fig bekommen fie Nachtigallenfutter. Hoͤchſtens drei bis vier Jahre kann man ſie bei dieſer Fuͤtterungsart erhalten, laͤnger aber nicht, dann ſterben ſie an der Auszehrung. 8 Fortpflanzung. Ihr Neſt ſteht in Baumloͤchern, Mauerloͤchern, auch unter den Daͤchern. Es iſt aus Grashalmen, Federn und Haaren ſchlecht zuſammengewebt. Das Weibchen legt des Jahrs zweimal * 8 Das gemeine oder Garten⸗Rothſchwaͤnzchen. 351 fünf bis ſieben apfelgrüne Eier. Sobald die Schwanzfedern aus⸗ gebrochen ſind, ſo ſchluͤpfen die Jungen ſchon aus dem Neſte, und laſſen ſich auf einem Baumaſte vollends groß füttern. Sie ſehen bis zum Mauſern am ganzen Leibe aſchgrau und weiß ge⸗ ſchuppt aus. Die jungen Weibchen haben im Herbſte faſt einer⸗ lei Farbe mit der Nachtigall, daher ſie auch oft mit ihr verwech⸗ ſelt werden. Wenn man dieſe Vögel zu Stubenvoͤgeln haben will, ſo thut man am beſten, man zieht ſie mit Ameiſeneiern auf, und mengt nach und nach Semmeln in Milch geweicht da⸗ runter, wodurch fie ans Stubenfutter gewöhnt werden. Sie ler⸗ nen vielerlei, was ſie von andern Stubenvoͤgeln hoͤren, nachſin⸗ gen. | Krankheiten. Der Durchfall und die Duͤrrſucht reibt ſie mehrentheils auf. Fang. Wenn ſie im Fruͤhjahr in den Hecken ſitzen, ſo laſſen ſie ſich, wie die Rothkehlchen, auf die Leimruthen treiben, mit welchen man Stöde belegt, die man quer in Hecken ſteckt, wo ſie ſitzen, und ſie dann ſanft darauf losjagt. Sie gehen auch, wie die Nachtigallen, mit der Lockſpeiſe von Mehlwuͤrmern unter das Garn und in die Leimruthen. Fit Im Herbſt werden fie in den Gärten und Feldhoͤlzern in der Schneuß in Menge gefangen, wenn Hollunderbeeren vorhaͤngen. Diejenigen, welche man fuͤr die Stube haben will, muß man in Sprenkeln fangen, deren Kloͤbchen von Filz ſind, damit ihnen die Beine nicht zerſchlagen werden. Die Einjaͤhrigen halten ſich dann am beſten. Sie gehen auch leicht auf den Traͤnkherd. Empfehlende Eigenſchaften. Schon die Schoͤnheit empfiehlt dieſen Vogel, noch mehr aber ſeine Munterkeit und ſein Geſang. Er hat den Koͤrper ſtets in Bewegung, macht unaufhoͤrlich kurze Verbeugungen und ſchuͤt⸗ telt den Schwanz auf und ab, hin und her. Alle ſeine Bewe⸗ gungen ſind ſchnell und geſchickt. Er ſingt einige ſehr artige Strophen, und verſchoͤnert feinen Geſang auch oft noch durch einige Verſe, die er aus den Geſaͤngen der Voͤgel borgt, die um — u us Die Braunelle. ihn wohnen. So ſingt z. B. der, welcher an meinem Hauſe niſtet, noch den Geſang des Finken, den ich immer vor meinem Fenſter haͤngen habe, und in meines Nachbars Garten niſtet einer, welcher einige Strophen aus dem Geſange des Noͤnchs pfeift, der ſich dort aufhaͤlt. Es iſt dieß eine ſeltene Eigenſchaft, die dieſem Vogel zu Theil geworden iſt, in der Freiheit auch andere Vogelgeſaͤnge ſich eigen machen zu koͤnnen. Er wird ſo zahm, daß er bald die Mehlwuͤrmer aus der Hand nimmt. 150. Die Braunelle )). (Die braungefleckte Grasmuͤcke, Prunell⸗Grasmuͤcke, der fchiefer: bruͤſtige Sänger, der Sperling, Spanier, Wollentramper, Blei: kehlchen, Baſtardnachtigall, Baumnachtigall, Winternachtigall, Krauthaͤnfling, großer Zaunſchliefer, Zerte, Heckenſpatz). Beſchreibung. Dieſer Vogel, der in ſeinem Betragen viel Aehnlichkeit mit dem Zaunkoͤnig hat, iſt 5¼ Zoll lang, wovon der Schwanz 2¼ Zoll einnimmt. Der Schnabel iſt 5 Linien lang, ſehr ſpitzig, ſchwarz, mit weißlicher Spitze und roſenrothem Rachen; der Au⸗ genſtern purpurroth; die Fuͤße fleiſchfarben gelb und 10 Linien hoch. Der ſchmale Kopf iſt mit dem Halſe dunkelaſchgrau mit einzelnen tiefbraunen Flecken; der Ruͤcken hellroſtfarben, mit ſchwarz⸗ braunen Flecken, wie der Ruͤcken eines Hausſperlingsmaͤnnchen; der Steiß fahlgrau; Wangen, Kehle und Bruſt ſind dunkel ſchie⸗ ferfarbig oder blaͤulichaſchgrau; Bauch und After ſchmutzig weiß; die Seiten und Schenkel gelbbraun; die Fluͤgel dunkelbraun, roſt⸗ farben kantirt und die großen Deckfedern mit kleinen weißen Spitzen; der Schwanz dunkelbraun, heller geraͤndert. Das Weibchen iſt an der Bruſt blaͤſſer, alſo mehr grau⸗ lichblau, auf dem Kopfe mehr braungefleckt. Aufenthalt. a. Im Freien. Er bewohnt ganz Eu ropa, und haͤlt ſich in Gärten, vorzüglich aber in Waldungen auf, wo dichte Gehege, *) Sylvia modularis. Motacilla modularis. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 952. n. 3. Fauvet d'hiver. Buffon des Ois. 5. p. 151. t. 9. Hedge Warb- ler. Latham Syn. II. 2. p. 419. n. 9. Friſch Vögel Taf. 21. Fig. 2. b. Die Braunelle. 353 beſonders von Nadelholz ſind. Er gehoͤrt bei uns unter die Zug⸗ voͤgel, obgleich einige, die aus dem hoͤhern Norden kommen, den Winter uͤber bei uns in der Nachbarſchaft der Haͤuſer ſich aufhal⸗ ten, Hecken, Holzſtoͤße, Steinhaufen durchſchluͤpfen und, wie die Zaunkoͤnige, auf die Boͤden und in die Staͤlle fliegen. In der letzten Haͤlfte des Maͤrz kommen die Ausgewanderten wieder in ihrer Heimath an, halten ſich jedoch dann erſt einige Zeit in den Zaͤunen auf, ehe ſie in die Waldungen gehen. b. In der Stube. Als ſehr muntere Voͤgel läßt man fie frei herumlaufen, giebt ihnen zum Ausruhen und Schlafen ein Tannenbaͤumchen oder ein großes Vogelgitter mit Springhoͤlzern. Man kann ſie aber auch in einen Nachtigall⸗ oder Canarien⸗ vogelbauer ſtecken. Nahrung. | a. Im Freien. In der großen Verſchiedenheit ihrer Nah⸗ rungsmittel liegt vorzuͤglich der Grund, warum ſie den groͤßten Theil des Jahrs, ja das ganze Jahr hindurch aushalten koͤnnen. Sie nähren ſich nicht nur von allerhand Arten Inſekten und Würmern, ſondern auch von verſchiedenen kleinen Saͤmereien. Im Fruͤhjahr ſuchen ſie in den Hecken Fliegen, Puppen, Raupen und auf der Erde Regenwuͤrmer auf; im Sommer naͤhren ſie ſich vorzuͤglich von Raupen, im Herbſt von allerhand Grasſaͤmereien, Mohn⸗ und Ruͤbſamen, Hollunderbeeren, und im Winter leſen ſie, wenn die Erde ohne Schnee iſt, allerhand Pflanzenſaͤmereien auf, und, wenn dieſe fehlen, ſuchen ſie Spinnen und Raupenneſter und In⸗ ſekten, die in Winkeln oder Ritzen verborgen ſind, auf. b. In der Stube. Hier freſſen ſie alles, was auf den Tiſch kommt, Fleiſch und Gemuͤſe, Brod, Kuchen, Mohn: Hanf: und Ruͤbſamen, beſonders aber behagt ihnen die oben angegebene Uni⸗ verfalfütterung. Sie freſſen daher auch ſogleich, wenn man ſie in die Stube ſetzt, und thun ſo gewohnt, wie wenn ſie ſchon lange da geweſen waͤren. - Fortpflanzung. Sie niſten des Jahrs zweimal im dichten Gebuͤſche, vorzüg: lich in jungen Fichtenſchlaͤgen. Das Neſt ſteht ſechs Fuß hoch, und iſt auswendig aus klarem Erdmoos, zuweilen mit kleinen Reißchen und Wuͤrzelchen vermiſcht und inwendig mit Hirſch⸗ Naturgeſch. d. Stubenvögel. 23 rr Die Braunelle. Reh⸗ und Haſenhaaren gebaut. Man findet fünf bis ſechs grün: blaue Eier in demſelben, Die Jungen ſchluͤpfen bald aus dem Neſte und ſehen den Eltern gar nicht gleich. Sie haben roſen⸗ rothe Mundwinkel und Naſenloͤcher, eine gelb und grau gefleckte Bruſt und einen braunen und ſchwaͤrzlich geſprenkelten Oberleib. Man kann ſie mit Semmeln und Mohn in Milch geweicht leicht aufziehen. Gezaͤhmt tragen Männchen und Weibchen im Zimmer zur Fortpflanzung allerhand Grashalmen und Faͤden zuſammen, bauen ein Neſt und die Weibchen legen ohne Maͤnnchen Eier, paa⸗ ren ſich auch wohl an die Rothkehlchen. Sie niſten in Tannenbaͤum⸗ chen und bringen auch die Jungen leicht auf. | Krankheiten. Wenn man nicht ſelten geglaubt und behauptet hat, daß die Voͤgel in der Freiheit eine allgemeine Geſundheit genoͤſſen, fo macht dieſer Vogel davon eine auffallende Ausnahme; denn die Jungen leiden nicht nur im Neſte oft an den Blattern, ſondern bekommen ſie auch, wenn ſie ausgeflogen ſind. Als die Blattern in mei⸗ nem Orte graſſirten, ſo bekam ſie auch meine jung aufgezogene Braunelle. Sie kam gluͤcklich durch, weil ich ſie vorzuͤglich gut mit Mohn und Ameiſeneiern fuͤtterte; allein der Schwanz war ihr in der Krankheit ausgefallen und ſie bekam nie einen wieder. Auch die Alten faͤngt und ſchießt man zuweilen mit ſchwuͤrigen und kraͤtzigen Beinen und Augen. Vielleicht ſind dieß aufgegan⸗ gene Forſtbeulen. Vorzuͤglich krank werden ſie in den Stuben der Leineweber. Im erſten Vierteljahre haben ſie da geſchwollene Augen und kahle Augenkreiſe; alsdann wird der Schnabel raͤudig; dann kommt's an die Füße und zuletzt auch an den Körper. Trotz dem allen leben ſie im Zimmer 8 bis 10 Jahre. Fang. Auf feinem Ruͤckzuge im Frühjahr kann man dieſen Vogel ſehr leicht fangen. Wenn man ihn in einer Hecke bemerkt, was ſehr leicht iſt, da es zu der Zeit noch ſehr wenig Voͤgel in den Hecken giebt, und ihn auch ſeine Lockſtimme Ißril gar ſehr verraͤth, ſo ſucht man einen kleinen Platz an derſelben von Gras und Moos ſo zu entbloͤßen, daß die bloße Erde zu ſehen iſt. Dieſe Stelle beſteckt man mit Leimruthen, legt einige Regenwuͤrmer oder Mehlwuͤrmer als Lockſpeiſe hin und jagt ihn behutſam nach dem Das Rothkehlchen. 355 Platze zu. Sobald er die entbloͤßte Erde ſteht, fliegt er darauf los und faͤngt ſich beim Erblicken dieſer Lockſpeiſe blindlings. Im Herbſt kommt er auch auf den Vogelherd und in die Schneuß, und im Winter kriecht er in den Meiſenkaſten. Auf den Traͤnkherd kommt er ſehr haͤufig, nicht ſowohl um ſich zu baden, als vielmehr um ertrunkene Inſekten aufzu⸗ fiſchen und faule Graswurzeln zu freſſen. 45° Empfehlende Eigenſchaften. So angenehm dieſer Vogel in der Stube wegen ſeiner Mun⸗ terkeit, Hurtigkeit, Aufgeraͤumtheit und feines niedlichen Geſangs halber iſt, fo hat er doch mit Unrecht den Namen Baumnachtigall erhalten; denn ſein Geſang hat auch nicht die geringſte Aehnlich⸗ keit mit dem Nachtigallenſchlag. Er iſt ſehr einfach und beſteht aus einer Strophe des Feldlerchen- und Zaunkoͤnigsgeſangs. Die Sylben Tihudi, hudi, hudizc. werden oft und lange wies derholt, und zwar von einer Sechſte herabſteigend und immer abnehmend. Der Vogel bewegt dabei Schwanz und Fluͤgel un⸗ aufhoͤrlich, und ſingt das ganze Jahr hindurch, die Mauſerzeit ausgenommen. Jung aufgezogen verſchoͤnert er ſeinen Geſang mit den Liedern derjenigen Voͤgel, die um ihn haͤngen, lernt aber nicht den Schlag der Nachtigall nachahmen, wie man wohl vor⸗ gegeben hat. i Wenn er ſich mit andern Voͤgeln um das Futter oder den Platz zankt, ſo ſingt er dazu, wie es die Haubenlerchen und wei⸗ ßen Bachſtelzen thun. 151. Das Rothkehlchen)). (Rothbruͤſtchen, Rothkroͤpfchen, Waldroͤthling, Kelhroͤthchen, der a rothbruͤſtige Saͤnger). i a Beſchreibung. N Ein in ganz Europa ſehr bekannter Vogel. Er iſt 5 / Zoll lang, wovon der Schwanz 2¼ Zoll mißt. Der Schnabel iſt 5 Linien lang, hornbraun, die Wurzel der untern Kinnlade und der Rachen gelb; der Augenſtern ſchwarzbraun, ſo wie die Fuͤße; ) Sylvia Rubecula. Motacilla Rubecula. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 993. n. 45. Rouge -gorge. Buffon des Ois. 5. P. 196, t. 11. Redbreast. Latham Syn. II. 2. p. 442. n. 38. Friſch Vögel. Taf. 19. Fig. 1. b. 23 * „„ . Das Rothkehlchen. letztere ſind 11 Linien hoch; Stirn, Wangen und Unterleib bis zum Bauch find tief orangenroth; der Oberleib und die Deckfe⸗ dern der Fluͤgel ſchmutzig olivengruͤn; Steiß, Seiten und After heller; die Seiten der Bruſt und des Halſes ſchoͤn hellgrau; der Bauch weiß; die Schwung: und Schwanzfedern dunkelbraun, olivengruͤn gerändertz die vordern großen Deckfedern der Flügel mit gelben dreieckigen Punkten an den Spitzen, welche die Vogel⸗ ſteller Spiegel nennen. Das Weibchen iſt etwas kleiner, an der Stirn nicht ſo breit brangenroth, an der Bruſt bläffer, die Fuͤße find fleiſchbraun, und meiſt fehlen die gelben Punkte auf den Deckfedern der Fluͤ⸗ gel; doch haben ſehr alte Weibchen auch gelbe Strichelchen da⸗ ſelbſt. s 2 | Die einjährigen Männchen, welche man man im Früh: jahr fängt, fehen den Weibchen am aͤhnlichſten, haben nur kleine, oder faſt gar keine Spiegel, eine dottergelbe Bruſt, aber ſtets ſchwarzbraune Fuͤße. | | Es fallen auch weiße und bunte Spielarten aus. Wenn man ihnen in der Stube die Fluͤgel und den Schwanz etlichemal hintereinander außer der Mauſerzeit ausrupft, ſo werden dieſe Federn weiß, und ein ſolcher Vogel, deren ich mehrere gehabt habe, ſieht ſehr artig aus. Nur zerknicken dieſe Federn, da ſie ſehr ſchwach ſind, leicht. Aufenthalt. a. Im Freien. Auf ihren Wanderungen trifft man ſie in Menge in allen Hecken und Buͤſchen an, im Sommer aber vorzuͤglich in großen Waldungen, fie mögen mit Laub oder Na: delholz bewachſen ſein. Sie kommen in der Mitte des Maͤrz von ihren Wanderungen zuruͤck, ſtreichen dann wohl vierzehn Tage bis drei Wochen in Zaͤunen herum, ehe ſie in die Waͤlder gehen. Dieß geſchieht der Nahrung wegen. Im October durch⸗ ſtreichen fie alle Gebuͤſche und ziehen wieder langſam fort; doch bleiben einige bis zum November und einzelne gar den ganzen Winter bei uns; letztere muͤſſen aber ihre Saumſeligkeit gewoͤhn⸗ 5 lich mit dem Leben bezahlen; denn ſie kommen im Winter als⸗ dann auf die Miſtſtaͤtten, in die Ställe, verhungern bei gar zu heftiger Kaͤlte und hohem Schnee, oder werden von Menſchen — und Thieren gefangen. Wenn man ſie zu dieſer Jahreszeit in Das Rothiehlden. | 357 warme Zimmer bringt, fo ſterben fie ſogleich, und die Vogelſteller ſagen, ſie taugten jetzt nichts, weil ihnen der Froſt im Kopfe ſtecke. Allein nichts als der zu ſchnelle Wechſel der Kälte mit der Waͤrme iſt die Urſache ihres Todes; denn thut man fie vor: her in eine kalte Kammer und bringt ſie nur nach und nach dem Ofen naͤher, ſo bleiben ſie ſo gut am Leben, wie diejenigen, welche man im Fruͤhling oder Herbſt faͤngt. b. In der Stube. Auf den Dörfern laͤßt man das Roth⸗ kehlchen in der Stube herumfliegen, um die Fliegen wegzufangen, und ſteckt ihm an die Wände grüne Buͤſche, Rothbuchen- oder Eichenbuͤſche, die das Laub im Winter behalten, oder laͤßt es in den Schlafkammern herumlaufen, um ſie von Floͤhen zu reinigen. Es befindet ſich außerordentlich wohl, wenn es in der Stube frei herum laufen kann, und lebt acht bis zwoͤlf Jahre. Es muß aber ganz allein ſein; denn zwei ſind ſo eiferſuͤchtig auf einander, daß eins gewiß todt gebiſſen wird. Sind ſolche Voͤgel von glei⸗ cher Staͤrke und man fest fie zu gleicher Zeit in die Stube, ſo nimmt eins dieſe, das andere jene Hälfte derſelben ein, und ſo vertragen ſie ſich; keines darf aber uͤber die Graͤnze des andern kommen, ſonſt geht der Streit an. a | Man ſteckt fie auch ihres angenehmen Geſanges wegen in einen Nachtigallkaͤfg; auch im Glockenbauer laffen fie ſich halten. Nahrung. a. Im Freien. Inſekten von allerhand Art, Regenwuͤr⸗ mer und allerhand Arten von Beeren machen ihre Nahrung aus. b. In der Stube nehmen ſie, wenn ſie einmal gewoͤhnt ſind, was leicht durch ein Paar Regenwuͤrmer und Mehlwuͤrmer, oder im Herbſt durch Hollunderbeeren geſchehen kann, mit allem vorlieb, was man ihnen vorwirft und freſſen beſonders den fri⸗ ſchen Kaͤſe ſehr gern. Wer ſie recht gut halten will, der giebt ihnen im Kaͤfig das Nachtigallfutter; in der Stube frei herum⸗ laufend aber befinden ſie ſich bei dem Univerfalfutter ſehr wohl. Sie verlangen täglich friſches Waſſer, nicht nur zum Trin⸗ ken, ſondern auch zum Baden, womit ſie ſich ſo naß machen, daß man gar keine Spur von Farbe mehr erkennen kann. Fortpflanzung. Das Rothkehlchen niſtet des Jahrs zweimal auf die Erde „PP „ esneesg 338 | Das Rothkehlchen. ins Moos, in Steinritzen, unter die Wurzeln der Baͤume, in hohle Baumſtruͤnke, in Maulwurfsloͤcher e. Das Neſt iſt ſchlecht gebaut, beſteht aͤußerlich aus Erdmoos, und inwendig aus eini⸗ gen Grashalmen, Thierhaaren und Vogelfedern. Es ſucht aber immer einen ſolchen Ort zum Bauen aus, wo das Neſt durch Wurzeln, Moos oder auf eine andere Art oben gedeckt wird, und von vorn einen Eingang hat. Man findet vier bis ſieben Eier in demſelben, deren Grundfarbe gelblichweiß iſt, mit einzelnen rothgelben zerfloſſenen Punkten und Strichen, die ſich am obern Ende in einen hellbraunen Ring verwandeln. Die Jungen ſind Anfangs ſo voller gelber Wollfedern, wie die jungen Huͤhnchen, und werden alsdann grau mit einer ſchmutziggelben Einfaſſung aller kleinen Federn. Nach der erſten Mauſer erhalten ſie erſt die orangenrothe Kehle. Man zieht ſie mit in Milch geweichter Semmel auf, und haͤngt ſie neben die Nachtigallen, von deren Geſang ſie einige Strophen lernen, welche in Verbindung mit einigen Stanzen aus dem ihrigen ein vortreffliches Lied geben. Krankheiten. Sie bekommen oft den Durchfall, wogegen man ihnen etliche Spinnen vorwirft. Von der Duͤrrſucht befreien ſie oft Ameiſeneier und Mehlwuͤrmer. Wenn man ihnen zu viel Re⸗ genwuͤrmer gegeben hat, ſo machen ſie ſich auch bald dick und ſterben. Mehlwuͤrmer und Spinnen kuriren ſie oft wieder. Fang. Wenn ſie ſich im Fruͤhjahr in Hecken und Zaͤunen aufhalten, ſo ſteckt man einige Stoͤcke quer aus der Hecke, beſteckt dieſe mit Leimruthen und zwei Perſonen ſchlagen dann ſanft an die Buͤſche, wodurch ſie ſich auf die Leimruthen treiben und fangen laſſen. Denn das Rothkehlchen iſt gewohnt, ſich auf alle, aus dem Zaun herausſtehende, niedrige Reiſer zu ſetzen, um von da auf die Erde nach Regenwuͤrmern deſto beſſer ſehen zu koͤnnen. Man nennt dieß in Thüringen die Rothkehlchensjagd, und fie wer: den auf dieſe Art fuͤr die Stube in Menge gefangen. Auch kann man ſie auf eben die Art auf einem bloßen Platz, der mit Leim⸗ ruthen beſteckt und mit Regenwürmern oder Mehlwuͤrmern belegt iſt, wie die Braunelle, fangen. In das Nachtigallengarn und in den Meiſenkaſten gehen ſie re fo wie auf den Traͤnkherd. Das Blaukehlchen. 359 Noch häufiger werden fle aber im Herbſt in der Schneuß weggefangen, wenn man Hollunderbeeren vorhaͤngt, denn dieß iſt das hauptſaͤchlichſte Nahrungsmittel der kleinen Schneußvoͤgel. Wenn man fie aber fin die Stube will, und die Füße nicht ſol⸗ len zerſchmiſſen werden, ſo muß man Sprenkel ſtellen, die vorn ein Koͤlbchen von Filz haben. i Empfehlende Ei genſchaften. Schon die Farbe und die große Zahmheit empfehlen dieſe Stubenvoͤgel. Sie werden bald ſo kirre, daß ſie auf den Tiſch kommen und mit aus der Schüffel ſpeiſen. Außerdem find ſie von ungemein munterm Naturell, beftändig in Bewegung, huͤp⸗ fen bald da, bald dorthin, machen beſtaͤndig Verbeugungen, faſt bei jedem Sprunge, und rufen dazu ihr Sisri! Vorzuͤglich ſchaͤtzbar werden fie dem Liebhaber durch ihren feierlich melancho⸗ liſchen Geſang, mit dem ſie ihn das ganze Jahr hindurch unter⸗ halten. Im Käfig ſingen ſie lauter und ſchoͤner, als wenn ſie frei herumlaufen; doch pfeifen die meiſten auch ſchoͤn, wenn ſie nicht im Kaͤfig ſind. Im Fruͤhjahr iſt beſonders ihr Geſang ſehr reizend, und am lauteſten. Wenn man auf dem Lande wohnt, ſo laſſen ſie ſich im Winter, nicht nur jung aufgezogen, ſondern auch alt, faſt unter allen Voͤgeln am leichteſten, zum Aus: und Einfliegen gewoͤhnen. Der Paſtor Goeze erzaͤhlt in den neuen Mannichfaltigkeiten III. 1775. S. 195 von einem Rothkehlchen, das zwei Jahre im Herbſt wieder erſchien, wenn es im Fruͤhjahr fortgejagt wurde, und den Winter Über in der warmen Stube ſich aufhielt, und ſehr zahm und zaͤrtlich war. 152. Das Blaukehlchen“). (Spiegelvoͤgelchen, Schildnachtigall, Waſſernachtigall, Wegflecklein, Blaukroͤpfel, blaues Rothkehlchen, blaukehliger Saͤnger). 6 Beſchreibung. Dieſer ſchoͤne Vogel hat manches mit der weißen Bachſtelze, manches aber mit dem Rothſchwaͤnzchen gemein, und iſt daher ) Sylvia Suecica. Motacilla Sueeica. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 989. n. 37. Gorge bleu. Buffon des Ois. 5. p. 206. t. 12. Blue throated Warbler. Latham Syn. II. 2. p. 444. n. 39. Friſch Vögel. Taf. 19. F. 2. a. Männchen. b. junges Männchen. Fig. 20. F. 1. b. Weibchen. | 360 Das Blaukehlchen. eine Mittelart zwiſchen beiden. Seine Länge beträgt 5 ½ Zoll; der Schwanz iſt 2 ¼ Zoll lang, der Schnabel ſpitzig, ſchwaͤrzlich, an den Ecken gelblich; der Augenſtern braun; die Füße ſind fleiſch⸗ farbenbraun, die Zehen ſchwaͤrzlich; die Schienbeine 1 Zoll 2 Li⸗ nien hoch. Der Kopf, Rüden und die Deckfedern der Fluͤgel ſind aſchgraubraun, dunkler gewaͤſſert; uͤber jedes Auge laͤuft eine roͤthlichweiße Linie; die Wangen find dunkelbraun, roſtfarben be⸗ ſpritzt, zur Seite dunkelaſchgrau eingefaßt; die Kehle iſt bis zur halben Bruſt ſchoͤn dunkelhimmelblau, mit einem glaͤnzendweißen erbſengroßen und runden Fleck an der Gurgel, der ſich beſonders, wenn der Vogel ſingt, wo er bei Aufblaſung der Kehle bald groͤ⸗ ßer bald kleiner wird, ſehr ſchoͤn ausnimmt; die blaue Farbe ver⸗ liert ſich in eine ſchwaͤrzliche Binde und dieſe wieder in eine hoch⸗ gelbrothe; der Bauch iſt ſchmutzigweiß, der After gelblich und die Schenkel und Seiten rothgrau; die Schwungfedern dunkel⸗ braun, und die Schwanzfedern an der Wurzel roſtroth, die Spitzen⸗ haͤlfte ſchwarz, die beiden mittlern ganz dunkelbraun. Einige Maͤnnchen haben auch zwei kleine ſilberweiße Flecken an der Kehle, ja zuweilen gar drei, und andern fehlt dieſe weiße Perle ganz. Letztere ſcheinen ſehr alte Maͤnnchen zu ſein, denn ich habe bemerkt, daß das Blaue alsdann dunkler, und auch der gelbrothe Querſtreifen faſt braunroth iſt. N Das Weibchen iſt gar ſehr kenntlich. Bei juͤngern ſieht man nur einen blauen Anflug an den Seiten der Kehle, bei aͤl⸗ tern aber beſteht er nur aus zwei langen Streifen an der Seite des Halſes; die gelbrothe Bruſtbinde fehlt; die Kehle und Gur⸗ gel ſind gelblichweiß; an den Seiten derſelben laͤuft der Laͤnge nach ein ſchwarzer Strich hin, und die Fuͤße ſind fleiſchfarben. Aufenthalt. a. Im Freien. Man trifft das Blaukehlchen in ganz Europa an. Es iſt ein Zugvogel, den man in der erſten Haͤlfte des April, wo er gerade auf feiner Heimreiſe nach Norden be: griffen iſt (denn er niſtet bei uns nur einzeln), wenn Schneegeftö- ber und kalte Witterung eintritt, oft in großer Menge an Baͤchen und Graͤben, die flach ſind, an den Hecken feuchter Wieſen, und ſogar in Hoͤfen auf den Miſtſtaͤtten antrifft. Sie ſuchen in gebir⸗ gigen Gegenden den Sommer uͤber Oerter auf, wo Waſſer iſt. Das Blaukehlchen. | 361 Im Auguſt findet man fie ſchon wieder in Kohlgaͤrten, wenn Hecken und Buͤſche in der Naͤhe ſind. 20 b. In der Stube. Man kann ſie frei herum laufen laſſen, wo ſie durch ihre artigen Bewegungen und durch den ſchnellen Lauf vergnuͤgen, auch in kurzem ſo zahm werden, daß ſie nahe herzu kommen und alles aus der Hand freſſen. Wenn man fie in den Kaͤfig thut, ſo ſingen ſie deſto anhaltender. Man waͤhlt dazu einen Nachtigallenbauer, damit ſie ſich die ſchoͤnen Federn nicht ſo leicht ſchmutzig machen, oder gar abſtoßen. Die weichen Schwanzfedern gehen ohnehin bald verloren. Nahrung. a. Im Freien. Hier naͤhren fie ſich beſonders von Waſſer⸗ inſekten und Wuͤrmern, Regenwuͤrmern, in Kohlfeldern von Kohlraupen ꝛc. Fa Sie freffen auch Hollunderbeeren. b. In der Stube giebt man ihnen, ſobald man ſie hinein bringt, Ameiſeneier und Mehlwuͤrmer, auch einige Regenwuͤrmer. Laufen ſie frei herum, ſo thut man dieſe Speiſen unter die oben beſchriebenen Univerſalfutter, und fo lernen fie dieſe bald freſſen. Man muß ihnen alsdann immer etwas Ameiſeneier und Mehl⸗ wuͤrmer geben, ſonſt bekommen ſie leicht die Auszehrung. Im Kaͤfig bekommen ſie das Nachtigallenfutter und leben dabei ſechs bis acht Jahre. Es ſind außerordentlich ſtarke Freſſer, die vom erſten Univerſalfutter taͤglich ſo viel an Gewicht freſſen, als ſie ſelbſt ſchwer ſind; daher ſie auch bei jedem dritten und vierten Schritt ihren Unrath von ſich geben. Sie verlangen immer fri⸗ ſches Waſſer zum Trinken und Baden, und machen ſich alle Tage ſo naß, wie das Rothkehlchen, daß man keine Farbe mehr ſieht. Merkwuͤrdig iſt, daß ſie ſich immer des Nachmittags baden, was ich an vielen und viele Jahre nach einander bemerkt habe. Krankheiten. Dem Durchfall und der Auszehrung ſind ſie gewoͤhn⸗ lich unterworfen, welche man auf die beſchriebene Art kurirt. Fang. Man ſagt allgemein, dieſe Voͤgel wären ſelten, und be⸗ hauptet, daß ſie in den meiſten Gegenden von Deutſchland nur alle fuͤnf bis zehn Jahre einmal zum Vorſchein kaͤmen; allein — ng r — Das Blaukehlchen. man irrt ſich. Auch in Thuͤringen war man jener Meinung, bis ich dann in meiner Gegend Andern bekannt machte, wann man ſie aufzuſuchen haͤtte; ſeitdem werden ſie alle Jahre haͤufig gefangen. Wenn naͤmlich in der erſten Hälfte des April bis zum zwanzigſten kalte und ſchneeigte Witterung eintritt, fo darf man nur an flache Baͤche, Teiche und Fluͤſſe gehen, beſonders wenn man vor einem Walde wohnt, und man wird ſie gewiß manch⸗ mal in Menge antreffen. Man lockert an einem ſolchen Platze die Erde ein wenig auf, legt Regen- oder Mehlwuͤrmer darauf, beſteckt den Platz mit Leimruthen, und treibt die Voͤgel langſam dahin, wo ſie ſich dann blindlings fangen. Eben ſo gehen ſie auch in den Meiſenkaſten und das Nachtigallengarn, wenn man es an eine Hecke oder an einen Bach ſtellt, wo man ſie bemerkt. N Wenn man ſie im Herbſt in Kohlgaͤrten ſieht, ſo darf man nur Stoͤcke mit Leimruthen hinſtecken und an dieſe Mehlwuͤr⸗ mer binden, ſo fangen ſie ſich auch. Eben ſo gehen ſie auch zu dieſer Zeit, wiewohl ſelten, auf den Traͤnkherd. | Empfehlende Eigenſchaften. Durch Zahmheit, Munterkeit, Schoͤnheit und Geſang macht ſich dieſer Vogel dem Liebhaber angenehm. Er hat auch deßwegen in Thuͤringen einen fremden Namen bekommen, und heißt ge woͤhnlich Italieniſche, ja wohl gar Oſtindiſche Nachtigall. Er laͤuft außerordentlich ſchnell, ſchnellt den Schwanz oft in die Höhe, breitet ihn faͤcherfoͤrmig aus, ſchuͤttelt überhaupt Flügel: und Schwanzfedern beſtaͤndig, und ruft immer Fied fied und ſchnalzt dazu Tack tack! Schade, daß er beim erſten Mauſern den ſchoͤnen Glanz ſeiner Federn verliert, beſonders daß das Blaue an der Bruſt viel matter und zuletzt gar blos ſchimmelgrau wird. In einigen Tagen wird er gleich ſo zahm, daß er die Mehl⸗ wuͤrmer aus der Hand frißt, und in kurzem iſt er an einen ge— wiſſen Ruf oder Pfiff gewoͤhnt, und kommt herbeigelaufen. Sein Geſang iſt wunderbar ſchoͤn. Es ſcheint, wie wenn er zweierlei Stimmen auf einmal hoͤren ließ, ein leierartiges Schnarren als Grundſtimme, zwiſchen welchem er die mancherlei floͤtenartig klingenden Strophen pfeift. Wenn man ihn in der Stube herum laufen laͤßt, ſo ſucht er ſtets ein Plaͤtzchen, wo die Sonne hin ſcheint, und legt ſich Die Baſtardnachtigall. 363 auf den Bauch, wenn er ſingen, will. Mit dem Geſange der weißen Bachſtelze hat der ſeinige viel Aehnlichkeit; doch wird er on; das leierartige Schnurren noch verſchoͤnert. b. Jung zaͤhmbare. 153. Die Baſtardnachtigall'). (Gruͤngelbe Grasmuͤcke, Gelbbruſt, Schackruthchen, gelbbaͤuchiger Saͤnger, gelbbaͤuchiger Laubvogel.) Dieſer vortreffliche Singvogel wird uͤberall, wo Gebuͤſche und Laubholzungen find, angetroffen. Er iſt 5½ Zoll lang, wos von der Schwanz 2 ¼ Zoll beträgt. Der Schnabel iſt 7 Linien lang, gerade, ſtumpf, an der Wurzel breit, oben grau ins Blaͤu⸗ liche und unten gelb ins Fleiſchfarbene ſpielend, mit gelblichen Schnabelwinkeln und citronengelbem Rachen; der Augenſtern dun⸗ kelbraun; die Fuͤße ſind bleifarben; die Beine 10 Linien hoch. Der ſpitzig zulaufende Kopf, der Ruͤcken, Steiß, die kleinern Deck⸗ federn der Fluͤgel ſind olivenfarbig aſchgrau; von den Naſenloͤchern laͤuft bis zu den Augen ein hellgelber Streifen; der ganze Unter⸗ leib iſt ſchön hellgelb; die Flügel ſind dunkelbraun, die hintern ſo ſtark weißlich kantirt, daß davon ein weißlicher Fleck gebildet wird; der Schwanz iſt dunkelbraun. Das Weibchen iſt etwas bläffer, und der gelbe Augenſtrei⸗ fen iſt undeutlicher. Aufenthalt. a. Im Freien. Er lebt in Gaͤrten, Feldhoͤlzern und Vor⸗ hoͤlzern, und liebt vorzüglich diejenigen Waͤldchen, die einzelne Nadelbaͤume enthalten. In den letzten Tagen des April kommt er an, und zieht, _ ſich zu mauſern, gegen Ende Auguſt wies der weg. b. In der Stube. Man ſteckt ihn einen Nachtigallen⸗ kaͤfig, welchen man aber nicht aͤndern noch verſetzen darf, ſonſt geht er verloren. Es iſt ein ſo weichlicher Vogel, daß er ſich alt faſt gar nicht zaͤhmen laͤßt. Nahrung. a. Im Freien. Er naͤhrt ſich von allerhand Inſekten, *) Sylvia Hippolais. Motacilla Hippolais. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 954. n. 7. Fauvette. Buff on des Ois. 5. p. 117. Lesser Pettychapps. Latham Syn. II. 2. p. 413. n. 3. Meine N. G. Deutſchlands. III. Taf. 24. „ %% A. Feienenciik ri un mm Die Baſtardnachtigall. glatten Raͤupchen, Fliegen, Muͤcken, Spinnen und Kaͤfern; frißt im Nothfall auch Beeren. b. In der Stube. Er will faſt nichts als Inſekten, Flie⸗ gen und Mehlwuͤrmer freſſen, und es gehoͤrt viel Luſt und Muͤhe dazu, ihn ans Nachtigallenfutter zu gewöhnen. Fortpflanzung. Dieſe Voͤgel machen eins der kuͤnſtlichſten Neſter. Es ſteht gewoͤhnlich 8 Fuß hoch auf einer Zweiggabel, iſt aͤußerlich weiß aus weißer Birkenſchaale, weißen Pflanzenſkeletten, Puppenhuͤlſen und Wolle, und am obern Rande aus einzelnen weichen Feder⸗ chen zuſammengeſetzt, ſo daß es durch dieſe weiße Materialien das Anſehen bekommt, als wenn es aus Papier verfertigt waͤre. Inwendig beſteht es aus den zarteſten Grashalmen. Die fuͤnf Eier, welche das Weibchen legt, ſind hellroth, aber wenn ſie et⸗ liche Tage bebruͤtet find, dunkelfleiſchfarben, mit einzelnen dunkel⸗ rothen Punkten beſtreut. Dieſe Voͤgel niſten nur einmal des Jahrs, und wenn ſie einen Menſchen mehr als einmal in der Gegend des Neſtes bemerken, ſo verlaſſen ſie Eier und Junge. Wenn man dieſen angenehmen Vogel zu einem Stubenvogel machen will, wie es in Heſſen oͤfters geſchieht, ſo thut man am beſten, man nimmt ihn jung aus dem Neſte und fuͤttert ihn mit Ameiſeneiern und Rinderherz auf. Er muß aber beſtaͤndig an einem warmen Orte unveraͤndert haͤngen bleiben, darf auch, wie ich ſchon erwaͤhnt habe, nicht in einen andern Käfig geſteckt wer: den, wenn er nicht eben ſo, wie der erſte beſchaffen iſt, ſonſt trauert er, ermattet, und ſtirbt in kurzer Zeit. Hier ſieht man dann, daß dieſer Vogel erſt im December und Januar ſich mau: ſert. Er muß alſo im Winter ſehr weit nach Suͤden ziehen. Krankheiten haben ſie mit der Nachtigall gemein. Fang. Sie ſind ſchwer zu fangen, und man iſt es faſt nicht anders im Stande, als auf dem Neſte, das man mit Leimruthen um: ſtellt. Sie verlaſſen es aber oft lieber, als daß ſie ſich auf die Leimruthen ſetzen ſollten. Sie gehen nur ſelten auf den Traͤnkherd. + Der Teichſänger. rs Zuweilen faͤngt man fie im Auguſt in Sprenkeln, vor wel⸗ chen Johannisbeeren haͤngen. Man geht auch uͤberhaupt am ſicherſten, wenn man fie jung aufzieht, da es felten geraͤth, fie alt zu zaͤhmen. Empfehlende Eigenſchaften. Dieſe Voͤgel fuͤhren den Namen Baſtardnachtigall mit der That, denn ihr Geſang iſt flötenartig, ſtark abwechſelnd, und ungemein melodieenreich, lang an einander haͤngend, und hat einige wunderbar ſchmatzende und kreiſchende, und einige Strophen aus dem Geſange der Rauchſchwalbe. Sie uͤbertreffen alle Grasmuͤcken⸗ arten, und blaſen die Kehle ſehr auf, wenn ſie ſingen. Ihre Lockſtimme iſt Dak, dak! Fidhoy, fidhoy! Auch ihre Farbe macht ſie angenehm. i f 154. Der Veichfänger”). (Sumpfſaͤnger, Schilf- und Rohrſaͤnger, Weidrich, Schilfſchmaͤtzer, Weidengucker, Rohrgrasmuͤcke, Schilfdornreich, kleine braungelbe Grasmuͤcke). Beſchreibung. Man verwechſelt dieſen Vogel nicht nur oft mit aͤhnlichen gruͤnlichen Voͤgeln, die man Laub voͤgelchen nennt, ſondern auch in der Beſchreibung mit der Rohrdroſſel und in der Le⸗ bensart mit dem Rohrſperling. Er iſt 5 Zoll lang, wovon der Schwanz 2 Zoll wegnimmt. Der Schnabel ift7 Linien lang, dem vorigen aͤhnlich, oben braun, unten fleiſchroth; der Augenſtern kaſtanienbraun; die Füße find bleifarben und die Beine 8 Linien hoch, die Hinterzehe und der Nagel ſehr ſtark. Der Oberleib iſt olivenbraun, die langgeſtreckte Stirn und der Oberkopf am dun⸗ kelſten, der Steiß am hellſten; über die Augen läuft eine gelblich⸗ weißliche Linie; die Wangen find olivenbraun; der Unterleib iſt ſchmutzigweiß; die Kniee find olivengrau; die Hörer Schwung: federn ſchwaͤrzlich, die hintern dunkelbraun, alle olivenbraun eins gefaßt; die Deckfedern ſind wie der Ruͤcken; die Schwanzfedern *) Sylvia arundinacea. Motacilla arundinacea. Gmelin = Syst. 1.2. p. 992. n. 167. Fauvette des roseaux. Buffon des Ois. 5. P. 142. The, Reed - Wreen. Latham Syn. II. 2. p. 615. n. 151. Naumann Vögel. I. S. 225. Taf. 46. Fig. 104. 366 Der Teichſaͤnger. wie die Schwungfedern, aber mit breiterer ollvenbrauner Einfaſſung; der Schwanz iſt ſehr abgerundet, faſt keilfoͤrmig. Das Weibchen iſt nicht merklich verſchieden. Der Kopf iſt hellbraun; eine weiße Linie geht uͤber die Mitte der Augen; der ganze Oberleib iſt roͤthlichgrau; die Kehle weiß; Bruſt und Bauch weißgrau, gelb uͤberlaufen; die Schwungfedern dunkelbrauner als die Schwanzfedern, mit olivengrauen Kanten. Aufenthalt. a. Im Freien. In ganz Europa findet man ihn in ſchilf— reichen Gegenden. Er zieht zu Anfang des September weg, und kommt Mitte April wieder. Er klettert beſtaͤndig an den Rohr⸗ halmen in die Hoͤhe. f b. In der Stube. Er iſt ſehr zaͤrtlich und muß daher in einem Nachtigallenkaͤfig gehalten werden. Nahrung. a. Im Freien. Er ſucht allerhand Waſſerinſekten zu ſei⸗ ner Nahrung auf, im Nothfall auch Beeren. b. In der Stube. Nachtigallenfutter verlangt er, und will noch obendrein, daß man ihm immer allerhand Inſekten fange und in den Kaͤfig werfe, z. B. Schnaken, Florſtiegen, Hafte u. ſ. w. Fortpflanzung. Das Neſt iſt lang, ſteht im Schilf oder Waffergebüfche, iſt kuͤnſtlich zwiſchen einige Stengel oder Zweige geflochten, aus⸗ wendig aus Grashalmen und inwendig aus eben denſelben, aber feinern, oder aus Haaren und Wolle gebaut. Die Eier, deren man 5 bis 6 antrifft, find grünlichweiß „ olivengruͤn gefleckt und geſprengt. Man muß die Jungen mit Ameiſeneiern aufziehen. Fang. Wenn man im Fruͤhjahr einen Platz von dem Raſen ent⸗ bloͤßt, Mehlwuͤrmer darauf legt, und Leimruthen darauf ſteckt, ſo faͤngt man ſie nicht ſelten. Empfehlende Eigenſchaften. Es iſt ein ſehr angenehmer Singvogel, der faſt wie die Baſtardnachtigall, obgleich nicht mit der vollen Stimme ſingt, und beſonders dadurch angenehm wird, daß er in der Abend— und Morgendaͤmmerung ſeine abwechſelnde Lieder anſtimmt. Der Fitis. 367 133. Der Fitis. (Gemeiner, oder gelber Fitis, großer Weidenzeiſig, Sauerkoͤnig, Laubvoͤgelchen, Weidenblatt, Schmittl, 1 Beſchreibung. Man darf dieſen Vogel nicht mit dem folgenden und der Baſtaͤrdnachtigall verwechſeln, denen er aͤhnlich ſieht. Er iſt 4 Zoll 2 Linien lang, wovon der Schnabel 5 Linien und der Schwanz faſt 2 Zoll wegnimmt. Der Schnabel iſt ſehr ſpitz, der Oberkiefer braun, der Unterkiefer und der Rachen gelb; die Fuͤße fleiſchfarben gelb; die Beine 8 Linien hoch. Der Oberleib iſt tief olivenfarbig; uͤber die Augen ein weißgelber Streifen; durch dieſelben ein undeutlicher dunkelbrauner; an den Ohren ein rothgrauer Fleck; die Wangen ſind gelblich; Kehle und Bruſt weißgelb mit hoͤhrem Gelb beſpritzt; die Deckfedern der Unterfluͤgel gelb, die Achſelfedern, Kinn und Augenlieder am ſchoͤnſten; Schwung⸗ und Schwanzfedern dunkelbraun. Merkwuͤrdig keiten. Man trifft dieß Voͤgelchen allenthalben, wo Laub- beſonders Buſchwaͤlder ſind, an. Am liebſten iſt es in Gaͤrten und Feld⸗ hoͤlzern. Es kommt als Zugvogel in der Mitte April an, und Anfangs October geht es wieder weg. Im Auguſt ſieht man es in Menge in den Weidenbaͤumen, und alsdann ſehen die Jun⸗ gen noch am ganzen Unterleibe blaß ſchwefelgelb, alſo ſchoͤner, als nach der Mauſer aus. Im Freien naͤhrt es ſich von kleinen Inſekten und von Inſekteneiern, und frißt auch rothe und ſchwarze Hollunderbeeren. Wenn es Fliegen giebt, ſo kann man es auch alt in der Stube gewoͤhnen. Man beſchneidet ihm dann die Fluͤgel nicht, und laͤßt es herum fliegen. Es frißt friſche und duͤrre Ameiſeneier und geht auch an das Univerſalfutter, auch an gequetſchten an Es ſcheint dauerhafter als die graue Grasmuͤcke zu ſein. waͤhlt ſich in der Stube gleich einen Standort, entweder eine Schrankecke, einen Käfig, oder am liebſten eine Schnur, an wel⸗ cher man Kaͤfige, die an Rollen in die Hoͤhe gezogen werden, befeſtigt. Von einer ſolchen Stelle fliegt es wenigſtens jede Mi⸗ 9 Sylvia Fitis, mihi. Motacilla ageroduls. er Fauna suecica. n. 137. The yellow e Latham Syn. II. 2. P. 412. n. 147. Friſch 5 m 24. F. 1 368 Der Weidenzeiſig. nute zweimal in der ganzen Weite des Zimmers herum und faͤngt Fliegen. Dieſe traͤgt es auf ſeinen Standort und verzehrt ſie. Es ſind muntere Voͤgelchen, die das Hausgeraͤthe ſehr wenig beſchmutzen, oft ihre abwaͤrts ſich ziehenden Toͤne: Didi, daͤhͤ, dahi, zia, zia! welche ihren artigen Geſang bilden, hoͤren laſſen, Hoid, hoid locken, und ſich am beſten dazu eignen, eine Stube bald von den Fliegen zu reinigen. Wenn die Flie⸗ gen anfangen zu mangeln, fo darf man nur einige in die Freß⸗ krippe werfen, und ſie werden ſich dann bald an das Stuben⸗ futter gewoͤhnen. Das Neſt ſteht unter einem Buſche, iſt back⸗ ofenfoͤrmig von Moos und Laub gebaut und mit Federn ausge⸗ legt. Es liegen 6 — 7 weiße, violetgeſprenkelte Eier in demſel⸗ ben. Die Jungen ſind ſehr munter. Man nimmt die gelbſten heraus und zieht ſie mit Ameiſeneiern und Semmeln und Milch auf. Im Herbſt faͤngt man dieſen Vogel in Sprenkeln, vor welchen Hollunderbeeren haͤngen. Im Fruͤhjahr kann man ſie in Hecken, aus welchen man Stoͤcke mit Leimruthen beſteckt und mit kleinen Mehlwuͤrmern bekoͤdert, fangen. Sie gehen auch den den ganzen Sommer uͤber haͤufig auf den Traͤnkherd, denn ſie baden ſich gern. 156. Der Weidenzeiſig. (Weidenſaͤnger, kleinſtes Laubvoͤgelchen, gruͤner Koͤnig, kleinſte Grasmuͤcke, Mitmaldlein “). Beſchreibung. Nächſt dem Goldhaͤhnchen iſt dieß der kleinſte europaͤiſche Vogel. Er iſt nur 4 Zoll lang, wovon der Schnabel 4 Linien und der Schwanz 1¾ Zoll wegnimmt. Die Füße find acht Li: nien hoch, und ſchwarzbraun; der Schnabel iſt ſehr ſpitz, ſchwarz⸗ braun, inwendig gelb; die Augen ſind dunkelbraun. Der Farbe nach koͤmmt er dem Fitis am naͤchſten. Der Oberleib iſt rothgrau, etwas ins Olivengruͤne ſchimmernd; uͤber die Augen laͤuft ein ſchmutzig ſtrohgelber Streifen; die Backen ſind braͤunlich; der Unterleib bis zur Bruſt iſt roͤthlichgrau, am ) Sylvia rufa. Motacilla rufa. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 955. n. 63. Fauvette rousse. Buffon des Ois. 5. 146. Roufous Warbler. Latham Syn. II. 2. p. 431. n. 22. Meine N. G. Deutſchlands III. t. 29. Der Baunlönig 369 Bauch ſchmutzig weiß, Überall mit kleinen roſtgelben Flecken, auch | | unter den Flügeln beſetzt; Schwung: und Schwanzfedern ſchwarz⸗ grau. : Das Weibchen iſt etwas kleiner, und weniger gelb am Unterleib beſpritzt. 5 Mer kkwuͤrdigkeiten. 1 1 Obgleich dieſer Vogel mehr Kaͤlte vertragen kann, als die an⸗ dern Grasmuͤckenarten, und man ihn daher ſchon im Maͤrz in den Hecken, Gaͤrten und auf den Weidenbaͤumen antrifft, ſo kann er doch blos jung aufgezogen in der Stube erhalten werden. Im April zieht er in die Laub- und Nadelwaͤlder, vorzuͤglich in die | Feldhoͤlzer, und man hört ihn dann oft fein Zip zap, zip zap! | fingen. Im October iſt er in Menge in den Gärten und Wei⸗ | denbaͤumen, und Anfangs November zieht er in wärmere Gegen: 1 | den. Er ift überall in Europa zu Haufe. Er naͤhrt ſich von kleinen Inſekten und Inſekteneiern, und im Herbſt von Hollun⸗ derbeeren. Wenn man einen alten Weidenzeiſig in die Stube thut, ſo lebt er ſo lange als es Fliegen giebt. Hoͤchſt ſelten laͤßt er ſich an das Nachtigallenfutter gewoͤhnen. a f ) Das Neſt ſteht auf der Erde und beſteht aus einem großen . runden Klumpen, Gras, Wolle und Federn. Es enthält 5 — 7 weiße, rothpunktirte Eier. Die Jungen zieht man mit Ameiſen⸗ | eiern auf. u © Die Alten kann man, wie den Fitis, fangen. TE In der Stube laͤßt man dieſe Vögel frei herum fliegen, oder | ſteckt fie in einen engen Käfig, der einige Springhoͤlzer hat. 157. Der Zaunkönig). F Schneekoͤnig, Zaunſchluͤpfer, Zaunſchliefer, Meiſen⸗ koͤnig, Nettelkoͤnning, Groht-Jochen). Beſchreibung. Dieß iſt nebſt dem getiegerten Bengaliften und Goldhaͤhnchen | der kleinſte Stubenvogel. Er ift 3 ¼ Zoll lang, wovon der 11 Schwanz 1¼ Zoll einnimmt. Der Schnabel iſt 5 Linien lang, u vorn etwas niedergebogen, oben ſchwarzbraun, unten gelblichweiß, „mee en ) Sylvia Troglodytes. Motacilla Troglodytes. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 993. n. 46. Roitelet. Buffon des Ois. V. p. 352. t. 2. Wren. La- if tham Syn. II. 2. p. 506. n. 143. Friſch Vögel. Taf. 24. Fig. 3. u Naturgeſch. d. Stubenvögel. i 24 Der Zaunkoͤnig. inwendig gelb; der Augenſtern nußbraun; die Fuͤße ſind graubraun und 7 Linien hoch. Der Oberleib iſt ſchmutzig roſtbraun, undeut⸗ lich dunkelbraun in die Quere geſtreift; uͤber die Augen laͤuft ein roͤthlichweißer Streifen; die dunkelbraunen Fluͤgel und der roſt— farbene Schwanz ſind ſchoͤn ſchwarz geſtreift; der Unterleib iſt roͤthlichgrau, am Bauche weiß, an den Seiten und am After roſtfarben uͤberlaufen, an Bauch, Seiten und After ſchwaͤrzlich in die Quere geſtreift. Das Weibchen iſt kleiner, rothbrauner, oben und unten mit undeutlichen Querſtreifen beſetzt und hat gelbliche Fuͤße. Aufenthalt. a. Im Freien. Er iſt in ganz Europa, vorzuͤglich in bergigen und waldigen Gegenden zu Hauſe. Im Winter, auch im Sommer, haͤlt er ſich um die Wohnungen auf. Er zieht nicht weg. a b. In der Stube. Man thut ihn in einen eng verbun⸗ denen hoͤlzernen oder draͤthernen großen Vogelbauer. Will man ihn frei herum laufen laſſen, ſo behaͤlt man ihn wegen ſeiner Kleinheit nicht lange, da er durch alle Ritzen durchlaͤuft und alſo leicht entkommt. Am beſten thut man, man laͤßt ihn herum fliegen. Nahrung. a. Im Freien. Sommer und Winter naͤhrt er ſich von kleinen Inſeken. Im Winter ſucht er fie in Scheuern, Staͤllen, Kellern, Mauerritzen, Holzſtoͤßen ic. auf. Im Herbſt frißt er auch rothe und ſchwarze Hollunderbeeren. b. In der Stube. Hier muß man ihm, ſobald er in die Stube kommt, Mehlwuͤrmer, Fliegen und Hollunderbeeren geben, und dieſe Dinge nach und nach unter das Nachtigallenfutter mi— ſchen, welches dann ſein gewoͤhnliches Futter wird. Ich kenne Liebhaber, die auf dieſe Art mehrere alte Voͤgel lange Zeit am Leben erhalten haben. | Fortpflanzung. | Jeder Schlupfwinkel iſt dieſem Vogel bequem genug, fein großes Neſt hinzubauen; daher findet man es in Erdkluͤften, Baum⸗ hoͤhlen, zwiſchen Baumwurzeln, unter Daͤchern, und an andern verborgenen Orten. Es iſt ein Oval, das auswendig aus Moos x Das Goldhaͤhnchen. 371 und inwendig aus Federn und Haaren beſteht. An der Seite oder oben iſt die kleine Oeffnung zum Aus⸗ und Einkriechen. Das Weibchen legt ſechs bis acht kleine, niedliche, weiße, einzeln roth⸗ punktirte Eier. Ich weiß Beiſpiele, daß ſie in der Stube in Rockaͤrmel ihr großes Neſt gebaut, und Eier gelegt haben. Die Jungen ſehen uͤberall roſtfarben, weiß und ſchwarz geſprengt aus, und man kann ſie mit Ameiſeneiern aufziehen, wo ſie ſich alsdann am laͤngſten halten, beſonders wenn man, ſobald ſie fluͤgge ſind, anfaͤngt, das gewoͤhnliche Stubenfutter darunter zu miſchen. Fang. Wenn man im Winter da, wo man ſie oft ſieht, einen Meiſenkaſten hinſtellt, um und in dieſen Mehlwürmer ſteckt, ſo kann man ſie leicht fangen. Sie gehen auch im Herbſt in die Sprenkel, vor welchen Hollunderbeeren haͤngen, zerſchlagen ſich aber mehrentheils die Fuͤße. a Empfehlende Eigenſchaften. Es iſt ein ausnehmend munteres Voͤgelchen, das beſtaͤndig allerhand artige Bewegungen und vorzüglich unaufhoͤrliche Buͤck⸗ linge macht. So klein es iſt, ſo ſtark ſingt es, und zwar das ganze Jahr hindurch. Sein Geſang iſt angenehm, abwechſelnd, und hat einige zackende Strophen von dem Canarienvogel, die um deſto ange⸗ nehmer klingen, weil ſie in einzelnen ſtark abgeſtoßenen, und herabfallenden Toͤnen beſtehen. Seine Lockſtimme iſt Zrr! Zezererr! — Laͤnger als ein Jahr habe ich es nicht erhalten koͤnnen, ob- gleich es viele zwei bis drei Jahre erhalten haben wollen. 158. Das Goldhähnchen )). (Sommerzaunkoͤnig, Haubenzaunkoͤnig, Ochſenaͤuglein, Goldäm⸗ merchen, Tannenmaͤuslein). Beſchreibung. Unter allen europaͤiſchen Voͤgeln iſt dieß der kleinſte. Seine Länge beträgt 3½ Zoll, wovon der Schwanz 1¼ Zoll wegnimmt. 0 Sylvia regulus. Motacilla regulus. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 995. n. 48. Roitelet, Souci ou Poul. Buffon des Ois. V. 363. t. I6. F. 2. Golden - crested 2 Latham Syn. II. 2. 5. 508. n. 144. Friſch Vö⸗ gel. Taf. 24. Fig. 4 24* Das Goldhaͤhnchen. Der Schnabel iſt 4 Linien lang, duͤnn, ſehr ſpitz, ſchwarz; die Naſenloͤcher find mit einer kammartig zerſchliſſenen Feder bedeckt; der Augenſtern iſt ſchwarzbraun; die Fuͤße ſind hellbraun; die Beine 8 Linien hoch. Die Stirn iſt braungelb; von den Schna— belecken bis zum Auge geht ein ſchwarzer Streifen; uͤber die Au⸗ gen ein weißer, und unter denſelben ſteht ein weißer Punkt; der Scheitel iſt ſafrangelb, an den Seiten goldgelb eingefaßt, und vorn und an den Seiten mit einem ſchwarzen Band umgeben; die Wangen ſind aſchgrau; die Seiten des Halſes gruͤngelbz der Ruͤcken, die Schultern und der Steiß zeiſiggruͤn; die Kehle gelb: lichweiß; der uͤbrige Unterleib ſchmutzigweiß; die Deckfedern der Fluͤgel ſchwarzgrau, mit gelblichen Kanten an der ſchmalen Fahne, die letztern mit kleinen weißlichen Spitzen, die der zweiten Ord— nung an der Wurzel weiß; der Schwanz ſchwarzgrau, gruͤnlich kantirt. Das Weibchen hat blos einen goldgelben Scheitel; auch ſind Stirn und Fluͤgel nur grau. Aufenthalt. a. Im Freien. Dieſe ſchoͤnen Voͤgelchen ſind in der ganzen alten Welt zu Haufe. Sie wohnen vorzuͤglich in Nadelwaldungen. Sie ſcheinen nur in den noͤrdlichen Gegenden Zugvoͤgel zu ſein, die im October weggehen und im März wieder ankommen; wenig⸗ ſtens merkt man alsdann in Deutſchland ihren Strich, und im Mai ſind oft alle Hecken voll. Die einheimiſchen ſind keine Zug⸗ ſondern Standvoͤgel, denn man ſieht ſie das ganze Jahr bei uns, und im Winter ſchlagen ſie ſich nur in kleine Geſellſchaften zus ſammen, und ziehen mit den Meiſen bald da bald dorthin, wo ſie Nahrung finden. b. In der Stube. Hier iſt der Glockenbauer der beſte Käfig. Mehrere ſteckt man in ein Gitter, worin aber ein Tan⸗ nen» oder Fichtenbaͤumchen ſtehen muß. Jung aufgezogen kann man ſie auch in der Stube frei auf ein Baͤumchen gewoͤhnen. Sie gehen nicht gern davon, und wenn man viele hat, ſo ſetzen ſie ſich alle der Reihe nach auf einen Zweig dicht neben einander und ſchlafen ſo. Nahrung. a. Im Freien. Dieſe beſteht aus allerhand Inſekten und Das Goldhaͤhnchen. 899 deren Eier. Da ſich ihr Maul weit oͤffnet, ſo koͤnnen ſie auch große Fliegen verſchlucken. b. In der Stube. Mit halblehendigen Fliegen laſſen ſie ſich leicht zu dem fuͤr die Nachtigall angegebenen Univerſalfutter gewoͤhnen, und freſſen in der Folge auch den zerquetſchten Hanf gern. Die Inſekten dürfen ihnen aber nicht fo plößlich entzogen werden, ſo wie ſie auch immer nach der Zeit einige Fliegen, zer⸗ hackte Mehlwuͤrmer, duͤrre oder friſche Ameiſeneier verlangen. Das Univerſalfutter darf weder zu klebrig noch zu feucht ſein, wenn ſie nicht kraͤnkeln, ſondern mehrere Jahre aushalten ſollen. Auch duͤrfen ſie keinen Ruͤbſamen und Leindotter bekommen, weil ſie Beides nicht vertragen koͤnnen und gleich davon ſterben. Fortpflanzung. Ihr rundes, ballfoͤrmiges Neſt iſt an die aͤußerſten Enden der Zweige eines Schwarzholzbaums verwebt, und wegen des zerbiſſe— nen Mooſes, der Puppenhuͤlſen und Diſtelſamenkroͤnchen, woraus es beſteht, ſehr weich anzufuͤhlen. Es liegen 9 und mehrere erb- ſengroße, blaß fleiſchfarbene Eier in demſelben. Man findet es gewoͤhnlich an Schlaͤgen und Wieſen gleich auf den erſten Fichten nach der Morgenſeite zu. Die Jungen laſſen ſich mit zerhackten Mehlwuͤrmern, Fliegen, Ameiſeneiern und etwas Semmel, in Milch geweicht, leicht aufziehen; ſie muͤſſen aber ſehr fluͤgge ſein, ehe man ſie aus dem Neſte nimmt. Am beſten bringt man die⸗ jenigen auf, die man fängt, wenn ſie eben aus dem Neſte ge⸗ flogen ſind. Fang. Wenn man ſie fangen will, ſo braucht man nur einen Stock zu nehmen, eine Leimruthe daran zu binden, und das Voͤgel— chen, wenn es ſich auf einzeln ſtehenden Baͤumen aufhaͤlt, damit anzuſtoßen; denn ſie ſind gar nicht ſcheu. Man kann ſie auch mit Waſſer ſchießen, obgleich dieß ein gefaͤhrliches Unternehmen iſt und viel Behutſamkeit verlangt. Man ladet naͤmlich eine Vogelflinte mit Pulver und ſetzt einen Pfropf von Unſchlitt darauf. Das Waſſer trägt man in einem Flaͤſchchen bei ſich, bis man den Vogel ſieht. Alsdann gießt man ohngefaͤhr 2 Eßloͤffel voll Waſſer in die Flinte und ſetzt oben da⸗ rauf wieder einen Pfropf von Unſchlitt, aber ſehr behutſam, daß das Waſſer nicht uͤberlaͤuft. Auf zwanzig Schritt wird der c z a — — 374 Der weißſchwaͤnzige Steinſchmaͤtzer oder der Weißſchwanz. Vogel von einem ſolchen Schuß ganz naß, und man kann ihn mit den Haͤnden nehmen; ſind aber Hecken in der Naͤhe, und man ſchießt einen etwas ſtarken Vogel z. B. einen Fink, ſo ent⸗ koͤmmt dieſer oft. Man faͤngt ſie auch auf Meiſenhuͤtten haͤufig, wenn man ihnen nur gut nachzulocken weiß. Sie kommen ſehr haͤufig auf den Traͤnkherd und zeigen dann durch das oͤftere Locken Zitt zitt! daß die Sonne ſo eben untergegangen iſt, und die groͤßeren Voͤgel nun zu erwarten ſind. Sie werden gewoͤhnlich in etlichen Tagen ſo ſehr zahm, daß ſie aus der Hand freſſen. Es haͤlt jedoch ſehr ſchwer, dieſe zaͤrt⸗ lichen Voͤgelchen aufzubringen; ſind ſie aber einmal gewoͤhnt, ſo ſind ſie auch dauerhaft, wenn ſie nur nicht von andern Voͤgeln ge⸗ biſſen werden, ſich ſtoßen, oder an unverdauliches Futter gerathen, Empfehlende Eigenſchaften. Es ſind wegen ihrer Kleinheit und Schoͤnheit ſehr ange⸗ nehme Stubenvoͤgel. Ihr Geſang iſt freilich ſehr fein, doch aber melodieenreich. Er gleicht dem Canarienvogelſchlag. Die Land: leute thun ſie oft in die Stube, um ſich die laͤſtigen Fliegen weg⸗ fangen zu laſſen und geben ihnen dann wieder die Freiheit. 159. Der weißſchwänzige Steinſchmätzer oder der Weißſchwanz “). (Weißkehlchen, Steinſchmatzer, Steinbeißer, großer Steinſchmaͤtzer, oder Steinpicker, Steinklitſche, Steinklatſche.) Beſchreibung. Ein in Deutſchland, ſo wie in ganz Europa und dem noͤrdlichen Aſien bekannter Vogel. Er hat das Anſehen und die Groͤße der weißen Bachſtelze, hat aber einen kuͤrzern Schwanz, und eine breitere Bruſt. Seine Laͤnge betraͤgt 5 ½ Zoll, wovon der Schwanz I Zoll 10 Linien wegnimmt. Der ſchwarze Schnabel iſt 7 Linien lang; der Augenſtern ſchwarz, ſo wie es die Fuͤße ſind; letztere 1 Zoll hoch. Die Stirn iſt weiß, und dieſe Farbe zieht ſich in einem weißen Streifen tiber jedes Auge; von den Nafenlöchern ) Sylvia Oenanthe. Motacilla Oenanthe. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 966. n. 15. Cul- blanc. Buffon des Ois. V. 237. White - tail. Latham Syn. II. 2. p. 465. n. 75. Naumanns Vögel. I. Taf. 48. Fig. 111. Männ⸗ 5 er Fig. 112. junges Männchen. Friſch Vögel. Taf. 27. Fig. 1. a. Weib: en. Der weißſchwaͤnzige Steinſchmaͤtzer oder der Weißſchwanz. 375 laͤuft durch die Augen ein ſchwarzer Streifen, der zu ſchwarzen Wangen wird; der ganze Oberleib mit den Schulterfedern iſt hell- aſchgrau, mit einem unmerklich roͤthlichen Anſtrich gewaͤſſert; um die untere Schnabelwurzel herum ſind die Federn roͤthlichweiß; Kehle, Gurgel und Oberbruſt find hellroſtfarben (oder lohfarben); der übrige Unterleib weiß, an den Seiten und am After roſtgelb anges flogen; die Fluͤgel ſind ſchwarz, die großen Deckfedern und hintern Schwungfedern mit roͤthlichen Spitzen; der Schwanz weiß; die Spitze ſchwarz, die der beiden mittlern faſt bis zur Mitte ſchwarz. Das Weibchen iſt auf dem Rüden rothgrau und am Un: terleibe dunkler als das Maͤnnchen; auch ſind die kleinern Deckfe⸗ dern der Fluͤgel roͤthlich kantirt, und die weiße Schwanzfarbe iſt roͤthlichweiß. Die Jungen ſehen vor dem erſten Mauſern oben braun und roſtfarben gefleckt und unten rothgelb und ſchwarz punktirt aus, und nach dem erſten Mauſern behalten Männchen und Weib: chen ein ganzes Jahr hindurch die roͤthlichgraue Ruͤckenfarbe des alten Weibchens. ; Aufenthalt. a. Im Freien. Man trifft ihn allenthalben in gebirgigen, ſteinigen Gegenden an. Auf ſeinen Wanderungen ſitzt er im Felde auf einzelnen Stoͤcken, Graͤnzſteinen und andern erhabenen Orten. Selten ſieht man ihn auf Buͤſchen oder Baͤumen. Er zieht in der erſten Haͤlfte des September weg, und kommt in der erſten Haͤlfte oder Mitte April, wenn die Nachtfroͤſte nachlaſſen, wieder. b. In der Stube muß man ihn in einen Nachtigallen⸗ kaͤfig oder in ein Gitter ſtecken. Man kann ihn zwar auch frei herum laufen laſſen, allein nicht eher, als bis man ihn in jenen Behaͤltniſſen gewoͤhnt hat; denn wenn er Anfangs nicht recht gut gepflegt wird, fo ſtirbt er gewöhnlich. Ueberhaupt gelingt es ſel⸗ ten, ihn zu zaͤhmen. Nahrung. a. Im Freien. Dieſe beſteht in allerhand Arten von kleinen Kaͤfern und Fliegen, welche er laufend wegfaͤngt. b. In der Stube muß man ihn gleich eine Menge Amei⸗ ſeneier und Mehlwuͤrmer vorwerfen, damit er vollauf zu freſſen hat, ſonſt ſtirbt er gewoͤhnlich, und, was das wunderbarſte iſt, — ri Br EEE en zZ 376 Der braunkehlige Steinſchmaͤtzer oder das Kohlvoͤgelchen. auch wenn er nichts vom Stubenfutter gefreſſen hat, an dem Durchfall. In der Folge giebt man ihm Nachtigallenfutter, und auch zuweilen Semmeln in Milch geweicht. Auf dieſe Art laͤßt er ſich zwei Jahre erhalten. i Fortpflanzung. Sein Neſt, das aus Grashalmen und Vogelfedern zuſam⸗ mengeflochten iſt, ſteht gewoͤhnlich in den Ritzen der Steinbruͤche, ſonſt auch in Uferlöchern, Steinhaufen, Maulwurfsloͤchern u. dergl. Das Weibchen legt 5 bis 6 gruͤnlichweiße Eier. Man nimmt die Jungen, wenn ſie bald fluͤgge ſind, aus, und füttert fie mit Ameiſeneiern und Semmeln, in Milch geweicht, auf. Fang. Man ſteckt Stoͤcke in der Gegend, wo ſie ſich aufhalten, in die Erde, und belegt ſie, ſo wie alle Steine und Anhoͤhen, mit Leimruthen. Man kann ſie alsdann hintreiben. Empfehlende Eigenſchaften. Nur große Vogelliebhaber geben ſich die Muͤhe, dieſen Vogel alt zu zaͤhmen. Ich habe auch einen in der Stube herum lau— fen, der ſich gewoͤhnen ließ, da ich eben friſche Ameiſeneier hatte. Er hat ein ſchoͤnes Anſehen, laͤuft hurtig, buͤckt ſich immer und breitet den ſchoͤnen Schwanz aus. Sein Geſang iſt auch nicht unangenehm, hat aber eine kraͤchzende Strophe in der Mitte. 160. Der braunkehlige Steinſchmätzer oder das g Kohlvögelchen“). N (Taf. V. Fig. 3). (Braunkehlchen, Todtenvogel, Pfaͤffchen, Roͤthling, Fliegenſtecher, Krautlerche, kleiner Steinſchmaͤtzer, Wieſenvogel, Neſſelfink, Krautvoͤgelchen). Beſchreibung. Ein zaͤrtlicher Stubenvogel, den man uͤberall, wo einzelne Büfche find, im Felde, beſonders an ſteilen Anhöhen antrifft. Er ) Sylvia Rubetra. Motacilla Rubetra. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 967. n. 16. Grand Traquet ou Tarier. Buffon des Ois. V. p. 224. Whin-Chat. Latham Syn. II. 2. p. 454. n. 54. Friſch Vögel. Taf. 22. F. 1. b. Der braunfehlige Steinſchmaͤtzer oder das Kohlvoͤgelchen. 377 iſt 4 Zoll 10 Linien lang, der Schwanz 1½ Zoll; Schnabel und Fuͤße find ſchwarz; die letztern 9 Linien hoch. Der ganze Ober⸗ leib iſt ſchwarzbraun (bei ſehr alten ſchwarz), alle Federn ſtark hellroſtfarben eingefaßt, wodurch er ein ſchwaͤrzlich und roſtfarben geſtricheltes Anſehen erhaͤlt; im Fruͤhjahr laͤuft von den Naſen⸗ loͤchern an bis hinter die Ohren ein weißer Streifen uͤber den Augen hin; die Wangen und Schlaͤfe ſind ſchwarz; Kehle und Bruſt ſind gelbroth oder carmelet, erſtere am Kinn und an den Seiten weiß eingefaßt, oder vielmehr es zieht ſich um den Unter⸗ ſchnabel und unten um die Schläfe und Wangen ein weißer Strei⸗ fen; Bauch, Seiten und After ſind roͤthlichweiß; die kleinern und vordern großen Deckfedern der Fluͤgel ſind ſchwarzbraun, roͤthlich kantirt; die hintern ſind halb oder ganz weiß, und machen auf den Flügeln einen weißen Fleck; die Schwungfedern ſchwarz und roͤthlich kantirt, die hintern mit weißer Wurzel; der Schwanz an der Wurzelhaͤlfte weiß, an der Spitzenhaͤlfte dunkelbraun, die zwei mittlern nur ein klein wenig an der Wurzel weiß. Das Weibchen iſt im Ganzen heller; der Augenſtreifen gelblichweiß; der Oberleib dunkelbraun und roſtfarben gefleckt; die Wangen dunkelbraun; die Kehle roͤthlichweiß; die Bruſt ſchmutzig roͤthlichgelb, meiſt ohne kleine runde, ſchwarze und braune Flecken, die gewoͤhnlich allen im Fruͤhjahr fehlen; der weiße Fleck auf den Fluͤgeln iſt klein. Dieſer Vogel variirt bis ins dritte Jahr. Die Jungen, die man im Sommer in Menge auf den Kohl- und Krautſtau⸗ den und auf allen harten Stengeln im Getreide ſitzen ſieht, ſehen bis zum erſten Mauſern am Oberleibe roſtfarben und ſchwaͤrzlich gefleckt aus, und alle Federn haben eine weiße Einfaſſung; am Unterleibe ſehen ſie der Mutter aͤhnlich. Die dunkle Ruͤcken- und Backenfarbe unterſcheidet die beiden Geſchlechter. Erſt im dritten Jahre wird die Farbe des Kopfs und der Backen ſchwarz, und bes ſonders der weiße Streifen unten um die Backen herum breit. Aufenthalt. a. Im Freien. An den Graͤnzen der Waldungen trifft man dieſen Vogel am öfterſten an. Er kommt Anfangs Mai zu uns, und verlaͤßt uns in der letzten Haͤlfte des September wie⸗ der. Im N ſieht man ihn allenthalben in den Kohlfeldern n — ———— —⁊ a 378 Der braunkehlige Steinſchmaͤtzer oder das Kohlvoͤgelchen. auf den Kohlſtauden und im Sommerfeld auf den hervorſtehen⸗ den Kraͤuterſtengeln und einzelnen Buͤſchen ſitzen. b. In der Stube ſteckt man ihn einen Nachtigallenkaͤfig. Nahrung. a. Im Freien. Sie beſteht hier in kleinen Erd- und Aaskaͤfern und andern fliegenden Inſekten. b. In der Stube. Unter zwoͤlf Voͤgeln, die man von dieſer Art in die Stube bringt, kann man kaum einen ans Freſſen gewoͤhnen, und man muß ihm doch Anfangs lauter kleine Kaͤfer und Fliegen bringen. Wenn er erſt an die Mehlwuͤrmer geht, ſo lernt er auch bald Ameiſeneier und gewöhnliches Nachtigallen⸗ futter freſſen. Fortpflanzung. Gewoͤhnlich ſteht das Neſt in Wieſen und Gaͤrten im Gras. Es iſt aus duͤrrem Gras und Moss verfertigt, und mit Federn und Haaren ausgefuͤttert. Man findet fünf bis ſieben ſchoͤn hell: gruͤne Eier darin. Junge, mit Ameiſeneier aufgezogene, Voͤgel halten ſich beſſer als alte, und auf dieſe Art kann man dieſen Vogel am leichteſten zum Stuben vogel machen. Fang. Wenn man im Frühjahr einige dieſer Vögel auf einem Acker oder einer Wieſe bemerkt, fo nimmt man einige Stöde, ſtellt fie dahin, beſteckt ſie mit Leimruthen, und jagt dann die Voͤgel ganz leiſe nach dem Orte zu; da ſie ſich auf Alles ſetzen, was hervorragt, ſo wird man ſie leicht fangen. Im Sommer ge⸗ ſchieht ihr Fang folgendergeſtalt in den Kohlfeldern mit Spren⸗ keln, Leimruthen und Schlingen. Wenn man ſie mit Schlingen fangen will, nimmt man einen Stock, etwa drei Fuß lang, ſchneidet ihn oben ſpitz, und ſpaltet ihn vier Zoll weit; in dieſe Spalte ſteckt man ein Querholz von der Laͤnge eines Fingers, daß es die Geſtalt eines Kreuzes giebt. Anderthalb Zoll hoch uͤber dem Kreuze muͤſſen die Schlingen ſtehen, ſo daß ſie dem Vogel, wenn er ſich auf das Querhoͤlzchen ſetzt, bis zur Bruſt reichen. Zu den Leimruthen nimmt man eine drei Fuß lange Ruthe, die oben eine Gabel hat. Dieſe Gabel kann ohn— gefahr vier Zoll lang fein, und wird mit Leim beſtrichen. Die Sprenkel werden auf Stoͤcke oder Kohlſtauden gehaͤngt. Wenn Der ſchwarzkehlige Steinſchmaͤtzer. 379 man nun eine ziemliche Anzahl ſolcher Sprenkel, Leimruthen und Schlingen hat, ſo geht man damit auf die Krautfelder, wo man weiß, daß ſich viele Kohlvoͤgelchen aufhalten. Daſelbſt ſtellt man die Stoͤcke quer in die Mitte durch in einer Linie auf, etwa zwei bis drei Schritte aus einander; hernach geht man an das Ende des Feldes, treibt die Voͤgel langſam vor ſich her, die immer von einer Kohlſtaude zur andern fliegen werden, bis an ſie den Fang kommen. Man bleibt alsdann ein wenig ſtehen, worauf nach und nach einer um den andern in die Falle gehen und ſich fan⸗ gen wird. Wenn man die gefangenen heraus genommen hat, ſtellt man die Sprenkel und Schlingen wieder auf, und treibt alsdann von dem entgegengeſetzten Ende des Feldes wieder herz auf, bis man ſeinen Zweck erreicht hat. Empfehlende Eigenſchaften. Es iſt ein ſchoͤnes Voͤgelchen, das aber, ſo munter und luſtig es auf dem Felde ſich bezeigt, ſo ſtill und verdroſſen in der Stube iſt. Wenn man es im Freien herum laufen laͤßt, ſo laͤuft es blos nach ſeinem Futter, ſetzt ſich alsdann wieder auf ſeinen Platz und zieht den Kopf in die Bruſt. Sein Geſang iſt angenehm, und hat vieles mit dem Stieglitzgeſange gemein. Es wird um ſomehr geſchaͤtzt, als es nicht blos am Tage, ſondern in der Abenddaͤmmerung bis ſpaͤt in die Nacht hinein ſingt. Seine Lockſtimme iſt Guͤ und Tſa. 161. Der ſchwarzkehlige Steinſchmätzer. Schwarzkehlchen, Weißkehlchen, ſchwarz und weißer Fliegenfaͤn— ger, kleine Steinklatſche, Chriſtoͤffl“). Beſchreibung. Er iſt etwas ſeltener als der vorhergehende Vogel; doch fin- det man ihn uͤberall in Deutſchland, wo bergige Gegenden und Wieſengruͤnde ſind. Er iſt 4½ Zoll lang, wovon der Schwanz 1½ Zoll wegnimmt. Der Schnabel iſt 4 Linien lang und nebſt den Fuͤßen ſchwarz; letztere ſind 9 Linien hoch; der Augenſtern iſt nußbraun; der Oberleib braunſchwarz, roͤthlichweiß eingefaßt; *) Sylvia Rubicola. Motacilla Rubicola. Gm elin Lin. Syst. I. 2. p. 969. n. 17. Le Traquet. Buffon des Ois. V. p. 215. f. 13. Latham Syn. II. 2. p. 448. n. 46. Meine N. G. Deutſchlands. III. Taf. 23. — VENEN 380 Der Alpenſaͤnger oder die Fluͤelerche. der Steiß weiß; Wangen und Kehle ſind ſchwarz, letztere an den Seiten weiß eingefaßt; die Bruſt roſtroth, nach dem Bauche zu weiß auslaufend; die Fluͤgel dunkelbraun, alle Federn roſtroth eingefaßt, und die hintern weißen Deck- und Schwungfedern bil, den weiße Flecken; der Schwanz ſchwaͤrzlich, alle Federn blaßroſt⸗ gelb geraͤndert. Das Weibchen iſt heller; der Steiß braͤunlich; die Kehle weiß, ſchwarz gefleckt; Bruſt und Bauch bläffer. Merkwuͤrdigkeiten. Dieſer Vogel verlaͤßt uns im September, iſt aber ſchon zu Ende des Mai wieder in ſeiner Heimath. Er gleicht in ſeiner Lebensart dem vorhergehenden, lebt von Kaͤfern und Fliegen, und will in der Stube, als ein ſehr zaͤrtlicher Vogel, mit dem Nach⸗ tigallfutter unterhalten ſein. Sein Neſt ſteht unter einem Buſch oder in Steinritzen, und enthaͤlt 5 gruͤnlichweiße Eier. i Die Jungen werden mit Ameiſeneiern aufgezogen. In der Stube ſteckt man dieſe Voͤgel in einen Kaͤfig. Sie ſitzen ſehr ſtill, haben den Kopf tief eingezogen, fingen wie die fahlen Gras: muͤcken, und locken Fied und Zerk. Alt laſſen ſie ſich ſchwer gewoͤhnen. a. Altzaͤhmbare. 162. Der Alpenſänger oder die Flüelerche ). (Alpengrasmuͤcke, Bergſtaar). (Taf. V. Fig. J). Beſchreibung. Ein Vogel, der wegen ſeiner zweideutigen Geſtalt bald zu den Lerchen, bald zu den Staaren, bald zu den Motacillen iſt gerechnet worden. Er hat die Groͤße einer Feldlerche. Die Laͤnge beträgt 6 ½ Zoll, und der Schwanz mißt faſt 3 Zoll. Der Schna⸗ bel iſt 6 Linien lang, oben dunkelbraun, unten orangengelb, und hat an den Seiten eingedruͤckte Kinnladen; der Augenſtern iſt gelb; die Fuͤße ſind hellbraun und 1 Zoll hoch. Kopf, Ober⸗ und ) Accentor alpinus, mihi. Motacilla alpina. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 957. n. 95. Fauvette des Alpes. Buffon des Ois. V. p. 156. t. 19. Alpine Warbler. Latham Syn. II. 2. p. 434. n. 25. Meine N. G. Deutſchlands. III. S. 700. Taf. 31. i Der Alpenſaͤnger oder die Fluͤelerche. 381 Unterhals, auch der Ruͤcken find hellaſchgrau oder vielmehr weiß: grau, erſterer blaßbraun, und letzterer dunkelbraun gefleckt und die Seiten des Ruͤckens noch uͤberdieß mit roſtfarbenen Flecken, der Steiß roͤthlichgrau; die Kehle weiß, mit dunkelbraunen Muſchel⸗ flecken und nach der Bruſt zu mit einer dunkelbraunen Linie ein⸗ gefaßt; die Gurgel und die Bruſt weißgrau; die Seiten der Bruſt und des Bauchs und unter den Fluͤgeln ſchoͤn braunroth; der Bauch gruͤnlichweiß mit verloſchenen dunkelgrauen Wellenlinien; der After dunkelbraun; die kleinen Deckfedern der Fluͤgel grau, ins Gruͤnliche ſchimmernd, die zwei großen Reihen und der Af— terfluͤgel braunſchwarz mit weißen Spitzen, daher auf den Fluͤgeln zwei parallele Reihen weißer Flecken ſtehen; die Schwungfedern braungrau, hell geſaͤumt; die Schwanzfedern dunkelbraun, auf der innern Fahne mit einem roſtgelben Fleck verſehen. Das Weibchen und die Jungen ſind am Bauch und an der Bruſt dunkelbraun bunt; auch auf dem Ruͤcken dunkler, und die ſchoͤne Kehle iſt wie vekloöſchen. Merkwürdigkeiten. Dieſer Vogel halt ſich auf den, an die Alpen gränzenden, Mittelgebirgen der ſchweizeriſchen und ſuͤdlich deutſchen Gebirge auf. Auf dieſen weidenreichen Viehbergen iſt er im Sommer ſo zahlreich, wie bei uns die Feldlerche. Im Winter geht er herab in die Thaͤler, in die Doͤrfer vor die Scheuern, wo er alsdann in Menge, wie bei uns die Goldammern, gefangen wird. Sie hal⸗ ten ſich gewoͤhnlich auf der Erde auf, wo ſie ſo geſchwind, wie die Bachſtelzen, laufen, ſetzen ſich auf die Steine, ſeltner auf die Baͤume. £ Sie naͤhren ſich von allerhand Saͤmereien und Inſekten. In der Stube giebt man ihnen zerquetſchten Hanf, Mohn, Brod, Semmeln und Ameiſeneier. Sie leben etliche Jahre, und in der Schweiz werden fie von Voͤgelliebhabern häufig im Käfig gehal⸗ ten. Ihr Geſang iſt angenehm, aber aͤngſtlich und melancholiſch. Sie tragen den Leib ſchoͤn, und bewegen im Huͤpfen öfters Schwanz und Fluͤgel. Ihr Neſt trifft man auf der Erde, auch in Ritzen und Loͤ⸗ chern der Felſen an, daher der Name Sluüelerche. Die weiße Bachſtelze. 163. Die weiße Bachſtelze “). (Bachſtelze, gemeine, graue, blaue, ſchwarzkehlige Bachſtelze, Waſſerſterz, Waſſerſtelze, Stiftsfraͤulein, Wegeſtern, Queckſtern, Wackelſterz, Wippſtaͤrt, Haus- und Steinbachſtelze, Ackermaͤnnchen). Beſchreibung. Ein in der ganzen alten Welt bekannter Vogel, der ſieben Zoll lang iſt, aber einen Schwanz von 3½ Zoll Länge hat. Der Schnabel iſt 5 Linien lang, ſcharf zugeſpitzt, und ſchwarz; der Augenſtern dunkelbraun; die duͤnnen Füße find ſchwarz und 1 Zoll hoch. Der Oberkopf iſt bis zum Nacken ſchwarz; der uͤbrige Oberleib mit den Seiten der Bruſt und den kleinen Deckfe⸗ dern der Flügel blaͤulich aſchgrauz die Stirn, die Backen und Seiten des Halſes ſchneeweiß; die Kehle, Gurgel bis zur Haͤlfte der Bruſt ſchwarz; der uͤbrige Unterleib weiß, die Fluͤgel dunkel⸗ braun; die Deckfedern und hintern Schwungfedern ſtark weiß ge⸗ ſaͤumt, daher auf den Fluͤgeln einige weiße ſchiefe Linien ſtehen; die Schwanzfedern ſchwarz, die aͤußerſte faſt ganz weiß, und die zweite uͤber die Haͤlfte mit einem keilfoͤrmigen weißen Fleck ge⸗ zeichnet. Dem Weibchen fehlen die reine weiße Stirn- und Backen⸗ farbe des Maͤnnchens, die große ſchwarze Kopfplatte und die brei⸗ ten weißen Fluͤgelſaͤume, welche letztere auch ohnehin mehr weiß: grau als weiß ſind; ja man findet auch Weibchen, welche nur eine halbe ſchwarze Kopfplatte oder gar keine haben, und wo die Farbe des Kopfes dem Ruͤcken gleich iſt. Die Jungen ſehen bis zur erſten Mauſer ganz anders aus, und daher hat man von ihnen und den Jungen der gelben Bach— ſtelze, welche beide ſich in großen Herden bei dem Vieh aufhal— ten, eine beſondere Art gemacht, die man die graue Bach⸗ ſtelze “) nennt. Der ganze Oberleib iſt grau oder aſchgrau; die Kehle und der Bauch ſchmutzig weiß; uͤber die Bruſt geht ) Motacilla alba. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 960. n. II. Lavandier. Buffon des Ois. V. 251. t. 14. F. 1. White, Wagteil. Latham Syn. II. 2. p. 395. n. 1. Friſch Vögel. Taf. 23. F. 2. b. Deutſche Ornithol. IV. Taf. 6. Männchen und Weibchen. 0 Motacilla cinerea. Die weiße Bachſtelze. 383 gewoͤhnlich eine halbmondfoͤrmige, bald ganze, bald abgebrochene, graue oder graubraune Pinhe, und die Flügel ſind weißlich kan⸗ tirt. Außerdem giebt es unter dieſen Voͤgeln, da fie fo häufig | ſind, mancherlei Spielarten, denn man findet ganz weiße, und wieder andere, die auf ee Art bunt oder weiß gefleckt! ſind. Aufenthalt. a. Im Freien. Man trifft ſie nicht nur in der Naͤhe der Haͤuſer an, ſondern auch auf dem Felde, wo Loͤcher, und in Wald: ungen und Gebirgen, wo Steinhaufen und Wieſen ſind. Es ſind Zugvoͤgel, die ſich im Herbſt, wie die Schwalben, auf den Daͤchern verſammeln, ehe ſie abreiſen. In der erſten Haͤlfte des October verlaſſen ſie uns. Sobald in den letzten Tagen des Fe— bruar, oder in den erſten des Maͤrz einige warme Fruͤhlingstage kommen, ſind ſie wieder da; dieß koͤnnen ſie auch um ſo eher, da ſie alsdann in der Naͤhe der Haͤuſer immer Fliegen antreffen, die die Sonne aus ihrem Winteraufenthalte lockt, und auch die Baͤche ihnen Waſſerinſekten in Menge liefern. b. In der Stube kann man ſie im Kaͤfig halten, oder frei herum laufen laſſen; man muß aber in der Stube, wo ſie ſind, Sand ſtreuen, denn fie find ſehr unflaͤtig, und beſchmutzen die Stube ſonſt mit ihren weichen Excrementen gar ſehr. Nahrung. a. Im Freien. Dieſe beſteht aus Muͤcken, Schnaken, Haften, und aus andern Waſſerinſekten nebſt ihren Larven, Flie⸗ gen und denjenigen Inſekten, die ſich von den Saͤften des Viehes naͤhren, daher ſie auch immer um daſſelbe herumfliegen. Sie gehen auch dem Ackermanne hinter dem Pfluge nach, die ausge⸗ pfluͤgten Inſekten aufzuleſen. b. In der Stube. Wenn man ſie zaͤhmen will, ſo ver⸗ langen ſie anfangs Ameiſeneier, Mehlwuͤrmer und allerlei Inſekten, gewoͤhnen ſich aber bald an die gewoͤhnliche Stubenkoſt, und freſſen auch Brod, Fleiſch und Semmelkrumen. Wer ſie in den Kaͤfig ſteckt, giebt ihnen Nachtigallenfutter. Fortpflanzung. Sie niſten des Jahres zwei- bis dreimal in allerhand Hoͤhlen n ——— 384 Die weiße Bachſtelze. und Ritzen, zwiſchen Steine, in hohle Bäume, unter Dächer u. ſ. w. Ihr Neſt iſt ſchlecht aus Graswurzeln, Moos, Heu und dergl. gebaut, und inwendig mit Haaren, Wolle und Schweinsborſten ausgefuͤttert. Gewoͤhnlich findet mau fuͤnf bis ſechs blaͤulichweiße, ſchwarzgeſprenkelte Eier in demſelben. Wenn man die Jungen herausnimmt und aufzieht, ſo werden ſie außerordentlich zahm, ſo zahm, daß ſie aus- und einfliegen, ja ſogar in den Kammern niſten, wo ſie wohnen, und das Futter im Freien holen. Krankheiten. Dem Durchfall und der Duͤrrſucht ſind ſie, ſo wie die beiden folgenden Arten, unterworfen, werden aber doch vier Jahre und druͤber in der Stube alt. | Fang. Wenn im Maͤrz noch Schnee faͤllt, ſo kann man ſie vor den Fenſtern auf einem entbloͤßten Platze, auf welchen man Mehl⸗ wuͤrmer legt, mit Leimruthen fangen. Eben dieſe legt man auf Steinhaufen, Holzſtoͤße u. ſ. w. wo man ſie haͤufig ſitzen ſieht. Wenn man einen Mehlwurm an eine Leimruthe bindet, und dieſe locker dahin ſteckt, wo ſie ſitzen, ſo kann man ſie auch, wie die Wiedehoͤpfe fangen. Empfehlende Eigenſchaften. Schon ſeine Farbe empfiehlt ihn, eben ſo ſeine Lebhaftigkeit denn er laͤuft ſehr ſchnell, und bewegt den langen Schwanz un⸗ aufhoͤrlich, beſonders aber empfiehlt ihn ſein Geſang, der zwar nicht laut iſt, aber vortreffliche Abwechſelungen hat, und, was ein großer Vorzug iſt, das ganze Jahr hindurch, die kurze Mau⸗ ſerzeit ausgenommen, hoͤrbar iſt. Ich habe beſtaͤndig eine Bach⸗ ſtelze unter meinen Stubenvoͤgeln. Wenn Moͤnch, Blaukehlchen, Lerche und Haͤnfling pfeifen, ſo iſt es, als wenn ſie die Alt⸗ ſtimme dazu ſaͤnge. Sie werden noch dadurch in der Stube nuͤtzlich, daß ſie alle Fliegen, die ſich auf den Boden ſetzen, weg⸗ fangen. Dazu dient ihnen ihr ſchneller Lauf. Es entkoͤmmt ih⸗ nen keine; ſie ſchnappen ſie noch in der Luft weg. Die graue Bahfiell. 383 164. Die graue Bachſtelze ). | (Gelbe Bachſtelze, gelbbruͤſtige Bachſtelze, gelber Sticherling, Irlie, gelbes Ackermaͤnnchen, gelbe Bachſtelze mit ſchwarzer i Kehle.) a: Beſchreibung. Dieſe ſchoͤne Bachſtelze iſt ſo groß als die vorhergehende, 7 Zoll lang, wovon aber der Schwanz faſt vier Zoll einnimmt. Der Schnabel iſt ſchwarz; der Augenſtern braun; die Fuͤße ſind dunkelfleiſchfarben und 9 Linien hoch. Sie iſt am ganzen Ober: leibe mit den kleinen Fluͤgeldeckfedern dunkelaſchgrau, blos am Kopfe etwas olivengruͤn uͤberlaufen, und der Steiß ſchoͤn grüns gelb; uͤber die Augen laͤuft ein weißer Streifen; vom untern Schnabelende nach dem Hals herab ein anderer, und vom obern bis zum Auge ein ſchwarzer; Kehle und Gurgel find ſchwarz; Bruſt und uͤbriger Unterleib außerordentlich ſchoͤn hochgelb. Die Flügel find ſchwarz; die großen Deckfedern weiß, und die uͤbri⸗ gen aſchgrau kantirt; eben ſo haben die hinterſten Schwungfedern eine weiße Wurzel und Kante, daher auf den Fluͤgeln drei weiße Linien hinlaufen; der lange Schwanz iſt ſchwarz, die aͤußerſte Fe⸗ der iſt ganz weiß, und die folgenden ſind nur ſchwarz kantirt. ö Das Weibchen iſt an der Kehle und Gurgel, ſtatt ſchwarz, roͤthlich gelbweiß, hat alſo die ſchwarze Kehle nicht; auch iſt die Farbe uͤberhaupt blaͤſſer. Maͤnnchen von ein bis zwei Jahren ſind auch noch auf der ſchwarzen Kehle weißgewoͤlkt. Aufenthalt. a. Im Freien. Sie bewohnen ganz Europa. In gebir⸗ gigen und waldigen Gegenden, wo Kieſelbaͤche ſind, trifft man ſie in Menge an, ſonſt nur einzeln. Es ſind Zugvoͤgel, die zu Ende des Februar oder Anfangs Maͤrz wiederkommen; doch weiß ich auch Beiſpiele, das einige in gelinden Wintern da geblieben, und ſich auf Miſtſtaͤtten und an warmen Quellwaſſern aufgehal- ten haben. ) Motacilla sulphurea, mihi. Motacilla Boarula. Gmelin Lin. Syst. 1. 2. p. 997. n. 51. Bergeronette jaune. Buffon des Ois. V. 268. Grey Wagtail. Latham Syn. II. 2. p 398. n. 4. Meine N. G. Deutſchland. III. Taf. 20. 2 Naturgeſch. d. Stubenvögel. en 95 386 Die gelbe Bachſtelze. b. In der Stube muß man ſie, wenigſtens eine Zeitlang, in einen Nachtigallenbauer ſtecken und eben fo wie dieſe behan— deln, denn es ſind zaͤrtliche Voͤgel, die auch bei dieſem koſtbaren Futter doch oft nicht laͤnger als zwei Jahre aushalten. Nahrung a. Im Freien. Waſſerinſekten machen ihre vorzuͤgliche Nahrung aus. Sie leſen ſie von Steinen und Waſſerkraͤutern ab. b. In der Stube muͤſſen ſie, wie ich ſchon erwaͤhnt habe, durch Ameiſeneier und Mehlwuͤrmer erſt gewoͤhnt werden, wenn man ſie alt gefangen lebendig erhalten will; alsdann aber freſſen fie alle Univerſalfutter, wenn nur etwas hart gekochtes Ei darun— ter gemengt iſt. Fortpflanzung. Sie niſten des Jahres zweimal, unter den Ufern, in Muͤhl⸗ betten, Steinhaufen u. ſ. w. und machen ſchon ein etwas kuͤnſt⸗ licheres Neſt als die weißen Bachſtelzen. Es beſteht aus Gras: halmen und Moos, und iſt inwendig mit Thierhaaren ausgefüllt. Man findet ſchon im März fünf bis ſechs weiße, fleifchfarben mar⸗ morirte Eier darin. Man zieht die Jungen mit Ameiſeneiern und Semmeln, in Milch geweicht, auf. Fang. Wenn man an oder uͤber das Waſſer, wo man ſie oft her⸗ umfliegen ſieht, etliche Stoͤcke legt, dieſe mit Leimruth en, an welche einige Mehlwuͤrmer angebunden ſind, beſteckt, ſo laſſen ſie ſich leicht fangen. Empfehlende Eigenſchaften. Ihr Betragen ſtimmt mit dem der weißen Bachſtelze uͤberein; doch find fie weit ſchoͤner, und fingen auch ſtaͤrker. Obgleich der Geſang nur aus ein Paar Strophen beſteht, ſo macht ihn doch die hellrunde Stimme angenehm. £ 165. Die gelbe Bachftelze*). (Bachſtelze, Rinderſtelze, gelbe Viehbachſtelze, kleine Bachſtelze, Kuhſcheiße). | . Befchreibung.» Sie ähnelt dem Weibchen der vorhergehenden, iſt aber klei— 9 Motacilla chrysogastra, mihi. Motacilla flaya. Gmelin Lin. Syst. Die gelbe Bachſtelze. 8 387 ner, was der kuͤrzere Schwanz verurſacht. Ihre Länge iſt 6½ Zoll, wovon der Schwanz 2½ Zoll mißt. Der Schnabel iſt ſchwarzbraun; der Augenſtern nußbraun; die Fuͤße ſind ſchwarz und 10 Linien hoch. Der Oberleib iſt roͤthlichgrau, ſtark oliven⸗ gruͤn uͤberzogen, das ſich am Steiß in Zeiſiggruͤn verwandelt; der Kopf iſt mehr grau als gruͤn, und uͤber die Augen laͤuft ein roͤthlichweißer Strich hin; der Unterleib iſt ſchoͤn gelb, bei alten recht ſchwefelgelb, an der Kehle und Bruſt ſchwaͤcher, am Bauch und After hoͤher; die Fluͤgel ſind dunkelbraun, röthlichweiß geſaͤumt, die groͤßern Deckfedern am ſtaͤrkſten, daher zwei weißliche Schnüre uͤber die Fluͤgel zu laufen ſcheinen; der Schwanz ſchwarz, die bei⸗ den aͤußern Federn außer einem ſchwarzen Streifen ganz weiß. Am Weibchen iſt der Ruͤcken mehr grau als gruͤn, der Bauch und After nicht ſo ſchoͤn gelb; die Kehle weißlich, Gurgel und Bauch roͤthlichgelb oder roſtfarben geſprengt. Dieſes Frühjahr erhielt ich von einem Vogelfaͤnger eine 4 \ Varietaͤt, die mir als ein befonders feltener Vogel gebracht wurde. Sie war am Oberleibe faſt ſchieferfarben, dunkler gewaͤſ⸗ ſert; der Augenſtreif ſchmutzig weiß, eben fo wie die Fluͤgelſtrei⸗ | — fen, welche nicht deutlich waren; der Unterleib, ſtatt gelb, hell weichſelroth. Sie lebt noch und ſingt, iſt alſo ein Maͤnnchen. Aufenthalt. a. Im Freien. Dieſe Bachſtelze iſt bekannter als die vor⸗ hergehende, da ſie uͤberall in ebenen Gegenden in Europa auf Triften angetroffen wird. Sie laͤuft beſtaͤndig unter den Schaf⸗ und Viehherden herum. Im September zieht fie in großen Herden in waͤrmere Laͤnder und macht dabei ein hohes und hel⸗ les Geſchrei, das Sipp, ſipp! klingt. Zu Ende Maͤrz iſt ſie wieder da. b. In der Stube. Sie wird gerade wie die vorherge⸗ hende W iſt aber nicht fo zärtlich. N ah rung. a. Im Freien. Sie naͤhrt fich meiſtens von Inſekten, die um die Thiere herumfliegen. N I. 2. p. 963. n. 12. Bergeronette de printems. Buffon des Ois. V. 265. t. 24. F. 1. Yellow Wagtail. Latham Syn. II. 2. p. 400. n. 6. Friſch Vögel. Taf. 20. Fig. 8 Meine N. G. Deutſchlands. III. Taf. 21. 25* 388 Die Kohlmeiſe. b. In der Stube behandelt man ſie wie die vorhergehende, und wenn fie unter das Univerfalfutter von Gerſte, Semmeln und Milch etwas hartgekochtes Huͤhnerei bekommt, ſo haͤlt ſie ſich mehrere Jahre fo gut wie ein Rothkehlchen. Fortpflanzung. Sie niſtet zweimal des Jahrs in Uferraͤnder, alte Maulwurfs—⸗ hoͤhlen, auch mitten ins Gras und Getreide, wie die Feldlerche. Das Neſt iſt aͤußerlich aus Grashalmen und inwendig aus Wolle zuſammengewebt. Die Eier ſind graulichweiß, uͤber und uͤber grauroͤthlich gefleckt, wie marmorirt, an der Zahl fuͤnf bis ſechs. Sie ſind denen der vorhergehenden Art ſehr aͤhnlich. Die jungen Voͤgel ſind am Unterleibe viel heller als die alten, und ſehen dem SS ſehr aͤhnlich. Man zieht fie wie die vorige auf. Fang. Dieſer hat einige Schwierigkeiten, und ich habe immer Muͤhe gehabt, dieſe Voͤgel zu erhalten. Man muß ſie gewoͤhnlich uͤber dem Neſt mit Leimruthen fangen. Wenn im Frühjahr noch Schnee faͤllt, ſo kann man auch einen Platz davon entbloͤßen, den⸗ ſelben mit Mehlwuͤrmern und Leimruthen belegen, und die Voͤgel dahin treiben. Dieß iſt die gewöhnlichſte Art, ſich ihrer zu bemaͤchtigen. Empfehlende Eigenſchaften. Ihr ſchoͤnes Anſehen, ſo wie ihr Geſang empfehlen fie als Stubenvoͤgel. Ich habe immer einige in meiner Stube her: umlaufen und halte fie für meine ſchoͤnſten Voͤgel. Sie find be⸗ ſonders geſchickt, alle Fliegen wegzufangen, und thun dieß auf eigenthuͤmliche Weiſe. Sie ſchleichen naͤmlich wie die Katzen an fie, und thun dann einige blitzſchnelle Schritte, um ſie zu er⸗ greifen. 166. Die Kohlmeiſe )). a (Großmeiſe, Spiegelmeiſe, Brandmeiſe, Pickmeiſe, Finkenmeiſe). Beſchreibung. Sie iſt uͤberall bekannt, hat die Groͤße eines Moͤnchs, und ) Parus major. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 1006. n. 3. Grosse Mésange ou Char bonniere. Buffon des Ois. V. 392, t. 17. Great Titmouse. Latham Syn. II. 2. p. 588. n. I. Friſch Vögel. Taf. 13. F. 1. Die Kohlmeiſe. 389 ift 5 Zoll 10 Linien lang, wovon der Schwanz 2½ Boll weg: nimmt. Der Schnabel iſt, wie bei allen Meiſen, kegelfoͤrmig, hart, ſpitz, ohne Ausſchnitt, ſchwaͤrzlich; die Augen dunkelbraun; die Fuͤße ſind bleifarben; die Schienbeine 9 Linien hoch; die Klauen, wie bei allen Meiſen, ſtark und ſcharf, weil ſie dieſel⸗ ben zum Klettern brauchen. Der Kopf iſt oben glaͤnzend ſchwarz; mit dem Nacken verbindet ſich die ſchwarze Kehle und der Vor— derhals durch ein dergleichen Band, wodurch die reinen weißen Wangen und Schlaͤfe ganz in Schwarz eingeſchloſſen werden; das Genick iſt gruͤnlichgelb, mit etwas Weiß vermiſcht; der Rüden ſchoͤn olivengruͤn; der Steiß hellaſchgrau; die Bruſt und der Bauch a gelblichgruͤn, der Laͤnge nach durch ein ſchwarzes Feld (breiten Streifen), das am Unterbauch am breiteſten iſt, getheilt; der Af⸗ ter in der Mitte ſchwarz, an den Seiten weiß; die Schenkel weiß, ſchwarz gefleckt; die Seiten blaßolivengruͤn; die Deckfedern der Fluͤgel hellbraun, die großen mit weißen Spitzen, wodurch eine weiße Binde ſchief uͤber die Fluͤgel laͤuft; die Schwungfedern ſchwaͤrzlich, die vordern, die beiden erſtern ausgenommen, oben hellgruͤn, unten weiß geraͤndert, die hintern oben olivengruͤn, unten weiß eingefaßt, die Schwanzfedern etwas gabelfoͤrmig und ſchwaͤrz⸗ lich, die beiden mittelſten hellblau überlaufen, die aͤußerſte an der aͤußern Fahne und noch etwas an der innern weiß, die uͤbrigen alle auswendig hellblau geraͤndert, und die zweite noch uͤberdieß mit einer weißen Spitze. Das Weibchen iſt kleiner; die Schwaͤrze des Kopfes und die gelbe Farbe weniger lebhaft, und der ſchwarze Streifen am Bauch ſchmaͤler und kuͤrzer, ſich wenigſtens von außen unter der Mitte des Bauchs, wo er am Maͤnnchen breiter wird, verlierend. An Letzterm kann man auch ſchon die jungen Kohlmeiſenmaͤnnchen von den Weibchen unterſcheiden, denen ſie ſonſt voͤllig gleich ſehen. Aufenthalt. a. Im Freien. Sie bewohnt die ganze alte Welt, und man trifft fie in gebirgigen Gegenden da, wo viele Gärten, Feld: hoͤlzer oder Buchenwaͤlder mit Schwarzholz abwechſeln, häufig an. Sie bleiben bei uns, verſammeln ſich aber im October in Her: den und ziehen ſo im Herbſt und Winter von einem Garten und Wald zum andern. Wenn im Herbſt ſich mehrere ſolcher Her— den kurz hinter einander ſehen laſſen, ſo ſagen die Vogelſteller, 590 Die Kohlmeiſe. jetzt ſei der Meiſenſtrich, und machen allerhand kuͤnſtliche Fang⸗ arten auf ſie zurecht. Im Maͤrz trennt ſich jedes Paar wieder und bereitet ſich zur Fortpflanzung. b. In der Stube. Als Stubenvögel muͤſſen fie entweder in einen draͤthernen Vogelbauer geſteckt werden, wozu man gern einen Glockenbauer nimmt, oder wenn man ſie nicht allein, ſon— dern unter andern Voͤgeln frei herum laufen laſſen will, fo muͤſ⸗ ſen ſie alle Tage vollauf, und zwar gutes Futter haben; denn diejenige, welche einmal kein Futter hat, faͤllt die andern Voͤ⸗ gel an, und wenn ſie einmal erſt Vogelgehirn gekoſtet hat, ſo iſt auch kein Vogel mehr vor ihr ſicher, und ich weiß ein Bei⸗ ſpiel, daß eine ſolche Kohlmeiſe eine Wachtel angefallen und gez tödtet hat. Daß es nur bloße Grillen find, wenn die Vogel: ſteller ſagen, daß nur die mit geſpaltenen Schwaͤnzen Moͤrder waͤren, braucht kaum erinnert zu werden, aber daß immer eine von der andern grauſam und boshaft iſt, lehrt die Erfahrung. In einem Vogelbauer thut man gern eine runde Hoͤhle, in welche ſie ſich verſtecken und des Nachts ſchlafen. Nahrung. 8 a. Im Freien. Die Kohlmeiſen naͤhren ſich von Inſekten, Saͤmereien, und Beeren. Die glatten Raupen, groß und klein, die Bienen, Fliegen, Heuſchrecken, Muͤcken und Motten ſind daher ihren Verfolgungen ausgeſetzt. Sie klettern, wie die Spechte, an den Baͤumen herum, um Inſekteneier, Puppen, Holzwuͤr⸗ mer u. dergl. unter der Rinde zu finden. Im Herbſt und Win- ter freſſen ſie auch allerhand Geſaͤme und Koͤrner, vornehmlich Hanf, Fichten⸗ und Kieferſamen, Hafer, Obſtkerne, Bucheckern, Nuͤſſe, auch Aas. Ihre Speiſe faſſen ſie mit den Krallen, zer⸗ reiſſen ſie mit dem Schnabel und lecken ſie mit der Zunge hinein. b. In der Stube freſſen ſie faſt alles, was auf den Tiſch kommt, Fleiſch, Brod, Semmeln, ſuͤßen Kaͤſe, viele Zugemuͤſe, Hafel: und Wallnußkerne, Speck, Unſchlitt und alles Fett, auch die gewoͤhnlichen Stubenfutter, und es liegt blos an der War⸗ tung, wenn man fie, fo wie die meiſten Meiſen, für zu zärtlich und nicht lange ausdauernd haͤlt. Je beſſer man ſie fuͤttert, je beſſer fingen fie, und deſto weniger iſt man der Gefahr ausge: ſetzt, daß fie andere Vögel anfallen. Sie trinken viel und ba⸗ den ſich gern. Die Kohlmeiſe. 391 Fortpflanzung. ö Sie niſten in hohle Baͤume, hoch und tief, je nachdem ſie eine bequeme Höhle finden, auch in alten verlaffenen Eichhorn: Raben- und Elſterneſtern und in Mauerloͤchern; machen eine kunſt⸗ loſe Unterlage von Moos, Wolle und Federn, und legen acht bis zehn weißliche, mit großen und kleinen unordentlich geſtell⸗ ten dunkelrothen Punkten und Strichen, beſonders am obern Ende, kranzfoͤrmig beſprengte Eier. Die Jungen fliegen nicht eher aus, bis ſie ganz ausgewachſen ſind, ſehen bis zum erſten Mauſern am Unterleibe blaßgelb aus, und die ſchwarze Farbe iſt matt. 3 Krankheiten. Sie ſind im Kaͤfig oft dem Tau mel unterworfen, welches daher kommt, daß fie ſich, wenn man fie zu viel mit Hanfſa⸗ men fuͤttert, in der Hitze zu haͤufig uͤberſchlagen. Man thut ſie, um ſie wieder zu kuriren, in einen viereckigen kleinen Vogelbauer, oder laßt fie eine Zeitlang frei herum laufen. Die Auszeh⸗ rung bekommen ſie ebenfalls von zu vielen Hanfſamen; auch das Podagra ſoll daher ruͤhren. Man kann ſie acht bis zehn Jahre beim Leben erhalten. Fang. Man faͤngt dieſe, ſo wie die meiſten Meiſenarten, durch ver⸗ ſchiedene kuͤnſtliche Mittel, und der Meiſen fang wird von den Vogelſtellern fuͤr den angenehmſten unter allen gehalten. Ich führe aber hier nur ein Paar der ſicherſten Fangarten an, wie man ſie als Stubenvoͤgel bekommen kann. * Im Herbſt und Fruͤhjahr begiebt man ſich mit einer Lock⸗ meiſe, die man in einem viereckigen Vogelkaͤſig hat, an diejenigen Oerter hin, beſonders in und neben Obſtgaͤrten, wo ſich Kohl— meiſen aufhalten, ſetzt den Käfig auf die Erde, und ſteckt etliche Stoͤcke, die mit Leimruthen verſehen find, ſchief in den Bo⸗ den um denſelben herum. Theils aus Neugierde, theils um ſich mit einem neuen Kammeraden zu vereinigen, kommen ſie herbei⸗ geflogen, wenn fie die Meiſe im Käfig locken hören und fangen ſich. Dieſer Fang iſt noch ſicherer, wenn man ſich ein Pfeifchen anſchafft, das aus den hohlen Fluͤgelknochen der Gaͤnſe gemacht wird, und damit die Meiſen ſelbſt in der ganzen Gegend herum, — — == 392 Die Kohlmeife. weil man damit ſtaͤrker als die Lockmeiſe pfeifen kann, herbeizu⸗ locken ſucht. Wenn Meiſen in der Gegend ſind, iſt man ſeines Fangs gewiß. | Im Winter laſſen fie fih in Gärten mit Nußkernen, Speck und Hafer in den Meiſenkaſten locken. Dieß iſt ein kleiner Kaſten von einem Fuß Laͤnge und 8 Zoll Hoͤhe und Breite, deſſen Waͤnde gewoͤhnlich, wenn man keine gruͤn angeſtrichene Bretchen nehmen will, aus Hollunderſtoͤcken, die man auf vier runde Eckſaͤulchen aufſchraͤnkt, gemacht werden, und der alsdann nur einen breternen Boden und Deckel braucht, welcher letztere in Bindfaden, ſtatt der Baͤnder, laͤuft. In der Mitte des Bo⸗ dens ſteht ein Pfloͤckchen; auf dieſem liegt ein Querholz, auf wel⸗ chem auf der einen Seite eine halbe Wallnuß und auf der an⸗ dern etwas Speck angebracht iſt, und welches ein anderes, in die Hoͤhe ſtehendes Hoͤlzchen faßt, ſo wie den Deckel zugleich handbreit offen haͤlt. Wenn die Meiſe auf das Querholz ſpringt oder die Nuß und den Speck anhacken will, ſo faͤllt der Deckel zu und ſchließt ſie ein. Man ſetzt den Kaͤfig auf einen Baum mit einer Unterlage von ausgedroſchenem Haferſtroh, nach wel— chem die Meiſen fliegen und das ſie von weitem gewahr werden. Sie gehen, wie alle Meiſen, haͤufig nach dem Traͤnkherd. Man trifft ſie da gewoͤhnlich von 7 bis 9 Uhr Vormittags, und von 4 bis 5 Uhr Nachmittags an. 5 f Im Herbſt faͤngt man fie auch in der Schneuß, wo ſie nach den Vogel- und Hollunderbeeren gehen. Es muͤſſen aber pferdehaarne Schlingen in die Sprenkel eingezogen ſein, denn leinene zerbeißen ſie, ſobald ſie ſich gefangen fuͤhlen. Empfehlende Eigenſchaften. Schon ihre Schönheit, Munterkeit und Thaͤtigkeit empfiehlt ſie als Stubenvoͤgel, daher ſie auch von jeher als ſolche ſind ge⸗ ſchaͤtzt worden; noch mehr aber ihr ſchoͤner, abwechſelnder, aus⸗ nehmend melodiſcher Geſang, in welchen ſie auch ihre beiden vor⸗ zuͤglichen Locktoͤne, das helle Fink, fink! und das ſchnarrende Zizerr! mit einmiſchen. Ungemein angenehm klingen die ſpre⸗ chenden Strophen Si zi da, Si zi dal und Stiti, Stiti! das ſie ſechzehn bis zwanzigmal wiederholen. Von dem Sizida ſagt man in Thuͤringen, ſie ſaͤngen: Sitz ich doch! Daß es ihnen an Gelehrigkeit nicht fehlt, um, jung aufgezogen, anderer Die Tannenmeiſe. 393 Voͤgel Geſang zu lernen, ergiebt ſich daraus, daß die Alten auch noch viele Toͤne von andern Vögeln und beſonders ihre Locktoͤne annehmen. Man läßt fie auch allerhand Kunſtſtuͤcke machen, ihre Nah: rungsmittel an Kettchen an ſich ziehen, in einem Käfig eine Rolle oder Haſpel drehen, die zwei Bergleute zu bewegen ſcheinen, und nach einer Nuß ſpringen, die man irgendwo an einen ſchwanken⸗ den Faden angebunden hat. N 167. Die Tannenmeiſe.“) (Walde, Holz⸗, Hunds⸗, Harz⸗, Sperr⸗ und Kreutzmeiſe, kleine Schwarzmeiſe, kleine Kohlmeiſe.) Beſchreibung. Sie iſt 4 Zoll 2 Linien lang, der Schwanz 17/, Zoll, und der Schnabel 3 Linien; letzterer iſt ſchwarz, an der Spitze heller; der Augenſtern ſchwarzbraun; die Fuͤße ſind bleifarben und 8 Linien hoch. Oberkopf und Hals ſind ſchwarz; vom Hinterkopf geht den Nacken herab ein breiter weißer Streifen; die Wangen nebſt den Seiten des Halſes ſind weiß, und bilden, wenn der Vogel ruhig ſitzt, einen dreieckigen weißen Fleck; der Ruͤcken iſt dunkelaſchblau; der Steiß aſchgraugruͤn; die Kehle bis zum obern Theil der Bruſt ſchwarz; die letztern ſchwarzen Federn mit wei⸗ ßen Spitzen; die Bruſt weiß; der uͤbrige Unterleib gleichfalls weiß mit einer roͤthlichen Miſchung, die kleinern Deckfedern der Fluͤgel wie der Ruͤcken, die großen ſchwaͤrzlich mit weißen End⸗ punkten, wodurch eine weiße doppelte Binde enſteht; die Schwung⸗ federn braͤunlichaſchgrau, weißgrau geraͤndert; die Schwanzfedern von eben der Farbe. a Das Weibchen tft, wenn man beide Geſchlechter nicht bei— ſammen ſieht, kaum vom Maͤnnchen zu unterſcheiden, weil es nur etwas weniger ſchwarz an der Bruſt und etwas weniger weiß an den Seiten des Halſes iſt. Aufenthalt. a. Im Freien. Wan trifft dieſe Meiſe allenthalben in ) Parus ater. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 1009. n. 7. Petite Char- bonniere. Buffon des Ois. V. p. 400. Colemouse. Latham Syn. II. 2. p. 540. n. 7. Friſch Vögel. Taf. 13. F. 2. a 394 Die Tannenmeiſe. Menge in großen Schwarzhoͤlzern an. Im Herbſt, Winter und Fruͤhjahr kommt fie nur bei ihren Streifereien in die Laubhoͤlzer, Feldhoͤlzer und Gaͤrten. Sie zieht im Winter in großen Herden von einem Schwarzwalde zum andern. Sie liebt die Geſellſchaft des Goldhaͤhnchens, das man auch beſtaͤndig unter ihren Herden antrifft; auch eine bis zwei Haubenmeiſen geſellen ſich ihnen zu, und dieſe ſind gleichſam ihre Anfuͤhrer. b. In der Stube ſteckt man fie theils in Käfige; angeneh— mer aber ſind ſie, wenn man ſie unter e frei herum laufen laßt. Nahrung. a. Im Freien ernaͤhren ſie ſich von Inſekten und deren Eiern und Puppen, und von Schwarzholzſamen aller Art. Da die Baͤume oft ganz mit Duft, und die Erde mit Schnee bedeckt iſt, und ſie doch im Winter nicht bei uns verhungern ſollen, ſo hat ihnen die Natur das Aufbewahren und Verſtecken ihrer Speiſen gelehrt. Sie verbergen naͤmlich einen großen Vor⸗ rath von Fichtenſamen unter die rauhen Schuppen der Fichten: ſtaͤmme, und holen fie, wenn es ihnen an Nahrung gebricht, wie: der hervor. Dieſer Nahrungstrieb aͤußert ſich auch b. In der Stube, wo ſie die uͤberfluͤſſigen und koſtbaren Nahrungsmittel, z. B. Fichtenſamen und Nußkerne vor den an⸗ dern Voͤgeln in Ritzen zu verbergen ſuchen, und beſtaͤndig zuſe— hen, ob ſie auch noch da ſind. Die Kohl⸗ und Blaumeiſen tra⸗ gen auch zuweilen etwas von ihrem Futter in einen Winkel, ſie verbergen es aber nicht mit ſo vieler Accurateſſe, und ſcheinen es nicht fo abſichtlich, wie die Tannenmeiſe, zu thun. Gewoͤhn⸗ lich ſetzt man ihnen das bekannte Univerſalfutter vor. Fortpflanzung. Sie niſten meiſtens in ein verlaſſenes Maulwurfs- oder Maͤu⸗ ſeloch, unter die hohlen Raͤnder alter ausgefahrner Fahrwege, ſelt⸗ ner in hohle Baͤume und Mauerritzen. Das Neſt iſt eine bloße Unterlage von klar gebiſſenem Erdmoos, und die Ausfuͤtterung beſteht aus Reh Hirſch⸗ und Haſenhaaren. Man findet ſechs bis acht ſchoͤne, weiße, mit hellrothen Punkten beſtreute Eier in demſelben. Die Jungen ſehen gleich wie die Alten aus, nur die ſchwarze Farbe iſt matter. Sie machen zwei Gehecke. Die Blaumeife. | 395 Krankheiten, Die Duͤrrſucht iſt ihre gewöhnliche Krankheit; zuweilen etwas friſche Ameiſeneier, beſonders zur Mauſerzeit gegeben, beugt dieſem Uebel vor. Ich habe eine Tannenmeiſe ſechs Jahre in der Stube herum laufen gehabt; ſie wurde zuletzt taumelnd, blind und ſtarb vor Alter. > Fang. Sie wird theils wie die vorige Art gefangen, theils noch leichter, indem man, da fie weniger ſcheu iſt, eine Leim ruthe an eine Stange bindet, unter einem Baume, worauf ſie ſitzt, an ſie zu kommen ſucht und ſie ſo damit beruͤhrt, daß ſie kleben bleibt. Ihre Lockſtimme, womit ſie beigelockt wird, iſt, Zip toͤn! Sie iſt, wie die meiſten Meiſen, ein zaͤrtlicher Vogel, wenn man ſie in die Stube bringt, und es ſterben viele, ehe ſie ans Stu⸗ benfutter anbeiſſen wollen. 5 Empfehlende Eigenſchaften. Es iſt ein allerliebſtes, keckes, luſtiges Stubenvoͤgelchen, das keinen Augenblick ruht, beſtaͤndig in Bewegung iſt, und, ſo wie faſt alle Meiſen, ſchief huͤpft. Als Geſang giebt ſie eine Menge klirrender, abwechſelnder Toͤne von ſich, die durch ein lautes, wie ein Gloͤckchen hellklingendes, Zifi, zifil das zwanzig bis vier und zwanzigmal wiederholt wird, verſchoͤnert werden. Sie ſetzt ſich dabei gewoͤhnlich ſo ſtill und feſt hin, wie wenn ſie etwas recht wichtiges und ſchoͤnes hervorbringen wollte. 168. Die Blaumeiſe)). (Pimpel⸗, Jungfern-, Mehl-, Kaͤſe⸗, Blei⸗, Merl⸗, Pinelmeife, i Blaumuͤller). Beſchreibung. Ein uͤberaus ſchoͤnes Voͤgelchen! Sie iſt 4½ Zoll lang und der Schwanz 2 Zoll; der Schnabel 3 Linien und ſchwaͤrzlich, am Rande und an der Spitze weißlich; der Augenſtern dunkelbraun; die Füße find bleifarben und 8 Linien hoch. Stirn und Wan⸗ gen ſind weiß; von der Stirn laͤuft uͤber die Augen weg ein ) Parus coeruleus Gmelin Lin. Syst. 1. 2. p. 1008. n. 5. Mesange bleue. Buffon des Ois. V. 413. Blue Titmouse. Latham Syn. II. 2. p. 543. n. 10. Friſch Vögel. Taf. 14. F. 1. a. N 8 396 Die Blaumeiſe. weißer Streifen, der den ſchoͤnen himmelblauen Scheitel umgiebt; durch die Augen geht ein ſchwarzer Strich; die ſchwarze Kehle wird an den Seiten des Halſes zu einem dunkelblauen Bande, das den Kopf umgiebt; hinter dem Nacken iſt ein weißlicher Fleck; der Rüden ift hellzeiſiggruͤn, die Federn aber find noch ſeidenar⸗ tiger als bei andern Meiſen; der Unterleib iſt hellgelb; am Bauch laͤuft der Länge nach von der Mitte der Bruſt zwiſchen den Bei⸗ nen ein hellblauer Streifen; die Deckfedern der, Flügel hellblau, die groͤßte Reihe mit weißen Spitzen; der Schwanz himmelblau. i Das Weibchen iſt etwas kleiner; die Streifen am Kopf ſind nicht ſo deutlich; das Blaue iſt wie mit Aſchgrau vermiſcht, und der Strich am Bauch iſt kaum merklich. Aufenthalt. a. Im Freien. Man trifft fie ſehr häufig in Eich- und Buchwaͤldern an. Im Herbſt und Winter ziehen ſie von einer Gegend in die andere, und ſind alsdann in Gaͤrten in Menge anzutreffen. f 5 b. In der Stube. Man haͤlt ſie, wie die Kohlmeiſe, doch lieber frei auf den Dielen, weil man ihre Schoͤnheit deſto mehr bewundern kann, wenn ſie herum laͤuft. Des Nachts kann man fie in einen Kaͤfig jagen, der eine Hohlung hat, in welcher ſie ſchlafen. Sie zeigt ſich eben ſo zaͤnkiſch und boshaft, wie die Kohlmeiſe, haͤngt ſich den Voͤgeln an den Schwanz, hat aber die Staͤrke nicht, um ſie zu toͤdten. Nahrung. a a. Im Freien. Sie genießt allerhand Inſekten und In— ſekteneier, im Herbſt auch Beeren. BUNT 2 b. In der Stube nährt man fie, wie die Kohlmeiſe. Wenn man ſie leicht gewoͤhnen will, ſo wirft man ihr die erſten Tage zerquetſchten Hanf hin. Sie badet ſich gern. Fortpflanzung. Sie niſtet hoch auf den Bäumen, in alten hohlen Aesen, und macht eine Unterlage von Moos, Haaren und Federn. Das Weibchen legt acht bis zehn roͤthlichweiße, fein braun getuͤpfelte und gefleckte Eier. Die Farben an den Jungen find nur etwas blaͤſſer, und das Blaue iſt nicht fo glänzend. Die Sumpfmeiſe. g 397 Krankheiten. Die meiften, die man im Winter fängt, ſterben, wenn fie etliche Tage in der Stube find, am Schwindel, wo fie bald auf dieſe bald auf ; jene Seite fallen, und ihr Futter nicht finden koͤnnen. Fang. Wie die Kohlmeiſen. Empfehlende Eigenſchaften. Dieſe Meiſe wird leicht zahm und haͤlt zwei bis drei Jahre aus. Ihre Schoͤnheit und Munterkeit empfiehlt ſie beſonders, weniger ihr Geſang, der aus einigen undeutlichen und wenig me⸗ lodiſchen Strophen beſteht, zwiſchen welchen einige hoͤhere Toͤne erklingen. 169. Die Sumpfmeiſe ). (Platten-, Nonnen⸗, Mönche, Aſchen-, Riet-, By⸗, Hanf⸗, Rohr⸗, Grau⸗, Garten⸗, Nute Koth⸗, und Speckmeiſe). Beſchreibung Sie iſt 4¼ Zoll lang, wovon der Schwanz 2 Zoll weg⸗ nimmt. Der 4 Linien lange Schnabel iſt ſchwarz; die Fuͤße ſind bleifarben; die Schienbeine 5 Linien hoch. Der Oberkopf iſt bis in den Nacken ſchwarz; Wangen und Schlaͤfe ſind weiß; der Leib oben braͤunlich aſchgrau, unten, außer der ſchwarzen Kehle, die an der Gurgel, ſchwarz geſprengt iſt, ſchmutzig weiß; an den Sei⸗ ten und am After röthlich uͤberlaufen; die Flügel und der Schwanz ſchwarzgrau, roͤthlichweiß eingefaßt. Das Weibchen hat eine kaum merklich ſchwarze Kehle. Aufenthalt. a. Im Freien. Man findet ſie im Sommer und Winter in Gaͤrten und Laubhoͤlzern; im Winter zieht ſie ſich in kleinen Herden zuſammen „wovon immer eine hinter der andern fortfliegt, wenn ſie von einem Platz zum andern gehen. b. In der Stube. Man laͤßt ſie frei herum laufen. Sie |, iſt zärtlich und will Anfangs gut gewartet ſein. ) Parus palustris. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 1009. n. 8. Ange de marais ou Nonette cendrée. Buffon des Ois. V. 403. Marsh Tit- mouse. Latham Syn. II. 2. p. 541. n. 8. Friſch Vögel. Taf. 13. F. 2. b. Die Sumpfmeife. Nahrung. a. Im Freien. Sie frißt allerhand Saͤmereien, Inſekten und Hollunderbeeren. b. In der Stube giebt man ihr, was man allen Meiſen giebt; doch will fie, ehe fie ſich gewöhnt, Ameiſeneier oder Hols lunderbeeren haben. Mit Kernen von der Sonnenblume habe ich ſie gleich gewoͤhnt. Damit erhaͤlt man ſie auch am laͤngſten. Hanf und Hafer frißt ſie auch gern. | Fortpflanzung. Sie heckt in Baumhoͤhlen auf ein aus Moos und Gras bes ſtehendes und mit Hirſch- und Kuhhaaren und mit Vogelfedern ausgefuͤttertes Neſt. Die zehn bis zwoͤlf Eier, welche das Weib— chen legt, ſind roſtfarben weiß mit gelbroͤthlichen Flecken be⸗ zeichnet. | Fang. Durch Nußkerne und Hafer laͤßt ſie ſich im Winter in den Meiſenkaſten locken. Wenn man ſeines Fanges gewiß fein will, ſo ſtecke man Leimruthen auf die reifen Sonnenblumen. Da, wo die Voͤgel nicht in Gaͤrten kommen, ſtellt man die Son⸗ nenblumenſtoͤcke an den Ort, wo ſie oft hinziehen. Hat man ſie bei den Kernen gefangen, ſo iſt es leicht, ſie in der Stube zu gewoͤhnen, indem man ihnen nur jene hinwerfen darf; ſie picken gleich die naͤmliche Stunde noch daran herum. Empfehlende Eigenſchaften. Ihr Anſehen und ihr ſchwacher, angenehm klingender Ge⸗ ſang empfiehlt ſie als Stubenvoͤgel. Eine helllautende Strophe: Dia, dia, hitzi, aͤlz aͤlz, die fie auch zuweilen als Lockton, beſonders zur Zeit der Paarung hören läßt, machen dieſen Ge- fang ungemein wohllautend. Laͤnger als zwei bis drei Jahre habe ich keine erhalten koͤnnen. | Die Haubenmeife. 399 b. Jung zaͤhmbare. 170. Die Haubenmeiſe ). (Kuppen⸗, Schopf⸗, Strauß⸗, Haiden⸗ und Hoͤrnermeiſe.) | Beſchreibung. 4 Sie hat die Größe der vorhergehenden, iſt 4½¼ Zoll lang, wovon der Schwanz 1½ Zoll einnimmt. Der Schnabel iſt 4 Linien lang und ſchwarz; die Füße find bleifarben und 7 Li⸗ nien hoch. Der Kopf iſt mit einem, faſt 1 Zoll langen, ſpitz zulaufenden Federbuſche verſehen, der aus ſtufenweiß groͤßern ſchwarzen Federn mit weißen Kanten beſteht; die Stirn iſt weiß und ſchwarz geſchuppt; die Wangen ſind hellaſchgrau, von un⸗ ten und hinten ſchwarz eingefaßt; vom Schnabelwinkel laͤuft ein breiter roͤthlichweißer Streifen bis zum Nacken; im Nacken be⸗ findet ſich ein ſchwarzer Fleck, der wie ein Halsband den Hals umſchließt, und ſich vorn an der Bruſt mit dem ſchwarzen Vor⸗ derhalſe und der Kehle vereinigt; der Ruͤcken iſt roͤthlichgrau; die Bruſt und der Bauch weißlich; die Seiten roͤthlich; die Fluͤ⸗ gel und der Schwanz ſind graubraun. Das Weibchen zeichnet ſich vor dem Maͤnnchen nur durch die weniger hohe Haube und weniger ſchwaͤrzliche Kehle aus. Aufenthalt. 8 a. Im Freien trifft man dieſe Meiſen uͤberall in Schwarz⸗ waͤldern, doch nicht ſo haͤufig als die uͤbrigen Arten an. Sie kriechen immer tief im Gebuͤſche herum, und lieben daher diejeni⸗ gen Gegenden, wo viele Wachholderbuͤſche wachſen. ö bi. In der Stube behandelt man fie wie die Blaumeiſe, doch iſt ſie, wie die folgende, weit zaͤrtlicher, und erfordert bei der Zaͤhmung weit mehr Sorgfalt und Aufmerkſamkeit. Alte bringt man ſelten fort. Nahrung. a. Im Freien naͤhrt ſie ſich, wie die Tannenmeiſe, und b. In der Stube will ſie Anfangs Ameiſeneier und Mehl. wuͤrmer, ehe ſie an das Futter der andern Meiſenarten geht. ) Parus cristatus. Gmelin. Lin. Syst. I. 2. p. 1005. n. 2. Mesange „ huppee. Buffon des Ois. V. 447. Crested Titmouse. Latham Syn. U. 2. P. 545. n. 12. Friſch Vögel Taf. 14. Fig. I. b. | Die Bartmeiſe. Fortpflanzung. Sie niſtet in hohlen Baͤumen, zwiſchen Steinen und in ver: laſſenen großen Neſtern. Das Neſt iſt wie bei der Tannenmeiſe beſchaffen, und das Weibchen legt 6 bis 10 ſchneeweiße, unten einzeln, oben aber dicht mit blutrothen Flecken bezeichnete Eier, die meiſtens zuſammen gelaufen ſind. Man nimmt die Jungen aus und fuͤttert ſie mit Stuͤckchen Mehlwuͤrmern und Ameiſen⸗ eiern auf. Am beſten iſt es, alte und junge aus dem Neſte zu nehmen, weil dann die Alten die Jungen mit Ameiſeneiern leicht auffuͤttern. Fang. Man faͤngt fie wie die Tannenmeiſe; fie lockt Goͤrrkil! Empfehlende Eigenſchaften. Ihre artige Geſtalt empfiehlt ſie mehr, als ihr einfacher, wenig ausgezeichneter Geſang. f 171. Die Bartmeiſe ). (Bartmaͤnnchen, ſpitzbaͤrtiger Langſchwanz, Rohrmeiſe). Beſchreibung. s Dieſer ſchoͤne Vogel hat ohngefaͤhr die Groͤße einer Kohl⸗ meiſe, iſt 6°/, Zoll lang, und 10 ¼ Zoll breit; der Schnabel iſt 4 Linien lang, an der Spitze etwas gebogen; orangengelb und rund um mit ſchwarzen Borſten beſetzt; die Stirn gelb; die Fuͤße ſind ſchwarz; die Beine 1 Zoll hoch. Der Kopf iſt hellaſchfarben; unter den Augen iſt ein Buͤſchel von ſchwarzen Federn, der in eine Spitze auslaͤuft, faſt wie ein Knebelbart; der Hinterhals und der Oberruͤcken ſind gelbroth; die Kehle weiß; die Bruſt fleiſchfarben; Bauch, Seiten und Schenkel wie der Ruͤcken, aber heller; der After ſchwarz, der Schwanz iſt 3 ¾ Zoll lang, und keilfoͤrmig; er hat beinahe einerlei Farbe mit dem Ruͤcken; die aͤußerſte Feder iſt ſehr kurz, an der Wurzel dunkelfarbig, und am Ende faſt weiß, die dritte iſt blos an der Spitze fo. Das Weibchen unterſcheidet ſich vom Maͤnnchen durch den Mangel des Knebelbarts unter den Augen; der Scheitel iſt roſtig⸗ *) Parus biarmicus. Gmelin Li n. Syst. I. 2. p. 1011. n. 12. Mesange barbue, ou Moustache. Buffon des Ois. V. p. 418. t. 18. Bearded Tit- mouse. Latham Syn. II. 2. p. 452. n. 20. Friſch Vögel. Taf. 8. Fig. 2. b. Die Bartmeiſe. 401 roth, mit ſchwarzen Flecken, und die Federn am After ſind nicht ſchwarz, ſondern von einerlei Farbe mit den uͤbrigen untern Theilen. 8 Aufenthalt. a. Im Freien. Wo Seen, Suͤmpfe, große moraſtige und ſumpfige Gegenden ſind, die Gebuͤſche und Rohr enthalten, trifft man ſie gewiß in Deutſchland an. Im Sommer bekommt man ſie ſelten zu ſehen, da ſie paarweiſe tief im Rohr leben; eher im Winter, wo ſie familienweiſe bald da bald dorthin ſtrei⸗ fen, und ſich dann auch auf Baͤume und Buͤſche ſetzen, wenn die Nahrungsmittel im Rohr ausgehen. b. In der Stube. Man läßt fie entweder frei herum laufen, oder ſteckt ſie in einen weiten draͤthernen Kaͤfig. Nahrung. 5 a. Im Freien. Sie freſſen viele Arten von Inſekten, vorzuͤglich kleine Waſſerinſekten, und den Samen des gemeinen Rohrs (Arundo Phragmites. Lin). E84. b. In der Stube. Hier giebt man ihnen Anfangs Mohn, Ameiſeneier und Mehlwuͤrmer; dann nehmen ſie auch mit zer⸗ druͤcktem Hanf und anderm gewoͤhnlichen Stubenfutter vorlieb. Sie ſind ſehr ſchwer aufzubringen; deshalb zieht man ſie lieber jung auf. 3 i Fortpflanzung. Hiervon weiß man noch wenig. Ihr Neſt ſteht zwiſchen verwirrten Rohrpflanzen, iſt beutelfoͤrmig, und aus Grashalmen und Pflanzenwolle zuſammengewebt. Das Weibchen legt vier bis fünf blaßrothe, buntgefleckte Eier. Man nimmt die faſt fluͤg⸗ gen Jungen aus dem Neſt und zieht ſie mit Ameiſeneiern und Stuͤckchen Mehlwuͤrmern auf. Fang. Es haͤlt ſehr ſchwer, ſie zu fangen. Fiſcher und Jaͤger, welche die Gegend kennen, wo ſie oft herum kriechen, ſuchen die Stelle mit Leim ruthen zu beſtecken und fie darauf hinzutreiben. Empfehlende Eigenſchaften. Nicht nur die Schoͤnheit ihrer Farbe, ſondern auch ihre Ge— ſtalt und Munterkeit machen ſie zu einem angenehmen Stubenvogel. Naturgeſch. d. Stubenvögel. 26 n . 402 Die Holztaube. Auch laſſen die Männchen einige angenehm klingende Strophen hoͤren, die dem Geſang der Blaumeiſe aͤhnlich klingen. Schade, daß es ſo ſchwer haͤlt, dieſen Vogel zu bekommen. VII. Taub en). Der Schnabel iſt duͤnn, gerade, an der Spitze gekruͤmmt, an der Wurzel haͤutig und aufgetrieben; die kurzen Fuͤße haben bis an die Wurzel getrennte Zehen. Die Nahrung beſteht aus Getreide und Saͤmereien, doch freſſen die wilden Arten auch Hei— delbeeren. Sie leben paarweiſe und bruͤten nur zwei Junge aus, die ſie mit den eingeweichten Saͤmereien aus ihrem großen Kropfe fuͤttern. Sonſt rechnete man ſie entweder zu den ſperlingsartigen oder huͤhnerartigen Voͤgeln. Am beſten thut man aber, man trennt ſie als eine beſondere Ordnung, da ſie ſo ſehr viel Eigen⸗ thuͤmliches haben. Sie ſind alle inlaͤndiſch, und jung und alt zaͤhmbar. 172. Die Holztaube. (Wildes, Hohl-, Fels- und Blautaube ). Beſchreibung. Sie hat die Groͤße der gemeinen Feldtaube, und iſt 13 Zoll lang. Der an der Spitze gekruͤmmte Schnabel iſt weißlich, im Sommer blaßroth, um die aufgetriebenen Naſenloͤcher herum oran⸗ genfarben; der Augenſtern braun; die Fuͤße ſind blutroth. Der Kopf iſt bis zum Mittelhals aſchblau; Mittel- und Unterhals find praͤchtig taubenhalſig, die Bruſt iſt rothgrau, purpurroth gemiſcht und glaͤnzend; der uͤbrige Unterleib hellaſchgrau; der Oberruͤcken, die Deckfedern der Fluͤgel und die Schulterfedern ſind aſchgrau, letztere roͤthlich uͤberlaufen; der Mittelruͤcken und Steiß, ſo wie die großen Deckfedern der Fluͤgel hellaſchgrau; die Schwungfedern find ſchwaͤrzlich, einige hellaſchgrau geraͤndert; durch die ſchwaͤrz⸗ liche Spitze der mittlern Schwungfedern und die großen ſchwaͤrz⸗ ) Columbae. *) Columba Oenas. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 769. n. 1. Le Biset. Buffon des Ois. II. p. 498. Stock- Dove. Latham Syn. II. 2. p. 605. n. 1. Friſch Vögel. Taf. 139. Die Holztaube. 403 lichen Flecken auf der Mitte der aͤußern Fahnen der großen Deck⸗ federn der Fluͤgel entſtehen zwei große ſchwaͤrzliche Flecken auf den Fluͤgeln; der Schwanz iſt bis zur Haͤlfte ſchoͤn aſchgrau, wird aber von hieraus immer dunkler, ſo daß er an der Spitze ganz ſchwaͤrzlich iſt. Das Weibchen glaͤnzt auf dem Hals weniger gruͤn, und an der Bruſt weniger purpurfarben, und iſt uͤberhaupt ſcmukig aſchblauer, als das Maͤnnchen. Kennte man die wilde Haustaube (Columba A N fera) jetzt nicht genauer, ſo würde man dieſe für die Stammmut⸗ ter unſerer zahmen Haustauben und ihrer vielen Varietäten hal⸗ ten; denn ſie fliegt noch jetzt mit ihnen nach Hauſe, bleibt den ganzen Winter bei ihnen, paart ſich auch wohl an, pflanzt ſich in der Stube leicht mit ihnen fort, ſucht eben ſo, wie dieſe, Hoͤh⸗ len zu ihrem Neſte auf, fliegt beftändig aufs Feld, um zu ihrer Nahrung Getreide aufzuleſen, und hat mit der gemeinſten Haus⸗ taube, der ſogenannten Feldtaube oder dem Feldfluͤchter faſt einer⸗ / lei Farbe und Größe, 9, Aufenthalt. a. Im Freien. Diefe wilden Tauben wohnen in gebir⸗ gigen Feldern, die viele hohle Feldbaͤume, z. B. Apfel⸗ und Birn⸗ baͤume haben, in Feldhoͤlzern und Waͤldern, doch in Kettengebir⸗ gen mehr in den Vorhoͤlzern als in tiefen Waldungen, weil ſie hier vom Felde zu weit entfernt ſind. Sie ziehen ein vermiſchtes Holz dem bloßen Laub- oder Schwarzholz vor; es muͤſſen aber ſtets hohle Baͤume da ſein, in welchen ſie icht nur des Nachts ſchlafen, ſondern auch ihr Neſt machen. — bringen ſie auch in alten Schloͤſſern und Felsritzen ihre Jungen. Sie ſind ge⸗ ſellſchaftlich, ziehen im October herdenweiſe weg, und kommen Anfangs Maͤrz, oft auch bei gelindem ſchoͤnen Wetter ſchon gegen das Ende des Februar wieder bei uns an. b. Man hält fie in Walddoͤrfern oft in der Stube, und wenn man ſie jung bekommen kann, oder wenn man ihre Eier den Haustauben unterlegt, ſo kann man ſie auch in Taubenſchlaͤge gewoͤhnen; doch wollen ſie im Winter warm ſitzen. Nahrung. Ihre Nahrung beſteht in allerhand Getreide, Erbſen, Linſen, 26 * 1 N 404 Die Ringeltaube. Wicken, Lein u. dergl., in Tannen⸗, Kiefer- und Fichtenſamen, und auch hierin find fie den Haustauben ganz ähnlich, denn dieſe fliegen in waldigen Gegenden auch ins Holz und naͤhren ſich von dieſen Baumſaͤmereien. Hanf iſt ihre Lieblingskoſt. In der Stube werden ſie hoͤchſtens fuͤnf bis ſechs Jahre alt. Fortpflanzung. Sie niſten zweimal des Jahres. Die Eier ſind weiß. Man nimmt ſie gern weg und legt ſie den zahmen Tauben unter. Dieſe bruͤten ſie aus, fuͤttern die Jungen, und wenn man dieſe im Herbſt einfaͤngt, daß ſie nicht mit wegziehen, und in der N Stube im Fruͤhjahr an Haustauben paart, ſo bleiben ſie im Tau⸗ benhauſe und zeugen artige Baſtarde, welches ich ſelbſt geſehen und erfahren habe. Freilich kommt ſelten mehr als ein Vogel, wie bei allen Baſtarden, aus. | Fang. Dieſe Tauben, ſo wie folgenden beiden Arten, kann man am beſten bei Salzlecken, die fuͤr das Rothwildpret beſtimmt ſind, fangen, wenn man dieſe mit einem Schlaggarn ſo beſtellt, daß man es, wenn ſie darauf ſitzen, zuſammenſchlagen kann. Sie gehen, wie die Ringeltauben, am liebſten zwiſchen JI und 1 Uhr auf den Traͤnkherd, ſind aber dabei ſehr behutſam. Nach Sonnenuntergang kommen ſie auch zuweilen. Empfehlende Eigenſchaften. Nicht nur ihr gutes Anſehen, ſondern auch ihr artiges Be— tragen als Gatten, ihr angenehmes Ruckſen, wobei ſie auf einem Fleck ſtehen bleiben und den Kopf tief niederbuͤcken, empfehlen ſie als Stubenvoͤgel, und fie find daher in Walddoͤrfern nicht ſelten bei Liebhabern anzutreffen. Sie paaren ſich auch mit andern zah— men Tauben in der Stube und brüten Junge aus, wenn man ihnen dazu einen ſchicklichen Platz anweiſt. 173. Die Hingeltaube*). (Plochtaube, große Holztaube, große wilde Taube). Beſchreibung. Dieß iſt unter den wilden Tauben die groͤßte, denn ſie iſt ) Columba Palumbus. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 776. n. 10. Ramier. Die Ringeltaube. 405 17½ Zoll lang, und es vermuthen einige Naturforſcher, daß unſere großen Haustauben von ihr abſtammen moͤchten; doch laͤßt ſie ſich weder ſo leicht zaͤhmen als die vorhergehende, noch vers miſcht ſie ſich im Felde gern mit den Haustauben. Auch liebt ſie keine Hoͤhlen, wie jene, ſondern will frei wohnen und niſten. Der Schnabel iſt roͤthlichweiß; der Augenſtern weißgelb; die Füße find roͤthlich. Der Kopf und die Kehle find dunkelaſchgrau; der Vorderhals und die Bruſt purpuraſchgrau; der Seiten- und Hinterhals praͤchtig taubenhaͤlſig; an den Seiten des unterſten Theils des Halſes ſteht ein großer faſt halbmondfoͤrmiger weißer Fleck, der nicht voͤllig um den Hals geht; der Bauch, After und die Schenkel find hellweißgrau; die Seitenfedern find hellaſchgrauz der Oberruͤcken, die Schultern und kleinern Deckfedern der Fluͤgel aſchgraubraun; der Seitenruͤcken und Steiß hellaſchgrau; die Deckfedern der erſten Ordnung Schwungfedern ſchwarz; die vor⸗ dern großen Deckfedern der Fluͤgel mit einigen darunter ſtehenden kleinern ſchoͤn weiß, daher ein weißer Fleck vorn auf den Fluͤgeln; die uͤbrigen großen Deckfedern hellaſchgrau; die Schwanzfedern ſchwarzaſchgrau, gegen das Ende ins Schwaͤrzliche uͤbergehend. Aufenthalt. Dieſe Tauben bewohnen den gemaͤßigten Himmelsſtrich von Europa und Aſien, und ſind daher in den Waldungen Deutſchlands gemein. Sie wandern Anfangs October in kleinen Herden weg und kommen in der Mitte des Maͤrz und noch ſpaͤter, immer ei⸗ nige Wochen nach den vorherbeſchriebenen wilden Tauben, wie⸗ der. In der Ernte trifft man ſie in den Feldhoͤlzern, um den Getreide nahe zu ſein, an. Nahrung. Dieſe beſteht in allerhand Schwarzholzſamen, in allen Arten von Getreide und Huͤlſenfruͤchten und in Heidelbeeren. In der Stube muß man ſie Anfangs mit Weizen gewoͤhnen „alsdann freſſen ſie alles Getreide, nur keinen Hafer. Sie dauern in der Stube nur einige Jahre aus. Fortpflanzung. Sie bauen auf die Bäume ein ganz kunſtloſes Neſt von duͤr⸗ Buffon des Ois. II. 531. t. 24, Ring- Dove. Latham Syn. II. 2. p. 637 n. 40. Friſch Vögel. Taf. 138. : 406 Die Turteltaube. ren Reißern, das vom Sturmwind oft herunter geworfen wird. Das Weibchen macht zwei Bruten des Jahres und legt zwei große laͤngliche weiße Eier. Wenn man den zahmen Tauben die Eier unterlegt, ſo bruͤten ſie dieſelben aus, und wenn man die Jungen zur Zeit der Wanderung im Herbſt und im harten Win⸗ ter in der Stube behaͤlt, ſo fliegen ſie auch in Taubenſchlaͤgen aus und ein. Ich habe aber nie geſehen, daß ſie ſich gepaart hätten. In der Stube tritt der Ringeltauber zwar die Haustaͤu⸗ bin; allein ich habe keine Jüngen von ihnen bekommen konnen. Vielleicht gluͤckt es, wenn man mehrere Verſuche macht. Ihr Fang iſt wie bei den vorhergehenden Tauben. Alt gefangen lernen ſie ſchwer freſſen; die meiſten ſterben lieber vor Hunger, wenn man fie nicht, wie die jungen Tauben, ſtopft. Empfehlende Eigenſchaften. | Diefe Tauben ſehen ſehr ſchoͤn aus, und vorzüglich vergnuͤgt der Tauber durch ſein helltoͤnendes Ruckſen, wobei er gar poſſier⸗ liche Bewegungen macht, bald vorwaͤrts, bald ruͤckwaͤrts, bald zur Seite ſpringt und den Kopf nach allen Gegenden bewegt. Sie werden ſehr zahm. 174. Die Turteltaube“). Beſchreibung. Dieſe ſchoͤne Taube gleicht an Groͤße der Miſteldroſſel und iſt 10 bis 11 Zoll lang. Der duͤnne Schnabel iſt hellblau; der Augenſtern roͤthlichgelb, und ein kahler ſchmaler Ring um die Augen fleiſchroth; die Fuͤße purpurroth; die Stirn iſt weißlich; der Scheitel und ein Theil des Oberhalſes hellblau; von da wird dieſe Farbe bis zum Schwanze dunkler und ſchmutziger; an bei⸗ den Seiten des Halſes liegt ein ſchwarzer Fleck mit drei bis vier halbmondfoͤrmig gekruͤmmten weißen Querſtrichen, was dem Vo⸗ gel ein gar ſchoͤnes Anſehen giebt; Kehle, Bauch und After find weiß; Hals und Bruſt hellfleiſchroth violet glänzend; die oberſten kleinen Deckfedern ſind hellaſchgrau, die uͤbrigen ſchwaͤrzlich mit ) Columba Turtur. Gmelin Lin. Syst. I. 2. 786. n. 32. La Tour- terelle. Buffon des Ois. II. 545. t. 25. Common- Turtle. Latham Syn. II. 2. p. 644. n. 40. Friſch Vögel. Taf. 140. Weibchen. Naumanns Vö⸗ gel. I. 76. Taf. 16. F. 35. Männchen. ö Die Turteltaube. 407 breiter roſtrother Einfaſſung; die vordern Schwungfedern ſchwaͤrz— lich, die hintern aſchfarben mit roſenrothen Kanten (die rothbun⸗ ten Fluͤgel ſehen daher ungemein ſchoͤn aus); der Schwanz ſchwaͤrz⸗ lich, die mittlern Federn ße und die uͤbrigen mit weißen Spitzen. Das Weibchen iſt an = Bruft bläffer, und die Fluͤgel ſind, ſtatt roſenfarben, roſtfarben gefleckt; auch der ſchoͤne * fa iſt nicht ſo breit. | | Aufenthalt. | a. Im Freien. Das gemäßigte Europa und Aſien und auch verſchiedene Inſeln des Suͤdmeeres ſind das Vater⸗ land dieſer Voͤgel. Sie lieben die Waͤlder, wohnen in Ketten⸗ gebirgen in den Vorhoͤlzern, doch trifft man ſie auch in den Feld⸗ hoͤlzern und in waldigen Gegenden in Gärten an. Als die zaͤrt⸗ lichſten wilden Tauben kommen fie im Frühjahr nicht eher als zu Ende April oder Anfangs Mai von ihrer 5 zuruͤck und ziehen auch ſchon im September wieder weg. In dem Thuͤ⸗ ringer Walde trifft man ſie oft in Menge an, wenn es viel Fich⸗ tenſamen giebt“). Sie find fo wenig ſcheu, daß ſie ganz nahe bei ſich gehen laſſen. b. In der Stube laͤßt man ſie frei herum laufen, oder macht ihnen ein Gitter in der Ofengegend. Man kann ſie auch in den Taubenſchlag gewöhnen, wenn man die Jungen von zah⸗ men Tauben ausbruͤten laͤßt. Doch muß dieſer uͤber einer Stube oder einem ſonſt geheizten Orte ſein, damit ſie im Winter nicht vom Froſte leiden. Auch in Gaͤrten haͤlt man ſie in Vogelhaͤu— ſern und in mit Drath uͤberzogenen Plaͤtzen, wo ſie ſich nicht nur unter einander fortpflanzen, ſondern 12755 mit den Lachtauben ee bringen. BER Dez Nahrung. PR Fichtenſamen iſt ihr vorzuͤglichſtes Nahrungsmittel; doch fteſſen fie auch Wicken, Erbſen, Lein, Hirſen, Hanf, Ruͤbſamen, Rog⸗ gen, Weizen, Heidekorn, Gerſte und Heidelbeeren. In der Stube verachten ſie auch Brod und Semmeln nicht, und ſind uͤberhaupt ſehr leicht zu erhalten. ) Im Jahre 1788 waren ſie in unzähliger Menge da; ſeitdem habe ich ſie nicht wieder ſo häufig geſehen. E 1 Die Turteltaube. Fortpflanzung. a. Im Freien. Auf Fichtenbaͤumen ſteht das Neſt, das nur aus einigen zuſammengelegten duͤrren Reiſern beſteht, ſicher genug, aber in Buchhoͤlzern wird es oft auf Bäumen und Buͤ⸗ ſchen vom Winde herab geworfen. Das Weibchen legt zwei weiße Eier. b. In der Stube. Man ſetzt ihnen einen kleinen Stroh⸗ korb in eine Ecke des Zimmers oder in ein Gitter. Nicht nur die jung aufgezogenen, ſondern auch die jung gefangenen paaren ſich leicht und bringen Junge. Die Eier werden aber gewoͤhnlich „IFließeier, die keine harte Schaale haben. Leichter kann man mit Lachtauben Baſtarde ziehen; alsdann bekommen auch die Eier allezeit harte Schaalen. Artig ſieht es aus, wie der Taͤuber ruck⸗ ſet. Er giebt naͤmlich einen tief ſchnurrenden aber einſtimmigen Ton von ſich, ſenkt dazu den Kopf nieder und ſteht ſtill. Die jungen Turteltauben ſehen am Oberleibe grau aus, und ſind auf den Flügeln etwas ſchwarzblau gefleckt. Die Baſtardtau⸗ ben von der Zurtel- und Lachtaube haben bald mehr Zeichnung von dieſer bald von jener, doch gewoͤhnlich mehr von letzterer. Gewoͤhnlich find fie am Kopf, Hals und Bruſt roͤthlichgrau, auf dem Ruͤcken und den Deckfedern der Fluͤgel roͤthlichaſchgrau mit durchſchimmernden, ſchwachen, dunkeln Flecken, am Bauch, den hintern Schwungfedern und Schwanzſpitzen weiß; die großen Schwungfedern graubraun. Es ſind fruchtbare Zwitter, denn ſie pflanzen ſich leicht fort. Merkwürdig iſt, daß ſie ſtets (was ich auch bei andern Baſtarden gefunden habe) groͤßer werden und ein ganz eignes Geſchrei bekommen „ doppelſtimmig ruckſen und ſich dabei tief bucken, faſt wie die Lachtauben; doch lachen ſie nie, und das Ruckſen iſt auch nicht ſo melodiſch. | Der Fang | iſt wie bei den vorhergehenden wilden Tauben. Man braucht auch blos Schlingen an die Salzlecken zu legen, ſo faͤngt man ſie auch. a | Empfehlende Eigenſchaften. In Walddoͤrfern iſt die Turteltaube ein ſehr gewoͤhnlicher Stubenvogel, den man nicht nur ſeiner Zahmheit, Zaͤrtlichkeit und Schoͤnheit wegen haͤlt, ſondern von dem man auch glaubt, daß | Die Haustaube. : 409 | | er böfe Fluͤſſe an ſich ziehe. So viel iſt gewiß, daß er bei Krank. 1 heiten der Menſchen gern ſelbſt mit krank wird. Man kann ihn le acht Jahre in der Stube haben. Me 375. Die Haustaube. d (Gemeine und zahme Taube, Schlag-, Hof-, Feld⸗, Felſen⸗, 0 Loch- und Ufertaube*). g Beſchreibung. | 3 Die zahmen Tauben ſind eigentliche Hausvoͤgel, die man | in freien Schlägen und Taubenhaͤuſern hält. Ich koͤnnte fie da⸗ N | her übergehen; allein, da es doch viele Liebhaber giebt, die fie ö auch in der Stube bei ſich haben moͤgen, ſo will ich nur das | Hauptſaͤchlichſte aus ihrer Geſchichte hier anführen. Weitlaͤuftiger | muß man die Behandlung der Haustauben in meiner N. G. Deutſchlands III. S. 969 — 1076 und Landbecks Anleitung, =: die zahmen Tauben ſowohl mit Nutzen als Vergnuͤgen zu unter i halten und zu erziehen, nachleſen. 7 Die wilde Race oder die Stammmutter unſerer fo vielfarbi⸗ gen zahmen Haustauben iſt diejenige Taube, welche wir die | blaue Feldtaube, den Feldfluͤchter oder die wildblaue 9 Taube nennen. Man trifft ſie auf Bauerhoͤfen in offenen | Taubenhaͤuſern, auf Kirchen und Thuͤrmen und in den Mauer⸗ . Löchern alter Schlöffer an. In Italien, England, Rußland u. f. w. wohnen ſie wild in Felſenhoͤhlen an den Meeresufern in gro⸗ 1 ßer Menge. Sie ſind glattkoͤpfig, im Ganzen dunkelaſchfarben 1 oder bleifarben mit purpurrothem Schimmer an Hals und Bruſt; der Unterruͤcken weiß; uͤber die Fluͤgel laufen zwei ſich durchkreu⸗ zende ſchwarzblaue Baͤnder oder Schnuͤre; die Schwungfedern ſind ſchwarzblau; der Schwanz iſt aſchgrau, an der Spitze ſchwarzblau, 5 die aͤußerſte Feder aͤußerlich weiß geſaͤumt. 5 1 Von dieſer Race ſtammen nun alle unſere ſo ſchoͤn gefaͤrbten zahmen Haustauben ab, die der Liebhaber ſchaͤtzt, und auch wohl in der Stube in Kaͤfigen halt und da brüten laͤßt. Ich will die vorzuͤglichſten mit ein Paar Worten anfuͤhren. ) Columba domestica. Gmelin Lin. Syst. I. 2. Pp. 769. n. 2. Biset ou Pigeon de roche. Buffon des Ois. II. 498. Wlite- rumped Pigeon. Latham Syn. II. 2. 605. n. 2. ö — 410 Die Haustaube. ‚Schöne Haustauben find alfo: IJ) Die Mönde (NMoͤnchstauben). Der breit oder muſchlig gehaubte Scheitel iſt rein weiß, der uͤbrige Leib gelb, roth, blau oder ſchwarz. 2) Die Schildtauben. Das Gefieder iſt rein weiß, nur die Schulterfedern, Deckfedern der Flügel und die hintern Schwung⸗ federn ſind gelb, roth, blau, ſchwarz, ſilberfarben, lerchenſtopplig oder hammerſchlaͤgig. Mit oder ohne Haube. 3) Die Schwalbentauben. Sie ſind rein weiß, und ein runder Fleck auf dem Scheitel, ſo wie die ganzen Fluͤgel, mit Ausnahme der Schulterfedern, ſind gelb, roth, blau, ſchwarz, ſilberfarben, lerchenſtopplig oder hammerſchlaͤgig. Mit oder ohne Haube. | | 4) Die bindigen Moͤnche. Sie find ſchwarz mit weiß: gem Scheitel und weißen Binden oder Schnuͤren über die Fluͤ⸗ gel. 5) Die Weißkoͤpfe. Sie find dem Moͤnchen (Nr. 1.) gleich, nur haben ſie auch weiße Schwaͤnze. 6) Die Maskentauben. Weiß, nur eine Schnippe am Vorderkopf und der Schwanz ſind fuchsroth, auch wohl ſchwarz. 7) Die Staarenhaͤlfe. Sie ſind ſchwarzblau mit wei⸗ ßen Schnuͤren auf den Fluͤgeln und einer weißen ſchmalen Binde vor der Bruſt. | ‚ 8) Die Bruͤſter. Weiß mit einer großen Haube, und ſchwarz, braun oder gelb gezeichnetem Scheitel, Vorderhals und Bruſt. 9) Die Kropftauben. Wie Nr. 8. nur daß auch der Schwanz anders als weiß gefaͤrbt iſt. 10) Die Schleiertauben. Kopf, Hals und die vordern e ſind ſchwarz, > oder gelb, die übrige Farbe weiß. II) Die ſtaarenhaͤlſigen, bindigen Weißkoͤpfe ſind ſchwarz mit weißem Scheitel, Schwanz, Fluͤgelſchnuͤren und PN ſtreifen. Die ſchoͤnſte Haustaube. Außer dieſen trifft man auch noch andere Hoftauben bei dem Liebhaber an, von welchen aber mehrere Naturforſcher be⸗ Die Haustaube. 411 haupten, daß ſie nicht von der blauen Feldtaube abſtammten, ſon⸗ dern beſondere Arten in andern Welttheilen ausmachten. Dahin gehoͤren: N J) Die Frommelt en. Sie laſſen ein trommelartiges Ruckſen von ſich hören, haben eine Muſchelhaube, eine Stirnkuppe, und gewoͤhnlich ganz befiederte Fuͤße. Man trifft ſie von man⸗ cherlei Farbe, vorzuͤglich ſchwarz und Ba geſchaͤckt an. Sie hecken gut. 2) Die Purzeltauben oder Tuͤmmler. Sie haben einen kurzen Schnabel, einen kahlen rothen Augenkreiß, und ſind faſt ſo groß als die Feldtauben. Sie uͤberpurzeln ſich im Flug. 3) Die Moͤrchentauben. Sie ſind klein, mit kurzem Schnabel, und am Vorderhals mit einer Halskrauſe oder einem Buſenſtreif von langen Federn verſehen. Es ſind der Farbe nach gewoͤhnlich Schildtauben. 4) Die Pfauentauben oder Hahner ſchwäͤnze. Sie ſehen wie die Moͤrchentauben aus, haben aber einen er Schwanz wie die Hühner. 5) Die Perruͤcken⸗ oder Zopftauben. Mit hoher Stirn, kurzem Schnabel, und einer Haube, die bis auf die Bruſt, und an den Seiten des Halſes, wie eine Kapuze herab laͤuft. Die Farbe iſt wie bei den Schleiertauben (Nr. 10.) 6) Die Kropftauben. Sie ſind groß, mit hoher Stirn, kurzem Schnabel, und koͤnnen den Kurt ungeheuer aufblaſen. Man hat ſie von allen Farben. 7) Die tuͤrkiſchen Tauben. Sie ſind groß mit einer dicken hoͤckerigen Schnabelhaut, und eben ſolchen e Die Farbe iſt verſchieden. Aufenthalt und Wartung. Wenn der Taubenliebhaber dieſe Voͤgel in der Stube halten will, ſo muß er ein großes Gitter dazu machen laſſen, in welchen man einen Strohkorb zum Niſten ſetzt, und Stroh zum Neſtbau hineinlegt. Sie verlangen viel friſches Waſſer zum Baden und Saufen, Weizen, Gerſte, Wicken und Erbſen zum Futter, und Kießſand zum Ausſuchen von Steinchen, welche die Verdauung und das Wohlbefinden befoͤrdern. — — — “ 412 Die Lachtaube. Empfehlende Eigenſchaften. Ihre Reinlichkeit, Zaͤrtlichkeit, ihr Ruckſen ꝛc. empfiehlt ſie. Manche Liebhaber haben vorzuͤglich die Trommeltaube, wegen ihres Trommelns, in der Stube gern. 176. Die Lachtaube)). (Indiſche Turteltaube). Beſchreibung. Sie iſt etwas groͤßer als die Turteltaube, 1 Fuß lang. Der Schnabel iſt duͤnn, ſchwaͤrzlich, an der Wurzel roͤthlichweiß; der Augenſtern goldgelb; die Fuͤße ſind blutroth; der Oberleib iſt roͤthlichweiß; der Unterleib weiß; der hintere Theil des Halſes mit einem halbmondfoͤrmigen ſchwarzen Fleck bezeichnet, deſſen Spitzen nach vorn gekehrt find, und welcher abwärts weiß ein- gefaßt iſt; die Schaͤfte der vordern Schwungfedern und der Schwanz⸗ federn find ſchwaͤrzlich, unten ſieht der Schwanz halb ſchwaͤrzlich und halb weiß aus. | Das Weibchen iſt etwas kleiner und heller als das Maͤnn— chen. Aufenthalt. ; Indien und Sina iſt ihr eigentliches Vaterland; von da aus find fie in ganz Europa verbreitet worden. Beſonders hau: fig trifft man fie beim Landmann in der Stube an, welcher glaubt, daß ſie Fluͤſſe und Schmerzen an ſich ziehen. Man weißt ihnen gewoͤhnlich hinter dem Ofen oder unter einer Bank in einem Git⸗ ter ihren Wohnplatz an. Man kann ſie auch frei herum laufen laſſen, alsdann muͤſſen ihnen aber die Fluͤgel verſchnitten oder zwiſchen den Achſeln gebunden werden, damit ſie nicht, um ihre Flugkraft zu uͤben, in die Fenſter flattern und ſie zerbrechen. Unter den Ofen ſind ſie am liebſten, weil ſie gern warm ſitzen. Man hat auch den Verſuch gemacht und ſie in ordentliche Tau⸗ benhaͤuſer gewoͤhnt. Es iſt gelungen; nur muͤſſen ſie vor den Raubvoͤgeln ſicher ſein, und im Winter entweder warm wohnen, oder in ein geheiztes Zimmer bis zum kommenden Fruͤhjahr ge⸗ bracht werden. a ) Columba risoria. Gmelin Lin. Syst. L 2. p. 787. 33. Tourterelle a collier. Buffon des Ois. II. p. 550. t. 26. Collared Turtle. Latham Syn. II. 2. p. 648. n. 42. Friſch Vögel. Taf. 141. Die Lachtaube. 413 Nahrung. Sie freſſen gern Weizen, Hirſen, Lein, Mohn, Ruͤbſamen, Brod und Semmeln; doch Weizen am liebſten, daher denn dieß auch ihr gewoͤhnliches Futter wird. Der Landmann giebt ihnen den ſchlechten Weizen, den er ausfegt. | Fortpflanzung. | Man giebt ihnen in der Stube entweder ein weiches Stuͤck Pelz oder Tuch, oder beſſer einen kleinen von Stroh geflochtenen Korb, der wie ein Brodkorb geſtaltet iſt, hin. Auf und in dieſe Behaͤltniſſe tragen ſie einige Halmen und legen dann ihre zwei ſchoͤnen weißen Eier hinein. Sie bruͤten ſechszehn Tage, bringen aber ſelten mehr als ein Junges auf; denn entweder iſt ein Ei faul, oder ſie laſſen ein Junges Hungers ſterben. Daher iſt es ſchon etwas ſeltenes von einem Paͤrchen, des Jahrs ſechs Junge zu bekommen. Dieſe ſehen den Alten vollkommen gleich, und man ſieht es gleich an dem Daſein oder Mangel der roͤth⸗ lichen Farbe, was Männchen oder Weibchen ſind. | Krankheiten. Außer der Duͤrrſucht, die, wie fruͤher angegeben, behan⸗ delt wird, werden ſie faſt von allen anſteckenden Krankheiten be⸗ fallen, woran diejenigen Perſonen leiden, die mit ihnen in ein und derſelben Stube ſind. Sie bekommen daher die Blattern, wenn die Kinder die Blattern haben, geſchwollene Fuͤße, wenn Perſonen von dieſer Krankheit im Zimmer ſind, ꝛc. Sie theilen alſo jede Krankheit mit ihrem Hausherrn, nehmen ſie ihm aber nicht ab, wie der gemeine Mann ohne Grund glaubt. Die Jungen bekommen, wenn fie noch gefüttert werden, oft Kroͤpfe d. h. in dem Kropfe Geſchwuͤre mit einer uͤbelriechenden kaͤſigen Materie, woran fie faſt immer ſterben. Friſches Waſſer und ab: wechſelndes Futter, den Alten gegeben, verhuͤtet dieſe Krankheit. Das Lebensziel dieſer Vögel erſtreckt ſich wegen der vielen Krank heiten, denen ſie ausgeſetzt ſind, nicht hoͤher als acht Jahre. Empfehlende Eigenſchaften. Die Lachtauben find ſehr vertraͤgliche und reinliche Stuben— vögel. Beſonders machen ſie ſich durch ihre lachenden Toͤne Hi⸗ hihihihririh, die ſie von ſich geben, beliebt. Der Tauber liebt ſein Weibchen ſehr zaͤrtlich, ſitzt des Nachts immer dicht ne⸗ 414 Das gemeine Rebhuhn. ben demſelben und vergnuͤgt es mit ſeinem Gelaͤchter. Wenn er es zum Neſte haben will, ſo giebt er noch andere heulende Toͤne von ſich, dreht ſich aber nicht im Kreis herum, wie die Haustau- ber, ſondern thut einige Spruͤnge nach ſeiner Gattin, ſteht dann ſtill, ſenkt den Kopf gegen die Erde, blaͤßt den Kropf auf, ruft Kuckruuh! und giebt ihr dadurch feine Liebe zu erkennen. VIII. Hühnerartige Vögel. Sie heißen auch Haus voͤgel. Man erkennt fie an folgen: den Merkmalen: der Schnabel iſt erhaben, die obere Kinnlade gewoͤlbt, ſo daß der Rand derſelben uͤber die untere hervorſteht; die Naſenloͤcher ſind mit einer erhabenen knorpelartigen Haut bedeckt; der Schwanzfedern find mehr als zwölf, und die Füße ſind geſpalten, doch an dem erſten Gelenke mit einander verbun⸗ den. Sie naͤhren ſich meiſt von Pflanzenſamen, die ſie in ihrem Kropfe einweichen. Ich kenne nur ſechs Arten, die ſich zu Stu⸗ benvoͤgeln zaͤhmen laſſen. 5 177. Das gemeine Rebhuhn. a (Feldhuhn “). Beſchreibung. Ein bekannter Feldvogel, der 12½ Zoll lang iſt, viel Fleiſch und wenig Federn hat. Der kurze Schnabel iſt blaͤulich; die Fuͤße ſind braͤunlich fleiſchfarben; unter den rothbraunen Augen iſt ein hochrother warziger kahler Fleck; der Leib iſt aſchgrau, ſchwarz und gelbroth gemiſcht; die Stirn, ein Streifen, der ſich an der⸗ ſelben uͤber die Augen weg bis in den Nacken zieht, und die Kehle ſind ſchoͤn braunroth; der Vorderhals und die Bruſt ſind aſchgrau, fein ſchwarz liniirt; unter der Bruſt ſteht ein kaſtanienbrauner, wie ein Hufeiſen geſtalteter, Fleck, der dem Weibchen entweder fehlt, oder nicht ſo groß und deutlich iſt; die Schwungfedern ſind dunkelbraun mit roſtgelben Querbaͤndern und die Schwanzfedern braunroth. 5 ) Tetrao perdrix. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 757. n. 13. La Per- drix grise. Buffon des Ois. II. 125. t. 5. Common Partridge. Latham Syn. II. 2. p. 762. n. 8. Friſch Vögel. Taf. 114. ! Das gemeine Rebhuhn. 415 Aufenthalt. Sie leben überall in Europa im Felde und in den angraͤn⸗ denden Waldungen. Im Felde ſuchen fie zu ihrem nächtlichen Aufenthalte gern die Feldbuͤſche auf. Da in harten Wintern oft viele erfrieren, oder bei allzu tiefem Schnee vor Hunger ſterben, ſo faͤngt man ſie in ebenen Gegenden in ein Garn ein, thut ſie in eine Stube, die entweder ſehr hoch ſein, oder im andern Falle an den Feſtern und der Decke mit einem Garn oder Tuch uͤber⸗ zogen ſein muß, damit ſich die Voͤgel beim Aufſcheuchen die Koͤpfe nicht zer- oder einſtoßen, und fuͤttert fie mit Gerſte. Nahrung | In der Stube, wo fie frei herum laufen, fuͤttert man ſie ebenfalls mit Gerſte und Weizen, auch freſſen ſie Brod, Semmeln, das gewoͤhnliche Univerſalfutter, und Kohl, Kraut und Salat; denn fie wollen immer etwas Grünes haben, da fie ſich im Frei⸗ en den ganzen Winter hindurch blos mit Saat und Spitzgras naͤhren muͤſſen. Im Sommer aber freſſen ſie auch allerhand Klee und Saͤmereien. Sie baden ſich gern im feuchten Sande, den man ihnen auch in der Stube geben muß. = Fortpflanzung und Empfehlung. Wenn man Stubenvoͤgel der Art haben will, ſo thut man am beſten, Junge aufzuziehen; dieſe werden außerordentlich zahm, und vergnuͤgen durch ihren artigen Gang und Haltung. Sie be⸗ kommen, wenn ſie noch keinen Weizen freſſen, Ameiſeneier und gehackte Huͤhnereier mit etwas Salat vermiſcht, bis ſie ſich an härtere Koſt gewöhnen. Man kann fie. leicht erhalten, da ein Gehecke oft aus 21 Jungen beſteht, die ſogleich, wenn ſie aus der Schaale find, mit den Alten davon laufen, und -alfo den Schnittern, Schaͤfern, Jaͤgern ꝛc. aufſtoßen. Es wuͤrde nicht ſchwer ſein, ſolche aufgezogene Rebhuͤhner zu ordentlichen Haus⸗ voͤgeln zu machen, wenn man die Eier in einem ausgeſchraͤnkten freien Platze von Haushuͤhnern ausbruͤten ließe, den erwachſenen Jungen die Fluͤgel beſchnitte, ſie im Sommer in einen mit einer Mauer verſehenen Garten ſetzte, und ſie daſelbſt gut fütterte, Wenn auch der Verſuch im erſten Sommer nicht ganz geriethe, ſo wuͤrden ſie ſich doch durch dieſe Halbzaͤhmung nach und nach 416 Die Wachtel. an das Futter und an die Menſchen gewoͤhnen, und zuletzt auch in Haͤuſern bruͤten. 178. Die Wachtel. (Schlagwachtel, Qvakel“). Beſchreibung. Dieß iſt einer der bekannteſten Stubenvoͤgel, der etwas uͤber 7 Zoll lang wird. Der Schnabel iſt kurz, im Sommer horn⸗ ſchwaͤrzlich, im Winter mehr aſchgrau, uͤbrigens wie beim Reb—⸗ huhn, oder wie ein Huͤhnerſchnabel; der Augenſtern olivenbraun; die Füße find hellfleiſchfarben oder fleiſchfarbenweiß. Der Ober⸗ leib iſt ſchwarzbraun und roſtfarben gefleckt, mit einzelnen weißen Strichelchen; die ſchwarzbraune Kehle iſt mit zwei kaſtanienbrau⸗ nen Baͤndern umgeben; Unterhals und Bruſt blasroſtfarben, mit verlaufenen Laͤngsſtrichen; der Bauch iſt ſchmutzig weiß, die Schenkel find roͤthlichgrau; die Schwungfedern dunkelgrau, mit vielen ſchmalen roſtfarbenen Querbaͤndern; der kurze, kaum her⸗ vorſtehende Schwanz dunkelbraun, mit roſtfarbenweißen Quer⸗ ſtreifen. Das Weibchen unterſcheidet ſich dadurch merklich, daß die Kehle, ſtatt ſchwarzbraun, weiß, und die hellere Bruſt, wie bei einer Droſſel, ſchwarzgefleckt iſt. Aufenthalt. a. Im Freien. Dieſe Voͤgel ſind uͤberall in der alten Welt verbreitet. Sie find, gegen die Gewohnheit der Hausvoͤ⸗ gel, Zugvoͤgel, die im Mai in Deutſchland ankommen und zu Ende des September wieder wegziehen. Ihre Wohnplaͤtze ſind die Getreidefelder, vorzuͤglich die Winterſaaten, und unter dieſen ſuchen ſie wieder die Weizenfelder aus. b. In der Stube laͤßt man ſie entweder frei herum laufen, wo fie durch ihren ſanften Gang, durch ihre Reinlichkeit und Ar: tigkeit viel Vergnügen machen, oder man ſteckt fie in einen Käfig, welcher Wachtelkaſten heißt. Man macht naͤmlich ein 2 Fuß lan⸗ ges, 1 Fuß breites und 14 Zoll hohes Behaͤltniß, dem man die ) Tetrao Coturnix. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 765. n. 20. La Caille. Buffon des Ois. II. p 449. t. 16. Common Quail. Latham Syn. II. 2. P. 779. n. 24. Friſch Vögel. Taf, 117. 5 Die Wachtel. 417 Geſtalt eines Hauſes geben kann. In daſſelbe werden nur eine bis drei Oeffnungen gemacht, die eine, um das Trinkgeſchirr da⸗ ran zu haͤngen, und die andern zur Hellmachung; uͤbrigens iſt alles dunkel, der Boden, den man aus- und einſchieben kann, mit Sand bedeckt, auf der einen Seite mit einer Freßkrippe ver⸗ ſehen, und die Dede mit grünem Tuch bedeckt, weil die Wach⸗ tel, die immer in die Höhe ſpringt, ſich an einem hölzernen Dek⸗ kel den Kopf zerſtoßen moͤchte. Dieſes Vogelhaus haͤngt man den Sommer uͤber an das Fenſter, wo dann die Wachteln beſſer ſchlagen, als wenn man fie in der Stube frei herum laufen laͤßt, wo ſie mehr Veraͤnderung haben, und ſich alſo nicht blos mit ihrem Geſang unterhalten koͤnnen. I Wenn man die Wachtel ohne Weibchen unter andern Voͤ⸗ geln frei in der Stube herum laufen laͤßt, ſo wird es oft noth⸗ wendig, daß man ſie zur Zeit der Paarung im Juni einſtecken muß; denn ſie verfolgt zuweilen vor großer Hitze andere Voͤgel, beſonders graue, z. B. Lerchen, will ſie zur Paarung zwingen, und reißt ihnen die Federn ſo ſehr aus, daß ſie faſt kahl werden. Nahrung— Im Freien naͤhren fie ſich von allerhand Samen und Ge: treide, Weizen, Hirſen, Ruͤbſamen, Hanf, Mohn und freſſen auch gruͤne Pflanzen, und allerhand Inſekten, beſonders Ameiſen⸗ eier. Im Zimmer kann man ſie mit Weizen, Hirſen, Hanf, Mohn, Brod- und Semmelkrumen, auch mit Gerſtenſchrot in Milch geweicht oder dem gewoͤhnlichen Stubenfutter, und zuwei⸗ len mit etwas zerhacktem Salat und Kohl ſehr gut und lange erhalten. Nur iſt ihnen Waſſerſand theils zum Baden, theils um Koͤrnchen zur Verdauung aufzuſuchen, nothwendig. Sonder⸗ bar iſt es, daß ſie ſich nicht gern im trocknen Sande baden, ſon⸗ dern ihn etwas angefeuchtet haben wollen. Sie trinken ſehr gern Waſſer, aber nicht, wie einige ſagen, truͤbes. Zur Zeit der Mauſer, die des Jahrs zweimal, im Herbſt und Fruͤhjahr ge⸗ ſchieht, muͤſſen ſie beſonders gut gehalten werden, und duͤrfen nicht ohne Waſſerſand ſein. Fortpflanzung. TE Das Weibchen legt ſpaͤt im Jahre, oft im Juli erſt feine zehn bis vierzehn blaͤulichweiße, mit großen braunen Flecken be⸗ Naturgeſch. d. Stubenvögel. 27 418 Die Wachtel. ſetzte Eier auf die bloße Erde in ein Loch, das es ſich aufſcharrt und mit etlichen Halmen umlegt. Sie werden drei Wochen be⸗ brütet, alsdann laufen die wolligen Jungen mit der Mutter da⸗ von, und werden ſo bald fluͤgge, daß ſie bei der Herbſtwanderung ihr volles Gefieder haben. Die Maͤnnchen ſind außerordentlich hitzig, und wenn man in einem Zimmer ploͤtzlich eins zu einem Weibchen bringt, fo iſt es fo erpicht auf die Paarung, daß, wenn es nicht gleich ſeinen Willen thut, es ihm alle Federn ausrupft. Doch ſind ſie nicht ſo grauſam, wenn man ein Paͤrchen das ganze Jahr hindurch in einem Zimmer hat. Ich kenne einen Vogel⸗ Liebhaber, der alle Jahr eine Menge junge Wachteln in der Stube zieht. Er hat 2 Weibchen. Zu dieſen geſellt er im Fruͤh⸗ jahr ein Maͤnnchen. Hat ſich dieß mit beiden gepaart, und ſie fangen an zu legen, ſo thut er das Maͤnnchen wieder in ſeinen I Käfig. Jene brüten ihre Eier aus, führen die Jungen, und ſolche Junge werden, wenn fie eine gute Vorſaͤngerin haben, ſehr gute Schlagwachteln, ſie ſchlagen 10 — 16 mal. Wenn man im Freien Junge fängt, die man mit gehackten Huͤhnereiern, Hirſen und Weizen auffüttert, fo nimmt fie gleich ein Stubenweibchen unter ihre Fluͤgel und pflegt fie. Ueberhaupt iſt es gut, wenn man die ganze Brut ſammt der Mutter fangen kann, welches mit einem Garn geſchieht, wo ſich alsdann jene deſto beſſer von dieſer aufziehen laſſen. Die jungen Maͤnnchen ſind vor der Mauſer faſt gar nicht von dem Weibchen unterſchieden, daher man nicht glauben muß, man haͤtte lauter Weibchen, wenn ſie noch keine braune Kehle haben. l Fang. Man hat verſchiedene Arten, die Wachteln zu fangen; ich erwaͤhne aber hier, ſo wie bei allen Stubenvoͤgeln, nur der leich⸗ teſten und gewoͤhnlichſten. Die Wachtelmaͤnnchen werden gewoͤhn⸗ lich im Steckgarne vermittelſt einer Lockpfeife, welche die Stimme des Weibchens Puͤpuͤ, Puͤpuͤ, womit ſie das Maͤnnchen zur Paarung ruft, nachahmt, gefangen. Dieß iſt die Methode, wo⸗ mit die Vogelſteller im Fruͤhjahr ſich diejenigen Maͤnnchen, die einen guten Schlag haben, das heißt die vielmal, z. B. die ſie⸗ ben bis zwoͤlfmal nach einander Pickwerwick rufen, im Felde aufſuchen und fangen. Sind ſolche Voͤgel nicht ſchon beim Netze geweſen, und von einem ungeſchickten Vogelſteller ſcheu gemacht Die Wachtel. | 419 worden, fo laufen fie blind zu und fangen ſich. Die Hauptſache hierbei iſt eine gute Wachtelpfeife. Sie werden gewoͤhnlich aus Corduan oder anderm Leder und einer beinernen Roͤhre von Katzen⸗ Hafens oder Storchbeinen verfertigt, und ſind uͤberall um einen wohlfeilen Preis zu haben. | Der Fang ſelbſt geſchieht nun auf folgende Art. Wenn man ein Wachtelmaͤnnchen ſchlagen hoͤrt, und daſſelbe fangen will, ſo ſchleicht man auf funfzig Schritte nahe hinzu, und ſteckt das Garn ins Getreide hin, welches aber auf dem Boden wohl auf⸗ liegen muß; denn ſonſt kriechen ſie leicht unten durch. Alsdann ſetzt man ſich etliche Schritte hinter das Garn. Schlaͤgt nun die Wachtel, ſo ſtoͤßt man auch mit der Pfeife zwei bis dreimal. Man muß ſich aber darnach richten, daß, wenn die Wachtel auf. hoͤrt zu ſchlagen, man mit der Pfeife nur noch ein⸗oder zweimal hinter drein ſtoͤßt, wie es das Weibchen thut. Auch muß man behutſam damit umgehen, daß nicht allzu viel Gelocke, oder un⸗ gleiche und falſche Stöße mit der Pfeife gemacht werden. Denn ſo⸗ bald das Männchen Betrug merkt, enzfernt es ſich von der Pfeife, oder hoͤrt wohl gar auf zu ſchlagen, und laͤßt ſich in dem Jahre mit dergleichen Pfeife ſo leicht nicht fangen. Es iſt noch zu bemerken, daß die Wachtel ganz genau und gerade auf den Fleck zuläuft, wo die Pfeife iſt, und ſie ſo zu finden weiß, daß, wenn ſie etwa un⸗ ter dem Garne wegſchleicht, ſie ſo nahe an die Pfeife kommt, daß man ſie mit der Hand greifen kann. Merkt man nun, daß ſie unter oder neben dem Garne weg iſt, ſo ſchleicht man mit der Pfeife zuruͤck, und um das Garn auf die andere Seite, und antwortet ihr wieder mit der Pfeife, ſo kann man ſie doch noch betruͤgen. Ei⸗ nige Wachteln laufen auch wohl um das Garn herum, beſonders wo es zu hell und frei ſteht. Es iſt alſo am beſten, daß man an beiden Enden Winkel mit dem Garne mache, denn da ver⸗ wirrt ſie ſich im Herumlaufen ſehr leicht. Da die Wachtel bei naſſem Wetter nicht laͤuft, ſondern, ſobald ſie den Ruf hoͤrt, gerade geflogen kommt, was ſie auch Morgens und Abends bei dem Thaue thut, fo muß man alfo diefen Fang bei trocknem Wetter anſtellen. Man fängt öfters, wenn gerade die Paarungszeit iſt, zwei, drei bis vier Wachteln auf einem Platze. N Falls ſich kein Maͤnnchen auf dem Felde hoͤren laͤßt, nimmt 2 420 Die Wachtel. man einen Wecker oder Aufwecker, oder eine Pfelfe, welche noch einmal fo weit iſt, als die! gewohnliche, und ſchlaͤgt mit dieſem, wie das Weibchen; ſobald dieß die in der Naͤhe be⸗ findlichen Wachteln hoͤren, antworten ſie; alsdann geht man hin⸗ zu, verſticht dieſelben mit dem Steckgarne, und lockt ſie durch das Schlagen der Pfeife, die den Ton des Weibchens hat, ins Garn. Will man auch Weibchen haben, ſo geſchieht dieß am beſten mit dem Steckgarne, womit man im Herbſt viele Wachteln faͤngt. Dieſer Fang wird alsdann angeſtellt, wenn die Feldfruͤchte meiſt eingeerntet ſind, und nur noch einzelne Stuͤcke auf dem Felde ſtehen, in welche die Wachteln in Menge fluͤchten. Zu die⸗ fem Fange muß man von den Steckgarnen ſechs bis acht Stüd haben. Dieſe ſteckt man mitten durch das ſtehende Getreidefeld quer durch, und am Ende des Feldes noch einmal quer durch. Alsdann faͤngt man an einem Ende an, auf folgende Art zu trei⸗ ben. Man nimmt eine lange Leine, die uͤber den ganzen Acker quer heruͤber reicht; an dieſe werden Schellen mit duͤnnen Bind⸗ faden gehaͤngt; alsdann faſſen zwei Perſonen die Enden der Leine, und ziehen ſie ſo uͤber das Feld her, daß die Schellen meiſt zu Boden im Getreide herunter haͤngen, ruͤtteln fie auch oͤfters, da— mit die Wachteln ſich bequemen, nach dem Garne zu laufen, und da ſie glauben, dem Klange der Schellen zu entgehen, kom⸗ men ſie daruͤber ins Garn und bleiben kleben. Iſt man an das erſte Garn angelangt, ſo loͤſt man die gefangenen Wachteln aus, und treibt alsdann weiter mit den Schellen auch nach den letzten Garnen zu. Es erfordert dieß keine beſondere Muͤhe, und man bekommt dadurch Maͤnnchen und Weibchen nicht blos zum Ver⸗ gnuͤgen, ſondern auch fuͤr die Kuͤche, da man in einem Tage oft ein Schock junge und alte Wachteln, die recht fett ſind, fan⸗ gen kann. Wenn im Auguſt und e September die " geinterfelber leer find, fo kann man die Jungen, welche man aufſtoͤbert, fehr leicht fangen; denn man darf nur die Stelle bemerken, wo eine niederfaͤllt. Hier wird fie ſich fo feſt angedruͤckt haben, daß man ſie mit der Hand aufnehmen kann. Gewoͤhnlich ſieht man dann ſchon, wenn ſie nicht gar zu klein ſind, an der gemauſerten Kehle und Bruſt, was Maͤnnchen ſind; allein wenn auch dieß nicht iſt, Die Wachtel. 421 ſo hoͤrt man in der Stube bald, daß die den Hals in die Hoͤhe richtenden jungen Männchen hoch und laut Wiwi, wiwil! rufen, und ſich im Schlagen uͤben. Sie ſind auch gewoͤhnlich ſchon zu Ende September ausgemauſert. Empfehlende Eigenſchaften. Außer daß die Wachteln reinliche und muntere Vögel von Anſehen find, da fie mit aufgerichtetem Halſe und auf den Zehen unter beſtaͤndigem Nicken gravitaͤtiſch durch das Zimmer gehen, fo hält fie der Liebhaber doch vorzüglich des Geſangs wegen, den man den Wachtelſchlag nennt, und der etwas ganz ſonderbares hat. Zur Zeit der Paarung rufen die Maͤnnchen erſt leiſe ein⸗ oder etlichemal Waͤrra, Waͤrra, und dann laut Pickwerwick, Pickwerwick! Die letztern Toͤne ſtoßen ſie mit geſtrecktem Halſe, geſchloſſenen Augen und Kopfnicken heraus, wiederholen ſie etli⸗ chemal hinter einander, und diejenigen Wachtelmaͤnnchen werden am meiſten geſchaͤtzt, welche die n Pickwerwick zehn⸗ bis zwoͤlfmal nach einander wiederholen. Je weniger ein Vogel Waͤr⸗ ra ruft, deſto oͤfterer ſchlaͤgt er Pickwerwick. Manche rufen es gar nicht vorher. Ich beſitze ein Maͤnnchen, das gewoͤhnlich 15 bis 18 mal ſchlaͤgt, auch ſchon einmal dreißigmal, und mehrmals zwei und zwanzigmal geſchlagen hat. Eine wahre Seltenheit! Da ſie gewoͤhnlich zur Erntezeit fo ſchlagen, fo ſprechen die Baus ersleute, ſie ſaͤngen: Buͤck den Ruͤckl und ſuchten ſich dadurch zum Fleiß aufzumuntern. Ein alter Rektor erklaͤrte dieſe Toͤne anders, und ſagte zu ſeinen Schuͤlern, um ſie zum Fleiß aufzu⸗ muntern, fie ſaͤngen: Dic cur hic? (Sag', warum du hier biſt?) Daher heißen fie auch in manchen Gegenden noch immer Diccurhie⸗ voͤgel. Das Weibchen giebt nur die Toͤne Waͤrra Waͤrra und Puͤppuͤ, Puͤpuͤ von ſich. Durch letztere ſuchen ſich beide Gat⸗ ten einander zuzurufen. Ferner laſſen ſie, wenn ſie unzufrieden oder in Furcht ſind, die Toͤne Gillah, und wenn es ihnen be⸗ haglich iſt, ein Schnurren, wie die Katzen, hoͤren. Wenn die Wachteln recht fleißig ſchlagen ſollen, ſo ſteckt man ſie in den oben beſchriebenen Käfig. Hierin ſchlagen ſie auch mehr am Tage, da ſie ſonſt im Zimmer, wo es immer hell iſt, faſt immer nur des Nachts ſich hören laſſen. — Jung aufgezogene Vogel fangen ſchon nach Weihnachten an, zu ſchlagen und halten bis Das Stein huhn. im September an; alt gefangene aber beginnen Anfangs Mai und endigen zu Ende des Auguſt. 179. Das Steinhuhn. Rothes oder Griechiſches Rebhuhn “). (Taf. VI. Fig. 6 und 7.) Beſchreibung. Es iſt groͤßer als ein Rebhuhn, 13 Zoll lang. Schnabel und Fuͤße ſind roth; Oberkopf, Hals, Bruſt und der ganze Ober⸗ leib ſind aſchgrau; auf dem Ruͤcken und an der Bruſt gelbroth uͤberlaufen; Wangen, Kehle und Vorderhals ſind weiß, rings herum mit einer ſchwarzen Binde eingefaßt, welche bei den Na⸗ ſenloͤchern entſpringt, zwiſchen den Augen durchläuft und die Gur⸗ gel und Kehle einfaßt; Bauch und After ſind gelblich, die Sei⸗ ten aber ſchoͤn mit orangenfarbenen und ſchwarzen halben Mon⸗ den ſchuppenfoͤrmig gefleckt; die Schwungfedern ſind braun, die vordern nicht weit von der Spitze gelbroth gefleckt, und die kuͤr⸗ zern mit Grau uͤberlaufen; der aſchgraue Schwanz hat 14 Federn, wovon die fuͤnf aͤußern eine gelbrothe Endhaͤlfte haben. Die Fuͤße haben einen ſtumpfen Sporn. Man darf dieſen Vogel nicht mit dem Rothhuhn (Tetrao rufus. Lin. I. c. 6. und Perdix rouge. Buffon 1. c. p. 431) ver⸗ wechſeln. Denn dieß iſt kleiner; der Vorderkopf graubraun; der Hinterkopf rothbraun, mit zwei ſchiefen ſchwarzen Flecken auf je⸗ der Feder; der Oberhals rothbraun; der Ruͤcken, die Flügel und der Steiß aſchgraubraun; erſterer etwas dunkler, faſt graubraun mit dunkeln, einzelnen Strichen; hinter den Augen iſt ein ſcharlach⸗ rother warziger Augenfleck; die Augenlieder ſind ebenfalls roth; die Wangen, Kehle und der ganze Vorderhals weiß; dieſe weiße Farbe wird von einer ſchwarzen Binde eingeſchloſſen, welche beim Anfange des Schnabels entſpringt, alsdann auf beiden Seiten uͤber den Augen weg, durch die Ohren durch, an den Seiten des Halſes hin bis zum Anfange der Bruſt läuft, hier breiter, weiß gefleckt wird und zuſammen fließt; die Bruſt iſt blaß aſchgrau; der Bauch, die Seiten, Schenkel und After gelbroth; die Seiten *) Perdix saxatilis mihi. Tetrao rufus. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 756. n. 2. Perdix graeca. Briss on Av. I. p- 241. La Bortavelle. Buffon des Ois. II. p. 240. Greck Partridge, Latham Syn. II. 2. p. 787. n. 12. Friſch Vögel. Taf. 116. 2 Das Steinhuhn.“ 423 mit weißen, ſchwarzen und orangenrothen mondfoͤrmigen Streifen geziert; die Schwungfedern graubraun, die aͤußern Fahnen nach der Spitze zu gelblich eingefaßt, die hintern gruͤn gefleckt; von 1 den ſechszehn Federn des Schwanzes ſind die naͤchſten fuͤnf auf | jeder Seite von eben der Farbe, aber mit gelbrothen Außenſeiten, die fuͤnf aͤußern gelbroth auf beiden Seiten. Dieſer Vogel wohnt in Frankreich und Italien, und iſt von dem obigen weſentlich verſchieden, aber in der Farbe einigermaßen ähnlich. I | Merkwürdigkeiten. Das Steinhuhn bewohnt die Schweiz und Griechen— land. Im ſuͤdlichen Deutſchland, in Oeſterreich und Boͤhmen i findet man es nur einzeln. Es liebt mehr die ſteinigen gebirgi⸗ 1 gen Gegenden, als die Ebenen. Das Männchen ſchreit zur Zeit 1 der Paarung ſehr und zwar die Sylben Chacibis! Ihre Nah— | rung beſteht in Koͤrnern, allerhand Saͤmereien, Kräutern, 2 M Inſekten und beſonders Ameiſeneiern. Jung und alt laſſen ſie! e ſich nicht ſo leicht zaͤhmen, wie die Wachteln, doch 0 man, daß ſie in Vogelhaͤuſern bald zahm wuͤrden und ſich auch in denſelben, wie die Rebhuͤhner, fortpflanzten. Auf der Inſel I Scio ſollen fie ſo zahm werden, daß man ſie aufs Feld und £ | wieder zurüd treibt, und fie ſollen ihrem Fuͤhrer auf den Pfiff 1 folgen. Ihr ſchoͤnes Anſehen, ihre Munterkeit und ihre lebhaften . und ſchoͤnen Bewegungen machen fie zu angenehmen Stubenvoͤ⸗ | geln. | B. Waſſervoͤgel. IX. Sumpfvögel). a | Diefe Vögel haben Schenkel, welche ſtets an dem untern 9 Theile über den Knieen mehr oder weniger unbefiedert ſind. Man | nennt fie auch Stelzenlaͤufer, weil fie wegen der hohen Beine g ) Grallae. Der weiße Storch. gleichſam auf Stelzen zu gehen ſcheinen. Wir fuͤhren hier von denjenigen einheimiſchen Voͤgeln, die man weder zum Hausgefluͤ⸗ gel noch zu eigentlichen Menagerievoͤgeln rechnen kann, nur fol⸗ gende zehn Arten an. 8 Sie laſſen ſich alt, noch beſſer aber jung zaͤhmen. 180. Der weiße Storch). Beſchreibung. Dieſer bekannte Vogel, der, weil er auf die Dächer der Höfe, Kirchen und Thuͤrme baut, faſt als ein halbes Hausthier zu bes trachten iſt, wird 3½ Fuß lang. Sein großer ſtarker Schnabel und die Fuͤße ſind blut⸗ oder ſiegellackroth; die kahlen Augen⸗ kreiße und die Schwungfedern ſind ſchwarz, das uͤbrige Gefieder iſt ſchoͤn weiß. Merkwürdigkeiten. Es ift ein Zugvogel, der uns zu Ende des September verlaͤßt, und Anfangs April wieder kommt. Seine Nahrung beſteht aus Amphibien, Feldmaͤuſen, Maulwuͤrfen, ja ſogar Wieſeln, denen er vor ihren Loͤchern aufpaßt, aus Inſekten, be⸗ ſonders Bienen, deren er ganze Haͤnde voll von den Blumen auflieſt, auch aus kleinen Fiſchen. Sein Neſt beſteht aus einem großen Haufen in einander geflochtener duͤrrer Reißer. Es wird alle Jahre von ihnen ausgebeſſert und von neuem bezogen, und man will Neſter gekannt haben, die über hundert Jahre lang alle Jahre beſucht wurden und an den Seiten etliche hundert Sperlings⸗ und Schwalbenneſter enthielten. Maͤnnchen und Weibchen halten lebenslang treu beiſammen und ſind daher von jeher fuͤr Muſter der ehelichen Treue ausgegeben worden. Wenn man die Jun⸗ gen, die bald fluͤgge find, aus dem Nefte nimmt, und ſie mit Froͤſchen und Fleiſch auffuͤttert, ſo werden ſie ſo zahm, daß ſie ſtundenweit wegfliegen und wieder kommen. Sie fangen alsdann auch Maͤuſe und Maulwuͤrfe in den Gaͤrten. Zur Sicherheit ſchneidet man ihnen zur Zeit, wenn die Störche ziehen, die Fluͤ⸗ gel ab, und im Winter thut man ſie in ein vor der Kaͤlte ge⸗ *) Ciconia alba. Ardea Ciconia. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 622. n. 7. Cicogne planche. Buffon des Ois. VII. p. 253. t. 12. White Stork. Latham Syn. III. I. p. 47. n. 9. Friſch Vögel. Taf. 1965. EINE: * 2 —. 2 ˙—— S a 3 N Der ſchwarze Storch. — Die Waldſchnepfe. 42⁵ 0 ſchuͤtztes Behaͤltniß, daß ſie die Füße nicht erfrieren. Sie wer⸗ | | ® den fo zahm, daß fie zur Zeit, wenn gegeſſen wird, in die Stube | „ kommen und vom Tiſche ſich mit Fleiſch fuͤttern laſſen. Sie freſ⸗ 1 ſen alles, was von geſchlachteten Thieren in der Kuͤche abgeht. Zaͤrtlichkeit, Furcht und Zorn druͤcken fie durch ein ſtarkes Klap⸗ > pern mit dem Schnabel aus. Schön ſieht es aus, wenn ein zah⸗ 9 mer Storch ſeine Schwenkungen in hoher Luft um das Haus herum macht, und ſich nach und nach in Schneckenlinien ſanft N auf den Boden nieder laͤßt. | | 181. Der ſchwarze Storch“). I | Beſchreibung. I 4 Er iſt faſt fo groß, wie der weiße, mit ſchwaͤchern Glied⸗ maßen, ſonſt im Koͤrperbau ihm aͤhnlich. Er iſt ſchwaͤrzlich mit f verſchiedenem Glanze, an Bruſt und Bauch weiß. Er bewohnt die Waͤlder, wo Seen und Moraͤſte in der Nähe find, und baut „ auf die Baͤume. Seine Lebensart iſt wenig von der des weißen 4 Storchs verſchieden, und wenn man ihn wie jenen auf dem 1. Hofe halten will, ſo muß man ihn auch, ehe er ausfliegt, aus 1 dem Neſte nehmen, eben fo aufziehen und naͤhren. Man findet N oft fünf Junge im Neſt. 1 0 f I 1 182, Die Waldſchnepfe“). 1 1 (Holzſchnepfe) 4 Beſchreibung. Sie iſt an Groͤße einem Rebhuhne gleich, und überall in ö Europa, wo Waldungen ſind, bekannt. Der Schnabel iſt gerade, 1 an der Wurzel roͤthlich; die Stirn roͤthlich aſchgrau; über den | | . | | | Hinterkopf laufen einige ſchwarzbraune Querbinden; der Obertheil des Körpers und die Fluͤgel find roſtfarbig, ſchwarz und grau 1 geſtreift, Bruſt und Bauch ſchmutzigweiß mit dunkelbraunen |’ Linien. Er | Merkwürdigkeiten, Man findet ihr Neſt in den Waldungen auf der Erde mit * ) Ciconia nigra. Ardea nigra. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 623. n. u. 8. Cicogne noire. Buffon des Ois. VII. 271. Black Stork. La th a m 1 Syn. III. I. p. 50. n 11. Friſch Vögel. Taf. 197. 8 * Scolopax Rüsticola. Gmelin Lin. Syst. I. I. p. 660. n. 6. Becasse, 426 | Die Heerſchnepfe. drei bis vier ſchmutzig blaßgelben Eiern. Des Abends und Nachts gehen ſie heraus auf die Wieſen, Suͤmpfe und Aecker, und ſuchen Regenwuͤrmer, Erdſchnecken und Erdmaden zu ihrer Nahrung auf. Im October ziehen fie in waͤrmere Laͤnder; dieß nennt man ihre Strichzeit, alsdann werden ſie, da ſie immer den naͤm⸗ lichen Weg fliegen, und aus dem Gebuͤſche auf die Wieſen und ans Waſſer laufen, geſchoſſen und mit Netzen und Schlingen ge⸗ fangen. Sie fliegen ungeſchickt, und uͤberwerfen ſich aus Ueber⸗ eilung oft in der Luft. Ihr Fleiſch iſt von uͤberaus angenehmen Geſchmack, zart, leicht zu verdauen und geſund, und ſie werden daher unter das beſte wilde Gefluͤgel gerechnet. Man ißt ſie gewoͤhnlich ſammt den Eingeweiden. Wenn man ihnen Inſekten z. B. Ameiſeneier giebt, ſo laſ⸗ ſen ſie ſich leicht an ein Univerſalfutter gewoͤhnen. 183. Die Heerſchnepfe'). (Becaſſine, Himmelsziege, Kettſchnepfe). Sie hat ohngefaͤhr die Groͤße einer Wachtel, bewohnt das noͤrdliche Europa, Aſien und Amerika, und bezieht im Herbſt ſuͤdlichere Gegenden. Der Schnabel iſt mit Erhabenheiten beſetzt, vorn ſchwarz, und die Fuͤße ſind braun. Der Kopf iſt der Laͤnge nach durch zwei roͤthlichbraune Linien getheilt; der Ruͤcken dunkelbraun mit Querſtreifen; die Kehle weiß; der Hals braun und dunkelziegelroth geſprenkelt; der Bauch weiß; der After ſchwarz geſtreift; die Schwungfedern dunkelbraun mit weißen Spitzen; die Schwanzfedern an der Wurzel ſchwarz, nach der Spi⸗ tze zu orangengelb, mit zwei dunkelbraunen Streifen. Merkwuͤrdigkeiten. Sie kann ſich ſehr hoch in die Luft ſchwingen, und wie ein Pfeil gerade auf die Erde wieder herabſtuͤrzen. Dabei ſchreit ſie unaufhoͤrlich, wie eine Ziege, Maͤckeraͤ: daher ihr Name Him⸗ melsziege. In moorigen Gegenden, beſonders wenn ſie mit Buffon des Ois. VII. p. 462. t. 25. Woocock. Latham Syn. III. I. p. 129. n. 1. Friſch Vögel. Taf. 226. 227. Männchen und Weibchen. *)Scolopax Gallinago. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 662. n. 7. Becas- ine. Buffon des Ois. VII. 483. t. 26. Common Snipe. La tha m Syn. III. I. p. 134. Rr. 6. Friſch Vögel. Taf. 229, Der gemeine Kiebitz 427 | Gebüͤſch umwachſen ſind, trifft man ſie an. Hier legt ſie auch in eine vom Waſſer ausgeſpuͤlte Erdhoͤhle ihre 4 bis 5 ſchmutzig olivengruͤne, mit braunen Flecken beſetzte Eier. Ihre Nahrung beſteht aus allerhand Gewuͤrmen und Inſektenlarven, doch frißt ſie auch Getreide, namentlich Hafer und weiche Sumpfgraswurzeln. Daß ihr Fleiſch unter die Delikateſſen gehört, iſt eine bekannte Sache. Gezaͤhmt it ſie ein ſehr artiger Vogel. 18414. Der gemeine Kiebitz). Beſchreibung. Er hat die Groͤße einer Taube, iſt in ganz Europa auf waͤſſerigen und ſumpfigen Wieſen anzutreffen, und hat ſeinen Namen von dem Geſchrei, das er ſo oft im Fluge von ſich zu geben pflegt. Er iſt bekannt genug. Der Rüden und die Fluͤ⸗ gel find roth. | Merkwürdigkeiten. 9 Seine Nahrung beſteht aus verſchiedenen Arten von Waſ⸗ ſerkaͤfern und andern Inſekten, kleinen Waſſerſchnecken, Regen⸗ wuͤrmern, auch in allerhand Waſſerpflanzen. Die Jungen laſſen ſich leicht zaͤhmen, mit Ameiſeneiern aufziehen, und an Kleie und Milch gewoͤhnen. Man kann die Eier den Tauben unterlegen laſſen. Man muß aber ſehr ſorgfaͤltig Acht haben, weil die Sun: gen gleich, wenn ſie ausgekrochen ſind, davon laufen. Den Al⸗ ien verſchneidet man die Fluͤgel und ſetzt ſie zur Vertilgung ſchaͤdli⸗ cher Inſekten und Gewuͤrme in die Gaͤrten. Im Winter ſetzt man ſie in die Stube, und giebt ihnen wuͤrmerfoͤrmig geſchnittenes Ochſenherz, wodurch ſie ſich leicht an anderes Fleiſch gewoͤhnen laſſen und dann auch Brod freſſen. Da, wo ſie ſich in großen Zuͤgen niederlaſſen, ſtellt man wegen ihres guten Fleiſches Vo⸗ gelherde auf ſie, die man zur Lockſpeiſe mit Regenwuͤrmern belegt. Man kann ſie auch in Schlingen von Pferdehaaren fan⸗ gen, die man in die Binſengaͤnge, durch welche man ſie laufen ſieht, oder neben ihr Neſt ſtellt. *) Tringa ee. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 248. n. 2. ate Buffon des Ois. VIII. 46. t. 4. Lapwing. Latham Syn. I. p. 261, n. 2. Friſch Vögel. Be: 213. Der Kampfhahn. 183. Der Kampfhahn“). (Streitvogel, Brauſehahn, Hausteufel). Beſchreibung. Er iſt faſt eben fo groß als der Kibitz, und halt fi im noͤrdlichen Europa allenthalben auf, wo Seen und weitlaͤuftige Moraͤſte find. Merkwuͤrdig iſt, daß er unter allen Voͤgeln faſt der einzige iſt, der in der Farbe fo ſehr abändert, wie das Haus: geflügel; denn Aſchgrau, Roſtfarbig, Weiß und Schwarz iſt auf allerhand Art mit einander vermiſcht, und man findet faſt kein Paar, das einerlei Farbe hätte, Bleibende Kennzeichen find das her nur ein Kragen von langen Federn, die auf dem Vordertheile, an den Seiten des Halſes und am Hinterkopfe ſitzen, und ſich, wenn der Vogel zornig iſt, wie ein umgekehrter Teller vorwaͤrts emporſtraͤuben, und dann das warzige rothe Geſicht. Fuͤße und Schnabel ſind roth. Das Weibchen hat eine beſtimmtere Zeichnung. Es iſt blaßbraun, der Ruͤcken ſchwarz gefleckt, Bruſt und Bauch weiß und der Hals glatt. : Merkwürdigkeiten. Die Nahrung dieſer Vögel beſteht aus Wuͤrmern und In⸗ ſekten, auch Sumpfgraͤſern, und ihr Neſt findet man auf einem trocknen Raſen oder in einem Binſenſtrauch in naſſen Wieſen. Die Hennen ſchmecken gut, aber die Haͤhne muß man vorher maͤſten. Letztere zeichnen ſich beſonders durch ihre Hitze und Streitſucht aus, ſtehen daher beſtaͤndig bei einander und kaͤmpfen, und ſind oft ſo auf einander erpicht, daß man ihnen das Netz uͤber den Kopf herziehen kann. Einige, in einem Korb beiſammengeſteckt, bringen einander um. Sie laſſen ſich leicht, beſonders jung, zaͤh⸗ men, und, was das ſonderbarſte iſt, ſo merkt man in der Stube bei jungen aufgezogenen gar nichts von ihrer Streitſucht, waͤh⸗ rend, wie bekannt, die Voͤgel, welche im Freien freundſchaftlich bei einander leben, doch im Zimmer ſich immer zanken und bei⸗ ßen. Die Gefangenſchaft bewirkt alſo hier gerade das Gegentheil. In der Stube fuͤttert man ſie mit Brod oder Semmeln in Milch geweicht; auch mit Fleiſch. 9) Tringa pugnax. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 669. n. 1. Combat- tant on Paon de mer. Buffon des Ois. VII. 521. p. 29. 30. Ruff. La- tham Syn III. I. p. 159. Friſch Vögel. Taf. 232, 233, 234, 235 und 238. 186, Die Meerlerche ). (Steinpider) Beſchreibung. Dieſer Sumpfvogel, der die Groͤße einer Rothdroſſel hat, iſt ſehr gemein an allen Fluß: See: und großen Teichufern. Er ſchreit beſtaͤndig, wenn er auffliegt, hell: Zizizizi. Er hat einen ſchwarzen Schnabel, dunkelbraungruͤne Füße, iſt am ganzen Ober⸗ leibe dunkelaſchgrau ſeidenartig glaͤnzend, mit ſchwaͤrzlichen, an den Seiten gezackten Querbinden und hellroſtfarbenen Kanten; uͤber die Augen laͤuft ein weißlicher Strich, und durch dieſelben eine dunkelbraune, ſchmale Linie; der Unterleib iſt ſchoͤn weiß, die Bruſt ſtark dunkelbraun geſtrichelt; die Schwungfedern find ſchwarzbraun, die vordern auf der innern Fahne, die uͤbrigen aber auch auf der aͤußern mit großen, weißen Flecken; die gro⸗ ßen Deckfedern derſelben mit weißen Spitzen; dieß bildet zwei weiße Flecken auf den Fluͤgeln; die drei mittlern Federn des Schwanzes find graubraun mit ſchwarzen Querbaͤndern, die übrr⸗ gen weiß mit dunkelbraunen Raͤndern. Das Weibchen iſt etwas groͤßer und heller. Merkwuͤrdigkeiten. Man kann dieſen Vogel ſehr leicht in der Stube halten, wo er wegen ſeines niedlichen Anſehens und Betragens viel Ver⸗ gnuͤgen gewährt. Er läuft außerordentlich ſchnell, bewegt den ganzen Hinterleib unaufhoͤrlich und lockt hoch und zaͤrtlich His duͤzi, beſonders in der Abenddaͤmmerung. In der Freiheit frißt er Inſekten und Gewuͤrme, die das Waſſer an das Ufer ſchwemmt. In der Stube, wo man ihn frei herum laufen laͤßt, nimmt er mit dem gewoͤhnlichen Stubenfutter vorlieb, wenn man ihm nur gleich Anfangs etliche Mehlwuͤrmer oder Ameiſeneier hinwirft, und lieſt auch Mohn und Ruͤbſamen auf. Wenn man mehrere Stu⸗ benvoͤgel hält, fo muß man das Trinkgeſchirr weit von dem Fut⸗ tergeſchirr ſetzen, ſonſt macht er es gleich truͤbe, weil er alles, was er frißt, hinein traͤgt, um es ſo feucht als moͤglich zu ge⸗ nießen. Er frißt alle Augenblicke. Artig iſt es, wenn er flie: ) Tringa Cinclus. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 680. n. 18. Alouette de mer. Buffon des Ois. VII. p. 548. Purre. Latham Syn. III. I. p. 182. n. 30. Meine N. G. Deutſchlands. IV. Taf 9. * Die Meerlerche. 429 Das gruͤnfuͤßige Meerhuhn. gende Inſekten fängt. Er ſchleicht ſich nämlich, gerade wie eine Katze, langſam an ſie mit niedergedruͤcktem Kopfe, und ſchnappt ſie dann geſchwind weg. Ich habe beſtaͤndig einen unter meinen Stubenvoͤgeln herum laufen. Da habe ich denn auch bemerkt, daß wohl alle Strandlaͤuferarten Steindreher ſein moͤgen, denn er wendet alles um, um zu ſehen, ob etwa Inſekten darunter ſind. — Man kann dieſe Voͤgel leicht fangen, wenn man nur die Pfloͤcke, Flechten und andere Stellen am Ufer bemerkt, wo fie ſich oft hinſetzen, Leimruthen dahin legt, und fie dann langſam darauf zu treibt. — Diefe Meerlerche und den Wach⸗ telkoͤnig kann man, als Sumpfvoͤgel, wirklich unter die eigent⸗ lichen Stubenvoͤgel rechnen. 187. Das grünfüßige Meerhuhn )). (Waſſerhuͤhnchen, rothes Blaͤßhuhn). Beſchreibung. Dieſer Vogel, den man faſt auf allen Teichen in Deutſch⸗ land findet, iſt 1 Fuß lang; der Schnabel, außer der gruͤnlichen Spitze, iſt mit dem eirunden, kahlen Stirnlappen und den kah⸗ len Kniebaͤndern orangenroth; die Fuͤße ſind mit ihren unfoͤrm⸗ lich langen Zehen olivengruͤn; Kopf, Obertheil des Halſes, Koͤr— per und Deckfedern der Fluͤgel ſind dunkelolivengruͤn; die vor⸗ dern Schwungfedern und der Schwanz dunkelbraun; Bruſt und Bauch aſchgrau; After und Fluͤgelrand weiß. Am Weibchen iſt die kahle Stirn olivenbraun. 8 Merkwuͤrdigkeiten. Ungeachtet dieſer Vogel keine eigentliche Schwimmfuͤße hat, ſo kann er doch ſo geſchickt als ein anderer Waſſervogel ſchwim⸗ men. Er ſetzt ſich aber auch auf die Zweige des Gebuͤſches, das am Ufer ſteht, wie ein Landvogel, ruht aus und laͤuft auch herum. Sein Neſt findet man an den Ufern im Gebuͤſch oder Schilf. Es beſteht aus allerhand zuſammengeflochtenen Waſſer⸗ kraͤutern, beſonders Schilf, und iſt ſo feſt angeſchlungen, daß es bei hochſtehendem Waſſer ſchwimmt, ohne fortgeriſſen zu wer: ) Fulcia chloropus. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 698. n. 4. Poule d' eau. Buffon des Ois. VIII. 171. t. 15. Common Gallinule. Latham Syn. III. 1. p. 258. n. 12. Friſch Vögel. Taf. 209. | i | j Der Wahtelfönig. 431 den. Die Eier find auch oft mit Waſſer umgeben. Seine Nah: rung beſteht in Waſſerinſekten, Waſſerſaͤmereien und Waſſerpflan⸗ zen. Er laͤßt ſich ſehr leicht, beſonders jung, zaͤhmen, frißt da⸗ bei ſehr gern Semmel in Milch geweicht. Ich habe ſelbſt ver⸗ ſchiedene auf dem Hofe unter den Huͤhnern herum laufen ge⸗ habt. Sie gingen auch auf die naͤchſten Teiche, kamen aber bald wieder. Ich hatte gar keine Muͤhe mit ihrer Zaͤhmung. Den ganzen Tag ſtanden fie auf dem Hofe an der Miſtlacke und laſen die Muͤckenlarven aus. f 188. Der Wachtelkönig“). (Wieſenknarrer, Schrecke, Schnaͤrz, Ralle). (Taf. VI. Fig. 8.) | Beſchreibung. | Diefer Vogel hat mit der Wachtel einerlei Heimath, und iſt da haͤufig und ſelten, wo dieſe häufig und felten iſt, zieht auch mit ihr im Herbſt fort, und kommt mit ihr im Fruͤhjahr wieder an, woher eben der Name Wachtelkoͤnig enſtanden iſt. An Groͤße gleicht er einer Miſteldroſſel und iſt 10 Zoll lang. Der Schnabel iſt zuſammengedruͤckt, oben braungrau, unten fleiſchfarben; die Füße find hellbleifarben; Kopf, Hinterhals, Ruͤk⸗ ken und Schwanz find ſchwarz, ſtark roͤthlichgrau eingefaßt, daher dieſe Theile rothgrau und ſchwarz gefleckt erſcheinen, und bei zu⸗ ſammen und in Ordnung gelegten Federn ſieht man auf dem Ruͤcken und den Schultern hin fuͤnf ſchwaͤrzliche Laͤngsſtreifen, die auf den Deckfedern und hintern Schwungfedern große eirund⸗ liche Flecken bilden; uͤber und unter den Augen iſt ein aſchgrauer Streifen; vom Schnabel geht durch die Augen ein rothgrauer Streifen; die Deckfedern der Fluͤgel und die vordern Schwungfe⸗ dern ſind braunroth; Hals und Bruſt ſchmutzig aſchgrauz der Bauch weiß, an den Seiten und am After roſtfarben und weiß⸗ geſtreift, die roſtfarbenen Streifen mit dunkelbrauner Einfaſſung. Das Weibchen iſt an der Bruſt blaß aſchgrau, und die zwei Augenſtreifen ſind grauweiß. Merkwuͤrdigkeiten. Von dieſem Vogel läßt das Männchen des Abends und Nachts ) Rallus Crex. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 711. n. I. Rale de ge- nét ou Roi des cailles. Buffon des Ois. VIII. 146. t. 12. Crake Galli- nule. Latham Syn. III. 1. P. 250. n. I. Friſch Vögel. Taf 211. \ Die mittlere Waſſerralle. auf den Wieſen und Aeckern einen ſcharfen und ſchnarrenden Ge⸗ fang: Arrp, Schnarrp! hören. Man ſieht ihn ſelten fliegen. Er nährt ſich von Inſekten, Saͤmereien und im Zimmer befin⸗ det er ſich bei Semmeln in Milch geweicht, bei Weizen, Gerſte und Hirſen, die man ihm vorſtreut, ſehr wohl. Das Weibchen legt acht bis zwoͤlf gruͤnlichgraue, hellbraun gefleckte Eier auf die bloße Erde, aus welchen ſchwarzwollige Junge ſchluͤpfen, die nach drei Wochen erſt ihre bunten Federn erhalten; das Weib⸗ chen bruͤtet ſo emſig, daß es oft auf dem Neſte mit der Senſe ge⸗ koͤpft wird. Die Jungen laufen im Herbſt mit den Wachteln unter die Haferſchwaden und koͤnnen alsdann mit den Haͤnden gefangen werden. — Dieſe Voͤgel betragen ſich wie junge Huͤh⸗ ner, und die Jungen piepen auch ſo. Artig klingt es, wenn die Maͤnnchen des Abends ihr Arrp, Schnarrp! rufen, und beide Gatten zur Paarungszeit, auch ſonſt, ſich zuſammenſetzen und wie die Katzen brummen und knurren. Sie geben auch denſelben Ton von ſich, wenn man ſie in die Hand nimmt, und man hoͤrt ihn nicht im Schnabel, ſondern in der Bauchhoͤhle 189. Die mittlere Waſſerralle ). (Taf. VI. Fig. 9. Weibchen, Fig. 10. Maͤnnchen.) Beſchreibung. Dieſer Vogel iſt ſo groß als eine Wachtel und in ſeinem Betragen dem Vorhergehenden gleich. Der Schnabel und die Fuͤße mit den langen Zehen find gruͤnlich; die Federn am Ober: leibe ſchwaͤrzlich mit olivenfarbigen Raͤndern und weißen Stri⸗ chelchen; am Unterleibe aſchgrau, weiß gefleckt; die zwei mittlern Schwanzfedern ſind weiß geraͤndert. | Merkwürdigkeiten. Er lebt einzeln an Ufern der Fluͤſſe, Teiche und Seen im Schilf und Rietgras. Ich habe noch keinen lebendig in der Stube gehabt. Allein Herr Lieutenant v. Schauroth beſaß einen, und ſchreibt mir daruͤber folgendes: Er wurde außerordent⸗ lich zahm. Wenn ich nur eine Bewegung machte, ſo ſteckte er ſich oder druͤckte ſich unbeweglich an die Erde, daß man ihn ) Rallus Porzana. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 712. u. 13. Petite Rale d'eau ou Marouette. Buffon des Ois. VIII. 157, Spotted Galli- nule. Latham Syn. III. I. p. 264. n. 18. Friſch Vögel. 212. Nau⸗ manns Vögel. III. Taf. 31. Fig. 42. Der ſtumme Schwan. | 463 fortſtoßen konnte, ſonſt lief er den ganzen Tag mit vorgeſtrecktem Kopfe ſehr ſchnell herum, und aus den Haͤnden wand er ſich wie eine Schlange los. Er fraß der Nachtigallen Univer⸗ ſalfutter, ſonſt mochte er aber weder Gewuͤrme noch Inſekten; halb verfaulte Raſen (aus Laubfroſchgraͤſern) liebte er, wovon er die weißbeſchlagenen Wurzeln fraß. Er badete ſich gar oft des Tages, dabei legte er ſich auf die Seite, wie es die Huͤhner im Sande thun. Er ließ feine Stimme wenig hören, welches ein ſehr langes Sick war, ſonſt hatte er noch einen murrenden, bel⸗ 1 lenden Laut, wie ganz junge Hunde. | 1 Dieſer ſchoͤne Vogel war im Winter an einer warmen Quelle 1 mit Schlingen gefangen worden. Er flog faſt gar nicht auf, und wenn er es that, fo that er es ſtillſchweigend. Des Nachts war er ſehr unruhig, beſonders bei Mondenſchein. Gegen andere Voͤ⸗ gel war er ſehr vertraͤglich, hatte eine beſondere Freundſchaft mit einem Staare geſchloſſen; vor dieſem legte er ſich nieder, und die⸗ fer ſtrich ihm die Federn aus. Er fraß ſehr wenig. | 4 Auch Herr Hofrath Dr. Meyer in Offenbach hat mehrere 1 dieſer Voͤgel in der Stube gehabt. Sie fraßen bei dieſem Ger⸗ 1 ſtenſchrot in Milch geweicht, und vorzuͤglich den Hirſen ſehr gern. 1 X. Schwimm vögel. | Sie werden auch Waſſervoͤgel genannt, und unterſcheiden | ſich vorzuͤglich durch ihre Füße, die ihrer Beſtimmung nach mit | einer Schwimmhaut verbunden find. Sie halten ſich theils im | Waſſer allein, theils aber geſellſchaftlich im Waſſer und auf dem Lande auf. Es laſſen ſich auch verſchiedene zaͤhmen; ich darf aber doch nur diejenigen anfuͤhren, die blos des Vergnuͤgens we⸗ gen gehalten werden, auch in die Stube gehen und das Waſſer gaͤnzlich entbehren koͤnnen. Es ſind deren nur wenige, ſechs an der Zahl. Sie ſind alt und jung zaͤhmbar. 190. Der ſtumme Schwan’). I Beſchreibung. | | Er wird gewöhnlich zahmer Schwan genannt. Ich nenne ) Anas Olor. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 501. n. 47. Le Cygne | Naturgeſch. d. Stubenvögel. 464 Der ſtum m e Schwan. ihn aber den ſtum men, um ihn deutlich genug von dem Sing: ſchwan, den man auch den wilden nennt, zu unterſcheiden, welcher aber keinen Hoͤcker auf dem Schnabel hat, auch kleiner iſt und den Hals gerade in die Hoͤhe traͤgt. Bei uns ſieht man ihn nicht zahm, obgleich er in Rußland gewöhnlicher gezaͤhmt wird als der ſtumme Schwan. Dieſen findet man in ſeinem wilden Zuſtande faſt überall in Europa, und vorzuͤglich häufig in Sibi⸗ rien. Da, wo man ihn in Deutſchland den Winter uͤber und ganz zahm haben, und die Teiche und andere Gewaͤſſer damit zieren will, muß man ihm jung das erſte Gelenke der Fluͤgel ab⸗ ſchneiden oder zerknicken, denn ſonſt zieht er im Herbſt als ein Zug⸗ und Strichvogel weg. | | 1 Er iſt weit größer als eine Hausgans, und fein langer Hals, den er im Schwimmen wie ein 8 gebogen trägt, macht, daß er 4½ Fuß lang iſt, die Flügel klaftern 7 Fuß; er wiegt 25 ja wohl 30 Pfund. Sein Schnabel iſt dunkelroth, am Ende deſſel⸗ ben ein ſchwarzer einwaͤrts gekruͤmmter Nagel, und an der Wur⸗ zel der Kinnlade ein großer ſchwarzer runder Auswuchs; zwiſchen dem Schnabel und den Augen iſt eine dreieckige ſchwarze nackte Haut. Die Fuͤße ſind im erſten Jahre ſchwarz, im zweiten blei⸗ farben und alsdann zinnoberroth. Das ganze Gefieder iſt ſchnee⸗ weiß. | Merkwürdigkeiten.‘ Die Behauptung, daß er vor feinem Ende noch einen rei- zenden Geſang anſtimme, iſt eine poetiſche Fabel; denn er kann vermoͤge des Baues ſeiner Luftroͤhre, die ohne Beugung gerade in die Lunge geht, nichts als ein leiſes Ziſchen, ein Schnurren und Brummen, und ein leiſes zaͤrtliches Gequackele hervorbringen. Der eigentliche Schwanengeſang gehoͤrt eigentlich dem Singſchwane zu. Vielleicht, daß ein Dichter dieſen einmal gehoͤrt hat, und daß man in der Folge jenen darunter verſtanden hat. — Ihre Nahrung machen allerhand Waſſerkraͤuter und Inſekten, beſon⸗ ders Waſſerkaͤfer aus. Im Winter muß man ſie mit Getreide fuͤttern und in ein warmes Behaͤltniß treiben. Das Weibchen macht ein großes Neſt von Schilf, Binſen und Stengeln, fuͤttert Buffon des Ois. IX. 3. t. 1. Mute Swan. La tha m Syn. 1m. 2. p. 436. n. 2. Friſch Vögel. Taf. 152. a — Die Brandente. 465 es mit ihren Bruſtfedern aus, legt ſechs bis acht gruͤnlichweiße Eier, und bruͤtet ſie in fuͤnf Wochen aus. Unterdeſſen wacht das Maͤnnchen immer in ſeiner Naͤhe, geht auf alles los, was ſich dem Neſte naͤhert, und hat in ſeinen Fluͤgeln ſo viele Staͤrke, daß es einem Menſchen Arme und Beine zerſchlagen kann. In der Jugend ſehen die Jungen grau aus, und man ſagt, daß ſie ein Die Jungen ſind eine delikate Speiſe, und die Federn ſind weit Alter von hundert Jahren und druͤber erreichten. Nicht allein ihrer Schönheit, ſondern auch ihres oͤkonomiſchen Nutzens wegen verdienten fie, daß man ihre Zaͤhmung fleißiger betriebe, da fie uͤberdieß weniger Wartung und Pflege beduͤrfen, als die Gaͤnſe. koſtbarer als Gaͤnſefedern. Aus Lithauen, Polen und Preuſſen kommen jährlich viele Centner zur Meſſe nach Frankfurt an der Oder. Auf der Spree und um Berlin, Spandau und Potsdam ır. werden die gezaͤhmten Schwaͤne im Sommer, vorzuͤglich im Mai, zuſammengetrieben und gerupft. Auch die Haut bereitet man mit den Flaumfedern zu einem Pelzwerke, und braucht ſie unter andern zu feinen Puderquaſten. ü | 191. Die Brandentet). (Brandgans). ( Taf. VI. Fig. 11. Maͤnnchen, Fig. 12. Weibchen. 1 Beſchreibung. Sie iſt 2 Fuß lang; der Schnabel hat an der Wurzel einen fleiſchigen Hoͤcker, iſt glatt gedruͤckt, ſcharlachroth, der Nagel und die Naſenloͤcher ſind ſchwarz; die Fuͤße fleiſchroth; der Kopf und Oberhals iſt entenhalſig; das Uebrige am Halſe und der Bauch weiß; uͤber die Bruſt laͤuft ein orangenbraunes, breites Quer⸗ band; der. Ruͤcken und die Deckfedern der Fluͤgel ſind weiß; die Schultern ſchwarzgeſchaͤckt; die erſten Schwungfedern ſchwarz, die folgenden violet, die mittlern roſtfarben und die letztern weiß; der Spiegel gruͤn, violet glaͤnzend; die 8 weiß, an der Spike: ſchwarz. an Merkwuͤr digkeiten. | Sie bewöhnt den Norden der alten Welt. Sie galt ſich Hoͤhlen in die Ufer oder niſtet in Felſenritzen. Wegen ihrer be: *) Anas Tadorna, Gmelin, Lin. Syst. I. 2,p 506. n. 4. Tadorne. Buff. des Ois. IX. p. 205. t. 14. Sheldrake. La kh. Syn. III. 2. p. 504. n. 51. Friſch Vög. Taf. 166. 28* BE EZ = — — — 4 K * 466 Die Saat: oder Moor: Gans. — Die Bergente. fondern Schönheit wird fie gezaͤhmt auf dem Hofe gehalten, und dient in der That mehr zur Zierde als zum Nutzen; denn ihr Fleiſch ſchmeckt ranzig. Sie frißt mit den andern Enten. 192. Die Saat: oder Moor⸗Gans “). Beſchreibung. Sie iſt kleiner als unſere zahme Gans, hat aber einen Tän- gern Hals und laͤngere Fluͤgel. Der Oberleib iſt braungrau; der Unterleib grauweiß; die Bruſt roſtgelb gewoͤlkt; der Schna⸗ bel iſt in der Mitte rothgelb, ſonſt ſchwarz, in der Mitte etwas eingebogen; die Beine ſind ſiegellackroth. Dieſe Gans iſt nicht die Stammmutter unſerer zahmen Hausgans. Denn die Stammrace dieſer wohnt an dem deut⸗ ſchen Meere und ſieht ganz ſo aus, wie unſere graue Hausgans. | Merkwürdigkeiten. Sie halt ſich in den noͤrdlichſten Gegenden an der See auf, koͤmmt aber im Herbſt in großen dreieckigen Zuͤgen in die ſuͤdlichen, bleibt im Winter da, und naͤhrt ſich von der Roggen⸗ ſaat. Es giebt in Thuͤringen Gegenden, wo ſie im Winter zu vielen Tauſenden beiſammen liegen. Sie ſind ſehr ſcheu, ſtellen, wenn fie ſich lagern, Waͤchter aus, und find daher ſchwer zu ſchießen und zu fangen. Werden ſie fluͤgellahm geſchoſſen, ſo thut man ſie auf den Hof unter anderes Federvieh; ſonſt faͤngt man ſie auch zuweilen in ausgelegten Schlingen, die man dahin ſtellt, wo ſie des Nachts gewoͤhnlich einfallen. Sie gehen gern mit andern Gaͤnſen; ich weiß aber nur ein Beiſpiel, daß ſich ein wilder Gaͤnſerich mit einer zahmen Gans gepaaret hat. =: 193. Die Bergente, (Warte, Moderente“ ). Beſchreibung. Dieſe Ente, welche den Norden von Europa, Aſien und Amerika bewohnt, kommt im Herbſt und Winter in die ſuͤdlichen Gegenden. Man faͤngt und ſchießt ſie alsdann unter den gewoͤhn⸗ ) Anas Segetum. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 512. n. 68. The Bean- Goos. Latham Syn. III. 2. p. 462. n. 23. Friſch Vögel. Taf. 155. **) Anas Marila. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 509. n. 8. Millouinou. Buffon des Ois. IX. p. 229. Scaup Duck. Latham Syn, III. 2. p. 500. n. 49. Friſch Vögel. Taf. 170. e * Die wilde Ente. — Die Wintermoͤve. 467 lichen Enten. Sie wird außerordentlich zahm, geht auf dem Hof unter andern Enten herum und frißt gern in Waſſer ein⸗ getauchtes Brod, trocknen und eingequellten Hafer und Gerſte, und uͤberhaupt das gewoͤhnliche Entenfutter. Sie hat faſt die Groͤße der zahmen Ente, iſt ſchwarz, der Bauch und Spiegel weiß, uͤber die weißen Fluͤgelfedern, Schultern, und den Ruͤcken ſchoͤn fein ſchwarz an der Quere linirtz Fluͤgel und Schwanz ſind ſchwaͤrzlich. | ac Er 194. Die wilde Ente). ; Beſchreibung. Sie iſt die Stammmutter unſerer Haus ente, und wird uͤberall in Europa auf Fluͤſſen, Teichen und Seen angetroffen. Sie iſt 2 Fuß lang, aſchgrau, weiß und braun in die Quere geſtreift und gewellt; Kopf und Hals ſind entenhalſig, die Bruſt kaſtanienbraun und der Spiegel violetgruͤn. Das Weibchen iſt lerchengrau. . fee | | Merkwürdigkeiten. Sie leben, wie alle wilden Enten, den Sommer über paarweiſe, und ſchlagen ſich im Herbſt in große Herden zuſam⸗ men. Ihr Neſt findet man neben dem Waſſer in Binſen und auf Baumſtruͤnken, auch im Walde eine ziemliche Strecke davon, und das Weibchen legt 12 bis 16 Eier. Man trifft oft Herden von Jungen an, die im Thuͤringerwalde ausgebruͤtet ſind, und von der Mutter nach einem Teiche gefuͤhrt werden ſollen. Wenn man dieſe faͤngt, ihnen das erſte Fluͤgelgelenk knickt, und ſie mit zahmen Enten auf einen Teich ſetzt, ſo paaren ſie ſich mit dieſen, gewoͤhnen ſich an ihren Fuͤtterer, und laſſen ſich auch im Winter mit in einen Stall treiben. Sie werden mit Netzen, Angeln, und auf dem Herde gefangen. f 5 195, Die Wintermöve “n). (Aſchgraue, Islaͤndiſche, gefleckte Moͤve). (Taf. VI. Fig. 13 und 14.) Sie iſt 14 Zoll lang, und da fie bis zum vierten Jahre ihre ) Anas Boschas fera. Gmelin Lin. Syst, I. 2. p. 538. n. 40. Ca- nard sauvage. Buff on des Ois. IX. 115. t. 7. et 8. Mallard. La tha m Syn. III. 2. p. 489. n. 43. Friſch Vögel. Taf. 158. 159. 193. ) Larus tridactylus. Rissa, cinerarius et naevius. Gmelin Lin. Syst. I. 2. p. 594. 595. 597. 598. n. I. 2. 4. 5. Mouette cendrée. Buffon dse Ois. VIII. 424. Tarraca. Latham Syn. III. 2. p. 392. 393. n. 18. 19. w . 2 £ . 2 1 468 Die Wintermöpe, Federn aͤndert, fo hat fie auch eine verſchiedene Kleidung. Die Alten ſehen am Schnabel gruͤngelb aus, das Innere des Mun⸗ des iſt orangengelb; die Fuͤße ſind olivenbraun mit fehlender Hin⸗ terzehe; Kopf, Kehle, Hals, Unterleib und Schwanz weiß; hin⸗ ter jedem Ohre ein ſchwaͤrzlicher Fleck; (doch auch nicht immer) der Ruͤcken und die Deckfedern der Fluͤgel ſind blaß⸗ oder blaͤulich⸗ grauz die Schwungfedern weiß, die erſtern mit ſchwarzen Spitzen. Diejenigen, welche einen dunkelgrauen halben Mond auf den Nacken haben, ſind noch nicht vier Jahre alt. Merkwuͤr digkeiten. N Dieſe Moͤve bewohnt die noͤrdlichen Gegenden von Europa, und zieht im Winter nach Suͤden. Wenn im Februar, nach gu⸗ tem Wetter, wieder ſchneereiche Witterung eintritt, ſo liegen ſie in Deutſchland in Menge auf den Fluͤſſen und Teichen, und es kommen dann viele um. Man kann ſie alsdann an den Ufern, wo man einen Platz von Schnee reinigt, und mit Netzen und Schlingen belegt, leicht fangen. Obgleich ihre Nahrung eigent⸗ lich Fiſche und Waſſerinſekten ſind, ſo nimmt ſie doch auf dem Hofe mit Brod und andern Speiſen vorlieb, laͤßt ſich leicht zaͤh⸗ men und lebt dabei auf dem Trocknen eben ſo gern als auf dem Waſſer; im Winter thut man ſie in eine Stube, wo es nicht allzuwarm iſt; man kann ſie aber auch im Hofe laſſen, und mit den Enten des Abends in ein reinliches Behaͤltniß treiben. a u 2 8 x , Regi Seite. A. Aasrabe 58 Ackerlerche 260 Ackermaͤnnchen 382 — gelbes 385 Adelſter i 6 Aelke 61 Afternachtigall 334 Alpengrasmuͤcke 380 Alpenlerche N 272 Alpenſaͤnger 380 Alſter 67 Alter der Stuben voͤgel 28 Amazonenpapagei, der gelbEd= pfige 111 ut, d. gemeine 110 Amazonenpapagei, der ve pfige Ammeritz BER 5 Ammer, gefleckter 2271 — gemalter i en — gemeiner 1174 E großer 5 174 Amſel 5 299 Aras, blauer 84 > mer 8 — — großer | 85 — rother 81 Aſchenmeiſe 397 Aufenthalt der Stubenvoͤgel 9 Auszehrung 23 Azel cb Seite. B. mi Bachamſel 285 Bachſtelze 382 — blaue 382 — gelbe 385. 386 — gelbe mit ſchwarzer f 8 — gelbbruͤſtige — gemeine i 385 — graue 277. 382. 385 — kleine | 386 — ſchwarzkehlige 382 Bachſtelze weiße 382 Bartammer = 180 Bartmaͤnnchen 400 Bartmeiſe 400 Baſtardnachtigall 352. 363 Baumhacker 127 Baumhaͤnfling 213 Baumlerche 268 Baumnachtigall 1 5Y} Baumpieper 0 Baumſchnepfe 7³ Baumſperling „ Becaſſine 426 Bengaliſt, getiegerter 156 — punktirter 156 Bergamm er 170 Bergamſel 302 Bergelſter, kleiner 49 Bergente 466 Bergfink 207 — großer 234 470 Berglerche Bergſtaar Bergzeiſig Biereſel Birkheher — lebfarbiger Biſchof Blabrock Blaßhuͤhnchen, rothes Blauhals Blauhaͤnfling Blaukehlchen Blaukopf Blaukroͤpfl Blaumuͤller Blaumeiſe Blaurock Blauſpecht Blautaube Blauvogel Blauziemer Bleikehlchen Bleimeiſe Blutdroſſel Blutfink Bluthaͤnfling Brachlerche Brachpieper Brandente Brandgans Brandmeiſe Braßler Braunelle Braunkehlchen Brauſehahn Buchfink Buntdroſſel Buntſpecht — großer — kleiner — mittlerer Buſchelſter Buſcheule Buſchlerche Bymeiſe Byrolf Regiſter. C. Canarienfink Canarienhaͤnfling Canarienſperling Canarienvogel Canarienzeischen Cardinal Cardinalkernbeißer Cardinal-Sittich Cardinaͤlchen Chriſtoͤphl Cirlus Citrill Citronenfink Citronenzeiſig ö D. Dickſchnabel Diſtelfink — blauer — blaukoͤpfiger — rothſchnaͤbliger Diſtelvogel Diſtelzeiſig Dohle Dohmpfaffe Dominikaner-Ammer Dominikaner-Kardinal Dominikaner⸗Kernbeißer Dominikaner⸗Wittwe Dorndreher Dorngreul, kleiner Dornreich — gemeiner — großer — kleiner Dreckhahn Drecklerche Drehen der Voͤgel Drehhals Droſſel — große Duͤrrſucht Dullerche Durchfall Regifen 471 Seite. E. Egeſter 67 Eichelheher 62 Eichelkehr 62 Eichelkraͤhe 62 Eisvogel 125 Eifter 67 Elſterſpecht 449 Embritz 171 Emmerling 171 Engelchen 228 Ente, wilde 467 Erdfink 228 Erlenzeiſig 228 Eule 43 — geflammte 43 — weiße 43 Fack 62 Fang der Stubenvögel 28 Feldbachſtelze 277 Feldhuhn 414 Feld kraͤhe 60 Feldlerche 260 Feldrabe, kleiner 60 Feldſperling 5 211 Feldtaube 409 Felſentaube 4702. 409 Fettammer 176 Feuervogel 158 Fichtenhacker 135 Fichtenkernbeißer 135 a DL 129 Fink 191 — angoliſcher 259 — blaubaͤuchiger 257 — mit blutrothem Schnabel 168 — braſiliſcher 256 — glaͤnzender 5 254 — lapplaͤndiſcher 234 — leberfarbner 2058 — rother 158 ginkenbeißer 52 Finkenmeiſe g 388 Finkenwuͤrgvogel 52 Fitis 367 Seite. Fitis gemeiner oder gelber 367 Flachsfink 218 Fliegenfaͤnger ſchwarz u. weiß 379 Fliegenſchnaͤpper weißer 39 Fliegenſtecher 376 Fluͤelerche 380 Flußnachtigall 303 Berpflanzng ber Stuben voͤ⸗ gel Fußkrankheit 26 G. Gaalammer a 171 Gacke 61 Gaͤgler 207 Gaͤnſehirt f 75 Galgen vogel 69 — großer 58 Garbenkraͤhe 69 Gartenammer 176 Gartenkraͤhe 67 Gartenfink 191 Gartenmeiſe 397 Gartenroͤthling 349 Gartenrothſchwaͤnzchen 349 Geelgerſt, | 171 Gelbbruſt 363 Gelbhaͤnfling 144. 213 Gelbling N 171 Gelbvogel 73 Gelsvogel 69 Gereuthlerche 273. 277 Gerſtenammer 174 Gerſtvogel 174 Geſang der Stubenvoͤgel 2 Geſangdroſſel 292 Gieber 137 Gimpel 137 — rothbruͤſtiger 137 Girlit "7 Girlitz-Haͤnfling 150 Gixerle 297 Gogler 207 Goldammer 171 — aſchgrauer (in eee, Goldaͤmmerchen 371 Goldamſel 73 Golddroſſel Goldeule Goldfink Goldhaͤhnchen Goldkraͤhe, wilde Goldmerle Goldrabe Golmer Goolammer Graslein Granatvogel Grasmuͤcke, blaue — braungelbe kleine — braungefleckte — fahle — gemeine — geſchwaͤtzige — graue — gruͤngelbe — kleine graue — kleinſte — ſchwarze — ſchwarzkoͤpfige — weiße Grasmuͤtſche Grasſpatz Grasſpecht Grauammer Graufink Grauhaͤnfling Graumantel Graumeiſe Graurabe Grauſpecht Grauveitel Grein voͤgelchen Grenadier-Kernbeißer Grillenlerche Grinzling Groͤning Groth-Jochen Großmeiſe Gruͤnfink Gruͤnhaͤnfling Gruͤnkraͤhe Gruͤnling Regiſter. Gruͤnſpecht Gruͤnvogel Guckaug Gucker Gugelſihaus Haakenkreuzſchnabel Habichtkorb Hahle Haidelerche Haidemeiſe Halbvogel Halsvogel Haͤnfling — angoliſcher s — gruͤner — kleiner cothplattiger Hanfmeiſe Harzmeiſe Haubendroſſel, boͤhmiſche Haubenblutfink Haubenlerche Haubenmeiſe Haubenzaunkoͤnig Haus -Bachſtelze Hausente Hauskraͤhe, ſchwarze Hauslerche Hausrothſchwaͤnzchen Hausroͤthele Hausſperling Haustaube Hausteufel Haͤubellerche Haͤßzler Heckenammer Heckenſchmatzer⸗ Heckenſpatz Heerſchnepfe Heervogel Heher Heidelerche Heidenelſter Heiſter Herbſt⸗Krickpapagei Herbſtpapagei 346. Huͤſter Herzeule Himmelslerche Himmelsziege Hirngrill Hiſter Hoͤrnermeiſe Hofſperling Hoftaube Hohltaube Holzhacker Holzheher Holzkraͤhe, blaue Holzlerche Holzmeiſe Holzſchnepfe Holzſchreyer Holztaube — große Hundsmeiſe Huſar, gruͤner Hutſche Jako Indigo⸗Ammer Inſeparabel Irlie Iſperling Ißerling Juckvogel Jungfernmeiſe Jupitersfink K. Kaͤſemeiſe Kakatu, Bankſcher — gelbhaͤubiger — gemeiner — großer, weißer — kleiner, weißer — rothbaͤuchiger — rothhaͤubiger Kalkſcheiß J. 273. Regiſter. 473 Seite. Seite 43 Kampfhahn 44323 67 Kauz, kleiner 44 67 Kauzeule 43 62 Kaͤuzchen 444 260 Kayke itt 61 426 Kehlroͤthchen 355 150 Kernbeißer, brauner 147 277 — braunwangiger 165 399 — dunkelblauer 161 209 — gebaͤnderter — 8 164 409 — gelbaftriger 162 402 — getuͤpfelter 163 127 — gruͤner 144 62 — Kapſcher 160 69 — laſurblauer 162 268 — Malackiſcher | 166 393 — rothſchnaͤbligen 168 425 — ſchwarzwoͤlkiger 167 62 — Senegaliſcher 2 155 402 Kernfreſſer | 135 404 Kettſchnepfe 426 393 Kiebitz, gemeiner 427 85 Kiefernkreuzſchnabel a 133 67 Kielrabe 5 58 277 Kirchenfalke 40 Kircheule 43 104 Kirſch⸗ oder Kernbeißer, 8 189 ner N 147 113 Kirſchenſchnabler N 147 277 Kirſchfreſſer 339 352 Kirſchknaͤpper % 147 176 Kirſchvogel f 73 395 Klaas a a 61 221 Klaber 127 b Kleiber 127 — gemeiner 127 395 Klepper 147 403 Kletter 221 101 Kloſterwenzel 334 99 Knipper | 180 99 Kobellche 266 101 Kohlamſel 299 102 Kohleule 5 43 101 Kohlkrabe 58 24 BT, kleine 388. 393 474 Kohlvögelchen Kolkrabe Kolkraue Koͤnig, gruͤner Koͤnigsammer Kornfink Kornlerche Kornſperling Kothhahn Kothlerche Kothmeiſe Kothmoͤnch Kottlerche Krametsvogel — großer Krannabetsvogel Kraͤge Kraͤhe, blaue — gemeine — gemeine und große — graue — Straßburger Krankheiten der Stubenvoͤgel Krappenfreſſer Kratte Krauthaͤnfling 213. Krautlerche 273. Krautvoͤgelchen 277. Kreuzmeiſe Kreuzſchnabel, großer 133. Kreuzvogel Krickelſter, großer — kleiner Krinitz Krummſchnabel Kuckuk, aſchgrauer — europaͤiſcher ſingender — gemeiner Kugelelſter Kuhſcheiße Kuppenmeiſe L. Lachtaube Lachweyhe Landvoͤgel Regiſter. Seite. Langſchwanz, ſpitzbaͤrtigen 400 Laubvogel, gelbbaͤuchiger 363 Laubvoͤgelchen 8 — kleinſtes 368 Laͤuſeſucht der Voͤgel 26 Leicheneule 44 Leinfink 213 Lein vogel 273 Lenwark 260 Lerche 260 Lerchenfink 234 Lerchenkaͤuzchen 44 Lerchenſtrich 264 Liebes fieber 27 Liebich 137 Lochtaube 409 Locke 30 Lory mit blauer oder ſchwarzer Muͤtze 107 — blaukoͤpfiger 107 — von Ceram 107 — geſchwaͤtziger 107 — Noira 107 — purpurkappiger 107 — ſchwarzkappiger 109 Luͤdlerche 268 Luͤft 137 Luͤning 209 Luͤrle 266 Luch 137 Luftlerche 260 M. Mandelkraͤhe 69 Markelfuß 62 Markwart 62 — ſchwarzer 65 Mauernachtigall Mauſern 26 Meeramſel Meerheher 69 Meerhuhn, gruͤnfuͤßiges Meerlerche Meerſtieglitz Meerzeiſig Meiſenkoͤnig Nonpareill 190 — Prediger⸗ Regiſter. 475 3 Seite. Mehlmeiſe 395 Nußbeißer 62. 65. 147 Mehlrabe | 61 Nußhacker 127 Merle 299 Nußheher 62. 65 Merlmeiſe 395 Nußknacker 63 Minifter 189 Nußkraͤhe 65 Mino 80 Nußpicker 65 Mirmaldlein 2368 O. Miſteldroſſel — Ochſenaͤuglein 371 Miſtler 290 f } Mittelrabe 60 Ordnung der Stubenvoͤgel 37 bene 466 Ortolan 176 Moͤnch a 334 2 Moͤnchmeiſe 397 Pabſt 190 Moͤhren⸗Kernbeißer 161 Pabſtvogel 190 Moͤhrenkopf 334 Papagei, aſchgrauer 104 Moorgans 466 — aus Angola gelber 88 Moorlerche 279 — aus Carolina 98 Moosemmerling 182 — blauhaͤlſiger 113 Moripoſa 190 — mit blauem Geſicht 112 Moͤve, aſchgraue, Fee — blaukoͤpfiger und blaukeh⸗ gefleckte 467 liger 113 Muͤllerchen 343 — blauer und gelber 84 Murrmeiſe 334. 397 — deutſcher a 69 Muſafreſſer 124 — gemeiner aſchgrauer 104 N N. — grauer, mit rothem | Nachtigall 307 Schwanze 104 — gemeine 307 — guineiſcher 104 — pohlniſche, ungarifche, wie⸗ — langſchwaͤnziger gelber 88 ner 329 — ganz rother 107 — virginiſche 153 Paradiesammer 186 Nachtſaͤnger (Sproſſer) 329 Paradieskernbeißer 157 Nachtſaͤnger (Grasmuͤcke) 341 Parisvogel 135 568 Parkit, blauer und gruͤner 115 Nahrung der Stubenvoͤgel 14 — blauköpfiger guineiſcher 113 Natterwindel 121 — grüner langgeſchwaͤnzter 88 Nebelkraͤhe 61 — kleinſter 115 Neſſelfink 376 — rothkoͤpfiger guineiſcher 113 Nettelkoͤnning 369 — roth- und blaukspftzer 90 Neuntoͤdter, gemeiner 46 Pavuan 89 — großer rother 52 Perleule 43 — kleiner 54 Peſtilenzvogel 287 — kleiner grauer 45 Pfaͤffchen 376 — mittlerer 52 Pfeffervogel 287 Nikawitz 207 — brafilifcher 116 Nonnenmeiſe 397 — gelbbruͤſtiger — 3 re en Eng 476 Pfeifammer Philomele Pfingſtvogel Pickmeiſe Pieplerche Pimpelmeiſe Pinelmeiſe Pips r Pisperling Plattenmeiſe Plattenmoͤnch Plauderer Plauderrackervogel Plochtaube Prediger = Pfeffervogel Prunellgrasmuͤcke Puͤhloh Purpurfink Purpurvogel O. Quakel Quaͤcker Queckſtern Quietſchfink | R. Raab Raake Rabe, blauer — gemeiner — grauer — indianiſcher — ſchwarzer — weſtindiſcher Rabenkraͤhe Racher Racke, blaue — gelbe Racker — europaͤiſcher Rackervogel Ralle Ranzeule Rapfinke Rappe Rothvogel Regiſter. Raubvoͤgel Raue Rebhuhn, gemeines — rothes oder griechiſches Regenbogenpapagei Regenkatze Reisfreſſer Reiskernbeißer Reisvogel Repetiervoͤgel Rietmeiſe Ninderftelze Ringamſel Ringdroſſel Ringelſperling Ringeltaube Ringſperling Rittelgeier Ritter Banks Kakatu Rohrammer Rohrdroſſel Rohrgrasmuͤcke Rohrmeiſe Rohrſaͤnger Rohrſperling Roller Rothbruͤſtchen Rothbruͤſtlein Rothdroſſel Rothfink Rothhaͤnfling Rothkehlchen — blaues Rothkopf — kleiner Rothkroͤpfchen Rothſchnabel E glattkoͤpfiger Rothſchwanz — ſchwarzer Rothſchwaͤnzchen, gemeines — großes Rothſperling Rothſtaͤrt Rothſterzchen Seite. 39 58 414 422 84 73 154 154 154 323 397 386 302 302 211 404 231 40 103 182 303 365 400 365 211 69 355 349 297 191 213 355 359 52 218 355 168 155 349 346 349 30⁵ 211 349 349 221. 307 Regiſter. 477 Seite. a Seite. Roͤthling 346. 349. 376 Schneevogel 1569 Rubinbengaliſt 156 Schnupfen ; 23 = e Schopflerche ˖ 266 =. Schopfmeife 399 Saatgans pin 466 Schrecke 431 Saatkraͤhe 1 60 Schulz von Milo e Saatlerche 260 Schwan, ſtummer 463 Salatlerche ei 266 Schwarzamſel 299 Sanglerche 2060 Schwarzdroſſel N 299 Saͤnger, blaukehliger 359 Schwarzkappe 334 — gelbbaͤuchiger 363 Schwarzkehlchen 346. 349. 379 = rvothbruͤſtiger 355 Schwarzkopf 22510 334 — ſchieferbruͤſtiger i 352 Schwarzmeiſe f 393 — ſchwarzbaͤuchiger 346 Schwarzplatte f 334 — ſchwarzkehliger 349 Schwarzplattl 334 Sattelkrähe 61 Schwimmvoͤgel 463 Sauerkoͤnig 367 Seeamfel 285 Saulocker i 349 Seidenſchweif N 287 Schacker Nr 296 Seidenſchwanz, gemeiner 287 Schackruthchen 363 — europaͤiſcher 287 Schaflerche 277 Senegaliſt, gemeiner 155 Schalaſter f 67 Singdroſſel 292 Schildamſel 302 Singvoͤgel 260 Schildfink 191 Sittich-Lory amboiniſcher 98 Schildkraͤhe 61 — blaukoͤpfiger 87 Schildnachtigall 359 — caroliniſcher 98 Schilfdornreich 365 — gelber 88 Schilfſaͤnger 365 — graubruͤſtigeen 96 Schilfſchmaͤtzer 182. 365 — Guianiſcher 89 Schilfvogel 182 — mit den Halskragen 96 Schlagtaube Nr eh 409 — ilineſiſcher ö Schlagwachtel ö 416 — kleinſter 5 115 Schleiereule a 43 — Pennantifcher 92 — gelbe 43 — mit roſenrothem Halsband 95 Schleierkauz 43 — rothkoͤpfiger aus Benga⸗ Schleiernuffe 43 len 91 Schmittl 367 — rothkoͤpfiger aus Borneo 92 Schnarre N 290 — rothkoͤpfiger aus Gingi 91 Schnaͤrz 431 — rothſchnaͤblicher 88 Schneeammer 10 169 — rothſtirniger 90 Schneedohle 5 61 — zweiflediger 94 Schneefink 169. 234 Sommerkoͤnig 367 Schneegaͤcke 61 Sommerzaunkoͤnig 371 Schneekoͤnig 3069 Spanier 8 | 30952 Schneelerche 169. 272 Spatz 209 Schneeſperling 169 Specht, geſprenkelte 119 478 Specht graukoͤpfiger — norwegiſcher Spechtmeiſe, gemeine Speckmeiſe Sperber, rother Sperelſter Sperling, bengaliſcher — braſiliſcher — Guineiſcher — von Java — ſchwarzer Sperlingsammer Sperlingseule Sperlingsparkit Sperrmeiſe Spiegelmeiſe Spiegel voͤgelchen Spießlerche Spitzlerche Spottvogel Sprehe Spreufink Sproſſer Sproßvogel Spruhe Staar, gemeiner Staarmatz Stadtroͤthling Standvoͤgel Stechlitz Steinamſel Steinbachſtelze Steinbeißer Steindroſſel Steinemmerling Steinhuhn Steinklatſche — kleine Steinklitſche Steinlerche Steinmerle Steinpicker Steinrabe Steinroͤthel Steinſchmack Steinſchmatzer Regiſter. Seite. 118 118 127 397 40 46 156 254 113 154 254 184 44 115 393 388 359 273 273 341 281 191 329 329 281 281 281 346 29 221 303 382 374 305 178 422 374 379 374 268 305 429 58 305 40 374 Seite. Steinſchmatzer, braunkehliger 376 — großer 374 — kleiner 376 — ſchwarzkehliger 379 — weißſchwaͤnziger 374 Sticherling, gelber 385 Stieglitz 221 — amerikaniſcher oder gelber 255 — gruͤner 258 Stiftsfraͤulein 5 382 Stinkhahn 75 Stockamſel i 302 Stockziemer 302 Storch, ſchwarzer 42⁵ — weißer 424 Straußmeiſe 399 Streitvogel 428 Strich voͤgel 29 Stuben voͤgel, Alter derſelben — Aufenthalt derſelben — Begriff derſelben — Fang derſelben — Fortpflanzung derſelben — Geſang derſelben — Krankheiten / derſelben — Nahrung derſelben — Ordnung derſelben Sucht, fallende Sumpflerche 277. 279 Sumpfmeiſe 397 Sumpfnachtigall 303 Sumpfſaͤngen 365 Sumpfvögel 2 423 Taglerche 260 Tagnachtigall . 307 Tahe 61 Tannenfink 207 Tannenheher 65 Tannenmaͤuslein 371 Tannenmeiſe — 2893 Tannenpapagei 129. 133 Tauben 402 — gemeine und zahme 409 — große wilde 407 — wilde 402 — — Regiſter. 479 5 Se lte. Seite. Teichſaͤnger 365 Waldfink 1391. 376 Thale 61 Waldkauz 43 Thurmeule 43 Waldlerche 268 Thurmfalke 40 Waldmeiſe 393 Thurmkraͤhe 61 Waldroͤthling 355 Todteneule 43. 44 Waldrothſchweifl 346 Todtenhuͤhnchen 44 Waldſaͤnger 341 Todtenvogel 376 Waldſchnepfe 425 Toͤppellerch 266 Waldſperling 211 Tottler 127 Wandweher 40 Traͤnkheerd ö 31 Wannenweher 40 Truns 221 Warte 466 Tſchezke ä 218 Wartengel 46 Tukan 115 Waſſeramſel 285 Turako 123 Waſſerhuͤhnchen 430 Turteltaube | 406 Waſſerlerche 279 — indianiſche 412 Waſſernachtigall 359 Tutter 144 Waſſerpieper 279 | Waſſerralle mittlere 432 I. Waſſerſchwaͤtzer 285 Ufertaube 409 Wafferiperling 182 Univerfalfutter der Stubenvoͤ⸗ Waſſerſtaar 2855 gel 18. 19 Waſſerſtelze 382 een 382 egeſtern 2 Verſtopfung 24 Wegflecklein | 29 — der Fettdruͤſen 24 Weglerche 260 Viehbachſtelze, gelbe 386 Weidenblatt 367 Vogel Puͤhloh 73 Weidendroſſel 303 Voͤgel, großſchnaͤbliche 81 Weidengucker 365 — huͤhnerartige 414 Weidenſaͤnger 368 — kraͤhenartige 47 Weidenſperling 211 t den 39 Weidenzeiſig 368 — Schwimm⸗ 463 — großer 367 — Sing⸗ | 260 Weidrich 365 — ſpechtartige 117 Weindroſſel 297 — ſperlingsartige 128 Weiſel 297 — Sumpf⸗ 423 Weißbartl 343 W. Weißdroſſel : 292 Weißkehlchen 343. 374. 379 Wachholderdroſſel 296 Weißkehle, große 339 Wachtel >” 416 Weißmuͤller 343 Wachtelkoͤnig 430 Weißſchwanz 374 Wächter 46 Weißſpecht 120 Wackelſterz 382 Wendehals 121 Waldbachſtelze 273 — gemeiner 121 480 Regiſter. Seite. a Seite. Weyrauchvogel 73 Wuͤrger, ſchaͤckiger 54 Wiedehopf, gemeiner 75 Wutſche 191 Wieſenammer Wieſenemritz Wieſenknarrer Wieſenlerche Wieſenpieper Wieſen vogel Wildwald Windſche Windſucht Windwahl Winſel Winterkoͤnig Winterkraͤhe Winterlerche Wintermoͤve Winternachtigall Winterſperling Wippſtaͤrt Wisperle Wisperlein Wiſtling ie Witt ewal Witwe mit goldgelbem Hals⸗ 186 bande — ſchaftſchwaͤnzige Wollentramper Wuͤrgengel Wuͤrger, blaukoͤpfiger — gemeiner — grauer — großer grauer rothkoͤpfiger rothruͤckiger 3. Zahmmachen der Voͤgel 12. 13 Zaunammer a 178 Zaunemmeritze 178 Zaunkoͤnig 369 Zaunſchliefer 369 — großer 352 Zaunſchluͤpfer 369 Zeiſig 228 Zeischen 228 Zerte 352 Zetſcher 207 Zeumer 296 Ziemer 296 Zimmermann 117 Zipammer 5 180 Zipdroſſel a 292 Ziplerche 277 Zippe 292 Zißchen 228 Zirlammer 178 Zitrinchen 232 Zizi 178 Zizirelle 287 Zuckervogel 236 Zugvoͤgel 29 Zwergeule f 44 Zwergpapagei 113 Zwitſcherling 218 Zwitzer 290 Zwuntſche 144 Berichtigungen. S. 101. 3. 12. l. Taf. I. ft. Taf. II. „273. 2. l. Taf. IV. ft. Taf. VI. \ Cambridge University Library, On permanent deposit from the Botany School Al ä ů | | 3 8 Ib | I. Einleitung. | @ Seite $. I. Begriff der Stubenvögel. . 1 5 „ 2. Geſang ge = 2 12 | „ 3. Aufenthalt — 9 5 | „ 4. Nahrung — 14 „ >: 5. Fortpflanzung — 20 1 „ 6. Krankheiten — Be Fr 22 5 7. Alter — 28 „ 8. Fang — 28 „ 9. Ordnung — 37 ö II. Beſchreibung der einzelnen Arten A 5 der Stubenvögel. | 9 A. Land voͤgel. "14 I. Raubvögel. 114 4 1, Thurmfalke. 1 40 | 2. Schleiereule. 43 3. Kleiner Kauz. 44. II. Krähenartige Vögel. a N been o hh | GG ↄð m ᷣͤ V oa 49 = | 6. Rothkoͤpfiger — „„ . xvı Inhalt. 7. Rothruͤckiger Wuͤrger. 8. Kolkrabe. 9. Rabenkraͤhe. 10. Nebelkraͤhe. 11. Dohle. FE 12. Holzheher. . 13. Zannenheher . 14. Eifte. . : 15. Mandelkraͤhe 16. Pirol. 3: 17. Gemeiner Wiedehopf. 18. Gemeiner Kuckuck. A £ III. Großſchnäblige Vögel. . > 21a. Blauer — | 21b. Grüne — 22. Illineſiſcher Sittich 23. Blaukoͤpfiger — 24. Gelber — 25. Rothſchnaͤbliger — 26. Guianiſchen — 27. Rothſtirniger — 28. Cardinal⸗ Sittich 29. Pennantſcher c- 30. Zweifleckiger - 31. Roſennackiger — 32. Schildkragen⸗ Sittich 33. Graubruͤſtiger — 34. Caroliniſcher⸗ Sittich. 35. Amboiniſcher Sittich⸗Lory 36. Gemeiner Kakatu. Pr 63. 64. . Gelbhäubiger Kakatu. Rothhaͤubiger — ER . Rothbäuchicher Kakatu Bankſcher — en Aſchgrauer Papagei. Geſchwaͤtziger Lory. . . Purpurkappiger — Schwarzkappiger — . 5 Weißkoͤpfiger Amazonen⸗ Pasdges Gemeiner — — Gelbkoͤpfiger — u . Herbft: Krikpapagei. - . Blauhälfiger Papagei. Rothkoͤpfiger Parkit. Sperlings-Parkit. .Gelbbruͤſtiger Pfeffervogel . Brafitifcher, — Prediger⸗ a IV. Spechtartige Vögel. „ Gruͤnſpecht. | ) Grauſpecht Buntſpecht. Weißſpecht. „Grasſpecht. Wendehals. Turako. „Eisvogel. ee Gemeiner Kleiber. V. Sperlingsartige Vögel. Fichten⸗Kreuzſchnabel. Kiefern⸗ = Inhalt. ME. 129 133 Inhalt. 65. Haken⸗Kreuzſchnabel. 66. Gimpel. 67. Gruͤnling. 2 68. Kirſch⸗Kernbeißer. 69. Girlitz. ; 70. Cardinal⸗Kernbeißer. 71. Reiß⸗ — 72. Gemeiner Senegaliſt. 73. Getiegerter Bengaliſt. 74. Paradieß⸗Kernbeißer. 75. Dominikaner⸗ 76. Grenadier⸗ — 77. Capſcher — 78. Mohren — 79. Dunkelblauer — 80. Laſurblauern — 81. Gelbafteriger — 82. Getuͤpfelter — 83. Gebaͤnderter — 84. Braunwangiger — : 85. Malackiſchen — 86. Schwarzwoͤlkiger a. Moluckiſcher — b. Schwarzer — 87. Rothſchnaͤbliger — 68. Schneeammer. e 89. Bergammer. 90. Goldammer. 91. Gerſtenammer. 92. Gartenammer. 93. Zaunammer. 94. Zipammer. | Inhalt. XIx 0 Seite Bin. en. ee ꝛ mſdt | 96. Sperlingsamme r. 184 i BF: Darabkesnnie. r.. | ener Ammer... 4 P ·² mm v ET 2 100. Indigo⸗ Ammer. 189 1 101. Gemalter Ammertr .. 1 2 0 102. Gemeiner Fine. 1791 5 2 N A 1 | Uusſperun zz ee 1 ) re 2 4 106. Hänſtnng .. 23 1 197. Flache 22 42 RT ee ee ER PB 1059. gefůůuuuu. er | Fe: III. Gironenfn » nme 2332 13 112. Leichenf f. >; 15 | 113. Schnee 3 er Der re en 2 u ener Finn 2 € CC T Gt 8 117. Gelber Stieglii . 32 > 5 118. Beaſtliſcher ern.... 8 256 8 119. Blaubaͤuchiger Fina. 2257 1 120. Leberfarbener Finn. 28 L I 121. Gruner Stiegliů iz... 232258 | 122. Angoliſcher Haͤnflin g. 2359 Ei“ : VI. Singvögel. 5 ji Jae > ei 124. Haubenles dhe. 2 WM ũùAE . .... re = t 268 xx Inhalt. * 126. Berglerche. 127. Baumpieper. 128. Brachpieper. 129. Wieſenpieper. 130. Waſſerpieper. 131. Gemeiner Staar. 132. Waſſer⸗Schwaͤtzer. - 133. Gemeiner Sanz. 134. Miſtel⸗Droſſel. 135. Sing —- 136 Wachholderdroſſel . 137. Rothdroſſel. 138. Schwarzdroſſel. 139. Ringdroſſel. 140. Rohrdroſſel. 141. Steindroſſel 142. Nachtigall. 143. Sproßer. 144. Mind. . 145. Graue Grasmuͤcke. 146. Fahle — 147. Muͤllerchen. 148. Haus : Rothſchwänschen 149. Garten⸗Rothſchwaͤnzchen. 150. Braun elle. 151. Rothkehlchen 152. Blaukehlchen 153. Baſtardnachtigall. 1354. Teichſaͤnger. 155. Fitis. 156. Weidenzeiſig. 157. Zaunkoͤnig. Inhalt. 158. Goldhaͤhnchen. En 159. Weißſchwaͤnziger Steinſchmaͤtzer. 160. Braunkehliger — 161. Schwarzkehliger — 162. Fluͤelerche. 163. Weiße Bachſtelze. 164. Graue — 165. Gelbe — 166. Kohlmeiſe. 167. Tannenmeiſe. 168. Blaumeiſe.. 169. Sumpfmeiſe. 170. Haubenmeiſe. 171. Bartmeiſee. . Holztaube. . Ringeltaube. . Zurteltaube. „Haustaube n Mönche. b. Schildtauben. e. Schwalbentauben. d. Bindige Moͤnche. 5 e. Weiß koͤpfe. f. Maskentauben. g. Staarenhaͤlſe -. h. Bruͤſter i. Kopftaubns k. Schleiertauben. Ex I. Bindige Weißköͤpfe. m. Trommeltauben. n. Purzeltauben. Inhalt. 0. Mövchentauben p. Pfauentauben 9. Perruͤckentauben. r. Kropftau ben. ; 2 8. Tuͤrkiſche Tauben 176. LachtaubbwbC - » 1 . VIII Hühnerartige Vögel. 177. Reb hun. 178. Wachtel. 179. Stein hunn. B. Waſſervsgel. Sumpfvögel. 180. Weißer Storch. 181. Schwarzer ⸗ 182. Waldſchnepfe. 183. Heerſchnepfe. 184. Gemeiner Kiebitz. 185. Kampfhah n. 186. Meerlerche : : : 187. Grünfüͤßiges Meerhuhn. 188. Wachtelkönig. 4 189. Mittlere Waſſerralle. X. 190. Stummer Schwan. 191. Brandente. 192. Saatgans 193. Bergente. 9 ? 194. Wilde Ente. 195. Winter⸗Moͤve.